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LIBRARY OF CONGRESS
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AELTERE
TIROLISCHE DICHTER.
EESTER BAND:
DIE PLÜEMEN DER TÜGENT
DES
HANS VIMffeEß{h
HERAUSG.EGEBEK
IGNAZ V. ZINdERLE.
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INNSBRUCK.
VERLAG DER W AGNER'SCTIEN ÜNIVERSITÄTS- BUCHHANDLUNG.
1874.
DIE
PLÜEMEN DER TÜGENT
DES
HANS VINTLER.
HERAUSGEGEBEN
IGNAZ V. ZINGEELE,
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INNSBRUCK.
VERLAG DER WAGNER'SCHEN UNIVERSITÄTS - BUCHHANDLUNG.
1874.
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V0Z
Druck der WAGrNER'schen Universitäts-Buchdruckerei.
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7t
Dr. J. Victor Scheffel
gewidmet.
Verehrtester Herr!
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Male Ihr Gedicht
RüNGLSTEIN BEI BOTZEN.
Noch heute freut's mich, o Runglstein,
Dass einstmals, zu guter Stunden,
In der Talfer felsenges Thal hinein
Zu Dir den Weg ich gefunden.
Melodisch scholl aus der Tiefe empor
Des Wildbachs entströmendes Tosen,
Am Burgpfad erblühten in lustigem Chor
Glutnelken und wilde Rosen.
Des Rungisteins verfallen Gebäu
Weiss Nichts von Grämen und Trauern,
Der Geist der Dichtung, fröhlich und frei,
Nistet in seinen Mauern.
Herr Konrat Vintler einst oben sass,
Des Kurzweil war, allerwegen
Beim Klang der Laute und Stengelglas
Der freien Künste zu pflegen.
Längst war des Minnelieds Glanz vorbei
Und Anderes wollt' sich gestalten,
Drum dacht' er, ein künstlerisch Konterfey
Entschwundener Pracht zu behalten.
Viel sinnige Maler malten ihm gern
Die Helden der altdeutschen Lieder;
Noch schauen Herr Hagen und Dietrich von Bern
Vom Söller zum Burghof hernieder.
VIII
Und Grau iu Grau — dort den Saal entlang,
"Wer deutet die Gruppen, die holden?
's ist Gottfrieds von Strassburg minniger Sang
Von Tristan und Isolden.
Tristan und Isolde auf -weitem Meer, —
Isolde und Tristan im Walde, —
Brangäne lächelt — betrüblich sehr
Steht König Marke der Alte . . .
Noch heute freut's mich, o Runglstein,
Dass einstmals, zu guter Stunden,
In der Talfer felsenges Thal hinein
Zu Dir den "Weg ich gefunden.
Durch der Fenster farbige Scheiben entsandt'
Die Sonne ihr Gold vor dem Scheiden;
Es umflammte die Schildereien der Wand
Wie ein Gruss vergehender Zeiten.
Im Rittersaale am hohen Kamin
Sass lang ich, in Sinnen versunken,
Und habe im feurigen Wein von Tramin
Des Vintlers Gedächtniss getrunken.
Wer immer in's sonnige Etschland fährt,
Halt' Einkehr in diesen Räumen,
Und ist ihm eine Isolde bescheert,
Mag ^r von ihr hier träumen.
Gaudeamus 118.
las, dachte ich mir, diesem Herren hat es auch der Burggeist von
Runkelstein angethan, wie so vielen Andern, — und auch meiner
Wenigkeit. Es freute mich unsäglich, auch Sie als Genossen zu
sehen, noch mehr freute mich die Verherrlichung des in seiner Art
einzigen Schlosses. Und wenn ich seitdem auf dem Runkelstein
sass und von dem alten Glanz der Burg träumte, so schwebten
auch im langen Zuge jene Männer vorüber, die einst hier gewohnt,
oder das Schloss besucht und hochgeehrt hatten. Darunter er-
schienen Oswald von Wolkenstein, Georg von Freundsberg, Kaiser
Max, der letzte Ritter, Josef von Görres und der alternden Bnrg
hoher Verehrer König Ludwig I. von Baiern u. A. Den langen
Zug schloss aber der jungfrische Trompeter von Säkkingen. Wie
IX
oft habe ich seitdem auch Ihr Lied gelesen, das mir oft neuen
Trost gewährte, wenn die letzte Hoffnung für unsere Burg zu
schwinden begann. Wie oft klangen die Verse dann:
„Des Rungisteins verfallen Gebäu
Weiss Nichts von Grämen und Trauern,
Der Geist der Dichtuug, fröhlich und frei,
Nistet in seinen Mauern".
wie labende Profezie an meine Seele, Aber selbst der Trost dieser
lustsamen Worte mnsste endlich verwehen, wie dünner Nebel im
Morgenwinde. In die Berühmteste der tirolischen Burgen ist trotz
des Geistes der Dichtung, der dort ahnungsvoll weht und webt,
Grämen und Trauern eingezogen, denn sie steht dem gänz-
lichen Verfalle nahe. Im Jahre 1868 schon ist eine Mauer mit
Tristans-Fresken in die Tiefe gestürzt, und die von Kaiser Max I.
so hochgehaltene Burg ist nun eine traurige Ruine. Es wäre längst
Ehrenpflicht des Landes oder Anderer gewesen, dies Kleinod tiro-
lischer Kunst zu retten, allein meine seit 1857 wiederholten Not-
rufe verhallten an tauben Ohren. Obwol man auf alte Herrlichkeit
so gerne prahlt und pocht, es fehlt dennoch Sinn und Herz für
alte Grösse. Selbst Jene, die von ihren Ahnen und deren Lieb-
lingssitzen so gerne erzählen, lassen die alten Burgen zerfallen und
der romantische Zauber der Ruinen mehrt sich hierzulande in
schauriger Weise *). Sollte Runkelstein , die durch Kunst und
Dichtung geheiligte Burg, sich allein eines bessern Looses erfreuen?
Lasst die grauen Mauern mit den berühmten Fresken nur hinunter-
rollen in die wildaufschäumende Talfer, lasst das vom „letzten
Ritter" erneuerte und verschönerte Schloss in Trümmer fallen, der
Burggeist wird fortleben und einst rächend mit Euch Gericht halten,
besserer Ahnen unwürdige Eintagsmenschen! Wer das theuerste
und schönste Erbstück der Ahnen, um das uns Andere nah' und
ferne beneiden, pietätlos preisgibt, der ist selbst der Unholden
dunkler Macht verfallen ....
Sie aber, vereintester Freund, haben die zusammenbrechende
') Sieh Augsburger Allgemeine Zeitung 1868 No. 305 u. 33 1.
Burg noch einmal mit ihrer melodischen Poesie verklärt, und ihr,
ohne es zu ahnen, das Schwan enlied gesungen, in dem ihr An-
denken fernerhin fortleben wird. Nehmen Sie als Ausdruck
herzlichen Dankes dafür Hans Vintlers Buch entgegen, das Sie
oft an Runkelstein und dessen letzten treuen Knappen erinnern
möge.
Wüten am 17. März 1874.
Dr. J. V. Zingerle.
Einleitung.
Der Verfasser unser's Werkes nennt seinen Namen an
mehreren Stellen:
also han ich Hans Vintler 122.
mein Hans Vintler, la der von 5370.
sweiga, mein Hans Vintlär 5761.
ei, mein lieber Hans Vintlär 10091.
dass man mich haisset den Vintlär 10103 1).
und lässt uns über seine Familie und seine Heimat in keinem
Zweifel. Er gehörte also dem reichen, mächtigen Geschlechte der
Vintler an, die wol ihren Namen von ihrem Stammorte Vintel2)
führten und im Ausgange des 14. Jahrhunderts zu den angesehen-
sten Herren der Bozener Gegend zählten 3). Ein Thor und eine
Gasse dieser berühmten Handelstadt war nach ihnen benannt. Den
grössten Aufschwung nahm dies Geschlecht aber unter dem geld-
mächtigen und kunstsinnigen Nikolaus Vintler, Rath und Amt-
mann des Erzherzogs Leopold. Nikolaus erkaufte mit seinem Bruder
Franz am Pfingstdienstag 1385 das Schloss Runkelstein sammt
Zugehör von dem Ritter Ciprian von Villanders und wurde damit
am 9. Dezember 1385 von Bischof Albert von Trient belehnt. Die
neuen Herren, welche diese an der Mündung der Talferschlucht so
herrlich gelegene Burg zu ihrer Lieblingsstätte erkoren, sparten
») SGD. schreiben Vindler. W. bietet Vincklär 5370, Vinclär 5761,
1091, 10105. Letzteres weiset auf Vintlär, da t und c leicht verwechselt
werden konnten.
2) Vintulen um 1150, Vintelu um 1200 ein Dorf im Pusterthale, drei
Stunden von Brixen entfernt. Staffier, Tirol II, 156. Tinkhauser, Brixen I, 295.
3) Vergl. über dies Geschlecht B. Weber's, Meran 82 ff. Tirol, Ge-
schichtsfreund 1866, S. 298. Tirol. Archiv I, 296.
XII
nicht Gut, Geld und Kunstsinn, um dieselbe in einen Prachtbau,
geschmückt von Kunst und Poesie, umzugestalten, denn sie erbauten
nun den nordwestlichen Flügel, die der hl. Catharina geweihte
Capelle und zwei Thürme, und umgaben das Castell mit neuen
Vorwerken 1). Und dass der erweiterten Burg die Weihe der
Kunst und Poesie nicht fehle , wurden die Säle mit Fresken
aus Tristan und Isolde, aus Pleier's Garel, der Gang mit Triaden
aus der deutschen Heldensage und aus andern Dichtungen, die
Halle mit Schildereien und Medaillons geschmückt. Die Capelle
erhielt von einem sehr guten Meister der alten italienischen Schule
jene Bilder aus dem Leben der hl. Catharina, deren spärlichen
Resten H. Hess seine Bewunderung zollte. Dass Sinnsprüche und
Reime an den Wänden nicht fehlten, zeigen uns noch die vor
wenigen Jahren lesbaren Zeilen:
ich sach den mai mit rosen umfan,
darzu vil maniger hande vogellin.
— — — — solden stan,
si sungen so schone, daz es erhall
" in den bergen überall 2).
Diese durch Kunst verklärten Hallen sollten aber auch eine
Pflegestätte der Wissenschaft und Poesie werden. Die Burgherren
hatten den gelehrten Schreiber Hainz Sentlinger aus München nach
Runkelstein berufen, der hier die Christherrechronik schrieb 3), und
') Noch im 17. Jahrhundert fand man an der Capelle die Inschrift : Ego
Nicolaus Vintler hoc castrum Runkelstain nuneupatum legaliter comparavi.
Tandem anno MCCCLXXXVIIL mense Augusti possessionem eiusdem castri
corporaliter subiuivi, quod quidem castrum hactenus in strueturis, minalibus (?)
muris vactm . . . mar . . . desolatum, edifieiis , fossato, antimuralibus canipis,
cisternis, salis, stubis et pluribus commodis augendo a novo edidi et reforraavi.
Tir. Archiv I, 296.
2) Ueber die Fresken vergl. Freskencyclus des Schlosses Runkelstein bei
Bozen. Gezeichnet und litografirt von Ignaz Seelos, erklärt von J. V. Zingerle.
Innsbruck 1857.
3) Pergamenthandschrift, 305 BI. in Grossfolio, nun im Besitze der
Herren von Vintler in Bruneck. Am Schlüsse heisst es: auch hat ditz puech
geschriben und volpracht Hainz Sentlinger von München und ein tail getichtet,
und ist gar volpracht, do man zalt von Christes geburd tausend jar, drew
hundert jar und in dem vier und neuntzigsten jar an der Etsch auf dem
Runkelstain pei meinem herrenNiclas dem Vintler in dem moned
XTTI
legten eine reiche Büchersammlung an. Obwol letztere längst spur-
los verschwunden ist, können wir doch einige Werke derselben mit
Sicherheit nennen. Ausser der Christherrechronik fanden sich in
dieser Bücherei Tristan und Isolde *), Pleier's Garel, H. von Trim-
berg's Renner, H. v. Mügeln's Uebersetzung des Valerius Maximus
und das italienische Werk „Fiore di virtü". Zweifelsohne gehörte
auch das Heldenbuch an der Etsch, das Kaiser Max I. von Hans
Ried, Zollner in Bozen, abschreiben liess2), der Bibliothek dieses
Schlosses an, für das der grosse Kaiser eine so grosse Vorliebe
hegte3). Hier auf diesem Musensitze übertrug ein Vintler die
Fiore di virtü in deutsche Verse und schuf ein Werk, das nicht
so sehr als Dichtung, wie als Uebersetzung bedeutend genannt werden
muss. Die Handschriften nennen ihn Hans Vintler, nur F nennt
ihn einmal V. 10091 Chunrat, und hat am Schlüsse: Explicit
Über Conradi Vintler. Da diese Handschrift bis gegen die dreis-
siger Jahre dieses Jahrhunderts im Besitze der Vintler war, erklärt
sich die Stelle im Vintlerischen Stammbuch4): „Ich finde einen
Junius an dem dreizehenden tag, do waz der tag S. Antonii coufer de Padua".
Bruchstücke daraus veröffentlichte ich in den Sitzungsberichten der k. Akademie
in Wien, L. Band, S. 371 ; „Eine Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert",
in Pfeiffers Germania XVII, 307, XVIII, 220. Die Zusätze des S.entlinger
fallen nicht in's Gewicht, denn sie beschränken sich meist nur auf Einschiebung
von Uebergängen, die gleich durch unechte Reime und regellosere Verse kennt-
lich sind. Wenn B. Weber ihn einen „Reimkünstler" nennt (Stadt Botzen
S. 238), so klingt dies wie der bitterste Hohn. Auch eine gleiche in Wolfenbüttel
sich befindliche Handschrift rührt von unser'm gelehrten Schreiber her. Er
schrieb sie 1399 „an dem Lueg pei Leiupolden dem Vintler, der die
weil zollner do was". Im Jahre 1437 war sie im Besitze von Jörg Mülichz,
der sie „von dem bischofl Ulrich von Prixen" den 4. November, nach des Bi-
schofs Tode erlangt hatte, später kam sie nach Paris und endlich nach Wolfen-
büttel. Massmann's Kaiserchronik III, 179. Eine Papierhandschriffc „Summa
Johannis" von Sentlinger befindet sich auf der hiesigen Universitätsbibliothek
Sign. II~3a 549. Am Schlüsse: „Ditz puech hat geschriben Hainrice Sent-
linger von Münichen, und ist auch volpracht, do man zalt von Christus purd
tausend und drew hundert und neuntzik jar in dem manod Julius, an dem
xxi tag dez manotz", Näheres s Anzeiger f. K. d. V. 1859, S. 41.
{) Vermuthlich in den Bearbeitungen des Eilhart von Oberg und von
Gottfried von Strassburg. Vergl. Zarnckes 1. Centralblatt 1858. S. 115.
2) Tirol. Archiv I, 100 ff, Germania IX, 381 ff.
3) Freskencyclus S. 1. Tirol. Archiv I, 301 ff.
4J Vintlerisches Stambenbuch. Stemmatographica Vintlerianae prosapiae
descriptio authore Adamo Vintler de Platsch, aus dem 17. Jahrh. Eine Ab'
XIV
Cunraden Vintler, welcher de anno 141 i ein schönes buch von
der eitelkheit der weldt gedieht und versweiss beschrieben, so noch
in unsern händten; muss ein anderer Cunrad gewesen sein". Adam
Vintler stützte sich hier eben nur auf den Schluss der HS. F.,
wie der Verfasser des Aufsatzes über unser Gedicht im Tiroler
Boten 1824 Nr. 2S. 29. Letzter'm folgte Canonicus Mayrhofen in
seinem Stammbaume der Vintler !J, der „Conrad der Poet" 1403,
1412, 1414 aufführt. Auch ß. Weber2) und Staffier3) nennen
Conrad als Dichter. Auch ich folgte, als ich nur die Handschrift
F kannte, dieser Annahme. (Haupt's Zeitschrift X, 257). Seit-
dem ich aber in sämmtlichen Handschriften mit Ausnahme einer
Stelle in F consequent Hans fand, musste ich in meiner Annahme
schwankend werden^ und bei näherer Nachforschung kam ich zu der
festen Ueberzeugung, dass Conrad der Verfasser nicht sei, sondern
Hans. Es sind nämlich die geschichtlichen Ueberlieferungen der
Annahme eines Conrad höchst ungünstig. Conrad Vintler I. starb
schon 1352 uud kann nicht in Betracht kommen, Conrad IL, ein
Sohn Leopold's, begegnet uns urkundlich 1426 — 1464 4). Von
diesem, der demnach noch 1464 lebte, können wir doch nicht an-
nehmen, dass er schon • 141 1 ein Werk vetfasst habe, in dessen
selbständigen Theilen er so gereifte Lebensansichten, ein so sicheres
und festes Urteil, und eine so bedeutende Bildung, wie scharfe
Satyre zeigt. Ich glaube, dass der Schreiber der HS. F., der den
berühmten Conrad II., dessen Macht und Ansehen kannte, am
Schlüsse dem „Hans" Conrad untergeschoben habe. Dagegen finden
wir einen Hans Vintler, gegen den als Verfasser des Gedichtes
keine haltbaren Gründe auftauchen.
Es ist dies Hans Vintler II., Sohn Hans des Ersten, und
kommt 140/ als Pfleger des Gerichtes Stein auf dem Ritten voi\
Im Gegensatze zu den andern Herren Tirols, die meist feindlich
dem Herzog Friedrich entgegenstunden, hielt er zu diesem und
schritt im Besitze der Herren von Vintler in Meran, eine zweite im hiesigen
Ferdinandeuni. Sign. MS. 108 T. Die Stelle befindet sich in letzerer S. 183.
') Genealogien des tiroL Adels Bd, II.
2) Tirol II, 262. Meran 83. Botzen 238.
3) Das deutsche Tirol II, 1074. Wenn B. Weber ihn als Dichter von
Minneliedern bezeichnet, und Staffier dies nachschreibt, so fehlt jeder Be-
weis dafür.
4J Tirol. Geschichtsfieund 1866, S. 311—313.
XV
erfreute sieh dessen Gunst und Gnade. In einer Urkunde vom
Jahre 1416, Febr. 16. erscheint er mit Heinrich Millauner, Archi-
diacon zu Trient, als Amtmann Herzog Friedrich's an der Etsch.
Im* Jahre 1417 ward Hans Vintler mit Heinrich Seldenhorn als
Gesandter an den Dogen von Venedig, Thomas Mocenigo, von
seinem Herzog geschickt, um ein Bündniss abzuschliessen. Aus
diesem ehrenvollen Auftrage ergibt sich, dast dieser Vintler der
italienischen Sprache kundig war, wie der Verfasser unsers Werkes.
Er starb, wie Adams Stammbuch meldet, kinderlos 1419. Dieser
Vintler erhielt am 7. Mai 1415 von Kaiser Sigmund in Ansehen
seines Adels und seiner und seiner Vorältern Verdienste das Recht,
auf dem Helm eine goldene Krone zu führen, und seitdem linden
wir die Königskrone über dem Vintlerischen Wappen 1).
Zu gleicher Zeit mit dem Genannten lebte Hans Vintler III.,
ein Sohn des Franz Vintler, 1422 verehelicht mit Agnes Gerlacher,
der nach J. Ladurners Forschungen schon 1425 starb, nach C.
Stampfers Aufsatze aber sich zum zweiten Male mit Appollonia
Schrattenberger aus Trient vermählte und vor 1447 abschied2).
Ich glaube, dass unser Werk, das in den selbständigen Theilen
einen sehr gereiften, an Welterfahrung reichen Geist zeigt, eher
Hans 11. zuzuschreiben sei. Da die Handschrift F Hans und Con-^
rad als Verfasser nennt, so könnte man glauben, dass das Werk
von zweien gemeinschaftlich abgefasst sei, dass der eine nur das
italienische Original übersetzt, der andere die selbständigen An-
rufungen, Einleitungen und die satyrischen Teile geschrieben habe.
Es würde dies der Annahme Zarncke's entsprechen, der das Gedicht
als Arbeit zweier bezeichnen möchte 3). Allein selbst in der Hand-
schrift F wird in selbständigen Theilen der Verfasser mit Aus-
nahme des V. 10091 auch Hans genannt, und alle die dem ita-
lienischen Originale zugesetzten Stellen zeigen einen selbständigen,
freiem, schwunghaftem und „gänzlich veränderten Ton".
Es darf uns dies nicht wundern, denn bei der Uebersetzung
schloss sich Vintler mit grösster Pietät knapp und ängstlich an
das italienische Werk an, wo er aber selbst dichtete, gab er seinen
l) Ladurner, Beiträge zur Geschichte der Pfarrkirche vou Botzen 10.
Tirol. Ge.schichtsfreund 3866 S. 309.
*) Tirol. Geschichtsfreund 1S66. S. 308. £ J
3) Haupt's Zeitschrift IX, 68 ff"., bes. 88. ~*
XVI
Ansichten, Gedanken und Gefühlen freiem, bewegtem, lebendigem
Ausdruck. In Betreff der Sprache, des Verses und der Reime
dürfte man aber im Ganzen keine massgebenden Abweichungen und
Eigenheiten finden, die mit einiger Sicherheit auf zwei Verfasser
schliessen Hessen. Die Einleitung, in der sich der Verfasser V. 122
selbst Hans Vintler nennt, sieht den folgenden Einleitungen und
dem Schlüsse ähnlich, wie ein Ei dem andern, und doch ist sie
mit dem folgenden Theile, wo die einfachste Uebersetzung beginnt,
auf das innigste durch einen glücklichen Uebergang verbunden.
Vergl. V. 183 — 212 und Beiträge zur altern tirol. Literatur II,
lo. 16.
Unser Dichter bezeichnet sich als Laien:
wann ich pin ain eitel lai,
der teutsch ain chlain lesen chan 10130,
und betont in seinem Werke wiederholt, dass er kein eigentlicher
Dichter sei, dass ihm wahre Kunst und Erfindung mangeln, und
ersucht die Leser deshalb um Nachsicht — z. B. 46 — 54. 63 — 69,
10101—10111. 10119—10129. Er gesteht, dass er der Gram-
matik und Rhetorik unkundig sei 10126 ff. und nennt in Anbetracht
seiner Mängel bescheiden sein Werk das Büchlein 185. 188. 10084.
10112. 10120. 10138 ^ oder das kleine Werk 7. 7600. Am
Schlüsse, als das ziemlich umfangreiche Werk vollendet vor ihm
lag, gebraucht er den Ausdruck Buch:
hie mit das puech gemachet ist
in dem namen der heiligen drivalt.
do man tausent jar zalt
von gotes gepurde sicher zwar
und vierhundert und aindlif jar*
zehen tag in dem Junius,
quarta die Idus,
*) Aehnlich nennt der Verfasser des Werkes „Das liecht der sei" däs^
selbe, das doch 98 doppelspaltige Folioblätter füllt, das Büchlein:
hilf, das er mir welle kunst verleichen,
pis ich ditz piechlein gericht,
fleissigleich von latein zu teutsch gedieht. Bl. 198.
sicher es ist ain biechleio guet. Bl. 198.
und ditz biechlein straffen well. Bl. 386.
Das Licht der Seele, das sich in einem Codex (Papier 386 Bl. in Folio)
des Stiftes Wüten befindet, ist 1426 vollendet. .
XVII
in dem zaichen Aquario,
do ward das puech volpracht also. 10162 ff.
Aus dieser Bescheidenheit und Geringschätzung seines poe-
tischen Talentes erklären sich die öfteren Anrufungen Gottes und
Maria um Hilfe und Beistand 23 ff., 2843 ff., 5315 ff., 7594 ff,
10065 ff.
Als Zweck seines Werkes bezeichnet er nützliche Unterhal-
tung und bildenden Zeitvertreib für ihn, und die Belehrung und
Besserung Anderer 90 ff, 10085. Wenn er etwa auch Ruhm bei
Verfassung des Gedichtes gesucht habe, so solle Maria um Gnade
für ihn bitten 10154 ff.
Was die Bildung des Verfassers betrifft, so war dieselbe
nicht so gering, als man aus der Stelle:
wann ich pin ain eitel lai,
der teutsch ain chlain lesen chan 10130.
und anderen Aeusserungen schliessen möchte. Vintler besass für
jene Zeit bedeutende Kenntnisse. Er war des Italienischen kundig,
und zwar dergestalt, dass er ein Werk dieser Sprache ziemlich
sicher, treffend und gewandt übersetzen konnte. Freilich gelingt
ihm dies nicht überall, und manchmal begegnen ihm arge Verstösse,
wie z. B. wenn er disposizione durch disputatio 324, albero
durch wer km an 478, l'ira durch das recht 1438, r ipr en-
der e durch v er fachen 3052 u. dergl. wiedergibt. V. 1478 ver-
wechselt er mansuetüdine mit consuetüdine, V. 1507 mele
mit male, V. 6288 delitti mit diletti u. ä. Neben dem Ita-
lienischen verstand er auch etwas Latein, was folgende, von ihm
gebrauchte Wörter beweisen: memoria 13. 240. 3265. sapiencia
14. 4276. in jubilo 25. 3035. fantasmata 101. flores virtutum 126.
gesta Romanorum 172. karitas 314. disputatio 324. 325. vanitas
354. presencia 467. 5505. absencia 468. duplex 1063. milleartifex
1064. 8235. precepta 3827. veritas 3881. injusticia 3214. peni-
tencia 3893. timorosus 4438. animalia 5062. temperancia 5143.
reverencia 5418. differencia 5639. in monte Syon 5374. nomina
5672. gula 5844. fornicatio 6169. raptus 6173. adulterium 6175.
incestus 6179. stuprum 6183. luxuria 6257. 6299. 6378. Altissi-
mus 1476. 6900.6942.6996. Zentrum 7160. 7261. occiput 7170.
cerebrum 7171. sinciput 7171. polum articum 7260. usuram 7320.
sentenciis 7478. spiritus sauctus 7624. clementissimus 7625. prin-
cipatus 7673. virtutes 7682. invisibilis 7794. characteres 7915-
XVIII
virgineum 7916. dialogus 7797. rex 8237. in mundo 9018. in-
cantacio 9019. concilio Lugdunensi 9670. et cetera 9700. in pro-
verbio 9864. quarta die Idus 10168. Aquario 10169 1).
Freilich gibt es auch viele Stellen, die, wie Zarncke bemerkt2),
„es höchst unwahrscheinlich machen, dass Vintler überhaupt Latein
verstand und lateinische Schriftsteller gelesen hatte". Zu den von
ihm angeführten Stellen V. 915. 1319. 4332. 6380 füge ich fol-
gende hinzu:
die philosophus 149.
in Valerio Maximum 171.
des chünigs tochter Armoniam genant 906.
do gewan Armoniam junkfrau so grosse swär 910.
das si leget an Armoniam chlait 912.
und do sach Armoniam die trewe gros 920.
Emilia, ain weib Scipio Africanus 942.
in dem puech Machabeo 1689.
und also volget der senat
Marco Regulo seinem rat 3616.
und was des chaisers Anastasia tochter 4035.
wann indert chain ander animalia 5062.
in dem lant Ceciliam 6057.
- Gewöhnlich stehen , ausser Armoniam für alle Casus , die
fehlerhaften Wörter im Reime, für den sich Vintler die Endung
nach Belieben machte. Was die Nominative auf o statt us be-
trifft, z. B. Yppolito, Theodosio, so sind diese Formen theils dem
italienischen Original entnommen, theils der italienischen Form nach-
gebildet. Der Fehler Armoniam 906 scheint aber nicht unserem
Dichter zur Last zu fallen, sondern H. v. Mügeln, „des künigs
tochter Harmania genannt" Bl. 42*>. Dasselbe gilt von Scipio
Africanus 942, denn H. v. Mügeln schrieb : „Do Emilia Affricanus
weib« Bl. 88b.
Im Reime gebraucht auch Vintler das „mit usurara" 7319,
während er jedoch „male" im Innern des Verses sich erlaubt:
wann das male ist so prait 7363.
wann chain male doch niemant frumpt 7365.
Nach meiner Ansicht besass Vintler einige Kenntniss des Latei-
') Vergl. Beiträge zur ä. tir. Lit. II, 21.
8) Haupt's Zeitschrift IX, 116.
XIX
nischen, die aber nicht so weit reichte, dass er diese Sprache ohne
Fehler schreiben konnte.
In meinen Beiträgen zur altern tirolischen Literatur II, 22
bemerkte ich, dass unser Verfasser den Valerius genau gekannt
habe, und mir galt es unwahrscheinlich, dass er die Uebersetzung
des H. v. Mügeln benützt habe. Seitdem konnte ich diese mit
Vintler's Werk vergleichen, und es erwies sich, dass Vintler die
genannte Uebersetzung sehr zu gebrauchen verstand. Alle die mit
dem Namen Valerius Maximus vorgeführten Erzählungen sind mit
drei Ausnahmen 4530 ff., 4772 ff., 6054 ff. nach H. v. Mügeln's
Uebersetzung bearbeitet. Man vergleiche
899 ff.
und
Mügeln
Bl.
42b.
942 ff.
r>
55
55 .
88b.
1551 ff.
»
55
55
128a.
1570 ff.
r>
55
55
128 a.
1730 ff.
r>
55
55
21a.
1800 ff.
»
55
55
124a.
1822 ff.
55
55
55
125a.
2042 ff.
55
55
55
64b.
2176 ff.
T
55
55
128b.
2662 ff.
55
55
55
95a.
3570 ff.
»
55
55
5b.
4106 ff.
55
55
55
139 a.
4330 ff.
55
55
55
39a.
4416 ff.
55
55
55
137 a.
4506 ff.
55
55
55
53b.
4530 ff.
55
55
55
86a.
4662 ff.
55
55
55
119b.
4742 ff.
55
55
55
43a.
4818 ff.
55
55
55
50a.
5102 ff.
55
55
55
51b.
5120 ff.
55
55
55
58a.
5548 ff.
55
55
55
. 35a.
6658 ff.
55
55
55
122b.
7181 ff.
55
55
55
. 113b.
9283 ff.
55
55
55
. 26a.
Wie Vintler H. v. Mügeln benützte,
mögen folgende Beispiele
zeigen. Man vergl. 942—
-958 mit H. v
. Mügeln Bl. 88 b. „Do
Emilia, Affricanus
weib, sähe.
das
ir man ir juukfrauen eine
**
XX
lieb het, da was si so gedultig und guetig, das si taet, als
ob- si es nit wisst und verstuende, durch das si iren
man und sein muott icht betrueben mocht, und daz die
tat icht offenbar würd der stat eins söllichen hohen
manns, und vertruog daz bis an sein tod. Durch die lieb,
die si zuo im het gehabet, gab si die dieren eim freien
mann, wie daz si eigen was".
4663 und H. v. Mügeln Bl. 119 b. „Pausanias in Kriechen
der ritter was so ern geitig, das er fragett den maistel*
Hermoclem, wie er darzuo kaeme, das sein name würde
bekannt dem volk in allen landen. Do sprach der
m eiste r, waer, daz er toetet einen klaren erleuchten man,
so würd er weit genennet. Da was Pausanias so eren
geitig, das er den künig Philippum von Kriechen er-
schluog auff das- ende, das er benennet würde, das sich wol er-
volget, wann durch den mord, den er an seinem herren thaet, da
warde weit bekennet sein nam".
4742 und H. v. Mügeln Bl. 43a. „Do Alexander mit
keiser Dario lang het gestriten, und het in überwunden,
da opfert er den götern in dem tempel nach dem alten
siten, da stuonde ein kint vor im von Macedonia geporn
und hielt das rachvass vor dem altar. Dem selben schose
ein glüender kol aufden arm und p rannt den j ungen so ser,
daz der geschmack den tempel gancz füllet. Da hielt der
jung das rachvass mit gestracktem arm stille und achtet
nit der prunst, daz er die götter und den keiser icht be-
truebet und sein opfer irret. Da Alexander das ersähe,
da macht er das opffer dester lenger, das er des jungen
staetigkeit auf ein ende sähe. Da harret der jung mit
staetikeit auss den muot des küniges. Darumb spricht der
maister: AchhetDarius der keiser gewisste und gesehen
die staetikeit und gedult der Macede, er het dz volke ver-
standen, das Alexander nit mocht überwinden, seit die jungen so
staet und gedultig warn, wie warn denn die alten".
7181 und H. v. Mügeln Bl. 113 b. „Socrates, dem keiner
Vernunft noch weissheit geprach, macht sich oft müssige
voler, und nam ein ror zwischen die bain, und rait mit
den kinden, und schampt sich des nicht, dasseinver-
XXI
n un ft wider krefftige würd. Des lachet Alcibia und
spotet des hohen weisen manns".
Es ergibt sich aus solchen Beispielen, dass Vintler H. von
Mügeln's Bearbeitung des Valerius beinahe wörtlich in sein Werk
herüber genommen habe. Einige kleinere Belege mögen dies noch
schlagender bestätigen.
1578 er sprach:
das sullen sein vier lewen,
die das römisch reich zestrewen.
H. v. M. Bl. 128 a: und jähe, er zug vier leoen, die das römisch
reich zerstörn und zerreissen sölten.
1736 ff. in der stat Tramonia,
die da leit in dem lant Tesalia
do chomen zwen jungling für die tür.
H. v. M. Bl. 21 »: In Famona der stat in dem land Thessalia,
do kamen zwen Jünglinge an das thor gegangen.
2043 ff. und spricht: do Titus Quintus
den chünig Philippum von Chriechen twang
und das ganz lant het gevangen lang,
do gepot er dem ganzen volk, das si kamen.
H. v. M. Bl. 64^: und sprichet, da Tytus Quintus der keiser
Philippum den küng von Kriechen bezwang vnd das gancz
lant gefangen het on zal, do gepot er dem ganzen land-
volke.
2050 ff. do hies er mit den pusaunen zaichen geben,
das das volk alles solt sweigen eben
und hies damit auf ruefen.
H. v. M. 1. c. do Hess er zeichen geben mitt den pusaunen, das
daz volk sollt schweigen vnd hiess do auftreten und
rueffen.
2062 ff. do ward von danken ain solich ruef,
das er den vögeln in den lüften schuef,
das si betumbelt vielen zue der erde nider.
H. v. M. 1. c. do ward von dancken des volcks vnd rueffen ein
soelich glam, daz die vogel, die über daz gross volck
flugen, von dem grossen geschrei betumlett wurden,
als von einem doner, vnd vielen nider vnder die leüt.
Wass seine weitere Kenntniss der deutschen Literatur be-
trifft, erhalten wir von ihm keine Aufschlüsse. Wenn er sagt:
XXII
ich han gesuecht in Alexander,
was der hie auf erd getan hat 136,
so ist vermutlich Ulrich's von Eschenbach Alexander gemeint, den
H. Sentlinger in seiner Abschrift der Christherrechronik gibt i).
Die Verse:
darumb sol manz für guet han,
wann ich han es getan in guet
und das es pringe hohen muet 10132 ff.,
könnten an Tristan 5 — 8 und Rudolfs Einleitung zum „guten
Gerhart", sowie an den Schluss desselben 6879 ff. erinnern. Auch
bei der Stelle:
und war ich halt auf den süessen perg getreten,
der Elicon mit namen haist,
und da die götter allermaist
ir allerhöchstes geticht vinden 2905 ff.,
könnte Vintler an Tristan 4863 ff. gedacht haben.
Die Verse:
ach und säch ich si die raben
strälen an der sunne,
allererst so hiet ich wunne 3473.
gemahnen an Helmbrecht 626, wie die Stelle 6630 ff. an die
nichtigen Vorwände erinnert, aus denen Helmbrecht raubt und
schädigt (Helmbrecht 1129—1175).
Dass Vintler H. v. Trimberg's Renner gekannt habe,
möchte man aus den V. 6660 — 65 schliessen, wenn man sie mit
Renner 13941 vergleicht. S. Anm.
Die Verse:
das maniger petet mit dem munt,
das doch dem herzen ist unchunt 6914.
klingen wie eine Reminiscenz aus Freidank 62, 10, an den Vintler
4) Vintler beginnt die Erzählung von Alexander und dem Seeräuber:
Von der parmherzikait list man also in dem puech Machabeo 1688.
Sentlinger schreibt:
und als uns sagt an ein drum
liber Machabeorum.
das buech, das also ist genant,
das tuet uns von erst erkant
von Alexander Macedo Bl. 167 B3.,
und flicht Ulrichs Gedicht ein, wo Bl. 194 A 2 die Geschichte von dem See-
räuber erzählt wird.
XXIII
auch sonst Anklänge bietet, z. B. 9624. Frd. 108, 27 .—9780.
Frd. 29, 6.
Die Stelle 5315 — 5369 erinnert an „die goldene Schmiede"
und ähnl. Loblieder an Jesus und Maria.
Reicher als an solchen Stellen, die auf Bekanntschaft mit
andern Dichtungen deuten könnten, ist Vintler an Sprichwörtern,
die er dem Volksmunde entlehnt. Mit Liebe schöpft er aus dem
Borne der Volks Weisheit und verwendet sie mit sichtlichem Be-
hagen. Selbst in die dem italienischen Werke nachgedichteten Theile
webt er Sprichwörter, besonders aber streut er sie in den eigenen
Parthien reichlich aus. Man vergleiche 1889. 1930. 2650. 3662.
3874. 5785. 5974. 6441. 6509. 6522. 6529. 6572. 6650. 6754.
6789. 7153. 7174. 7269. 7407. 7421. 7440. 7456. 8796. 8954.
8974. 8994. 9050. 9074. 9099. 9129. 9553. 9564. 9566. 9624.
9650. 9780. 10094. 10099 u. a.
Dazu gehören auch die den Proverbien nachgedichteten Stellen
6264 — 6284, die beinahe sprichwörtlichen Vergleiche 7243 ff. und
9997 ff. und die Priamel 9472 ff. All dieses tritt aber in den
Hintergrund gegen das italienische Werk, das er in deutsche Sprache
zu übersetzen sich bemühte. Er nennt uns dasselbe selbst:
ich han durchsuecht flores virtutum,
das do ain wälsches puech ist.
das han ich gemacht ze diser frist,
das es teutsche zung vernimpt,
wann es der rechten tugent zimpt.
davon han ich es ze teutsche pracht. 126 ff.
Er bezeichnet hier seine Vorlage ausdrücklich als ein wälsches
d. h. italienisches Buch, nach dem er auch sein Werk benannt
wissen will: davon will ich, das mein werk das ciain haisz „die
pluemen der tugent" rain. J. M. Lappenberg gebührt das
Verdienst, dies italienisshe Original, ein um das Jahr 1320 ge-
schriebenes Werk, welches dem Tomaso Leoni zugeschrieben
wird, nachgewiesen zu haben1). Dasselbe führt den Titel Fiori
di vir tu und wird unter die testi di lingua toscana gezählt. Wie
beliebt und verbreitet dies Werk war, zeigen die vielen Ausgaben
bis in die neueste Zeit2).
1) Haupt's Zeitschrift 10, 258 ff.
2) Lappenberg führt folgende an:
XXIV
Was Vintler'sVerhältniss zu seiner Vorlage betrifft, so schliesst
er sich bald ängstlich an dieselbe an, übersetzt diese beinahe wört-
lich, bald bewegt er sich wieder freier, weicht ab und geht stellen-
weise ganz seine eigenen Wege, bis er wieder auf das Original
einlenkt. Ich habe seine Behandlungsweise in meinen Beiträgen
zur älteren tirolischen Literatur II, 31 ff. ausführlich besprochen,
und in den Anmerkungen dieser Ausgabe so viele Proben des ita-
1. 1474 nel Berentin convento de lä cha grande de lalma Venesia.
75 Bl. 4.
2. Venexia 1474 apr. 29. 72 Bl. 4.
3. Vicenza 1475. 4.
4. Messina s. a. 4.
5. Venezia 1477. 4.
6. Pavia 1484, gedruckt bei Maestro Andrea de Pavia.
7. Firenze 1489.
8. Treviso 1489.
9. Venezia 1492.
10. Firenze 1498-
11. Roma, per Marcello Silber, alias Frank 1515.
12. Ausgabe von G. Bottari. Roma, Rossi 1740.
13. Padova 1751.
14. Roma 1761.
15. Verona, per Dionisio Romanzini 1810.
16. Palermo 1819.
Dazu trage ich nach:
17. Die venezianer Ausgabe 1493. Ein Exemplar befindet sich auf der
Bibliothek zu Gotha.
18. Fiore di virtü, ridotto alla sua vera lezione secondo l'edizione di
Roma del 1740. üdine 1853.
19. Fiore di virtü, testo de lingua ridotto a corretta lezione per Agenore
Gelli. Firenze 1855.
Eine Pergamenthandschrift dieses "Werkes aus dem 14. Jahrhundert be-
findet sich auf der Biblioteca Bertoliana in Vicenza, deren Vorstand Ab. An-
drea Capparozzo daraus Proben mitteilt iu der Festschrift : Fiore di virtü, codice
membranaceo del secolo XIV. Vicenza 1872.
„Eine italienische Nachbildung dieses Werkes findet sich in Fior di
Virtü Historiato, Utilissimo ä Fanciulli, et ad ogni fedel Christiane Nuova-
mente ristampato, et con somma diligenza ricorrecto. In Padova M.DC.LVI,
Appresso Andrea Forni. Französische Uebersetzungen dieses Buches, Paris 1530
und 1532, hat Brunet verzeichnet. So auch (Paulmy) melanges tires d'une
grande bibliotheque t. 15, s. 157. Eine armenische Uebersetzung ist zu Rom
1675 in 8 gedruckt". (Lappenberg 1. c.) Das Werk wurde auch 1468 in
deutscher Prosa übersetzt, Die Handschrift, über die Lappenberg in Haupt' s
Zeitschrift 10, 260 ff. ausführlichen Bericht gibt, befindet sich in der ham-
burgischen Stadtbibliothek.
XXV
lienischen Originals beigegeben, dass sich jeder Leser über das
Vorgehen Vintler's ein Urteil bilden kann. Wie enge sich der
Verfasser an das italienische Werk oft anschloss, ja sogar Worte
und Reime daraus entlehnte, zeigen V. 4272. 5058 ff. 5504. 5538,
5638. 6256. 6378. 6588. 7114 ff. 7365 u. ö. Manchmal lässt
sich unser Verfasser Missverständnisse und Fehler zu Schulden
kommen, wie z. B. 471. 478. 1438. 1478, 1507. 1990. 6283-
6541. 7083 u. ö., ja einmal vergisst er, den Nachsatz auch zu
geben 1235. Im Ganzen aber übersetzt er sicher und gewandt,
und versteht es sogar, das Italienische in der Darstellung zu über-
treffen, so z. B. 4032 fi., 7122 ff., 8545 ff.
Der Dichter begnügte sich aber nicht damit, das italienische
Werk in seiner Weise zu übertragen, sondern bestrebte sich, das
Originalwerk zu erweitern, mit anderswo gefundenen Sprüchen und
Erzählungen zu bereichern, und fügte überdies manches Eigene
hinzu. Er gibt uns selbst hierüber Bericht in der Einleitung
113 — 186. Da sagt er u. a.:
auch han ich darzue gemacht
vil manig 1er und abenteur,
die zu tugent gebent steur. 132 ff.
und: noch sind der maister vil und vil mer,
die ich nicht all genenneu chan,
wann es wurd verdriessen etwan.
doch han ich si all durch claubt
und iegleichen ain wenig beraubt,
damit das doch ain püechlein
ist volpracht nach dem willen mein 180 ff.
Wenn man aber aus der Einleitung schliessen wollte, dass
Vintler alle genannte Autoren gelesen und benützt habe, würde
man sehr irren, denn die Sentenzen der genannten Schriftsteller
entlehnt er mit sehr wenigen Ausnahmen dem italienischen Werke.
Dagegen erweiterte er den erzählenden Theil in beträchtlicher
Weise. Das italienische Werk gibt in jedem Abschnitte nur eine
Erzählung, Vintler meist zwei, ja drei solche Exempel. H. v.
Mügeln's Valerius Maximus entlehnte er fünfundzwanzig Aben-
teuer V. 899 ff., 941 ff., 1552 ff, 1570 ff., 1730 ff, 1800 ff.,
1822 ff., 1842 ff., 2042 ff., 2176 ff., 2662 ff., 3168 ff., 4106 ff.,-
4330 ff., 4416 ff., 4506 ff., 4662 ff., 4742 ff., 4818 ff., 5102 ff.,
5120 ff., 6054 ff, 6358 ff., 7181 ff., 9283 ff.
XXVI
Auch die Erzählungen von der unstäten Römerin 4934 ff.,
von Latine 5290 ff., von dem keuschen Einsiedler 6074 ff., von
Salomon's Katze 6755 ff. fehlen im italienischen Werke. Drei
andere Erzählungen scheint Vintler aus Hörensagen geschöpft zu
haben. So die Sage vom Modeneser, der dem Teufel eine Kerze
opferte 3246 ff., die er heginnt: „also hör ich von ihm sagen", die
Geschichte von dem mörderischen Bauern 4194 ff. mit dem Anfange:
von der selben fraidichait muss ich sagen,
das da geschehen ist in churzen tagen
an ainem päurischen man,
und die Erzählung von Albertus Magnus 6890 ff., wobei er sich
auf seinen Gesellen als Gewährsmann beruft 6891.
In der bekannten Legende, „der Engel und der Einsiedler"
3058 ff. weicht der Verfasser von der italienischen Darstellung ab.
Bei dem Neide gibt das wälsche Buch (Gelli S. 21. 22)
ausnahmsweise drei Exempel, deren zwei Vintler übergeht. In
Bezug der Gleichnisse hält sich Vintler strenge an das Original,
denn nur einmal weicht er davon ab, da er anstatt des Einhornes
den Otter als Sinnbild der Unmässigkeit 5226 ff. gebraucht. Mit
Ausnahme der oben genannten Erzählungen sind die Zuthaten des
Vintlers, so lange er die Fiore di virtü behandelte, sehr gering.
Ausser ganz kleinen Parthieen gehören nur folgende Stellen ihm
an: V. 9—186, 1055—1068, 2090 — 2119, 2385 — 2415,
2843 — 2913, 3784 — 3799, 5314 — 5381, 5692 — 5763,
6625 — 6931.
Mit V. 7028 beginnt Vintler den: „Ammaestramenti de'
Filosofi", die in manchen Codices dem Werke ,, Fiore di virtü" als
Anhang sind, zu folgen *), und in diesem Theile tritt nun unser Dichter
viel selbständiger auf und fügt so umfangreiche Stellen hinzu, dass
man diese Parthie grossentheils als seine eigene Schöpfung ansehen
*) Gelli p. 101 bemerkt hiezu : A questo punto, secondo la maggior
parte de' Codici, ha fine il Fiore di Virtü. Pocchi sono quelli da me veduti,
che contengono ciö che segue. Nel Codicetto Riccardiano di N. 1702 si trova
separato col titolo : „Ammaestramenti de' Filosofi", ma imperfetto. Lappenberg
nimmt an (Haupt's Zeitschrift 10, 263. 64) , dass Vintler Albertano's von
Brescia Abhandlungen: „Della consolazione e del consilio" und „Delle sei ma-
niere di parlare" benützt habe. Dies geschah aber nur indirekt, denn die
Ammaestramenti, denen Vintler folgt, sind nach Albertano's „Delle sei maniere
di parlare" gearbeitet, und Albertano wird darin als Gewährsmann genannt, S.
Anm. zu V. 8510.
XXVII
nross. So sind z. B. die Stellen: V. 7206—7271. 7536—8510.
8890-8957. 9050—9123. 9134—9167. 9283-9320 und 9397
bis zum Schlüsse Vintlers Eigenthum. In den eigenen Zuthaten
dieses Theiles liegt die Hauptbedeutung des Werkes. Es scheint,
als ob dem Dichter erst während der Abfassung Selbstvertrauen,
Kraft und Schwung, Freimuth und Energie gewachsen seien. Je
weiter er vorwärts schreitet, desto selbständiger und kühner wird
er. Schon Gervinus *) betonte diese Erscheinung : „Allein all-
mählig legt der Verfasser seine Rückhaltung ab; fast furchtsam
spricht er hie und da von Schmeichlern und Bauern mit einem
Blick auf die Zeitgenossen, und von der Unfreigebigkeit der Fürsten,
zieht sich aber sogleich wieder zurück, und will seinen Athem
sparen, wo er nichts bessern kann. Weiterhin aber geht er in
einen ganz andern Ton über, wendet sich auf seine lebendige Um-
gebung und Zeit und geisselt ihre Fehler mit völliger Verläugnung
der früheren Scheu. Hier erinnert er eben so sehr, wie vorher
an den Geschmack der Mystiker, an den der Satyriker, an Brant
und an Murner".
Vintler rügt und straft mit männlichem Freimuthe, mit Kraft
und Würde die Gebrechen seiner Zeit, vorzüglich aber wendet er
sich gegen den Adel und die Hochfart der Frauen. Es ist für
unsern Dichter, der selbst einer der angesehensten und reichsten
Adelsfamilien des Landes angehörte, bezeichnend, dass er verhält-
nissmässig schonend die Bauern beurtheilt, und die Waffe der
Satyre desto schonungsloser gegen seine Standesgenossen schwingt.
Den Bauern wirft er an zwei Stellen Falschheit vor 34652) ff.
und 3784 ff., jedoch nicht dem ganzen Stande, sondern er nimmt
die Guten aus, und später sagt er einmal, dass drei entartete
Edelleute nur einen Bauern werth seien 6707. Gegen den Adel
spricht er sich aber öfters und energischer aus, und zeigt so vor-
urteilslose Ansichten über diesen Stand, dass wir dieselben für
jene Zeit bewundern müssen. Schon V. 2090 ff. wendet er sich
gegen den Geiz der Herren, die deshalb Würde und Ehre ver-
lieren. Die Undankbarkeit, Unbarmherzigkeit und Habsucht der
Herren geisselt er V. 6624 ff. Er zählt die Tugenden und Vor-
züge auf, die der Adelige besitzen soll, um diesen Namen zu ver-
1) Geschichte der deutschen Dichtung (1853) II, 349. (1871) II, 612.
2) Der Anfang dieser Stelle ist dem ital. Werke entnommen: la terza
fu Falsitä, e quella diede a' villani.
XXVIII
dienen, beklagt sich aber bitter, dass die Herren ihres Berufes
nicht eingedenk seien, dass sie anstatt die Armen zu schirmen,
dieselben nun scheeren, dass sie Ehre um Gut verkaufen. Solche
sollte man aus dem Adel stossen und zu den bösen, falschen
Wichten zählen. Sie wissen besser, wie man das Zugvieh führe
oder wie man den Acker dünge, als was Adel sei und zu dem-
selben gehöre. Er vergleicht solche Herren mit der Fledermaus»
Sollen sie das Land beschützen und Ehre im Kampfe erwerben, so
wollen sie Mäuse sein und zu Hause bleiben, sollen sie aber
Steuer zahlen, dann geben sie sich als Vögel aus. Solche Piss-
edell eute solle man nicht zu den edeln Falken zählen, sondern zu
den Eulen 6680 ff. Kein Wunder, dass solche ehrvergessene
Herren ihren Anstand und ihre Würde ganz vergeben! Vintler
rügt in beredter Weise ihr tolles Treiben und ihre Thorheiten
9055 ff., sowie das Prahlen entarteter Adeliger mit ihren Vätern
9595 ff. Der sittliche Adel mache edel und nicht das Blut. Denn
zwischen dem Blute eines Herren und eines andern Menschen sei
kein Unterschied, wie man dies bei dem Aderlassen sehen könne.
9622 ff. Am bittersten spricht er sich aber gegen den Stolz jener
Adeligen aus, die mit ihren Wappen Kirchen, Messkleider und
Kelche zieren und ihre Grüfte bei Altären bauen, obwohl es
besser wäre, dass solch' unreines Aas bei gemeinen Leuten läge
9653 ff.
Zurückhaltender, als gegen die Herren, zeigt sich unser Dichter
gegen den Clerus. Wenn er sagt, dass die Scheinheiligkeit den
Priestern und Religiösen angetraut sei, so lehnt er sich an das
italienische Werk an *) 3494, aber zweimal rügt er den Geiz und
die Gewinnsucht derselben 7268 und 9694 ff. und ereifert sich
gegen jene Priester, die Zauberei und Aberglauben lehren 7701 ff.
Mehr und eingehender beschäftigt sich der Dichter mit den
Frauen, denen er anfangs Gutes nachrübmt 720 ff., und die er
gegen Salomon's ungerechten Spruch, dass er nie eine Gute ge-
funden habe, vertheidigt. Es sind, sagt er, in frühern und spätem
Zeiten viele zarte, reine Frauen gewesen, und Salomon habe dies
nur im Zorne geschrieben. Besitzen die Frauen üble Seiten, so
haben sie auch viel Gutes. Es gibt ja auch nur wenige tadellose
Männer. Wer ein schönes, hehres Weib, das Freude und hohen
') La quinta fu Ipocrisia, e questa raaritö a' religiosi.
XXIX
Muth spendet, schilt, der würde besser schweigen. Ein solcher
ist ein Thor und ein Narr. 804 ff. — Aber später wendet sich
der Dichter gegen die Putzsucht und Hochfahrt vieler Frauen in
bitterster Weise, und schildert mit kräftigen "Worten ihr tolles
Treiben und ihre thörichte Tracht. Diese Stelle 9416 ff. zählt zu
den treffendsten des Gedichtes, und hat selbst heutzutage noch
ihre volle Geltung. Auch hier nimmt der billige Dichter die braven
Frauen aus, fährt aber im Tadel der Hochmüthigen und Prunk-
süchtigen desto schonungsloser fort. Er geisselt namentlich jene
Damen, die an Perlen und Spangen es einer Fürstin gleichthun
wollen, und dabei nicht so viel in der Küche haben, um einen
Hahn füttern zu können, die sich mit Wasser für Wein und mit
Schöpsenfleisch statt besserer Bissen begnügen müssen. 9446 ff.
Nebst der Eitelkeit uud Hochfahrt der Frauen, dem Geize,
dem Stolze und der Verkommenheit der Herren, geisselt der Dichter
vorzüglich den Aberglauben seiner Zeit. Von dieser für deutsche
Culturgeschichte und Mythologie so wichtigen Stelle 7595 — 8497
sagt Gervinus, dass sie als eine klassische für diese Gegenstände
gelten könne 1). Vintler zeigt hier nicht nur frommen Aerger,
sondern einen freien und scharfen Blick für das Leben uud die
Gebrechen seiner Zeit. Er steht hier unbeirrt durch Vorurtheile
auf der Höhe derselben und spricht schon damals sein Verdam-
mungsurtheil über viele Aberglauben, die heutzutage noch, nicht
nur in „rohen Kreisen", fortleben. Sehr bezeichnend für ihn und
seine fortgeschrittene Bildung ist die Stelle über die Hexenfahrten
8168 ff. und über die vermeinten Künste alter Weiber 8458 ff.
Wären Vintler's gesunde Ansichten durchgedrungen, hätten nicht
so viele Opfer auf dem Scheiterhaufen ihr Leben lassen müssen 2).
An andern Ausfällen gegen die entarteten und wirren Ver-
hältnisse seiner Zeit und gegen die Corruption seiner Zeitgenossen
im Allgemeinen fehlt es nicht. Stoff hiezu war ja genug vor-
handen, und eine Umschau in nächster Nähe musste unsern Dichter,
mochte er in seinem Urtheile noch so nachsichtig und milde sein,
zu Entrüstung und ernstlicher Rüge stimmen. Diese entfaltet sich
in allen Scalen, vom leisen Tadel bis zur heftigsten Verdammung.
Schon im ersten Theile V. 2386 ff. klagt er, dass die Schmeichelei
1) Geschichte der deutschen Dichtung (1871) II, 614.
2) Ueber Hexenbrände in Tirol vergl. Barbara Pachlerin und Mathias
Perger. Zwei Hexenprozesse. Innsbruck, Wagner 1858. S. VI. YIT.
XXX
und Falschheit an die Stelle der wahren Freundschaft und der
Aufrichtigkeit getreten sei, später V. 3374 ff. bedauert er, dass
die Treue abgenommen habe und Ungerechtigkeit und Trug allent-
halben herrschen. Der Biedere nnd Treue werde jetzt altfränkisch
genannt. Besonders aber eifert er, wie wir schon gehört, gegen
den Geiz und die Habsucht seiner Zeitgenossen. Eine der schönsten
und kräftigsten Stellen ist in dieser Beziehung die Apostrofe an
den Herrn Pfennig 7214 ff. i). Dass unser Dichter die Hochfahrt
und Putzsucht der Frauen geisselte, ist schon bemerkt worden. Am
schärfsten aber spricht er sich gegen diese Sünde in dem nach
ihr benannten Abschnitte aus, wo er, empört über diese allgemein
verbreitete Untugend, das baldige Einbrechen des göttlichen Straf-
gerichtes mit grossem Redeschwunge wünscht 5743 ff. Wenn ihn
hier seine Entrüstung zum Aeussersten treibt, so zeigt er sonst
meist ein ruhiges, mildes Gemüth, ein billig abwägendes Urtheil
und verfolgt nur den einen Zweck, durch seine Schrift zu belehren
und zu bessern. Ferne liegt es ihm, als strenger, stolzer Sitten-
richter über andere den Stab zu brechen, er betont zu wiederholten
Malen seine eigenen Schwächen und zeigt sich durchwegs als einen
ernsten und gerechten, aber bescheidenen und liebevollen Mann.
Nur die Fehler und Verirrungen seiner Zeit entrüsten ihn und
zwingen ihn zu feuriger Rede und harten Worten. An poetischer
4) Diese Stelle stellt in engster Beziehung mit einem Spruche der Wil-
tener Meistersängerhandscbrift. Bl. 116b.
Her pfenning, was ir wunder tuet, ir seit ain tail zu wert,
mich muet, das eur die weide hie so geitigkleich begert.
ir get vor an der weisen rat,
da nement eur die hochen herren gaume.
ir stiftet kirchen, klöster guet nnd manigen kappelan,
ir habt an eren schönen frawen vii zu laid getan,
ir stiftet mord, raub unde not,
ir löst den dieb von stock und auch von päume,
ir seit für acht und für den pan
zu hof geraitet für ain falsch gerichte.
der hoche purg ersteigen kan
mit falschem rat und schmaler treu, zu dem so habt ir pflichte.
man hat euch lieb, darumb das recht so lästerleich ergat :
got den verkauft ein klaines guet,
der euch und alle weld beschaffen hat.
Bericht über die Wiltener Handschrift S. 50. Sitzungsberichte der k.
Akademie zu Wien XXXVH, 378.
XXXI
Begabung, an umfassender Bildung und scharfem Weitblicke stellt
Vintler weit seinem vielgewanderten, genialen Zeitgenossen Oswald
von Wolkenstein nach, überragt ihn aber durch den Adel seines
Charakters und durch seine sittliche Lebensanschaunng. Bei beiden
Dichtern zeigt sich der Einfluss der italienischen Literatur. Vintler
übersetzt und bearbeitet geradezu ein wälsches Buch, Oswald kennt
Dante und Petrarca 1). Hält sich aber Vintler meist enge an seine
italienische Vorlage, so wandelt der Wolkensteiner selbständig
seine Wege. Besitzt Vintler's Werk im Ganzen nicht grossen
poetischen Werth, so ist es dagegen für die Cultur- und Sittenge-
schichte jener Zeit von Bedeutung, und wird immer in der Ge-
schichte der deutschen Lehrdichtung genannt werden müssen. Auch
wo der Einfluss der italienischen Literatur auf die deutsche be-
sprochen, oder wo von älterer Uebersetzungskunst gehandelt wird,
dürfen die Blumen der Tugend nicht übersehen werden. Wie hoch
aber dies Werk im Ansehen des fünfzehnten Jahrhuudert's stand,
zeigt uns der Umstand, dass es uns in fünf Handschriften erhalten
und schon 1486 im Drucke erschienen ist. Grossen Einfluss auf
die Werke Anderer scheint aber dasselbe nicht geübt zu haben.
Der Gedanke, dass Geiler von Kaisersberg durch den Abschnitt
über den Aberglauben zu seiner Emeis angeregt worden, und dass
er Vintler benützt habe, musste bei näherer Vergleichung aufge-
geben werden. Dagegen beruht der Spruch:
Welcher mensch do gelaubt an vogel geschrei2)
auf Vintlers Stelle 7745 ff.
Nachdem beinahe vierhundert Jahre seit dem ersten Drucke
verflossen sind, veröffentliche ich wieder das Werk meines Lands-
mannes. Ich benützte hiebei alle mir bekannten Handschriften :
W, die Handschrift der k. k. Hof bibliothek in Wien No 13567,
olim suppl. 1168. Papier, 215 Bl. in Fol. Sie enthält Bl. 2* —
177 b Vintler's Gedicht und gehört der ersten Hälfte des fünf-
zehnten Jahrhunderts an. Es fehlen hier der Anfang bis 612,
ferners V. 1205—1253. 2259—2297. 3037—3069. 4386—4466.
6898—6931. 7790-7844.
F, im Besitze des hiesigen Ferdinandeums, Dip. tom. DCCCLXXI,
No. 877. Papier, 200 Bl. in Kleinfolio aus der ersten Hälfte des
4) Yergl. Gedichte XXV und CXVII, 2, 13.
2) Yergl. Fastnachtspiele IIT, 1382. 1438.
XXXII
15. Jahrh. Die Handschrift, die zwei verschiedene Schriften zeigt,
ist nicht vollständig. Es fehlen V. 49—168. 231—330. 385—672.
899—947. 2402-2449. 3291—3347. 3442—3496. 4010—4030.
5269—5348. 7536—7547. 9124—9167. üeberdies sind einzelne
anstössige Wörter, sowie Nudidäten in den Bildern ausgeschnitten
worden.
S, die Papierhandschrift der k. Bibliothek in Stockholm,
230 Bl. in Folio. Unser Gedicht schliesst Bl. 222 b. Sie gehört
dem 15. Jahrh. an. Ausser einzelnen Versen fehlen V. 530 — 552.
5333—5359. 9952—9966.
G, die Papierhandschrift No. 594 der herzog]. Bibliothek zu
Gotha. 229 Bl. in Folio. Sie ist von einem alemannischen Schreiber
wol noch am Ende des 15. Jahrh. gefertigt. Obwol sie die voll-
ständigste ist, denn sie zeigt nur eine grössere Lücke V. 930 — 958,
so steht sie an Güte den andern bedeutend nach.
B, die Papierhandschrift No. 961 der k. k. Universitäts-
bibliothek in Innsbruck, 3 Hefte in Dimidiatfolio. Das erste Heft
hat 36 beschriebene Blätter, von denen Bl. la bis 34 b Excerpte
aus Vintler's Werke enthalten, das zweite Heft bietet Bl. 3 a bis
10 a Bruchstücke aus unserm Gedichte, wie das ganze Dritte mit
28 Bl. Die unschöne Handschrift gehört dem Ende des 15. Jahr-
hunderts an und rührt zweifelsohne von einem Priester her, der
fromme Sentenzen für seine Predigten sammelte. Darauf weisen
die Stellen aus Freidank und die lateinischen Sentenzen im ersteu
und zweiten Hefte. Auch aus Vintler's Werke sind meist nur
Sprüche ausgehoben, und die Erzählungen, Einleitungen, Gleich-
nisse etc. ganz übergangen. Die hier vorhandene Auslese beruht
auf einer sehr guten Vorlage, und es ist zu bedauern, dass diese
Handschrift nicht vollständiger ist 1).
An dieses handschriftliche Material schliesst sich der Augs-
burger Druck des Joh. Plaubirer (D) von 1486 an2). Er stimmt
mit G grösstentheils aufs Genaueste überein. Man würde sich
aber irren, wenn man G als die Vorlage des Druckes annehmen
würde, denn die V. 92. 9164. 9165. 9185 u. a. fehlen in G,
während sie D bietet. Dass G aber nicht nach dem Drucke ge-
') Ausführlichem Bericht über die Handschriften gab ich in den „Bei-
trägen zur altern tirolischen Literatur, II, 1 — 8.
2) Flores Virtutum, oder das buch der tugent. Vergl. Panzer, Annalen
1, 164. Zus. 58.
XXXIII
fertigt sei, ergibt sich daraus, dass in D Verse mangeln, die G
enthält, z, B. 8479. 8480. 9644 — 9649. 9659 — 9661. Der
Schreiber der Handschrift G und der Herausgeber haben aus der
nämlichen Vorlage geschöpft i).
Unter den Handschriften nehmen F und W den ersten Platz
ein, B schliesst sich meist an W an. Allein selbst die zwei besten
und ältesten Handschriften geben manchmal entschieden Unrichtiges2).
Im Ganzen bietet F, abgesehen von der oft rohen Schreib-
weise, den besten Text, W steht an Güte zunächst, die oft das
Richtige bietet, wo F irrt. Mit W innigst verwandt ist B. S
neigt bald zu W, bald zu F. G schliesst sich am meisten S an,
stimmt aber oftmals mit F oder W überein. Ich folgte vorzüg-
lich F und W, berücksichtigte aber auch gewissenhaft die andern
Handschriften dort, wo sie das Richtige zu bieten schienen. An
einigen Stellen, wo die Wahl der richtigen Leseart schwer fiel,
kam das italienische Werk zu Hilfe. Ich muss gestehen, dass ich
mich zu ängstlich an die Ueberlieferung hielt, man hätte mit leichten
Aenderungen oft einen lesbarem Text und bessere Verse herstellen
können. Unter dem Striche gebe ich die Lesearten der Hand-
schriften, unbedeutende Abweichungen in der Schreibweise abge-
rechnet, möglichst vollständig, nur die des alten Druckes konnte
ich nicht durchwegs so genau berücksichtigen.
Dem Texte gab ich Anmerkungen bei, bei denen ich vor-
züglich das Verhältniss unsers Werkes zum italienischen Originale
im Auge hatte. Bei dem Abschnitte gegen den Aberglauben
7694—8245 suchte ich zu zeigen, dass die von Vintler aufgezählten
Aberglauben und zauberischen Gebräuche nicht nur Tirol ange-
hörten, sondern selbst bis heutzutage noch auch in andern Gegen-
den fortleben.
Das Wörterbuch, das auf Vollständigkeit keinen Anspruch
macht, sondern nur das Verständniss des Werkes bei Laien etwas
erleichtern soll, fügte ich auf den Wunsch einiger Freunde bei.
*) Vergl. Beiträge zur altern tirol. Literatur IT, 8 ff.
2) Vergl. Beiträge II, 10.
Inhalt
Seite.
Seite.
Von der lieb , 7
Von der valschait ....
. 125
Von der lieb karitas .
. 11
Von der warbait ....
. 132
Von dem neid . . .
32
Von der lug .....
136
Von der freude . . .
36
Von der sterk
142
Von der traurickait
38
Von der vorcbt
150
Von dem frid . . .
43
Vcn der starkmüetikait . .
153
Von dem zorn .
46
Von der eitel er ...
. 156
Von der parmherzikait
55
Von der stäticbait . . , .
. 160
Von der greuleicbait .
60
Von der unstät
165
Von der milt . .
65
Von der mässichait . . .
172
Von der geiticbait .
73
Von der unmässichait . . .
179
Von der straffung .
77
Von der diemüetichait
183
Von der smaicbung
82
Von der hocbfart ....
190
Von der weishait . .
87
Von der mässicbait
196
Von der torhait
96
Von der frasshait ....
198
Von der gerechtikait .
102
Von der keuschait
201
Von der ungerechtikait
111
Von der uncheusch , . .
, 208
Von der treu . . .
121
Aber von der mässicbait . .
218
DIE PLÜEMEN DEE TUGENT.
y
ch han getan recht als ain man,
4 der do cham auf ainen plan,
da er vant pluemen manigerlai,
als si bringen mag der mai,
und der die pluemen aller pluemen nimpt,
ain kränzlein macht, das im gezimpt.
davon will ich, das mein werk das ciain
haisz „die pluemen der tugent" rain.
davon so pitt ich, herre, dich,
10 das dein genade du an mich
legest an mich chunstlosen man;
wann unchunst sät den seinen sam
allzeit in mein memoria.
du gib mir die sapiencia,
15 damit das ich dein gotleich chunst
hab pei mir und deine gunst,
so mag mir zwar gewerren nicht,
als das her Salomon spricht:
do du im gabst die weishait,
20 do het er, was die erde prait
ie von zierd au sicli genam;
das alles von deiner weishait cham.
also macht du, herre, mir
wol helfen, das ich chum zu dir,
25 da du sitzest in jubilo.
ich main dich, chünig, Alpha et 0.
V. 1—612 fehlen W. V. 1 — 192 fehlen B. 2 da S. 3 do] und S.
6 iemen zimpt F. im wol g. G. 7 ich mein w. S. 8 haissen S. plum GD.
10 an fehl t S. 11 mich vil ch. F. 12 den fehlt S. synnen san D. synnen
säum G. 14 so gib du mir herre die G. 15 die göttliche G. 16 und
auch die g. G. 17 gewern S. gewerden GD. 1 8 das] der F. auch sp.
G. 19 gäbde dein w. S. gäbt die G. 21 gnomen F. 22 deiner hoche w.
G. 23 herre wol m. G. 24 wol] alle zitt G. kom S 25 in dem hoche i.
G. 26 et] und D.
Zingerle, Vintler. \
an dein genad ich schreie
und an die magt Marie,
das du mir helfest, frau, zu dir.
30 hailiger gaist, du hilf auch mir,
wann an dich hilft nicht pet noch tat,
wann du in der trinitat
pist ain ewig vollaist,
du vater, sun und hailiger gaist;
35 also hastu dich ein gedrungen.
du gib auch meiner zungen
weishait, chunst und sin,
wann ich es alles von dir nim.
ich main, was ich guetes tue,
40 da geistu deinen willen zue,
und dein will der ist so guet,
das er nicht wan guetes tuet,
wann alles guete chumpt von dir.
als macht du mir gepüessen schier
45 was mich gen dir verwirret.
mein sin der ist verirret,
das ich nicht wol getichten chan
das, das ich in dem muete han,
und das ich geren prächt her für.
50 so ist verschlossen mir die tür,
da der gaist des getichtes leit.
also hat unchunst mit chunste streit
gen mir und pricht doch unchunst für,
als ich es in meinen sinnen spür.
55 doch macht du wol mein sinne
enzünden mit deiner minne,
das ich es volpringe dir ze lob,
so ist mir doch mein sin ze grob,
das ich es nicht vol gereden chan.
28 und auch an G. 30 doj nu S. 31 nit FG. rat G, 32 deiner S.
der hochen hailigen t. G. 33 ewigen G. 34 sun und sun und GS. hailiger]
vater S. 38 es doch a. S. wenn ich es doch v. d. alles nim G. 41 fehlt
G. der fehlt S, 42 er] der GS. gut F. 43 guet das eh. S. 45 gen] von
S. 46 ist fast v. G. verwirret S. 49 — 168 fehlen F. 52 kunst mit unk,
G. 57 pring G. 58 ist es mir S. doch] ett G. 59 nit G. vol] wol G.
3
60 so tue mir, herr, als du hast getan
deinem chnecht Jeremia,
der da sprach „a a a."
herre got, ich pin ain chint,
wann mir meine sinne sint
65 ze krank, das ich dein lere
an dir volpring. so tue dein ere
an mir chunstlosen man,
als du das auch hast getan
Moyses, dem lieben chnechte dein,
70 dem da was die zunge sein
behaftet ser in seinem munt,
das er nicht wol gereden chunt.
den machtest du mit deiner chraft,
so das er wart gar redehaft.
75 also macht du den sinnen mein,
herre, mir wol geben ein
deines gaistes getichte.
mein sin der war ze nichte,
wolt mir dein hilf nicht pei gestan.
80 doch wil ich tuen das pest, so ich chan;
wann ich es angevangen hab in guet,
iedoch mich ser im herzen muet,
das villeicht spricht etwer:
„sich numerdum, wie mag der
85 guetes icht getichten,
der selber sich verrichten
chan zue gueter sache nicht ?"
wer also redet unde gicht,
der selbe hat unweisen muet.
90 was schadet mir, was ainer tuet,
von dem ich besserung nim?
61 d. heiligen k. G. 65 eh. so d. S. 66 v. allzitt so G. 69 Moysen G.
lieben fehlt S. 71 behaft fast sere G. dem G. 74 gar] wol G. 76 mir
fehlt G. 77 deines heiligen g. G. 78 zue G. 79 nit G. 80 doch] do S.
so fehlt S. ichs G. 81 es] daz G. 83 vil fehlt S. etswer S. 84 sich]
sy SG. nummerdumm D numerdumbman S. nummerdummanner G. 88
ret S. und auch spricht G. und] oder D. 90 ainer] jener GD?« 91 neme
GS.
1*
tuet er nicht wol, das wirt im
und ist sein 1er doch nutze mir.
davon so wend ich meine gir
95 auf hübsche edle märe,
ungern ich sein enpäre
durch tugentleiches herzen sitte,
auch mach ich mir selbs damitte
freude und churzweile guet.
100 wann es geit mir hohen muet
und nimpt mir manig fantasmata
und unnutz melancolia,
die ich all damit vertreib gar schon.
also nim ich mir selb den don.
105 auch spricht das vil maniger man,
der sich nicht pas versinnen chan:
„der hat vil arbait verloren,
das war vil pesser verporen.
wann er hat manigen maister genant,
110 und seint im doch nicht recht bechant."
das sprich ich selb, und ist auch war,
ich waiss ir maisterschaft nicht gar.
so hat vor mein auch nie chain man
alle chunst allain mocht han.
115 es hat ainer von dem andern genomen,
also haben si die chunst überchomen.
also han alhie getan auch ich.
ich han gesuechet des geleich
von allen maistern, die vor mein
120 gaben hoher chünste schein
und die uns gaben guete 1er.
also han ich Hans Vintler
92 fehlt G. wir S. im] niue S. 93 nütze D. 95 hrobsche S. 96 und
auch ungern G. enpere SD. 97 tugentreiches S. 98 mir] newer S. selbs
fehlt D. 99 eh. vil guet G. 102 und auch vil un. G. melancolica S. melen-
colia D. 103 alle vertreib damit g. S. 104 fehlt S. selber D. 106 nit
GD. 108pösserD. 110 nicht feh lt G. 1 1 1 ist fehl t D. 112maister-
scheft S. nit GD. 1 1 3 mein] mir G. 114 mocht han] gehan GD. 1 1 5 hat
auch allweg a. G. 116 überkumen G. 117 han ich allhie g. D. 118 hab S.
120 gabent D. 121 gabent D. 122 als S. H. der Vintler S. Vindler D.
die red geklaubt aus m anigen puechen,
und die ich alle muest durchsuechen,
125 ee das ich die red pracht zu ainer summ.
ich han durchsuecht flores virtutum,
das do ain wälsches puech ist.
das han ich gemacht ze diser frist,
das es teutsche zung vernimpt,
130 wann es der rechten tugent zimpt.
davon han ich es ze teutsche pracht.
auch han ich darzue gemacht
vil manig 1er und abenteur,
die zu tugent gebent steur.
135 die han ich all pracht zu einander.
ich han gesuecht in Alexander,
was der hie auf erd getan hat.
darnach suecht ich der Römer tat,
was die wunders habent getriben,
140 oder was die propheten habent geschriben,
wie David und Salomon sprach,
Josue, Jeremias und Jhesus Syrach
und was si wunders geschriben haben,
oder was die püecher der altväter sagen.
145 das han ich alles sampt durchsuecht,
und wie got Pharaone fluecht
und vil, das in der bibel geschriben ist.
darnach suecht ich alle list,
die haben geschriben die philosophus:
150 Plato, Aristotiles und Tullius,
Ofidius, Pharo, Socrates und Catho,
Pytagoras, Galienus und Faceto,
Tolomeus und Ypocras,
123 püchern SG. klaubet G. klaubt D. 125 suraen G. 128 das] da S.
zue GD. 130 gezimpt S. 131 davon] darumb D. zu thaufcsch S. 132
fehlt D. 133 mangew G. mange D. und auch a. G. 135 ich praucbfc
alle z. e. G. pracht all D. 136 auch in G. 140 haben GD. 142 Osue S.
Sydrach GD. 144 alt wachter S. 145 alle sampt G. 146 wie fehlt S.
147 das] was GD. wiblen S. 148 allen S. alle die 1. GD. 149 die da h.
G. die do h D. 150 Aristotoles S. Arostotoles G. Arestoteies D. 153 Tol-
meus S. Ptholomeus D.
6
Salustius, der auch ain maister was,
155 Magrobius und Ermogenes
und ainer der hiez Ermes,
Wassiliko und Cassiderus,
Andronico und Longinus,
Terencio und Juvenale,
160 Thomas de Aquino und Sermoniale.
noch han ich gesuecht der maister mere,
oder was die Decret gebent lere,
oder was Augustinus und Ambrosius,
Gregorius und Jeronimus
165 haben geschriben in iren sermonen,
Beda, Chrisostomus und Orienem,
die all geschriben haben manigerlai figur,
oder was das puech der natur
inne hat von allen wesen,
170 das han ich alles sampt durch lesen.
auch han ich gesuecht in Valerio Maximum
und ain puech, haist gesta Romanorum,
was Wunders darin geschriben ist,
oder ivas do hat gesprochen Jesu Christ
175 und sand Peter und sand Paul, der da wart bechart.
auch hat gesagt sand Perenhart
vil von der gotes gerechtikait.
Isiderus und Boecius sait,
das man tue von der weite eher.
180 noch sind der maister vil und vil mer,
die ich nicht all genennen chan,
wann es wurd verdriessen etwan.
154 Salfastius S. Saluastius G. 155 Hermogenes G. 157 Waselliko S.
Kassiodorus D. 158 und] et S. 159 TerenciusD. 161 mer D. 162 lerD.
163 und 164 sind in S. zusammenzogen: oder was Augustinus
und Jeronimus. 163 sant Aug. G. 164 und sant G. 165 habent D. 166
Bedam Crisostimum D. und auch O.G. 168 der] von S. 169 allem D. 170
habS. d. gelesen G. 171 ich han auch g. GD. hab S. Valero F. ValeriusS
Maximi SGD. 172 Romani SGD. 173 darinne GS. 174 da gesprochen
hat GD. Jhesus GD. 175 Peter und sand fehlt GD. bekert GD. oder S.
176 undwaz [santG.] Bernhardus gesagt hat der wert GD. 177 vil fehlt
GD. 180 und vil fehlt S. 181 neraen G. nennen D. 182 etschwan S.
doch han ich si all durch ciaübt
und iegleichen ain wenig beraubt,
185 damit das doch ain püechlein
ist volpracht nach dem willen mein,
und ob an dem püechlein icht gepresten ist,
so pit ich den, der es da list,
das er das wend, wann ich im's gan,
190 wann ich der chunst nicht enhan,
das mein geticht sei straffe frei.
het ich aber chünste chrei,
das ich die chunde laiten wol,
dannoch man mich straffen schol.
195 wann wer die straffung nicht wil han,
der ist den schänden undertan,
als das her Salomon auch spricht:
„wer sich wil lassen straffen nicht,
dem ist nicht vast nach tilgenden we;
200 wann straffung macht nur tugent me."
auch ist straffung manigerlai sach,
etleich ist guet und etleich swach.
aber welche straffung von liebe chumpt,
die selbig straffung vast frumpt
205 und pringt darzue vil nutzperkait.
aber wer da straft mit kunterfait,
da selbs ist chaine liebe nit,
wann rechte liebe ist da quit.
wann alle ding an der liebe leit,
210 als uns sand Thomas urchund geit,
das lieb, wolgevallenchait und der lust
sind pei einander in ainer prust.
wann er das offenleichen spricht
183 d. so han si alle durich S. 185 iedleichen F. 187 geprechen GD.
189 wann] wenn GD. im des g. D. 190 nitGD. 192 het ich] ich halt GD.
aber] aller SGD. 193 chunde] chünste F. kunt S. künd B. kind D. 194
dannochtB. solBGD. 198 straffen lassen SGB. 1 99 nach fehlt F. tugentS.
tugende G. 200 fehlt S. nur] nu G. nun D. 202 gut etleich ist sw. BS.
GD. 203 von ganzer lieby G. komptD. 204 selb straffBSGD. fromptD.
206 kunterckait F. 208 recht liebS. rechtewG. 210sanctusD. 211 lieb
gevallikait S. woüevälligkait G. 212 sei S. seien G. 213 offenleich BFG.
und in seiner summ ausricht,
215 das die erst bewegung ainer igleichen liebschaft
das das sei die verstantnus mit ir chraft,
als do spricht sand Augustein :
„chainem menschen mag ain ding lieb sein,
er hab es dann vor etwas erchant."
220 das selb das chumpt von der fünf sinne pant,
also das sehen mit den äugen,
den oren das gehörd, das ist an laugen,
und als das smecken mit der nasen
und als das chosten mit dem prasem
225 und als das rüeren mit den henden,
wie es die sinne mainent wenden,
wann sie es doch alles regieren,
und in dem andern tail des hieren,
da do leit der vernüftig gaist
230 in der betrachtung allermaist.
wann die verstantnus ist also frei,
das ir wont guet und pöses pei,
und macht ir oft selb ain lieb urspring,
als ich es in meinen sinnen vind.
235 das chumpt alles von der äugen gesicht,
als der philosophus auch spricht :
wenn der mensch seinen willen naigt,
das er dann der erchantnus zaigt,
das selb verwechselt sich alda
240 in die inner memoria
und verchert sich dann, als man sait,
in ain wolgevallenchait,
und das gevallen erwegt die pegir,
215 begirungBG. begierung S. 216 irer B. 218 gesein BS. 219 es hab
FS. es hab auch dann es vor D. h. auch denn G. etzwas B. 220 selb eh.
GS. selbig B. sinnen BSG. 222 gehört FS. gehör GD. ane BGS. 223
fehlt F. 224 den FS. prasenSD. 225 ruren FBS. 226 wie sy dy sinne
mainet w. S. mein F. maine B. mainen G. meinen D. 227 wen es si d.S.
229 da da BFS. unvernüftig F. vernufft G. vernünftig D. 231—330
fehlen F. 232 want S. guetz und auch p. G. pös SG. 233 selb fehlt
GS. 238 ers erkantnuss denn z. G. der kantnus S. 240 inner] in der G.
242 wohlgevellikait GD. 243 das fehlt B.
9
das im die sach gevallet schier,
245 da pirt sich dann die höchste tugent.
wann rechte liebe ist so mugent,
das si ist würz, anevank und leben,
wann si misset alle ding gar eben.
si ist auch ain seul aller tugenthait,
250 als der philosophus uns sait
und sand Thomas auch bericht
und bewärt, das chain tugent nicht
an rechte lieb nit mug gesera,
wann si formet sich so ein
255 und macht ir ainen anevank durch sei,
und wer erchennen wil da pei,
ob er tugent oder laster tue,
so wart nur das ansehen zue,
ob es von der tugent her gee,
260 oder ob es mit dem laster bestee.
Die lieb mag ich geleichen wol
dem calander, wann der sol
ain siechen menschen sehen an,
sol im die sucht dann nit engan,
265 so chert er seine äugen von im;
sol er aber des siechtumbs chomen hin,
so chert er seine äugen dar
und nimpt des siechen fleissichleichen war,
das er den siechthumb in sich zeucht.
270 also auch die tugent fleucht,
das si die lasterperleiche tat
alzeit scheuhet an aller stat ;
und also tuet ain edel gemüet,
das zeucht an sich mit seiner güet,
275 das si es begreifen wirt gar pald,
244 gevallen BS. gevellet D. 246 den SD. 247 ist fehlt GD. 248
müssend G. 249 sal S. 250 uns auch s. G. 251 sanctus GD. 254 sei
formiert G. ornet S. also D. 258 nur fehlt S. nur] nu G. 262 Galiander
GD. kalanders S. 263 fehlt G. 264 so im die s. nit sol G. dann fehlt
SG. 268 siechtum G. nissigklich GD. fleischleichen S. 271 sei die schant-
lichew lasterparlichew G. getat S. 274 zeucht fehlt GD.
10
recht als die vogel in dem wald,
den ir begir nach laube stat.
also sät die tugent ir sat.
und als ain liecht in ainer vinster,
280 das da leucht mit seinem glinster
noch vester, denn ob es der tag an schin,
also ist dem tugenthaften sein sin.
sand Thomas spricht noch rae,
das die recht Ordnung bestee,
285 und das auch die ganze liebe ist,
das ist, das man minne Christ
vor allen dingen hie auf erden,
und das du bedenk'st, wer du muest werden.
das selb macht, das man sich selber mint,
290 und wer das selbe recht versint,
das war wol ain hoher hört genueg.
wann wer im selben hie ist clueg,
der mag sich wo! vor sünden hüeteu.
auch sol man vater und mueter güeten,
295 das man die in eren hab.
den nächsten freunten auch guetes trag
iegleichem darnach, als er dir sei
mit seiner sippe nahen pei.
darnach solt du ain iegleichen man
300 nach seinem wesen also han
und auch ee die gueten wann die pösen.
auch soltu niemant nicht verösen
sein leumunt, noch ander leut laster.
wann wer das tuet, der schent sich vaster,
305 als sand Augustin do spricht.
am ersten han ich euch bericht
277 ir fehlt S. labe G. 278 also stat die t. S. sat B. 281 denn fehlt
S; dann D. 286 minne] lieb hab D. Jhesum Chr. GD. 288 wer] was GD.
289 besint D. 290 wer fehlt G. versunt S. befint D. 292 selb GD.
selber S. 294 gutten S. 295 in allen e. G. haben mag D. 297 als er
dir] und er GD, 299 ainen G. 301 wann] denn GD. die|die]denjden D.
303 seinen GD. leunden n. G. lümbden D. 304 wer] der GD. sich selber
vaste G. selbs vast D. 305 do fehlt GD Augustinus D. 306 am] diu
S. ew. S.
11
von der gottes liebe tirspring,
darumb das er ist über alle ding,
darnach wil ich eu sagen me,
310 wie die tailung der liebe ste.
darnach so offenbar ich eu
von der lieb und von der frawen treu.
Von der lieb karitas.
Die rechte gottes lieb ist das,
die man haisset karitas,
315 wann die chumpt herab von gottes sun,
als der gelaub und die hoffnung.
wann es mag niemant minnen got,
wil er nicht behalten gots gepot
und das gänzleich gelauben an allen spot,
320 das wir zue dem herren Sabaoth
hoffen ze chomen in sein reich
und bei im peleiben ewichleich.
die zwo tugent sein also
in ainer disputatio,
325 und durch der disputatio willen so wil ich
es auslegen in der lieb gottes, die mich
alzeit zwinget mit ir chraft.
hiet ich nur chunst und maisterschaft,
die wolt ich durch des heiligen gaistes willen
330 und durch sein tugent mich nicht lan bevillen.
Künig Salomon ze Jerusalem sas,
in seinen sinnen er im mas,
das er in allen sachen weis wolt werden
von allen dingen auf diser erden.
307 Ursprung GS. 308 allew G. 309 darnach so w. B. euch GD. nie
fehlt G. 312 und auch ron d. falschen fr. G. 313 lieb gotes D» 316
als uns der g. G. 317 lieb haben D. 3 19 gänzlich] auch G. 320 herren
fehlt S. hailigen G. 322 und auch pi G. 325 und auch d. G. so fehlt S.
326 es fehlt GD. der] die D. der er und lieb G. 327 mit fehlt S. 328
het S. und auch m. G. 330 durch] auch GD. seiner G. mich fehlt GD.
332 seinem G. i. s. ersinnen im was F. V. 333. 334 fehlen GD. 334
sachen BS.
12
335 der spricht von der gottes lieb also:
„ich han stift heuser, die sind ho,
und pflanzt Weingarten von aller hant
wild und zam, wie das ist genant,
und han gross silber und golt.
340 ich han vil volks, die da nement mein solt.
ich han auch liebhaber von aller diet,
ich han herschaft, ich han miet
von allem volk, wenn ich wolt,
und wem ich wolt, dem gab ich solt
345 und macht in ze ainem mächtigen man,
das chain ander wol mocht haben getan.
ich han chunst für jeden man,
und was doch chain ding, da ich gevallen het an.
do ich es in meiner gewissen mas
350 und ich bedacht ditz und das,
und das ich so vil arbait lait
in meiner grossen müssichait,
do erfand ich, das es nichtz nicht was,
dann ain snöde vanitas
355 und ain peinung des gaistes gar.
ich vand auch under der sunnen zwar
nicht anders, dann ain snödichait.
auch vind ich nindert stätichait,
neur der die rechte liebe hat
360 zue gottes dienst frue und spat.
ich pat oft got, das er den tot
mir hiet gesant in meiner not."
sand Paulus spricht, das die weishait
von diser weit sei üppichait
335 der spricht] ze redenD. bereden G. 336 han fehlt F. stift fehlt B.
han hüsser gestiftet G. V. 337 — 340 fehlen B. 337 und fehl t S. ich
gephlanzt han w. S. 338 si sind S. 339 han fehlt F. han auch g. G.
340 volk S. meinen S. mein fehlt G. 342 mit miet F. h. und ich haun
m. G. V. 343. 344. 345 fehlen B. 344 geb. S. solt] gold G. Dann
folgt: Und viel mangem grossen sold G 346 mocht wol han S. 347
han auch k. G. ieder m. S. 348 wais FS. 349 meinem B. 350 ich auch
b. G. gedacht F. 353 nicht fehlt G. 355 und auch G. 356 vind BF.
357wannBS. 358 niendert chain st. G. 362 hetBSGD. 363 das fehlt
B. 364 sei] ain S. sei ain üp. G.
13
365 und sei ain narrhait gen der gottes gesicht,
wann wer da wänet chunnen, der chan ir nicht.
Aristotiles schreibt in seinem puech:
„ich cham nackent an ain tuech,
recht als ain tor ane sin,
370 und nackend var ich wider hin."
sand Augustin: „o mensch wie forschestu
nach frid! ich wil dich leren nu
und geben gar ain nutzen rat:
rieht dein herz frue und spat
375 in die gottes lieb gar vast.
tuestu das, so hastu rast."
wer die üppichait wil spehen
diser weit, der mag wol sehen
das nimmer chainer wirt geert,
380 es mües der ander vor sein entert.
es mag auch chainer chain reichturn han,
es mües ain ander mit armuet stan.
als ist die weit beschaffen hinz her
recht als ain tisch, wenn nu der
385 ist bedeckt mit ainer zweheln gar
und die als chlain ist für war,
wenn ainer si zuckt an seinen ort,
so mues der ander mangeln dort.
also ze geleicher weis ist die weit.
390 wer die rahmet umb das gelt,
der wirt oft gar traurig davon,
wann si nicht anders geit ze Ion
dann eitel böse snödichait;
aber wer da got lieb hat,
365 sei] auch G. sei fehlt» D. geschichtS. 366 wer] derGD. ze kommen
GD. der kennt nicht GD. 367 spricht D. 368 und spricht F. n. in an F.
nachant B. an alles t. G. 369 sunder sinne B. 370 nakchant B w. von
hin GD. 371 sand Augustin fehlt B. Augustein spricht G. o du m. FS.
372 lernen F. 373 und geben fehlt BSGD. ainen BS. gar ain n. und
glitten r. G. 378 wol fehlt F. 381 fehlt S. rechtung F. 383 also GD.
disse G. hinz] pisz GD. V. 385—672 fehlen F. 387 zeucht S. 389
ist auch d. G. 391 oft fehlt G. 392 nichtz D. 393 den S. wenn G.
394 da fehlt GD.
14
395 der beleibt alzeit fröleich.
wie er war, so war er reich.
Die ander lieb ist die magensehaft,
die selb pirt sich von naturl eicher craft
und die begirung haben wir.
400 die selb pringt die natur zue ir,
als der da lieb hat seiner sippe pluet.
natur uns also maistern tuet
und darumb spricht der prophet an ainer stat:
„du solt dem nicht trawen, der da hat
405 seinen freunt nicht lieb und im liebschaft zaigt.
wann wie möcht der immer sein genaigt,
das er die frömden lieb het?"
Salomon der spricht an ainer stet:
„alle wasser, die do sein,
410 die chomen vom mer und gent auch drein,
und alle menschen sein ertreich
und werden dem ertreich wider gel eich.
seider ich nu erchenne wol
die armuet und die trüebsal,
415 so lob ich mer die toten chint,
wann die, die do lebentig sint.
es sein auch die vil säliger zwar,
die da nicht geporen sein, das ist war,
wann die, die da geporen sint,
420 wann die selben die sein plint,
wann sie sehen das übel nicht,
das da unter der sunnen geschieht."
zwo sach sein alweg gar
wider einander, das ist war.
395 belieb S. alle z. G. 396 war] ist D. er ist oder gaut so ist er all-
wegr. G. 397 mangeschaftGS. magschaftD. 398 selbigB. selb fehlt D.
399 begerung GD. 400 selbig ß selb die p. GD. 401 als do der 1. D.
seiner] der GD. 402 also uns die n. ra. D. 403 und fehlt GD. 404
trewen G. 405 nicht fehlt G. freuntschaft D. 406 wie fehlt S. der]
er S. 408 der fehlt SD. an] in S. 409 die do] wie die S. 410 wider dr.
G. und auch dr. D. genB. 413 i. dann nuS. nun ich GD. 414 und auch
d. G. 416 ein die fehlt BS. lembtigBS. 420 selben sind pl. GSD. 421
sie] die selben BS. 422 da fehlt SD.
15
425 das pös ist wider das guet alzeit,
so hat der tot mit dem leben streit.
die reichait und die tugenthait
das freut das herz, als man sait;
aber über die paide ist
430 die lieb gottes vaters, Jesu Christ.
wann das ist die lieb der freunde gotes,
die da wartent seines gepotes.
Die dritte lieb hat auch vil chraft
als von freuntschaft und gesellschaft
435 als wenn sich zwen verpinten geren
zu ainer sach, die doch ist mit eren
und das die freuntschaft des leibs bestät
wirt auf ain ewichait stät,
als do ain mensch ainem wol gevelt,
440 das er im wil zue sein geselt,
und das chumpt von sachen drein.
das erst ist guettat, die man aim
hat erzaigt zu aller stund,
oder hoffet noch ze tuen.
445 die selbe lieb ist kunterfait
und ist ain lieb der valschait.
man mag es nicht haissen rechte lieb,
wann es ist der liebe dieb.
die ander sach wil ich eu sagen,
450 das er wil die guettat seins freundes im herzen tragen;
die dritte sach durch der guettat,
die sein geselle an im hat
und die der mensch mit im tauen wil.
die zwo lieb sein . geleiches spil
429 über fehlt GD. paidewG. 430 lieb fehlt B. gottes des vGD. 431
431 ist die fehlt G. 435 sich ainer yerbint D. 436 die da doch mit S.
die da hoch mit B. 437 ieibsj lib G. lieb D. bestetiget BS. 438 a. stät
ewichait BS. 440 im widerum sein gevelt B. im wildtun sein geselt S.
wil tun sein gefeit GD. 441 das fehlt S. dreien D. 442 aim] im B.
ainem D. 444 hoffet] oft G. oft noch ist ze t. D. zu S. tuen] stund G„
446 ist auch a. G. 447 wann man B. lieb gar D. 448 das mag nicht
anders bedeuten zwar D. V. 449 — 509 fehlen D. 451 durich S. 452
die] das B. 453 die] das G.
16
455 und auch als ain liebeu freuntschaft,
als sand Thomas hat gedacht
und bewärt also: „in drein sachen
mag man liebe freunte machen:
mit ainem lautern herzen guet
460 und das in rechter liebe tuet;
das ander, das er sich hüeten sol,
das seinem gesellen nicht misseval,
oder das er im chainen schaden tue.
und der freuntschaft wird man nu
465 innen wol ze gleicher weis
in drein sachen, als ich eu beweis :
freunt eren in presencia,
ze loben in absencia,
ze dienen in seiner notdurft schon,"
470 als da spricht her Salomon:
„deinen trewen freunten
darft du nicht sein gepunten."
Ofidius tuet uns das chunt:
„in deinem wolgen hastu freunt,
475 die dir alle volgen mit gemain,
aber in deinem übelgen beleibstu allain"
Aristotiles lert ain hübschen list :
„als vil der werkman grösser ist,
als vil ist das ain notdurft gar wol,
480 das man im ain aufenthaltung tuen sol
pilleichen und ze aller frist.
so vil auch der mensch mächtiger ist
und seiner fantaseie scharf,
dester mer er auch nur freunt bedarf.
485 es mag auch nieraan wol sein all ain
und darumb ist die sälichait so rain
455 liebe B. 457 und also b. G. drei G. 460 und auch daz G. 461 sich]
dichS. 462 seinen SG. gesell S. 463 im]anS. 464newG. 466 fehltG.
472 bedarft du G. seinen S. 473 uns auch d. G. 474 wolgen hast du]
wolgehabten G. vil fr. B. 47 7 leret uns a, G. 479 gar fehlt G. 480
auferhaltung B. 481 pilleich S und auch z. G. 482 vil der m. auch G.
483 fantasneyeB. fanthasei S. 484 nur] nun G. nur BS. 485 niemantB.
auch fehlt G. 586 und fehlt S. so] ser B. so fehlt G.
17
der menschen hie nicht anders zwar,
wann die gottes lieb für war"
Tulius hat gesprochen das :
490 „fiier ain mensch gen himel an underlas,
und säch da die schönhait, gottes wunne
und den schein der claren sunne,
den mon mit der steren krei
und der engel ierarchei
495 und alle ander schönhait gar,
die der himel hat für war,
und chäm denn wider auf die erd,
es deucht in alles unwerd,
solt er mit leuten reden nicht,
500 neur mit im allain, es war im enwicht"
Plato lert uns in seinem puech:
„ee das du aiuen lieb habest, so versuech,
und wenn du das hast getan,
so hab in lieb an argen wan
505 mit lauterm herzen, mit ganzer chraft."
auch spricht er von der freuntschaft,
die man da hat mit pösen leuten,
das mag nicht anders zwar beteuten,
wann eitel pöse von vil Sachen.
510 das guote pricht sich durch der swachen
gesellschaft des pösen ze aller zeit,
und das pös wirt guet an widerstreit,
wann es nimpt im den pösen leumunt ab,
wenn er sich also gesellet hab
515 mit ainem erbären man,
der pesser ist, denn er getan.
Die vierde lieb die ist so guet,
das si inwendig ain gros gemuet
hat, das haist man liepleichait
491 sach B. 493 maune G. Sternen G. 494 und auch d. G. 495 allen
andern G. 500 es war im enwichtj waz solt das ichfc G. 501 uns daz i. G.
503 und] nu BS. du denn d. SG. 506 sprach S. 508 ander G. 510 der]
die G. 513 leutten G. 517 lieb ist SG. 519 man] wan S. man die 1. G.
Zin^erle, Yintler. 2
18
520 oder ain liebe verständichait,
die nimpt von drein Sachen sprung.
die erste lieb die ist begirung,
recht als der man lieb hat die frawen
neur allain durch lustes prawen,
525 das der man von ir wolt haben,
und sich seins lustes wolt entladen,
als auch tuet der maist tail zwar
aller menschen, und die lustichait gar
chumpt allez von leibleicher lustichait
530 nach dem, als sand Thomas sait
und bewärt, das chaineriai zung
müg lieb gesein an ain hoffnung
ze haben etwas guetes aldo,
und chumpt doch etleich zeit also,
535 das es pös ist und unfruet,
aber nach seinem ge Valien ist es guet
also muesz in ainer iegleichen liebe sein
aintweders wollust oder pein,
es sei in der leipliclien vernunftichait
540 leipleich lieb chumpt, als man sait,
von den fünf anvahenden sinnen
des leibes, als euch mein stimme
vormal da oben hat gesait.
die lieb der edeln vernunftichait
545 chumpt von iatrachtung der Vernunft,
wann die hat vil list in irer chunst,
und das selb chumpt alles dar
von dem greifen, das ist war,
als sand Thomas gesprochen hat,
550 das aller lust an der liebe stat.
wann die begirung enpfacht die liebleichait,
daraus macht si ir dann ain lustichait.
520 liebew S. 521 Ursprung G. 522 lieb ist SG. 526 entlagen S. 528
und auch d. G. 529 liebleicher S. V. 530— 55 2 fehlen S. 530 sanctus
G. 534 doch fehlt G. 535 und auch u. G. 536 g. so i. B. 537 mues
es in B. 539 in leiplicher G. 540 liebleich B. 541 annahenden B. an-
fechtenden G. 542 stimmen B. 544 edeln] rechten G. 545 von der B.
eintrachtung G. 547 selbig B. 549 Th. der lerer g. G.
19
iedoch genüegt si sich nicht daran,
an dem vernünftigen lust ze han,
555 und muesz dann lassen ain grosses ding
vor aines clainen urspring,
wann der man nicht anders achtet,
neur das sein wille alzeit trachtet,
das sein wölkst neur für sich gee,
560 nicht das er an sech der frawen er,
das er die von lieb hab als lieb gehabt,
neur das er sich seins willen sat
ze gleicher weise, als das vich.
darumb mag man es haissen nicht
565 aigenleich ain rechte lieb,
wann es ist der lieb hinschieb.
Aristotiles spricht auch da pei,
das die lieb nicht anders sei,
was das ist, das der mensch lieb hat,
570 das das sei in rechter guettat
und nicht von chainer fleisch I eichen begir,
wann das ist verpoten dir,
und solt auch der andern menschen leben
lieb haben von iren wegen,
575 und hab si auch lieb durch ir guethait
und nicht von fleischleicher nutzperchait,
und darumb der also spricht, das er
die frawen lieb hab durch der
guettat willen,' die si soll haben,
580 der wil sich neur seins lustes laben,
und ain soleich lieb die ist also
ain begirung, davon mag man do
wol sprechen, im sei das herz entzogen.
der liebhaber mag nicht gelogen,
585 wann in seinem sinne mag man nicht
556 Ursprung S. 557 anders nicht a. G. acht B. 561 gehabt] habt G.
562 er fehlt G. 563 recht ze gl. B. als die sich G. 565 aigenlichen S.
567 auch fehlt S. 569 was] das G. mensche B. 570 sy ain rechtew g.
G. 571 falschlicher G. 576 falschlicher G. nutzperichait B. 577 also]
da G. 581 und auch sölliche G. solch S. die fehlt SG.
2*
20
nimmer erfüllen sein gesicht.
auch mag man an im erchennen wol,
das er ist alzeit vorchte vol,
so muesz er auch laugen ze aller zeit
590 der sache, die im liebe geit.
auch muesz er oft zitternt stan
vor dem snellen gesicht, daz er muesz han.
im ist gar eng mit seiner lieb alsus,
wann er ist in stätichleicher gedenknus
595 von der liebe, die er hat.
sein herz hat ain vorchtsamleiche stat,
er slaffet wenig und isst nimmer gnueg.
er hat auch nimmer ainen stäten muet
von den gedenken, die er hat ze aller zeit,
600 als uns Ermes des ain urchunt geit,
das chain dienst also groz sei,
als ain chnecht, der da der minne pei
ist alzeit tag und nacht.
Plato hat es auch pedacht
605 und spricht, das die lieb nicht hab äugen,
davon so ist es ane laugen,
das ain so getane liepleichait
nicht anders ist, dann ain laster prait
und ain hässichait nach der regel
610 und ain model der narren tegel,
wann seine äugen seind alweg in forchten zwar
und sein gedank und red ist alweg gar
von der lieb der begirlichait.
das ist gar ain grosser tadel gerait
615 der rechten lieb und ain geteusch,
wann ez ist ain laster der uncheusch,
sand Thomas spricht auch davon:
587 an feh It S. 588 alzeit ist v. G. 589 luegen G. 590 die] das BG.
591 zitteren S. zittren G. 592 geschieht S. 596 ffechsamleiche S. 597
sleft S. 600 als das uns des E. B. als das E. uns des S. als der Hermo-
gines G. 606 davon ist daz aun alles G. 607 also G. 608 dann fehlt
S. ain fehlt G. 609 hässichait fehlt S. hassimkait G. 610 und auch
a. G. 611 seind fehlt SG. 612 und auch s. G. red fehlt G.
21
„ain iegleich gemüet, wie daz ist getan,
es sei junk oder alt,
620 oder wie der mensch sei gestalt,
der begert alweg in seinem muet
lieb haben die ding, die da guet
sein und schön und minnichleich,
er sei denn ain narr naturleich.
625 dem selben gevallent nimmer nicht
die gueten schönen ding, die er sieht,
wann si machent im chain lustperchait,
noch chain solich gedank tuet im lait
nach fleischlicher pegir nicht."
630 sand Bernhart der spricht,
das die selb lieb nicht anders sei,
denn ain vercherung der narrenchrei,
als si das auch wol erzaigen
in allen iren werken, die sie naigen
635 neur alzeit auf so getane sach,
wann guete ding, die sein in swach.
Die fünft lieb ist von maugerlei figur,
als si maistert die natur,
wann die natur ist gar reich,
640 das ain iegleich geleich hat lieb sein geleich,
wann in der natur bewärt es sich,
das man lieb hat seinen geleich
aintweders mit leiplicher formichait
oder von natur oder von gewonhait
645 geleicher weis und in dem muet,
als das vich und der narr tuet
das ding, das er lieb hat also,
618 igleichB. 623 sein schön B. und auch seh. G. 624 dann BS. 625 d.
selbigen dem g. B. gevellt BSG. 626 guete SG. schöne GW. 627 lust-
perichait B. 628 chain fehlt G. soleich B. solch S. gedenk S. tuend G.
im nicht lait B. 631 selbig B. 632 dann B. wenn G. 633 auch das w.
G. 634 si fehlt G. 636 sind S. im W. 637 ist fehlt G. manigerlaiB.
638 seiS. 639 gar] so B. 640 geleich lieb hab s. g. S. i. glich lieb hafcG.
hat fehlt B. V. 641 und 642 fehlen S. 643 antwederS. 647 hab G.
22
nicht, das er welle welen do
chain grophait oder lustichait,
650 neur als vil als im die natur rait.
des mag man ain ebenpild wol nemen
pei den voglein, die sich senen,
und pei andern tieren wild,
die da habent etleich vernünftig pild.
655 wann si haben etleich verstäutnus,
das si sich alle gesellen alsus
und haben auch darin wollust und pein
mit iren gesellen, wa si sein,
und doch an flaischleich lustichait.
660 es ist auch chain tier so gemait,
es ziech sich alweg ane wan
zue seiner natur, wa es chan;
und alle menschen auf diser erden,
die geschepht sein under ainem steren,
665 das geit die natur in ein,
das si alweg ainander holt sein
und gevelt alweg ains dem andern schon.
das macht, das si under ainer complexion
sein gemacht in ainer ainung
670 und darumb ain iegleich liebhabung
muesz sein, die im liebe macht,
und die geleichnus wirt pracht
aus der Schöpfung der steren,
wann alle hantwerker haben geren
675 lieb anainander mit ir chraft,
das selb chumpt von der maisterschaft
• das merer tail oder von dem lob,
das der ander maister an im hab
648 wolteB. wellen G. 650 in BG. sait BG. jait S. 651 des] das S. 652
voglen G. 653 und fehlt G. 655 rerstantnus BS. 656 alle fehlen G.
658 wo S. 659 doch] auch G. an] ain W. auf G. 661 alweg fehlt G.
662 zue] in S. wa] wie S. 663 allen G. 664 geschept W. gescheph S.
666 an ainander S. anainder B. 667 gewellt W. alweg fehlt G. schon]
wol G. 669 ainSG. 670 fehlt G.igleichB. iegleicheS. 674 antwericher
B. antwerkerS. 675 an fehlt D. 676 selbig B. der fehlt F, der] ir G.
irer D 677 raeror F. mere G. 678 maister] tail F. ane hub G. anhübe D.
23
oder etwenn von nasses wegen,
680 und der selb neid wird nimmer gelegen,
wie wol si in ainer complexion sein.
wann si haben gar vil inval drein,
das die natür würchet an in.
wann alle menschen, wie die sein,
685 die haben ee lieb iren nutz allain
wann indert aines menschen chain.
und darumb, der da also spricht,
das er die frawe%i lieb hab umb nicht
anders, dann das er lig pei ir,
690 die selben laichent si, das gelaubet mir,
als ich es da vor gesprochen han.
Tulius spricht auch davon,
der die volchomne liebe misst,
die sei nit anders, denn das man ist
695 freunt lieb haben also
nicht von notung, noch von dro,
nicht von vorcht, noch von chaim pösen list,
als das der mensch oft wartend ist;
wann es ist gar vil nutzperchait
700 in der vernü fügen lustichait,
die von der liebe also chumpt."
Plato spricht: „ob du freunt
wilt wol erchennen, so 1er ich dich:
wer dir geleich sei, an den sich,
705 das du in treulich lieb habest
an allen valsch und in begäbest."
679 etwenn fehlt F. hasses] haissern S. 680 selbig B. neid fehlt S.
nimmer mer GD. geligen F. 682 sew F. einvell GD. gar fehlt D. 683
das] als S. 684 all di W. 685 ee] er F. ir W. 686 wan] dann F. von
B. w. chains andern WBSGD. dehain WB. 687 da fehlt SG. 689 dann
fehlt W. 690 sie] sich WD. sei G. 691 es] auchG. ich davon geschriben
D. 693 volkumne S. volkumen G. 694 das si nicht a. s. F. 695 liebhaben
freunt a. B. 696 notturft D. nicht WBSG. 697 noch pösemBSGD. chaim
fehlt W. 698 das] des GD. da oft GD. 699 ist fehlt S. nutzperichait
BS. 700 lustperkait F. 701 liebste B. davon der liebe a.D. 705 das]
ob GD. so wart das du F. das du] und W. getreuIeichF. 706 und auch
in G.
24
Und darumb wil ich den zarten frawen,
die disen formung iu tugenden pawen,
in ze lieb und auch ze rest
710 ir chempfe ze sein, so ich allerpest
chan, und ir beschirmer sein
gen mänikleich, der da spricht von in,
iedoch so wil ich chünden von in
etleich auslegung der heiligen sin,
715 die da haben gesprochen gar wol
von den frawen. darnach sol ,
ich her für pringen die,
die den frawen sprachen übel hie,
nnd am lesten wil ich doch
720 die beweisung sagen noch
und machen ain war erlösung,
das man sneid den valschen ire zung
aus, die den frawen übel gesprochen haben.
die guettat der frawen wil ich sagen,
725 als ich das immer peste chan.
Salomon spricht auch davon :
„wer do vindt das guet weib, der geud,
wann er vindet alle freud.
das guet weib treibt von ir all poshait."
730 Salomon hat uns auch mer gesait :
„das weib, das iren man hat schon,
die ist des mannes höchste chron:
wann si ordent das haus uud macht reichtum,
si ist ain gemahel gottes sun,
735 si freut ir freunt an allem ort.
got der hat den selben hört
gesant, ich main das weise weib.
708 dissew G. tugent G. 709 auch fehlt FG. rechst F. rast G. in lieb
und in rast D. 710 chempfer FGD. aller fehlt WS. 712 gen] von S.
meniglichem D. der fehlt F. übel spricht F. spricht fehlt WBSGD. in]
ein GD. 713 fehlt FSG. iedoch] sagen tut D. 717 ich fehl t G. 718
übel sprechen S. sprechen FG. 719 so wil FS. 720 weissung W. 721
war] wider WBSFD. 722 ir WBS. 725 das fehlt G. pest F. 727 do
fehlt GD. 729 treib von aller F. treib S. 730 mer fehlt G. 733 ordnet
G. reichtung W. 734 ain fehlt G. gemehel S. 735 erfreut F.
25
die selben weib sein laidvertreib,
wann si pringen das haus alles wider,
740 aber die torocht truckt es nider.
des wil ich euch ain geleichnus geben :
recht als der mensch nicht mag geleben
in diser weit an chainen enden
ane die vier elementen,
745 also wenig so mag man
an das weib nicht leben han.
darumb so ist notdurft zwar,
das man das weib setze dar
an des fünften elementen stat.
750 ob man des weibes nicht enhat,
so mues die weit verderben gar
von dem alter, das ist war."
Salomon tuet uns das chunt:
„durch das weib ward getan die erste sund,
755 und durch si so sterben wir."
Salomon spricht darnach schier:
„von tausent mannen ainen
vand ich ainen gueten rainen,
aber von allen den frawen
760 so mag ich chainer nicht getrawen.
du solt nicht wonung bei den frawen haben,
wann von dem gewant pern sich die schaben,
und von den frawen pirt sich das unrecht gar."
„noch ist pesser die ungerechtichait für war,
765 und ob die frau soit herschaft han,
so tat si gar vil übel irem man."
Salomon spricht: „dreu ding treiben aus
den hauswirt aus seinem haus :
739pringetF. alles fehlt W. 740 torhait S. torotewF. toretD. t. die G.
741 euch fehlt F. eu B. 742 leben WBS. 744 an WBS. vir WS. 745
so fehlt FS 7 17 notturftig GD. 748 weibe S. 749 der WFSD. fünfte
elementz G. 750 enacht G. 751 müst WBS. verderben] werden F. 753
uns auch das F. 755 so fehlt G. 756 gar schir F. 759 den fehl t G.
760 nicht fehlt FG. 761 nitWB. 762 wann fehlt F. 763 und fehlt
F. sich fehlt WBSGI). 764 poser F. posser S. unrechtikait SD. 765
frawen F. 766 vil fehlt F. übel fehlt B. Übels G. an irem F.
26
das übel gedeckte dach
770 und das pöse weib swach
und der rauch, wann der über hant gat."
. Ipocras auch gesprochen hat:
„ich sach ain weib fewer tragen,
da was das vil prünstiger, hör ich sagen,
775 das da trueg, denn das getragen wTart."
Salomon spricht auf der vart
von ain er, die was siech gar vast,
auf ainem pette het si ir rast:
„hie leit das pöse auf dem pösen,
780 wer mag ir wunder gar erlösen?"
Salustius auch von ainer spricht,
von ainer, die lert nemen gift
von der nater und hab erchant,
das verchert sich in die gift des tarant.
785 Salomon spricht: „etwevil weib Hessen sich schawen
die wainten alle umb ain toten frawen :
„ei, du pöses, wie du betrüebet pist
von dem pösen, das da verloren ist."
Plato der hoch maister wert
790 spricht von ainer, die do schreiben lert:
„nicht mer das pöse mit dem pösen!"
die wäre entpintung wil ich lösen,
das man es offenleich mag sehen.
was pöses von weiben ist geschehen,
795 das cham alles von Adam uud Eva,
das wider pracht uns Maria.
sand Augustin spricht auch das,
769 deckte G. 771 wenn G. V. 772 — 788 fehlen B. 772 J. daz auch G.
774 do ward D. 775 denn] wan FS. das da g. S. getragen] da tragen G.
776 Saloman W. der] die G. 778 ir fehlt G. 780 erlesen FG. V. 781
— 84 fehlen D. 782 lernet G. lert da n. S. nemmen F. 783 von der]
und die GS. n. hab er erchant F. 784 und daz G. die] disse G. torant F.
785 sagt: viel weib teten sich D. lassen W. sich sechen und seh. G. 786
wann die WS. tote WS. 7S7 eya G. wie] weib FD. du so b. WS. 788
do S. 791 rne W. 792 enpintungBS. enpfindung GD. lesen G. auflösen D.
793 man es mag offen! eich s. B. offenleichen S. o. wo! mag G. gesechenFD.
794 besehenen B. 795 und von E. S. und auch von G. 796 prachS. uns]
die junkfraw G. 797 sprach S.
27
das chain ding nie was
noch nimmer wirt auf diser erde, .
.800 das da pesser und pöser werde,
dann ain weib, als man list,
und die widerwärtichait die ist
ze versten neur von der pösen frawen.
das mag man offenleichen sohawen,
805 wann es ist dariinib nicht,
das das Salomon also spricht,
das er nie chain guet hab fnndeu.
ir ist doch vil ze disen stunden,
und ob er ir dann nicht fanden hat,
810 so seind ir doch vil ane missetat.
ir seind auch vil, die si runden haben.
so mag er auch das nicht gesagen,
wann es sein vor und nach sein
gewesen zarte frawen rain.
815 doch ist nit dürft, das ich sie nenne,
wann es ist ain offen bechenne,
und mit seinem urlaub sprich ich das,
das er das sprach in ainem rechten has,
das chain guete frau sei gewesen.
820 nu mag man doch offenleichen lesen,
der do liset seine tat,
das er das in ainem zorn gesprochen hat.
Man vindt doch in der alten schritt,
do Salomon den tempel stift,
825 das in zwang ain schwarze haidenin.
798 dink W. auch nie S. 799 nimmer mer F: 800 pesserd W. pössert
W. 801 den W. 802 die atlweg widerwertig ist G. widerwertig ist D.
803 weiber S. 805 ist fehlt F. 807 guet] trewGD. befunden D. 808
zue WFGD. diser F. 809 — 816 fehlen B. 809 denn W. gefunden GD
810 doch] noch GD. 811 gefunden GD. 812 des W. das fehlt GD. 813
wan] (der WS. wenn es vor sein F. sein vor sein S. sei vor sein oder nach
sein G. und] oder D. 814 so seind gewesen fr. F. vein S. 815 ist es D.
dürft] notGD. 816 bekchennen S. 817 urlab F. ich fehlt G. 820 nunF.
nun wir doch D. offenbar GD. 821 der der da F. 822 er es in GD. V.
823 — 843 fehlen B. geschrift GD. fristWS. 823 doch fehlt D. 825
in do z. F. haidin G. heidynn D.
- 28
durch der selben willen verlos er sein sin,
das er gotes verlaugent damit,
wann er pett di abgötter an nach irem sit.
auch pracht si in so gar von sinnen,
830 das er ir muest lernen spinnen
und muest auch tragen frawen gewant,
das er für ain dieren wurd ercbant.
also gieng si mit im umbe
und davon wil ich, das er darumbe
835 das hab gesprochen von zorens wegen,
das chain gueteu frau sull leben.
wer wil aber alle übel sagen,
die di frawen an in haben,
so haben si auch vil guettat,
840 das sich wol erfindt an maniger stat.
so seind auch ietz gar wenig man,
oder si haben auch tadel etwan.
was narr und tor ist nun der,
der do sieht ain schön weib her,
845 die im geit freud und hohen muet,
und redt von ir dann unguet.
warleich es war vil pesser,
das da ain hübsches sweigen war.
Von der tugent der lieb list man das,
850 das ze Rom ain chünig was,
der Dionisius was genant,
für den pracht man zehant
826 vlos S. 827 verlaugnet GSD. 828 pettot F. pettet G. petet SD.
und auch nach G. noch ire W. sitten S. 829 in fehlt W. seinen s.S. 830
leren S. 831 tragen fehlt D. 832 diernen G. dienerin D. 833 im fehlt
S. 834 davon] darumbFSD. so wil S. er es d.GD. Hrumme SD. 836 gute
WSGD. sollen S. sol F. soll G. sülle D. 837 allen G. 838 die] dasWSGD.
839 si] sich W. 840 erfuendt W. erfindet GD. menger G. 841 sind FS.
842 etswan WS. 843 und auch tor G. nur W. 8.44 do fehlt WS. nun
ain F. schön fehlt GD. her] kertG. 845 und auch G. 846 redt dann von
ir FD. 847 vil pesser es war G. 848 do S. hübsch WSGD. war] mer D.
V. 849 — 958 fehlen B. 850 zu S. ram W. 851 der was F.
genampt G.
29
ain weil), die hiez Physoia.
der selben frawen wolt man da
855 das haubt haben ab geslagen.
si sprach: „her chünig, nu lat euch sagen,
wann ich beger an ewer gnad,
das ich mir acht tag zil hab,
so wil ich hin haim in mein haus
860 und wii da mein dink richten aus."
der chünig sprach in schimpf also,
er wolt es tuen, mocht si im do
aiu guet sicherhait gegeben :
ob si also nit gar eben
865 auf das selbe zil chäm,
das man dem purgen das haupt näm.
Physoia die schickt do alzehant
nach ainem, der was Amore -genant.
den selben het si aus erlesen
870 für all die weit in irem wesen.
si sprach: „Amore, ich pitte dich,
das du dich hie stellest für mich,
wann ich mues ee richten mein ding."
der chünig sprach do zue dem jungeling:
875 „Amore, ich wil dir das hie sagen
chumpt Physoia nicht in acht tagen,
so wirt dir zwar dein haupt genomen,
und sol Physoia nicht auf das zil wider choinen."
iedoch versprach Amore der rain.
880 Physoia die gieng hin haim
und richtet aus alles ir ding.
853 die fehlt S. — G. liest immer Visaya; D. Fysaia. 856 ew S. sp.
lieber her G. 857 wann fehlt W. genad vil D. 858 mir] von euch GD.
hab zil D. 859 hin fehlt G. 860 da fehlt WS. daj auchG. 861 eh. der
sprach G. in] ich GD. 862 macht F. 863 geben WGD. 866 dem] den
WSD. purgen den das W. dan das S. 867 die fehlt G. do al] alldan G.
868 der was fehlt D. der was] das G. 869 si ir aus erchorn F. 870 die
fehlt F. 871 ich pit, Amore, dich F. 873 dinkch S. 874 eh. der spr. G.
do fehlt S. iungklinkch S. 877 zwar fehlt WSG. 878 auf das zil nit
her wider GD. auf dy zeit nit W. 880 gieng da hin G. 881 r. da wol
aus ir d. G.
30
iederman spottet des jimgeling,
das er als närrisch het getan,
Physoia die wurd in lassen verstau.
885 aber Amore der wag es gar ring,
wann er west wol, das sein freundin
in nicht liez in solcher not,
wann si lag ee tausend tode tot.
und do das zil her zue nu chaui,
890 do cham Physoia und liez Amore gan,
als si im vor verhaissen het.
das sach der chünig an der stet,
das die ganze liebe wa^ in in.
do liez er erwaichen seinen sin,
895 das er in all ir schuld vergab,
darumb das ain solich lieb uit ab
solt also von trewen verderben,
und also wendet Amore Physoia ir sterben.
Ich han gelesen in ainer coronica,
900 das in der stat Syracusa
der ganze povel, der da was,
die chomen alle auf des chünigs palas
und toten darin iederman,
gross und chlain, was si chomen an.
905 darnach ward den mordern bechant,
das des chünigs tochter Armoniam genant
wäre noch nicht von in tot,
wann si war entpflochen der mortleichen not.
do suechten si die greuleichen morder.
910 do gewan Armoniam junkfrau so grosse swär
883 also G. 884 in da LG. 885 gar fehlt W. 886 daz in seiuGD. 887
sölicher W. 888 läge t. F. laid ee tausentstund tode tot S. litte GD. töde
GD. 889 do fehlt FS. herzue nu] nun her GD 890 1. den A. G. 891
vor fehlt F. 894 er feh i t S. 895 all ir] alle WG. 897 wolt G. 898
wendet fehlt G. errat D. V. 899 —947 'fehlen im ital. Originale und
in F., jedoch hat F. bl. 23 b. ein darauf bezüglichem Bild. 900 SyracustaS.
903 t. auch d. G. 904 und was s. GD. 906 Arornoma G. 908 war allain
enpfl. G. der mortleichen not fehlt G, in grosser notD. mortleich S. 910
Armonia die i gross G. so fehlt D. groz W.
31
und als gros trüebsal, als man sait,
das si leget an Armoniam chlait
und gieng willikleich hin für
zue den mordern für die tür,
915 und sprach: „ich pin Armoniam
geporn aus chünikleichem stam;
davon so solt ir töten mich."
do wart ir getan vil manig stich,
daz si ir werdes leben da verlos.
920 und do sach Armoniam die trewe gros,
die ir junkfrau het an ir,
do gedacht si des: „nu zweu solt mir
leib, guet oder leben,
seit sich mein junkfrau hat gegeben
925 willichleich für mich in den tot?
des leid ich auch pilleich die selben not,
wann ich ir ie ir trewe gelten wil."
hie mit so rueft si vast und vil
mit ainem h erzen welichen muet
930 „o ir morder, ir habt das unschuldig pluet
so gar unschuldichleichen getötet.
wie habt ir euch so gar verschrotet!
wann ich pin selber des chünigs chint.
wie sein ewer äugen so plint,
935 das ir nicht erchant des chünigs fruchtf
o ir morder, was habt ir Unzucht
pegangen an meiner junkfrawen zier!"'
hiemit wart ir das leben schier
von den mordern genomen.
940 also chunt si ir junkfrawen mit trewen Ionen.
911 trubsayl S. 912 Armoniam] ir junkfrawen S. ir junkfrewlich GD.
913 g. auch w. G. her f. GD. 917 so solt] send G. darvon sullefc D. 918
menger G. manger D. 920 und doch sach A. S. da Armenia sach GD. 922
scholt ir S. si ir des im zwar s. G. zweu fehlt D. 923 lieb S. oder] und
auch G. undD. 924 geben W. 926 den selben tod G. 928 so fehlt GD.
r. mit si hie v. G. V. 930— 958 fehlen G. 931 unschuldichleichSD. 932
ew W, 935 kennt D. 936 wes D. 937 frawen W. junkfraw SD. 939
madern YVr.
32_
Von der lieb spricht auch Valerius,
das Emilia, ain weib Scipio Africanus,
die sach das wol und west auch das,
das ir junkfrau irem man lieb was,
945 und das si ir man beslafen het.
noch was si so gedultig an aller stet,
das si tet, als ob si sein nicht verstüend,
durch das si iren man nicht müend
und das si iren gemahel nicht betrüeben wolt,
950 und auch das die tat nicht offenbar werden solt
von ainem solichen hohen manne,
und vertrueg das also lange,
unz das er an dem leib gestarb.
dennoch die rechte lieb an ir warb,
955 die si zu irem man het gehabt,
das si die diern gar wol begabt
mit aiuem man von freier art,
also das si fürpas nimmer aigen wart.
Von dem neid.
Der neid ist ain widerwärtichait
960 gen der tugentleichen lieb, als man sait,
und ist doch zwaierlai zwar.
das ain ist beswärnus gar
des andern guetz, was im geschieht;
der ander neid hat also ph licht,
965 wenn man sich freut ander leute laid,
und die tadel sein doch etwann gemait,
als wenn ainer das sieht in seinem muet,
das ain ander alzeit übel tuet.
941 schreibt D. 943 die] das S. 944 manne W. 945 das si fehlt D.
947 als fehlt S. sein] das D. verstennd F. verstund WS. 948 durch das
das F. ichtFS. muend F. niüfcWS. 949 si fehlt F. 951 solchen S. manF.
952 lang F dann D. 853 hintz WS. liebe S. starb D. 954 darnach F.
rechtew F. ward F. 955 und 956 sind umgestellt F. 957 manne von
hoher a. W. 958 wart] was F. 959 neid der i. G. 960 tugentleichen
fehlt D. 962 ain fehlt S. 963 des] das ander FD. beschicht G.D.
966 etwenn WBG. doch] durch W. auch G. 967 das] etwas S.
33
das macht, das sich ainer erchent davon,
970 wenn er sieht den pösen Ion,
den der ander davon trait.
also macht er sich selber gemait.
Salomon spricht: „die tugent ist ain guete gestalt,
wann durch si so wirt man alt
975 und durch si so lebt man wol.a
und aber das man merken sol:
si ist aine auslegung des muetes
und ain stäte anweisung des guetes
und nicht ain anlegung der naturleichen schönhait.
980 si ist ain recht leben der güetichait
und der sitten und ain liebe gottes sun,
ain er des menschen, wer da also recht wil tuen.
Ich mag geleichen den pösen neit
dem aren, wenn der leit
985 in seinem nest und das er das waiz,
das seineu chind sein ze vaiz,
so peist er sie in die diech,
darumb das sie werden siech,
und das in das fleisch werd mager davon.
990 Seneca spricht auch gar schon:
„wer da hat den neid in seinem muet,
der zucket von dem pösen das guet,
und von dem gueten die poshait."
auch hat er das oft gesait,
995 das noch pesser ze neiden sei,
wann das man won der verzagten armuet pei.
auch sagt man in der sum aller laster,
969 sich fehlt GD. chent F. 972 selbert W. 973 spricht fehlt D.
iugent F. ain fehlt F. 974 sei WS. 976 und aber fehlt D. man eben
m. D. 978 anlegung WS. 981 u. auch der G. sum S. 982 des] der S.
also] alze S. wer] die G. also fehlt G. recht wil tuen] reebtisch tuen
WBSG. menschen die also recht tuen D. V. 983 — 1002 fehlen B. 984
arrenW. wenn so der GD. der] er nun F. 985 und er daz G. und fehlt D.
und wan er das wais S. das er waicztF. 986 sein WS. zu vaistFD. 987
sie] sei S. 989 fleichs W. und auch in G. 990 gar schon] davon S. 992
zucht F. zeucht S. den G. 993 und auch v. G. 995 das] doch S. pessor F.
996 won] von FS.
Zingerle, Vintler. 3
54
das der neid verzer vaster
des menschen leichnam und sein muet,
1000 recht als das fewer das holz tuet
und die schaben das gewant.
Salomon tuet uns auch bechant:
„wenn dein veint vellet in not,
so solt du dich nit frevven der tat,
1005 wann es missevelt der warhait,
wer im selber wil abnemen sein lait."
aber so spricht er: „wer die sein,
die sich frewent ander leute pein,
die beleiben ungepessert nicht,"
1010 als das sand Gregorius spricht,
das chain grösser chumernus nicht ist
in diser weit, als man list,
als der neit, wer den hat ;
da chan chain lieb haben stat.
1015 die gröste räch, die man mag tuen,
das ist, das man sol haben suen,
und das man recht tuen sol.
davon spricht Seneca gar wol :
„Bis nicht neidig, wann es ist swach,
1020 und versuech dein veint nit ane sach,
wann man oft das tuet hören,
das der neid vil tuet zerstören.'*4
der neidig ist alweg in zoren,
wann er sieht ander leute choren,
1025 das das schöner, wann das seine, sei.
Ofidius spricht auch da pei :
„der neidig ist nimmer ane smerzen
998 verzert WS. vestor F. vester S. vaste G. fast verzer D. 1001 schaben]
habent D. 1003 vellet] wellen F. fallet G. 1004 du fehlt F. d. fräwen
nicht d. G. 1006 im] im G. selbs G. selb B. abnemen wil s. S. 1007 so
fehlt FS. er] der F. 1008 frewen WSG. an der S. 1009 unbesert GD.
1010 das] danF. gichtGD. '011 chumernusse W. chumbermiss B. 10 J 4
do da mag haben kain lieb st. S. mag und eh. GD. lieb nicht h. F. 1015
grosteu F. 1016 man hab suen F. 1017 m. auch r. G. 1020 deinen F.
den S. nit fehlt F. 1021 m. das tuet oft h. G9 1022 zestoren F. tuet vil
z. G. 1023 neid B. 1024 wenn G. sich FS. an der WS. 1025 das da
schonor F. schöriär W. wann] denn G. 1027 n. der ist G.
35
und ane anfechtung in seinem herzen. u
sand Augüstin' spricht auch das :
1030 „wo neid ist und auch has,
da mues die rechte lieb sich gesten,
und darumb ist chain grösser presten
an dem menschen, wann der neit."
als uns Ofidius urchunt geit :
1035 „du solt dich hüeten ze aller stund
mer vor dem neidigen freund,
wann vor deinem rechten veind,
wann si paid nach geleich seind."
sand Thomas: „der neidig begert in seinem herzen
1040 alzeit ze haben grossen smerzen,
darumb das er schaden mug pringen
seinen veinten in allen dingen."
Noch sag ich von dem neide nie,
als man list in der alten e.
1045 do Cayn sach alle ding,
wie Abel der jungeling
an im het alle tugenthait,
und die meret sich so prait,
das er got gar gen am was ;
1050 do erzaiget Cayn sein has,
wann er slueg sein prueder von neid ze tot.
das was auf erde die erste not,
und was das erste pluetvergiez,
das sich auf erde ie geliez.
1055 Neid der ist gar swach,
wenn man neidet ane sach,
1028 im h.D. 1030 da ist auch h. G. auch fehlt WBS. 1031 muss sie
sich die r. 1. besten G. die müssen sich die rechte lieb besten D. müsse W.
müsse S. sich fehlt F 1032 chain grösser] ain pnser F. gepresten G.
1033 wenn der pössn G. 1035 hutten WF. guten S. 1036 von B. 1037
denn W. 1038 dann B noch F. nahen B. 1040 loben S. groz F. 1041
das] dar W. V. 1043 — 1054 fehl en B. 1044 ich fehlt S. 1045
dingk W. 1046 wie] d'w S. die sein prueder GD. 1048 und auch die G.
10 49 g. lieb und gen. G. 1050 do] das G. erzaigtFS. 1051 w. von neid
schlug er s. p. z. GD. 1053 vergos S. pl, vergessen GD. 1054 verlies F.
geliesse G. geliessen D.
36
als das ietz ist gar geinain.
auch ist der neid gar unrain,
wenn man neidet umb guettat,
1060 die ain andrer an im hat,
oder umb wird und erberchait, ■
und doch dem andern nicht pringet lait.
der selbe neid ist duplex.
der chumpt von milleartifex.
1965 ach got, was man sein doch tuet,
das man oft ainen neidet umb sein guet,
oder umb sein wirde und gelück !
sich, weit, das sein deine tück.
Von der freude.
Die freude, die da wirt gemacht
1070 von der liebe, als Priscianus acht
und spricht, das si ist ain rastung des muetes,
sich ze frewen etleiches guetes.
Jesus Syrach gesprochen hat:
„das leben des menschen also stat,
1075 das suecht alweg freud des herzen
und hohen muet ane smerzen
vil dinges, das nicht zimleich ist;
das ist nicht ain tugent, es ist ain* tadel," als er list.
sand Augustin hat uns oft gelert,
1080 das sich die gross freud diser weit verchert
oft gar in ain grosses lait. ,
das hat er von der weit freud gesait.
Von der freude list man das,
das ain heiliger vater was,
1057 ietz] es WBS. ietzund F. da G. alles das do ist D. 1059 neidet
fehlt S. 1060 der ain ander F. ain] der G. die manger an D. 1061
umb fehlt F. 1064 von dem m. G. 1065 ach got] auch F. was] wes G.
sein] sy G. 1066 oft ainen] ain oft G. 1068 sich an w. GD. 1071 ge-
mutes GD. 1072 sich fräwent ettlich irs g. G. sich] auch F. ebtlichs W.
1074 des] dem F. 1075 das es allweg sieht fi. GD. 1078 es ist] aberG.
1081 ofte F. ain fehlt FGD. 1082 weite B. freud fehlt GD. V. 1083
— 1115 fehlen B.
37
1085 den man mit nam Macario hies.
der selb vater sich verhies \n^^'t*(J'
über mer zue dem heiligen grab. /
des wolt er ie chomen ab,
wann er wolt sehen, wo Christus begraben was.
1090 und do er also vor dem hailigen grab sass,
do viel er nider und was tot.
des hetten sein gesellen grosse not.
die do mit im waren da,
die selben wanden alle sa,
1095 das er in ain amacht war gevallen,
und schickten nach den ärzten allen,
das si besahen seine swär.
die sprachen, das er tot war.
da wolten sein gesellen han gesehen,
1100 wie der tod so gähes an im was geschehen,
und hiessen in do auf tuen.
do vand man in im gottes sun,
der in sein herz was geschriben alsus :
„mein lieb, mein lieb Jesus Christus!"
1105 do verstunden die ärzte das
in des selben gewissen, als er da was,
und auch nach seiner complexion,
und richten das aus gar schon,
das er von rechter lieb was tot,
1110 nicht das er het gehabt chain not,
neur die lieb, die er het zu dem heiligen grab.
und also stirbet nach der sag
1085 namen Wentoro GD. Wentaro W. Vataro F. Vencaro S. 1087 zu
dem über mer zu d. h. g. S. 1088 des] das GD. 1089 wann fehlt GD.
w. ie sechen G. wa GD. 1092 grossew FG. 1094 wainten GD. alsa G.
also D. vanten W. wonten S. 1095 amächt war W. aummacht was G.
onmacht wasD. 1096 artzattenG. 1097 besechen GSD. seinew F. 1099
han fehlt G. besechen GD 1100 fehlt F. gaches S. gäch G. gach D.
war beschechen GD. 1103 der] dem F. seinem herzen W. was fehlt G.
1105 da vestondenF. artzate G. 1106 selben] tagen F. taugen G. in dem
guten g. D. da fehlt F. daz G. daigen S. 1107 auch fehlt F. 1110
het fehlt G. gehebt hab D. 1111 hat F. het fehlt GD. 1112 stirbet]
starb er G.
38
ain man ee von freadeu reichait,
wann er tat von grosser traurickait.
Von der traurickait.
1115 Die traurickait ist ain widerpart
der rechten freude nach dem wart,
als d^s Macrobius spricht,
und ist doch in dreierlai geschieht:
die erste sache die ist die,
1120 wenn ain mensch trauret hie
mer, wann es von rechte sol.
das haist man zum ersten wol
traurickait in dem muet.
die ander sach ist, wenn der mensch nicht tuet
1125 noch nicht spricht, noch gedenket nicht
und auch vestichleich betrachtet nicht,
und stet recht als ain toter man.
das ist ain tadel und ain schäm
und ist ain pöse müssichait.
1130 die dritte pringt auch gar vil lait,
und ist ain intrachtung der natur,
also wenn ain mensch ain figur
mit grossen gedänken nimpt für sich sa.
das haisset man melancolia,
11&6 und das chumpt von manigerlai last.
sand Augustin spricht: „von dem ast
der torhait und der traurichait
chumpt der ast der verzaghait,
und das ist die gröste sund,
1113freudenckaitF. freudikait WS. 1115 die] von der F. die ist F. 1116
wort BG. 1117 das] der maister G. das f e hl t D 1118 gesicht F. 1119
erstW. sach ist FS 1120 wanne F. 1121 wen W. denn er G. 1124 ist
fehlt G. wan S. 1126 fehlt D. vestenkleich S. betrachtW. icht WBS.
1127 recht] auch W. 1128 und auch G. 1130 auch fehlt F. gar fehlt
GD. 1131 ain trachtung WF. ist in trachtung BSD. der] in GD. 1132
ain m.] der m. F. 1133 grossem gedenken D. gedankeu F. sa] also G.
so D. 1134 melancolica WBSG. melencolico D. 1136 spricht fehlt G.
ost W\ 1137 und von dem ast der tr. BFSGD. i 138 fehlt B. der] von
dem WFSGD. verzakeit W. 1139 grosseu F. grozze S.
39
1140 die auf dise weit chumpt,
als das alle maister sagen,
das man sich hüete vor verzagen."
Ich mag geleichen die traurickait
dein rappeu, als die geschrift uns sait.
1145 wenne der sieht seine junge chint
als si erst geporen sint,
so tranret er als vast davon,
das si nicht swarze vedern hau,
das er fleugt von in mit grosser pein,
1150 wann er gelaubet nicht, das si sein chint sein,
und lat si ligen und speist ir nicht
unz als lang, das er sieht,
das si swarze vedern han.
die weil lat si der rapp stan
1155 ungespeiset alle tag,
das si nicht haben ander lab,
des si leben, wann des taues tror,
der da chumpt von dem himelkor.
er trauret auch mer, han ich vernomen,
1160 wenn im sein chind werden genomen,
wann indert chain ander tier
oder vogel, das gelaubet mir.
„Gib nicht traurickait deinem muet,"
also spricht Syrach der guet,
1165 „und treib si vast von dir,
wann ir sein vil tot gar schier
von übergrosser traurickait."
1140 w. kume künde G. kommen kund D. 1141 sagennt F. 1142 hüten
solWBSGD. vonBS. V. 1143 — 1163 fehlen B. 1143 torhait S. 1144
raben F. schritt S. uns fehlt FD. als uns die G. 1147 also F. 1148
vedern] werden F. 1150 das das si seine F. seinew G. 1151 si] seu F.
ir] sey G. si D. 1152 unz] hintz S. unz fehlt GD. als fehlt WS das]
biss D. 1153 seu F. sey G. 1154 seu F. sey G. rab F. rapp fehlt S.
1157 des] das FD. sey G. tron F. ror D. 1159 ze trawer auch F. auch
hab ich mer v. S. 1 160 seinew G. 1161 ander fehlt F. nindert D. ander
yender kain G. 1 162 des SG. gelauben D. 1163 nicht] ich S. 1164
Sydrach G. 1165 si] so G. 1166 wenn G.
40
so ist es auch cham nutzperchait.
es hanget auch vil poshait
1170 an überiger müssichait,
und als man silber und golt
bewärt in dem feur, also solt
man die menschen schon
bewärn in traurickait, als Salomon
1175 spricht, das chain grösser traurickait nit sei
auf diser weit, wann der da pei
sei alweg gewesen in säliekait
und der darnach chumpt in grosses lait.
Tulius: „dem weisen man zimpt nicht
1180 traurig ze sein von chainerlai geschieht."
und darumb spricht sand Augustin:
„wer nicht trauret in dem sin
umb das, das er verloren hat,
des herz das rast an aller stat,
1185 und sein sin ist voller diemuet."
sand Thomas der guet
spricht: „tot, ich wil ee, das du mir
mein leben chürzest schier,
ee das mich überwinde
1190 die torhait mit irem gesinde.44
Ofidius der tuet ain straffen:
„nicht hab lieb das slaffen,
darumb das dir auf diser erde
die armuet nicht peraitet werde.44
1195 Paulus spricht der zwelfpot:
„die melancolia ist der tot
und ain grab des lebens
in diser weit vergebens.44
1168 es fehlt F. auch es S. 1172 webart F. fewer F. scholt S. 1 175
nicht S. 1176 weit] erd GD. weit wer wann da F. denn GD. wenn WS,
1177 glücksäligkaitGD. 1178 darnach] da G. do D. 1179 man fehlt F.
1180 gesicht FGD 1182 welcher mensch nicht F. in dem sin] umb daz
sein GD. 1183 umb daz er W. 1184 rest in a. F. das] hat B. das rast]
ist rasten G. ist fast D. 1185 sin fehlt F. sin] hertz WBSG. senno O.
1191 straffung S. 1192 fehlt F. 1195 es spricht Paulus F. 1196melan-
colica WB. melancoly G. melancolei D. 1197 und auch a. G.
41
das gesetz sagt auch da pei
1200 das chain ding gewisser sei,
wann die zeit der todleichkait
und ungewisser, wann die zeit der sälichait.
sand Thomas spricht auch das :
„du solt der traurickait tragen has,
1205 und das du dich ir nicht begreifen last,
und ob du ir dann nicht entrinnen mast,
so erzaig si doch nicht iedem man,
wann da chumpt vil tadel von,
und ste auch nicht vil müssig."
1210 Aristotiles der maister spricht:
„als sich die sele von natur
maistert alweg in ir figur,
also wirt ainer von müssichait
zue ainem narren an underschait."
1215 sand Paulus der spricht:
„chain sach, die man nicht
mit parmherzickait tuet,
und der got nicht erchennt in dem muet,
das mag nimmer wesen guet,
1220 und wer nicht hofft an got an aller stat,"
nach dem, als Cassiderus gesprochen hat :
„wer sich lat daran,
das er dem gelück ist undertan,
der selb verlaugent gots zu aller stunt
1225 und vellet in der verzagnus grünt."
Von der traurickait so liset man,
do Alexander, der gewaltig man,
was nu von der gift tot,
1199 gesetzt FG. s. uns auch G. 1200 ding nit g. GD. 1201 todlechkait
S. torleichkait W. torhait G. 1202 dann F. denn G. 1203 auch fehlt
WBF. V. 1205-1253 fehlen W. 1205 lest S. 1206 ichtS. entringen
F. machst F. macht B. mechst S. 1206 yederman BSGD. 1208 tadel da
von F. 1210 gicht BGD. 1212 irer BG. 1219 das] dem S. wessen F.
1220 nit G. in got F. 1222 let S. lasset D. 1224 verlaugt S. verlaugnet
BGD. 1225 vallentG. V. 1226 — 1238 fehlen B. 1226 so fehlt GD.
list man daz D. 1227 man fehlt G. man] wazD. 1228 der was nun D.
giftec F.
42
do hetten sein lantherrn grosse not
1230 und machten ain truchen von golde,
darin man in tragen solde
ze begraben, do gieng nach im
vil manig hoher philosophin,
die in alle clagten vast.
1235 Salomon spricht: „der do herschaft
das ertreich von aufgang
der sunnen unz zu ir nidergang."
Ofidius spricht: „Alexander mocht sprechen,
das chainer wider in mocht gerechen,
1240 nu mag ain iegleicher man
frevelleich wider in sprechen, was er chan,
wann sein or mag es nicht vervahen."
Tulius spricht: „all, die Alexander sahen,
die vorchten sich allsampt vor im,
1245 und all, die in ietzund sehent, die habent sich wider in."
ain ander maister der spricht:
„chain sach mocht wider Alexander nicht
gewern noch wider sein gepot
und er hat nicht mugen weren wider den tot."
1250 Aristotiles der maister sprach:
„o du mächtigister, wie pistu so swach
in ain totenpar gelait ! "
ain ander philosophus vaste chlait:
„o du vinster und spehender tot,
1255 wannen cham dir das gepot,
1229 herren lant S. 1230 machten] jn F. 1232 gierigen nach sein D.
1233 manger SGD. hoher fehlt D. philosopheyn D. 1234 die auch in
cl. G. alle fehlt D. 1235 der der S. do het herschaft D. 1236 von des
ertreichs aufg. G. das ertreich f eh 1 1 D. von der sonnen auffgangD. 1 237
der sunnen fehlt D. unz piss zue dem n. G. ir] dem D. 1238 spricht
fehlt GD. — A. der m. D. macht F. Ofidius mocht sprechen B. ]239
das sich eh. GD. mocht] nicht B. macht F. 1240 iedleicher F. igleicher B.
ieglichG. yglichD. 1241 freileichen S. freileichBG. frylichD. 1242 seinor]
er S. or] er GD. 1244 alle sampt BS. 1245 die dy in F. ietz G. sach F.
halten F. 1247 macht F. 1248 noch] oder GD. wie D. 1249 mocht nicht
geweren wider GD. weren mugen F. V. 1250 — 1274 fehlen B. 1251
mächtigoster GD. also D. 1252 einen toten poer S. 1253 ander] ainerF.
vaste chlait] der saitGD. 1254 spaher W. 1255 wann an G. von wann D.
43
das du also keckleich torstes geu
zu dem, dem alle weit nit mocht widersten!"
Seneca: „o sin der verporgenhait !
o geniderteu gerechtichait !
1260 o rechteu treu verloren
und alle hofleichait verchoren !
o mächtickait so gar verzaget!
o fraidichait hin gejaget !
o stara aller edelchait!
1265 wer tuet nu mer chain frumchait?
das tet alles Alexander.
nu wainen alle mit ainander,
und wer nu sein clag nicht wil schainen,
dem zimpt fürpas nicht ze wainen."
1270 do hueb ze wainen alles volk an,
was da was, frawen und man,
und do hueb sich eist die gröste not,
als si auf erd ie cham von ainem tot.
Von dem frid.
Der frid ist gar ains wesen guetes
1275 und ain lauterchait des muetes,
ain ainvältichait des herzen,
ain rastung des sinnes smerzen
und ain recht freudholdenung
und ain gesellschaft der rechten liebung.
1280 Den frid mag ich geleichen schier
dem piber. das ist ain tier,
1256 klegleich S. käblisch G. 1257 zu dem alle F. macht F. dorst GD.
1259 genitterteF. geniderteS. gemütrotte G. 1260 rechte S. verkorn GD.
1261 und] o G. höfleikait W. verlorn GD. 1265 wer tet nie kein D. nu]
nuer F. nu fehlt G. frumikait GD. 1266 alles fehlt GD. 1267 mitten-
ander W. 1268 nu] im WSGD. nit well schonen GD. und sein clag nun
nicht F. 1271 was] das G. wann FD. und] oder S. und auch GD. 12 72
da W. do fehlt F. gross F. grossew G. grosten S. 1273 si fehlt W.
erd] ertraich F. er W. erden S. ainem tot] kainer not S. chainem GD.
V. 1274 — 1280 fehlen D. 1274 wegen F. ain weisens guet G. 1276
ainvältichait W. herzens G. 1277 sinnes| seines W. seinenF. sinnes fehlt
G. schmerzes G. 1278 freund B. freud der h. G. fr. holdnung B. fr.
holdungF. 1279 fehltG. V. 1280-1291 fehlen B.
44
das da von natur erchent,
warumb im der Jäger nach hengt,
das das umb sein gromen sei,
1285 wann man nutzt si in vil erznei.
und so man im so lang nach jagt,
das der piber ist verzagt,
und das er nicht mag entrennen,
so peist er mit seinen zenden
1290 im selben die gromen ab,
darumb das er frid hab.
Ysaias der prophet
hat gesprochen an maniger stet,
das chain pöser mensch nimmer sei,
1295 denn der, dem chain frid wone pei.
Isiderus der maister sagt :
„der fridsam mensch der tragt
an im gar ain sichers leben ane schaden,
wann er mag nimmer wenig haben."
1300 Barbonicus spricht also,
der frid sei über alle ding ho
in diser weit und der reichtumb.
davon lert uns Plato darumb:
„wenn das ist, das dein veint
1305 und du paide geleich seint
an dem vermugen, so ist guet
ze reden umb frid in meinem muet;
mag aber ainer den andern überwinden,
so mag man si nimmer über ain pringen."
1310 Plato: „wer den frid erchent, der hat
1283 nachheng F. 1284 hoden F. grumen G. gruomen D. 1285 sew F.
sein vil in e.G. vil in der e. D. 1286 und wann man F. 1288 nit m. noch
kan e. G. entrinnen WFSGD. 1289 zennen WSB. 1290 selber D.
hoden FS. grumen G. gruomen D. 1291 er fehlt S. 1292 der hoch pr. G.
1293 menger SG. 1294 chain mensch nimmer poser sei F. 1295 denn der
fehltWFSG. wonetBS. wäreD. 1298 ain fehltF. schichersW. sicher G.
schänden F. 1299 mag niemant veintschaft geben D. 1301 frid der sei FS.
1303 und davon F. uns fehlt FDG. drum F. 1304 vrenne F. 1305 paide]
garW. 1306 an vermügend GD. so] daz GD. 1308 überdringen D. 1309
sew F. nimmer wol ü. BFD.
45
chain sin ze chriegen an chainer stat. "
David : „in die weit chumpt chain frid nicht,
aber in got ist frid, als er gicht."
Ysaias: „ain werk der rechten gerechtickait
1315 das ist, der den frid alweg trait."
Von dem frid so list man
in der historjen von Rom,
das ain grosser lantherr do
was, der hies Ypolito.
1320 der het ainen veint, der hies
Eligisto. der selbe lies
Ypolito sein vater erslagen,
und chriegten paid also in den tagen,
und do das Ypolito ersach
1325 die müe und die arbait so swach
des chrieges und do er maz die pein
und das er muest seiner diener undertan sein,
und das ir chainer was so unfruet,
er muest iegleichem tuen nach seinem muet,
1330 und do er das nu alles bedacht,
do hueb er sich recht auf ain nacht
allain und rait zue der veste
seines veintes, da er in weste.
und do er cham an das tor,
1335 do hies er im auf tuen hie vor
und sprach : „ich bin es Ypolito."
das selb daucht den wachter do
gar ain grosses wunder,
und sagt es seinem herren besunder.
1311 chainer] aller F. 1312 D. spricht G. 1314 grechten grechtikait S.
gerechten B. 1 3 1 5 das ist frid, der den alw. F. V. 1316—1363 fehlen B.
1316 so fehlt GD. 1318 lantzher G. 1319 was gehaissen GD. der do
h. S. 1321 Elistige und der G. Elisage D. — G. liest immer Elistigo.
1322 seinen lieben v.G. 1323 also fehlt F. also] da G. do D. 1324 der
sach S. do] dazG. 1325 uud arb. FS. so fehlt F. 1326 do er fehlt GD.
maz] was F. 1327 das fehlt GD. dieren F. 1328 das fehlt G. und das
was so chainer unfr. F. was] ist W. 1329 mnst ie tuen gleich nach F.
1330 nu] im F. nu fehlt S. nun das a. D. 1332 der] diser F. 1335
hinvor F. h'rvor W. 1336 ich] in W. es fehlt W.
46
1340 und do das Eligisto hört,
das sein veint was an der port
an alle gesellschaft allain,
do hies im auf tuen der rain,
und do er zue im hin ein chom,
1345 do lief er zu seinem veint schon
und sprach : „Eligisto, mein süesser her !
icli beger, das mir dein gnade wer
von dir umb das ich dich betrüebet han."
do sprach zue im Ypolito der man :
1350 „wann ich dir alles das vergeben wil,
was du mir hast getan unz auf ditz zil.
wann dein herschaft tuet mir vil ee recht,
wann die herschaft meiner chnecht."
und do das Eligisto bechant,
1855 der nam ainen strick in die hant
und warf im den selben umb den chragen
und hueb auf ain wainen und ain chlagen
und viel Ypolito ze fues
und sprach : „ich sten dir hie ze pues
1360 umb alles, das ich dir ie hab getan;
das wil ich an dein geuade lan."
also machten si ain freuntschaft
und beliben paid in pruederschaft.
Von dem zorn.
Der zorn ist des muetes ain betrüebnus
f 1365 als das bewärt Aristotilus,
und ist am vercherung des pluetes
1340 heligisto F. derhort F. erhört GD. 1341 veint Ypolito W. veint
Polito S, veind Yppolitus GD. 1342 gesellschaft] gescheit S. 1344 ein]
in FS. chom] ward gelon D. 1346 mein] du G. suzzer F. 1347 mich S.
wen- W. 1348 das daz ich S. umb fehlt D. 1 349 do] und GD. 1351
getaun hast G. unz] pis FGD. ditz] das FG. 1354 do fehlt SD. 1355
die] sein GD. 1356 dem selben W. selber F. den] seinen G. sein D. 1359
fehlt S. ste W. stand G. 1360 ie fehlt S. han F. 1361 deiner S. 1362
sew F. 1363 paid] pi ainander G. freuntschaft F. 1364 wetrubung F.
ein truebnus des muotes D. 1365 das] uns W. Aristotiles BFG. 1366
bekerung G.
47 '
dem herzen durch aines muetes,
das dann da ain räche wirt getan,
und von dem zoren pirt sich dan
1370 ain Unwille; wann das pluet
betrüebet das herze guet,
so beleibt es do unwillig und lass.
darnach verchert es sich in ainen hass,
und wenn man dann die unwillichait
1375 etwevil zeit im herzen trait,
uud von den dreien ädern wirt
nämlich der zorn, davon sich pirt
unwillichait und hass;
und von dem unwilligen zoren chumpt das
1380 oft ain unainung.
dar aus wirt dann ain wagenung,
als das auch sand Thomas sait.
wann die unwillickait wirt so prait
in dem herzen, das ainer nicht well
1385 wellen, wil das sein gesell.
Den zorn den geleicht man dem pern,
wann der isset honig gar gern,
und wenn er dann in die vässel wil prechen,
so tuend die pein mit irem stechen
1390 dem pern in den äugen also gedon.
so lat der per das honig stan
und wartet dann fürsich an dem zil,
das er die selben pein töten wil.
so chumpt ain ander pein dann her
1395 und stiebet dann aber so den per.
1367 durich F. 1368 daime ain F. dann] denn W. rachung GD. 1371
hat wetrubetF. 1372 do fehlt BSG. lazz S. 1373 esj er G. 1374 dann
fehlt F. 1375 etwestlS. etwievilB. 1376 drein äderen W. dry G. 1377
zoren sich davon geniert F. 13 78 u. nyd und h. G 1379 unbilligen F.
unwilleu G. 1380 am grossew G. 1383 willigkait G. 1385 w. wil daz
denn will s. G. welen was do sein D. V. 1386 — 1403 fehlen B. 1386
zorngel.FG. man fehlt S. 1387 der] erW. hinick G. 1388 denn WSGD.
vassel] steck D. 13&9 tun W. pynen GD. mit irem| ir D. 1390 den]
die FGD. so D. getan FD. 1391 h. denn st. G. h. dann st. D. 1392 warten
den f. W. denn G. 1393 selb F. pyn G. 1394 danne herr F. pyn dennG.
1395 dann] denn WG
48
so lat er sten die ersten gar
und wartet auf die andern dar,
so wirt sein zürnen denn so gros,
das im oft tausent geben stos.
1400 so wil er sich rechen an iegleicher allain
und also erwischt er nimmer chain,
wann er lat ie aine fliegen,
das er die nächsten wolt betriegen.
und davon spricht der weis man: „die toren
1405 die offen fürsich iren zoren,
aber wer da ist weis,
der behalt seinen zorn gar leis."
Jesus Syrach der sprach :
„die eifrimg und der zorn sind swach
1410 und minnern des menschen tag,
wann si prechen im sein zeit ab
und machen t alt sein gedank.
der zornig mensch ist alweg chrank,
wann er enpfacht davon das haisse feur."
1415 Cassiderus der maister teur
spricht: „der zoren macht den menschen mat,
wann er sei ain mueter aller Übeltat."
aber spricht er: „alles das man tuet
in chain em zornigen muet,
1420 das das selbe nimmer nicht
mug gerecht sein von chainerlai geschieht,
noch erleich, noch wolgetan. a
und also spricht der weise man,
das der zoren nicht hab äugen.
1425 so spricht Seneca ane laugen:
1396 stan denn die G. er dann stan D. 1398 zoren F. w. denn sein z. D.
dann F. 1399 oft geben tausent S. 1400 iegleich S. yglichem D. 1402
ainen GD 1403 nächst F. nochsten W. vertriegen W. fehlt G. 1404
und davon] von demGD. man der dieG. 1405 iren] den F. 1407 behabt
S. 14 09 sind] ist WBFS. 1410 minnerren W. mindern BSGD. mindert F.
tag] gabD. 1411 sew prechendF. 1412 machen ß. 1413 der selbz.GD.
1414 haissetW. 1415 Cassiodorus G. 1418 aber so sp. WB. 1419 ainem
W. dhaim B. die haim G. 1420 das selbe] da selbs G. 1421 recht gesein
GD. geschick F. gericht S. 1422 und noch w. G. 1424 der fehlt F.
49
„der zornig mensch ist gar swach,
er redt nicht wann von pöser sach.44
Beda spricht: „so vil
der mensch mächtiger ist an seinem zil,
1430 dester mer darf er sich hüeten
vor dem zoren und vor seinem wüeten,
darumb, wann es ist vil mer sorgsam."
Priscianus spricht auch davon :
„den grösten veint, den der mensch überwint,
1435 das ist, das ainer sein selbs zoren pint.
der zornig gelaubt alweg in seiner sag
vil mer ze tuen, dann er tuen mag.'4
Socrates spricht: „das recht das sieht
den zornigen, aber der zornig sieht das recht nicht,'4
1440 Pharo spricht: „der zoren der bechümert gar vast,
wann er macht trunken des menschen last,
das er nicht wol mag gesehen,
noch erchennen, noch die warhait spehen.
es ist wol menschleich sich erzürnen,
1445 aber es ist ain teufelichs gehürne
nach ze volgen dem pösen zoren.44
in der altväter leben hie voren
so list man uns darumb:
„wer da ist ain stumb
1450 des zornes, der ist ain stumb der schaut.44
Ofidius tuet uns auch bechant,
das der zorn der narren sei
alweg in iren Worten da pei,
aber der zorn des weisen man,
1427 red nicht dann S. fehlt GD. 1428 auch spricht W. 1430 bedarf
FB. 1431 und seinem D. 1432 darumb fehlt F. wann fehlt GD. ist
es G. 1435 das ainer] wann ainer F. sein zorn selbs überwint G. zwingt D.
1436 in fehlt GD. 1437 denn WGD. 1439 den zornigen fehltD. aber]
ob WS. unrechtD. 1440 Pharo] was derB. Varo der sp. S. zorn bekumert
SG. gar fehlt G. 1441 wenn G. trukehen W. 1442 mag wol g. F. 1443
sprechen G. jenen D. 1444 m. erzürnen sich D. 1445 ist ain fehlt F.
teufelisch SBG. gehurnenS. gehören G. gehören teuffellich D. 1447 leben
f ehl t G. buoch D. vornen GD. 1450 ist auch ain G 1451 0. der t. G.
1453 da fehlt GD.
Zingerle, Vintler. 4
50
1455 der wirt mit den werchen getan.
Tulius spricht: „der zorn hat ain solich mugent,
das er ist ain Zerrüttung aller tugent."
Seneca spricht: „wer da zwingt den zorn sein,
der zampt die zungen und säubert die sele sein."
1460 Tulius spricht: „du solt trag sein zue der zorenhait
und snell zue der parmherzichait,
und stät in deiner widerwärtichait besten
und beschaiden in deinem wolgen."
Seneca schreibt uns auch davon :
1465 „der zoren stirbt pald an dem weisen man."
sand Jacob hat uns auch gesait:
„die leut sulien alweg sein perait
ze hören, doch so solt du sein
trag in der antwurt dein
1470 und solt auch trag sein zu erzürnen dich,
und die leut die sulien sich
fleissen, das si nutzen ire zornichait
alweg zue der gotes gerechtichait. K
sand Augustin spricht: „wildu dein räch wol tuen,
1475 so lass si ganz an gottes suen."
Socrates spricht: „du wilt dich lassen den zoren
überwinden, nain, tue das voren,
das dein gewonhait den zorn überwint."
darumb spricht Gregorius der wol besint:
1480 „nim wider den zorn ain remedien,
1456 hab WGS. solich] solch B. fröleich S. 1457 Zerrüttung] ausrewtung
W. derrüttung B. rittung S. erröttung 0. laster und schand G. 1458
zwingen kan W. 1459 zaumpt WS. zäumt B. der sele schein WS. 1460
du solt trag sein] piss trag GD. 1461 snelle F. und auch s. G. V. 1462.
1463 fehlen D. 1462 besten] wesen WBSG. 1463 und in deinem wol
geschaiden G, 1464 sait GD. 1465 d. zoren der st. WB. stirbt pald]
schreibt auch GD. 1468 doch so] aber doch F. so fehlt GD. 1470 und
solt auch trag sein zue] piss auch trag ze G. scholt S. ze B. 1471 das
zweite die fehlt FSG. 1472 iren S zorkaitW. zornkaitBS. ir zornhait
G. 1474 spricht fehlt SGD. wilt dein WSD. räche tuen F. rauch auch
wol D. 1475 si] in D. 1476 spricht fehlt GD. wiltu dichD. 1477 nain
das tue F. nain] nu G. 1478 gewonhait] manhait GD. 1479 sand Gr.
BS. der wol] wer daz^ GD. 1480 nim fehlt D. ain remedien] er das
thuo D.
51c
süesse antwurt und ain sweigen,
und fuder ze gen und nicht den zoren üeben."
Salomon spricht: „zwo sach betrüeben
den menschen, das ain ist benotung,
1485 das hat mir gemacht gross unainung.
der zorn erwegt des menschen muet
ze krieg und zu armuet,
wann die weisen versmähen in iren mueten,
das si sich schaiden sullen von dem gueten,
1490 und das si das pös sullen auf clauben."
auch soitu deinem veint nimmer gelauben ;
ob er sich halt diemüetig gen dir,
so soltu im doch nicht getrawen schier,
wann in deiner traurikait so waint er;
1495 sieht er aber die zeit konien her,
so benüegt in nimmer nicht
deines pluetes, als das Pharo spricht,
das chain reich tum nicht lang mug weren
in chriegen. so tuet sand Augustin uns leren,
1500 das man in fünferlai sach an triegen
mug man zimleich wol chriegen:
durch willen des gelauben,
oder der die cristenhait wolt berauben,
und das das durch frides willen sei,
1505 und das man sich von aigen frei,
auch das man sich von benotung lös.
Tulius spricht: „das pös
macht man mit dem pösen rain,
1481 sus a. F. und auch a. G. 1482 und fehlt GD. für sich geen u.
d. z. nit üben D. 1483 spricht auch S. 1484 ist ain D. ist die wenotung
F. benötung WD. 1485 ain ainung G. 1486 z. der erbekt S. erweckt
F. bewegt GD. 1487 und auch zue G. 1488 versmachen F. 1489
sew F. 1491 veinten F. nimmer] nichtz nit G. nichtz D. getrauwen D.
getrewenG. 1492 diemutigtF. diemuettigklich G. 1493 doch fehlt GD.
gelauben GD. 1494 so fehlt G. 1495 er fehlt S. 1496 dasj do D. inj
er sich G. 1497 Pharao F. 1498 mug lang- B. mug] kund G. kind D.
1499 Augustein S. 1503 der fehlt F. wer G 1504 und durch des fr.
w. s. F. frid S. 1505 fehlt G. vor W. 1506 und auch sich v. GD. vor
WS. von fehlt B. nottung F. 1508 guten B.
-i*
52
und eisen veilt man mit stahelzain."
1510 sand Augustin spricht: „sälig ist der mensch zwar,
der mit seiner gedult gar
erlöst ains andern mannes zornickait
und der do mit seiner diemüetichait
gesigt an des andern hochfart,
1515 und wer do hat die selben art,
das ainer mit seiner snellichait
erwegt des andern traghait,
und der mit seiner minne
erzünt des audern sinne."
1520 Von dem zoren list man das,
das David der prophet was
gevallen in ain lieb ainer frawen clar.
die selb hies Bersabe für war
und was ains weib, der hies Urias.
1525 die selb pei David swanger was.
do sant David nach Uriam,
das er pald zue seinem weibe cham.
der was ze veld pei ainer stet,
die da Davides volk besessen het,
1530 wann er darumb chomen solt,
das im sein weib Bersabe wolt
das chind gegeben, das David het gemacht.
und do Urias cham und betracht,
das sein weib an im het getan,
1535 do wolt er mit ir nicht ze schaffen han,
und wolt auch pei ir nicht ligen.
das ward David nicht verswigen.
1509 fehltG. stachelF. stähel WS. zain] klain D. veihelfcD. 1510 sand
un d spricht fehlt GD. Augustinus GD. 1512 ander F. zornkait WS.
zornhaitBGD. 1513 der fehlt S. do fehlt G. 1514 ander F. hoffarfcBG.
1517 erweckt FS. ander F. treghait S. trahait W. tragkait D. 1818 der
damitF. der fehltD. 1519 enzuntWBSG. des] ains F. ander F. minneS.
V. 1520 — 1601 fehlen B. 1522 ainer] ain G. 1523 Warsabe F. 1524
der fehlt F. Orias FS. 1526 0riamFS. 1527 zu] nach F. kchem S. kämD.
1528 pei] vor W. 1529 da fehlt S. 1531 Warsabe F. 1532 geben FGD.
hat gemantS. 1533 Orias F. Oriara S. 1534 im das het FG. im het das S.
1536 auch fehlt FD 1537 beswigen G.
53
und do das David ersach,
do tet er gar ain übel räch,
1540 wann er erwegt sich für sich in ainen zoren
und schraib den haubtleuten hie voren,
die des selben veldes phlagen.
den brief muest Urias selber tragen.
der selbe brief der laut also,
1545 das die haubtleut alle do
solten an die stat ainen stürm han
und solten ze vodrist Uriam
an die maur lassen gen,
das er dem tod nicht mocht engen.
1550 und also ward getötet Urias.
das alles von Davides zoren chomen was.
Von dem zoren schreibt uns Valerius,
das die chünigin Semiramus,
die in Assiria die chrone trueg,
1555 die was zornig und greuleich genueg.
wann do man ir ains tags das haupt kralt,
und das halb tail nicht gar was gestralt,
do cham ir ain strenge potschaft,
das die purger von Babilon mit kraft
1560 hetten von ir geworfen sich.
do lief si mit zoren ungestümlich
mit ungestraltem haubt
an alles weipleich gepend, das gelaubt,
und vacht so lang mit irer macht,
1565 pis das si die stat wider in ir gewalt pracht.
1540 erwegt] weck F. das erste sich fehlt G. ainemF. 1541 fehlt G.
hie] hin F. 1543 OriasFS. 1544 der fehlt FS. lauttett F. 1545 aldo F.
1546 ain FG. 1547 voderst W. fodrost G. Oriam FS. 1548 mawer S.
1549 macht F. ergen GD. 1550 getot W. ertottet G. ertöt D. OriasFS.
1551 chomen fehlt F. zorn zu chomen w. WD. 1553 Semiramis WS.
1555 greileichF. 1556 das haupt fehlt GD, krewlt W. kältGD. berawlt
S. stralt F. 1557 und] do S. was nicht gar g. F, was gar gestralt S. gar
fehltG. gestralt D. 1559 Babilonie WS. 1560hetGD. gewoffen S. 1561
mit] in F. ungestimkleich F. 1562 ungestrelten S. 1563gepardW. geperd
S. gepärd G. 1565 das fehlt GD. gewalt] hand GD.
54
des ward ir ain pild gemacht schon
und ward gesetzt auf den platz ze Babilon
mit ungestraltem har und langem,
gleich als si die tat het begangen.
1570 Von dem zoren list man in Valerio,
das der chünig von Karthago,
der da Hanibal s vater was,
der selb hiez Amulcar, als ich las,
wann er was der Romär veint ze aller zeit
1575 und hetten mit ainander manigen streit,
als uns die püecher der poeten sagen.
nu het er vier sün in den tagen.
er sprach: „das sullen sein vier lewen,
die das römisch reich zestrewen."
1580 und do der selb chünig Amulcar genant
wolt varen in Yspanien lant,
do fuert er mit im Hanibal den helt,
dem waren dennoch nur neun jar gezelt,
und opfert in do den göten sein
1585 auf der Romär chünftig pein,
und das er solt meren der Romär schaden.
so gar was er mit zorn beladen
auf der Romär ungemach.
und do der jung Hanibal das lant sach,
1590 do trat er in den staub mit dem fues
und sprach: „geleich also mues
zwischen mein und Romär
alweg sein chrieg immer mer
unz an die zeit, pis das geschieht,
1595 das man Rom oder Karthago sieht
1566 des] darumb G. was ein pilde g. S. 1568 ungestreltem herr S.
1569 hat W. 1570 list man das in ValerianoF. 1574 wanne F. wenn G.
allzitt G. allzeit D. 1575 mitenander W. 15 78 leben S. leonen G. 1579
zerstören S. gestrawen G. 1580 selb fehlt G. 1581 wolt] solten G.
Egipten 1. D. 1583 dennoch WS. dannocht G. newer nawen S. 15 84
gote S. götter G. göttern D. 1586 weren S. 1588 römer W. 1589 do
fehlt GD. jung fehlt GD. 1590 in fehlt G. 1591 u. sprach do: geleich
als ain mues F. 1592 römär W. 1593 chrieg fehlt F. 1594 unz] hinz
WS. pis] hinz WS. daz GD. 1595 oder] und WG.
55
geleich dem tritt in diser erde,
das ir ains also geleich werde."
das selb sich alles erfolget hernach,
wann es alles sampt geschach,
1600 das Karthago ward verprant ganz und gar.
das cham alles von dem zoren dar.
Von der parmherzikait.
Die parmherzikait ist ain hoche rieht,
als sand Augustin das spricht,
das man sol lieb haben sein sei die armen
1605 und sich über ander leut erparmen,
und parmherzig ze sein in deinem wesen.
sand Thomas hat uns auch gelesen
und spricht also, das alt und jung
vergeben sol die laidung,
1610 das im sein widertail hat getan,
und raten den, die da zweivel han,
und ze maistern den, der do nicht verstat,
und trösten den traurigen frue und spat,
und got pitten für ander leut.
1615 Ofidius uns auch bedeut,
ob die menschen nicht sunten,
da darf man nicht enzunten
die tugent der parmherzikait,
wann es tat niemant dem andern lait.
1620 Ich mag geleichen die parmherzikait
den jungen tahen, als die geschrift uns sait.
wenn die selben sehen das,
1596 den trittenD. der erden GD. 1597 das ir] darin F. werden G. 1598
als W. volgetF. 1599 es fehlt WS. sampt hernach g. F. 1600 verprant
ward G. 1601 eh. also alles von z. GD. 1602 p. die ist gar ain F. 1603
das fehltBGD. 1604 das fehlt F. han GD. sein sei fehlt F. arme GD.
1605 erparme GD. 1606 ze fehlt FGD. 1612 dem F. da] dan S. der
fehlt G. 1613 den] die S. 1619 uns fehlt G. 1616 süntten F. 1617
da] so F. 1619 nyeman S. nyemantz D. V. 1620—1633 fehlen B.
1620 ich geleich D. 1621 tachen F. schritt S. uns fehlt F. als uns die
ff. s. G.
56
das in vatter und mueter ist lass
von dem alter, und das si Verliesen ir gesicht,
1625 und das si gefliegen mügen nicht,
so machent in die jungen taben ainen test
und speisent si altag in dem nest
und raufent in die alten federn aus
und prechent in aus der äugen claus.
1630 so salben si dann die jungen tahen als lang,
das in wachsent ir vedern an alles getwang,
als das auch die natur von in gicht,
das in wider chumpt ir gesicht.
Plato der maister spricht das,
1635 das chainem menschen frume bas
und im auch als wol gefrum,
als das man den siechen ze staten chum,
und speisen den hungrigen, wa man chan,
und geben ze trinken, die do durst han,
1640 und lösen die gefangen von irem pant,
und das man den nakenden geb gewant,
und auch ze herbergen die eilenden chind,
und ze begraben, die do tot sind,
wer da parmherzikait erzaiget
1645 über ander leut, dem wirt genaiget
auch die parmherzikait.
Longinus hat uns das gesait :
„die mächtikait der menschen wächst alhie
von zwain Sachen ie und ie:
1623 hass und lass G. 1624 und Verliesen das ir gesicht F. und fehlt S.
das si fehlt G. 1625 si fehlt F. 1626 ain FG. nest G. 1627 si] sich F.
1630 danneF. tehen S. thachen F. 1631 ir] die FD. verdern F. an] und
F. allen zwang D. 1632 das] es G. 1633 chom F. 1635 frome WB.
frumen G. 1636 und] das F. gefrumen F. als fehlt GD. 1637 stäten S.
chäm WB. chumen F. 1638 und den hungrigen ze speisen w. GD. 1639
und ze trenken geben den, die sein notturft han G. und ze trenken den,
die sein notturft han D. do] den W. die do den BS. 1640 und die gefangen
lösen GD. los F. ir B. 1641 und fehlt GD. man auch den n. geb daz g.
GD. den fehltS. nakandenB. 1642 und herbergeGD. 1643 und begrabe
dieGD. die die da BS. 1647 L. der hat G. L. das uns hat g. F. das fehlt
GD. 1648 wächst alhie fehlt S. alle hie G. 1649 zwai G.
57
1650 das ain, wenn man getrew fretint hat,
das ander, wo die parmherzikait hat stat,
das du deinem veint vergeben macht di pein;
wann chain räch an schaden mag nicht gesein."
Salomon der weise spricht:
1655 „wer dem armen geit, der pettelt nicht,
und wer da verspert die oren sein
vor dem armen pilgrein,
so wirt das rueffen sein zerstört,
so das er auch nicht wirt erhört."
1660 Cassiderus hat uns das gesait:
„pis nicht geitig in parmherzikait,
wild du si auch selber an dir vinden."
Sermoniale spricht zue seinen chinden :
„du solt sein parmherzig in der jugent
1665 wann die parmherzikait ist ain mueter aller tugent."
Pytagoras der spricht an alles laugen
„ist das die hent weren den äugen
und die zende der zungen,
so tuest du nimmer chain rachungen,
1670 und wer das selbe also tuet,
der macht im selber gueten muet."
Christus der sprach hie auf erde:
„wildu, das dir vergeben werde,
so vergib du auch iederman."
1675 Plato spricht auch davon:
„der tuet gar ain grossen streit,
der do seinem veint vergeit,
und er sich wol mocht han gerochen."
1650 wenn] wan F. trew GD. 1651 waBG. hat fehlt GD. 1652 veint
macht vergeben WBS. 1653 räch mag an schaden n. g. F. schaden nicht
mag g. SG. nit sein B. 1654 weiss maister G. 1657 pilgram S. 1659
er rauch nit G. d'rach nitD. 1660 CaledriusF. CaladrinusWS. Kaladrinus
D. C. der maister hat uns g. G. 1661 in der p. F. 1662 sei BS. es F.
selber fehlt GD. 1663 Sermoniales F. Giovenale 0. 1664 parmherzige
in dein iungentF. 1665 die fehltD. parmherzigung G. aller] der D. 1666
der fehlt GS. 1667 werentF. werdentSG. 1669 tuocht G. raichunge G.
1671 macht fehlt G. hat in im selbs D. selber fehlt F. selb G. 1672
der und hie fehlt G. 1673 auch du iedem man F. 1677 do] der WBG.
seinen veinten F.
58
Ofidius der hat auch gesprochen :
1680 „als oft der mensch in die sunde vall,
solt man si darumb pessern all,
so ward ir wenig in churzer zeit.
gedenk, haben getan dein streit,
so du si wol mochtest haben getan,
1685 wann da prüeft man dein tugent an."
Salomon spricht zue maniger stund:
„der gelaub und die parmherzikait rainigen die sund."
Von der parmherzikait list man also
in dem puech Machabeo,
1690 das ainest gar ain grosser dieb was.
der raubet auf dem mer alles, das da was.
der wart aines tages gevangen
und wart pracht für Alexander an ainer strängen.
do fragt für sich der chünig den dieb,
1695 warumb er hiet den raub so lieb?
do antwurt er dem chünig gar sittleich
und sprach: „das das du tuest auf dem ertreich,
da pistu nicht ain dieb umb gehaissen,
wann du verst in der weit chraissen
1700 mit grossem gewalt für manige stat,
aber ich var allain frue und spat.
dar umb haist man ainen dieb mich.
füerest du aber allain als ich,
so wärst du als wol ain dieb zwar
1705 gehaissen als ich, das gelaub für war.
wann welche dich fliehen, den jagest du nach,
und die da nicht sunten, an den tuest du dein räch,
1679 der fehlt W. 1681 sew F. si fehlt G. die D. 1682 weniger S.
in ainer eh. F. 1683 getan fehlt F. dein] deinen B. den S. 1684 machtest
S. 1685 prieftG. man wol die t. G. 1687 der gelaub und fehlt GD. und
fehlt F. rainigend FG. V. 1688 — 1751 fehlen B. 1690 ainost G.
aines S. gar fehlt F. 1691 fehlt SGD. 1 6 9 2 ward gefangen aines tags
GD. 1693 und auch gepracht f. G. und gebracht D. ainem strängen dort
her GD. 1694 für sich fehlt WSGD 1695 het WSGD. allso W. 1697
das das] das G. was D. auf] auss d. G. 1698 umb fehlt GD. 1699 werst
S. 1704 du fehlt G. 1705 daz ist war GD. 1706 fliechent diej. F. den]
da G. wer dich fleucht, dem D. 1707 da fehl t G. dein] der S.
59
aber die angst des todes treibet mich umb
zue meiner clainen ranbung;
1710 aber dein raubung ist vil pöser denn die mein.
das ist an dir oft warden schein,
das du das alles tuest von begir des muetes ;
wann ie mer dn hast des guetes,
und ie mer das gelück pei dir ist,
1715 ie pöser und pöser du nur pist.
aber viel mir ain wenig gelück zu,
so war ich vil pesser dann du
und stäl noch raubte niemant nicht mer."
und do Alexander der her
1720 horte an dem den freien muet,
do erwegt sich für sich sein herz in guet,
das er nam an sich ain parmung.
wann do er sach, das er darumb
was ain dieb von grosser armuet,
1725 das erwegte Alexander den muet,
das er im die schuld des todes vergab.
darnach ward er sein ritter nach der sag
und ward auch der mächtigisten ainer,
als an seinem hof was indert chainer.
1730 Von der parmherzikait han ich gelesen,
das Syraonides der poet ist gewesen
als gar parmherzig, hör ich sagen,
das er die toten tet begraben.
der selb Symonides ains tages sas
1735 mit seinem freunr Scopia und as
in der stat Tramonia,
1710 dan F. 1711 ist fehlt G. das an dir oft worden ist D. 1712 du
alles G. aus begird dein GD. 1714 und auch ye me daz G. 1715 ye nie
und ye posser und üppiger du pist G. pesser und posoer S. und üppiger
du D. 1717 wann S. 1718 nicht fehlt W. 1719herrFS. der gross her r
G. 1720 höretF. den fehlt G. V. 1721. 1722. 1723 fehlen S. 1721
erbeckt F. sich sein herz fiirpass in GD. 1722 an sich nam F. 1723 wan]
und GD. das fehlt G. das er fehlt D. 1724 do was D. 1725 erweckt
FS. den] sein GD. 1727 richter F. 1728 fehlt S. raechtigost GD. 1729
an] in WS. nindertGD. 1731 der poet fehlt GD. 1732 gar fehlt GD.
1735 feind der das hiess Soppia G. 1736 Tremonia F.
60
die da leit in dem laut Tesalia.
do chomen zweu jungling für die tür
und rueften Symonides her für,
1740 das er snell cliäm und nicht anders tat,
wann das er zue der porten ain tritt trat.
also gierig Symonides nach dem wort
pald und reschlich zue der port,
und do er zue der porten cham,
1745 do vand er vor dem tor niemant stan.
do wolt er zue dem haus hin wider,
da viel es hinter sein dernider
und slueg alle, die darum, ze tot.
also cham Symonides von der not,
1650 als das Valerius Maximus sait,
das in nicht schirmet, dann die parmherzikait.
Von der greuleichait.
Die greuleichait ist ain wider wertikait
der parmherzikait, als das Andronicus sait,
und ist doch fünferlai in seinem beschreiben.
1755 die erst ist nicht mit haben chain leiden
ains andern menschen, was im geschieht.
die ander sach hat also pflicht,
das im alweg widerstet in seinem muet,
das er chain erparmung seinem nächsten tuet.
1760 die dritte sache die ist die,
das er nicht wil vergeben hie
der laidung, die man hat getan.
die vierde, das er wil mer pessrung han,
wann man von recht verdienet hat.
1738 chamen W. kament D. für] an F. 1740 chom F. 1742 dem]
tem F. wört S. 1743 restlich G. 1744 port G. 1745 port GD. 1747
der fehlt F. ninder D. 1748 die darinn] darinne G. 1749 also cham]
das F. 1751 dann] wenn W. 1752 gr. die ist G. 1754 doch] auch G.
seim beschribenF. schriben G. 1755 die] das B. ist chain mitleiden haben
in niemantz leiden G. ist kein mitleiden han in yemantz 1. D. 1756 ander
F. im fehlt F. 1757 sach die h. G. 1759 parraungGD. seim WSD. 1760
sach daz ist G. 1762 im hie hat BF. hat] hiet S. 1763 das fehlt GD.
1764 verdienen G.
61
1765 die fünfte sach, das ainer lat
sein muet ze snelle an ain sach,
damit das er an dem andern tue sein räch.
Die greulichait die geleichet man
dem basilisken, das ist ain wurm und ain han,
1770 als die natur von im spricht,
das er tötet leut und tier mit seinem gesicht,
als gar ist er ane parmherzikait.
wann im ist von natur gar lait,
das er nicht mag vinden leut oder tier,
1775 die er müg vergiften schier,
so derret er doch paum und gras
mit seinem gestank , der im chumpt von mund und nas,
und alleu chreuter, die da umb in sten,
die müssen all von seinem atem zergen.
1780 das dorret alles, als man sait,
von seiner grossen greuleichait.
Jesus Syrach der spricht also :
„du solt nicht sein als der leo
in seinem haus, wann er hat
1785 chain parmherzikait an der selben stat
über seine undertan."
Marsianus der spricht auch davon
„es ist chain snöder ding in diser weit nicht,
wann ain snöde person," als er gicht,
1790 „in seinem handel und wesen."
Ermes hat uns auch gelesen:
„gib dem peinigten nicht mer peinung,
das er nicht val in ain verzagung."
Casiodrus der hat uns auch gesait:
1766gemütGü. ] 768 — 1781 fehlen B. 1769 wurmen W. 1771
und auch t. G. 17 72 an WS. an alle p. G. 1773 im von natur ist gar 1.
F. ist allwegv.G. gar fehlt G. 1774 oder] und F. noch SG. 1775 mug]
gern wolt G. 1776 doch die p. und auch daz gr. G. 1777 stank SGD.
im] doD. chumpt von seiner nas Gü. 1778 alleWSG. da fehlt F. 1779
müssent FD. ergen WGD. 1780 darret W. derret S. 1782 der fehlt FS.
1787 der fehlt BFG. 1788 chain schnöder ding ist inGD. 1789 snödeu
W. 1790 undl von G. 1791 E. der hat G. 1794 der fehl t FG.
62
1795 „über alle greuleichait,
die man in diser weit tuet,
das ist, das man ainem nimpt sein guet,
und man doch das wol wais,
das er es gewunnen hat mit hertem swais."
1800 Von der greuleichait list man das,
das ze Rom ain herre was.
der was Lucius Syla genant
und was ainer von dem höchsten ampt,
der da was in dem senat,
1805 und tet doch so greuleiche tat,
das es unzimleich ist ze sagen.
wann er lies auf ainen tag slahen
ze tot vier vinster ritterschaft,
die sich alle mit chraft
1810 heten an sein treu gegeben,
und het in doch gesichert ir leben
pei seinen trewen, als man sait.
do lies er si an alle parmherzikait
werfen in der Teifer fluss,
1815 als uns sagt Valerius Maximus,
das sein mordischait niemant müg gedeuten.
darnach hies er den toten leuten
iegleichem ab slahen den chragen,
und hies die häubter für in tragen,
1820 das er da sach sein freude gerait
in dem spiegel seiner poshait.
Auch sagt man von chünig Hanibal von Karthago,
1795 alle die gr. GD. 1797 man] ainer BS. 1798 man] er WBS GD
doch fehlt GD. 1799 es fehlt F. 1800 — 1880 fehl en B. 1801 zej
datz G. her WFG. 1802 genampt G. 1803 bochen G. 1804 dem weisen
s. G. 1805 doch dy grewlisten W. so fehlt G. .greuleich F. 1806 un-
zeitlich W. unmügleich F. ist unziml. G. 1807 wanne F. hies S. erschlachen
G. 1808 finster der r. GD. 1809 alle] alsampt F. mit gantzer ehr. G.
1810 ergeben G. 1811 in doch] auch D. auch in G. gesichrofc G. 1813
sey S. allewF. 1815 uns] do 1). 1816 mordikaitS. mag bedeuten WSGD.
1817 lies SG. 1818 iedleichem F. den] seinen G. 1819 hiess im die h.
alle f. sich tr. G. hewbfcer S. in] sich D. 1820 sehe D. berait GD. 1821
seiner grosse p. G. 1822 von dem WSG. Hanibal fehlt W.
63
als das beschreibet Seibio,
das so gar mordisch was sein hant,
1825 do er in dem streit die Romär überwant,
do was er so greuleich und so pitter,
das er aus den römischen ritter
Hess machen ain prucken prait,
das sein volk über die römischen ritter rait,
1830 und was des römischen volkes müed was,
den lies er absiahen mund und nas,
auch hend und fües auf dem veld,
und die gefangen fuert man für sein gezelt.
do gedacht er im erst ain newes mort,
1835 und lies prueder und prueder fort,
und freunt und freunt zu ainander pinden.
darnach lies er vorn und hinden
gar scharfe eisen umb si löten,
und muesten ainander selber töten,
1840 auch lies er ir chainen von der not,
unz das si alle lagen tot.
Von der greuleichait schreibt man das,
das das volk von Otoria was
so gar mordisch auf der menschen leben,
1845 das si die toten punden gar eben
auf die lebentigen mit dem pant,
munt auf munt, hant auf hant,
und ain iegleich gelid besunder zwar
das muest auf das ander dar.
1823 als uns schribet G. als do schreibt D. 1 824 mürdisch W. mordlich G.
1825 doj daz G. 1826 er gr. S. und pitter F. 1827 dem F. r. edlen r, G.
1828 prucke F. pruge G. 1829 fehlt W. diej den F. über sy auss und
ein r. G. 1830 volk FG. römischen reichs W. 1833 man fehlt S. man
all für W. zeit G. 1834 erdaucht er sich G. er fehlt W. imj nü S. eins
D. mords Gl). 1835 fehlt Gl). 1836 und hiess frund und feind [frundD.]
zesamen p. DG. ein und freunt fehlt F. 1837 hies F. erumbsy WSGD.
vor F. vornen D. fornan und hindan G. 1838 sew F. sey S. scharpfen G.
lotten F. 1839 fehlt G. u. muost einer den andern s. D. an ainander F.
totten F. 1841 untzt F. unz biss das GD. lagent D. sew F. 1843 Gtbria.
f. was fehlt G. 1845 die fehlt S. 1846 lembtigen & 1848 igleich S.
64
1850 also Hessen sie die lebentigen mit den toten
auf ainander faulen und soten.
Von der greuleichait list man, in Troya,
als Ofidius spricht, do Medea
viel in die lieb her Jason,
1855 do lief si im nach und fueret schon
iren prueder mit ir
und tötet den in irer gir,
und legt in auf den weg also erslagen.
ob ir der vater nach wurd jagen,
1860 das er dan fund sein sun den klainen,
so wurd er als lang ob im wainen,
und wurd ain clag ob im beginnen,
das si die weil möcht entrinnen.
und also entran si dar von
1865 und cham zue irem puelen Jason.
da was si pei etwe vil zeit,
und gewan pei im zwen sün gemeit.
do nam Jason sich ainer andern an
und lies Medea allain stan.
1870 und do er sein minne von ir prach,
do tet si gar ain greulich räch,
wann si tötet ire kind paide,
darumb das Jason auch viel in laide
und trank ze tratz von in das pluet.
1875 dar nach ward si so gar unguet,
das si gar ir sinn verlos.
wann si gieng in der weit weislos,
nur das si Jason möcht tuen ain schäm
und also waiss niemant, wa si hin cham.
1850 lemtigen W. lembtigen S. mit den] und die GD. 1851 soten] saitten
G. 1852 greyleichkait W. grewleichkait S. 1853 Media W. 1855 loffF.
1856 ieren S. 1857 irrer W. ir F. ]858 lag S. 1859 vatter S. wurd]
wolt S. 1860 dan] denn WSG. seinen WG. 1862 ain fehlt S. 1864
entran] kam GD. der van S. 1865 chom F. 1866 pei fehlt D. etwenD.
etwe vil] etsleich S. 1867 gemeit] seit WSGD. 1868 umb ain andre F.
1870 er also sein F. pracht F. 1872 tottet F. paidew F. 1874 und vor
im tranck sy ze tratze das pl. F. imD. pluetteG. 1875 nach so ward WS.
si gar SF. gar fehlt GD. unguette G. 1878 si nit mocht tun Jason ain
schom F. 1879 und fehlt F. west F. waisst G, hin fehlt W.
65
Von der milt.
1880 Das milt gemüet das ist so mugent,
das si ist ain widerwärtigen tugent
gen der snöden greuleichait
nach dem, als Aristotiles sait,
und ist ze geben den, die da dürftig sint;
1885 aber das, das man geit in den wint
mit fürsichtigem muet,
das ist ain tadel und ist nicht guet,
als den ze geben, die sein nicht dürftig sein,
geleich als der do wasser trüeg in den Rein.
1890 wann wer da mer geit, dan er mag han,
der tailt sich von der miltikait in die schäm
und vellet in der geudung urspring.
und das selb ist gar ain pöses ding,
wann in der summ da der tadel stat,
1895 wa man mer verzert, wann es dürft hat,
und da chain mas noch Ordnung sei,
der wil der geudung wonen pei.
das selb haist man wol ain narrhait
nach dem, als das gesetz sait.
1900 aber die geitikait ist pöser vil
nach dem, als sand Thomas wil,
und ist doch in dreierlai mainung.
das erst ist, das der tadel der geudung
sich geleicht vil mer mit ir tugent
1905 gen der miltikait, wan die ist so mugent,
das si nur alweg ze geben ist,
1880 gemüet ist FGD. 1881 widerbertikait F. wirdige G. 1882 schönden
F. grewleichkait W. 1883 uns sait F. 1885 man da geit G. den] dem F.
1887 fehlt F. liederleich aussgeit sein gut G. 1889 do fehlt G. in den
Rein] in wein GD. 1890 do fehlt D, dann] wann BD. wenn G. denn W.
gehan W. 1891 miltikait und steiget in s. F. 1892 vallet G. gawdungS.
1893 selbig B. gar fehlt F. 1894 wann es ist geschriben in der sum ff.
F. tadel in stat G. 1895 wann] denn W. es] man GD. 1896 da aueh G.
1897 fehlt S. der] do D. geyderD. 1898 selb das haist F. selbig haissefc
B. man fehltGD. 1899 nach] als S. gesatztG. 1890 guetikait D. 1903
ist fehlt G. 1904 sich] gleich D. 1905 gen] denn GD. wan fehlt F.
so fehlt W. 1906 nur] nu G.
Zingerle, Vintler. 5
66
aber die geitikait zeucht zue ze aller frist
zu dem andern mal ist der geudig man
mit seinem tadel nützer iederman,
1910 wann der geitig immer mag gesein.
zu dem dritten mai ist das wol schein,
das der geudig man hat grösser er
in seinem tadel, wan der
geitig mit seiner geitikait,
1915 wann er hat da von nur alles iait.
Ich mag geleichen die tugent der milt
dem adler, dem selben ist si gezilt,
das er der miltist vogel sei, als man list,
als er auch auf ertreich indert ist.
1920 wann er mag nimmer als grossen hunger haben,
er lass die andern vogel mit im laben
alle die, die da pei im sein.
wann das ist oft worden schein,
das im etleich vogel fliegen nach,
1925 darumb das si selber sein so swach,
das si in nit mugen speis gewinnen.
davon spricht Salomon in seinen sinnen :
„wiss das, wenn du ain guettat tuest,
das du darumb vil genaden haben muest;
1930 und als das wasser erleschet das prinnent feur,
also chumpt das almusen der sund ze steur.
du solt dein phenning verpergen nicht
vor vater und mueter," als er spricht.
Alexander: „gib auch andern leuten hie auf erde,
1907 ze fehlt FSGD. 1908 so ist BSGD. gwdung BF. 1910 wenn G.
1912 gawdig S. 1913 wenn S. 1915 wanne F. wenn G. nur fehlt FS.
V. 1916 —1926 fehlen B. 1916 die der F. ich geleiche D. 1917 adeler
F. dem selben fehlt FS. selben fehlt GD. 1919 auch fehlt GD. indert
fehlt W. ninderfc GD. 1920 wan erj der G. er D. gehaben F. 1922 da
fehlt F. 1923 wanne F. 1925 sein fehlt W. so fehlt F. si sein selber
soS. 1926 sew F. 1927 davon fehltB. Salomon spricht B. 1928 wanne F.
1929 du fehlt F. gnade F. guots D. 1930 prinnunt S. 1931 sund] sei
SD. sele G. 1932 dein] auch F. den D. 1933 und vor m. F. er da sp. G.
1934 gab FS. A. spricht G.
67
1935 wildu, das dir dort gegeben werde."
Ofidius spricht: „wildu geben, so gib pald und eben,
damit das nicht ze spat sei dein geben."
Facetus: „der verzert miltikleich sein guet,
der das an alles murmelen tuet»"
1940 Syrach spricht: „ain iegleich gab ist gar reich,
die dir man nur tuet froleich,
und nun dir auch chain traurichait,
ob man dir pöse wort zue sait,
wann es ist pesser, wa ain süesse red leit,
1945 dann ain gab, die mau an willen geit."
Catho spricht: „schau, wem du wild geben,
und beforsch dich auch gar eben,
das das auch gerecht sei;
wann dem wonet torhait pei
1950 ding ze forschen, das das man
von rechts wegen versagen chan."
Tulius spricht, das chain ding ist als sües,
und das da als vil chumers pües,
als die milt, und das da pringt als gros er.
1955 Seneca spricht: „man sol den mer
unter die äugen sehen an,
der do geit, wann ainen andern man.
man sol sein auch nicht schimpfen,
wann es pringt chain gelimpfen,
1960 das da mit dem almusen gechauft wirt in diser zeit."
Seneca spricht: „der, der da geit,
1935 geben W. gebe G. 1936 spricht fehlt B. wild du W. 1937 spot
F. lebenn F. sei] werd G. 1938 F. spricht FGD. der fehlt S. 1939 müe-
melen F. murmlen G. 1940 igleich B. spricht Sydrach G. 1941 die man
nun geit fr. D. dir] dy FS. der G. die di der WB. tuet fehlt G. 1943
wartW. 1944 es pesser ist F. pösserD. wo ainerS. 1945 dann] wannB.
1946 wem] wenn GD. 1947 und] soBSGD. beforsch] besieh B. besargF.
auch fehlt S. auch vor g. GD. 1949 wanne F. dem] wem do D. 1950
ding ze] sol man nit D. 1951 recht G. wegen fehlt F. w. vol v. W. w.
woly. D. 1952 das fehlt B. ist als] so GD. 1953 da fehlt G. als] alles
S. chumbers B ebumer FD. 1954 pringF. und auch pring als grossewG.
1955 dem F. 195 6 die] den GD. 195 7 wann] für S. wenn GD. ander F.
1958 sein fehlt S. 1959 gewint W. chainem F. ain S. i960 da fehlt
GD. erkauft GD. diser] der D. 1961 ein der f e hlt F.
5*
68
der sol sweigen mit dein münd,
wann die gab redt selber wo! sweigund.
es ist erleicher ainem ain dienst ze versagen,
1965 wann das man in ain lange zeit wil auf haben,
und wer auch redt mit forchtsamen äugen,
das ist ain sach, das er des dienstes wil laugen,"
Socrates spricht: „wer da nicht seinen freunten geren
dient, wenn er mag, der mues auch ir enperen
1970 das si im auch nicht dienen scharf
in seinen nöten, wenn er ir bedarf."
Tereutius spricht: „chainerlai ding dem menschen wirser
an stat,
wan wider treiben den dienst, den er getan hat,
und wer sein dienst also wider treibt,
1975 der verleust da von die vergangen zeit"
Sand Peter spricht: „es ist sälichlicher wol
ze geben, wan der nemen sol.
die gab die plent die weisen siechten,
und die gab verchert die gerechten."
1980 das decret sagt auch dapei,
wenn der herr des hauses milt sei,
so sol der chnecht nicht karchait haben.
Socrates spricht: „wenn du wild laden
deine freund, so fürsich e dich
1985 fünferlai sach gar weislich:
am ersten, was du gebest und was du wild geben,
das gib fröleich, schon und eben
mit ainem lautern antlütz fröleich
1963 wol selber F. 1964 ze fehlt S. 1965 in] im F. in lenger zeit D,
1967 das ist ain sach fehlt D. der will im d. d. 1. D. des fehlt F. dinst
BG. V. 1968 — 1971 fehlen D. 1968 wer mit s. G. sein F. 1969 ir
auchG. entperenW. 1970si]sewF. 1971 fehlt G. 1972 spricht fehlt
D.kainD. ding fehlt G. wirser] snoderF. wiesterS. wirss stat D. 1973
wann den dienst wider triben G. 1795 verleurt D. 1976 ist ain salich-
leicher F. sälliglich GD. 1977 der da n. F. wenn GD. 1978 gab plent F.
1979 gab die v. SG. rechten FS. 1980 auch sagt d. F. 1982 charkchait
WF. 1983 wenn die weisen laden GD, 1984 so sich füre dich F. versieh
B. die frund so betrachten si sich D. 1986 an dem e. F. wil F 1987 gib
du W. schon fehlt WBSGD. und auch e. G. 1988 lautern] fröleich WS.
antlitz S.
69
und mit schönen worten tugentleich.
1990 vil menschen sünden zwar
von grosser armuet, das ist war.
o tod, wie ain süesses ding ist armuet!"
Catho spricht: „hab ander leut lieb und guet,
aber doch das du selber dir der liebest pist.
1995 das ist dir als pald guet, als es dir schad ist.
da chumpt chain schad von sicherleich.
handel dein sach, als du solt, mässleich.
darumb wa die speis alweg übrig beleibt,
da wirt si doch verzert in ain er churzen zeit.
2000 das man lang zue ainander hat pracht,
du solt es aber tailen mässleich nach der acht."
Aristotiles spricht: „wer das sein verzert, der hat
teur von im selber an aller stat."
Seneca der weis der gicht:
2005 „es ist auf ertreich chain grösser traurickait nicht,
wann der mues vorsehen von dem andern,
und darumb lern etleich hantwerch oder wandern."
Plato spricht: „der sich lat benüegen
an dem, das im got tuet zue füegen,
2010 der selb hat nindert chain armuet,
aber wer da vil begert, der ist arm, was er hat guet."
Socrates spricht: „die freunt erchennet man
in nöten; die weil es ainem wi! wol gan,
so wil iederman sein freunt sein."
19 89 und auch mit G. schonBS. niinnichleichF. 1992 tod] got F. süss WSD.
dinckch F. 1994 das [ob D.J du dir selber WBSD. doch dir selber lieber
p.G-. der fehlt D. lieber D. 1995 es fehlt S. es] daz er G. 1996 davon
komptD. sicherhait G. 1997 dein fehltG. dieD. weisleichF. mässigklich
G. messiglich D. 1998 alweg f eh ltW. über G. 1999 doch fehl t F.
2001 mässigklich G. 2002 spricht fehlt BD. der fehlt FS. 2003 teur
fehlt F. bedewtleich S. ürung G. teutung D. selbs G. 2004 der g.] also
g. F. sprichtGD. 2005 ist fehlt S. erd G. grösserewF. grossew G. 2006
der] er W. der da m. G. wann wer da forschen mus F. 2007 und fehlt
BG. 1er F. leret G lerent D. antwerkBS. oder] und F. oder fehlt S. oder
aber wandret G. 2008 der] wer SG. 2009 im fehl t G. ze WF. 2010
indert F. 2011 sunst ist er arm wie vil er hat guet D. armer FBW. was]
und S. wie vil G. wer] der G. 2012 freunt die WF. 2013 notten F. n.
wann die w. G. vil wol mag gan S.
70
2015 Syrach spricht: „bedenk die armuet dein
in der zeit, so du genueg mainst ze haben,
wann von dem morgen unz auf den abent
so verchert sich gar oft die zeit."
Plato spricht: „der, der da in armuet leit,
2020 das ist gar ain pöses ding über al,
aber durch sei übel tuen ist noch ain pösrer val."
Cassiderus spricht: „o wie ain greuleich erparmen
ist die gewissen der armen !
so er vorsehen mues mit grosser schäm,
2025 so lestert er sein aigen nam,
und ob er dann vor schäm vordert nicht,
so verdirbt er in der selben geschieht."
Tulius spricht: „ie mer das scheff hat gueten wint,
ie mer das volk nur sorg gewint,
2030 das es ungewarleich sei,
und also ist es hie pei
geleich getan umb des menschen leben :
ie mer im das gelück tuet zue streben,
ie ungewisser ist im sein zeit,"
2035 als uns des Salomon urchunt geit.
Plato spricht: „es istpesser, das der mensch nach seinem tot
lass seinen veinten guet, wann das er not
solt hie in armuet alzeit lomen,
uud das er solt seinen freunten mit pitt ze gnade chomen.
2040 und versmach auch nicht ain ciain urspring,
wann da wachset oft von ain grosses ding."
Von der milt schreibt Valerius
2015 JhesusS. GD. gedenkSD. 2016 der] diserGD. mainst ze] magstF.
mainst gnug ze GD. 2017 wann fehlt F. hincz WSG. auf] an F. abenF.
2018 ofte F. 2020 ain fehlt G. 2021 sei] sy W. sein GD. noch fehlt
GD. pöserWFSG. 2022 wie gar ain S. 2025 er fehlt F. 2026 danne F.
forscht F. 2027 angesicht GD. 2028 spricht fehlt D. 2029 fehlt G.
mer nun daz volkD. 2030 er GS. ungrewleich S. ungewerlichB. 2031 es
fehlt S. erG. 2032 des] daz W. 2033 ze F. V. 2036 — 2039 fehlen D.
2036 pesser ist G. poser F. sein S, 2037 las ain gut sein v. F. 2039 sein
FS. mit pitt] mit vorschenBSG. pitt zefehltF. 2040 versmaichF. klainen
WGS. 2041 wanne davon wachst F. oft auss gross G. von fehlt S. V.
2042 — 2119 fehlen B. 2042 schrybt uns V. G.
71
und spricht: do Titus Quintus
den chünig Philippurn von Chriechen twang
2045 und das ganz lant het gevangen lang,
do gepot er dem ganzen volk, das si chamen
und sein red gar eben vernamen.
do das volk alles zesamen cham
auf ainen schönen, weiten plan,
2050 do hies er mit den pusaunen zaichen geben,
das das volk alles solt sweigen eben,
und hies damit auf ruefen,
daz der ganz senat mit grossem wuefen
und Titus Quintus, der da was
2055 von der Romer wegen, als ich las,
das man dem chünig Philippo leut und lant
heut wider geit in seine hant,
und alle gefangen leut
die sullen alle ledig sein heut
2060 gefänknus, dienstes, er sei mit waffen oder mit schilde,
durch wäre tugent und milde.
do ward von danken ain solich ruef,
das er den vögeln in den lüften schuef,
das si betumbelt vielen zue der erde nider.
2065 von dem grossen geschrai, das da wider
auf in die lüfte hal,
do wurden die vogel genotet zue dem val
von der grossen milt wegen, die da geschaeh,
wann das leut und vogel sach.
2070 Von der milde so list man,
2044 den fehlt D. chriegen F. 2045 und auch G. het fehlt F. 2046
potS. chomenF. kaemen D. 2047 gar fehlt S. verneinen SD. 2048 alles
fehlt G. alles sampt z. F. chomen F. 2049 schon S. plannen F. 2050
pusawn S. pusawm W. 2051 alles fehlt F. 2053 daz] do W. grossem]
gantzen GD. waffen D. 2054 do] das F. 2056 Philippurn S. 2058 fehlt
S. 2060 wappen WS. wapen D. 2061 durich F. tugenten F. und auch
in. G. 2063 vogel W. 2064 betumbelt] hauffent D. betumbelt vielen]
wegunden fliegen F. vielen fehltW. zu erden S. 2066 in fehlt G. 2067
statt dieses Verses hat F. von dem grozzenn schal und V. 2068.
2069 fehlen F. 2067 val] tall G. 2069 wann daz das 1. G. 2070 mild
list man das F. so fehlt G.
72
das zu Alexander ain armer mensch cham
und vorseht an Alexander ain pfenning,
do gab er im fürsich ain stat ein,
das doch nicht zimleich was ze geben
2075 ahn, der ain solichs snödes leben
mit seiner armuet an im het.
do sprach Alexander an der stet:
„ich sich nicht an, das zimleich ist dir,
aber ich sich an, das zimleich ist mir."
2080 aber chünig Dyonisi tet nindert das.
wenn er aim versagen wolt etwas
umb ain ciain ding, darumb er gepeten wart,
so het er geleich die widerpart,
die da Alexander an im het,
2085 so antwurt der chünig Dyonisi an der stet,
es war nicht zimleich noch eben
ain ding ze geben, das man muest wider geben,
und das man doch nicht behalten möcht,
was dan dem zu geben töcht?
2090 Ich gelaub, man vind der herren ietz vil under der sann,
die da haben den selben sieclitumb.
wann ainer von in sol geben pfenning oder ros,
so vint er für sich darauf ain glos,
damit das er im doch nicht geit.
2095 nun secht, wie sich der pöse geit
so gar greuleich überzogen hat,
und sieht doch nindert an chainer stat,
das ir chainer dester reicher werd,
wann er verleust da von wird und er.
2100 gab er aber schon und eben
2071 das ain arm mensch zue A. kam G. 2072 und an A. begert ain G.
von S. 2074 was] ist W. 2075 solliches G. 2078 duz daz G. 2079 das
daFGD. 2080 Dyonisius G. wolt versagen F 2082 umb fehlt GD. ding
fehlt S. 2085 so] da G. do D. 2087 wider mustg.G. 2088 doch fehlt
SG. gehalten S. 2089 dan fehlt F. dan] denn SGD. docht S. döchtFG.
2090 itzund F. vind ietz der herren vil G. sunnen G. 2091 die selben G.
2092 wenn G. 2095 sich] seiS. geit] seit S. 2096 greuleich fehlt GD.
sichsogarGD. seysoS. 2097 doch fehltF. nindert fehlt GD. an] inW.
2098 wer S.
73
und wenn er ze recht solt geben,
das chäm im wol zwifach wider ein.
aber die herren geben ietz nur den ribaldein
und den pösen falschen chlaffern ir guet,
2105 das macht auch, das manig piderman tuet
anders, wann er pilleich sol;
wan er waiss das vorhin wol,
das sein dienst ist zwirhalben verloren.
aber pei den alten Zeiten hie voren,
2110 do die herren gaben ir guet miltikleich,
do namen si auf und wurden reich.
so ist aber ietz vil maoiger herr,
der do nicht wil haben wird noch er.
das peleib also pei seinem alten sit,
2115 wann ich mag es doch erwenten nit,
und ob ich mich denn vast darumb swend
und verleus die weil all meine zend,
wer legt mir denn ab den schaden mein?
davon so wil ich mit gemach sein.
Von der geitichait.
2120 Die geitichait ist ain widerpart
gen der milte nach dem wart,
als Tulius spricht in seiner suin,
das si sei ain hochmüetige begirung
ze gewinnen das gerecht und das ungerecht, -»
2125 und das ze verhalten, das notdurft ist und siecht,
und ze verzeren alle ding gar swach,
und ze wüesten, das da übrig beleibt an saeh.
2101 und fehlt WSGD. 2102 zwiflach G. 2103 gend GD. ietzund F.
der ribaldry G. rebaldeyD. 2105 manger GD. 2106 änderst denn er GD.
2107 Yorchen S. 2108 zwier halber F. zwir halb SGD. 2109 hin v. W.
2110 willickleichF. 2111 do] und S. si] seu F. 2112 ietzund F. manig F.
2113 haben weder wird G. 21 1 4 seinen sit S. 21 15 gewendenGD. 2116
mich fehlt F. denn] dan F. 2117 und auch v. G. verlur F. die weil] da-
mit S. 2118 wer] der G. ab dan den F. ab denn den S. 2119 so fehlt
FS. 2120 widerbertig part F. 2121 wort BD. 2123 hochgemutige WB.
hochmütigung der begerung GD. wegernung F. begierung S. 2124 recht
D. unrecht GD. 2125 not D. 2126 zer vercheren F. 2127 da] das F.
74
in der süm, da man alle tadel list,
spricht man, das der aigenlich geitig ist,
2130 der da verhalt das, das man verzeren sol,
und der verzert das, das man behalten mocht wol.
Gregorius spricht: „in aller diser weit prait
vindet man etleich end, wan in der geitichait
nicht, wann man mag sei nimmer erfüllen recht,
2135 und wer ir da dient, der ist seins chnechtes chnecht."
Die geitichait mocht man wol geleichen
der chroten, die lebt allzeit des ertreichen
durch der grossen forcht wegen, di si an ir hat,
wann si furcht, das si das ertreich nit müg machen sat;
2140 wann si erfült sich mit essen nicht.
alle chroten sein geitig mit irem gesicht.
in der sum, da sich aller tadel pirt,
vindt man, das chain schand auf erden wirt
als vil gepraucht, als die geitichait,
2145 und die doch ist ain mutter aller poshait.
wann doch alle tadel werden alt
an dem menschen, wie sie sein gestalt,
aber die geitichait wird albeg zwar
ie lenger, ie junger von jar ze jar.
2150 sand Paulus spricht: „die würz aller poshait,
das ist die rechte geitichait."
Salomon spricht: „der geitig mag nimmer erfült werden
2128 allen WBS. 2129 aigenlich] recht B. 2130 verhalt hat S. pehalt
FGD. 2132 Gr. der sp. G. diser fehlt GD. 2133 end] und FG. wan]
dannG. wan fehlt D. 2134 nicht fehlt G. siBWD. sei fehlt S. wann
man mag si erfüllen nimmer mit r. G. si erfüllen nimer r. D. V. 2136 —
2141 fehlen B. 2136 macht WS G. mag D. geleich WSG. gelich D.
1237 ertreichs W. etterreichen F. ertreich SG. ertricht D. 2138 durch
forcht wegen G. durch vorcht die D. wegen] willen F. 2139 wenn si furcht
daz si sich des ertrich mug m. G. wann si furcht fehlt D. daz si sich
dez ertreichD. machen] werden D. nit fehlt F. 2141 irem] dem F. 2142
da] daz W. aller] der D. 2143 erde FG. 2144 als vil fehlt D. als vil
gepraucht] geprucht als fast G. 2145 die fehlt G. und doch ist si D.
2146 werdent S. 2147 si fehlt WS. sew F. si] die G. 2149 junger]
lenger D. 2150 schribtG. spricht fehlt D. 2152 Salomon spricht fehlt
B. spricht fehlt D. g. man mag G. nimer] nit D.
75
mit chaiuem guet auf diser erden,
und wer auch lieb den reich tumb hat,
2155 der hat chain frucht von irer sat."
Alicus spricht, das der geitig man
nimer wol eralten chan,
und der neidig mit seinem streit,
die gerasten nimer ze chainer zeit.
2160 Juvenalis spricht: „die phenning sint
nicht des geitigen, aber der geitig ist wol der phenning chint,"
dem pfenning mag man wol ain namen schaiden
ainen abgot, den die haiden
peten an nach irer ee.
2165 geleich also petet der geitige me
die phenning an. wann er gelaubt da pei,
das chain ander got nicht sei.
„o du geitiger man!" spricht Seneca,
„was hilft dich dein reichtum herna,
2170 das du nicht getarst wol von dem deinen leben?
wänst du, das dir die phenning sein gegeben,
das du si solt versperren in deinem schrein?
het es got gewolt, si solten wol versperret sein,
und het dich si auch nimmer lassen vinden.
2175 wes wilt du dich denn underwinden?
Von der geitichait so list man das,
das Marcus Cassius so geitig was,
do er zoch in Hispanienlant,
als ainer von dem höchsten ampt,
V. 2154. 2155 fehlen B. 21 54 den] die GD. 2155 frucht] forcht G.
vorcht was man von im sagt D. ir FSG. 2156 Alicus spricht das] und
auch B. Silicus S. datz das S. 2157 wolt S. 2158 und auch d. G. der
fehlt F. 2159 grasten S. rasten G. 2160 phenning die s. BSG. 2161
geistigen fehlt GD. wol fehlt GD. 2162 den pfeningen W. nam W.
ainFSG. 2163 ainF. aptgotW. den] die GD. einemD. 2164 irFS. 2165
als S. 2166 die] denG. g. auchWBS. 2168 gütiger D. 2 1 69 dich fehl t
G. 2170 terst F. getarfft G. deinen] armen S. mit dem guot zetuon in
deim 1. D. 2171 der pf. sei GD. geben W. 2172 du si] da dy S. seu F.
sperren GD. deinem fehlt W. 2173 hiet F. es fehlt D. sew F. 2174
het] ich F. sew F. het si dich nimmer G. 2175 danneBF. V. 2176 — 2223
fehlenB. 2176 geitigkait WG. so fehltGD. 2 1 7 7 Cassidius GD. 2178
do] das D Yspanian F. Jspanien S. Hyspania D.
76
2180 und den der römisch rat het auserwelt,
do vand er Chalphurnum den helt
und Silum den gesellen sein,
die do paid hetten gesworen Cassius pein,
und hetten auch paid die waffen in der hant,
2185 damit im der tot solt sein bechant.
die liess er paid leben umb geitikait
umb ain ciain guet, als man sait;
wann im liebet mer das guet an der stet,
wann im gerech tichait des gerichtes tet.
2190 darumb spricht der maister alsus:
„was wänstu, das Marcus Cassius
het gegeben in solicher not?
er war ee tausend töd gelegen tot,
ee das er soleich gelt het gegeben,
2195 und damit het gefristet sein leben.
als gar het in der geit überchomen,
das im sein guet nicht war ze staten chomen."
Von der geitichait schreibt man uns sus
von ainem, der hiez Geminus,
2200 der het all sein tag chain ander wunn,
neur das er vil guetes gewunn,
und chund doch nie erfüllen seinen muet.
und do er als reich ward an guet
über alle, die in der stat waren,
2205 da er inne was geporen,
und do sich etJicb zeit vergieng da pei,
2180 Römer D. 2181 do] des G. sant der KaLphur von im den GD. da
sand er Calphurron W. sand Chalphurram S. Kalphur von dem h. F. In
W ist aus er „der" gemacht und chunig darüber gesetzt. 2183
Cassidius GD. paid fehlt D. 2184 die fehlt GD. wappen WS. 2185
in GD. solt sein] ward D. 2186 er fehlt F. umb die g. GD. 2188 mer]
nu S. nun D. 2189 im die g. SGD. gericht D. 2190 und darumb SGD.
2191 wänst das M. WS. das wänst das G. 2192 geben WSGD. 2193
ee wer er D. tod FG. 2194 solch S. hiet F. 2195 damit erfristet hett s.
G. d. gefr stet h. D. hiet F. er gefristS. sein] daz W. 2196 der fehlt S.
2197 wer steten S. 2198 uns fehlt FD. alsus GD. 2199 der selb h. G.
2201 nur wie F. guetes] phenningF. 2202 muet] mundW. s. mund und
muet F. 2205 innen ward S. inn GD. in F. 2206 do fehlt FGD.
77
do rueft er zue im seiner süne drei,
die er gar lieb het und sprach:
„mein lieben sün, ich pit euch umb ain sach,
2210 das ir mein guet, das mich hat gemacht reich,
werd von euch verzeret alzeit miltikleich,
wa sein notdurft sei, mein lieben sün,
wann ich mag sein laider nicht getün,
wann ich han die geitichait so lang erchant
2215 für als ain grossen tadel, als er in allem laut
oder auf ertreich indert mag gesein.
wann der mensch hat alzeit davon pein,
wann ich erchant auch nie grösser poshait."
und do er in das alles gesait,
2220 do tet got ains seiner wunder schein,
wann man vand des geitigen herz in ainera schrein,
da sein phenning inne waren verslossen,
das was mit pluet alles sampt begossen.
Von der straffling.
Die rechte straffung ist das
2225 ze züchtigen den andern umb etwas,
und das auch das ain werk der liebe sei,
und das die straff hab masse pei
an werken und an Worten wol
und auch ze recht, als man sol.
2230 wann wer da nicht ain masse hat
in seinem straffen an chainer staf,
der tailt sich von der lieb der tugenthait
und chumpt in den tadel der greuleichait.
2207 zu im fehlt G. seinen G. 2209 lieb FGD. 2211 alzeit fehlt S.
alzeit] alsoGD. mynicleich F. 2212 wa] da G. sein] sy G. ist WGD. esD.
lieb GD. 2213 sein] sy G. 2214 wann fehlt GD. so fehlt F. 2215 als
fehlt D. ainen W. tadele F. 2216 erd GD. 2217 alzeit fehlt G. davon
alle p. G. davon allzeit D. 2219 alles fehlt F. also D. 2220 ains fehlt
WSD. 2221 daz geitig hertz D. sein SD. seinem WG. herzen S. 2222
innen S. ynn D. 2223 was alles mit p. b. F. allesampt D. 2226 das das
auch ain F. auch ain G. u. doch auch das ain S. 2227 straffung S. dar
beyD. 2229 auch fehlt F. 2230 mass D. 2232 lieb tugenhait F. 2233
eh. auch in G.
78
Salomon der weise spricht da pei,
2235 das zimleich die torhait sei
in dem herzen der clainen chinder,
aber die ruet macht si linder,
und zeucht die torhait von in
von dem herzen und von dem sin.
2240 und ob du das chind mit der rueten straffst,
so stirbt es nicht, davon so magst
du das chind straffen alle zeit,
wann gar vil tugent an der rueten leit.
Die tugent der straffung geleichet man
2245 ainem wilden wolf, wenn der wil gan
etwa hin an aine stat,
da er muet ze rauben hat,
und wenn er also hin maust,
das im dann der fues etwa rauscht,
2250 so reckt er den fues zue den zenden
und peisset darein an manigen enden.
also strafft er sein gemüet,
das er sich ain ander mal davor hüet.
Davon so lert uns Salomon hie pei,
2255 das das ain rechte tugenthafte straffung sei,
die dem andern wol gevalt,
und wer auch straffet an gewalt,
der vint die gnad nahend all pei im.
Seneka spricht: „des weisen mannes sin
2260 der straft seinen tadel sicher zwar,
2234 Salomon spricht der weis man d. F. weis WS. 2235 die] und F.
2237 r. die macht B. machent sich S, sew F. 2239 und auch v. G. 2240
Salomon spricht und B. du fehlt G. straffet W. strafft F. 2241 so] ob
du F. machest S. 2242 du fehlt F. du auch d. G. 2243 in WBSGD.
V. 2244— 2253 fehlen B. 2244 die geleicht FSGD. 2245 wilden fehl t
D. 2246 etwo F. ettwan G. etwen D. aine] sein F. 2248 must D. 2249
dann fehlt D. etwo F. etwen D. rawst S. fuss entrust G. rust D. 2250
recht F. entreckt G. fues] fitz S. 2251 darein mangen W. 2252 und str.
also s. GD. 2254 so fehlt SGD. 2257 und fehlt WBSG. wer] der G.
2258 nahen S. nachen B. alle S. V. 2259 — 2297 fehlen W. 2259
Seneka spricht fehlt B. — S. der sp. G. 2260 seinem F.
79
wann er ains andern straffung nimpt war.
du solt auch straffen haimleich."
ain ander maister lert uns weisleich:
„ nicht vervach mit spot dein freund noch freundin,
2165 darumb das er chain hass zue dir gewin.
du solt im sein sach weisleich vervahen,
so gewint er dich lieb an alles versmahen,
wann wer sein freunt straft spotleich,
der wirt doch selten davon reich."
2270 Origenes spricht: „wer da lieb gehabt wil werden
von seinem freunt auf diser erden,
der straff in haimleich und allain;
wann die süesse straffung in gehaim,
das macht, das dir ain rechte lieb entspringt,
2275 aber die offen straffung die pringt
Unwillen an maniger stat.tt
Cassiderus auch gesprochen hat:
„der, der do stätichleich straft,
und ist doch selber tadelhaft,
2280 der selb erchent sich selber nicht,
und ist sein straffung wol halb enwicht;
wann wer im selber ist nicht guet,
wie mag der immer haben den muet,
das er ander leut gestraffen tar?"
2285 Plato lert uns offenbar,
das man nimmer straff ze chainer frist,
wenn ain mensch zornig ist,
oder wenn ander leut sind engagen,
wann davon chumpt oft grosser schaden.
2261 wenn BG. V. 2262. 2263 fehlen B. 2263 ander fehlt D. uns
auch SGD. 2264 versach S. gespöt B. den S. noch] oder FGD. 2265
chainen B. hab F. 2266 versahen S. vervachen F. 2267 versmehen S.
versmachen F. 2268 seinen B. 2270 Origenes spricht fehlt B. Oryenes
SG. weren F. 2271 von] und S. seinen freunten BFSGD. 2272 strafft F.
2273 fehlt GD. wanne F. 2275 offejilich GD. straf D. 2277 fehlt B.
auch davon F. 2278 da stetleich S. 22 79 selb G. 22 81 ist auch s. G..
straffen D. halbe F. hnlbs G. halben nicht D. 2282 wer] er F. selb G.
selbsD. 2283 der] er F. der selbD. 2284 straffen BSGD. 2285 lernet F.
lernt D. uns auch GD. 2288 engangen FSGD. 2289 da chumpt oft von
gros F. schänden FS.
80
2290 Aristotiles der maister gicht:
„du solt deines veintes straffen nicht,
wann er getraut dir doch nicht guetes,
wann er waiss wol, das du seins pluetes
ain störer und ain hinleger pist.
2295 auch straff nimmer zu chainer frist
umbe das, das nicht ain schulde sei,
wann da prüeft man smaichen pei."
Von der straffung list man uns gewis
in dem puech, das da haisset Genesis,
2300 das dick wart gevordert schon
von got sein povel an chünig Pharaon;
die er in seiner vanknus het,
die wolt er nicht ledig lassen von gotes pet.
so tet got, als er noch oft tuet,
2305 und wolt becheren Pharaonis muet
und sandt ain grossen presten in sein lant,
das alleu wasser wurden für pluet erchant.
der ander slag, das das lant alles was
Voller chrotten, Wo man gieng oder sas.
23 10 das dritt das Waren fliegen manigfalt,
die teten dem volk schaden und gewalt.
das vierde das was ain schawer gros,
der Wüestet alles, das er vand plos,
es war laub, chraut, gros oder ciain.
2315 das fünft Waren heuschrecken unrain;
die selben assen alle die waid,
das das vich solt essen, dem volk ze laid.
229Ö fehlt B. spricht SG. 2291 solt auch d. B. 2292 traut S. trewtG.
mchtz FG. 2293 du fehlt BS. sein F. 2294 storrer F. erstörer und h.
GD. 2295 du straff auch n. BS. straff auch n. GD. 2296 urab daz da BS.
schuld BS. 2297 schaden G. V. 2298—2369 fehlen B. 2299 da] man
G. das da haisset fehlt D. 2300 das] da SG. 2301 povel] volk FGD.
Pharon S. 2303 nit wolt 1. G. von] durch G. gotz ge^ettF. 2304 tet er
got S. 2307 alle WS. 2308 die a. plaug G. 2309 vol G. 2310 das] die
F. dritte waren SG. neugen G 2311 u. grossen gew. F. 2312 vierde was
WG. was fehlt S. 2313 alles sambt der v. F. 2314 gras oder chain S.
2315 fünft das warn haberschrekch S. hewschrickel D. häschrickel vast
u. G. heuschrick W. 2316 selb assen da alle F. fraussend G. straften D.
81
das sechste das was, das alles das vich darnach starb.
das sibent, das alles das von hunger verdarb,
2320 das da in dem lant indert mocht gesein.
das achtet, das der tag verlos sein schein
und das ain solich vinster cham,
das sich erviel manig man.
und von der straffung allersampt,
2325 die im got het tan bechant,
wolt er sich dannoch nicht cheren an got,
do tet got durch Moyses pot
zue dem neunten mal ain grosse räch,
das aiu prest cham gar streng und swach
2330 under das Volk, das aus iegleichein haus
muesten ie zwai mensch sterben aus,
das malst und das minnist also,
und hueb an des chüniges chind Pharao.
darnach sprach got ze Moyses das,
2335 das er seinem povel gepüt fürpas,
das ir iegleicher an dem andern solt morgen
etwas entlechen auf ain porgen,
es war gros oder chlain,
von allen iren nachgepaurn gemain,
2340 die da chünig Pharaonis volk waren,
und darnach solten si varen,
wa sy Moyses wolt frieren hin.
das ward also getan nach seinem sin.
also fuert Moyses das volk hin dan.
2345 und do das ersach chünig Pharaon,
do eilt er im gar vaste nach.
2318 das da was F. alles viechF. das was fehlt G. 2319 subent S. vor
G. 2320 da fehlt G. 2321 acht S. 2322 solch S. 2324 allen s. F.
2325 getan S. taun hettG. 2326 dennoch WS dannocht G. 2328 neun-
demW. 2329 prechGD. gar fehlt GD. 2331 zwen menschen G. daraus
F. 2332 mynst sicher also F. miu.stGD. 2333ananW. des] dasS. PharoS.
2334 Moysen G. 2335 volk F. peput FD. 2336 igleich S. iegl. solt an
d. a, m. G. den WS. 2337 endlichen W. entlichen G. endlichen S. 2339
nachtpaurn F. nachpaurn S. nachpuren G. 2340 Pharaons S. volk fehlt
GD. warden S. 2341 so solten seu F. 2342 seil F. si wolten füren hain G.
si wolten furo hin D. 2344 hinj her F.
Zingerle, Vintler. (J
82_
und do das volk von Israhel ersach,
das si gen den veinten hetten so ciain wer,
do friert seu Moyses an das rot mer
2350 und slueg mit seiner nieten darauf
auf das mer, das tet sich auf,
von ain ander in der mitte,
das das volk mit truckem tritte
cham durch das mer an alles lait.
2355 und do das Pharaon ward gesait,
das seu durch das rote mer
waren chomen an alle wer,
do eilt er mit seinem volk vast nach;
und do Moyses Pharaon sach,
2360 do rueft Moyses got aber an.
do tet got, als er oft vor het getan
und erzaigt alda ain wunder gros,
das mer sich wider zesamen flos
und ertrenkte chünig Pharaon gar,
2365 und alle, die mit im chomen dar.
also chund si got straften in den tagen,
das si in nicht für ainen got wolten haben.
Von der smaichung.
Von smaichen-red so wil ich sagen,
das ist süesse red in dem mund haben,
2370 und das an dem herzen nicht ist.
das selb ist gar ain valscher list,
und er want doch freunt damit gewinnen.
es ist aber ain grosser tadel in meinen sinnen,
smaichen ist gar ain pöser sit,
2347 dö fehlt G. da das v. F. J. daz ers. G. 2348 gegen S. 2349 sy
SG. 2351 auf] und G. 2352 mit F. 2353 fcrit F, 2354 chöm S. das rot
mer D. 2355 und das do Pharon S. 2356 sy SG. 2358 er vast m. s. v.
n. F. er in mitGD. vast] stark GD. 2360 got fehlt G. 2361 vor oft FS.
2363 das sich dz. mer w.D. 2364 ertrankt S. ertrenkent F. 2365 die dieG.
chamenWG. 2366 seu F. 2367 seu F. ain F. ainen fehltG. got fehlt F.
2368 schmaichender r. wil G. V. 2372. 2373 fehlen B. 2372 und
wellent doch frewd S. went doch G. damit] dadurch G. 2373 ain fehlt F.
grosser fehlt GD. 2374 schmaikcher W.
83
2375 man gewint nicht gar vil gueter freund damit,
die da in die leng besten.
man sieht si vast hinder sich gen,
wenne si die rechten erchennen.
ich wais ir vil, solt ich si nennen,
2380 die da ain süezzes in dem mund tragent
und doch da pei ain valsches herze habent.
aber guete wort die schaden nicht,
freunt damit ze machen, als man gicht,
und das doch nicht sei durch nutzperkait,
2385 das selb das ist ain wolgevallenchait.
wann wer die sein, die geren smaichen,
die wellent die leut nur alzeit laichen
und machen in mit valscher red freuntschaft.
die selb freuntschaft hat doch nicht chraft
2390 und ist doch ietz ain grosser sit,
das sich iederman liebet damit,
paide alt und auch junge.
ach got, solt ich die valschen zungen
aus dem nacke manigen reissen,
2395 sich müest doch etleicher fletssen,
das er die smaichenred müest lan.
ich sich manigen vor mir stan,
der mir guetz under die äugen sait
und doch dapei ain valsches herze trait
2400 gen mir, wo er mag und chan.
dem selben wünsch ich auch sein Ion.
ach schmaichen, was valschhait in dir ist!
du erzaigest dich, der du nicht pist,
und leugst dich selber also an.
2375 gar fehl t F. gueter fehlt B. gut F. mit WS. 2377 seuF. seyG.
V. 2378 — 2381 fehlen B. 2378 rechten warhait e. SD. rechte warhait
G. 2379 ich fehlt F. sew F. 2380 die ains süsses S. tragen FG. 2381
haben F. tragen G. 2382 die fehlfcG. V. 2384 — 2401 fehlenB. 2384
doch nicht] das nitG. 2385 selb istSGD. wolgevalchait F. wohlgevälligkait
G. wolgefellikaitl). 2386 sind F. seind S. send G. 2387 welln S. newer S.
2390 doch ietz] ytzund F. poser F. 2391 sich fehlt G. lebtG. 2392 auch
fehlt F. auch die jungen D. 2394 den WS. nackch F. nakchen S. 2395
doch] noch SD. 2296 smachen red F. 2398 guetz] gantzF. die fehlt G.
2401 lan WBSD V. 2402 — 2449 fehlen F. 2402 we's volschhait W.
6*
84
2405 dein liegen das pringet manigen man,
das er dir getraut und sait
alles, das er in dem herzen trait.
smaichen chan vil poshait mer,
si redet hin, si redet her
2410 alles auf ir nutzperchait,
wann si ist voller kunterfait.
wer chan ir poshait gar volschreiben ?
man muess ain tail lassen beleiben
von der pösen leut wegen, di si an in haben;
2415 darumb so tar man es nicht gar gesagen.
Die smaichungred die ist nicht frisch.
die selben geleicht man der Syreen visch.
die selb formet von der mitte auf sich
ains menschen pild gar minnichlich,
2420 und das doch ainer frawen pilde trait,
und underhalb, als man sait,
ist es geformet alles vischein
mit zwain swänzen, die über sich gecheret sein,
und ist doch alweg in dem mer, wie es gat,
2425 an der forchtsamisten stat,
und hat doch dapei als ein süesse stimm,
das es die marner pringt von sinn,
die des sclieffes schullen phlegen,
das si sich oft slaffen müessen legen.
2430 und wenn si dann also entslaffen sint,
so chumpt das tier an underwint
in das scheff gar taugen leich,
und tötet si dann alle geleich
2405 manigem D. 2406 getrawet B. trawet G. traut D. 2410 aus D.
nutzperichait B. 2412 ir fehlt S. verschreiben G. 2414 in] sy W. wann
vil leut han sich an si ergeben D. 2415 alles von ir posshait wegen D.
so tar] getar B. sagen WG. V. 2416—2434 fehlen B. 2416 schmaik-
chungr. W. schmaichend r. GD. 2417 selben fehlt D. dem serenen v. G.
dem sirenen v. D. 2418 selbe S. selben G. von fehlt G. die formet vor
damit aufD. 2420 das doch] auchG. das doch fehlt D. pild doch t. GD.
2421 und auch u. G. man von im s. G. 2422 als ain D. 2423 zwen G.
kert G. die umb sich kert D. 2424 doch] auch G. doch fehlt D. 2425
grewsamisten G. grusamesten D. 2426 doch] auch G„ doch fehlt D. als
fehlt GD. 2430 wann D. 2433 denn WG.
85
und trinket das pluet alles aus in.
2435 Tulius spricht: „für smaichen nim
gar ain guet erznei:
wer dir won mit smaichen pei,
da soltu chain güetichait zue haben,
wann er smaicht allzeit umb dein schaden.*
2440 Ofidius spricht in seiner schrift:
„under dem süessen honig vacht man das pös gift.
alle red, die da hat vil smaichung,
die trait darunter ain giftige zung,
aber man sol es hin wider nicht erzaigen,
2445 nur gen den pösen und den vaigen,
wann es ist ain grosse Übeltat."
Virgilius lert an ainer stat:
„es ist pesser ze wandeln an gever
mit seinen veinten, denn mit dem smaicher."
2450 Seneca spricht: „es ist mer ze fürchten die smaichung,
wann ain chlaine raissung."
Catho spricht: „wer dich lobt in deiner gagenhait,
so soltu alweg sein berait,
das du heist dein selbes richter,
2455 und gelaub nicht ainem andern mer,
dann dir selber wol ist chunt."
Seneca spricht: „der pöse freunt,
der smaicht sein freunt in valschait
und zaigt im den weg der kunterfait. "
2460 Plato spricht: „du solt dem getrauen ze chainer frist,
der dich lobt von dem, das da nicht ist,
wann also schilt er dich leicht gar
hinten nach von dem, das da nicht ist war.
2437 derG. wann und mitG. wontB. 2439 dein] den G. 2440 geschrift
GD. 2441 hinick G. 2442 vil] die GD. schmaichunge G. 2443 tret G.
under giffte zunge G. 2445 newer S. und faigen D. 2447 lert auch an G.
2448 es fehlt B. geverd B. gewär W. gefärt G. 2449 denn] wann BS.
dem fehlt S. dem] ainem G. aim D. 2450 spricht fehlt G. mer] mir F.
mer ist ze D. 2452 spricht fehlt GD. lob F. gegenhait S. 2454 den
selber G. 2455 nicht fehlt S. ainem] anS. ainsGD. maerD. 2456 danne
F. wenn G. selbs G. 2458 schmakt W. valschhait F. 2460 Katho B.
getrewn S. trewen zue G. getjawen nicht B. 2462 wenn D. 2463 von]
mit F.
86
der tarant smaicht mit den äugen ser
2465 und mit dem swanz so hecket er."
Varo spricht: „die pein trait das honig in dem snabel
und das stechent in dem zagel."
Isopus spricht: „der narr misvelt den leuten allen
mit dem, das er in wänt wol gevallen."
2470 Socrates spricht: „das gras auf der wisen deckt das ertreicli,
also deckt die hofleichait geleich
den tadel, der an dem menschen ist,
wann hübschait ist ain schöner list,
und das doch den leuten ist ane schaden,
2475 aber wer sich wolt überladen
mit übriger snöder hübschait,
das war ain zaichen der valschait."
Isopus der schreibt auch das,
das ain est ain rapp was,
2480 der het ainen chäs in dem mund.
das ersach ain fuchs an der stund.
der gedacht des in seinen sinnen,
wie das er den chäs möcht gewinnen,
und das er den rappen möcht gelaichen
2485 und lobt den rappen mit schönem smaichen
und sprach: „als schön du pist zwar
und er allem dem gefügel gar,
als vil ich sein noch ie gesehen han.
ist dein gesank also getan,
2490 als schön du sunst pist gestalt,
so hat got wol sein gewalt
mit seinem fleiz an dich gelait."
2465 und auch G. 2466 spricht fehlt G. 2467 stechung F. 2 468 Esopo
D. spricht fehlt D. 2469 mit das er S. im F. meint WB. want F. 2470
Socrates spricht fehlt B. spricht fehlt GD. gras der wisz D. 2473 poser
1. F, 2474 doch fehlt F. ane] ain F. V. 2478—2505 fehlen B. 2478
auch] uns GD. 2479 ainsten F. ainost G. 2480 ain FG. 2481 ain] der
D. an] auff GD. 2482 des] im F. im des D. 2484 raben WS. 2485
schönem] pösenF. 2486 und sprach fehl t FGD. 2487 und sprach under
F. dem fehlt FGD. sein] sy G. 2488 sein fehlt FD. noch ie fehlt S.
2490 also D pist sust S. sunst fehlt G. 2491 seinen SG.
87
und do er dem rappen das also vorsait
und do der rab horte das,
2495 das in der fuchs also lobend was,
do hueb er auf ze singen an der stund.
do viel im der chäs aus dem mund,
und do der fuchs das ersach,
do was im zue dem chäse gach,
2500 und zuckt in auf und lief sein strass
und sprach: „dein gesank hat nit mass,
ich wil den chäs für mich haben."
also gieng er hin und liez den raben
in dem gespötte da stan.
2505 also pracht der fuchs den chäs davon.
Von der weishait.
Die weishait oder die vernuftichait
nach dem, als das Tulius sait,
die ist dreierlai sach, als auch spricht Salvastus.
die erst ist die bedenknus
2510 ze bedenken die vergangen ding,
die ander sach nimpt urspring
in ir verstantnus ze besehen
und ze erchennen, was da sol geschehen
an im und was er dan ze schaffen hat,
2515 und das er erchenne das war von der valschen tat,
und das pöse von dem gueten,
und das er das recht hab in hueten.
die dritte sach der weishait,
das ist ain fürbesehenhait
2520 vor hin von der sach wegen,
und das die drei verainung gar eben
2493 r*ben S. das fehlt FSD. also das v. G. 2494 do fehlt WG. hört
S. rapp G. 2495 loben SGD. 2496 auf] an GD. 2498 und do das der f.
e. S. 2499 zu] nach F. 2504 in] mit F. 2507 das] uns W. da S. 2508
sach fehlt GD. als auch spricht] also redtGD. Salfaustius F. SalustiusD.
2509 d. e. dy istdyW. gedächtnuss GD. 251 0 vorgangen W. 2511 sach
fehlt S. sach] die GD. Ursprung S. 2513 beschehen W. 2514 er fehlt
F. denn G. 2515 und erkennen das war G. das er fehlt D. falschait F.
2516 und auch das G. 2519 furbesichtikait F. fürbesehenkait WS. 2521
förmig F.
88
besehenen mit rat und emzichait,
als das Aristotiles sait,
das der rat sei ain ewige erforschung
2525 und die da get von ainer zung
zue der andern mit fürbesehen,
ob guetes oder pöses darnach sol geschehen,
emzichait ist emzig ze sein frue und spat
in dem, was der mensch ze schaffen hat.
2530 Die fürbesichtikait die geleichet man
der amaisen, als ich vernomen hau,
wann si ist gar emzig mit irem zuetragen.
was si auf den winter sol haben,
das claubt si in dem sumer zue ainander,
2535 wann si bedenkt ains und das ander,
si bedenkt auch gar wol die vergangen zeit
und erchent den chünftigen winter, der auf ir leit.
davon claubt si den sumer in ir hol,
wes si den winter leben sol.
2540 und was si chorens ein trait,
das spalt si von ainander, als mau sait,
das es nicht wachs wider an sein stat,
und das tuet si von aim natürlichen rat.
Salomon spricht: „die weishait ist ain hocher gelt,
2545 wann si ist pesser denn aller reichtumb diser weit,
wann die weit begert nur allzeit ze reichen,
darumb mag man es der weishait nicht gel eichen."
Syrach spricht: „das choren und der wein,
die erfrewent das herze mein,
2522 und] von W. entzikaitF. 2523 als uns W. 2525 zungen WB. 2527
gutz o. pös BFS. sull G. beschehen W. 2528 embzikait F. entzig F. ze
fehlt G. 2529 dem allem waz G. das W. V. 2530—2543 fehlen B.
2530 fürsichtichaitFGD. 2532wanneF. 2534 zue] über F. 2535 fehlt
GD. 2536 fehlt F. gedenkt G. die] der G. 2537 kent GD. 2539 was
FS. daz GD. den] dem W. 2540 ein] in SG. 2541 spalt] wehalt S . 2542
wider fehlt S. nit wider wachs an G. 2543 ainer naturlicher art G. von
naturlicher art D. 2544 spricht fehlt GD. hoch WBS. hocher] gross GD.
2545 sipezzerseiF. denn] wann FSG. allew G. V. 2546. 2547 fehlenB.
2546 nu G. nun D. ze fehlt F. 2547 man fehlt GD. 2548 Syrach
spricht fehlt B. 2549 erfrewen WBS. das] die S.
2550 aber über si paide alhie
frewet mich die weishait ie und ie,
und darumb der weise chnecht,
der dient fr eileich und gerecht.
und darumb 1er in deiner jugent
2555 etleich chunst und hohe tugent
unz an deine graben liar."
und darumb spricht der weis: „nim war,
das die weishait alle chumpt von got,"
als das auch sagt der zwelfpot.
2560 David spricht: „an dem anevang des potes,
das ist die vorcht des starchen gotes.
die selb weishait dein engel loben mues."
Seneca spricht: „hiet ich den ainen fues
in meinem jüngsten grab,
2565 dannoch wolt ich nimmer ab
lassen von der lerung,
wann lernen macht uns ordenung."
Tolomeus spricht: „du solt nach weishait alzeit werben,
wann wer da weis ist, der mag nimmer sterben,
2570 noch chain armuet auf im haben,
als das alle maister sagen."
Priscianus spricht : „das herz des weisen man
und des starchen, die sein paid geleich getan."
Aristotiles spricht: „der weis der mag widersten
2575 dem gueten und dem pösen, was in an wil gen.
die weishait hat ze allen dingen fueg."
also spricht Socrates der maister clueg:
2550 sew F. paide alle h. G. 2552 darumb des der F. weis W. 2553
frewleich F. frölich u. [auch G.] recht GD. 2554 und fehlt B. lern GD.
25 55 uod auch h. G. 2556 die untz an D. deinWSG. die F. grabe WBS.
grab GD. 2557 fehlt B. 2558 die weizhait kumbt von got zwar B.
2559 fehlt B. sagt fehlt F. 2560 anfankF. 2562 fehlt B. dem engel
WFG. der S. leben F. 2563 het WG. ich in einen S. ich meinen WBGD.
Aus F. 2564 jungisten S. 2566 lernung BGD. 2567 lernung m. GD.
Ordnung BSGD. ornungF. 2568 Tolomeus spricht fehlt B. spricht fehlt
D. alzeit fehltD. 2372 spricht fehl t D. des] am G. eynsD. 2573 seind
F. 2574 Aristotiles spricht fehlt B. spricht f ehlt D. A. der spricht S.
weis mag SGD. 2575 dem pösen und guoten D. an in w. F. in will an
g. GD. 2576 allem ding F.
90
„die chunst verpirgt sich in das herz
dem weisen man an allen smerz,
2680 und nicht in die püecher noch priefe prait."
Aristotiles spricht: „der weise trait
sein waffen wider iederman
nur mit seinen gedenken schon.
der hat wol ain närrischen muet,
2585 der do gelaubt, das gelück geb übel und guet,
wann alles guet geit die weishait."
als das der maister von den hohen sinnen sait:
„das ist der slüssel der rechten sicherhait,
das ainer vor bedenk, was er sait,
2590 wann das kurz bedenken
macht dem menschen vil irrung und wenken."
maister Alexander der weise man
spricht: „die nacht die machte man,
das ain mensch bedenk gar wol,
2595 was er den tag tuen sol."
Seneca spricht: „es ist gar ain leichtes ding
ze understen ain sach gar ring,
wenn es ist an dem anevang,
wider es sei an dem ausgang."
2600 das decret tuet uns sagen :
„wer zum ersten ain pösen anfang wil haben,
da wirt das ende nimmer guet,
wann es zickt ie in sein alte stuet."
Marsianus spricht: „wann das chraut ist mar,
2605 so grabt rnans aus an alle müe gar,
aber wenn es vast zäch ist,
so grabt mans nicht aus in churzer frist."
2578 die eh. die WS. 2579 alle S. 2580 noch] und GD. berait S. 2581
weist trait B. weise der tr. FS. 2582 wider manB. 2583 seinem F. 2584
ainen B. 2585 das das SD. 2587 das fehlt G. den fehlt BG. 2589
bedenkt F. gedenkt S. 2590 wanne F. 2591 den G. 2593 fehlt S. macht
machet G. 2594 bedenkt W. gedenk F. 2596 Hechtes F. lichtz D. 2597
ze fehlt B. 2598 wann F. anfanck F. 2599 weder G. 2600 t. auch u.
G. 2601 zum ersten] ze lesten F. zu lesen WBS. anfanck F. anefankg S.
ersten wil ainen p. a. h. G. 2603 zieht S. zucket in F. zuckt in sein
G. seinen alten S. alteu W. 2605 grebt FGJ). 2606 wanne F. zach F.
2607 grebt JG. nit B. churzer] kainer GD.
91
Salomon spricht : „tue alle sach mit rat
und tail dich nimmer davon frue noch spat,"
2610 Pitagoras spricht, es sei chain rat trewär
und der do nimmer hab gevär,
wann der, den man geit an der stat
in ainem scheff, das da sorgsamleichen gat.
Socrates spricht: „die chtnist ist neidig gar leis,
2615 aber si macht doch den menschen weis."
Juvenalis der maister spricht :
„erzaig deinen willen nimmer nicht
zue dem, da du rat von forschen wil,
wann er rat alweg auf dein zil.
2620 wann das merer tail ist also gestelt,
das man geren rat, das den leuten wol gefeit,
und das, das er geren von im höret,
wann das man im den muet zerstöret,
und darumb weren als vil wüetreich,
2625 das in iederman rat geleich
nicht anders, wan das in wol gefeit.
die selben rat sein abgescheit,
da man die weishait hat erchoren."
Saiomon spricht: „die weishait und die 1er versmähen
die toren."
2630 Seneca spricht: „wenn das du rat wild nemen,
so lass dir das alweg gezemen,
das du wartest auf sein gestalt
und wie er sich selber halt."
Proverbiorum : „ir habt versmacht allen mein rat
2635 und habt mein straff versauinpt frue und spat,
2608 mit] nach WBSGD. 2609 der von S. noch] weder B. und SGD.
2610 es ist BSG. tewer S. 2611 hab nimmer B. nindert S. minder G. do
hab minder g. D. 2612 wann den man B. 2613 das da] so das D. sorg-
samlich SGD. 2614 spricht fehlt D. 2615 m. gar w. FD. 2616 fehlt
B. 2618 von fehlt F. an B. 2619 redt WB. 2620 merrer WF. 2621
raut den lütten daz in wol G. 2622 hört BFS. 2623 das gemuet G. zer-
stört BS. zestortF. 2624 und fehlt B. werden B. werdentG. wem es WS.
2625 im F. 2626 wan] dann BD. denn WG. das fehlt GD. im WBFSD.
V. 2628. 2629 fehlen B. 2628 do man hat die w. e. F. 2629 Salomon
spricht] wann D. die toren] den zorn D. und 1er F. 2630 wann G. 2634
versmächt B. versmäht S. alle mein G. 2635 habt fehlt D.
92
darumb wird icli ain spot aus eu machen,
und an ewerm undergank wird ich eur lachen."
Alexander auch gesprochen hat:
„alle sach bevestent man mit rat."
2640 Aristotiles spricht: „die mässichait
hat mir gemacht cheuschhait
und lernung macht mich sinne reich."
aber so spricht er des geleich :
„durch den geraten rat
2645 sol der mensch frue und spat
alzeit ain emzikait inn haben
und in dem rat trag ze sagen."
Braschus, der hoch maister sait:
„chain diug mag geweren wider die emzikait."
2650 auch welcher herr seinen rat
an zwen schälke lat,
ist der herr danue selb dapei,
so seind der schälke pilleich drei.
Isiderus der sait in seiner schrift:
2655 „das fliessent wasser trait chain gift."
Plato spricht: „die weishait an emzikait
das ist nahen ain verlorne arbait.
wider den getrewen rechten rat
seind drei sach frue und spat:
2660 das ist die gäch, der zorn und übrig begirung,
die dreu die machen gros unainung."
Von der weishait so liset man,
2636 wurd F. würd S. aus ew ain spot m. BSG. 2637 und ewer an under-
ganchk wurd 1 F. wurd S. ewer GS. eur fehlt D. 2639 bevestet F. be-
festnet G. 2640 spricht fehlt B 2641 kankhait S. kunschait G. 2642
sinnen W. 2643 fehl t B. so fehlt S. des] das S. 2644 geratten FS.
2646 empzikchait B. empsigkait G. entzikaitFS. inn] im F. inne S. darinn
ze haben D. 2647 im den B. ze] zu F. 2648 Brachsus W. Brastus FG.
2649 weren F. geleben G. 2752 danne fehlt BG. 2653 sein B sind F.
V. 2654. 2655 fehlen D. 2654der f ehl tB, geschriftF. 2655 fliessunt
F. 2656 Plato spricht fehlt B. entzikaitS. 2657 nacbentFGD. verloren
B. verlornew G. 2658 truwen D. gerechten F. 2659 sein F. 2660 und
di ü. wegirung W. begerung GD. 2661 drey W. dro S. di fehlt FSGD.
V. 2662—2685 fehlen S. V. 2662 — 2705 fehlenB. 2662 so fehlt
FG. list man das F.
93
das ain jungling zu Socrates cham
und fragt den maister, ob er solt
2665 ain weib nemen, oder ob er wolt,
daz er solt beleiben an ain weib
und nicht bechümern solt sein leib.
do wolt im Socrates, als man gicht,
raten noch verpieten nicht
2670 und sprach: „nimst du ain weib dir,
so gewinnest du grozzer sorge zwier
und muest ain claftige zunge haben
und stäten chrieg, das wil ich dir sagen.
auch waistu nicht, wes die chind sein,
2675 dann als man dir sagt, lieber junger mein :
nimpstu aber chain weib in der geschieht,
so chumpt chain frucht von deinem leib nicht
und muest der chinder auch enperen,
und dein pluet wirt auch verreren.
2680 so wirt dein guet anch frömden leuten.
das chan ich dir alles vorhin bedeuten."
und darumb so spricht der maister das,
das das ain grozze weishait was
an Socrates weiser 1er,
2685 das er wolt raten hin noch her.
Von der weishait so list man das,
das ze Rom ain chaiser was,
der da ains tags durch churzweil rait
durch ainen wald, der was prait.
2690 da vand er aines philosophus haus,
do hies im der chaiser rueffen heraus,
do gab er im chain antwurt an der stund
und ruef't im der chaiser mit sein selbes mund,
2666 daz er fehlt F. 2668 im fehlt F. 2670 sprach fehlt GD. 2671
zwier] wir G. 2672 chlaiftige W. kläffigen zungen G. 2673 und auch
statten G. 2676 der] disser G. 2678 auch der eh. F. kind G. 2681 hin
fehlt GD. 2682 so fehlt FGD. 2683 nur ein das G, 2684 weise W.
ain weise 1. GD. 2685 r. noch hin n. h. G. 2686 so fehlt G. 2687 dnz
datzR. waz a. eh. w. G. 2688 ain F. 2689 ain S. 2690 fehlt G. ain W.
2691 lies W. 2693 und] also S. seins W. rieffet D. seinem m. GD.
94
dem gab er auch chain antwurt nicht.
2695 und do der chaiser horte die geschieht,
do rait er selber zue im
und fragt in, was er tat darinn?
do sprach der hoch maister wert:
„ich han ietzund weishait gelert."
2700 do sprach der chaiser gar tugentlich :
„lieber maister, so 1er auch mich
etleich weishait, wan ich ir gar wol bedarf,
wann man stellet nach meinem leben scharf."
do nam der maister pirmint und tintenvas
2705 und schraib mit seiner veder das:
„das das du tuen wilt,
da schau was dir darnach sei gezilt,
oder was dir chomen müg darnach."
und do der chaiser die geschrift ersach,
2710 do nam er si und rait gen Rom,
und hies die geschrift machen schon
in seinem palas an alle porten,
das man es mocht lesen an allen orten,
die selbe geschrift stuend also etleich zeit.
2715 do gewunnen die lantherren ainen neit
gen dem chaiser, wann er war in ze swer,
und verhiesen ainem partscherrer
gar groz gelt, das er solt
den chaiser töten, wenn er wolt
2720 dem chaiser den part scheren ab,
so solt im dann der selbe chnab
den drussel also sneiden hin.
2694 antwort F. 2695 höret WF. hört S. höret G. 2697 in fehlt GD.
tetSD. 2699yetzSGD. ain wenig w. GD. 2701 so fehlt F. auch fehlt
WS. 2702 wan ich ir gar] der ich G. dieichD. 2704 pirmeyd F. pierment
S. pirmint und] ain GD. 2705 schrib D. veder] werden F. federn D. 2706
der maister spricht dasB. V. 2709 — 2 759 fehlen B. 2709 schriffc WS.
sachFGD. 2711 schriftWS. 2712 sein W. pallast FGD. allenFGD. 2713
fehlt G. an] in S. 2714 schriftWS. also fehlt F. 2 7 1 5 lantherren] leut
S. lantzherren G. 2716 werG. imW. 2717 partscherer SG. 2719 totten
wanne F. 2720 fehlt G. den] sein F. 2721 so] do F. soi WS. selbig GD.
denn WG. 2722 treussel G. ab hin F. hin] ab GD.
95
also gieng der partscherrer inn
zue dem chaiser und wolt also tuen das,
2725 das da mit im geschaffen was.
und do er sach an die porten
die übergeschrift an allen orten:
„tue das, das du wil
und schau was dir darnach chom an dem zil,
2730 oder was dir chomen müg darnach,"
und do der scherrer die geschrift ersach,
do erschrack er für sich des
und gedacht im, der chaiser west es,
das mit im was angelait,
2735 das war dem chaiser leicht alles gesait,
und von den selben sachen
het er die geschrift also haissen machen.
do gieng der partscherrer alzehant,
da er den chaiser sitzend vant.
2740 dem viel er für sich dar ze fues
und sprach: „mein herr, ich sten in ewer pues,
wanne ich peger genad an eu."
und offnot für sich alle deu,
was mit im angeleget war.
2745 und do der chaiser erhört die mär,
do west er gar nicht umb die verraterschaft,
do hiez er machen gar ain grosse Wirtschaft
und sant nach allen lantherren,
die gemacht hetten den werren
2750 und die verratenschaft hetten angelait.
2723 fehlt G. partscherer hin S. 2724 und kam zue GD. 2725 da]
das SD. das das also G. im also g. D. geschafft GD. 2726 die] den GD.
2727 Überschrift S. 2728 wiltGD. 2729 chöm S. kum G. den S. darnach
sei gezilt D. 2730 kumen G. mug] wer S. 2731 und fehlt SGD. part-
scherer GD. schrift WS. 2732 erschrackt F. 2733 daucht G. 2734 das
das GD. im an wer gelait W. 2735 villicht G. 2736 selben fehlt G.
2737 haissen fehlt S. lassen G. hiet W. schrift WS. 2739 sitzen WS.
2740 da für sich ze G. dar fehlt S. 2741 sten fehlt G. ich bekenn
puosse D. 2743 öffnet FG. 2744 w. m. im was angelegt war F. 2 745
fehlt S. und fehlt G. 2747 und hiess machen GD. gar fehlt D. 2748
herren S. lantzherren G. 2750 die die da die WS.
96
die selben tot er all gerait,
und vergab dem partscherrer sein schuld,
also das er gewan sein huld.
darnach sant der chaiser pald
2755 nach dem maister in dem wald,
der im die geschrift het geben,
der muest fürbas pei im beleiben eben,
wann er tet im gar gross er alzeit,
als uns das puech ain urchunt geit.
Von der torhait.
2760 Die torhait ist ain widerwärtichait
der weishait nach dein, als das sait
Plato der maister ziere.
auch ist torhait manigerlai maniere:
als stätlich torhait ane underwint
2765 und als die, die da offen narren sint.
und etleich torhait ist von wein
und etleich, als die ze Zeiten torocht sein,
als wenne ist der man smai oder prait.
es ist auch etlich torhait von inmuetichait
2770 als den, den das gemüete mangelt.
die torhait wirt manigerlai gehandelt.
es ist etleich torhait frue, etleich spat,
und ist auch torhait, der wenig sinne hat.
die torhait chumpt von fünferlai sach :
27 75 die erste ist an der sprach,
das ainer nicht redt, noch bedenkt, was er tuet,
nur das er alzeit volget seinem muet,
es sei chrump oder siecht,
und nicht an sieht chainerlai recht.
2751perait FGD. 2753 sein fehlt GD. 2755 "in den w. G. 2756 im
hett d. G. schrift W. 2757 in. pei im f. G. 2758 wan] und GD. tet im
gr. GD. gar fehlt FD. 2759 ain fehlt G. 2761 als das] da G. 2764
stätiglich GD. 2765 als] das S. als fehlt F. 2766 und als e. G. 2767
etleich fehltG. als fehlt B. torefcWG. toreht F. törhaftig S. 2768 wenn
ist dem man W. w. d. man ist F. 2770 den den] denn dem G. 2772 früe
fehlt GD. etleiche ist spat F. 2773 und es F. auch ein t. D. der] die FD.
sinne fehlt GD. 2776 red WB. 2779 und auch nicht G.
97
2780 die ander torhait ist, als man spricht,
das ainer ain ding nicht für besieht
in seiner sach, was er tuet,
ob im davon widervaren mug übel oder guet.
die dritte torhait ist eilung ze vil,
2785 als der chain rat, in seinen sachen nemen wil.
die vierde torhait zimpt nicht wol,
als das ainer scheucht ain ding, das er tuen sol.
das ist von übriger grosser lasshait.
das selb haist man faule traghait,
2790 als wenn man an hebt vil ze machen,
und doch nicht nach volgt seinen sachen.
der ist auch ain tor, wa der hin get,
der do tuet das, das do übel stet.
Man geleicht die torhait und den toren
2795 dem wilden ochsen, dem tuet gar zoren,
wenn er roteu ding an sieht,
als die natur das von im gicht.
und wenn in die Jäger vahen wellen,
so claident si sich mit allen iren gesellen
2800 in rot gewant und gent dann drat,
da der wilde ochs sein wonung hat.
so hat der ochs zu der röte solich begir,
das er die Jäger wil durch stozzen schier.
so bedenkt er nicht und laufet dar
2805 auf die Jäger, die fliehen gar
etwa hinder ainen starken paum.
so wil der ochs ir nemen gaum,
wann er maint die Jäger durch poren
2.7.80 fehlt. B. torhait fehlt GD. als] daz GD. 2781 fürsieht D, .2783
d.arvon übel faren mug o.G. mag BS. 2784. 2785 fehlen S..2784 eilen
F. 2785 also BG. 2786 vierde] dritte S. 2787 als da aller ding scheucht
daz G. 2789 fawl .trakhai.fi WBS. m. die fultrackait G. 2.790 man] ainer
D. — an heffetF. 2792 der] das G. auch fehlt G. 2793 tuot daz da ü.
an st. G. 2794-2815 fehlenB. 2794 den] die GD. 2795 gar fehlt G.'
2796 rot F. rotten GD. 2.797 das. fehl t FGD. 2799 all irn S. 2800 dann
fehlt S. 2802 rot ain s, F. solch S. 2803 stozzen wil seh. WSG. 2804
laufft denn d. G. 2806 etwo F. 2807 wil ir der o. S. ir f e h 1 1 FG. geraum S.
Zingerle, Vintler. 7
98
und stosst so neidikleichen mit den hören
2810 in den paum, das er besteckt so vast
mit den seinen hören als ain ast,
das er si nicht mag heraus gewinnen.
also mag er den Jägern nicht entrinnen,
wann si töten seu an alle müe,
2815 es sein wild ochsen oder chüe.
„Red nicht mit dem narren," als Salomon gicht,
„wann im gevallent deine wort nicht,
ist das du im nicht sagest drat
das, das er in seinem sinne hat,
2820 oder red mit dem, der da slaff,
und schau, was da helf dein straff.
also giltet es geleich als vil,
was man mit dem narren reden wil
von chunst oder von weishait,
2825 wann es ist im von natur lait.
auch wenn der narr an der Strassen get,
so wänt er, wer an dem wege stet,
das si all narren sein als er."
darumb so spricht er: „der
2830 narr ist gar laut mit seinem lachen,
aber der weis chan sein gelächter sittleich machen."
Salomon spricht: „es ist pezzer ze begegen
der pirin auf den wegen,
wann si ir weif hat verloren,
2835 wann dem narren, wenn der bedenkt sein zoren."
proverbiorum : „o ir clainen, wie lang weit ir varen
der chinthait under siben jaren?
2809 so] sy S. neitleich W. nydeklich G. dem F. 2810 steckt G. 2811
dem ainem h. F. nast W. den fehlt GD. 2812 si sich FWS. n. her auss
kan g. GD. 2814 seu] in W. so toten si in den an S. so totten si in G.
2815 sein] sey SD. oschen G. 2dl 6 spricht WSG. 2817 deine] die F.
seinew G. 2825 ist fehlt G. 2826 an] auf WB. 2827 fehlt S. 2829
so fehlt S. er fehlt WFSGD. 2830 der narr B. 2831 wol s. m. B. gar
s. m. F. 2833 pierin F. perin B. den peren GD. dem wege G. 2834 welffen
D. hand GD. 2535 wenn der] so er GD. der] er F. 2836 proverbiorum
fehlt B. chlain W. 2837 under den F.
99
die toren begeren ze aller frist
nur das, das in schedleich ist."
2840 das decret sagt auch dapei,
das der wort der narren gar vil sei
und die unweisen hassen die chunst.
Ach lieber got, nu gib mir gunst,
das all mein tuen dir sei ain lob.
2845 wie gar mir doch mein sin ist grob,
so waiss ich doch wol von natur,
das ich pin dein arme figur,
die du tewer erarnet hast.
ich waiss wol, das du niemant last
2850 der, die dich recht an rueffunt sind.
du pist doch vater und wir deine chind.
wie möchtestu vater das getuen,
das du woltest deinen sun
lassen also verderben
2855 und ewikleichen sterben?
als dein gerech tikait das wil,
so ist deiner parmherzikait so vil,
das du uns last verderben nicht,
als das der prophet gicht,
2860 das deine parmherzichait
erfüll die himel und die erde prait.
also zaig auch dein parmung mir,
das du erfüllest mein begir,
so das ich tue von sunden eher.
2865 ich wais doch wol, das du pist der,
da ich hilf an suechen sol.
2838 toren dy b. WG. zue aller zitfc und zue aller fr. G. 2839 ein das
FS. in daGD. schedleich ist fehlt F. 2841 der] die FWBSGD. V. 2843
— 2931 fehlen B. 2844 als W. alles SGD. sei dir SG. ain] ze F. 2845
mir] nun GD. 2847 creatur G. 2848 ernerrest h. F. erarnesth. S. erarnot
G. 2850 der] dew F. der fehlt WSG. an raffend W. 2851 deine] di W.
doch fehlt F. doch der D. 2854 lan WS. 2855 ewigklich G. 2858 ver-
derben laussestn.G. si uns v. lasset n.D. 2859 das] denn G. spricht SGD.
2861 den W. erden W. 2862 erzaigD. z. mir auchG. mir] iner G. 2863
gir WS. 2864 also D. tue fehlt F. 2866 suchen] raffen S.
7»
LpfC.
100
das tue du, lieber herr, so wol
und hilf mir, wann des ist zeit,
das der teufel seinen streit
2870 an mir nicht gewinne,
wann mir laider meine sinne
ze chrank sein, im ze widersten.
davon so soltu, herre, gen
für mich mit deinem schilde,
2875 wann dich doch nie bevilde,
was du soltest tuen durch mich,
und dich auch nie bevilt der stich,
die du durch mich gelitten hast,
do du an dem chreutzes last
2880 littest vil grosse marter.
wer ist mir also zarter,
der also grosse trewe hab?
noch geistu, herr, ain grösser gab
uns vil armen kinden:
2885 wenn das wir uns gesinden
zue den Sünden und den sein berait,
so ist dein parmherzikait
für sich da und ueret mich,
also das du nicht tuest dein gerich
2890 an mir, als ich verdienet het.
das machet, herr, dein gepet,
das du deim vatter tuest für mich.
du sprichst: „nim mich und zal mich für dich
für all dein sünde gros oder ciain."
2867 das] des FSG. tue fehlt SG. 2868 mir lieber her itzund, des ist z.
F. denn es G. 2869 des teuffels sinne str. G. nicht sein S. 2871 mein
klain s. G. 2872 sein wider ze sten GD. 2873 so fehlt F. 2875 fehlt
G. dich] ich F. wann herre du bist so mute D. 2876 du tun soltest d.
WSG. durch] für GD. 2877 wanne dich bevilte nie der st. F. gefilt G.
nit D. 2878 du fehlt S. 2879 do] das WS. dem] des WSGD. 2880
ledest F. gelitten hast WSGD. grosse fehlt WS. grosser G. 2881 mir]
nu WSG. also fehlt F. 2883 herre grossew G. 2887 so ist parmherzikait
dein genaigt F. 2888 da fehlt G. narret F. 2889 gericht GD. 2892 du
tust deinen vatter für S. deim] dem F. 2894 f. dein sünd alle gros WS.
für die sünd gross vnd D. für die sünder gross und auch kl, G.
101
2895 wa ward chain trewe ie so rain,
die du, vatter, zu deinem kinde hast getragen?
wer inöcht dein wunder gar volsagen?
niemant, herre, nur wem du
dein hailigen gaist woltest senden zue.
2900 der selb möcht wol die wunder dein
ze Hechte pringen, herre mein,
aber sunst war alle chunst enwicht.
und hiet ich aller der geticht,
die alle maister vor mir ie geheten,
2905 und war ich halt auf den süessen perg getreten,
der Elicon mit namen haist,
und da die götter allermaist
ir allerhöchstes geticht vinden :
dannoch war ich pei den plinden
2910 mit meiner kranken fantasei.
davon ich, herre, an dich schrei,
wann du hilfst doch allermaist,
ich main dich vater, sun, hailiger gaist.
Man list uns von der torhait,
2915 das Alexander ains tages rait
durch Macedonia, ich wais durch wes,
und mit im her Aristotiles.
do giengen vor sein viel fueschnecht,
als das noch ist- der fürsten recht.
2920 die triben die leut von dem weg, gross und ciain.
uu saz ain narr auf ainem stain,
der lag in dem wege mitte,
der narr ruert sich nicht nach seinem sitte.
2895 wo] da G. ie] nie GD. chain] dein F. so] also S. 2896 v. haust zue
d. k. g. G. 2897 so gar F. vol fehlt GD. 2898 herr newr du S. herr
wenn du G. 2899 den W. 2901 macht G. 2902 sust S. aber alle kunst
wer sunst entw. GD. 2903 ich] er D. ich fehlt FG. aller] aber G. der
fehlt S. 2904 vor mir ie] von inG. mir fehlt D. hetten GD. 2905 und
fehlt S. 2907 da fehlt F. und auch da G. 2909 dennoch S. dennocht D,
2912 hilft W. helffest G. 2913 man S. sun und h. SGD. 2914 uns] auch
S. uns auch mer v. G. 2918 do] und F. sein] in G. frischer chnechtFGD.
frisch kn. S. 2922 mitten F. en mitten GD. 2923 nach sitten F. n seinen
sitten GD.
102
do gierig der fueschnecht ainer dar
2926 und wolt den narren pei dem har
von dem stain geworfen haben.
do sprach Aristotiles zue dem knaben :
„nicht treib den stain von dem stain !"
wann es erchante wol der rain,
2930 das er ain rechter natürlicher narr was;
und also ritten si fürbas.
Von der gerechtikait.
Die gerechtikait, die ist also, •
als das beschreibt Andronico,
und ist ze verantwurten gemainikleich
2935 allen menschen arm und und reich,
der das recht zue im spricht,
als das sand Thomas gicht:
„dreu ding bedarf der mensch wol,
der das recht füeren sol.
2940 das erst, das er den gewalt hab
ze richten, was das recht sag,
das ander, das er sich gar wol sol pflichten,
das er wisse, was er sol richten.
die dritte sach sol sein, das er
2945 richte nach der rechten 1er.
Man mag geleichen pilleich zwar
die gerechtikait fürwar
dem chünig der edlen pein.
der selb ordent alweg die sein
2950 an ain iegleich gerechtikait,
als die natur von im sait.
etleich pein die ordent er,
das sie fliegen hin und her,
etleich, das si von pluemen das honig machen,
2924 frisch kriecht S. frische kn. GD. 2928 dem fehlt F. 2930 esW.
2931 seu F. 2933 als denn schribt A. G. 2934 u. das ist WBSGD. ge-
mainleich BS. v. all gemainl.ch G. 2935 armen BF. 2941 rechten WBSGD.
2942 gar fehlt G. 2943 schul F. V. 2946- 2979 fe hl en B. 2949
selb der ordnet GD. 2950 igleichFS. 2951 als daz dieW. in W. im auch
s.G. 2953 si fehlt F. 2954 si fehlt S. seu F. von den pl.Fdas fehl tSD.
103
2955 etleich die den chünig bewachen
und den chünig älzeit belaiten,
etleich müessen arbaiten,
das si das honigzelt formieren
in den peinvassen und schon zieren.
2960 etleich ordinieret er mit dem rechten,
das si mit den frömden pein müessen vechten.
wann von uatur so chriegen sie,
wann aine nimpt der andern ie
das honig oft mit gewalt.
2965 es ist auch chain pein als wol gestalt,
die vor dem chünig aus dem peinvas ger,
und ain iegleich pein erpeut dem chünig er,
und ob dann der chünig alt wirt,
das im die flügel ab swirt,
2970 so sein für sich da alle pein
und tragen im dann alle ein,
und lassen im nimmer chain mangel.
ain iegleich pein hat hinden ain angel,
wann der chünig hat chain angel nicht,
2975 als die natur von im gicht.
und etleich chünig vercheren ir varbe
in swarz und rot begarbe
und sein ain guet tail grösser,
wan die andern angefär.
2980 Salomon der weis, der gicht:
„du solt nimmer begeren nicht
sein ain grosser richter,
ob du nicht macht wol bewär
das recht volpringen, als das ist gezilt,
2955 dem kunig allzeit w. D. die mussent allzitt dem kung wachen G.
2956 behutten F. 2957 ettlich die m. G. 2958 zelthonigF. 2959 fehlt
S. und auch seh G. 2960 ordnet G. den S. 2961 sew F. 2962 so fehlt
FGD. 2965 chain] ettlich G. 2967 ain fehl t G. igleich S. pein die e.
FS. enpeut G. 2970 sind F. da fehlt S. 2972 im denn n. GD. 2973
igleich S. hindan G. 2974 hat hinden chain F. angel fehlt S. 2976 und
auch G. becheren WG. bekerent D. 2977 in rot und swarz S. und auch
r. G. 2979 denn G. vngefer D. 2980 weis g. F 2982 ze sein GD. rich-
teren WS. richtere G. 2983 nicht wol m. F. wol fehlt D. beweren WS.
bewäre G. 2984 r. ze volfiiren WBSGD. zilt G.
104
2985 oder ob du das recht nicht tuen wilt."
Ermes spricht: „da solt niemant pezzern ze vil,
du gebst im danne vor ain zil
auch auf sein beredung. "
davon so spricht er darumb :
2990 „du solt das recht nicht lang verziechen,
darumb das es icht werd ze schieche,
, oder das es darumb underge. "
Aristotiles spricht noch ino :
„es ist gar chnechtleichen getan,
2995 wenn der herr beswärt ain armen man."
Seneca spricht: ,.der im selben gepieten mag,
der mag aim andern gepieten an alle lag."
Tulius spricht: „die gerechtikait ist so mugent,
das si ist ain frau und mueter aller tugent,
3000 wann an sei mag chain ding weren."
das decret tuet uns auch leren,
das fünf ding prechen die gerechtikait,
das erst ist lieb, als er sait,
die ander haz, die dritte gab,
3005 die vierde vorcht, die fünfte pet oder gnad.
Socrates spricht: „die tugent sol sich hüeten wol,
das si nicht gesellschaft haben sol
mit dem, der nicht tugent hat.
wann das pös wirt gesetzt an aller stat."
3010 in dem puech, das do haist prueder Gilio,
da vindt man inn geschriben also:
„die gerechtikait verdirbt in dem wüetreich
und regnieret in dem chünig reich
in fünferlai sach zwar.
3015 die erste sache die ist war,
2986 niemant besweren nicht oder ze G. 2989 fehlt B. so fehlt WSG.
darinn WS. 2991 nicht werde W. schiechen G. werd geschihen D. 2994
chnechtleich WBS. 2995 wanne F. wann B. 2996 spricht fehlt B. wer
im selb erp. G. 2997 pitten G. pieten D. alle fehlt GD. gep. alle tagF.
andern fehlt GD. 2998 Tulius spricht fehlt BD. 2999 und ain G. 3000
wan] und BSG. si WBGD. 3002 prechentF. 3004 das a. B. haz] haist G.
3006 Socrates spricht fehlt BD. 3010 da fehlt F. haisset Gibo GD.
Gillo B. 3011 da] und F. in F. inne S. 3013 kunigreich BSG. 3015 sach
ist FS.
105
das die tyrannen haben lieb ir aigen guettat,
so hat der chünig lieb das gemain guet an aller stat.
die ander sache, die ist die,
das der wüetreich lieb hat hie
3020 wollust nach seines herzen ger,
so hat der chünig nur lieb sein er.
die dritt sach ist, das der tyran
hat alweg lieb die frömden man,
so hat der chünig alzeit lieb sein purgär,
3025 wann die frömden seind im unmär.
die vierde sache das ist das,
das der wüetreich hat alweg ain has
und das er vertreibt die gueten ze aller zeit
und gen den weisen hat er alweg widerstreit,
3030 aber der chünig der begert,
das er auf enthalt, die da weit
sein, weis und darzue guet,
und die pösen er all vertreiben tuet.
die fünfte sach die ist also,
3035 das der tyran hat alweg jubilo,
wenn sein purger haben müe und armuet,
aber der chünig hat lieb alles, das do recht tuet,
und alles, das der wüetreich lieb hat,
das versmächt der chünig an aller stat."
3040 Plato geit uns des ain 1er:
„du solt nimmer haben die beger,
rat ze geben chainem man,
der gewalt über dich mag gehan;
wann ob im der rat nicht wil frumen,
3045 so wolt er sein leicht an dir zue chumen."
3017 eh. das guet lieb an GD. 3018 sach ist S. sach das ist F. 3019
die ist] das ist G. 3022 ist fehlt WBSG. 3026 das erste fehlt F.
3027 der wüetreich] er G. der D. albeg hat FS. 3028 vertreib W. die
gueten vertreib D. 3029 er fehlt F. allzeit D. 3030 das zweite der
fehlt S. 3034 sach ist F. 3035 albeg hat FSD. 3036 wann F. purger]
leut F. junger D. müe] müung BSG. chumer F. V. 3037 — 3069 f. W.
3037 do fehlt G. 3039 das] den S. 3041 die fehlt F. 3042 ze fehlt
G. geben] haben S. 3043 han SG. 3044 ob f e h 1 1 GD, nicht fehlt GD.
3045 villeicht G. .
106
Aristotiles spricht : „du solt nicht in der stat
wonen, die do vil herren hat,
und wa die narren haben mer,
wann die weisen, zuecher,
3050 und die pösen mer, wann die gueten,
da soltu nimmer hin gemueten."
Tolomeus spricht: -verfach den weisen herren nicht,
ob er ain failung zue dir spricht,
wildu grossen Ion von im han."
3055 auch spricht er: „wenn der aigen man
erhocht sich über seinen herren,
so macht er für sich dar ain werren."
Man list von der gerechtikait
der heiligen väter, als die geschrift sait,
3060 das ain ainsidel was in ainer wüest,
der selb hat lange zait gepüest.
aines tages er gar siech wart,
das er davon ercham gar hart.
des beclagt er sich gen got.
3065 do cham ain engel von gotz gepot
zue im in aines menschen gestalt
und sprach zue im: „der gottes gewalt
hat mich gesant her zue dir,
das du chumest pald mit mir.
3070 so zaig ich dir sein haimleichait
von der gotz gerechtikait."
do fuert er in zu ainem schönen haus,
da was der wirt gegangen aus.
do nam er gar vil gelt aus seinem schrein.
3046 spricht fehlt GD. anG. 3747 do fehltB. 3048 haben] halbenF.
3050 wann] denn G. 3051 fehlt GD. da soltu] du soltS. 3052 Tolomeus
spricht fehlt B. Phatolomeus GD. auch verf. B. versag S. 3053 ainfäl-
tigklich G. 3054 in F. 3055 wann S. 3056 sein F. 3057 dar fehlt F.
macht sich für sich GD. darein D. V. 3058 — 3209 fehlen B. 3058 1.
uns v. G. 3059 heilig FG. als uns SGD. schriftS. 3061 het S. 3062 gar
fehlt GD. 3063 chom F. kam GD. 3064 erklagt er GD. 3068 herr F.
3069 mit] zue GD. 3070 dein SG 3073 gangen FGD. 3074 er] der
engel GD. geltz GD. seinem] ain S. ainem G. eim D.
107
3075 der ainsidel gedacht: was mag das sein?
und do das selb also geschaeh,
do fuert er den ainsidel darnach
zue ainem andern haus hin für,
und lies das gelt vallen vor der tür.
3080 darnach fuert der engel her
den ainsidel aber raer
in ain haus, da tot er an der stet
ain tochterlein, das lag an ainem pet.
und do das der ainsidel ersach,
3085 do was im von dem engel gach,
and wolt von im geflohen sein,
wann er want, es war des teufeis schein.
do sprach der engel gar tugentleich
zue dem ainsidel gar sitticleich:
3090 „wann ich wil dich sehen lan,
ob ich recht oder unrecht hab getan,
darumb das ich in dem ersten haus
ainem sein gelt hab genomen heraus.
das tet ich darumb an der selben stet :
3095 der selb wirt het verchauft alles, das er het,
und wolt das selb gelt haben geben
ainem morder, der ainem solt nemen sein leben,
seinem veint in ainer grossen stat.
des wolt er ie nicht haben rat,
3100 er wolt im also frummen den tot.
wann sein vater laid von im die selben not.
also wolt er sich an im gerochen han.
und war das also für sich gegan,
so war die ganze stat zue gelaufen
3105 alle sampt zue ainem häufen,
und da war raanig mensch umb verdorben,
3075geseinFD. 3076 als S. selb alles da g. GD. 3078 hin fehlt WSGD.
3079 lies fehlt G. gelten S. für die S. 3082 tuetG. tötet D. er fehltS.
an fehltG. 3083 in FS. 3084 das fehltD. 3088 tugenleich WS. 3091
unrecht oder recht FSG. 3092 ersten fehlt F. in fehlt G. 3093 ainem
hab genomen sein gelt F. han GD. 3094 darumb fehlt F. 3095 daz daz
er G. 3097 nemen] haben genomen S. 3098 gar gr. F. 3100 den] sein
GD. 3102 an im fehlt W. 3103 gan 1). 3104 geloffen S.
108
und oft ain unschuldiger gestorben.
darumb han ich im die pfenning genommen.
wann do ener zue seinem haus was wider chomen,
3110 und do er seines geltes nicht enfant,
do fuer er für sich alzehant
in ain closter und dienet got.
wann er was armer worden von gotz gepot
und also wirt sein sei behalten."
3115 also sprach der engel zue dem alten.
„die andern pfenning, die ich han
vor dem andern haus gelan,
das ist darumb geschehen,
als du mir selber wirst verjehen,
3120 das ich recht han getan.
wann es was dem selbigen man
verdorben alles sein guet
in ainem schefF in des meres fluet.
do het er verzagt also vast,
3125 das er sich selben wolt henken an ainen ast,
und in dem willen gieng er herfür.
do vand er das gelt vor der tür.
und do der man vand das gelt also berait,
do viel er nicht in die verzaghait.
3130 darumb das ich dann das tochterlein
han getötet, lieber prueder mein,
das tet ich darumb an der stet,
vor ee, das sei der vatter het,
do tet er alle guettat
3135 in diser weit an maniger stat,
aber als pald er das chind gewan,
do wart er aller guettat gram.
3108 im] enem F. ienem G. 3109 iener was zue s. h. komen G. wider
fehlt D. 3110 geltes fehlt F. nit erfand G. nit fand D. 3111 al fehlt
D. 3113 arm FSGD. worden fehlt F. 3114 wartW. wehalten S. 3119
selberj selbs D. auch selbs G. 3121 was fehlt F. 3122 verdorben ist
all F. 3125 selber FG. hengen W. ain F. 3126 er also h. WSGD. 3128
man das gelt fand a. G. 3129 verzagkait W. zaghait GD. 3130 dann
fehlt D. 3133 das fehlt WSG. sei] si WSG. 3136 pald do er W. ge-
wan] überkam D.
109
auch meret er mit wuecher all sein gelt
und tet alle poshait diser weit.
3140 darumb han ich getötet das tochterlein,
als das schuef mein himelischer trachtein,
und auch durch seiner poshait willen darzue,
darumb das er auch nu wider guettat tue.
und darumb sol dich nicht wundern vast
3145 umb den wetagen, den du hast.
wann war dein wetag nicht,
so wärst du nicht in gottes phlicht.
wiss auch, das got der guet
chain ding ane sache tuet.
3150 aber der mensch, der wii es nicht versten.
darumb über in got lat verhenknus gen.
wann got lat widervaren zwar
dein pösen das minder pös fürwar."
und do der engel das gesprach,
3155 do verswant der engel vor im, das er in nimmer sach.
darnach wolt der ainsidel nicht geruechen,
er wolt das also ie versuechen,
ob das wäre war also,
das im der engel het gesagt aldo,
3160 und loff hinder sich zehant.
do vand er es alles sampt,
das im der engel gesaget het,
das er ganz war het geret.
darnach füer er in sein closen zwar
3165 und püesset darinne alles, das er gar
ie het getan wider got
und pelaib alzeit f urbas in gottes ' gepot.
Von der gerechtikait hör ich sagen,
3138 er ietz mit GD. alles S. als WG. 3139 tuot G. 3140 tot D. 3141
himeliscke creatur veinF. 3142 sein WS. 3143 darumb] und G. nu fehlt
G. 3145 wettung F. 31 46 wetuflg F. 31 50 mensch wil FGD. 3051
darumb] das D. im lat got S. got über den menschen 1. GD. 3153 minder]
nimmer WS. nimder F. ■ ös fehlt S. 3155 nimmer] nicht F. 3157 also]
alles G. ie auch v. GD. 3159 het gesagt] sagtGD. doD. 3164 klosterS.
klussen GD. 3165 das er fehlt F. 3166 das er ie getan het w. FD.
3167 fürpass allzitt G. alzeit fehlt D.
HO
daz ze Rom in den tagen
3 170 was ain herr, der hies Camillus,
als uns schreibt Valerius Maximus,
das er des römischen senat ainer war.
der besaz ain stat mit grosser swär,
die selb was Palastin genant,
3175 wann die Romer heten in dar gesant.
nu was ain schuelmaister in der stat,
der die jungen chind frue und spat
solt weisen chunst unde sin.
ains tags do gieng der schuelmeister hin
3180 für die stat auf das velt,
da er vand den chaiser in seim gezelt,
und fuert mit im der purger chind gar.
des nam der chaiser eben war.
do sprach der schuelmaister zue dem römischen vogt:
3185 „herr, ich han da her gezogt
auf ewer genad, also das ir
die stat mit mir gewinnet schier."
do sprach der chaiser: „wie mag das sein?"
„herr, da han ich die chindelein,
3190 die da sein der höchsten purger.
die han ich all pracht mit mir her,
und mit den chinden so notet ir palt,
das die stat chumpt in ewer gewalt."
do sprach zue im Camillus der her :
3195 „si, du pöser verlaiter
und rechter schalle deiner wort?
wie machtu tuen ain solich mort?
die stat, die ich mit harnasch han
besezzen, da wil ich auch nicht lazzen von,
3170 was] wais S. 3171 Maximus fehlt SGI). 3172 des] der S. römisch
FSD. 3176 in] an S. 3178 und WSG. 3179 do fehlt SG. maister GD.
hin fehlt F. 3181 zeltFGD. 3182 die SD. burgers D. 3184 der Schul-
meister sprach zum D. 3185 han] pin G. 3186 als GD. 3187 mit mir
fehlt S. mit mir die st. GD. 3188 der kaisersp. GD. gesein FSGD. 3189
her da habet die chondelein F. die] hie SG. 3191 alle G. mit mir fehlt G.
3192 kindlen nöttend ir G. kindlein nötent D. 3194 herr WS. 3195 si]
sei G. sich WD. 3196 und] du F. 3197 mugest du W. magstu D. 3198
hernasch F. 3199 da] da selb G. auch fehlt GD,
IM
3200 ich wil sei auch mit harnasch gewinnen
und mit chainen trugeleichen dingen."
darnach lies er den maister vahen
und mit rueten wol durchslahen,
und schickt da maister und chind wider in die stat,
3205 das man saget dem senat
von der untreu, die der maister an im het.
do ergaben sich die purger an der stet
den Romern, do si sahen ain solch gerechtikait.
also tetten si ainander nimmer lait.
Von der ungereehtikait.
3210 Das ist der tadel der ungereehtikait
nach dem, als Magrobius sait,
das man rieht arme und reich
nur alzeit ungerechtichleich«
das haisset man aigenleich injusticia
3215 nach dem, als der maister sagt alda.
unrecht ist auch manigerlai sach.
die erst die haisset man ain räch.
wann man ungerechtikleichen nötet,
oder ainen ze unrecht tötet,
3220 das haisset mau ainen todslag.
die ander, nach des maisters sag,
als das man ainem tuet ain smachait,
das selb nennt man auch ain ungereehtikait.
die dritte sach, die ist nit guet,
3225 wann ainer dem andern mit gewalt tuet,
und das haisset man ungerechten gewalt.
die vierd sach ist gar manigfalt.
3200 hernaschF. 3201 und nifc mit kain GD. uugeleichen WSG. falschen
D. 3202 hiesD. 3203 durchhawen GD. 3204 doF. da fehlt GD. wider
fehlt FG. 2207 sich fur sich d. WS. 3209 an ainander FS. nimmer kain
l.G. 3210 der] ainFGD. 3211 als das BS. 3214 sait FD. man fehlt G.
aigenkleich F. 3215 alda] da FD. 3217 das erst D. das erst das S. erst
die] erste F. erst h. GD. 3218 wann] was alle Hs. ungerechtichleich
BFSGD. 3219 ainer der z. F. zue unrechten G. 3221 der maister F. 3222
das] da G. man tut an smaichait S. 3223 ain fehlt B. auch fehlt G.
3224 sach ist FS. 3226 man haist S. unrechten BFS.
112
das ainer den andern beschedigt ser
in allen seinen Sachen hin und her,
3230 und das selb haist man ain schaden gros.
die fünfte sach ist eren plos:
wer dem andern das sein nimpt oder stilt,
oder in valschait mit im spilt.
das selb haisset man ain deupstal.
3235 die selben habent am galgen ir wal.
das sechste, das ainer dem andern das sein nimpt
mit gewalt, was im gezimpt,
an des andern gunst und Urlaub,
und das selb haisset man ain raub.
3240 die selben die geleieht man des teufeis chnecht,
wann der selb hat nimmer chain recht,
wann alle sein verstantnus
und lust und alle sein gedenknus
ist übel ze tuen ze aller zeit
3245 seinen dienern ane widerstreit.
also hör ich von im sagen,
das ze Moden in den tagen
was ain purger hochgemuet,
der het vertan alles sein guet,
3250 darumb im oft trauret der sin.
nu het er atn gewonhait an im,
das er ie alle sampztag
cham für die stat in ain hag
zue ainer chirchen, die lag darinn,
3255 und petet da an die himelchaiserin.
das traib er etleich zeit also.
ains tages gedacht im der purger do:
„wie lang sol ich mit armuet ringen?
3228 den andern] ain G. gar ser G. ser] hin und her F 3229 fehlt F.
3230 und fehlt F. selbig B. 3232 stilt ödem. S. 3233 inj. mit S. 3234
dasselbig B. diebstal GD. 3235 für ir w. B. 3236 sechste das ist das W.
32-37 im danne g. F. 3238 gunst erlaub BW. gunst Urlaub S. erlaub D.
3239 und auchd. G. selbig B. V. 3240 — 3333 fehlen B. 3240 selben
gel. F. selben die] ungerechtigkait GD. 3242 sein] ire F. 3243 und auch,
a, D. gedanknus W. gedechtnuss GD. 3244--ze tuen] getan F. 3245 ane
streit F. 3249 al F. 3250 der] sein FGD. -3252 all WS. 3257 aldoFGD.
113
zwar ich wil iegleichem heiligen pringen
3260 ain cherzenliecht, das er helfe mir."
das ward getan also nach seiner gir.
ains tages pracht er mit im aldar
vil manige cherzen wol gevar
und gab iegleichem heiligen alda
3265 ain cherzen ze eren seiner memoria.
nu belaib im ain cherze übrig eben,
das er die chainem heiligen nie mocht geben.
do gedacht er das in seinem sin :
„wa sol ich mit der cherzen hin?"
3270 do gieng er in der chirchen hin und her,
am lesten sah er dort Lucifer.
der was gemalt gar eisleich,
mit f eurem chetten jämerleich.
do gedacht der purger in seinem muet:
3275 „weste ich, das du mir guet
möchtest geben nach meiner gir,
so wolt ich die cherzen dir
verprennen in den eren dein.
wer waiss, du macht leicht helfig sein."
3280 damit nam er die cherzen her
und steckt die hin für Lucifer,
und lies sei prinnen vor dem teufel unrain.
damit so gieng der purger haim
zue seinem weib und legt sich slaffen nider.
3285 nu was der teufel also pider,
das er wolt Ionen dem diener sein,
der im het geben das liechtlein,
und cham zue dem purger an der stet,
der lag pei seinem weib an dem pet,
3259 etleichemF. 3260 das sew helfen F. 3261 alsogeganG. also getan
D. begirWS. 3262 al fehlt S. 3263 manigF. wol gevar] dar G. 3265
in sein S. 3266 cherzen FS. übrig ain kerzlin (kerzlein D.) eben GD.
3267 dyniechainS. chainW. hailigem nie chundF. nie mocht] kund GD.
3268 des SGD. 3272 das der was S. gemalt wasD. grewleich F. engstlich
GD. 3273 mit seinen feuren S. 32 76 begirWSD. 3279 mach W. machst
S. magst D. heltig] saug F. hilflich G. hilftigD. 3280 nam fehlt F. 3281
stackt GD. 3282 sy WS. prennen S. für den G. 3283 mit fehlt F. so]
da G. so fehlt D. 3288 der] die WS. 3289 dem fehlt S.
Zingerle, Vintler, g
114
3290 und sprach: ,.^tand auf iuH gang mit mir,
wann ich wil heinacht Ionen dir
der cherzen, die du mir hast geben."
der purger het chain widerstreben,
das er gieng mit dem teufel pald
3295 in dem slaff. der fuert in in ainen wald, .
da waren inn gar manigerlai paum.
der teufel sprach: „nu nim gaum,
das du grabest morgen frue
disem paum gar nahen zue;
3300 wann da vindest du ain grossen hört."
do sprach der purger an dem wort:
„mein graben ist hie en wicht,
wann ich erchenn des paumes nicht."
do sprach der teufel an der frist:
3305 „ich 1er dich ainen gueten list,
das du den paum gar wol macht vinden :
scheiss unden zue des paumes rinden,
so vindest du in morgen dester pas."
der purger der was do nicht las
3310 und tet, als in der teufel lert.
seinem weib er den ars dar chert
und schaiss ir für ir praun gerich,
die frau di zucket hinder sich
und schrai auf mit lauter stim :
3315 „waffen! man, wo sein dein sin?
wie bescheissest du mich und dein pet!"
der man erwachet an der stet
und erschrack und was unfro
3290 ge F. V. 3291—3347 fehlen F. 3291 hinacht SD. haimlich G.
3292 gegeben GD. 3294 gieng, des in ducht, mit GD. 3296 darinn da
warend gar G. darinn do waren m. D. innen S. 3297 gaum] geraun S.
war D. 3299 nahentS. 3300 da vindest ain SG. 3301 an dem] zu disem
D. 3302 entwicht GD. 3303 kenne D. 3304 der] diserD. 3305 gueten
fehlt GD 3306 magst WD. gar fehlt GD. 3307 schiess undan G.
3308 in fehlt G. morgens S. 3309 purger was SD. nicht ze lass GD.
3311 dar fehlt WGD. 3312 schätz G. schisz D. im W. für ir] frir W.
für prawen gerach S. ir für praunaw glich G. ir in die schosz glich D.
3313 das zweite die fehlt SGD. 3314 auf fehlt D. 3317 man der
erw. GD. 3318 erschrakt S. fro D.
115
und sprach zu seinem weibe do:
3320 „frau, du solt nicht zornig sein,
mich hat betrogen des teufeis schein.
dem ich nachten geopfert han,
der hat gegeben mir sein Ion."
also hueb er auf und sait
3325 dem weib alle die gelegenhait,
die er mit dem teufel het gepflegen.
die frau di sprach: „du solt dich segen,
das dich der teufel betrieg icht mer."
do sprach der purgcr: „ich beger
3330 von got, das er mir
meine schuld vergebe schier,
wann der teufel der hat recht,
der lonet alweg also seinem chnecht."
U«ser herr Jhesus Cristus sait,
3335 das die ungerechtikait
hat ain solich maz an im,
nach dem, als ich messent pin
ainem andern mit meiner gir,
als wirt auch mir gemessen schier.
3340 Isopus der maister spricht:
„du solt chain menschen töten nicht,
wann es pringt dir weder silber noch golt."
Salomon der spricht: „du solt
über niemant richten ane sach.
3345 wer das aber tat, das war ain räch."
Salomon hat uns auch gelesen :
„von fünferlai sach erwegt sich das wesen
aller menschen in der stat,
das si niemant da beleiben lat.
3322 neohtigD. 3323 d. hat mir g. S. sein] den D. 3327 fraw sprach S.
3328 dich fehlt S. wetrug S. icht] nit S. do sprach der purger ich beger
D. 3329 das mich der teufel betrieg nicht mer D. 3332 teufel hat SGD.
3333 lonet] lenet W. hat S. seinen WS. 3334 her W. — C. der s. BGD.
3336 an] in W. 3337 messen GD. 3338 begir G. 3339 also BGD. mir
auch g. BS. auch fehlt D. 3342 wan] das G. es dir pr. B. V. 3343.
3344. 3345 fehlen BS. 3343 der fehlt GD. 3345 w. aber das t. GD.
116
3350 das erste machet grossen werren,
wann der chnecht herscht über den herren.
die ander sach ist ain snödeu weis,
wenn der narr ist ze voller speis.
die dritte, wenn die eefrau hat
3355 has zue irem man an aller stat.
die vierd, wenn der chnecht der frawen ist gehaim."
davon spricht Seneca der rain :
„die stat ist wol verfluechet,
die do ain jungen herren suechet
3360 und der den gueten nicht vergeit,
und den pösen wol ze aller zeit."
und, ob man den pösen straffet nicht,
so wurd er wirser, als man gicht.
„vier sünden sein grössleich
3365 und wider got gar swärleich.
die erst ist gar ain snödeu tat,
welcher mensch die an im hat.
was man dem unschuldigen tuet,
über den wirt schreien das pluet.
3370 die ander haisset mortprant,
die dritt ist sodomia genant.
die vierd ist got gar unmär,
wer do laicht seinen getrewen dienär."
Ach, was man sein doch ietzund pfligt,
3375 das niemant treu gen trewen wigt!
wann wer ietz den herren recht tuet,
den pringt man für sich umb sein guet;
aber wer do ist ain wüetreich,
und der do verderbet arm und reich
3380 wider got und wider recht,
der ist den herren ain lieber chnecht,
3350 erst das m. W. 3352 snöde WBS. 3354 wann BS. die fraw F.
3355 an fehlt G. 3356 wenn] wann B. so D. — ist der fr. g S. 3363
wirderweyseD. 3364 sund alle HS. 3365 gar fehlt WBSG. 3366 ist
fehlt F. snödeu] übel WBSGD. 3370 ander dy h. WS. 3371 Sodoma
SG. 3372 got fehlt F. 3373 treuen FGD. V. 3374—3400 fehlen B.
3374 wes GD. doch sein SG. 3376 ietzund F. ietzot G. 3378 wer] wa
GD. 3379 do fehlt FD. 3380 und auch w. G. 3381 ist ietz d. G.
117
und der da vil smaichenred chan,
der ist den herren ain lieber man;
und der auch nicht achtet treu noch er,
3385 dem geit der herr sicher mer,
denn er ainem frumen tat,
der do pider ist und stät;
und der nicht näm alles guet,
nur das er solt haben den muet,
3390 das er iemant betrüeben wolt,
dem selben wirt man nimmer holt,
und ist nu altfränkisch genant.
aber nu so ist ain newe hant,
die hat ietz gar vast iren lauf,
3395 unz das die vier jehen: „heb auf."
do ist es danne alles ab.
wann man in trait zue dem grab,
so volgent im seine werk nach,
si sein guet oder swach.
3400 Aristotiles spricht der maister guet,
das du nimmer chain pluet
vergiessen solt an sache nicht;
wann das alle geschrift gicht:
„und wer den andern tot in chriegen,
3405 des selben pluet wirt fliegen
in den himel für got
und wirt schreien: „hoere Sabaoth,
der chnecht wil dir sein geleich."
ach, wie gar pärmecleich
3410 die selbe stimme vor got gicht!
Salomon der weise spricht:
3382 smaicher red FGD. smaichred S. 3383 dem S. 3384 achtet fehlt
GD. noch] undG. 3385 sicher] schir S. 3387 piderb WS. und auch st. G.
3 388 nem nicht S. nam W. 3389 haben solt S. 3390 das iemant kain
b. G. 3391 selben dem w. W. 3392 der selb ist nun F. 3393 nun ist so
F. so fehlt SD. 3394 hat] ist F. yetzund F. 3395 hintz WSG. die fehlt
S. sprechen GD. 3396 do] daz WG. so D. denn WGS. 3397 in fehlt F.
ainen tregt B. 3399 gut oder pos od. sw. F. 3400 Es spricht Arist. F.
spricht fehlt GD. 3401 spricht daz GD. du] da S. 3402 ane räch F.
3403 alles die F. schrift WBS. 3404 tott F. tot fehlt GD. 3407 here
WG. 3408 sein dir WBS. 3409 parmherzichleich F.
118
„wer ain grueb dem andern macht,
der vellet selber darein unbedacht,
und wer den stain wil umbe cheren,
3415 so velt er auf in selber geren."
„von gewalt chumpt raub und deupstal
und das ist gar ain pöser val."
Seneca spricht: „wer sein guet wil meren
wider recht, das mag nicht lang weren,"
3420 Augustinus spricht: „das ist nicht gegeben ze chainer zeit,
das das man mit ainem widerwärtigen willen geit,
aber das man geit mit gueter miltikait,
das ist nicht schad, es ist ain wolgevallenchait."
in dem decret man also list,
3425 das das nicht mit recht gewunnen ist,
das mag nimmer wol aus gen,
wann an das recht mag nicht besten.
darumb spricht Longinus der maister guet:
„der der dem andern übel tuet,
3430 das selb widervert im auch ze stund,
und sieht doch nicht, wannen es im chumpt."
Proverbiorum : „ si verlazzen die rechten steg,
und durch gen die vinstern weg,
die selben frewent sich ir Übeltat,
3435 und frewent sich doch ainer pösen stat."
Proverbiorum: „die, die da gerecht sint,
die wonen in dem lant der erbchint,
und die ainfältigen sind darinne erchoren,
aber die pösen und ungüetigen werden verloren,
3440 das si nicht in das lant chomen,
wann si werden davon hin genommen."
3413 selb FD. uubedakt S. 3414 w. denn den G. 3416 unbestalF. dieb-
stall G. V. 3418— 3423 fehlen B. 3418 spricht fehlt G. 3420 geben
GD. spricht fehlt D. 3421 man geit mit S. 3422 gueter] fehlt G.
ainer D. 3423 wolgevallenhait F. wolgevällichait SG. wolgevellikeit D.
3425 mit recht nit g. G. 3427 nicht] niemant FGD. 3428 darumb] des
G. es D. 3429 niu der fehlt F. übel] unrecht GD. 3430 selb daz w.
G. auch fehlt GD. 3431 wannen] von wan S. im fehlt B. 3432 den
stegGD. 3433 den GD. 3435 auch doch a. G. 3436 Proverbiorum fehlt
F. 3437 die] und S. erbchint] ewigen eh. F. 3440 sewF. V. 3442—3496
fehlen F. 3442—3509 fehlen B.
119
Von der ungerechtikait
list man, als die schrift uns sait,
und als der altväter leben
3445 uns des urchund hat gegebei:,
das im der teufel ains tags gedacht
ain weib ze nemen, als er volpracht,
und das er chind gewann, als im das tocht,
das er denn die verheiraten mocht,
3450 und das er seine aidem dann
füerte in der helle chlam.
und also nam er seinem leib
die ungerechtikait zue ainem weib,
und gewan siben töchter an der vart.
3455 die erste tochter was hochfart,
wann die macht gar grossen werren.
die selb wart verheirat den herren.
die ander tochter was geitichait,
die wart verheirat, als man sait,
3460 den purgern in den steten.
die selben hetten umb die tochter gepeten.
die dritte tochter was falschait.
die selbe wart verheirat
allen pawern in dem lant,
3465 wann den ist alle falschait bechant.
iedoch main ich die frumen nicht,
ich main neur die valschen wicht.
da von füegt in die tochter allerpest.
ach ich wais ir vil in ainem nest,
3470 der ich nit wol getar genennen,
aber doch so sein si leicht ze erchennen
pei ir falschait, die si haben.
3442 gerechtikait D. 3443 als uns die WGD. geschrift GD. 3445 daz G.
haut D. geben WG. 3446 erdacht GD. 3447 als] das SGD. 3448 er] si
D. im deuchtS. gedöchtG. 3449 er die dann D. 3450 seinen SGD. 3451
f'uorten G. hellen G 3453 unfcrew W. untugent D. 3455 hotfart WGD.
3456 gar fehlt GD. 3457 die selb] und GD. deu selb S. den grossen h.
SG. 3461 in umb GD. 3462 istD. 3467 nu G. nur D. 3469 ach] als S.
3470 tar nennen GD. 3471 aber si sein so leicht S. so fehlt GD. sei G.
3472 sei G.
120
ach und säch ich si die raben
strälen an der sunne,
3475 allererst so hiet ich wunne,
und wenn das also war beschehen,
und das dann jederman wurd jenen :
zwar ich sich es von herzen geren,
si haben es verdient an iren herren.
3480 die in alle treue teten,
die selben si verraten heten.
davon ist pilleich, das iederman
den selben pauren sei gar gram,
wann ir muet und sinn ist valschait vol,
3485 so sein si treu und eren hol.
davon so ist notdurft dapei,
das man in geb ain valsche chrei,
wa si wären in des landes chrais,
das man si die valschen pauren hais.
3490 die viert tochter was neid und hass,
die wart verheirat fürbass
allem volk, das hantwerk treibt,
dem selben der neid pilleich beleibt.
die fünfte tochter was Ypocrisia,
3495 die selb wart verheirat da
den phaffen und den gaistleichen leuten,
als ich eu das chan beteuten.
die sechste tochter was eitel er,
die ward gegeben hin und her
3500 den frawen, als weit die weit ist,
die lazzen sich nicht verheiraten ze chainer frist.
die sibent tochter was uncheusch,
mit der so macht er ain geteusch
3473 die fehlt SGD. 3474 strällen SD. sunnen SGD. 3475 aber erst
hett GD. wunnen GD. 3476 also] nu G. nun D. geschehen SGD. 3477
das im dann S. 3479 sei G. 3483 dem s. S. gar] so W. gar fehlt GD.
3484 und ir s. G. 3485 si] sei G. auch truwen D. und aller er G. 3486
so fehlt G. nofcturftig GD. 3488varenGD. dem lande krais S. landkraiss
GD. 3491 verhaissenS. 3492 antwerkW. 3494yppocrasisG. yppocraseis
D. 3495 da mit fleiss GD. 3496 dem ph. S. und gaistl GD. 3497 daz
fehlt SG. 3498 was] die hiessG. die wasD. 3499 und auch h. G. 3501
nicht fehlt F. heiraten S. frist fehlt W. 3502 t. daz was GD.
121
und wolt si nicht verheiraten lassen,
3505 wann er lies si gen auf allen Strassen
für ain huer durch all die weit,
darumb das im wurd sein gelt
von ir, und das iederman
seinen willen mit ir möcht hau.
Von der treu.
3510 Die treu sol iederman sein behagt
nach dem, als das decret sagt,
und ist ze haben, als man sait,
vorchte gen der gothait
und ain volchomen lieb mit ganzer macht,
3515 zu dem, der dich geschaffen hat und gemacht,
und das man nimmer erzaig ain sach,
es sei guet oder swach,
das das an im selber nicht ist.
wann wer das tuet, das ist ain valscheu list.
3520 Die treu die geleichet man
den chranichen, wann die hau
alzeit ainen chünig under in,
und alle ander chianichen dienen im
getreuleich an aller stat,-
3525 wann chain ander tier nicht hat
als viel treu in diser weit.
wann wenn si slaffen auf dem velt,
so stellen si in mitten under sei
und sten umb in mit ainer chrei
3530 und lassen dann drei oder zwen
alweg an ir wart gen.
3505 alleW. 3506 hueren in aller weit GD. 3509 willen fehlt F. mocht
mit ir han S. geban F. 3512 behaben D. 3514 und auch ain G. 3515
zue] in D. und haut gem. G. beschaffen FS. 3516 ain] kainGD. V. 3516 und
3517 um gestellt GD. 3517 oder es D. 3519 fehltF.V. 3520 — 3545
fehlenB. 3520 diefehltFGD. 3521 krenichenS. krenkenG. krenchen
D. wann fehlt F. 3522 alzeit fehlt F. chünig fehlt GD. 3523 ander
fehlt GD. chranch S. krenke G. krenchD. 3524 fehlt G. getreuleichen
S. 3526 treu fehlt F. 3527 fehlt F. 3528 so] des nachtes F. in en-
mitten GD. 3529 all umb G. mit] nach F. 3531 sten F.
122
die selben n einen für den slaff pues,
das si sten nur auf ainem fues
und haben den andern fues dann auf,
3535 und nemen ainen stain in den chrauf
für den slaff und sten also.
und wann dann aim enphiele do
sein stain aus dem fuesse gar,
so erwacht er für sich dar.
3540 das ist von grozzer treu, die si haben,
und lieb, die si zue ainander tragen,
und das dem chünig chome nicht
zue chain schedlich ungeschicht;
und darumb machen si im ain sicherhait,
3545 als die natur das von in sait.
Seneca spricht: „wer sein treu verloren hat,
der verleust si nicht mer an chainer stat."
Salomon spricht: „es sein vil leut zwar
gehaissen güetig vast und vast gar,
3550 aber das macht neur gar grosse reu, .
das man vindet als wenig getreu."
Aristotiles der maister spricht:
„du solt dein treu prechen nicht
an niemant sicherlich,
3555 wann es zimpt auf ertreich
niemant, denn huren und ruffian.
die selben sein aller treu an."
Socrates: „pis dem treu, der dir traut und zimpt,
so pistu sicher, das es chain pös end nimpt,"
3560 Juvenalis spricht: „alle ding, wie die sein gezilt,
3532 nemen den für schlauff ain p. G. 3534 heben S. dann auf] auff daD.
3535 stain den in S. in die kla D. 3537 enpfellet G. empfelt D. 3538
den füssen GD. sein] den G. der D. 3539 erwacht] wachst G. wacht G.
er] der denn G. er dann D. 3540 und das G. treu fehlt F. 3541 die
fehlt F. 3542 mug chomen F. chume G. 3543 ainem schedleichem F.
keinem schedleichen GD. 3544 und fehlt F. darumb so m. sew F. 3545
als] disG. das fehlt F. 3547 sei nimer F. V. 3548—3551 fehlen D.
3549 gehaissen fehlt G. 3550 nur FG. 3551 fehlt G. 3556 niemant
denn fehlt GD. wann F. 3557 trewen S. 3558 Socrates fehlt B. Socr.
spricht GD. dir fehlt S. getrawet B. gezimpt WBS. 3559 es fehlt S.
3560 Juvenalis spricht fehlt B. spricht fehlt D.
123
lobt ainer, der ander si schilt,
an allain nur die treu,
die lobt iederman, er sei alt oder neu."
Longinus spricht von der treu iner :
3565 „umb dreu ding chumpt der mensch an gross er:
das erst ist üben treu und warhait,
das ist ain fundament der stätikait.
auch soltu nimmer darnach gedenken,
das du dich ain ciain saeh lassest bechrenken."
3570 Von der treu so list man das,
das von Rom ain herr gevangen was,
der was genant Marcus Regulus.
also nennet in Augustinus.
g-s teten die von Chartago,
3575 wann die Romer chriegten do
mit den von Chartago lange zeit.
do ward gevangen in dem streit
der selb Marcus Regulus
und mit im maniger Romanus.
3580 auch viengen die von Rom do
vil der von Chartago.
do wurden die von Chartago ze rat,
das si gen Rom in die stat
santen Marcum Regulum,
3585 das er solt werben darumb,
das die gevangen ze paider seit
wurden ledig, die in dem streit
von in paiden da waren,
und darumb solt Regulus gen Rom varen,
3590 und ob das der senat das nicht aufnemen wolt,
das er sich dann wider stellen solt.
3561 lobts GD. si] sich W. sei F der GD. 3562 nur fehlt WBSGD.
V. 3564 fehlt B. — Longius WF. 35 65 an] in F. 3566 das] die F.
üben] eben WBSG. 3567 das] und D. gerechtigkait G. truheit D. 3569
sach]dingF. krenken GD. V. 3570 — 3623 fehlenB. 35 70 so fehlt G;
3571 ain hen fehlt F. 3572 der was genant] ain herr hies F. was M.
R. genant GD. 3573 also in A. nant GD. 3577 wart fehlt G. 357°'
M. und R. G. 3579 manig W. 3581 vil von den von Ch. D. 3583 sew F
3587 leidig G. 3589 gein W.
124
also fuer Marcus Regulus gen Rom.
der ward enphangen gar schon.
do sagt er dem senat das,
3595 das pei im dar enpoten was:
das der rat von Chartago wolt,
das man die ge van gen auswechseln solt,
die gevangen waren von paider stat.
und do er also vor dem senat
3600 stuend und tet ims sagen,
do wolt es der senat getan haben.
und do das Marcus Regulus ersach,
do stuend er auf und sprach,
man sol den Wechsel nicht ton,
3605 wann die gevangen von Rom,
die zuo Chartago sein gevangen,
die sein all mit jaren langen,
das si ze chriegen nicht sein wert,
wann ir chainer nutzt chain swert;
3610 aber die von Chartago,
die ze Rom gevangen do
lagen in dem chärcher,
das waren alles guet anweiser
auf chrieg, als man si vinden mocht.
3615 was dann ain solcher Wechsel tocht?
und also volget der senat
Marco Regulo seinem rat.
do fuer Marco Regulo
wider gen Chartago
3620 in die vanknuss und stellet sich,
wann er gedacht: „ich wil ee mich
in den tod sicher geben,
e das ich ane treu wil leben."
3593 do ward er S. 3594 sait F. 3595 das] was F. 3597 abwechseln
WG. wechseln S. 3599 er] der G. also st. FGD. und im tet G. 3600 in F.
und ins t. s. W. und ims tet also s. S. 3602 sach G. 3604 tuen FGD.
tünS. 3607 all] alt S. all fehlt G. 3608 sew F. 3613 allsampt G. allD.
3614 si] seu F. seinS. 3615 solicherW. doch F. docht SG. 3617 seinem
fehlt WSGD. 3618 und da GD. Marcus FG. 3620 in] an F. 3622 in]
an F. 3623 welle WD. wolt S. wel G.
125
Von der valschait.
Die valschait ist gar prait
3625 und der treu ain wider wärtikait,
als das gesetze gicht,
als wenn ainer ain ding spricht
ganz und gar für war
und doch ain anders erzaigt aldar,
3630 umb die leut ze laichen ane sach.
das ist an im selber gar swach.
verratenschaft ist aigenleich,
der den andern verratet wissenleich
ainen, der im wol getraut.
3635 poshait ist in der selben haut.
das ist poshait ze betrachten
und chains gueten nimmer ze achten.
von poshait chumpt arkwan,
als sand Thomas spricht davon :
3640 „der arkwan ist ze gedenken alzeit
des andern übel an widerstreit,
und arkwan pirt sich in vierlai sach.
die erste ist, das der pöse mensch swach
wänt alweg, das iederman
3645 sei als pös, als er getan.
die ander sach pirt sich davon,
der, der da hat den arkwan,
der ist gewent alzeit übel ze tuen,
wann er hat in im nimmer chain suen,
3650 und darumb wenn ainer dem andern übel wil,
so gelaubt er von im der poshait vil.
die vierde sache, die ist die,
wenn ainer vil hat versuecht alhie,
3624 v. die istß. die ist ietz garG. 3625 und ist der F. 3626 das das D.
gesetzte W. gesezet S. gesetzt G. 3629 ain anders] ainer GD. dar S.
3630 umb fehlt G. an alle s. G. 3632 verrätersch. die ist ainem gelich
G. 3633 demD. unwissenleich F. wissentleich B. 3634 vertrut D. 3635
in fehlt WBS. 3637 ze fehlt BFGD. 3640 bedenken GD. 3642 und
auch a. G. sich fehlt W. fiererlai G. streitsach Fl). 3643 erst das S.
3647 den] sein W. 3649 in fehlt G. 3650 wil] tuet G. 3652 sach ist
BFSD. 3653 hat fehlt D. hie WBD.
126
und darumb sein alt fraun und man
3655 alsampt geren in arkwan.
wann si haben versuechet es.
auch ist ain unterschaid des
zwischen eifern und arkwan,
doch ist arkwan vil wirser getan,
3660 der gelaubt von dem andern alzeit.
von dem erhebt sich dann ain neit."
man spricht, das chain valsches wort
wer nicht lange hie noch dort.
sant Augustin der lerer gicht:
3665 „wer dem andern wol spricht
und im dapei übel tuet,
der laicht sich selben und ist nicht guet."
Seneca spricht in seinen getichten :
„du solt über chainen richten
3670 nach den Worten, wann das ist enwicht,
aber nach den werchen tue das gericht;
wann das merer tail redt vil unnutz ding,
aber die werch sein ain urspring,
wann von den werchen sieht man chumen
3675 den schaden oder den frumen."
die eifrung nimpt man also:
wenn ain mensch fürchtet etwo,
das, das er hat von herzen lieb,
das sich das nicht von im schieb,
3680 und das es auch nicht in schaden chum.
wann die lieb die ist so frum,
das si niemant eifern tuet,
nur den si stät hat in dem muet.
3654 sintF. und auch m. G. 3655 alsampt] alzeit BF. 3656 s. versucht
haben es F. 3659 wiser W. 3660 der do gl. GD. andern fehlt G. 3661
stritneid G. neid und streit D. 3663 werd WBS. weder hie G. noch] und
FD. 3664 der heilig 1. der g. G. 3665 und wer D. 3667 selb FG. 3670 das]
es F. 3671 so tue F. 3672 merar F. mere G. vil] wol D. unnutzer F.
3674 chomen WFS. chömen B. 3675 fromen Wß. 3676 man fehlt S.
3677 etschwo WBÜ. ettschwa G. etswo S. 3678 von h. hat lieb SG.
3679 schied F. 3680 es] er G. in] an F. chöm WB. chom FSD. 3681
wannederF. lieb ist BFSGD. from W. 3683neurB. newer S. hat fehltF.
es mag auch niemant ain eifrer sein,
3685 nur der da hat lieb und pein
und das er furcht seins nächsten schaden.
und wer sich also hat beladen,
das er alweg furcht in seinem muet,
das sein gesell icht übel tuet,
3690 das selb chumpt von der lieb der tugent,
wann die selbe ist so mugent,
das sie furcht seins nächsten schaden ze aller zeit,
als uns sand Thomas urchunt geit.
Man geleicht den tadel der valschait
3695 dem fuchs, als Ysopus sait.
wann er des hungers tuet enphinden,
und das er dann nicht essen mag vinden,
so legt er sich nider in seiner not,
geleich als ob er sei ganz und gar tot,
3700 und reckt die zungen für den munt,
unz das das gefügel alles chumpt.
die sehen in gestrakten in dem gras,
so wänen si, es sei ain as,
und peissen im dann in den chroph.
3705 so erhebt der fuchs auf den choph
und erwischt der vogel ainen oder zwen.
also chan er mit valschait mit in umbgen.
noch hat er valschait gar vil,
der ich durch der chürz nicht sagen wil.
3710 Salomon spricht: „o mensch gar eben vernim,
das der valsch am end hat chainen gewinn."
aber so haisset er uns das sagen :
V. 3684 — 3688 fehlen B. 3684 eifarer F. 3685 newer S. 3686 er]
es W. 3688 alwegen S. 3689 nicht W. 3690 selb das WB. chombt W.
3692 forchtS. seins] ains F. allzeitD. V. 3694— 3709 fehlen B. 3695
allso W. als uns G. 3699 als fehlt S. als er g. u. g. sei tot F. und gar
fehlt GD. 3700 kert G. 3701 unz] und F. hintz S. 3703 wollen se
wennen F. wellent si w. D. wellen si [dennG.] wenen er SG. 3704 peizzen
danne inndemch.F. peissend denn in in d.G. 3705 fehlt F. den] seinen
GD. 3706 und fehlt F. erbischt er der F. zwen] nie GD. 3707 mit der
v. F. mit in fehlt S. 3710Salnmon spricht fehlt B. 3712 a. so so WB.
das fehlt S.
128
„du sok nicht mit valschen gemainschaft haben,
wann si sein also gestelt,
3715 das in nur der pöse wol gevelt."
als auch der prophet spricht:
„got erstört die valschen wicht
und darzue die pösen zungen,
wann den ist nie wol gelungen."
3720 so spricht auch das herr Seneca:
„der valsch der nötet sich hie und da,
das er sein valschait volpring,
darumb das im an seinen veinten geling."
Ysopus spricht: der seins gelaiches sich nit wil massen,
3725 der mag sein ungerechtikait nicht lassen,
wann wer die leut wil alweg laichen,
der wänt alweg, man well im sinaichen."
Faro spricht: „under des lemleins vel
verpirgt sich oft des wolfes che!."
3730 und darumb spricht Plato der her:
„von drein sachen pin ich betrüebet mer,
wann mir sust chain ander ding tuet:
wann der reich man chumpt in armuet,
und wenn dem geerten man
3735 groz smachait wirt getan,
und weun der narr laicht den weisen.
die dreu ding tuent mich greisen."
Cassiderus der spricht das,
„chain ding macht als las
3740 den menschen noch als tadelhaft,
als do tuet die Verratenschaft."
3713 nicht valsche gemainschaft F. 3715 in] ain F. der] dasFSG. 3717
got der G. wicht] nicht S. 3720 fehlt B. das fehlt SG. herr] der W.
3721 valsch notetS. 3722 er fehlt B. er] newer s. S. sein] nwr. G. nun
D. verpring F. 3723 seinem feind G. 3724 Ysopus spricht fehlt WBD.
wer GD. der sich seines geleiches nifc F. seins laichen D. sich fehlt G.
lassen GD. 3725 mag sich seinen GD. massen GD. 3726 die fehlt F.
alweg wil F. alwegen wie S. 3727 well] wol S. in laichen F. V. 3728.
3729. 3730 fehlen B. 3729 verspringt W. 3730 spricht auch G. herr
FG. 3732 wann] weder GD. sust fehlt D. ander fehlt F. 3737 d. die
tund B. 3738 Cassiderus der spricht fehlt B. der fehlt FS. 3739 als
las fehlt F. 3740 noch fehlt F. als] so G. 3741 verräterschaft GD.
129
Longinus spricht: „dem Verräter ist der tot das leben,
und ob er trib treu gar eben,
so wurd es im doch nicht gelaubt.
3745 also ist er aller eren beraubt,
und ob er dann verratenschaft trib nicht,
iederman jagt in von im, als man gicht."
dem Walch ist verratenschaft lieb,
aber den Verräter hat er als ain dieb.
3750 und darumb spricht her Salomon :
„pös gedänk die geben pösen Ion
und machent den menschen schaiden von got.a
daramb pitt ich dich, herr Sabaoth,
das du mir pös gedänk vercherest
3755 und die gueten an mir merest.
Plato spricht: „der gedänk der chumpt
von dem herzen, er schad oder frumpt,
aber dem pösen soltu widersten,
wiltu den weg der tugent gen."
3760 das decret spricht: „das fleisch mag sich zerütten nicht,
wenn der muet vorhin nicht ist enwicht."
Isiderus spricht in seinem sermon:
„chain pöser ding ist nicht denn arkwan."
Seneca spricht: „du solt den arkwan scheuchen eben,
3742 spricht fehlt D. des lebens G. 3744 wirt G. icht S. nit G. V. 3746
— 3749 fehlen B. 3746 danne chain v. F. dann] dy W. verrätterschaft
treibt GD. 3747 man] er G. 3748 Walch] valschen SD. Walchen G.
verräterschaft G. 3749 hat] halt SGD. 3750 und fehlt B. 3751 die
fehlt WBS. 3753 darumb so p. F. herre FG. 3754 du] da S. 3755 mir
allweg G. 3756 gedänk chumpt FGD. 3757 von dem herzen fehlt W.
oder er fr. WBG. Nach 3757 folgt bei B. :
chain gedänk sol aine
nicht ze Worten chomen.
gedenk ee, was er maine,
ob er dir bring schaden oder fromen.
ain gedänk sol Ursprung sein Wortes,
der ander in belaite
und hutten wol der zungen klaffen ortes.
3758 aber fehlt B. 3760 das decret spricht fehlt B. sagt D. zerütten]
vercherren F. fleisch zerrit sich nicht D. 3761 muet nicht vorhin ist FD.
entricht GD. 3762 seiner GD, 3763 nicht ist den a. S. 3764 Seneca
spricht fehlt B.
Zingerle, Vintler. 9
130
3765 wildu nicht vortichleichen leben."
„won nicht mit dem neidigen" spricht Salomon,
„wann er ist geleich als der Verräter getan."
Beda gicht: „wer do zwaier veint freunt ist,
die arkwanen in paid ze aller frist."
3770 Longinus gesprochen hat:
„der arkwan vindt chain end an chainer stat."
so spricht Alexander der weise man:
„wem du getrawest, da hab zue chain arkwan.
wann der arkwan macht ain sach,
3775 das er dir übel tuet mit aller räch."
auch spricht der maister Juvenalis:
die eiferung des weibes ist
alweg abholt ze aller frist
dem, dem ir man holt ist."
3780 Damascenus spricht an ainer stat:
„der ain ding volkomenleich lieb hat,
der ist alweg in gedenken, wa er stet,
mit dem, da er mit umb get."
Ach möcht man die valschait
3785 erweren aller christenhait !
wann valschait hat alle poshait inn.
wer valsch ist, der hat valschen sinn.
valschait ist der poshait fundament,
valschait ist des teufeis present.
3790 der hat si geben in aller weite chrais
ainem volk, das man pauren haist,
wann die selben habent si frue und spat,
als sich das wol erzaiget hat.
aber das mich iemant verdenket,
3765 vortichleich WB. 3768 Beda gicht fehlt B. spricht F. do fehlt F.
3769 der G. arkwan BFSG. arkwjnt D. paid fehlt BSGD. 3773 demD.
trauest F. 3774 der macht W. W. hat V. 3777 und 3778 in einer
Zeile. Mit ist beginnt BFSG. V. 3778. V. 3780. 3781 fehlen B,
3781 volkumleich S. 3782 alwegen S. wa] da wa FSGD. 3783 da er
damit umb F. mit fehlt W. V. 3784 — 3891 fehlen B. 3784 man er-
weren die v. F. 3785 erweren] gemainicleich F. 3786 alle poshait hat
inn W. hat fehlt S. helt G. alle die p. S. 3787 wer] der S. 3789 pre-
sentz F. 3790 sei F. aller der weit ehr. WS. chraise F. 3791 haisse F.
haiz S. 3793 als] ach D. als das sich W. 3794 niemant F.
131
3795 der sei zwirhalb ertrenket!
ich mein nur die valschen wicht,
aber den frumen wünsch ich nicht
anders zwar denn eitel guet.
also stet mir gen in mein muet.
3800 Von der valschait list man noch me,
das drei engel in der alten ee
wurden von got hin gesant
zue ainer stat, ist Sodoma genant,
von ainer sund wegen, die was alda,
3805 die man haisset Sodomia.
die selb sund ist vast wider got.
nu was ain man, der hies Lot,
in der selben stat gesessen.
der dienet got gar vermessen.
3810 nu chomen die drei engel zue im
und sagten im allen iren sin,
wie das der almechtig got wolt,
das die stat verprinnen solt
mit allem dem volk, das darinne war.
3815 und do Lot also hört die mär,
do gieng er aus der stat aldo,
und mit im sein weib und seiner tochter zwo.
darnach ward verprant die stat schier
mit allem volk und auch tier,
3820 die in der selben stat waren.
also pessert si got in den jaren.
und do Lot also floch die räch,
do volgt im weib und tochter nach.
und do si also flohen gotz zorn und sein gerich,
3825 do luegt Lotes weib hinder sich.
3795 sei] si WSGD. seu F. zwire halb S. zwirunt halb GD. 3796 nur
nunD. 3797 ainemW. 3798 anders nicht zwar dann F. 3800 noch fehlt
W. 3805 Sodoma WSGD. 3806 sund die G. 3807 der da h. G. 3809
dient WS. gar wol v. G. 3810 kament G. 3814 darin WSGD. 3817 und
fehlt F. sein WS. 3818 stat verprant seh. W. verprunnen schier S. gar
schier G. 3819 allem dem WS. und auch] oderSG. auch fehlt D. 3821
seu F. puesset G. 3824 und fehlt W. da si fehlt G. flohen fehlt F.
sach GD. sahen S. gericht WGD.
9*
132
do ward si zue ainer salzseulen alda,
darumb das si nicht hielt gots precepta,
wann ir es der enge] vor het chunt getan.
do gieng Lot der raine man
3830 in ain hol und parg sich
als lang, unz got sein gerich
an den selben stetten tet.
nu gedachten sein tochter an der stet,
wie si dem vatter machten ain geteusch,
3835 damit das er sein uncheusch
mit in trib gar unerkant,
wann si wanten, alle weit war verprant.
do namen si pald ain starken wein
und gaben dem vater das trinken ein,
3840 das er für sich trunken wart.
do gieng die elter tochter drat
zue dem vater und legt sich dar,
also das er ir nicht ward gewar,
und nam den samen da von im.
3845 die ander tochter legt sich auch zue im
und tet, als ir swester het getan.
also swengert er si paidesam
und iegleiche trueg ain degenchint,
als si in der bibel genennet sint.
3850 also triben si ir valschait
mit irem vatter, als ich han gesait.
Von der warhait.
t)ie warhait, als das sand Augustein
3826 und si ward F. salzsaulen S. salzsaulGD. al fehlt S. 3828 tan FS.
vorkunthetG. chunt] verkundetD. 3829LoteF. 3830 verparg G. 3831
unz als lang daz got WG. hintz als lang das got S. gericht G. 3833
töchtern G. 3834 machten fehlt GD. 3835 machten damit GD. 3836
unverkant S. 3837 alle die w. S. alle disse w. G. all diss D. 3338 sew
F. dy W. 3839 das] da zu F. 3840 ward fürwar D. 3841 drat] zwar D.
3843 das] da G. ir fehlt G. 3847 er fehlt S. schwangrott G. schwän-
gert D. sew F. sei G. san W. 3848 und auch G. yedleiche W. igleicheS.
3849 sew F. genant D. 3850 sew F. Für V. 3852 — 3855 hat B.
Die warhait, als sand Augustin schreibt,
est ze reden an lug und an kunterfait.
3852 das] dy W. das fehlt F.
133
schreibt in dem pueche sein,
das ist ze reden die warhait
3855 ane lug und ane kunterfait.
die warhait ist wol der tugent ain pluem,
die geleicht man dem jungen rephuen.
wann ain rephuen stilt dem andern
sein ater, wann si aus wandern,
3860 und wann die air dann aus chomen sein,
so geit in die natür ein,
das die jungen rephuen er für sich gen
zue ir rechter mueter und da besten,
wann es erchent sein mueter von natürlichem list.
3865 natur also gemaistert ist.
du solt die warhait Widerreden nicht,
als das Jesus Syrach spricht,
durch chainerlai sach an chainer stat.
Aristotiles spricht: „wer die warhait lieb hat,
3870 dem hilfet si in allen seinen sachen;
wann die warhait chan alle tugent machen.
und wer da redet die warhait,
der hat gar ain claine arbait,
aber wer ain lug beschönen wil,
3875 der bedarf darzu grosser müe vil.tt
Catho spricht: „das ist gar ain pöses zaichen,
wenn du ainem ain ding hast verhaissen,
das du es dann verhaissest fürbas,"
und darumb widerrat er das.
3880 sand Augustin spricht in seiner omelei,
das die stimm des povels veritas sei,
was da ist in der gottes stat,
3853puchdersinF. 3 8 5 5 und kunterf. D. gunterfait W. V. 3856 —3865
fehlen B. 3866 der] ain F. 3859 sew F. sei G. aus fehlt G. 3860
dann] den WSG. aus] aufG. 3861 danne das die F. 3862 rephünnerW.
sich denn g. GD. 3863 ir] der GD. rechten GSD. da] für sich F. 3864
erchent fehlt G. von ainem n. WSG. und das hat es von eim n. D. 3865
wann die n. GD. 3866 reden fehlt F. 3869 sagt D. 3870 si] sich W.
3871 die fehlt W. 3874 weschen W. weschen BD. besehen S. 3875
darffWS. 3876 Catho spricht fehlt B. bösBG. 3677 wenn] so D. wanne
F. verhaissen hast G. ding verheist und wilt in laichen D. 3878 verhaist
FBS. fehlt GD. 3879 fehlt D. 3880 ainer S. 3881 volches F.
134
da er so vil von geschriben hat.
Proverbiorum : „dich sol nicht verlazen die parmherzichait,
3885 und umbgib dein chel mit der warhait."
Von der warhait list man gar eben
in der altväter leben,
das ain mächtiger ritter het
verlassen all sein pürg und stet
3890 durch gotz willen, und was er ie gewan,
wann er wolt sich von der weit davon
machen in ain closter, das er dann da
möcht tuen sein penitencia.
also sagt im all sein sin.
3895 damit fuer er in ain closter hin
und nam sich da des ordens an.
nu gedacht der abt, es war ain man,
der da west der weite lauf,
wie man trib allen chauf,
3900 wann die andern münich waren nicht poliert,
noch auf soleich sach geviert.
ains tags der abt zue dem ritter sprach:
„es ist ain markt hie gar nach.
da soltu gar pald hin laufen
3905 und etleich unser esel da verchaufen,
die des conventes und unser sein,
wann die mugen nimmer ein
uns tragen, wann si sein alt.
und chauf uns junge esel wol gestalt,
3910 die do habent starke glider."
der neu münich redt nicht darwider,
wann er besorgt, er tet wider got
und wider der gehorsam gepot.
3883 von in g. BG. 3884 proverbiorum fehlt BD. nit lassen B. 3885
und] nunD. der fehlt G. V. 3886— 3969 fehlen B. 3887 alten väter
FS. 3889 purgFSG. 3891 sich schaiden von G. der van WS. 3892 denn
W. 3893 macht F. 3894 sagten GD. im fehlt G. alle FG. als S. 3898
weit WSG. 3899 tribt G. treibt D. 3900 munichen S. 3901 noch] und
FD. 3903 markSG. nachend F. 3905 ettlichW. esselFGD. 3907 wanne
seu mugent F. die] si S. 3908 uns] und D. uns eingetragen S. ze alt G.
3909 essel F. 3910 haben FS. starkeu S. 3911 münich WS. da wider F.
135
aber doch gieng er hin mit lait
3915 auf den markt, als man sait,
und fuert die esel an ainem sail.
man fragt in, ob die esel vail
wären, die er dar hat pracht?
iederman zue im gacht
3920 und jähen, was im war ze muet,
oder ob die esel wären guet?
do antwurt er in gar pald und schier:
„das solt ir wol gelauben mir,
unser closter ist nicht in solcher armuet,
3925 wären die esel ichtes icht guet,
wir hieten si noch nicht verchauft."
do fragten si in, warum man hiet gerauft
in die swänze alle aus?
er sprach: „da sein si also chnaus
3930 von dem alter worden zwar,
und vallen als oft in dem jar
under den secken als oft und dick,
so hat man alweg nicht die strick,
damit man si mug heben auf,
3935 so ist der erste zuelauf
albeg zue den swänzen dar,
und darumb habent si als wenig har."
und do er in das also bericht,
do wolt man der esel chaufen nicht.
3940 do faert er si wider haim.
nun was ain junger convers ciain
mit im dahaim gegangen aus.
der sagt dem abt allen den straus,
3916esselFG. 3917 esselFG. waren fail G. 3918 wären fehlt G. dar]
daher G. het GS. 3919 gach F. 3920 sprachen F. 392] essel FG. 3922
gar fehlt G. und auch seh. G. 3923 wol fehlt G. 3924 chlauster W.
3925 essel gewessen etwas guet F. ichtes icht] ytz S. ichtzit GD. 3926
sew F. 3927 do fr. si] si fr. GD. man in hetD. berauft W. 3928 schwänz
W. 3930 worden fehlt F. 3931 oft fehlt G. als oft fehlt D. 3932
und auch d. G. 3933 sew F. 3934 mugen D. 3936 schwänzen W. 3937
und fehlt F. haben FS. 3938 des W. in das] si des D. also] alles S.
3940 si] sew F. sei S. 3942 im fehlt S.
136
den er mit den eseln getriben het.
3945 do ward der abt an der stet
vast zornig und pitter,
und schickt nach dem ergeben ritter,
und wolt mit im gezürnet haben,
das er auf dem markt begunde sagen
3950 der esel alter und poshait.
do er im das alles het gesait,
do antwurt im der ritter mit weiser 1er
und sprach: „her abt, ich pin nicht chomen her
in das closter ze laichen chainen man,
3955 wann ich das liegen vor wol chan.
nu han ich darumb lassen leut und guet,
weib und chind, wie si sein gemuet,
das ich die warhait möcht vinden
und der lug möcht entrinnen,
3960 die da in der pösen weit ist,
wann die han ich erchant lange frist,
und darumb han ich mich herein gegeben,
das ich wolt hie mein leben
verzern also in gottes nam.
3965 wann do ich erst auf die weit cham,
do missevielen die lugen mir."
und do der abt erhörte sein begir,
das er so gar auf der warhait was,
do gab er im selber recht fürpas.
Von der lug.
3970 Die lug ist gar ain pöses nest
und ist ain widerwärtiger prest
der warhait, als Aristotiles spricht,
3944 den er] die er F. dem esel geschriben S. 3947 erbern r. GD. 3949
begunde fehlt WSG. mark gesagen S. gesaget G. begunde sagen] und plan
D. 3950 het dereselWSG. het gesagt derD. und auch p. G. und] oderD.
3951 das fehlt S. das] des D. 3953 sprach abt WS. 3954 ainen G.
3956 gelassen W. gelassen darumb LG. 3957 si fehlt F. gemuet] ge-
nand S. 3960 pösen fehlt S. 3962 ergeben G. geben D. 3963 ich hie
wolt F. 3964 also] hie WSG. namen FGD. 3965 do] dochW. die] disew
F. 3966 die lugy G. 3967 erhorret F. höret SG. höret D. 3968 sogar
fast D. 3969 selber fehlt FGD. 3970 gar fehlt GD.
137
als wenn man die warhait redet nicht,
und der mit etleicher beschönung
3975 mit Worten laicht ains andern mainung,
und treibt mans doch ietz hie und da.
das haist man ietz nu loyca.
die selb chunst verfluechet sei,
wann ir wonet vil valschait pei.
3980 lug ist vor got gar swach.
auch ist lug manigerlai sach.
das ist ain lüg, als man gicht,
wer do macht ain hübsches geticht
durch lust, als man sagt,
3985 und durch churzweil, das den leuten behagt.
man haisset auch ain lug das, *
wenn ainer redet etwas,
das an im selber doch nit ist
und doch nit ist ain valscher list
3990 und das chainen schaden pringen mug
seim nächsten, das ist nicht geschätzt ain lug
nach dem, als in dem decret stan.
aber es ist doch übel getan,
der sich alzeit auf die lug wil reiden,
3995 wann man sei wol möcht vermeiden,
das ist ain lug der valschait.
wer dem andern pringet lait,
darumb das er in mug gelaichen,
das haisst ain lug mit smaichen.
4000 das ist auch ain lug, als man gicht,
wenn ainer ain ding nicht halt, das er verspricht.
noch ist ain lug in der weit gar gerait,
das man geren leugt von gewonhait,
und die drei lugen vindet man
3974 ettlich W. 3975 laicht und ain G. in andere W. an andern m. F.
an ainer S. ain ander BG. 3976 ietzund F. 3977 ietzund nun F. nur D.
3979 vie] nwr. G. nun D. boshaitB. 3980 gar fast sw. D. 3983 hübsch
S. 3984 list WBSGD. 3985 lutt G. begachtF. 3991 nicht fehlt F. ge-
setzt F. beschatztS. 3992 statGD. 3993 doch] ain GD. getat GD. 3995
sei fehlt F. meiden GD. 3998 laichen GD. 3999 haisset man B. 4001
das] als F. spricht B. 4002 noch] nunF. weit gemaid B. braitG. herait D.
V. 4004. 4005 fehlen B. 4004 lug FGD. lugen die v. S.
138
4005 geschriben in dem decret gar schon,
das ist auch ain lug, der do pösleich
swert pei got von himelreich
oder pei gotes hailichait.
die selben sein dein teufel perait.
4010 Die lug geleicht man nach und verr
ainem tier, das haist ain wülscherr.
das selb hat chaine äugen nicht
und get unter der erd, als man gicht,
als das manigem wol ist chunt,
4015 und als pald es an den luft chumt,
so ist es tot für sich.
und also tuet die lug geleich,
die mues alweg haben ain bedeckung
mit etlicher beschönung
4020 hübscher Wörter, die si an ir hat.
aber wenn si an das liecht gat,
so ist si für sich tot,
geleich als ist der wülscherr not.
Salomon spricht nicht taugen:
4025 „dem lugner ist die warhait chaum ze glauben,
auch ist dem lugner niemant ze liep.
der lugner ist pöser denn ain diep.
man solt den diep ee liep haben,
wann den, der alweg lug chan sagen.
4030 Socrates spricht: „wer do leugt an underschait,
dem gelaubt man nicht die warhait."
Von der lug list man in römischer tat,
das ze Rom in der stat
4009 selben all G. V. 4010—4023 fehlen B. — V. 4010—4030
fehlen F. 4010 lugdieg.S. 4011 moltscherG. multscherrD. 4012 selb
kaine äugen haut n. G. chain äuge D. chainer nicht S 4013 erden G. 4017
tuet fehlt W. 4018 haben allweg GD. bedenknus S. 4020 Worten G.
wort D. 4023 als fehlt S. als do istGD. dem multscherrD. wülscherren
S. multscherr G. 4024 nicht die lugen taugen B. nicht] mit D. 4026
a. ist niemant dem 1. z. 1. GD. 4027 wen W. dannBD. ain] der GD. 4029
wennSGD. den der] der do WBSGD. lug fehlt S. 4030 Socrates spricht
fehlt B. V. 4032—4130 fehlen B. 4032 man das in F. list fehltG.
139
was aine, hies Jurina
4035 und was des chaisers Anastasia
tochter, als ich han vernomen.
die was in ain soleich lieb chomen,
das si sich senet tag und nacht an widerdries
nach ainem, der Amene hies,
4040 der dem chünig was ain gehaimer,
und was der edlen junkherren ainer.
des wolt der selbe jungeling
nicht tuen umb chainerlai ding,
das er pei ir icht wolt ligen,
4045 wann es war dem chaiser doch unverswigen.
und do die junkfrau das ersach,
do gedacht si ir tag und nacht darnach
mit allen iren sinnen,
wie si den jungling mocht umbpringen.
4050 das traib si etleich zeit mit jamer.
ains tages gieng si für sein chamer
und schrai da auf mit lauter stimm:
„lauft, lauft, ist ieman hinn,
der mir retten helf mein er.
4055 wafifen heut und immer mer!
das ain soleicher snöder man
sol seinen gewalt an mir haben getan,
das ist doch dem chaiser ain schant."
do lief alles volk zue zehant
4060 und viengen in, als si het gedacht.
do ward er für den chaiser pracht.
do sprach zue im der chaiser her:
„eya heut und immer mer!
auf wen sol man nu pawen?
4065 nu hab ich dir so wol getrawen,
4034 was aine] ain iunckfraw die G. was fehlt S. die hies F. 4038
senat S. an] nauch G. 4039 Amore GD. 4041 junkfrawen eine D. 4042
des] da G. 4044 nicht FSD. 4045 doch fehlt G. 4051 tags da g. G.
4053 nur ein lauft F. hinne S. 4054 retten wel helfen S. 4056 solcher
S. 4057 sein FSGD. han G. 4059 lief zu a. v. ze hant F. zue da ze G.
4060 het fehlt WSGD. 4061 do ward er] und ward D. 4062 d. chaiser
zu im her F.
140
nu wärdu doch mein inrister gehaimer.
sag an, du vil unrainer,
ist es war oder nicht,
das mein tochter von dir gicht?"
4070 do sprach er: „herr, ich pin peclagt,
tuet so wol, fragt selb die magt,
das ich sein unschuldig pin,
und das es nie cham in meinen sin."
der chaiser schickt an der stat
4075 nach seiner schönen tochter drat.
do cham si zue dem vater nicht gar geren,
aber doch muest si in geweren,
und do sei der vatter ane sach,
do sprach er: „tochter, wie pistu so swach
4080 pei ainem frömden man gelegen!"
do wolt si im chain antwurt geben.
do fragt er sei aber darumb.
do stuend si geleich als ain stum.
do ward dem chaiser gar und gar zoren,
4085 do sprach ain er : „si hat leicht die zung verloren. a
des nam den chaiser gross wunder
und hiez die tochter füeren besunder,
das man ir schawet in den mund.
do het si chain zung an der stund.
4090 und do der chaiser das wunder sach,
wider sich selben er do sprach:
„nu sich ich wol, das diser man
an der sach chain schuld nie gewan,
er mues ledig sein an diser vart."
4095 und do die junkfrau das erhört,
do ward ir die zunge für sich wider,
4066 warduF. werd du G. ward du WS. du wärest D. inrister] in erister
F. meister S. indroster GD. 4068 es ist SD. 4069 spricht FSGD. 4071
wol und fr. G. selber W. 4073 es fehlt S. 4077 doch so ra. GD. 4078
do fehlt F. si WSGD. anWSGD. 4082 syWGD. 4083 si vor im g. GD.
geleich fehlt F. 4084 daz was G. das tet dem eh. gar z. D. dem] der S.
4085 einer sprachD. villeicht GD. zungenG. 4086 der FG. 4088 schawttey
G. schawte D. 4089 zungen GD. 4092 nu] das SG. 4094 sein pald auf
d. G. an] auf D. 4096 die fehlt WSG. ir ir D. für sich fehlt GD. hin-
wider G. hinwider schon D.
141
und offenbaret alles des sider
vor mänikleich selber die warhait,
wie si dem jungeling das lait
4100 hat gemacht und wie es alles dar cham.
darnach nam si an sich ain solich schäm,
das si sieh in ain closter ergab
und verzeret darinne ir lebtag
in gottes dienst an underlas
4105 von dem zaichen, das ir widervaren was.
Von der lug schreibt man alsus,
das der chaiser Octavianus,
der ain herr was des ertreich
und niemant lebt sein geleich,
4110 der mocht der lug nicht widerstan.
wann es cham ain unedel man
mit grosser lug und valscher mär,
das er seiner tochter sun war,
die do Octaviane war genant.
4115 do sprach der chaiser so zehant:
„wie mag das zu chomen sein,
das du hast verswigen die wirde dein,
und das du so lang verporgen pist?"
do sprach der lugner mit ainem val sehen list:
4120 „der, der mich erzogen hat,
der hat sein sun geben an mein stat
meiner mueter Octaviane, das gelaub mir,
und hat sein selbs sun geben ir,
und hat an seines suns stat behalten mich."
4125 mit solicher lug wolt er sich
in den höchsten adel haben gezogen,
4097 alles das si het geton D. das WTSG. 4098 das selber F. menig-
lichemD. 4100 dar] das S. 4101 sich selben soleich sarn F. 4107 chaiser
fehlt G. 4108 ertreichs FSG. 4109 lebt fehlt WSG. was D. seins ge-
leichs F. geleicht S. 4111 unedler D. 4112 falschen WS. 41 14 Occasione
WS. OccasianeG. 4115 sojdaG. so fehlt D. 4116 zu fehlt GD. 4117
du so lang F. 4118 verporgen gewesen WSG. ist WS. 4119 das do sp.
F. ainen posen valschen S. ainem fehlt GD. falschem GD. 4120 ein der
fehlt S. 4122 Occasione S. Occasiane WGD. 4123 fehlt S. hat fehlt
GD. 4124 suns fehlt S.
142
und wolt sein selbs vatter haben betrogen,
der in da zoch an alles betriegen.
und do der chaiser hört sein liegen,
4130 do liez er in liegen nach seinem sitt,
doch ward er an ain chreuz gesmitt.
Von der sterk.
Die sterk, die ist in dreierlai geschieht
nach dem, als Macrobius spricht.
die erst sterk ist, als man bedeut,
4135 wann ein mensch stark ist für ander leut,
und der da check ist und wolmugent.
das selb ist nicht gehaissen ain tugent.
die ander ist ain endleichait,
wann die ist ain sicherhait
4140 des muetes, das man sich fürchtet nicht,
das in chain swäre sache macht enwicht.
die dritte ist gedult und darinn ze besten
in allen Sachen, was dich an wil gen,
und die zwo sterk, die haisset man
4145 tugent, als si in dem decret geschriben stan.
Die sterke, die geleich ich wol
dem leon, wann er slaffen sol,
so slaffet er mit offen äugen, hör ich sagen:
und wann in die Jäger wellen jagen,
4150 so wirt er sein für sich innen,
und darumb, das si in nicht vinden,
so tuet er gar ain hübschen sitt,
wann er bedecket sein fuestritt
mit seinem swanz, wann er get,
4155 als das von im geschriben stet,
4127 seins G. geflohen W. 4128 da zoch] erzogen het D. 4129 hört
fehlt G. 4130 liegen legen nach sein alten sitt F. seiner D. 4132
sterekch ist BF. 4136 wolgemut S. 4137 selb fehlt F. 4138 edelchait
S. 4142 gedult fehlt G. ze fehlt WBS. 4143 dich] in B. wil an g.
FGD. 4144 zwo] auchzuoG. die fehlt G. 4145 mugent als man si in G.
V. 4146—4159 fehlen B. 4146 sterk glich G. 4147 leben F. leoGD.
er] der FGD. 4148 sleftS. 4149 wellentS. 4151 in fehlt S. 4152 gar
fehlt F.
143
und ob er den Jägern wirt chunt,
so fleucht er nicht ze chainer stunt,
wann er stellet wider den Jäger sich
an alle vorcht gar vestichlich.
4160 Tulius spricht: „das ist das allerpest,
das ain mensch sei in seinem vechten vest
und gedultig in seiner widerwärtichait.
das selb ist ain rechte manhait."
Seneca spricht: „wer da ist stark, der ist frei,"
4165 als er sagt in seiner omelei.
„durch zwaier sach," hat Lazarus gesagt,
„wirt der mensch mer lieb gehabt,
wann von chainer] ai ander tat.
das ain ist wer rechte manhait hat,
4170 das ander ist ain lau treu treu unverchert.
die zwo sach machen den menschen wert."
Socrates spricht: „das ist ain pesser fraidichait,
das man fleucht, das da pringet lait,
wann es von notung also chäm,
4175 wann das man aim sein leben näm."
in dem puech von prueder Gilio
list man von der fraidichait also,
das si sei von manigerlai manier
und sunderleich von sachen vier.
4180 etleicher ist fraidig, als er sait,
wann ainer muess tuen ain fraidichait
oder er wurd villeicht getötet.
die selb fraidichait haisst man genötet.
etleicher ist fraidig in seinem wesen,
4156 dem jager SGD. wurtW. 4159 gar fehlt GD. stätiglich D. 4160
das das ist B. 4162 sein S. 4163 fehlt GD. selb das ist F. V. 4165 —
4166 fehlen B. 4165 also er sagt W. als sagt er S. 4166 zwaierlai
WSGD. 4167 mer fehlt G. 4168 anderererW. chainer anderlai F. 4169
ain fehlt F. rechter F. 4170 lautre WB. rechte D. 4171 sachen B. den]
ainW. 4172 Socrates spricht fehltB. ain fehlt F. pöse WBSD. pössew
G. 4173 man nicht fl. WBSGD. V. 4174. 4175 fehlen B. 4174 also
darzu eh. F. 4175 wan] wenn F. denn G. lieb F. 4176 Silio GD. 4178
maine GD. 4179 und fehlt WBSGD. besunderleich F. sunderleichen S.
fiere G. von den vier sachen aine D. 4180 er] man G. 4182 villeicht]
pilleich S. 4183 nötet D. 4184 etleich BS.
144
4185 der do lang in chriegen ist gewesen.
die selb fraidichait ist von übriger gewonhait.
es ist auch etleich fraidichait,
das ainer vil sig hat gehabt.
es ist auch etleich fraidichait, als er sagt,
4190 das ainer chainerlai diug fürchtet nicht,
das ist ain vichleich fraidichait, als er gicht,
und die selb fraidichait ist nicht volchumen,
wann si pringet chainen frumen.
Von der selben fraidichait muess ich sagen,
4195 das da geschehen ist in churzen tagen
an ainem päurischen man.
der selb villan het übel vil getan
an manigen menschen, hör ich sagen,
die er ze tode het geslagen.
4200 das weret etlich zeit darnach,
unz das got sein räch
auch von im herwider wolt nemen,
als das seiner gerech tikait wolt zemen.
wann sein gerechtikait die wolt,
4205 das er auch in sunden also sterben solt.
wann es ward der selbe teufeis chnecht
unsinnig, als das pilleich was und recht.
und do er also lag an allen sin,
do cham sein weib zue im hin in.
4210 do sprach er zue seinem weib: „du pist so stat!
nu schaff ich hie mein seigerät,
und enpfilch dirs auf dein treu und er,
das du mir verhaissest her,
das du meinem jungesten sun,
4215 die gelübniss wellest tuen,
4185 krieg GD. 4188 hab SD. 4189 er] man SD. 4190 ain W. ding
fehlt F. 4191 ex] man WD. 4192 und auch G. volkomen W. 4193
fromen W. V. 4194 — 4263 fehlen B. 4196 pawerischen F. pewusten
S. 4197 vil Übels GD. 4199 erslagen F. 4201 hintz S. unfczt F. 4202
auch herwider von im GD. 4203 als fehlt F. wolWD. 4205 auch fehlt
GD. also fehlt F. 4206 es] er GD. selbs GD. 4208 alle GD. 4209 in
fehlt D. 4211 sei kraet D. sei gerait S. 4212 dein fehlt D. und er]
wider G. 4214 meinen iungen D. 4215 gelaubnus F. hie w. SG.
145
das du im mein pargamast wellest geben,
wenn sich verendet hat mein leben.
wann der pargamast ist als guet,
das er hat wol vergossen ain üren pluet
4220 aus der menschen herzen und magen.
davon fliegt er dem selben chnaben;
wann ich wais wol, das er wirt ain man,
der do pluet vergiessen chan.
auch wais ich in wol des muetes,
4225 han ich vergossen ain üren pluetes,
so vergeust er sicherl eichen zwo.
hiemit so schrai er „ho ho ho!"
und ward wider unsinnig als ee,
das was sein geschäft und nit ine.
4230 und do er sein geschäft getan het,
do fuert in der teufel von dem pett
under das venster, hör ich sagen,
und warf in in den purggraben,
das im der chragen abprach.
4235 also tet got an im sein räch.
darnach stuend das nicht lang,
das der sun gewan gross getwang
nach dem selben pargamast,
wann er mocht nicht haben rue noch rast
4240 von des selben messers wegen.
die mueter sprach: „du solt dich segen."
do sprach der sun an der vart:
„so war ich wol ain pankart;
solt ich nicht als vil pluet
4245 vergiessen und machen als manig fluet,
als mein vatter getan hat,
4216 messer D. 4217 wann D. 4218 dz. messer D. als] so G. also D.
4219 es D. wol hat GD. üren fehlt S. urn G. eimerD. 4120 aus] alsS.
herz WGD. 4121 davon so fugt WS. fueget es D. 4224 in fehlt S.
4225 urn G. eimer D. 4226 sicherlich FGD. 4227 so fehlt GD. ein
ho fehlt WS. er huo huo GD. 4228 fehlt F. 4229 und nicht nie] getan
het S. getuon hett G. 4230 fehlt SG. 4234 krage GD. 4237 gewang
W. zwang GD. 4243 posthart W. paschart S. poschart G. pasthart D.
4244 wolt G. 4245 menig S. mein D. fluet] tuet F.
Zingerle, Vintler. IQ
146
so war ich nicht guet zue ainem surthart.
davon pitt ich dich mueter ser,
das du mir gebest das clainat her,
4250 das mir mein vatter hat geschaffen."
nu secht nur an den jungen äffen,
wie er so gar ist verpelt,
oder sol ich in haissen ain helt
durch willen seiner grossen fraidichait,
4255 die der helt an im trait?
und gewint der nun auch ainen sun,
wa well wir denn den selben hin tuen?
der wirt erst in dem pluet umbwaten
mer wann vatter und sun ie getaten.
4260 darumb ain solich vichleich fraidichait
die ist ain fundament der narrhait;
aber das ist ain fraidichait perfette
und ain tugent reiche nach dem decrette,
wenn ain man wil fraidig sein,
4265 das er vor bedenk, ob chainerlai pein
im davon möcht auf ersten;
wann wer sein fraidichait lat alzeit für sich gen,
da verleust man oft von guet und er,
und ist auch wider der decret 1er.
4270 die sterk die ist an alle schult,
wa da ist ain rechte gedult.
Tulius spricht: „die gedultikait ist ain port
der parmherzikait hie und dort."
und also spricht das puech der weishait,
4275 das alle tugent trait witwenclait.
Salomon spricht: „die sapiencia
4247 furthart F. zu ainer fulliat D. 4248 darumb W. 4249 klainetWD.
claineyd F. klainhait G. 4251 nur] nu SG. nun D. dem G. 4256 auch
nun ein D. nun auch] im S. 425 7 so wellen S. denn fehlt FS. 4259
wann] danne F. vor ie W. taten D. tetten G. sun] muotter GD. 4260
darumb] der do hat D. 4267 allzit laut für G. 42 68 davon verleust D.
min von oft B. von lewt gut und S. V. 4269 — 4271 fehlen B. 4269
des decret G. 4270 sterk ist S. 4271 da] das F. 4272 Tulius spricht
fehlt B. pot B. V. 4274. 4275 fehlen B. 4274 also] als do SGD. 4275
tragen fc GD. V. 4276— 4279 fehlen D. 4276 die rechtew s. F. die
sapiencia] von der weishait das W.
14?
die erchent man au der liebe da,
und wer da hat ain gedultigen muct,
den erhöhet got der guet."
4280 Tolomeus spricht: „wildu widersten der widenvärtikait,
so gesell dich zue der gedultikait."
Origenes spricht: „wer do recht gedultig ist,
der wirt erhöhet ze aller frist."
Von der sterke list man das,
4285 das ain man in der alten ee was,
der do Sampson mit namen hiez,
wann auf erde cham nie sterker viez,
als uns die bibel sagt fürwar,
und het doch all sein sterk im har,
4290 nu chriegt er mit den Philistern
alweg umb das weib sein,
und west niemant von wen im die sterke cham.
do legten sein veint mit seinem weib an,
das si in solt erfaren die mär,
4295 von wannen im die sterke chomen war,
die er da traib als offenbar.
do sprach er: „all mein sterk ist in dem har."
also erfuer das pöse weib,
von wannen Sampsones leib
4300 het ain soleich chraft an im.
das tet si chunt den Philistim,
das alle sein chraft in dem har war.
ains tages nam si her ain schär,
do er slief in irer schos,
4305 und beschar si im das haupt plos.
4277 die orden man an der karitas W. liebe da] karita BSG. 4279 fehlt
G. 4280 Tolomeus spricht fehlt B. spricht fehlt G. 4282 Origenes
spricht fehlt B. spricht fehlt D. 4283 erhöret F. V. 4284 — 4367
fehlen B. 4284 sterckt F. 4286 do fehlt G. S. mit dem n. G. 4287
cham fehlt F. nie chain F 4288 uns fehlt G. 4289 und doch hetfc er
GD. 4292 und] nun WF. von weil] wann WS. wannan G. und wannen
im die sterck kam das wesfc nymand D. 4293 legt G. 4294 im WF. die
mär fehltWFSG. das si an im erkundete die mer D. 42 95 von fehlt W.
wann W. wannan G. sein sfc. G. chomen fehlt F. wäre G. 4296 als
fehlt F. 4299 wannan G. 4301 das si vcrkuntD. 4305 und] do FSGD.
beschor S. das] sein W.
10*
148
darnach chomen die veint in das haus,
und stachen im die äugen aus.
also gieng er manigen tag sider,
das im sein har wuechs herwider.
4310 do chomen sein veint ains tags zesamen,
die frawen mit allen iren mannen,
und wolten do ain hochzeit haben.
nu was das haus auf einer seul erhaben,
da die hochzeit inne was.
4315 nu gieng Sampson unter den palas,
und hies sich füeren zue der seulen eben,
wann er wolt da sein leben
wagen durch der veinte sein.
do sprach er zue dem chnäbelein,
4320 das es gieng für das tor
und das es danne plies davor.
das chnäblein tet, als Sampson hies,
für den palas es gieng und plies.
damit Sampson die seul umbslos
4325 und Schutt sei, das der palas gros
aller sampt ze stucken prach.
also sich Sampson an seinen veinten räch,
und also starb er in den jaren
mit allen den, die in dem hause waren.
4330 Von der sterk han ich gelesen,
das ze Rom ain ritter ist gewesen,
der selb hies Oracius Codext,
also nennet in der text.
do chriegten die von Rom mit den von Ttiscan.
4335 als sie das hetten lang getan,
4306 veint fehlt F. das] sein WS. 4308 tag fehlt F. 4312 und] da
FGSD. do] seu F. si SG. 4314 do WS. 4315 under in F. pallast GD.
4316 sül G. sul D. 4317 da fehlt F. 4318 den veint W. 4320 es] er
WD. 2udemD. 4321 er dann WSD. dann G. es fehlt F. 4322 chindlein
F. als] daz G. 4324 damit] wanne W. damit der SG. 4325 und si schutt
das GD. pallast GD. sei fehlt S. si W. 4327 also er sich an G. 4332
selb fehlt F. Codex G. 4333 nempt G. 4334 Tuschkan W. Tuschgen G.
Tuschgan D. 4335 also do si D. seu F. das lang hetten FG. si fehlt S.
149
do gewunnen si den Römern ab den ruck,
und jagten in nach auf die Teiferpruck.
do stund allain Oracius,
als do spricht Titus Livius,
4340 und tet an den veinten ain solich räch,
das man die prucken die weil nider prach
hinter sein gen der stat,
die weil tet er als manleiche tat
mit den veinten altersain,
4345 wan er drang auf die ganz gemain
durch aller hant waffen,
damit si in schuzzen und traffen,
das er chaum davon genas.
und do er sach, das die stat sicher was,
4350 do wolt er durch der veinte her
getrungen haben mit manleicher wer.
do mocht er durch die veint nicht chomen
und hinter sein was im die pruck genomen.
do tet er recht, als ain man,
4355 der nicht fürbas chomen chan,
und sprang mit unverzagtem muet
mitten in der Teifer fluet
mit allem harnasch, das er het an im,
doch half im das gelücke hin,
4'360 das er aus cham mit manleicher tat
zu seinen purgern in die stat.
und do die veint Oracii manhait sahen,
do begunden si alle dannen gahen
und sprachen mit gemainem rat:
4365 „wir hieten überwunden Rom die stat,
aber Oracium mug wir nicht überwinden
mit allen unsern chindes chinden."
4336 do] doch S. rüg G. 4337 piss auf die G. die fehlt FS. prug G.
4338 stund W. 4340 sollichen GD. 4341 prug G. 4343 er fehlt S.
also D. 4344 alters allain S. allein D. 4345 er] der F. ganzen WGD.
4347 sew F. 4348 davon kum g. G. 4350 der veinte] daz GD. 4353
und fehlt WSG. sein] sich G. 4354 recht fehlt S. 4358 hernasch WS.
das] den F. 4360 chom W. 4361 fehlt F. 4362 die m. GD. manhait
fehlt F. ersahen W. 4363 sew F. dannan G. 4365 hetten WSG. 4367
unsers F.
150
Von der vorcht.
Die vorcht, die ist ain widerwärtichait
der sterk, als das Galienus sait,
4370 und ist doch in dreierlai mainung.
also sagt er in seiner summ.
die erst ist vorchtig ze sein,
wann chain ursach ist darein,
nur allain von gedenke wegen,
437 5 die im die vorcht also eingeben.
das haist aigenleich ain vorcht hie.
die ander sach der vorcht ist die,
das sich ain mensch von etleichem trüebsal
mer fürchtet, denn es so),
4380 und die vorcht, die haist ain snödichait.
die dritte vorcht, als er sait,
ist also, als ich hör sagen,
das ainer chain aufenthaltung mag gehaben
wider chainerlai widerwärtichait.
4385 das haist man aigenleich ain plödichait.
Den tadel der vorcht geleichet man
dem hasen, als ich vernomen han,
das ist das vorchtsamist tier, —
das sult ir gelauben mir, —
4390 als es auf ertreich gesein mag.
wann wenn es ist in ainem hag
oder in ainem pusch, hört es ain laub,
das sich rüeret oder ain staub,
den der wint vor im treibt,
4395 zehant der has nit mer beleibt;
wann er fleucht für sich von dannen.
4368 vorcht ist FG. 4369 das fehlt G. 4370 doch] auch G. 4372 ist
fehlt F. e. die ist B. 4374 gedank BF. 4375 als S. 4376 aigenkleichF.
hie fehlt S. 4378 sich fehlt F. etsleichen S. 4379 denn] wanne F.
dann B. denn er ensol G. 4380 und auch G. vorcht haist F. 4381 dritB.
dritt FS. 4382 als ich fehlt W. als fehlt G. 4383 aufhaltung F. mag
F. haben WBS. 4385 man fehlt G. aigenkleichF. V. 4386 — 4466
fehlen W. — V. 4386—4396 fehlen B. 4393 r. oder st. GD. 4394
von GD. 4395 nimmer SGD.
151
also tuet ain zag pei pidermannen,
der mag pei den frumen peleiben nicht.
als her Salomon das spricht,
4400 das chain ding den menschen mach
als gar vorchtig und als swach,
als da ain pös gewissen ist,
wann der selb pesorgt ze aller frist,
das im sein pöse werk, darin er strebt,
4405 werden von etwem aufgehebt.
in dem puech der laster vindet man,
das das sei ain vorcht und ain schäm,
der sich fürchtet von aller sag.
wann das ist ain naturleicher zag,
4410 und der sich fürchtet von soleichen sachen
ains dinges, das niemant chau wendig machen.
Tulius spricht: „es ist snöder ze fürchten den tot,
wann ze sterben oder chain ander not."
Terentius spricht: „wildu der vorcht wesen frei,
4415 so tue recht und red wenig dapei."
Von der vorcht schreibt man,
das von Syracusa der tyran
was so vorchtig, das er sein geporen freunt
alle ausslueg zu ainer stunt
4420 und uam frömd leut an seine huet,
wann er gelaubt nicht, das sein pluet
an im immer möcht tuen recht,
auch gelaubt er weder weib noch knecht,
wann er getraut chains menschen haut.
4397 zager GD. piderben m wa das ist B. 4398 der beleibt pei d fr. n.
GD. fromen B. 4399 fehlt B. 4400 Salomon das cli. B. 4401 und swach
B. 4403 besorgt sich BSGD. 4404 seinew possew G. V. 4406. 4407
fehlen B. 4407 und schäm S. 4409 wann fehlt B. naturieich FGD.
4410 sich fehlt S. furcht BG. 4411 das] des S. wenig F. wendig* kan
machen BSG. ein ding das nymant mag wendig machen D. 4412 Tulius
spricht fehltB. spricht fehlt GD. ze fehlt FGD. 441 4 Terentius spricht
fehltB. den vorchten wessen F. V. 4416— 4483 fehlenB. 4416 vorcht
so schreibt S. 4417 Syracussana F. der selb t. GD. 4418 er fehlt G.
4419 schlug aus D. 4422 möcht fehlt S. nimmer D. nimmer tuon möcht
r. G. 4423 er glaubt auch w. G. 4424 getrewet G.
152
4425 er lag auch allain alzehaut
auf ainem turen, der was hoch,
da er ain pruck nach im auf zoch.
auch lies er sein eleich weib
nimmer chomen zu seinem leib,
4430 noch nimmer chomen in sein gemach.
nuer zu den stunden, wann das geschach,
das er ir gert nach der natur lauf,
so lies er sei in den turn hinauf
und beschawet vor alles ir gewant,
4435 das im chain schad möcht werden von ir bechant.
auch lies er chain eisen pei ir nicht,
noch chain er hant waffen geschieht.
so gar was er timorosus,
als das schreibt Valerius Maximus.
4440 Von der vorcht list man das,
das ain chünig in Sicilien was,
der was Dionisi genant
und was der snödist man erchant
und der vorchtsamist, der lebt auf ertreich,
4445 wann an poshait lebt nicht sein geleich.
darumb mocht er chain guet getuen.
auch lebt er nimmer gern mit suen
weder mit den freunden noch mit den magen.
noch lobt in ain sein freunt alle tage
4450 und sprach zue im, er het
got ze danken an aller stet,
das er im so vil guetes het getan.
er solt alweg ain gueten muet han,
was im solt solch unmuet und traurickait?
4455 ains tages rueft im der chünig gerait
4426 der was] gar F. 4428 eleich] aigenleich S. aigentlich sein GD.
4430 zu seinem GD. 4432 begert SGD. nature G. 4433 hiez er si zu
im in d. S. den fehlt GD. 4434 als G. 4436 eisen fehlt F. er liess pei
ir kain e. n. G. er 1. bei ir D. 4437 geschieht] icht GD. 4441 Zicile S.
Cecilia GD. 4443 bekant SGD. 4444 der] als man S. als er GD. 4446
gut tunS. 4447 er lebt auch n. G. 4448 fronden F. noch] weder S. beide
den fehlen G. 4449 noch] nu FGD. ain sein] ainer F. sein fehlt GD.
4454 soleich F. sollicher G. 4455 gemait F. berait GD.
153
und friert in auf sein chünigleichen tron
und satzt im auf sein guidein chron
und macht umb in ain fewer gros.
darnach nam er ain swert plos
4460 und hieng das an ain roshar
auf sein haubt eben gar,
und lies vor sein machen churzweil vil
mit aller hant saitenspil,
das er davon solt haben gueten muet;
4465 und do er sach ain soleich huet
umb in mit dem swert und mit dem fewer,
do pat er den chünig gar tewer,
das er in lies dannen gen.
do sprach der chünig: „du muest hie besten,
44 70 wann du hast mich gelobet ser.
nu soltu auch sein ain herr."
do rueft er an den chünig drat:
„herre, las mich von diser stat,
wann ich lob dich nimmer nicht
4475 in diser weit, was dir geschieht."
und do der chünig das vernam,
do lies er in von dem stuele gan.
do sprach der chünig: „sich, also sten ich,
tag und nacht so ist umb mich
4480 grosse vorcht, der ich warten mues.
des selben wirt mir nimmer pues.
so bistu chaum ain ur hie gestanden,
und hast dich darumb vast enplanden."
Von der starkmüetikait.
Die rechte starkmüetikait
4485 nach dem, als das Tulius sait,
4456 fuerb] rueff F. 4457 guidein] chuni gleich F. kinicklich G. 4458
umb in] im GD. 4459 swerte F. 4461 eben] obnan G. ebnen D. 4462
lies fehlt S. sein] im GD. 4463 allerlai h. G. 4469 sten G. 4472 er dem
eh. F. 4474 nimmer mer n. WGD. 4476 clo fehlt F. 4478 der küng
sprach G. 4479 ist es umb F. 4481 mir auch n. G. 4483 hast] tust D.
darumb] darab WGD. dich gar v. F. vast] so ser GD. enplandet G.
enplenden D. 4485 das fehlt G.
154
das ist ze betrachten schön und hoche ding
und das, das nutzperleiche sach pring.
Die starkmüetikait geleichet man
dem valken, als ich vernomen han.
4490 der selb sturb ee hungers, als man gicht,
ee das er ain fauls flaisch ässe icht;
wann er fleisset sich ze aller zeit
gros gefügel ze vachen an widerstreit.
sand Augustin spricht von der starkmüetikait,
4495 das der leo nimmer hab so grosses lait,
das er mit der amaisen chrieg,
oder der adelar mit der flieg.
Tulius spricht auch davon,
das man den nutzpären man
4500 erchent an den swären werken sein.
Teoprastus spricht in seiner omelein :
„es ist nicht als stark, was man vint,
das es nicht des menschen sinn überwint."
Alexander spricht: „es ist pesser der edel tot,
4505 wann ain snöde herschaft an recht gepot."
Von der starkmüetikait schreibt Valerius
und spricht, das Plato der philosophus
het an im ain soleich starkmüetikait.
wann do im ains tages wart gesait,
4510 wie das Socrates sein jungeling
het von im geredt gar übel ding,
das wart Plato gesait gar taugen,
do wolt es Plato nie gelauben
und sprach, es war wider die naturleich gerechtikait,
4486 die ist betrachten D. ze fehlt B. ze] hie G. und fehlt GD. 4487
sachen D. V. 4488—4493 fehlen B. 4488 die geleicht W. 4490 selb
fehlt WS. spricht WSGD. 4492 sich alizeit WGSD. 4493 ze fehlt
SGD. vachen an aller zeit an w. F. 4495 hab nimmer B. so] als W. 4497
adler WBS. 4500 erkenn GD. 4501 omeley F. omely G. 4502 nichtz G.
4503 es] erG. es fehlt D. 4504 Alexander spricht fehlt B. — A. der
spr. G. spricht fehlt D. edel fehlt G. 4505 rechtz G. V. 4506—4553
fehlen B. 4506 sagt D. 45 07 sprach GD. der fehlt F. 4508 an] in
GD. ain fehlt S. 4509 wenn D. do] das WSGD. wer D. 4511 hiet F.
üblew G. 4514 die fehlt W.
155
4515 das der ain erge von mir sait,
und mich nicht lieb in herzen het,
den ich lieb han an aller stet.
do swuer der sager an der stund,
das er es gehört aus Socrates mund.
4520 do widerstuend dem zoren Plato
und sprach mit ainem ernsthaften muet also:
„Socrates hat von mir geredet nicht,
er hab es dann gewest gericht."
und davon hat der maister gesait:
4525 „secht wie ain starkmüetikait *
het Plato, das er nicht wolt gelauben das,
das im von seinem junger gesagt was,
und auch darumb, das der junger nicht chäm
in ain solich wort als ungenäm."
4530 Von der starkmüetikait
list man, als Valerius sait,
das die Romer an underlas
chriegten mit dem chünig, der in Zipern was,
der do Pirro hies mit nam,
4535 als das sagt die historje von Rom.
nu het der chünig ain arzt pei im.
der selb het valschait vil in im,
wann er sand zue den Romären,
ob si in nicht wolten vermären
4540 und im etwe vil gelt wolten geben,
so wolt er seinem herren vergeben.
do antwurt im der senat,
das ain solich ding nit tat die römisch stat,
4515 erge] arge sache F. arges D. 4516 liebe F. 4517 denn F. hab S.
4519 es hiet g. F. es hctt g. G. er het g. D. 4520 disem z. GD. 5521
ernstlichen WGD. muet] antlitz WSD. antlutz G. 4523 dann] denn SG.
g. ze bericht GD. 4524 do W. 4525 starkmütichait hat er gehabt F.
4526 het fehlt F. 4527 das das FS, im] da nü S. iungern FGD. 4528
auch fehlt F. darumb fehlt GD. 4529 als] gar F. 4531 als uns D.
4534 dem namcnF. 4535 das] da G. doD. hystoryFGD. 4536 artzat G.
4537 h. vil falschait G. 4539 seu F. 4540 und auch im G. etzwevil W.
etwa v. F. etwen vil geltz D. 4541 er seinem aigen G. 4543 das die
römisch statt ain söllich ding nit tat GD.
156
wann si lustet nicht ainer solchen snöden sach,
4545 die den menschen möcht machen also swach,
wann si wolten iren veinten ee
mit ritterleichem chrieg tuen so wee,
das si in wol oblägen mit ir chraft
und nicht mit chainerlai verratenschaft.
4550 und darnach santen si für sich
ir potschaft dem selben chünig reich
und liezen in wissen das,
das er sich hüet vor dem arzt fürpas.
Von der eitel er.
Die eitel er ist des teufeis zagel
4555 und ist ain widerwärtiger tadel
der rechten starkmüetikait,
nach dem als Priscianus sait,
und ist doch in dreierlai sach.
die erste ist gar swach,
4560 als das ain mensch erzaigen wil
alle sein starkmüetikait auf ain zil,
das er darumb gelobet werd.
das selb haist aigenlich eitel er,
aber wer da wil zimleich
4565 gelobt werden sittleich,
das selb ist chain tadel nicht,
es ist ain tugent, als sand Thomas spricht.
Salomon spricht: „es ist pesser ain gueter leumunt,
wann das ainem grosser reichtumb zue chumpt."
4570 die ander eitel er ist geudung,
wer sich ze vil lobt mit seiner zung
von etleicher sach, die er an im hat.
4544 sew F. sei G. lust W. 4545 den die S. als WSG. 4546 sew F.
sei G. 4547 kriegen G. 4548 sew F. sey G. irer W. ir fehlt GD. 4549
verrätterschaft SG. 4550 und fehlt F. sew F. sey G. 4551 so rieh GD.
4553 hüttet F. artzat GD. 4558 dr. weiss sachGD. 4559 erst die BSG-
4560 das] da G. 4562 fehlt B. wer WS. werde gelobt GD. 45 63 d. selb
ist ain eytel er auss aigen haupt [hoptD.] GD. aigenleichenS. V- 4564 —
4569 fehlen D. 4565 werden und auch sifcticlich G. 4567 sand Thoraas]
Augustinus G. 4568 Salomon spricht fehlt B. lewmd G. 4570 er die ist G.
4572 er fehlt G. '
157
die dritt, das sich ainer erzaigt fhie und spat,
der, der er nicht enist,
4575 und das ist gar ain valscher list.
und wer sich dann ruer erzaigt,
das haisst man dann geleichsenhait.
Ich mag geleichen die eitel er
dem pfaben, der hat ain soleiche ger
4580 und allen seinen lust, den er hat,
das er sein vedern macht an sein stat
und den swanz aufstroben,
darumb das in der mensch sol loben,
und alspald er dann sein fües sieht,
4585 so lat er den swanz nider gericht.
In der summ, da aller tadel ist,
darinn geschriben ist, als man list:
„wenn der mensch hat überwunden
allen seinen tadel in disen stunden,
4590 so beleibt im dannoch die eitel er
aintweders minner oder mer,
es sei an seinen werken oder an seinen sinnen,
da chan man in gar hart von pringen."
Salomon spricht: „wer do lieb hat
4595 die eitel er an aller stat,
der selb ist nur der spilleut chnecht."
und darumb lert uns Catho gar recht :
„pis nit eitelerig in deinem muet,
wildu iederman dünken guet."
4600 Salomon von der geudichait spricht:
„du solt dich leben nimmer nicht.
las dich loben ander leut zung,
so hastu ain rechte lobung."
4573 dritte F. 4574 er fehl t F. der doch nicht ist F. 4577 das selb
das F. dann fehlt BS. V. 4578— 4587 fehlen B. 4579 solch S. 4580
aller sein 1. W. alle S. sein SG. 4581 mach WS. 4583 solt G. 4584 seinen-
G. 4585 letS. nider fehlt F. 4586 tadel in stat und ist GD. 4587 darinn
und ist fehl t F. darinn man also lesen ist GD. 4589 sein FG. 4591
minder FG. 4592 sein werken oder sinnen G. 4596 selb fehlt GD. nun
D. 4597 gar fehlt FD. 4599 ieden manF. 4600 fehltG. 4602 zungen
G. 4603 rechte w SG. lobunge G. ain fehlt D.
158
Isideros spricht: „die henne macht ain gross geschrai
4605 von wegen aines clainen ai,
und raizt doch nur den fuchs damit.
also ist ir naturleicher sit."
Seneca spricht: „die geleichsenhait haben nur die vaigen,
wann es mag chainer nicht lang erzaigen
4610 das, das er nicht in im hat."
Tulius spricht in seinem rat :
„das chain valscher leumunt
mug nicht weren lange stunt."
so spricht Augustinus der lerer guet:
4615 „der, der wol redt und übel tuet,
das ist nicht anders, wann das er smaicht
und das er sich selber laicht."
die geleichsenhait ist, als man vint
geschriben in der summ, da die tadel sint,
4620 das si als die valsche münz prist.
Faro spricht: „die geleichsenhait die ist
nicht anders mit irer chraft,
denn als die recht verrate n s chaft. "
Von der eitel er list man gar eben
4625 in der altväter leben,
das ainst ain engel gesellet sich
zue ainem ainsidel gar götleich,
und giengen mit ainander, als ich las.
do funden si ain stinkundes as.
4630 do verhueb der ainsidel die nasen,
dos er nicht solt smecken den prasem.
des achtet der engel gar nicht
4604 Isiderus spricht fehlt B. henn die BS. 4605 nur von ainem cl B.
4606raissetB. 4607 also es ist F. naturleich WFS. 4608 Seneca spricht
fehlt B. spricht fehlt GD. 4609 chainer fehlt W. lang nit G. 4613
mit nicht mag w. D. stunt] zeit F. 4614 fehlt B. spricht sant G. 4615
der da w. W. und auch u. G. 4616 wann] denn W. wenn GD. V. 4618
— 4620 fehlen B. 4618 mans G. 4619 tadel in s. G. 4622 ir FSG.
4623 dann BF. yerräterschaft G. V. 4624— 4652 fehle n B. 4625 alten
v. FS. 4626 ainostG. 4627 gueltigklich G. gutleichD. 4628 mifenander
W. 4629 sew F. stinkendsW. stinkendes S. stinkens G. stinkend D. 4631
wolt SGD. mocht W. 4632 achlot G.
159
und si giengen für sich ir gericht.
do fanden si ain schön junkfrawe
4635 in ainem grüenen tawe
mit gar schönen claidern vein,
und prach ir da der plüemelein
nach ires herzen ger;
wann si suechet nicht wann eitel er.
4640 und do der engel die maid ersach,
do tet im also we der gesmach,
das er die nas muest verhaben.
do sprach der ainsidel : „du solt mir sagen,
warumb verhabestu du die nas alhie,
4645 und dort, da du für das as gie,
do verhueb du dich nichtes nicht.
das geit mir gar ain pöse zueversicht.
das du ob als ainer schönen maid auserchoren
verhabst dein nas, das tuet mir zoren,"
4650 und begund sein spotten etwevil.
do sprach der engel: „ich sol und wil
dir das sagen, warumb ich das han getan.
die eitel er ist von got in dem pan,
wann si stinket vor got noch mer,
4655 wann alle die as, die da ie chomen her
auf dise weit, das sag ich dir."
alspald verswant der engel schier
vor sein, das er in nicht mer sach.
alspald chant er in und sprach,
4660 das es ain pot von got war,
der do haisset aller ding ain schepfär.
Von der eitel er list man das,
4634 schönew FG. junkfrawen FGD. junkfraw S. 4635 tawen F. 4637
und sy pr. G. 4638 beger G. 4639 nichtz G. dann F. denn G. 4641 im
fehlt S. 4644 verhebestu G. verhebest du D. nasen FGD. hie GD. 4646
verhübstW. verhuebest GD. nichtes fehlt G. 4648 du dich als ab ainer
G ab WS. 4649 verhebest G. 4650 wegond F. 4652 das] ez W. dir
sagen GD. ich hab das g. S. 4653 got fehlt GD. 4654 noch fehlt F.
4655 da fehlt G. 4656 — 4681 fehlen B. 4656 disser G. 4657 pald
da v. G. 4658 vor sein] vom im G. in] sein G. 4659 iach F. 4660 er
von got ain pot S. das es war ain pot von got her GD. 4661 do haisset]
da ist W. ain fehlt WS.
160
das ain ritter in Chriechen was,
der was Pausanias genennet,
4665 und was so eren geitig erchennet,
das er den maister Ermoclem pat,
das er im gab sein hilf und rat,
das sein nam wurd weit erchant
allem volk in allem lant.
46l70 do sprach der maister lobesam:
„wenn du tötest ainen erleuchten man,
so wurd dein nam gar weit genennet,
das man dich in allem lant erchennet."
do was Pausanias nicht lang peitig,
4675 wann er was so eren geitig,
das er den chünig Philippum erslueg.
do ward geschriben der unfueg
in alle purg und stet,
das Pausanias seinen herren ermordet het.
4680 do ward sein nam gar weit erchant
über al in allem Chriechenlant.
Von der stätichait.
Die stätichait oder vestichait
nach dem, als Isiderus sait,
das ist ain starkes vestes gemüet
4685 in allem fürsatz mit rechter güet.
aber der mensch sol nicht als veste sein
in seinem fürsatz, das er peleib darein,
das er nicht vall in den tadel prait,
den man haisset hertichait;
4690 wanne Andronicus gicht:
„die hertichait ist anders nicht,
wann der sein fürsatz nicht vercheret
4664 genannt GD. 4665 ere G. erkanfc GD. 4666 Ermogenes G. Ermo-
gines D. 4669 allen | allen W. 4670 der hoch m. G. 4671 ertottest G.
ain erLeichen F. 4672 wirt D. 4673 alle W. 4676 der süg S. 4679 sein
F. sein aigen h. D. 4681 allem fehlt F. 4684 ain fehlt D. 4685 mit]
n F. rechter] ganzer W. 4686 nicht] nimer GD. 4687 er fehlt F.
er allweg b. GD. 4690 fehlt B. A. der gicht FGD. 4691 h. die ist G
4^92 seinen BSG.
161
und albeg sein gemüet meret
wider iederman frue und spat,
4695 und er doch wol wais, das er unrecht hat.
Ich mag geleichen die stätikait
dem fenix, das ist ain vogel gemait,
der selb lebt auf dreu hundert jar,
und wenn er eraltet so gar,
4700 das er das erchenuet an im,
das im mangelt die natur sein,
so claubt der edel vogel stolz
gar wol smeckundes holz,
und machet daraus ainen test
4705 und setzet sich dann in das nest
und chert sich gen der sunnen schein
und flaudert als lang die flügel sein,
das sich das fewer in dem nest erzundt
von der hitz, die von der sunnen chumpt,
4710 noch ist der vogel als stät und als gehewer,
das er sich nicht rüeret in dem fewer
und verprint ee, als ain chol,
wann er waiss von natur wol,
das er sich vernewet gerait.
4715 also stirbt der vogel in stätichait,
und aus seinem aschen rain
wirt ain würmelein ciain.
das nimpt an sich ain wunderleich maus,
wann es wirt ain vogel daraus,
4720 und also chumpt der vogel wider,
das er gewint ain newes gefider.
auch ist der vogel gar wunderleich,
wann ir ist nur ainer auf ertreich.
4695 das er unrecht hat fehlt S. V. 4696 — 4725 fehlen B. 4697
das fehlt W. 4698 selb der 1. D. 4699 eraltet] der altet F. 4703 zesamen
garvilwolG. zesamen gar wol schmeckentD. schmekchentW. schmechentz
G. 4704 darauf W. ain FSGD. 4706 sich dann gen F. 4707 flugt W.
flewgt S. fleugert GD. die] mit den D. 4708 entzundt FGD. 4710 und
gehür G. gehewr W. 4712 und er verprint als D. 4714 prait GD. 4715
in] an S. 4716 seiner GD. 4721 das] wann D. sein F. ains W. 4722 der
selb v. GD.
Zingerle, Vintler. \\
162
Tulius spricht von der stätichait,
4725 das chain sach mach den menschen als gemait,
und das dem menschen als wol chum,
und das auch pring als grossen frum.
wer do hat ainen vesten muet,
das ist ze allen dingen guet.
4730 Catho spricht: „du solt vest sein
in allen Sachen, das du chomest ein."
sand Isiderus der spricht:
„es ist ze loben gar nicht,
der ain ding anvacht,
4735 aber wirt es volpracht,
so sol man es loben pilleich.
wann wer da harret, das ist lobleich."
sand Gregorius spricht in seinem puech:
„es laufen vil leut zue dem tuech,
4740 aber wer da harret in dem laufen sein,
der selb zeucht das tuech hin."
Von der stätichait schreibt Valerius :
do Alexander mit Darius
het gestritten und het in überwunden,
4745 do opfert er den göttern an den stunden
in dem tempel nach dem alten sit.
nu was ain chind von Macedonia mit,
das het das rauchfaz in der hant.
do sprang dem chind ain glüender prant
4750 auf den arm und prant das chind so ser,
das der geschmach gieng hin und her.
d an noch hielt das chind das rauchfas
mit gestraktem arme, wie hais es was,
4725 ding F. den menschen mach als G. 4726 und dem menschen auch
als G. das fehlt D. als fehlt S. 4727 und auch GD. 4728 als werGD.
4730 Catho spricht fehlt B. 4731 aller sach F. das] da SGD. 4732
fehlt B. sand fehlt GD. I. der selb auch sp. GD. 4738 Gr. der sp. S.
4739 zue dem] umb daz GD. 4740 aber] oderS. 4741 selb der z. FGD.
V. 4736 — 4838 fehlen B. 4744 in hett G. 4745 goten W. an der G.
4747 von] aus F. — M. chomen mit W. 4749 glewenderG. 4750 armen
W. 4751 schmack GD. 4752 das fehU F. 4753 gestrakten armen WS.
es] daz GD.
163
und wolt der prunste achten nickt,
4755 damit das die götter betrüebet icht
wurden und das opfer nicht gieng under.
und do Alexander sach das wunder,
do lengert er das Opfer, als man sait,
das er sach des chindes stätikait.
4760 do harret das chind mit grossem twangen
unz das das opfer was zergangen.
und darumb spricht der maister alsus :
„ach het da gesehen der chaiser Darius
des chindes stätichait und gedult,
4765 er hiet nicht gevochten umb chainerlai schult
mit Alexander, noch mit den seinen.
seit sich die jungen also chunnen peinen
auf soleich gedult und stätichait,
was müesten die alten von Macedonia gehabt haben lait,
4770 ee das si ir stätichait wurden zeprechen!
darumb haist man si pilleich die frechen."
Von der stätichait han ich gelesen,
das ain chünig in Chriechen ist gewesen.
der selb satzte seinem povel auf
4775 ain gesetz nach dem rechten lauf.
nu daucht den povel das gesetz ze hert,
und wolten sich sein haben erwert.
des gewan der chünig gar traurigen muet,
wann das gesetz was gar guet.
4780 nun gedacht der chünig tag und nacht,
damit das das gesetz wurd volpracht.
aines tages sant er drat
nach dem povel in der stat
4754 wolt fehlt GD. achtet nit GD. 4755 dadurch daz GD. 4756 daz
daz W. das das under G. das das nit gieng u. D. 4757 das ab menig-
lichemnamwunderD. 4759 das] doSGD. 4760 grossem fehlt F. zwangen
GD. 4761 ergangen SGD. 4763 da] das WFGD. es S. 4766 noch] und
GD. 4767 jungen fehlt GD. 4769 alten fehlt D. gehabt fehlt GD.
4770 si fehlt S erbrechen GD. 4771 davon WS. 4772 starkmütikait D.
4774 selb] der F. 4776 gedaucht G. geducht D. gesetzt WG. 4777 sich
sein] auch sein sich G. entwert F. 4779 g. das was GD. 4781 gesetzt G.
4782 t. da s. WS. gar dr. GD. 4783 der] die G.
11*
164
und sprach: „also wil ich, das ir
4785 ainen aid sweret mir
umb das gesetze, das ich han,
das das von euch nicht hin getan
werd, wann es pringt eu grozzen frum,
nur als lang, unz ich her wider chura.
4790 wann ich wil varn zu unserm got
uud wil schawen, ob es sein gepot
sei also oder nicht,
und was dann der got her wider spricht,
das wil ich euch alles wissen lan.a
4795 und do er in das het chunt getan,
do swueren si im all ainen ait.
darnach fuer der chünig gerait
aus dem chünigreich von dannen
mit allen seinen mannen,
4800 darumb das das gesetz belib
und das es niemant wider trib;
wann er cham hin wider nimmer mer.
des gewan der povel so grosse ser,
das si wanten davon verderben.
4805 nu nahent dem chünig auch sein sterben,
und do er das erchant an im,
do sant er nach den raten sein
und gepot in, das si solten seinen leichnam
ze pulver gar verprennen schon,
4810 und das das pulver an underwint
wurd geworfen in den wint,
und das auch das pulver nicht chäm in die stet,
da er das gesetz auf gesetzet het,
darumb daz sein povel icht
4784 und sprach fehlt F. 4787 nifc werd hin G. 4788 werd fehlt G.
fromen W. frumen S. 4789 untz das i. F. unz] als G. hintz S. ich wider
chome W. 4791 es sei sein g. W. 4794 alles] denn G. 4795 daz alles
kunt het GD. 4797 berait GD. 4800 gesetzt FGD. 480] es] das GD.
4803 so fehlt GD. ser] er F. beschwer D. 4804 davon fehlt F. davon
ze v. GD. 4805 auch fehlt FGD. 4807 dem rat S. 4808 das daz S.
sewF. 4809 pulver prennen gar seh. GD. 4812 auch das fehlt GD. in]
an SG. 4813 da] den G. 4814 darvon GD. nicht FSD.
165
4815 wurd von dem aid erledigt nicht,
den si im hetten davor gesworen.
also starb der chünig hochgeporen.
Von der stätichait schreibt Valerius
und spricht: do Augustus und Anthonius
4820 mit ainander vachten gar pitter,
do ward in dem streit ain ritter
gevangen, der gehört Augustum an.
der selb hies Menius mit dem nam
und ward praeht Anthonio in sein her
4825 gen Alexandria pei dem mer.
do sprach der chaiser Anthonius
zue dem ritter Menius:
„was sol ich mit dir heben an?
du hast mir grossen schaden getan."
4830 do sprach der ritter an alles nöten:
„herr und chaiser haizt mich töten,
wann all dein dro noch dein guet
mag nicht erwaichen meinen muet,
das mich iemant darzue pringe,
4835 das ich des immer beginne,
das ich verlaugne der herschaft mein,
ee wolt ich leiden all die pein,
die auf erd chain man ie gelait.
als vest ist wol mein stätichait."
4840 und do Anthonius sach die stätichait Menius,
do hies er in ledig lazzen umb sus,
des doch der ritter nicht gelauben wolt,
aber Anthonius was der stätichait als holt.
Von der unstät.
Die unstät die hat nindert rest,
4815 wurden F. icht SG. 4816 den] wenn G. im davor h. F. davor fehlt
GD. 4819 spricht fehlt F. do] daz W. 4820 enander W. vachten fehlt
F. 4823 der selb kort G. der kort D. 4824 ward auch praeht G. 4828. 4829
umgestellt D. 4829 mir so gr. SGD. 4832 dein] die G. droe F. drew
W. trewSG. truD. noch] und GD. 4834 gewinn D. 4835 nimmer WFSD.
4838 auf erd fehlt GD. laid GD. 4840 do Anthonius] der kaiser GD.
4841 umb sus] alsus GD. 4843 A. der was WS. als fehlt F. so W.
4844 unstät hat F.
166
4845 und ist ain widerwärtiger prest
der rechten volchomen stätichait
nach dem, als Priscianus sait.
wann der unstät begeret nicht
chain stätichait in seiner pflicht.
4850 Die unstät die geleichet man
der swaiben, als ich vernomen han.
die selbe speist sich ie und ie
fliegent ietz dort, ietz hie,
nach dem, als Salustius spricht,
4855 das die unstät sei anders nicht,
wann ain zaichen der toren.
darumb sprach Plato hie voren:
„wer do der stäte sei ain gast,
der lat sich an das gelück ze vast."
4860 Salomon der weise sprach:
„der unstät der gelaubt alle sach.u
Von der unstät list man das,
das zue den Zeiten der altväter was
ain dieb, der tet vil poshait.
4865 ains tages ward es im doch lait,
das er als vil übel het getan,
und cham für ainen ainsidel in ainen tan
und peicht sich seiner sund gar eben.
do im der ainsidel pues wolt geben,
4870 do wolt der dieb ir chains tuen nicht
und jach: „die pues war im enwicht,
wann ich mag nicht vasten, noch peten
und wil noch chirchgeng treten.
davon so sult ir mir
4845 geprest GD. 4846 volkumen BSG. 4848 nimmer nicht G. 4849
chain] ainer GD. seiner] diser F. V. 4850—4853 fehlen B. 4850
unstät gel. FG. 4853 ietz] ietzund F. 4854 nachdem als] sand B. 485 5
anders sei nicht FGD. 4857 spricht GD. 4858 wer do fehlt GD. 4859
gelüppG. gelubtD. ze fehlt GD. 4860 spiicht darnach GD. 4861 unstät
gel. F. V. 4862 — 5039 fehlen B. 4863 zu] in F. alten v. S. 4864 hett
F. 4865 es im doch] im das WSGD. 4866 Übels G. 4868 und er bichtG.
4870 ir fehlt GD. 4872 nicht] weder G. 4873 wil] vil WF. nach FS.
4874 so fehlt F.
167
4875 ain ander pues geben schier,
wann die pues mag ich nicht volpringen."
do gedacht der ainsidel in seinen sinnen:
„ich furcht, er vall in ain verzagnuss,"
und sprach zue dem dieb alsus:
4880 „mein lieber prueder zarter,
wo du vindest unsers herren marter
an dem weg vor dir sten,
da soltu nimmer für gen,
du chniest nider auf deine chnie
4885 und peut im dein reverenz alhie
mit ainem pater noster und ave Maria."
das selb verhies im der dieb alda.
do vergab der ainsidel an der stund
dem dieb alle seine sund.
4890 darnach gieng der dieb pald
von dem ainsidel aus dem wald.
do chomen den dieb sein veint an.
do wolt der dieb fliehen davon,
und an der flucht do sach er
4895 unsers herren marter mit grossem ser
vor sein an dem wege sten.
do gedacht der dieb: „ich sol nicht für sich gen,
ich sol mein pues alhie volpringen,"
und chniet nider in dem gedingen
4900 für das chreuz und petet alda
ain pater noster und ain ave Maria,
und die weil er petet in dem sin,
do chomen sein veint und toten in.
und do er tot da was gelegen,
4905 do chomen zwen engel dem ainsidel engegen
und fuerten sein sei in das himelreich.
das sach der ainsidel als geleich
und gedacht in seinen sinnen des:
4885 dein] die G. alhie] hie WGD. ie S. 4887 im der dieb] er im GD.
4889 alle] aida FS. da alle sein schuld GD. 4894 do fehltF. 4895 grosser
er F. 4896 von verr an WSGD. 4897 deub F. für sich] für G. 4898
allzeit GD. verpringen W. 4901 und ave W. 4904 da fehlt S. 4905
dem ains. zw. engel eng. WSG. 4908 do gedacht er im in F. seinem sinne D.
168
„warumb solt ich hie püessen, ich enwais umb wes,
4910 und hie in disem walde stan?
nu hat der dieb nie chain guet getan
und sein sei vert doch schon
in des himelreiches tron,
darumb das er zu ainem mal
4915 hat gepeicht sein sunde all.
seit mir daz ist worden chunt,
das das himelreich als leicht anchumpt,
warumb wolt ich denn hie beleiben?
ich wil auch mein zeit davor vertreiben."
4920 und gieng von seiner closen hin.
do gewan der teufel gewalt über in
und tet nach seinem alten sitt
und legt dem ainsidel ain wit
in den weg, da er gieng prangen,
4925 das er darin muest behangen,
und viel sich ze tot alsus,
wann es was gotes verhengnuss.
also der ainsidel starb
und fuer sein sele und verdarb
4930 nider zue der helle grünt,
das si nimmer dannen chumpt,
darumb, daz er nicht nach volget
dem leben, daz er angevangen het.
Von der unstät schreibt man das,
4935 das ze Rom in dem senat was
grosser chrieg und werren.
diser wolt den haben zu ainem herren,
so wolt der ander des selben nicht,
wann si chriegten all umb die geschieht.
4909 warumb] nu was WSG. wais alle HS. wais nicht umb GD. 4913 inj
auf hin auf hin auf G. auf hin auf D. 4915 all] alda WSGD. 4916 das
mir S. 4917 als] so F. 4918 alhie SGD. 4920 clusen GD. 4923 legt
dem teufel ain GD. 4925 er fehlt S. hangen GD. 4929 und] do SGD.
ferfur S. 4932 nicht] nimmer GD. 4936 gewerren G. 4937 fehlt W.
wolt haben den z.G. 4938 diser wolt den andern des selben nicht W. des]
den GD. 4939 all umb die geschieht] si under in W.
169
4940 und also chriegten si under in
ainer her, der ander hin.
und do der chrieg also weret in der stat,
do gedacht im des der senat:
„zwar wir müssen nu doch etwa tuen,
4945 damit das wir gewinnen suen,a
und sprachen do mit gemainem rat:
„welcher purger in der stat
hab das allerstätist weib,
des selben edlen purgers leib
4950 sol fürpas unser herr und chaiser sein."
nu gedacht im des ain purger rain:
„ich wais wol das, das ich han
das stätist weib, das ie man gewan ;
aber doch wil ich es beschawen,
4955 das ich dester pas mug getrawen."
und cham zue seinem weib gar froleich.
er sprach: „mein weib, nu merke mich!
es ist ain grosses zisma in der stat
und in dem ganzen senat,
4960 das man ie chain herren wil han,
er sei danne also getan,
das er hab ain sol eich weib,
der do als stät sei ir leib,
das si die stätichait hab ob allen weiben.
4965 der selben man sol fürpas herr beleiben.
nu waiss ich wol, mein höchster zart,
das du an stätichait pist bewart,
und das dir chain unstät an gesigt,
wann dein stätikait die wigt
4940 fehlt W. under] wider D. 4941 ain herr den andern hin G. 4942
chrieg fehlt F. 4943 des fehlt WD. des] da G. 4944 nu] im WFSGD.
etwie W. ettschwen G. 4945 gewunnen S. 4947 welcher] wen* herr ir
G. velcher ir p. D. 4950 und unser eh. F. und auch k. G. 4952 fehlt G.
ich wol waiss S. nur ein das F. 4953 weib als ie S. iemantF. yeman G.
yemantz D. 4954 ich wil F. 4955 ich ir d. SD. 4957 fehlt F. sprach
zu seinem w. S. 4958 grosse sach F. grosse zwitracht D. 4960 ie] ir G.
4961 dennG. also] als wol W. 4964 hab fehlt G. si tue st. ob D. 4966
höchstu G. höchste D. zart] hört F. 4968 dir auch k. G. stätikait D.
170
4970 ser für aller frawen stat.
macht du sein also gerat,
das du behaltest das püchslein mir
und das du darein nicht luegest schier,
so wirstu frau und chaiserin.
4975 so ist verswunden all dein pein
und ich wird chaiser und herr.
was bedorft wir fürpas njer?"
die frau die jach: „mein höchster hört,
es haben soleich chraft deine wort
4980 gen mir gehabt von chindes jugent,
was mir gepeut dein hohe tugent,
das ich das pilleich halten sol."
der man der sprach: „nu tue so wol,
und schau mir in das püchslein nicht,
4985 wann all unser ere war enwicht."
die frau die jach: „du bedarft nicht sorgen,
ich wil es halten also verporgen,
das uns chain schad sol geschehen."
der man der sprach auf clueges spehen:
4990 „frau, behaltz mit cluegem sin
neur vier tag, das du icht luegest darin,
so werd wir aller sorgen an."
die frau die sprach: „mein lieber man,
du bedarft mirs nicht enphelhen mer,
4995 ich wais wol zwar, das unser er
an dem püchslein alle leit.
was möcht mich helfen ain solich streit?"
do nam der man das püchslein
und tet darein ain zeiselein,
5000 und vermacht es vaste zu
4970 ser] fast GD. all FD. alle G. stät GD. 4971 geraitt F. beraett G.
gerät D. 4972 du fehlt F. 4973 das fehlt D. 4975 so] und D. 4976
ich fehlt F. wird auch G. herreF. 4977 bedorff F. bedörftGD. wir denn
f. GD. mereF. 4978 sprach WSGD. 4979deinewG. 4981 was] wann G.
4982 haben S, 4983 man jach WSGD. tuon G. 4985 er die w. D. 4986
sprach WSGD. darftD. 4987 es also halten G. 4988 besehenen D. 4989
jach WSGD. 4990 behalt W. 4991 nicht WD. nitG. 4992 alleG. 4993
fraw sprach WD. aller liebster GD. 4994 bedarstWF. bevelhen D. 4996
alle an d. p. 1. G. alles WS. 4997 behelfen G. 4999 zinslein GD.
171
er sprach: „mein frau, nu warte du,
das du das püchslein behaltest mir,
als ich es hao enpholhen dir;
so ge wir wol der sälden steg."
5005 der man saz auf und rait enweg.
die frau gewan ain soleich pein,
si gedacht: „was ist in dem püchslein,
das man mirs so enpholhen hat?
zwar da leit inne der sälden rat.
5010 was chans geschaden, ich lueg darein?
mein man der wirt sein nimmer inn.
ich wils versuechen auf mein er."
damit nam si das püchslein her
und tet das auf an underlass,
5015 do flog der vogel seine strass.
do gewann die frau grosses lait,
si nam das püchslein, als man sait,
und legt es wider an sein stat.
do cham der man geritten drat.
5020 der sprach: „pring mir mein höchste chron,
was ich dir frau enpholhen han,
so hat unser armuet ende."
die frau die was do nicht behende
ze laufen nach dem püchslein.
5025 si sprach: „mein man und herre mein,
mir sol trauren immer sein berait,
das machet mein unstätikait.
was mir enphalch dein süesser mund,
das prach ich zue der selben stund."
5030 der man ward zornes gar vol
und sprach: „das sich ich sicher wol,
das chain weib hat stätikait."
5001 erj und G. nu warte du] gross warte tue GD. 5004 gang GD.
5005 hinweg D. 5006 frau die g. S. 5007 ist nu in GD. 5008 mir S,
so vast e. GD. 5009 darinn leit der sälde G. 5010 chans aber g. GD.
darinn F. 5011 sein] sy G. 5013 da nam S. 5015 daz fögellin hy G.
5020 pring mir] nun i^ring F. 5022 a. ain e. FG. 5025 sprach man W.
5030 gar fehlt F. ward gar z. S. m. der ward da zornes vol G. m. do
ward des z. v. D.
172
si sprach: „ich hiet dirs vor gesait,
das die weib vil unstät haben."
5035 aber mit Urlaub sol raans sagen,
was ist darumb? si sein doch weib,
so sein si auch vil laidvertreib
gen den mannen mit irer frucht.
wa frawen er ist, da ist alle zucht."
Von der mässichait.
5040 Das ist die rechte mässichait
nach dem, als das Tulius sait,
der do zwinget seinen muet,
das er nicht übermässleich tuet.
mas hat doch zwaierlai mainung,
5045 die erst ist zwingen die begirung
seins gemüetes, die von der sele chumbt,
die selbe mässichait vast frumbt.
die ander mässikait ist zwingen
seinen willen in allen dingen,
5050 es sei gen uncheusch oder gen hochfart,
oder was sich von naturleicher art
erhebt in des menschen fantasei.
und welcher mensch dann ist so frei,
das er dem allen mag widerstan,
5055 das haist man leidichait der person,
und die selb ^gedultige leidichait
die ist pesser wann die mässichait.
Die mässichait die geleichet man
dem chämlein, als ich vernomen han.
5060 das selb ist von naturleichem streit
5033 hett WGS. 5035 man ins s. GD. 5038 ir F. 5039do]dazG. 5041
das] uns FG. das fehlt D. 5043 ubermessikleich SG. über messigkaitD.
5044 mauss die haut zw. G. doch fehlt D. 5045 d. erste beginnet und
zwinget die b. F. erst zwingung der begierung S. erst die i. D. ist fehlt
WB. 5046 sele] selben S. von ir selbe B. 5047 m. ist fast G. 5051 von]
gen S. 5053 ist dann FS. dann fehlt B. 5054 den allen WB. dem mag
allen w. F. 5055 man fehlt G. 1. in der p. FGD. ledichait F. 5056 ge-
dult ledichait F. selb gedultigkait GD. 5057 wann] dann F. denn G.
V. 5058—5069 fehlen B. 5059 kemeltier GD.
173
gar uncheusch ze aller zeit,
wann indert chain ander animalia.
wann es luff ainer gamalia
nach mer wann hundert meil,
5065 das es sei nur sehen solt ain weil,
und hat doch ain soleich mässichait,
das es belib an alle uncheuschait,
ee das es mit seiner mueter, als man gicht,
chain uncheusch tribe icht.
5070 Tulius spricht: „hab lieb die mässichait,
wann si nimpt alle überflüssichait."
Seneca der maister spricht:
„chain pesser herschaft wolt ich nicht,
wann mich selben, das waiss ich wol.44
5075 darumb spricht Ofidius, man sol
ze hert chain ding verpieten nicht,
wann es liebt dester mer, als man gicht.
Tolomeus spricht: „widerste dem willen dein
in deiner jugent, die weil es mug gesein,
5080 wann pringestu es in die alten gewon,
so machtu nimmer lassen davon.44
Socrates leret seine chint :
„es ist pesser, das man überwint
die begir, die da peint,
5085 wann das du überwindest dein veint.44
Ofidius spricht auch offenbar:
„wer im selber nicht gepieten tar,
wie mag der andern leuten gepieten?44
Plato spricht: „ich wolt in mieten,
5062 wann] weder GD. nindert S. chain fehlt D. chain ander] andrew
tier und a. G. 5063 lauft F. laufft a. gen g. GD. 5065 ain klain weil GD.
5067 beleibt FGD 5069 uncheuschkait S. treibet GD. nicht WS. V. 5070.
5071 fehlen D. 5072 fehlt B. 5073 posser S. pöse D. 5074 das wais
ich wol] zu aller phlicht B. 5075 sprach FG. 5076 zehcre S. hert ver-
pieten kain dinge n. G. 5077 beleibt F. lebt G. V. 5078 — 5085 fehlen
D. 5078 Tolomeus spricht] und B. 5079 mag BSG. sein BS. 5080 die]
den G. 5081 magst du W. machstu G. dervon BS. 5085 fehlt G. dein]
dy W. 5086 auch fehlt WBSD. 5087 selben BS. selb G. selbs D pieten
WBSGD getar B. 5088 der] er allen G. pieten GD. 5089 nieten W.
174
5090 an dem ich fund die siben tugent:
cheuschait in der jugent,
und das alter fröleich und fruet,
und milt in grosser armuet,
und mass in überflüssichait,
5095 und diemuet in mächtikait,
und gedultig in betrüebnuss,
und übersehen widerwärtige beswärnuss."
Seneca der maister sait:
„chain ding ist für die mässichait,
5100 wann si ist ain maisterin
aller deiner fünf sinn."
Von der mässichait sagt die historje,
das si sei ain pluem aller glorje,
und sait, das der römisch senat
5105 wolt geben mit gemainem rat
das chaisertum Lucio Emptinato,
dem gepauren, der do hiez also.
durch die werch seiner tugent,
die er pflag von chindes jugent,
5110 darumb wolt man im das hoch ampt geben.
do het er ain solich mässleich leben,
das er das chaiserleich ampt nicht wolt
auf nemen umb chainerlai solt,
wann er maint in armuet lieber alten
5115 und das volk mit tugent behalten,
wann das ers verlur in chaiserleich er wird
und doch nicht möcht sein nach seiner begird;
wann man alzeit ainen chaiser nam
nach den werken und nicht nach dem stam.
5120 Von der mässichait list man
in der historje von Rom,
5090 find S. 5094 und waz mass G. 5095 in der m. GD. 5096 und fehlt
BFSG. gedult F. 5097 fehlt B. und fehlt FSGD. w. in b. G. V. 5102
— 5170 fehlen B. 5107 pauren GD. haisset G. 5108 seiner rechten t.
F. 5110 hoch fehlt D. 5111 massig G. meszig D. mässikleich W. 5114
wann fehlt GD. in] an S. 5115 tugenden halten F. 5116 er W. wird]
er GD. 5117 girde S. gire F. beger GD. 5121 historien SG.
175
das die römische macht
den chünig von Zipern darzue pracht,
das er muest ir bezinster sein,
5125 wann da was nicht widersatzes ein.
do sandt der chünig in die römischen stat
allen seinen schätz dem senat
und hiez, das man das selbe golt
iegleichem geb, der es nemen wolt.
5130 und do die poten giengen in den gassen,
do wolt si niemant ein lassen
mit dem schätz und Hessen si gen für
und iederman versloss sein tür
vor dem guet, als vor ainem versmachten tadel,
5135 wann es was der römisch adel
mit der tugent durchflössen so rain,
das si nicht achten gold noch gestain.
darumb hat der maister gesait:
„secht an, wie ain mässichait
5140 ist gewesen in der mueter aller weit,
das si nicht hat geachtet chainerlai gelt."
In der bistorje von Troja
list man von der temperancia,
das ain chünig was aldo.
5145 der selbe hiez Priamo,
und ainer der hiez Coardus,
der was ain grosser philosophus.
nu hört der chünig von dem maister sagen,
das niemant lebt in den tagen,
5150 der do darzue immer töchte,
das er den maister betrüeben möchte.
des wolt der chünig nit geruechen,
5124 er in zinsper muost sein G. bezinser S. 5125 da] das FS. nichte
widersatze ein G. widersatz ein D. 5126 römische G. 5129 iegleichem
gaben das er n. F. iegleichem solt geben, das er n. S. 5130 den] die G.
5131 sewF. 5132 sewF. 5136 durchschlossen GD. 5 1 37 sew F. achtoden
G. edel gest. GD. 5141 hat fehlt F. 5142 historien S. 5145 selb der
GD. 5146 der fehlt G. 5148 nu der künig hört v. G. 5149 daz da n.
G. das do nymantz D. 5150 do fehlt GD. nymer FGD. dacht F. 5151
macht F. 5152 das S. nit fehlt G.
176
er wolt das also icht versuechen,
ob er in möcht darzue üeben,
5055 das er sich davon wurd betrüeben,
und schickt do aus nach alt und jung.
die do hetten die bösten zung,
die solten in schelten all getön,
ob er betrüebet wurd davon.
5160 ir ainer sprach: „nu sage an,
von was geslächtes ist dein stam?"
der maister antwurt, als man list,
und sprach: „mein geslächt das ist
alzeit an dem anefank,
5165 so ist das dein an dem ausgank,
wann mein geslächt ist pesser für mich,
so ist das deine pöser für dich."
ain ander sprach do zehant :
„schau, wie schön ist dein gewant."
5170 der maister sprach: „das war ain wunder,
man chennt nicht ieute pei dem plunder,
aber pei den werken wol."
der dritt der sprach: „schau, wie hol
ist im gemacht sein raides har!a
5175 der maister sprach: „man vindt nicht gar
die tugent in dem hare,
si leit in dem herzen gare."
do sprach ain ander schelter:
„herr der chünig, er ist ain specher;
5180 ich sach in heut in Chriecher velt.
hocher chünig, das selb ich meld."
Coardus der weis do sprach:
„zwar und westestu die sach,
5153 also icht] ie F. icht] ie GD. 5154 darzu mocht F. 5155 wurd]
mocht F. 5156 alten G. und nach i. F. jungen D. 5157 die allerpösten
FD. pesten S. zungen D. 5158 die] do F. 5161 schlachtes W. 5163 das
fehlt S. 5165 fehlt GD. an dem fehlt S. 5168 ander der sp. W. da
fehlt W. so S. 5169 dein] sein WSGD. 5172 den] seinen BFSGD. wol
besunderB. 5173. 5174 fehlen B. 5173 hol] wolGD. 5174 im fehlt
G. 5175 der maister sprach fehltB. 5176 an S. V.5178 — 5231 fehlen
B. 5179 der] her F. spelter S. 5181 hocher] edler W. 5182 der der w.
S. do] der F. 5183 und fehlt F.
177
du sagtest villeicht nimmer nicht."
5185 do sprach ain ander darauf gericht :
„schau an den verschämten leib,
ain frömder man minnet dir dein weib."
der maister antwurten do begund
und sprach: „es ist ain lange stund,
5190 das du poshait kündest leren.
nu wanne wildu wider cheren,
das du auch lerest niemant schelten?
wann man lobt dich darumb vil selten."
ain ander sprach: „hör schöneu mär,
5195 wie fraislich redt der verrätär !a
der maister sprach mit senftem sin :
„zwar ich sprich albeg zue in,
zue den, die da sprechent das,
das du sullest sein zungen laz,
5200 das si sich selber daran betriegen."
ain ander der chund noch pas liegen.
der sprach: „schaut an den dieb unrain,
er furcht nicht schäm groz noch ciain."
der maister antwurt an der stat:
5205 „zwar und westestu die tat,
si chäm nimmer für deinen mund."
do sprach ain ander darauf ze stund :
lazz wir stan den narren dort,
er wänt, er rede der weishait ort."
5210 do swaig der maister Coardo.
do sprach der chünig Priamo:
„warumb antwurtest da nicht mer?"
der maister sprach: „es ist pesser
sweigen zue soleicher antwort,
5215 wann wa man geit so snödeu wort,
da nutzt man die oren ze maniger stund
5184 villeicht] pilleich S. 5186 unverschampten GD. 5187 nimpt GD.
5188 dj antw. F. 5192 lerest fehlt F. 5193 vil] gar F. vil fehlt G
5195 frässleich F. frafleich S. frausslich G. 5197 sprach D. zue im SG.
5198 denn die die da F. da] das S. 5199 solt FGD. los F. 5200 selber
fehlt GD. 5201 der fehlt F. 5203 schäm wider gross G. 5206 dein
FGD. 5209 hört WGD. 5215 so] sollichew G.
Zingerle, Vintler. 12
178
mer, wann die zungen in dem mund.
man mag in nicht schelten pas,
wann er schilt sich selber an underlas,
5220 wann er ist nur ain chnecht,
seiner zungen, die do redt unrecht,
so pin ich also geporen,
das ich pin ain herr meiner oren.44
und do der chünig die mässikait sach
5225 zu dem maister er do sprach:
„nu sitz her neben mich
und beschaid mich gar aigenlich,
wie du das habest mugen vertragen,
das man dich so hat beclagen
5230 und das du doch nie wurd betrüebt.44
der maister sprach: „ich pin geüebt,
das ich pin ain herre meiner zungen,
so ist die ir alzeit betwungen,
das si nimmer getar sagen
5235 chain gerech tikait aus irem chragen.
und davon ain iegleich man,
dem do wirt smachait getan,
der sol gedenken ze aller zeit,
ob das als war sei, des man im schuld geit.
5240 ist es dann war, das man gicht,
so sol er ie zürnen nicht,
wann der schuldig sol übersehen.44
auch hört man von den weisen jenen :
„wenn man ain lug von dir spricht,
5245 des selben soltu achten nicht.44
und darumb ist chain grösser räch
und die dem lugner sei so swach,
wann das man der lug nicht achten sol,
5217 mer fehlt FSG. in] an S. V. 5220. 5221 fehlen S. 5220 wann
fehlt GD. nur] mir auch GD. 5225 maister] philosopho WSG. philosophus
D. 5226 sitzt hie n.G. sitz du hie n. D. 5227 mich fehlt G. 5228 haben
mugestWS. habest mugentD. 5229 also hat tuen verklagen GD. hat so
S. so fehlt D. 5233 so ist die der klaffer alzeit von gewonhait betwungen
B. 5234 tar G. 5237 smaychait SG. 5239 des] das BG. 5244 gicht S.
5245 das selb D. selben fehlt F. 5247 die fehlt GD. den lugnärn F.
5248 lugin D.
179
das macht den lugner schänden vol.
Von der unmässichait.
5250 Die rechte unstätikait
das ist ain wäre unmässichait,
als das sagt Petrus Damascenus,
wer alle ding tuet alsus
nach seinem willen es schad oder frumbt,
5255 geleich als es im in das herz chumbt.
IJnmässikait treiben hueren und lotter.
die selben geleicht man dem otter,
wann er ist als gar unmässig
und als gar durchfrässig,
5260 das er den summer claubet in sein hol,
wes er den winter leben sol.
doch nimpt er ze vil der Übermas,
das es im erfaulet als ain as,
und erstenkt sein aigen haus damit.
5265 dannoch hat er ainen sitt,
das er vor dem luege leit
und hüetet des ases ze aller zeit,
und wenn der otter hüetet voren,
das tuet dem fuchs gar und gar zoren.
5270 so gräbt er hinder dem otter ein
und nimpt im dann das essen sein.
also ist er hinden und voren gelaicht.
so chumpt der fuchs dann und smaicht
Nach V. 5249 folgt B. :
zwar und westest du die sach auf mich,
du sagtest villeicht nimmer nicht.
zwar und war dir die tat auf mich kunt,
si cham villeicht nimmer für deinen munt.
also macht du gen aim schelter wol sprechen.
Vrgl. hiezu V. 5184. 5185. 5205. 5206. Nach 5251 hat B. und
ist ain fundament aller boshait. Vrgl. V. 5289. V. 5256— 5275 fehlen B.
5256 lotern S. 5257 man auch d. W. ottern S. 5258 der F. 5260 sein]
ainS. 5263 er erfult in als G. 5265 er fehlt F. er an im ain s. G. 5268
huet da vorn d. G. ases] haus D. V. 5269—5348 fehlen F. 5269 gar
und gar] fast G. und gar fehlt D. 5271 dann fehlt D. asse D. 5272
hindan | fornan G.
12*
180
dem otter, das er im gebe des ases sein;
5275 so hat es der fuchs vorhin hin.
Plato spricht, die unmass
die sei ain tadel gross,
das von ir chumpt alle poshait.
Faro spricht: „der schänden clait
5280 tragen die unmässigen an."
Seneca spricht auch davon,
das das guet der unmässigen herren
umb nichte mug lang geweren.
sand Augustin sprach vermessen :
5285 „ich wolt mit got lieber essen
guet visch mit der mass,
wann mit Esau linsen als ain frass."
ich mag sprechen von der unmässikait,
das si sei ain fundament aller poshait,
5290 als man das list gar eben
in der altväter leben,
das ainst ain hübsche junkfrau was,
die hiez Latine, als ich das las.
die lebt als erleich und als eben,
5295 als ain junkfrau, die do mocht leben.
nu hört die junkfrau so manig geteusch
von der lieb der uncheusch,
das si ir gedacht in irem muet:
„zwar ich wil es versuechen, wie es tuet,"
5300 und schickt nach ainem für sich do.
der selbe hiez Ensino,
den het si also aus erlesen
für alle weit in disem wesen.
der jungeling cham an der stet
5274 daz ausen sein G. daz asse s. D. 5275 hin fehlt G. 5277 t. also
gr. GD. 5279 seh. ain kl. G. 5283 nicht SG. weren GD. V. 5284 — 5288
fehlen D. 5287 ainer sew B. V. 5288 — 5362 feh len B. 5288 ich
mag geleichen von der uncheuschait W. gesprechen G. man spricht von D.
5290 das fehlt G. 5291 alten v. S. 5292 das] da in S. ainost G. schönew
G. 5293 Jatiene (?) W. Jatine S. Jacine GD. das] da G. do D. 5295
mocht leben] lebet G. 5301 selbig S. hiess mit namen Enismo GD. 5302
also] ir D. 5303 all dise weit S. all diss G. all die w. D. 5304 die D.
181
5305 und legt sich zu ir an ain pet
und tet also den willen ir;
und do erfüllet ward ir gir,
do gedacht si erst an die grossen schäm,
die von der üncheusch auf sei cham,
5310 und das ir der mag tum was genomen,
das si nimmer mochte wider chomen.
davon si ain solich unmass begieng,
das si sich selber do erhieng.
das selb tet hie vor Judas.
5315 herr gib mir ain soleiche mass,
das ich dich lob mit sand Michel,
wann du pist in der geläubigen sei
als ain präutigam an seinem prautpet,
und als ain chünig an seiner stet,
5320 und als ain turn vor chüniges stuel,
und als ain maister in der schuel,
und als ain liecht in ainer vinster.
dein gnad geit ain soleich glinster,
das manig sele wirt gar wacker.
5325 du pist der schätz in dem acker,
du pist der wein in dem cheller,
du pist der sterkist in dir selber,
du pist der clar karfunkelstain,
der do leit in golde rain.
5330 also chanst du dich ein verwarken.
du pist das prot in der archen,
und als das insigel den brief chan zieren,
also chanst du dich ein formieren,
5305 an fehlt W. 5306 also] alda S. all GD. 5307 do da G. begir D.
5308 erstenS. grosse GD. 5309 die ir v. D. aufsei fehlt GD. V. 5310.
5311 fehlen hier und folgen erst nach 5313 GD. 5313 Nun
folgt GD.
umb daz daz ir der [das D.] raagtum was genomen,
und daz [des D.J nimmer mocht wider komen.
5314 hie vor] auch GD 5315 herr aber gib G. mir auch ain D. 5316
Michahel G. Michael D. 5318 preutigerGD. 5319 an] in D. 5320 türD.
5321 der] seiner GD. 5323 geit fehlt SG. 5327 die sterk GD. 5323
funkelstain G. 5330 ein fehlt S. yerbarken S. verwerken GD. 5331 der
fehlt S. archen D. V. 5333 — 5359 fehlen S.
182
das du «so pist an manigen steten.
5335 du pist die erznei in der apoteken,
du pist die härphe in der Wirtschaft,
gedon vach, merke dein chraft,
das du so nicht pist ain triegel.
du pist ain pilde in dem spiegel,
5340 du pist der süesse honigsaim,
du pist, der Adam macht aus laim,
du pist die frucht auf dem paum,
des nemen alle geste gaum.
du pist das öle, das da print
5345 in der lampen ane underwint.
du pist die lilje in dem tale,
du pist der uns nam unser quäle.
du pist in den creaturen wunderleich
und in dem menschen minnicleich,
5350 und in den engein begirleich zwar,
und in den heiligen lustig gar,
und in dir selben unbegreifleich,
und in den pösen unleidleich,
und in den verdampten ain erschreckung.
5355 dannoch so lobent si dich darumb,
seit du dann unleidlich pist
pei den pösen ze aller frist.
wie sull wir sunder danne tuen,
das wir gewinnen deinen suen?
5360 so mues uns helfen die mait,
die da antrait das clait
in der drivaltikait das quater,
ich main mit abba dem vater
5334 so fehlt G. jaD. 5335 den D. Nach 5335 folgt in GD. :
o Adonay, ich merke dein kraft,
daz die geit den fruchtperlichen saft
und tuest daz an alles triegen.
5338 das] da W. 5339 den spiegeln D. 5341 der da G 5342 auss GD.
5343 des] dem W. den GD. gaist GD. 5345 lampe G. ampeln D. 5346
gilge G. gilg D. 5347 uns aussnam auss dem q. G. aus name aus quäle D.
5348 in] auss GD. wunderperleich D. 5351 dem W. lustlich G. 5352
selber GD. unbegriffen lieh D. 5353 unleidenlich D. 5355 dich] sich G.
5356 unledig W. unleidenlich D. 5358 sullen FS. 5363 appa G.
183
und mit dem sun und Ruha-gaist.
5365 o Maria, ich getrau dir allermaist,
das du mir helfest für dein chint,
das do lag vor esel und vor rint,
und den der engel hiez Jesus
und dem die heiligen sprechen: sanctus, sanctus.
5370 mein Hans Vintler la dervon!
man ist an dir nicht gewon,
das du das lamp wild so visieren,
das Johannes sach mit den vier tieren
auf monte Syon auf dem tron.
5375 hietest du halt witz als Salomon,
dannoch westest du die minnist sach.
davon so hab nur dein gemach
und fach uns wider das trauren ledigen;
wir hören ietz nicht geren predigen.
5380 seit das mans dann nicht hören wil,
so wil ich stecken hie mein zil.
Von der diemüetichait.
Die diemüetichait ist ain götleich rieht
nach dem, als Origines spricht:
„diemüetichait die ist an alle gallen,
5385 wann si wil iederman wol gevallen;
aber du solt doch haben mass
in der diemüetichait an underlass,
und hab sei auch nicht ze lieb,
das si dich icht in den tadel schieb,
5390 der do haisset unwirdichait. a
nach dem, als Andronico sait,
5364 mit wen dem W. Ruha] fehlt S. rüha W. hailigenFGD. 5367 und
rindGD. 5369 sprachen S. V. 5370—5381 fehlen D. 5370 Vincklär
W. Jadar von F. lauss davon G. 5372 du so lang wilt vis. G. so wil F.
5374 auf J in FG. 5375 witz halt F. 5376 die fehlt G. minsten F. minste
G. 5377 nur] nun F. so u n d dein fehlt G. 5378 sag WSG. ledige WS.
wider trureledige G. 5379 ietzund F. predige SG. 5380 seint mans SG.
5382 gericht G. grient D. 5383 Orienes WBS. gicht S. 5384 die die-
mutikait ist F. die fehlt G. 5385 iedem man F. 5388 sy WB. sie G.
5389 icht] nit W. fehlt G.
184
das der tadel der unwirdichait sei ain last,
man sol sich nicht diemüetigen ze vast.
iegleicher soll beleiben in seiner art,
5395 als in got geordent hat.
diemüetichait ist der hochfart widerpart,
auch ist diemüetichait maniger art.
die erste ist an dem erzaigen,
das sich ainer tuet alzeit naigen
5400 gen seinem geleich oder undertan.
auch sol man diemuet albeg han,
das sich ainer niderer sol machen
gen seinem hochwirdigern in allen sachen.
du solt dich auch nicht rüemen drat,
5405 was dein leib begangen hat
gueter ding auf diser erde,
wann es wurde got unwerde.
diemüetichait, die do ist an eitel er,
die pringt von got genade mer.
5410 diemuet hat weder hochfart, hass noch neit,
darumb sei got seinen freunten geit.
die diemuet die lert fürchten den pan,
den man peut pei der gehorsam.
diemüetichait die ist so mugent,
5415 das aus ir choment gar vil tugent.
diemuet pringet er und guet,
wer die gen seinem nächsten tuet.
du solt auch haben reverencia
gen deinen obrem mit humilita,
5420 davon so wirstn lieb und wert
gen got, der dein dann auch begert.
Ich mag geleichen dem lämplem
5392 sei enlastF. 5393 soldF. sich auch d. nicht ze G. 5394 iedleichW.
5395 in daz g. W. als in geordnet die gothait h. F. 5398 erst die i.WB.
5399 allzit tuet G. 5402 sich sol ainer indror m. F. ninder D. 5403
fehlt S. hochwirdigen GD. 5404 nicht fehlt G. roemen GD. 5408 an]
ainFWBSGD 5411 siWBSG. 5412 diemut lernetF. fruchten GD. paum
G. pam D. 5413 gepeut B. paut GD. 5414 die fehlt FSGD. 5416 die-
müetikait GD. 5417 der G. 5418 reverencias W. 5419 deinem BFGD.
obern Wß. humlitas W. humilia FSGD. 5420 so fehlt G. V. 5422 —
5430 fehlen B.
185
die diemuet, als das ist wol schein,
das es das diemüefigst tierel ist,
5425 als es lebt zu diser frist;
wann was man im ze laide tuet,
das nimpt es senftichleich für guet.
darumb haist es ain engel in der geschrift,
als man das von im lesent ist.
5430 es spricht Salomon der weise man:
„macht dich iemant ze ainem amptman,
darnmb so!tu erhöhen dich
nicht ze vast, wann es vercheret sich;
wann man das offenleichen sait,
5435 was man mit ungerechtikait
gewint, das sei nicht wol getan
und chumpt nicht an den vierden stam."
Wer reich wil werden in ainem jar,
den selben geleicht man dem chürbis zwar.
5440 des paum der wachst in churzer frist
noch höher, wann der tatler ist,
und dorrt auch für sich an der stunt,
als pald der winter an in chumpt.
so ist der tatelpaum gemacht,
5445 das er des winters gar nicht acht.
auch wachst er mer dann hundert jar;
so muess der chürbis für sich dar
dorren, als seiner natur gezimpt.
also ist es, wer da pald auf nimpt
5450 an grossem gewalt und an guet,
der gewint davon so hohen muet,
das er wirt aller poshait swanger.
so chumpt dann Christan in dem anger
5422 lemlin GD. 5424 dierauttig tierlein F. tierlin GD. 5427 senftich-
leichen WS. 5428 davon WS. schrift W. 5429 als das man das G. im
daslesuntS. 5434 offenleichBFSGD. 5435 das G. unrechbikaitBF. 543-7
auch nit G. V. 5438—5454 fehlen B. 5438 der F. well WSG. 5439
den] die FS. selben fehlt W. 5440 der fehlt GD. des] der D. 5441
tätler S. tadel G. fcattelD. 5445 so gem. G. 5448 sein G. zimptS. 5450
und gut S. an] auch GD. 5451 so fehlt WSGD. 5453 dann fehlt GD.
der christmaa W. Cristus D.
186
und derrt in als das chürbisplat.
5455 Salomon auch gesprochen hat
„wer do pald reich wil werden,
der beleibt nicht lange pei den eren.
geleich als pald er auf nimpt,
als pald auch er dann ab chümpt."
5460 ain weiser man sol albeg denken,
sich möcht mein hohe wird wol chrenken.
Jesus Syrach der sprach:
„du solt nicht begern ze hoher sach,
beger auch nicht ze grosser sterk,
5465 die über dich sei, das merk."
Jesus Syrach geit den rat:
„ie mer der mensch wirde hat,
ie mer sol er sich diemüetigen
und in allen sachen güetigen,
5470 wann vil genade davon chumpt."
, Christus sprach ze maniger stunt
„wer sich diemüetigt durch den willen mein,
der selbe sol erhöhet sein,
und wer sich dunket der höhist,
5475 der selbe wirt der niderist."
sand Peter auch gesprochen hat:
„widerste der hochfart, das ist mein rat,
wann got dem diemüetigen geit
gross genad ze aller zeit."
5480 sand Gregorius der spricht:
„es chumpt chain tugent nicht
nimmer von grossem übermuet,
aber wol von grosser diemuet."
Paulus spricht, ain diener Christ:
5485 „si haben alle ding geschätzt sam mist,
5454 dort S. das fehlt G. 5456 und wer B. weren FS. 5457 beleih
WFS. nit pald und lang G. 5459 er ab auch dann chumbtF. er dann auch
GD. auch fehlt B. 5460 gedenkchen W. 5461 macht F. hochwird FSGD.
wol fehlt G. 5463 zu BFS. 5464 zu S. ze fe h t GD. 5465 sein S.
5466 der geitWB. 5474 höh ist W. höchst G. höhest D. 5475 selbig S.
nidrest G. nyndrest D. 5477 widerste] du solt widersten GD. das ist mein
rat fehlt FSGD. 5484 — 5495 fehlen D. 5485 allB. gesetzt F. als GS.
im ist S. sam ist BF.
187
. und haben auf das guet nicht geding,
und besitzen doch alle ding,"
David sprach : „ die senftmüetigen die sein reich,
wann die selben besitzen das ertreich."
5490 Aristotiles: „wildu ainen menschen recht erchennen
in seinen werken an allen enden,
so gib im grosse herschaft ein,
so erplentest du im all sein sinn.
wann der pös wirt hochmüetig,
5495 aber der guet wirt diemüetig."
Longinus: „geleich als der vogel zwinget
sein flügel, wann er sich swinget
in der luft zu dem fliegen,
geleich also soltu dich auch piegen,
5500 das du diemüetigst dich so ser,
wildu chomen an grosse er."
Aristotiles spricht: „er iederman, das ist guet;
wann die er ist nur des, der si tuet."
so spricht der maister Seneca:
5505 „nicht lob die leut in presencia."
Socrates: „chain er verleust man,
ob si halt aim snöden wirt getan;
wann man vindt doch in der sum,
das in die weisen loben darumb."
5510 Salomon, der weise pot:
„diemüetig dich gen deinem got
und naig dein haupt gen den herren,
wildu lieb gehabt werden,
und chrieg nicht geren mit den armen,
5515 so wirstu nimmer ze erparmen."
5486 daz zittlich guet G. gedingt G. 5487 ding gering G. 5488 spricht
BF. diemuetigen G. 5489 die] sy S. himelrich G. 5490 A. spricht G. 5491
in] an BS. 5492 so] und F. 5493 verplentest BSG. die sinnen sein G.
allen seinen WS. 5496 L. spricht G. 5497 sich] sy W. 5498 der] die
F. zu dem] ze F. 5499 geleich] tegleich S. auch fehlt FGD. 5500 du
dich allweg d. so G. serreF. 5501 wild du ot a. B. wiltu ett eh. G. wiltu
änderst eh. D. in F. 5502. 5503 fehlen D. 5502 eren G. das ist fehlt
S. 5503 der fehlt B. des fehlt G. 5505 lob fast die G. 5506 Socrates
fehlt B. verlürt D. 5510 weis man pott F. 5511 diemutig ger dich B.
5512 den] deinen F. 5515 w. in nimmer SGD.
188
Catho spricht in seinem rat:
„gib dem höhern deine stat."
Jesus Syrach der sprach:
„erwirdichait die ist ain sach,
5520 die do ain gueter mensch geit,
si pringt auch gen ad ze aller zeit."
sand Isiderus uns lert:
„du solt dich nimmer dünken so wert,
das du dich immer prechest für
5525 für dein oberen an chainer tür;
wann es präch die tugent der gehorsam."
als auch spricht her Salomon :
„das weib sol sein ündertan
alzeit irem eeman."
5530 Isiderus der weise sait:
„die gehorsam ist ain laiter prait,
damit man steiget in der jugent
in die summ aller tugent."
Socrates spricht: „wildu gevallen
5535 den gemainen leuten allen,
so nim zu dir den mantel minnicleich
der gehorsam, sich, so lobt man dich."
von der danknemichait spricht Catho:
„wann dir ain mensch geit ain claine dono,
5540 so soltu es willicleich enpfachen
und hab darinne chain verschmachen."
Galienus: „wer do dient treuleich und schon,
der selb ist wirdig ains grossen Ion."
maister Alexander sprach hie voren:
5545 „das edel herz ist so geporen,
das es gedenket frue und spat
die dienst, die man im getan hat."
5518 der sprach] gesprochen hat F. 5519 die fehlt SG. 5522 sand] der
maisterGD. 5524 dich prechest herfür D. 5526 es] er all.Hds. die fehlt
G. korsam GD. 5528 weib das s. F. 5529 dem iren W. 5534 S der sp. G.
5537 sich fehlt F. sich] allweg G. 5539 wann] so D. chlain gab do W.
cl. gab also D. 5542 Galienus fehlt WBSGF. 5544 spricht GD. 5545
also GD. 5546 und auch G.
189
Von der diemüetiehait so list man
in der historje von Rom,
5550 welchen chaiser man aus sant,
und der do cham mit sighafter hant
wider in die römischen stat,
so was für sich da der senat
mit allem römischen gewalt,
5555 si wären juuc oder alt,
und erputen im dann drei grosse er,
und darnach drei schand oder mer.
die erste er, die was also,
er ward gesetzt auf ainen charren do
5560 mit manigem jubel uud gepärd
und het vor sein vier weisse pherd,
und aller povel, was des was,
der gieng dem charren nach an underlass
unz hin an das capitol.
5565 da fuerten si in auf schon und wol.
die dritte er was gar lobleich,
das alle gevangen arm und reich,
die er in dem streit het gevangen,
die wurden gepunden mit strängen
5570 hinden an dem wagen her.
also erpot man im drei er.
darnach erpot man im zehant
drei uner und grosse schant.
die erst uner die was die,
5575 die im die Romer erputen hie,
si satzten zue im auf den charren
ainen ungeschaffen, pösen narren,
V. 5548 — 5594 fehlen B. 5548 so fehlt G. 5549 historien G. 5551
do fehlt G, 5552 wider da in GD. 5553 was fehlt S. der weis senat G.
5555 seu F. oder] und S. 5556 erpieten S. enputten GD. im da GD. gross
zucht und er G. grosser D. im dann drei] dem chaiser F. 5558 die fehlt
FS. 5559 wagen WGD. 5560 manger GD. und auch GD. 5561 fehlt F.
5563 wagen WDG. au allen u. G. 5564 hintz SG. 5565 auf und schon
u. F. 5566 er die was G. 5567 armen W. 5570 den F. 5571 pöt W.
5573 uner die waz die G. und] oder D. 5574 fehlt D. 5575 enputend
GD. 5576 sew F. zue im] in W. 5577 zu ainem W. u. fast p. n. G.
190
als si in indert vinden mochten.
da pei si in ain ebenpild erdachten,
5580 das er und ain iegleicher man
möcht chomen zu ainer soleichen schäm.
die ander uner was also,
das im der snöde narre do
gab manige pöse Scheltwort,
5585 das es das volk alles hört,
und sprach: „du solt nicht hochfart haben,
darumb das du verst auf disem wagen
und das man dir gross er legt zu ;
ich bin als wol ain mensch sam du.
5590 du möchtest noch werden geleich als ich.
davon lueg eben umbe dich!"
die dritte uner was wunderleich,
das in mocht schelten arm und reich
an dem tage, so er sas
5595 auf dem wagen, der des siges was.
Von der hochfart.
Die hochfart ist ain grosser übermuet
und ist alzeit wider die diemuet,
als das Aristotiles spricht,
das die hochfart sei anders nicht,
5600 wann das si wil haben ainen nam,
das si wil sein über iederman.
die hochfart ist in manigerlai gestalt.
etleich hochfart wil haben grozen gewalt
mit fürprechen gen seinem geleich.
5605 die hochfart ist gar wunderleich.
narren auch vil hochfart haben,
das si sich ze vil vervachen,
und mugen es doch nicht ausrichten.
5578 seu F. nindert gefinden GD. 5579 seu F. im SGD. erdochten W.
5580 ain fehlt WSG. 5583 do do S. 5584 menige S. manig pöses W.
5588 grosse S. er dir 1. G. 5589 pin ain mensch als wol als du G. sam]
als WD. 5590 noch gleich werden als FSD. 5592 uner dy w. F. 5593
armen W. 5594 tag als er s. W. so] do GD. 5600 nam] man WFSGD.
5601 iedenman F. 5603 h. die w. G. 5604 gen] mit SGD. geleichen W.
5507 sew F. vil wil S. 5508 aus gerichten F.
191
es ist auch hochfart mit den gesiebten.
5610 etleich hochfart ist an gewant,
etleich hochfart ist als unerchant,
das si maint, si sei als frei,
das nichtes nicht wider si sei.
noch ist ain hochfart gar gerait,
5615 die selb ist von übriger mächtikait,
als wenn ainer nicht erchennt in seinem muet,
was man im ze eren tuet.
damit versmacht er ieden man.
und von der hochfart pirt sich dann
5620 drei untugent, die sein unwert,
also das ainer nicht sein obrem ert.
die ander ist ungehorsam,
damit verdient man dann den pan.
die dritte ist ain undanknäm,
5625 das im chain ding ist genäm.
sand Gregorius spricht das :
„der hochf artig mensch schätzt, was
er hab, das selb hab er
von im selber und von niemant mer.
5630 auch ob im iemant geit ain gab,
so maint er, das ers verdienet hab.
darzu rüemt er sich an maniger stat
ze haben das, des er doch nicht hat.
er versmaciit auch alle ding,
5635 wes er nicht ist ain urspring.
wann in dunkt in seiner bewär,
das niemant weiser sei, dann er.
doch zwischen hochfart und vana gloria
ist ain grosseu differencia;
5640 wann wer die hochfart an im hat,
5610 an dem g.'S. 5611 unverkant S. 5612 als fehlt S. 5613 nichtes
fehlt G. si] sey S. 5614 ain fehlt D. prait G. beiait D 5615 selb die
ist G. 5616 wann F. 5618 ieder man BSGD. 5621 ainer] erD. seinen S.
obern F. 5622 ander die i. BGD. ist die u. D. 5624 dritt das ist GD.
denn ain G. 5625 ist so genaem S. 5628 selb fehlt WßSGD. 5629 im]
sein W. selbs und auch v. G. niemantz W. 5633 das] des BS. des fehlt
F. 5634 rersmecht BS. 5636 bedunkt D. weger F. 5639 groz WB.
192
der selbe wänt an aller stat,
das er sei für ieden man.
aber die eitel er die chan
sich aussen erzaigen mit valschem Tist,
5645 das si an ir selber nit innen ist,
darumb das si gelobet werde
von den leuten auf diser erde.
die hochfart erzaigt sich innen mit laussen,
aber die eitel er erzaigt sich aussen.
5650 Gregorius spricht: „die eitel er hat siben chind,
als seu hie genennet sind.
die erst ist ungehorsam,
als do spricht her Salomon,
wann die eitel er wil ze chaiuer frist
5655 geachtet werden der minnist.
die ander tochter chrieg, die dritte ruem,
wann si wil albeg üppig ere tuen,
die vierde geleichsenhait,
die fünfte valsch verporgenhait,
5660 also was si tuet chrump oder siecht,
das man wänt si hab alweg recht.
die sechste ist missehellung,
die selb hat ain widerwärtige zung,
darumb das si üppig er gewinn.
5665 die sibent tochter hat poshait hin,
wann die selb die rüemt sich geren
ir aigen sund, das si darumb gelobt mug werden."
sand Augustin spricht in seinem sermon:
es ist mer ze fürchten die ungehorsam,
5670 wann der tot, als er sait.
davon ist in der weite prait
nicht mer dann dreu nomina,
5641 selb der w. BFGD. 5642 ieder WBSGD. 5644 sich fehlt GD.
falscher S. 5645 sey an selbs nie gewesen i. G. selberm F. selb B. 5648
inne FS. 5650 sand GB. spricht fehlt D. 5651 si WBSGD. 5654 die
fehlt G. 5657 üppiger F. 5663 unbartigeF. 5665 subent S. t. die haut
G. 5667 irer sundD. darumb mug gelobt w. B. mug] wil GD. 5668 sand
fehlt D. seiner G. 5669 gehorsam alle HS. 5670 er] der GD. 5672
dreu] die F. drei namen D.
193
die nicht achtent der obediencia:
das ist das weib und der man,
5675 so hat der teufel chain gehorsam."
Socrates der maister gicht:
„wenn der mensch erchennet nicht
der guettat, die man im hie tuet,
so wirt er ärmer an dem guet.a
5680 und darumb spricht Plato der weise man:
„alle dienst verleuset man,
da man vast umb pitten müess,
das macht die gäbe gar unsüess,
oder was man unwillicleichen geit;
5685 wann alle ding an dem willen leit.
du solt auch chain reu nicht han
umb deinen dienst, den du hast getan,
so wird dein dienst iederman genäm,
anders er wirt widerzäm,
5690 und lass die hochfart aus dem muet,
wann hochfart ist ze nichte guet."
pfui dich, hochfart, wa wildu hin
dich prechen mit deinem hohen sin?
bedenk dein grosse snödichait,
5695 als Innocencius der pabst sait,
das der mensch recht betracht
aus was snöden materjen er ist gemacht,
oder was er neust aus seiner mueter magen.
es ist scheuzleich ze sagen,
'00 das ain mensch so grob materje neust.
o hochfertiger, mich verdreust,
das du sein lützel nimest gaum.
373 der gehorsamen D. 5674—5679 fehlen D. 5676 spricht WBSG.
378 hie fehltF. 5680 und fehltF. sprach WGD. 5683 gab der unsüz
5684 unwillicleich FG. u. auss g. S. 5685 alles W. 5686 nichtfehlfc
8SGD. 5687 dein GD. den] die GD. 5688 iederman fehlt G. 5689
ast wurd er änderst w. GD. 5690 aus dem muet fehltGD. 5691 höch-
st] si GD. nichten GD. 5692 phei WB. 5693 hohen fehlt BFSGD.
4 gedenk an F. 5695 als uns J. G. babst dir s. D. 5696 er] der
seh W. 5697 schnöder matery G. 5698 nüsset GD. 5702 so lützel
BG. nimpst ze gom D.
Zingerle, Vintler. 13
194
du pist geleich als ain vercherter paum
und dein frucht ist ain snödichait,
5705 als das Innocencius sait,
das dein frucht nicht anders ist,
nur ain unsauber stinkender mist
und aiter, rotz und pluet.
ach, mensch, nim das in deinen muet
5710 und bedenk, das du muest werden
ze tail den wurmen in der erden
und den chrotten und den slangen,
die sich durch dein gepain müessen drangen;
und wenn si dich nicht mer mugen genagen,
5715 ze hant von dir si gachen
und versmächen dich als ain as unrain.
sand Augustin spricht: „nim alles das gepain
oder alle totenschedel
und schau, welches da der edel
5720 sei oder ain armer man.
sich, mensch, du pist geleich getan,
als der sarch mit ainer leich,
der aussen ist gezieret reich
und innen ist des stankes vol."
5725 Johannes hört und sach das wol,
das ain ar schrai an underwint:
„we, we, we über alle, die da lebentig sint."
was aber des aren stim bedeut,
das ist, das er die hochfertigen leut
5730 senket nider in der helle grünt.
es ward Johanni auch das chunt,
das ain engel swuer pei got,
so das gericht het besezzen Sabaoth,
das dann hin sei der genaden zeit,
5704 und auch d. G. 5705 als uns d. G. sagt B. 5706 sei und isfc G.
5707 unsaubrer stinkunder S. stinchander B. 5710 gedenk G. 5712 das
ers te und fehlt G. 5713 pein D. getrangen G. 57 14 wenn feh 1 t G.
wenn] so D. nagen SG. 5715 si von dir g. FGD. 5716 versmachent F.
verschmecken G. 5720 oder auch d. G. der arm WSG. 5721 fehlt G.
5722 sarich B. 5723 usnan G. 5724 innan G. des] er F. 5727 lembtigS.
5730 nider fehltF. 5731Johannes BG. das] da S. 5733 herSabaoth GD.
5734 gnade G.
195
5735 fürpas got sunden nicht vergeit,
wol oder we wert darnach ewicleich.
ach wie gar strengichleich
wirt den hochfertigen gesprochen zue:
„get hin in die ewig unrue
5740 zue den teufein in das ewig feuer,
das da hat gepaitet euer
von anegeng der weit her."
starker got, ich pitt dich nicht mer,
das dein gericht verziehe sich.
5745 chum, strenger richter, rieht und rieh,
lass halt die toten all auf sten,
das diser weit untreu muess zergen,
geruech ir valschait stören.
lass, almechtiger got, dein zoren,
5750 das durch die grab erhellen
die Johannes hören und erschellen!
wirf auf Johannes äugen,
seit si an dich nicht wellen gelauben!
slach mit Johannes swert,
5755 wann si setzent dich unwert!
tritt mit Johannes füessen gar!
Johannes stim las werden offenbar,
das es hören, was menschen, engel, teufel sint!
richter, rieht über der weite chint,
5760 seit si der trewen sint so lär!
sweiga, mein Hans Vintlär,
du macht es doch nicht erwenten.
5735 nicht fürp. GD. g. nicht sünd y.WB. nicht sunden S. nicht die sund
mer verg. G. g. nit die sünd v. D. 5736 we so WBS. 5737 gar] auch
denn G. auch D. strenchleich WB. strengleich S. 5739 in das BS. ewigen
WG. 5740 dem teufel F. 5741 da fehltBF. V. 5742— 5780 fehlenB.
5742 weiten G. 5743 dich fehlt GD. 5745 rieh] rieht GD. 5746 all
fehlt GD. alle totten auf F. 5747 mug S. ergen GD. 5749 fehlt F.
deinen GD. 5750 gräber erhelle GD. 5751 hören] tot erhören G. tet er-,
hören D. hören S. 5752 J. die äugen GD. 5753 nicht fehlt WSG. 5755
sew sitzet F. schätzend GD. dich doch u. F. 5756 trit] tat S. 5757 stim
fehlt S. 5758 höret W. tiefelFS. 5759 nicht ncht W. die S. 5760 sew
F. sein also F. seind der trewen 1er GD. V. 5761. 5762. 5763 fehlen D.
5761 sweig WSG. vinclär W. 5762 doch es nit G.
13*
196
warumb wildu denn dein atem swenten?
Man list in dem alten testamento,
5765 das got Lucifer aldo
macht als schön über all ander engel,
das er gewann an tugent mengel,
wann er gedacht: „ich pin so minnicleich,
das ich got wol mag sein geleich,
5770 so pin ich auch als wol gestalt.
warumb solt ich nicht haben solchen gewalt?"
des mocht do got nicht vertragen,
und hiess in do sand Michel slagen
nider in der helle grünt,
5775 da er nimmer dannen chumpt,
und sein gesellen alle sampt.
also lont in got zehant
nur umb die hochfart, die si in gedachten,
und also seind si die versmachten.
Von der mässichait.
5780 Die mässichait in der jugent,
das selb ist gar ain hohe tugent,
wer da zwinget seinen muet,
das er nicht übermässicleichen tuet
weder mit essen, noch mit trinken ze vil;
5785 wann unmass wüestet alle spil.
Ich mag geleichen die mässichait
dem wilden esel, als die natur das sait,
das der selb trinket nimmer nicht
chain triiebes wasser, als man gicht.
5790 er belib ee drei tag ungetrunken,
5763 warumb] wes G. wildu dein atem dann sw. F. sehenden G. 5765
got fehlt S. 5766 all fehlt GD. 5771 so vil g. SGD. solchen fehlt F.
5 772 macht got da F. möcht da got daW. mocht doch got nitGD. 5773
in fehlt G. do fehlt WS. hiess got sant Michael in s. D. 5775 das S.
nimmer mer WSGD. 5777 im GD. 5778 umb h. GD. in fehlt F. 5779
si ietz die G. 5783 übermässikleich WG. 5784 noch trinken G. 5785
verwüstet GD. V. 5786 — 5803 fehlen B. 5786 ich geleiche die un-
mässikeitD. 5787esselF. als das dien. s. F. 5788 selb fehlt GD. 5790
beleih S. plibt G. beleibt D. untrunken SD.
197
ee das er sein füess darein tat dünken,
wann er peitet ee lenger zwar,
unz das wasser gar wurd clar.
in der summ der tadel list man,
5795 als da spricht her Salomon:
„mich wundert das der mensch nicht ist
massiger vil ze aller frist,
wann doch das offenleich ist chunt,
das der mensch hat ainen munt,
5800 der do hat ain rechte mas.
warumb ist er dann ain fräs
wider andre tier so gar?"
darumb ist das sicher war,
das do sprach der weise man:
5805 „wer im selben entziehen chan
an trinken und an essen eben,
der selb der wirt lange leben."
Basilico der maister bewärt:
„geleich als man den zäum an das pfärt
5810 legt, das es nicht sol springen,
also soltu deinen muet auch twingen,
das du dich nicht übergen last
die frasshait mit irer gesellschaft. a
Man list von der mässichait also
5815 in dem puech Machabeo,
das Alexander ains tages rait
durch ain wüest manig tagwaid
mit grossem volke, als man gicht.
da funden si ze essen nicht.
5820 do lait sein volk als grozze not,
das ir vil stürben von hunger tot,
wann si hetten verzert alles das,
5792 pitt F. 5793 das das F. gar fehlt FG. wirt D. 5795 daj das S.
5797 vil] doch F. 5798 das doch FS. 5801 dann] nuer F. 5802 weder
FGD. ander WS. 5804 spricht F. 5807 selb wirt FS. gar langGD. 5808
Basilicus F. 5811 zwingen WBSGD. dein gemüt WBSGD. 5813 strauf-
fung G. ir FGD. selschaftD. V. 5814—5845 fehlen B. 5820 als] gar
WSGD. 5821 von fehlt G. hungers tod G.
198
das das veld was speiselos.
do cham ain ritter an den stunden
5825 und het drei fladen mit honig funden.
die wolt er nicht essen gar
und pracht si für Alexander dar.
do nam si Alexander in die hant
und warf si von im alzehant
5830 in ain gross wasser, was da neben,
und sprach do zue dem zieren degen :
„naina, das enwelle got,
das mein volk solt leiden not
und ich allain solt ze essen haben!"
5835 do das sahen seine chnaben,
die sprungen nach den honigfladen
in das wasser, hör ich sagen,
also das ir vil verdürben
nach den fladen, die all stürben ;
5840 und do Alexander das ersach,
do was im aus der wüeste gach,
und zoch do für ain reiche stat.
da funden si darnach allen rat.
Von der frasshait.
Gula die haist man frasshait.
5845 die selb ist wider die mässichait,
als Tulius schreibt an seinem rat:
„wer chain mässichait nicht hat
weder an trinken, noch an speis,
der selb mag nimmer werden weis."
5850 Ich mag geleichen die unmass
dem geiern, der selb isst nur as,
5823 das do das GD. speiselass SGD. 5825 und] der SGD. honigfladen
gef. GD. 5829 alle ze G. 5830 w. daz was GD. 5831 do fehlt F. 5832
nain man F. nain D. enwol S. enwelt G. enwolt D. 5841 wüsten S. 5842
do fehlt W. 5843 darnachen S. darnach fehlt FGD. da] darinF. 5844
die] daz G. die fehlt D. 5845 wider mässichait F. 5846 als fehlt B.
spricht in GD. 5847 nicht bihatt F. 5848 tr. noch auch an essen noch G.
V. 5850—5858 fehlen B. 5851 geiren G. selb fehlt WF.
199
wann im ist nach dem as so gach,
das er fleugt hundert meil darnach.
die geier habent grossen neit,
5855 si wissen auch wol allen streit,
der geschehen sol von leuten.
wann si das oft bedeuten,
da si fliegen alweg mit.
das selb ist ir naturleich sit.
5860 von der frasshait spricht man also,
das si sei ain fundamento
aller poshait, als do spricht Isiderus:
wann si zwingt des menschen gedächtnuss
und zerpricht das naturleich pluet.
5865 unmass ist ze nichte guet,
unmass irret weises reden,
unmass wüestet des ganzen menschen leben,
und alle siechtumb chomen
von der unmass, han ich vernomen.
5870 Isiderus der maister sagt:
„wer die unmass lieb hat,
der bedarf des arztes ze aller zeit."
auch: „wem die unmässichait anleit,
der selb mag nimmer reich werden."
5875 unmässichait macht allen werren,
unmass und das pös weib gram,
die wüesten manigen weisen man.
Von der frasshait list man gewis
in dem puech gehaissen Genesis,
5880 das got beschuef Adam und Eva,
und tet si in das paradeis alda
5852 wann] und GD. 5853 flüg WS. 5854 geiren GD. geir die habenn
so g. F. 5855 wol fehlt GD. alle WF. 5857 oft] wol F. 5858 da] das
WFSGD. si] selb F. alweg fl. F. 5859 selb von natürlichem sit F. natur-
licher G. 5860 man fehlt F. 5861 fundament do GD. 5862 do fehlt
WS. 5863 gedenknuss WS. dechtnuss D. 5867 das D. ganzen fehlt S.
gantz GD. 5868 davon eh. F. 5869 daz han G. 5871 die] da F. 5872
arzt FSD. arzat G. 5875 alles G. V. 5878 — 5920 fehlen B. 5878
gewis] gemain S. 5879 p. das da haisst WSGD. 5881 sew F.
200
und gab in alles das darin,
was erdenken mochte menschen sin,
und macht in iren willen frei,
5885 das si mochten tuen dapei,
was si nur tuen wolten
an allain, das si nicht solten
essen ainen apfel, den in got verpot,
oder si wurden sterben tot.
5890 und do der teufel das ersach,
das ain ertreich also swach
solt in den himel an sein stat chomen,
das im und seinen gesellen was genomen,
do gieng er in ainer slangen weis
5895 zu Eva in das paradeis
und redt mit Eva also vast,
das si den apfel von dem ast
prach herab und pais darein.
alspald gedacht si in irem sin:
5900 „zwar ich han übel geta-n,
das ich nicht pehalten han,
das pot, das mir mein herr gepot.
ich wais wol, ich wird leiden not."
und gieng von der slangen hin dan
5905 zu irem man Adam.
der erschrack und was unfro.
Eva sprach: „wie tuestu so,
das dir von mir ist so gach?
waistu nicht, was got sprach,
5910 do er Uns den apfel verpot:
äss wir den, so lag wir tot.
nu han ich gessen des selben apfels eben,
und pin noch nicht tot gelegen.*
also überredt das weib den man,
5882 in do a. WS. das fehlt F. 5883 erdenket S. des m. S. 5886 si
nun woltenD. 5887 sew nicht tuen s. F. 5889 st. ze t. G. 5893 benomen
S. 5898 biss D. 5901 gehalten D. 5902 das] mein S. pot] gepot WF.
gepot] pot WF. 5905 zue Adam irem man G. 5908 so fehlt WSGD.
5909 nit was zue uns g. G. 5910 do] das F. 5912 nu han ich] ich han
GD. 5913 noch beliben leben W. nit tod legen G.
201
5915 das er den apfel von ir nam,
und pais darein, als Eva tet,
und do er das pot auch übergangen het,
do wart er got gar unwert.
do cham sand Michel mit dem feurein swert,
5920 und traib si aus mit grozzem lait.
das cham alles von der frasshait,
und also ist frasshait gewesen
die erste sund, hat man gelesen,
die auf dise weit ie cham;
5925 wann got ist chainer sund so gram,
wann wir haben alles lait
am ersten von der frasshait.
Von der keuschait.
Keuschait die ist also,
als das spricht Tulio,
5930 wer do widerstet
dem lust, der in an get
ze uncheusch, als er gicht,
das man dann dem fleische volge nicht.
Man mag wol geleichen zwar
5935 die tugent der cheusche gar
der turtel tauben, als man gicht.
die selbe pricht ir trewe nicht
nimmer an irem gemächelein,
und ob das also mueste sein,
5940 das ir aines stürbe
oder sunst verdürbe,
so behalt das ander sein cheusche rain,
und beleibt darnach alzeit allain,
und trinket auch dann, als man gicht,
5916 biss D. 5917 do fehlt D. gepot D. 5918 gar fehlt FGD. 5919
MichahelG. 5920 si] sew F. in SGD. 5922 und also] von Adam undEva
B. 5923 als man haut G. 5924 die hie in d. GD. 5927 der pössen fr. G.
5928 kauskait S. kewschichait B. 5929 das] da BG. do D. 5930 do]
der GD. 5931 im davon g. F. 5933 volge dem fl. G. V. 5934 — 5947
fehlen B. 5935 kuscheifc D. 5938 seinem G. gemächlein WS. gemäch-
telinG. 5942 gehaltS. keuscheitD. 5943 b. auch darnach aJlainS. 5944
dann fehlt GSD. auch dann fehlt W.
202
5945 fürpas chain clares wasser nicht,
und sitzet auch da pei
nimmer auf chain grüenes zwei.
Jeronimus hat gesprochen:
„die cheuschait wirt gar leicht zeprochen;
5950 wenn man nicht zämpt die äugen,
so mag man die cheusch berauben
gar leicht, es sei frau oder man;"
als man in der summ vindt geschriben stan:
„wer in cheuschait alten sol,
5955 der selb bedarf sechs tugent wol:
am ersten, das man sich hüet vermessen
vor übrigem trinken und essen,
als man vindt geschriben eben
in der alten väter leben,
5960 das es gar unmügleich ist,
das man des feuers flara ze chainer frist
in die hende vach eben geleich,
also ist es auch unmügleich,
das man mug zwingen den uncheuschen willen wol,
5965 wann er der speise ist ze voL
die andre tugent ist also,
das man fliech müessichait, als Ofidio
spricht, das müessichait sei ze versmahen,
wann si sei der uncheusch ain anvahen.
5970 der weise man rat auch das,
das man sich hüet an underlas,
das das weib und der man
nicht ze vil mit einander gehaim han ;
5947 nimmer mer a. WS. 4948 hat auch g. S. 5949 chewschichait WB.
zerpr. WBG. 5950 zaumpt F. zämt BG. 5951 kunschait G. keuscheitD.
5953 man vint in der summ g. FGD. 5954 unkeusch D. alten] sterben B.
5955 selb fehltF. 5957 vomF. 5959 altväter WD. 5960 gar fehlt B.
5961 fehlt B. flamen GD. 5962 fehlt B. vacht F. 5963 fehlt B. und
daz behalten daz ist unm. GD. das man müg tugenleich W. 5964 das
man mug] und GD. den fehlt SGD. m. unch. w. zwingen wol W. 5965
ist der speise vol B. ist ze voller speise vol FS. er ist übriger speise vol
GD. 5966 fehlt F. andre fehlt WBSGD. 5967 als uns O. G. 5968 das
die m. F. 5970 retS. 5972 das da w. GD. und auch ra. G. der fehlt D.
5973 vil gemain mit e. h. B.
203
wann den deub macht deu stat.
5975 zu dem vierden mal ist mein rat,
das man sich hüet vor allen den,
die mit uncheusch umbe gen.
sand Gregorius der spricht:
„es ist chain tadel nicht,
5980 der do mer wüest das flaisch und den muet,
wann die snöde uncheusch tuet,
wann es ist ain naturl eicher tadel.
darumb solt maus fliehen als des tarantes zagel."
zu dem fünften mal ist der weisen rat,
5985 das man sich hüete vor der stat,
da man redet vil geteusch
von dem tadel der uncheusch,
wann das selb das raitzt den muet.
fleuch auch, wa man die werich tuet.
5990 der uncheusch tadel ist geschaffen
geleich als die äffen ;
was die selben sehen vor in,
das wellen si auch tuen in irem sin.
der sechste rat der ist also,
5995 das man sich hüet, wa jubilo
sei von tanzen und von singen;
wann das selb ist nur ain anpringen.
davon spricht Pittagoras:
„es wachset gern das grüene gras
6000 pei dem wasser," als er sait,
„geleich also wachset uncheuschait
pei pfeiffen, tanzen und singen.
davon sol man sich hüeten vor den dingen."
Man list von der uncheusch das,
5974 wann es d. D. deu] die WBS. deu stat] drat GD. 5980 mer fehlt
GD. und das buot D. 5981 wann] als G. 5983 man G. 5984 weisen
fehlt F. weise GD. 5987 fehlt F. 5988 selb r. F. 5989 auch wa] aus
wann F. werkWSGD. 5992 sehen fehlt F. 5995 wa fehlt F. wa] vor
SG. 5997 selb fehlt G. nur aim pringen F. ausspringen S. 5998 auch
sp. B. darumb sp. D. sprach FSG. 6000 wasen WS. wasem B. er] manS.
6001 als S. 6002 und fehlt F. 6003 darumb G. sich fehlt F. von F.
V. 6004—6145 fehlen B. 6004 uncheuschkait W.
204
6005 das zu den zeiten der altväter was
ain ntinn, die dienet got frue und spat.
nu was ain herre in der stat,
da das closter inne lag,
der selbe puelet nacht und tag
6010 umb die nnnnen minnicleich.
die nunne jach gar trauricleich :
„ich pit euch innicleich durch got,
das ir nicht euren spot
leget an mich vil armes weib.
6015 lieber herr und säliger leib
suecht anderswo, da vindt ir wol."
der herre ward do zornes vol,
das er die nunnen wol gestalt
wolt ziehen haim mit gewalt.
6020 die nunne schrai gar jämerleich :
„lieber herr, wes zeicht ir mich?"
der herre sprach: „ich sag dir war,
das machen deine äugen clar,
die so minnicleichen sint
6025 geschaffen, herzenliebstes chint.tf
die nunne sprach: „herre mein,
mag es dann anders nicht gesein,
es mües eur wille an mir ergan,
so pitt ich euch, lieber herre, schon,
6030 das ir erlaubet ietzund mir,
so wil ich für sich chomen schier;
wann ich wil richten vor mein ding."
do sprach zu ir der jüngeling:
„nu hin, mein hört! ich wil dir trawen;
6005 alten vatter S. 6006 die got dienet W. 6009 selb der p. G. tag
und nacht WFS. 6011 die nunn die j. SGD. sprach F. 6012 innecleichj
junkher W. 6013 nicht leget euren F. 6015 fehlt S. 6016 da] das
WFGD. 6017 do fehlt WFS. do] des G. 6018 nunne SGD. 6019 haim
fehlt F. 6020 nunne die sch.WSD. gar fehlt FS. 6021 was S. zieht G.
6022 her der S. 6024 das die so minnigklich G. 602 5 herzen lieben W.
herzenliebs S. hertziiebs GD. 6026 jach F. lieber herre GD. 6027 anders
denn G. 6028 und musz D. muess ie e. G. an mir fehlt SG. dar ganW.
6032 wann fehlt F. forhin G. vorrichten m. S. 6034 dir fehlt S.
trewen GD.
205
6035 chumpst du nicht, es wirt dein rawen."
die nunne gieng von im gar snell
mit grossem laide in ir zell
und prach ir selber aus die äugen,
darumb das mans nicht berauben
6040 solt ir junkfrauleichen chron.
darnach gab si dem herren schon
ir Hechte äugen clar
und sprach: „mein herre, nu nempt war!
euch hat gelüstet nach den äugen mein,
6045 nu nempt si hin, si sullen ewer sein."
und do der herr die äugen sach,
do was im von der nunnen gach,
und ward betrüebet also ser,
das er fürbas nimmer mer
7050 ward recht fro, als man sait.
und also behueb die nunne ir cheuschait
und verlos darumb ir gesicht,
als das ewaugeli lert und spricht.
Von der cheuschait schreibt Valerius
6055 und spricht, do Marcus Regulus
besaz die stat Syracusam,
die da leit in dem lant Ceciliam,
do bewainet er vorhin der stat not;
wann er west wol, das vil leut tot
6060 wurden von der Zerstörung ligen.
auch ward der selb Marcus nie bezigen,
das er ie beruert mit seinem leib
ze lust chain uncheusches weib.
und ee das man gewan die stat,
6065 do gepot er pei chaiserlicher majestat,
6035 dein rawen] gerewen FG. dich gerewen SD. 6041 sei die äugen
dem h. G. 6042 irewG. liechtew. SG. 6043 mein herre fehlt G. nemenfc
F. nimpt hin fürwar G. 6045 sey hin F. 6047 nunne FS. d. rainen g. D.
6050 frölich GD. 6051 die rain ir D. ir] dy W. 6053 und auch sp. G.
6055 do] das WGD. 6057 Siciliam F. in Cecilia landGD. 6060 erstörung
GD. 6061 gezigen FGD. 6062 nie FGD. betruebt F. beruert hett GD.
6063 ain GD.
206
das niemant solt chain frawen zwingen
zu chainen uncheuschen dingen,
und wer das selbe übergieng,
das man den selben für sich hieng.
6070 da von spricht Valerius das:
„schawet an, wie Marcus was
so gar rain und cheusch gen den weiben ! "
warumb wolt man es halt nicht geschreiben?
Man liset von der cheusch also,
6075 das ain ainsidel was in Egipto,
der do gar ains heiligen lebens was.
nu schuef der pöse teufel das,
das ain weib sich des annam,
das si verhies irem lieben man,
6080 si wolt dem ainsidel also begegen,
das er müest uncheusch mit ir pflegen.
darnach gieng das pös weib hin
für sein closen und ruefet im
und sprach: „lass mich ein, gueter man!
6085 ich pin verirret auf disem plan."
do tet er auf sein hof gar snell.
darnach floch er in sein zell
und versloss sich darinne vast und wol.
nu was die frau so poshait vol,
6090 das si schrai mit grossem jamer :
„lieber, lass mich in dein chamer,
wann mich fressen die wilden tier,
und stirb ich, so leit die sund auf dir."
do Hess er sei in sein gemach.
6095 „owe!cc gedacht er, „es ist gottes räch;
6066 twingen S. 6068 das selbe] also F. 6069 selbigen F. für sich] von
stund an D. 6070 darumb D. 6071 an fehlt FD. Marcus Regulus w. D.
6072 rain gen den keusch weiben GD. 6073 darumb SG. wolt er nicht F.
nicht] nie S. beschreiben FS. nit schriben GD. 6074 unkünsch G. 6080
den GD. wegeben S. begeben WGD. 6081 er unkünsch mit ir muest G.
6083 klussen G. 6084 du guetter GD. 6086 hof] huss G. 6087 er hin
in G. 6088 darinn gar wol D. vast wol WS. gar vast wol G. 6089 so
fehlt FS. 6091 lieber pruoder GD. 6093 sturb F. lagen die s. F. 6094
sy WG. si ein in D. seinen FG.
207
der wil erzaigen seinen zoren.
tue dein gen ade an mir voren,
und lass mich nicht den teufel zwingen
zu chainen suntleichen dingen."
6100 do macht der teufel maniges geteusch,
das er den ainsidel prächt ze uncheusch.
des ward der ainsidel gewar
und sprach: „her teufe], ewer weg sein gar
voller vinsternuss, hör ich sagen.
6105 ich sol mich wol von dir entslachen,
seit doch den gottes chinden scheint
das Hecht für dich, du pöser veint."
darnach zunt der ainsidel an
ain Hecht, do ward in angan
6110 ain pöser uncheuscher muet.
do gedacht er: „wer die sunde tuet,
der muess varen in die hitz.
nu versueche, ob du ditz
claine feuer mugest erleiden.
6115 owe, was geschieht doch von weihen!"
do stiess er den vinger in das Hecht zehant
und prant den vinger von der hant
unz an den tag, als man gicht,
das er sein enpfant nicht
6120 von der starken uncheuschen hitz.
und do das weib ersach ditz,
do starb si von den sunden schier.
des morgens cham der jungeling nach ir
und vorsehet des ainsidels leib:
6125 „cham nicht nachten her ain weib?"
do sprach der ainsidel: „ja" an der stund,
„aber si slaffet ietzund."
do gieng der jungling snell
6096 wil mir e. GD. 6097 tue an mir d. g. G. 6100 so do macht S.-
6101 er pracht den a. G. 6103 her fehlt D. 6104 hört GD. 6105 vor
G. dir fehlt F. enslahen S. 6106 seit] seind W. denn doch g. G. 6107
d. liecht gee für D. 6108 d. do z. WS. 6112 der hellen h. D. 6114 daz
klain GD. 6115 doch fehlt F. von den F. 6119 sein] si G. 6122 den
fehlt F. 6124 weib S. 6125 herein ain F. 0127 sl. noch ietzund GD.
208
in des ainsidels zell
6130 und suecht sein liebhaberin mit jamer.
do vand er sei tot in der chamer,
do schrai er: „vatter, si ist tot."
do hueb der ainsidel auf gen got
sein hend und sprach: „herr Jesu Crist,
6135 seit mir mein vinger verloren ist,
das ich an uncheusch pin peliben,
und doch das von dir ist geschoben :
man sol nicht übel umb übel geben,"
und pat got umb der frawen leben,
6140 das si wider lebendig wurd,
das nicht auf im lag die purd.
das tet got do durch sein pet,
das si auf stuend von tod ze stet
und belaib fürpaz cheusch und rain.
6145 also gieng si wider haim.
Von der uncheusch.
Die uncheusch ist ain laster prait
und ist wider die cheuschait,
als man das list gar eben
in der alten väter leben,
6150 das uncheusch sei vierlai maniere.
die erste ist an dem gezierde,
die man tuet mit dem gewant,
als das manigen ist bekant.
die ander ist ain müessig gen,
6155 als man vindt geschriben sten,
und als sand Pernhart das sait,
das die müessichait sei ain erfinden aller poshait.
zu dem dritten mal so sein uncheusch gedank,
die selben machen das fleisch gar chrank
6129 ainsidel W. 6131 tote F. 6132 er o we v. GD. 6135 verlarn W.
6136 beiigen F. 6137 das fehl t F. beschriben F. 6138 sül G. sulle D.
umb] mit F. 6140 lembtig S. 6141 nicht lag auf im WG. 6142 da] also
GD. gepett GD. 6143 von dem FGD. 6144 fürpaz fehlt S. für sich F.
6145 und also SG. 6149 altvater WGD. 6150 viererlai GD. 6151 ist
fehltG. gezirdeFS. 6152 mit] an GD. 6153 das fehltB. manigemBGD.
6156 das] da GD. 6158 so fehlt G. seind F. 6159 selben fehlt F.
209
6160 zu dem vierden mal, so spricht man das,
das man sich hüet an underlass,
das man nicht greif an die uneheuschen stet.
wann doch also geschriben stet :
„wer das pech rüeret an,
6165 der selbe wirt beflecket davon."
uncheusche werch die sint
manigerlai, als man geschriben vindt,
etwenn mit ledigen leuten,
die selb haisset fornicatio an dem bedeuten.
6170 es geschieht auch uncheusch mit ainer magt,
wenn man die selbe darzu habt,
das es über iren willen geschieht.
die selb haisst raptus, als man gicht.
es geschieht auch uncheusch mit eeprechung,
6175 die selb haisst adulterium.
noch ist ain uncheusch, hör ich sagen,
die geschieht zwischen freunten und magen,
oder von der tauf oder von der firmnus.
die selb die haisst incestus.
6180 es geschieht auch uncheusch etwan
mit leuten, die sich gegeben han
in ainen orden durch Jesum Cristum.
die selb uncheusch haisset stuprum.
noch ist ain snödeu uncheusch bechant,
6185 von der sich der teufel selber schämt,
und ist von der Sodomiten gesiecht.
die selb ist wider das naturleich recht.
Haimo der lerer gicht:
„wenn man von der selben uncheusch spricht,
6190 so fliehen die lieben engel davon,
das si es nicht mugen hören an."
6163 wann also die geschrift settGD. 6165 flecket F. 6168 etwannBS.
6169 die] das G. 6171 wann F. selben FG. 6173 das selb F. 6174 un-
cheusch mit fehlt F. 6176 als ich hör s. GD. 6177 das F. die da SG.
6178 v. dem tauf oder firmus G. oder fehlt D. von tauf oder von D. das
zweite oder fehlt BS. firminus WS. 6181 begeben BSG. 6184 snödeu
fehlt B. schnöde W. 6188 Haymon F. Hyamo S. 1. der spricht G. 6190
dervon BS. darvon W.
Zingerle, Vintler. 14
210
sand Gregorius sagt in seiner omelei,
das si die snödist uncheusch sei,
ain Zerrüttung des flaisches, pluet und pain,
6195 und unsaubert die sele rain,
und beraubt die junkfraul eichen chron
und geit doch gar ain pösen Ion.
auch betrüebet si den lieben got,
und ist widerzäm dem englischen gepot.
6200 Tulius spricht: „wer der uncheusch ist undertan,
der selb ist geleich als ain aigen man."
sand Augustin der lerer sait
ain swären spruch von der uncheuschait :
„wenn der uncheusch hat den wan,
6205 das er zu der uncheusch wil gan,
und hat das selb in seinem muet,
wenn der das zaichen des heiligen creuzes für sich tuet,
damit sleusset er den teufel in sich,
noch mer, wann er in treibet hinder sich."
6210 Die uncheusch geleicht man wol
der fledermaus, die ist so vol -
uncheusch, als man gicht,
das si chain naturleich uncheusch nicht
treibet, sam die andern tier;
6215 wann die fledermaus ist so voller uncheuscher gir,
das ain er und ain er
uncheuschen mit ainander mer,
wann ain si und ain er immer tat.
und wenn die si auch wirt geplät
6193 schnöd WBS. schneidest GD. 6194 pluetz G. 6195 und] wann si
F. sele] seilen W. selben BS. 6196 der [die D.] junkfrawen GD. 6197
doch] auch GD. gar fehlt S. 6199 gepot] got B. 6200 wer da ist un-
cheusch u. B. uncheusch] sund GD. 6201 geleich fehlt G. 6202 sand
fehlt G. Augustinus G. 6203 unchewschichait B. 6205 well B. 6207
der] wer F. er D. kreutz WBS. 6208 sleusset] vertreibt B. 6209 noch
fehlt GD. wann] denn WG. dann D. vertreibt BFS. V. 6210 — 6224
fehlen B. 6212 uncheuschait SD. 6214 treiben all. Hds. als GD. die
fehlt G. 6215 die fledermaus ist] si seind GD unkunsch G. 6217 un-
cheuschen] treibent unkeusch GD. raitenander W. mer fehlt GD. 6218
wann si und ainer nimmer G. nimmer SD. 6219 wenn fehlt G.
all
6220 von der uncheuschen begir,
so fleugt si darnach für sich schier,
da si ain ander si vindt,
und mit der selben so macht si chint.
sand Pernhart spricht in seiner 1er:
6225 „sich freut der teufel chainer sund mer,
wann der uncheuschen tat."
als das auch geschriben stat,
das der teufel tuet alle sund, als man gicht,
an allain die uncheusch nicht.
6230 davon ist uns das wol chunt,
das der mensch selten mag sein an sund.
Osue spricht: „der wein und das weib
verderben paid des menschen leib."
und der apostel auch also schreibt:
6235 „welcher mensch uncheusch treibt,
der sundet in seinen aigen leichnam."
Isiderus spricht auch davon :
„solt man die uncheuschen stainen ze stet,
als man in der alten ee tet,
6240 man wurd der staine mangeln drat."
Oracius auch gesprochen hat:
„alle gelückleiche ding,
die sein der uncheusch ain urspring,
aber das ungelück vertreibt
6245 die uncheusch ze aller zeit."
frasshait, chrieg und spil,
uncheusch und weiber ze vil
die wüesten allen reichtumb.
davon sprach Ondius darumb,
6250 man sol sich nicht daran cheren,
6220 unkünsch G. 6221 floug S. 6222 da] das F. 6223 so] si da GD.
si] ir G. 6224 spricht fehlt F. 6226 wann] sam BSD. dann G. 6228
allew F. 6229 unkeuschait D. 6230 das fehlt B. 6231 sein mug G.
6233 paidew G. 6234 auch also fehlt B. 6236 sein F. 6237 Oracius
sp.B. V. 6238— 6241 fehlen B. 6238 unchewschFGD. verstainen GD.
6241 geschriben G. 6242 aller gelucklicher G. 6249 Ofidius sprach d.
GD. davon) also S. darumb FWB. wann GD. spricht S. 6250 daran
nicht F.
14*
212
ob die frawen wainen geren,
wann si tuend es alzeit auf smaichen,
das si die man mügen gelaichen.
darumb maistern si ze wainen die äugen,
6255 das man in dester pas sull gelauben.
„owe!" spricht her Seneca,
„ gedächtest du das end der luxuria,
der anfank wurd dir widerzam."
Salomon: „die uncheuschen leut erchennet man
6260 an dem gesicht mit dem winken,
wann die uncheuschen vast hin und her z winken.
es hilfet auch gar ciain die huet,
die man gen den uncheuschen weiben tuet.
es sein vier ding, als man gicht,
6265 die selben erfüllt man nimmer nicht. >
das ist die helle und das uncheusch weib,
die erfüllt man nicht ze chainer zeit.
das dritt das ist das ertreich,
das ist genueg wunderleich,
6270 das es sich nicht genüegen lat
des wassers an chainer stat.
so ist das feur auch ungenuegsam.
das selb spricht nimmer: „las stan
das holz, ich han ietzund genueg."
6275 „noch sein vier ding so clueg,
und die ich nicht erchennen chan dapei,
wa der weg des adlers sei,
wann er in den lüften fleugt. •
der natern weg mich auch vast treugt,
6280 wenn si sich über die staine slingt,
6252 sew tuen F. 6253 das] damit F. sew F. den FS. laichen GD.
V. 6254. 6255 fehlen B. 6254 sew F. die] ir GD. 6255 in fehlt
F. 6257 gedenkest W. bedenkest BSD. gedacht das du das F. der
fehlt F. 6258 wird B. war F. 6259 S. spricht F. leut die e. W.
leut erchennet man] man erkenn G. 6261 fehlt B. zwinket GD.
unkeusch GD. 6262 die] dein G. 6267 fehlt B. zue aller z. G.
6268 die dr. F. dritt ist S. 6270 benügen F. 6273 nimmer nicht 1. G.
6274 yetz WBSGD. 6275 clueg] frei B. 6276 und fehlt B. mag S.
6278 die lüfte G. 6279 vast auch FD. vast fehlt B. betreugt S.
213
_
und wenn das scheff im mer swimt.
der selbe weg ist mir ze her,
und des chindes weg hin und her,
so es in seiner jugent ist.
6285 geleich als sein die weg ze aller frist
der pösen uncheuschen weib."
als auch sand Paulus davon schreibt,
das allen lust diser weite prait
got hat gemacht in die uncheuschait.
6290 Ofidius spricht: „wenn der jung wirt enzündet
mit der uncheusch, der selb sündet,
aber wenn der alt uncheusch begat,
das selb haisst man ain narrentat. tt
Ecclesiastes an dem sibenten schreibt
6295 und spricht: „ich han gesehen das weib
noch pitter und hantiger wann den tot."
Ambrosius spricht: „es lait auch not
der chünig Nabuchodonosor von Babilonia,
das cham alles von der luxuria,
6300 do er mit dem vich sein zeit
muest verzeren, als Daniel urchuud geit.
auch Jeronimus der lerer sait
und spricht, das Paulus ain seul der christenhait
mocht nicht überig beleiben,
6305 er gewunn anfechtung von den weiben.
Aristotiles spricht in seiner summ,
das die uncheusch sei ain Zerrüttung
aller menschleichen figur,
als sich das vindet in der natur,
6310 wann die uncheusch wüestet allen sinn.
des ward her Salomon wol inn,
6282 selbig FD. 6285 als] also BD. als fehlt G. sein fehlt F. 6287
davon] das BSG. do D. 6288 aller FWBSG. das got allen lust d. w D.
6289 got] nott G. hat gemacht in die keuschait D. 6290 Ofidius spricht
fehlt B. spricht fehlt D. erzundet S. 6291 selb fehlt B. selb der GD.
6293 das haisset B. selb das h. D. ain fehlt F. man fehlt GD. 6295
und spricht fehl tWBSGD. V. 6297 — 7329 fehlen B. 6299 der fehlt
FD. 6300 da] das S. 6301 D. von im u. G. 6303 seul sei der F. das
fehltD. 6304 übrig WFS. 6305 gewann G. demleibeGD. 6308 mensch-
licher WGD. 6310 uncheuschait F. alle G. 6311 daz G.
214
wann er als vil uncheusch tet,
das er des letzten apgötter anpet.
es spricht der gross philosophus :
6315 „die uncheusch ist geleich als tyrus,
ain slang, die ist so pöser gir,
wenn die becket ain ander tier
in ain gelid gar ain ciain,
so faulen die andern gelider all gemain.
6320 geleich also ist die uncheusch getan:
wer sich die lat übergan,
der erfeult leib und sei damit.
also ist uncheusch gesitt."
Augustinus der spricht offenbar:
6325 „mich dunkt ain weib säliger zwar,
die den magtum verloren hat,
wann ain mait, die in dem muete stat,
das si noch iren magtum gern verlür,
wann der will get ietzund für."
6330 Ofidius geit uns ain 1er
und spricht: „wiltu sein ain herr
deines hauses und deines guetes,
so soltu nimmer sein des muetes,
das du dein guet gebest alles hin
6335 weder weib, noch chind, das vernim,
noch freund, noch prueder so vil gebest,
das si über dich sein, die weil du lebest.
es ist vil pesser, das gelaube mir,
das man chum ze gen ade dir,
6340 wann das du soltest nach gan."
darumb sprach der weise man:
6312 unchewschs F. 6313 am lensten W. am lesten S. abtgoter W. die
aptgoter S. ze lest an G. 6314 sprach GD. 6316 so fehlt WG. 6317
heck S. heckt GD. 6318 ain fehlt F. enklain S, 6319 glidern gar ge-
main F. 6320 alsS. 6321 sich laut die vast G. 6322 erfault F. erfüllet G.
und auch G. 6323 also die u. istg. F. sittG. ist der unkeusch sit D. 6324
der fehlt FGD. 6326 die] dew S. 6327 magt SG. die da WSG. 6329
ietz SG. 6330 uns ietz ain S. 6336 frunden G. pruedern GD. so] als F.
6337 fehlt F. 6338 pöser FG. 6339 chom B. zu S. genad WB. gnad
FS. gnaden G. 6341 und darumb F.
215
„wer do entl eichet, das ist recht,
das er sei des entleichers ehnecht."
Isopus der gicht auch gar wol:
6345 „wer do hat, das er haben sol,
der sol sich lassen genüegen daran.
wann es ist vil pas getan,
das ainer im selber mag gepieten,
wann das er sull aim andern mieten."
6350 Salomon: „die freihait ist ain solcher gelt,
das si nicht ist ze verkaufen umb alle weit,
aber der geitig der nimpt guet
und verchauft darumb sein aigen pluet."
Jeronimus ain diener Christ
6355 spricht: „dem geitigen geprist
des als wol, des er hat rat,
geleich als der es nicht enhat."
Von der uncheusch hör ich sagen,
das ze Rom in den tagen,
6360 was ain man, der hies Kateline.
der was so mortleich in seiner ee
und so gar in uncheusch verprant
gen ainer, die was Abrecke genant.
nu wolt es die selb frau nicht tuen,
6365 wann si het es vor getan mit seinem sun.
und do Kateline das erhört,
do tet er gar ain grosses mort
an seinem aigen sun, den er het,
wann er gab im gift an der stet
6370 und tot in mit sein selbes hant.
6342 enleichet S. entlechnet GD. 6343 enleichers FS. lichers G. V. 6344
— 6431 fehlen B. 6344 der fehlt G. 6345 wer] der G. 6347 pös S.
6349 sol F. V. 6350. 6351 fehlen D. 6350 S. spricht G. die] der S.
6351 ze] zerF. fürlauffenG. 6352 aber] Salomon D. der fehlt FS. 6353
und] so F. verleusset GD. aigen guet pluet G. 6354 J. spricht S. J. der
spricht D. 6355 spricht] fehltD. wenn G. allweg prist G. g. dem gebricht
D. dem fehlt F. 6357 des er F. 6362 gar fehlt F. 6363 Auteke W.
AureleS. AwereleGD. von spät. HandAurelia zugesetzt G. 6364
selb fehlt F. 6365 het vor gehabt seinen s. G. het von seinen sun D.
6368 aigen fehlt GD. 6369 an] auf GD.
216
darnach ward er von im verprant.
mit soleichem aufsatz und geteusch
cham er zu dem weib mit uncheusch,
also das sein begir an ir erfüllet wart.
6375 das ward an im auch gerochen hart,
geleich als er sein selbs chint sterbet,
also ward er auch verderbet.
Man list von der luxuria
in der historje von Roma,
6380 das der chaiser Theodosio
het ain sun, der was also,
als die weisen jähen schon,
das er war ainer soleichen complexion,
ist das er sieht feur oder die sunnen clar
6385 wol unz auf vierzechen jar,
so mues der chnab Verliesen sein leben.
das selb merkt der chaiser eben
und lies do machen ainen turen clueg
und gab dem sun darein genueg,
6390 was er bedorft ze seiner nar.
also belaib der sun vierzechen jar
in dem turn in seim gemach,
das er nie feur noch sunnen gesach.
darnach hies in der chaiser heraus tuen,
6395 wann er wolt sehen seinen sun,
und hies in do den gelauben leren
und sagt im, das ain got war der himmel und erden.
darnach hies im sagen der weis,
was do war die helle und das paradeis,
6400 und was die engel und die teufel wären.
6371 er] im F. 6373 weib fehlt F. mit] ze WS. 6374 an ir fehlt F.
was F. 6375 das] damit F. hart] das F. 6376 sein sun lesfcorett F. sein
kind sterben tetD. sein chint tet sterben G. 6377 auch] da selb F. 6379
historien G. 6384 die] der G. 6385 hintz WSG. hin untz D. 6387 das
selb] da G. do D. marekt GD. gar eben GD. 6388hiessGD. 6389 darinn
S. 6390 was] des G. 6391 sun wol v. S. 6392 an F. 6393 nie sunne
noch fewer sach F. 6398 hies er im s. G. 6399 was da] daz daz G. und]
oder WS. 6400 teufel und die engel F. oder WS.
217
das hies er im alles sampt bewären,
und das die helle war ain stat,
da die teufel frue und spat
inne prunnen an underlass,
6405 und das si den armen seien wären gehass,
und si auch marterten mit maniger pein.
darnach zaigt er dem sune sein
schöne frawen und auch man
und hübsche ros wol getan,
6410 und sunst aller hand und hiez ims nennen,
das ers hernach auch möcht erchennen,
und hiez im die unterschaidung sagen,
wie alle ding ain namen haben,
es wäre vogel oder tier,
6415 und von den hübschen frawen zier
sprach der chaiser in schimpf zehant:
„die frawen dort sein teufel genant
und füerent die leut in die hell,
da hüet dich vor, mein lieber gesell."
6420 do fragt der chaiser den jungeling,
„wie gefallen dir die schönen ding?"
do sprach zu im der junge chnab:
„was ich noch gesehen hab,
das ist alles sampt ain wint
6425 wider dort die schönen chint,
die da teufel sind genant;
die selben gevallen mir allesampt
allerpest für jederman.
wie wol si doch den seien sind gram,
6430 das si sei peinigen an underlass,
so gevallen mir doch die teufel allerpas."
6403 der t. SGD. 6404 pringen S. prunne G. 6305 sew F. 6406 si] die
G. martern WS. martrotend G. maniger] grosser D. 6408 auch fehlt
WSD. 6410 hand ding GD. hiez fehlt F. 6411 erS. 6412 underschaid
GD. 6413 ainen WS. 6415 und] oder F. 6417 die] der F. 6418 die
fehlt F. 6419 mein fehlt S. 6420 vorseht F. 6421 gefallent G. schöne
GD. 6423 noch] alles GD. 6425 weder FG. schöne ding G. 6426 und
die da den t. F. 6428 aller bast D 6429 wie] die G. doch fehlt W.
6430 sew si F. sei] sie G. 6431 teufel] selben G. all S. bast G.
218
Aber von der mässichait.
Ich han eu vor auch gesagt
von der mässichait, als ir habt
da voren wol vernomen.
6435 nu wil ich an ain andre mas chomen,
was massig sei oder rechte mas,
als Adronico sprichet das,
das ist, das man hab in allen sachen mitterung,
also lert er in seiner summ,
6440 zwischen ze wenig und ze vil,
wann Übermas wüestet alle spil.
der mas der hangen zwo tugent an.
das ain ist erberchait, das ander ist schäm.
die schäm ist gar ain liebes chint,
6445 wann si fürchtet alleu schantleiche ding,
als die erberchait, die ist
nach dem, als Macrobius list,
das man tue alle ding erbärekleich.
wann die mas, die ist geleich
6450 dem scheffman, das ist wol chunt,
der hüetet des scheffes ze aller stunt.
geleich also ist die mas,
die selb die maistert an underlass
alle tugent, die in der weite sein,
6455 volchomenleich, redleich und rain,
geleich als der scheffman,
der des scheffes nimet gam.
so ist die schäm also getan
als das stewerrueder, das lat nicht gan
6460 das scheff an chain sorgsamleiche stat.
6432 euch FG. vor fehlt F. 6434 vornan G. 6435 an] in F. mässickait
F. 6436 rechtew SG. 6437 Andronicus F. 6438 dingen W. Sachen hab
mit. S. miltrung G. 6441 allew G. 6442 mas h. S. hangent G. 6443 ist
die seh. FS. ist fehlt G. d. ain das istD. 6445 alle WBSG. schentleichew
S. 6446 als fehlt F. 6448 das] waz G. allew G. erbergleich F. 6449
die fehlt D. 6451 hüt WB. hat D. 6452 die] der GD. 6455 fehlt G.
volkomenleichen WBS. redlichen W. redleichen S. V. 6456 — 6467 fehlen
B. 6457 nimet gam] meinant gan WS. ainmet gawint F. 6459 als die
st. G. daz nit laut g. G. 6460 sorgsame w G.
219
also tuet die schäm frue und spat,
und die erberchait gel eichet man
des scheffes riemen, die sein also getan,
das sie das scheff weisen recht
6465 den rechten weg schon und schlecht.
und also weist die erberchait
und die mas alle tugent, als man sait.
die mässichait ist ain soleiche frucht,
das von ir entspringen drei grosse zucht:
6470 am ersten hoher freier muet,
zum andern mal schöne sitten guet,
zum dritten mal züchtige red gemait,
und von der zucht chumpt dann edelchait,
nach dem, als Alexander spricht,
6475 das der adel sei anders nicht,
wann schöne tugentleiche sitt
und auch alter reichtumb damit.
Die mässichait mag wol sein
geleich dem edlen härmelein,
6480 das ist das mässigist tierlein, als man list,
als es in aller weit ist,
und als massig nach des maisters sag,
das es nur ain stund isst in dem tag.
so ist es auch als edel und clueg,
6485 wann es der speise hat genueg,
so chumpt es nicht aus seinem obedach,
darumb das es sich nicht unsauber mach,
und macht sein nest mit so adeleichem rat
an ain truckne, schöne stat;
6490 und wenn es die Jäger wellen vahen,
6462 e. die g. W. 6463 die] und W. 6467 die fehlt G. und die fehlt
D. alle mass und t. D. aller S. 6469 entspringet FD. drei fehlt D. die
grossewG. 6070 an dem e. F. 6472 redj sitten W. 6475 adel fehlt F.
6476 schön tugentleich WS. schönerF. schöne fehltGD. tugentlicher GD.
6477 auch fehlt FGD. alten WBFSD. altenundr.G. V.6478 — 6500
fehlen B. 6478 m. die mag WG. wol fehlt G. geseinS. 6480 tierlW.
tier S. man sait und 1. F. 6481 aller der w. F. 6483 nu ainost G. nun
einst D. im] in dem F. 6484 und als c. F. 6488 nest so mit a. G. 6489
trucknew schönew G.
220
so legen si umb sein loch gar nahen
unsauberchait und chot.
das macht dem härmlein ain soleich not,
das es fleuchet bald davon
6495 und chumpt doch her wider schon
zu seiner alten wonung,
und wann es sieht das chot darumb,
so lat es sich vahen ee,
ee das es sich unsauber mach me.
6500 als gar rain und als gar dar
ist es an seiner edelchait fürwar.
Faro der maister sprichet das:
„geleich als alle ding bedürfen mas,
also wert auch an mässichait
6505 chain ding, als man sait.
also spricht der weise man:
„alle ding, die nicht masse han,
das lobet man zu chain er frist,
wann doch ain offens wort ist:
6510 „wer do ze palde lauft,
das der auch dester öfter straucht."
Socrates der spricht auch das:
„alle untugent zaumpt die mas."
Jufenalis spricht da pei,
6515 das in allen dingen das mitter das peste sei.
Socrates der maister schreibt:
„alles, das man übertreibt,
das macht die leut verdrossen ser.tt
auch spricht der maister mer:
6491 sew F. 6492 und uns. F. 6494 darvon G. dervon WS. 6495 her
wider fehlt F. 6497 krott drum G. aldrum WS. 6498 fauchen F. 6499
macht F. 6500 als clar WS. und auch cl. G. und gar clar D. 6503 allew
G. bedurffend G. 6504 als S. wirt GD. an fehlt GD. unmässichait all.
Hds. 6505 über ding ist lange mit blasser Tinte gesetzt W.
6506 aber so F. 6509 w. das dochB. V. 6510. 6511 fehlen B. 6511
der] er F. der selb D. auch fehl t G. 6512 der fehl t BG. 6513 tugent
die zäumt WB. tugent die zaement S. tugent zämet GD. V. 6514. 6515
fehlenB. 6514 sp. auch d. GD. 651 5 mittelGD. V. 6516. 6517 fehl e n
F. 6516 m. der seh. G. 6519 auch so sp. WS. der selb m. G.
221
6520 „übervil und ain clainer tadel,
die wüesten vil tugent und adel."
Galienus spricht: "ze wenig und ze vil,
das selbe wüestet alle spil,
auch wüestet ain claine galle
6525 das honig gar und gar mitalle.44
Plato der hoch maister sait:
„es ist nicht pös, was man üebt mit mässichait."
so ist das auch wol bechant,
das alte sund macht newe schant.
6530 und von der mass schreibt man das,
das der chaiser Theodosio was
so gar unmässig mit dem zoren sein.
das selb erchant er auch an im
und pat sein diener all genäm,
6535 wann si sähen, das in der zorn an chäm,
was er danne schüef oder pät,
das das selb ir chainer nicht tat.
Seneca spricht zu den seinen :
„wildu das alle ding scheinen
6540 schön und guet an urdrutz,
so üeb si mit ainem fröleichen antlutz."
Avicenna spricht: „an die schäm
mag chain ding sein wol getan
noch guet, noch adelleich,
6545 noch siecht, noch erleich."
Salomon spricht: „wa ain guete schäm ist,
da ist ain guete gewissen ze aller frist,
und wenn die schäm nicht macht erplaichen
in der jugent, das ist gar ain pöses zaichen."
6520 übervil] über wil GD. vil übel WBFS. ain fehlt GD. 6521 fehlt
F. wösten vil ubelt. G. V. 6522 — 6525 fehlenB. 6522. 6523 fehlen
D. 6523 selb das GS. 6524 klainew G. 6525 und gar mitalle] überall
GD. mit fehlt F. 6526 m. der s. G. 6527 nichtz G. was] das G. 6528
das fehlt GD. 6529 machen WFBS. V. 6530—6537 fehlen B. 6532
unmässig fehltS. 6533 er fehlt FS. 6534 alle gemain G. 6537 nur
ein das F. nicht fehlt GD. 6539 alle deine d. scheinent G. 6540 ver-
druzz B. 6546 Salomon spricht fehlt B. guettew G. 6547 guettew G.
ein guet D. 6548 wen D. mag W. mach B.
222
6550 Isiderus der lerer gicht:
„trag die schäm stät vor deim angesicht."
Cassiderus: „wer da nicht von schäm leidt not,
der selb ist lebentiger tot."
Plato spricht: „es ist pesser der tot an wan,
6555 wann das man lebet ane schäm.
darumb ist in dem menschen nicht
chain pöser tadel, als man gicht."
der diemüetig wirt neidig selten,
so chan den schämigen niemant schelten.
6560 doch ist die mas für die schäm,
wann die mas ist also getan,
das si sich nicht schämen darf.
die mas ist so sinnereich und scharf,
das si ist pei got dort oben.
6565 man sol die schäm nicht alzeit loben,
wann die schäm ist nicht geleich.
etleich schäm ist lobeleich,
die in der jugent wirt getan,
aber alter sol nicht schäme han.
6570 wann alter sol volchomen sein,
das im chain schäm mache pein.
wann man hat das oft gehört,
das alter sol haben weis und wort,
das es der schäm müg entrinnen,
6575 wann schäm lobt man nur an den chinden.
auch von der tugent der ersamkait
hat der maister Plato gesait:
„wer da zu erberchait nicht hat pflicht,
der acht chainer andern tugent nicht."
6580 Socrates der schreibt auch das,
6550 lerer fehlt F. spricht S. 6551 stät] statticleich F. stetz B. und
schätz GD. dem W. 6552 Cassiderus fehlt WBGSD. leit F. 6553 lerab-
tiger S. 6554 Plato spricht fehlt B. spricht fehlt G. 6557 pesser G.
tadel fehlt F. 6560 doch] noch D. 6561 wann mas die ist WB. die fehlt
GS. 6562 sich fehlt S. bedarf BF. 6563 sinne] schinnenWS. scheinend
G. schynend D. reich und fehl t WBSGD. 6564 si fehlt F. oben] leben
GD. 6567 schäm die ist vast 1. G. 6569 schäm WBGS. 6575 nur] nunD.
6576 ersamikait FSB. 6578 da zu] zu der D. hat nicht B. 6580 spricht D.
22B
das die ersamchait weiset alle tügent fürpas.
so ist ain tügent genant die zucht,
die selbe ist ain soleich frucht
und ist darzu als geheur,
6585 das si lescht, sam wasser das feur,
alle tadel, die in dem menschen sein.
Homerio spricht in seiner omelein:
„wer da hie entrinnen well
der sorgsamen weit, der gesell
6590 sich zu der curtesia."
Socrates spricht auch da:
„man vindet chain ding under aller frucht,
das als lieb werd gehabt als die zucht."
Salfaustius der sinnereich
6595 spricht: „recht sam das chraut deckt das ertreich,
also deckt die zucht an underwint
die tadel, die an dem menschen sint."
und von der edelchait Plato spricht,
das si sei anders nicht,
6600 wann ain tugentleiches gemüet
und das in tügent alzeit plüet.
Socrates: „die edelchait der menschen ist
in der nutzperleichen person ze aller frist
und ain behende edel ist ain triegel,
6605 und ist geleich sam ain Spiegel,
der sich aussen erzaigt mit der tat,
das er doch innen nicht enhat."
Aristotiles spricht auch das:
die sunne scheinet auf das as
6610 und wirt doch davon smecken nicht,
und ist auch dannoch alzeit Hecht.
also ist etleich edel getan;
6581 die fehlt GD. ersamichait BFS. all ander t. GD. 6583 selb die ist
WB. 6585 lest glich als w. G. 6587 omeley FGD. 6591 S. der sp. B.
auch da] allda GD. 6593 gehabt werd G. 6594 Salustinus BGS. 6595
rechtfehltGD. sam] als FGD. das fehltB. V. 6598 — 6601 fehlenB.
6602 Socrates fehlt B. — S. spricht G. adelkait G. 6605 adel G. und]
wann B. 6605 sam] als S. güchsam ainem G. V. 6606—6858 fehlenB.
6607 nit haut G. 6610 stucken S. darvon G. 6611 ist fehlt G. auch]
doch S.
224
die ist nicht anders wann ain nam,
aber die zaichen der rechten edelkait
6615 das sind die, als Aristotiles sait,
die do haben freies gemüet
und die do sein ainer waren güet,
und die treu und stät im herzen tragen,
und die do alle poshait versmachen,
6620 auch den die parmherzikait wonet pei,
und die do fliehen ribaldrei,
auch die da massig sein an Worten
und beschaidenleich an allen orten.
auch sol erchennen ain edel pluet
6625 alle dienst, die man im tuet.
aber etleich herren sind so frat,
wann man in lang gedienet hat,
das ist gen in als wol erchant,
als der do saicht an aine want.
6630 wann er denkt in seinem sinn
tag und nacht, wie er in pring
umb das sein, mit soleichem mort
macht er pald auf in ain wort,
das im wirt ain alefanz,
6635 und spricht, er wolt nicht an den tanz
heuer zu der vasnacht gan.
mit soleichem aufsatz hat man dan
den gueten armen man gelaicht,
oder man gicht, er hab gesaicht
6640 heuer gen der sunnen clar,
oder man gicht, er hab das jar
gepadet mer dann dreistunt,
damit das er umb das sein chumpt.
so haben die herren etleich rät,
6617 die fehlt G. 6618 stättyG. 6619 da fehlt FG. 6620 dem da p.
G. den die da p. F. wone W. 6621 fliechent GS. 6622 auch die da] und
auch GD. an] mit F. 6623 beschaiden GD. 6624 adel G. 6629 sticket
WGSD. an] in S. 6630 im in GD. 6633 auf in] auch im F. ain fehl t
WS. wart S. 6634 alfanz FS. 6642 mer gebadet denn dreimal darum D.
6643 damit] ee GD. kum GD. 6644 so habent denn ettlich herren rat
[raut G.] GD.
225
6645 die selben die sein eren grät,
wann si raten auf alefanz.
man vindt die rate selten ganz.
wie sol der guetes raten icht,
der do selber ist ze nicht?
6650 so haben die rät den Neithart.
der selb der wüestet an aller stat
alle rät, hör ich sagen.
wann es wil iegleicher haben;
und ob man ainem geit dann mer,
6655 das selb das müet den andern ser
und wirt danne daraus ain neit.
wann das ist ze aller zeit,
das die minnern neiden ze aller stunt
die merern, das ist allen chunt.
6660 davon sprach Seneca der weise man,
das der neit am ersten auf cham.
das cham alles von ainem wort,
do man das selbe sprechen wart :
„das ist mein, das ist dein."
6665 davon cham der neit unrain.
man solt pilleich loben den adel.
so sticht etleicher als ein nadel.
ich bedorft gar ainer langen zedel,
solt ich sagen, wie der edel
6670 sein ere solt besorgen.
den abent und den morgen
so bedarf er seiu treu und weis,
züchtig, cheusch, so wirt sein reis
plüen vor zarten frawen clar.
6645 selben sein SGD. grat GD. 6646 alafanz W. allafantz G. allenfanz
D. 6647 der selb D. 6651 selb w. F. wüstet aller hart D. wachset G. 6653
haben] sagen D. 6654 ainem fehlt F. mer er G. 6656 w. dann aus ain S..
6658 minnorn F. miudern GSD. 6659 merren WS. merorn F. i. uns a. F.
6660 darvon spricht S. 6661 das] da G. do SD. 6663 do] das G. man]
nun D. gesprochen D. 6665 und von dem F. von dem GD. der pös nydG.
6668 dorf S. bederfft D. ain lange F. ains GD. 6670 versorgen F. 6671
und auch GD. 6672 darf WS. er ze sein D. 6673 künsch G. 6674
von W.
Zingerle, Vintler. |5
226
6675 nimpt er der diemuet und gehorsam war
und auch der parmherzikait,
ist er raanhait unverzait,
so wirt sein lob gar weit erchant
und füert auch ritteiieich sein ampt.
6680 auch gehört ainem edelman
das von got alzeit an,
das er beschirme arm und reich,
als verr er mag, das ist pilleich.
aber es tuet sich vast vercheren,
6685 man sieht vil wol die armen scheren,
das selb ist nu der herren ampt.
pfui hiu, pfui hin der grossen schant!
das macht den adel an eren wunt.
man solt si haben als die hunt,
6690 das si sich selber wurden erchennen.
ich waiss ir vil, solt man si nennen,
die do nement guet für er.
die selben solt man nimmer mer
pei dem adel lan beleiben,
6695 man solt si müglich fuder schreiben
zue den pösen valschen wichten.
ach und chund ich si ausrichten
die selben pisedelleut,
das si der teufel immer treut!
6700 si chamen nie von rechtem adel.
man solt si mit der mistgabel
alzeit lassen paissen
und soltz nicht anders haissen,
6677 er aim manhart F. und ist er D. 6679 auch] aus F. auch gar D.
reichleichWSGD. 6680 an ain e. F. ain W. 6681 alle z. D. 6682 schirm
GD. 6684 vercherrenF. 6685 vilj si GS. vil] fehltD. scherren F. 6686
selb und nu fehlen GSD. nu] itzund F. 6687 phew | phew GD. ein
pfui hin fehlt W. 6689 sew F. halten GSD. 6690 das sew selben F.
6691 man] ich D. sew F. 6692 ere F. 6693 sol S. mere F. 6695 sew F.
sey G. müglich fehlt WFS. pillich D. furder WD. Scheiben D. 6696
valschen pösen WG. 6697 ach] auch D. undfehltGD. chund] solt WGSD.
sew F. sey G. 6698 piz edel W. pis edel FS. pisz edel D. 6699—6704
fehlen F. 6699triutG. 6700 die do nie kament v.GD. komenS. 6701
sey G. der] ainer GD.
227
wann die pisedelleut.
6705 die selben sint, als ich euch bedeut,
so gar an adel sauer
und gelten doch nur drei ain pauer,
und wenn ain soleich pöser man
gewalt sol über leute han,
6710 der tuet dem adel dann als we.
ich waiss ir zehen oder nie,
die selben die sein pas gelart,
wie das si menen mit dem gart,
wann das si lehen leihen.
6715 das macht den adel deihen,
wann ain soleich villan
sol an gericht umb lehen gan,
der nicht wais, was adel ist.
er wais vil pas, wie der mist
6720 den acker sol betungen.
ich mag in sein nicht gunnen,
das etleich chnaben sind so chnaus.
die geleich ich zue der fledermaus.
wie das geschieht, das wil ich sagen.
6725 wanne man sol er bejagen
gen den veinten mit der haut
oder beschirmen sol die lant,
so wil der pös man unrain
sein ain maus und beleiben hie haim.
6730 aber wann man steuren sol,
so wil er sein ain vogel wol.
davon war sicher wol getan, .
das man chainen pisedelman
6704 pisedel W. pis edel FS. bissedel G. pisz edel D. 6705 send G. seind
D. e\v. S. 6707 geltent GD. nur fehlt G. doch drei nun D. pauren S.
pawein F. 6708 wann F. pisman S. 6709 solt F. 6710 denn WGSD.
also F. 6712 selben s. WFS. 6713 mennen F. nement den g. G. nyemen
D. dem] aira S. 6714 leihen fehlt G. lehen fehlt D. 6715 teichen F."
tychen G. 6716 wanj was GD. 6717 umb] und G. oder D. leben W.
6718 waist GD. 6719 wais] west GD. 6721 ims nicht GD. 6722 das]
als F. sein WS. so fehlt F. 6724 beschicht D. ich fehlt F. 6729 und
allweg pleiben dahaim GD. 6730 abei] oder D. stechen G. 6732 darumb
GD. 6733 chain F. piz edel man W. pis edelman FS. pisz edlen man D.
15*
228
nicht lies zu edlen valken.
6735 man solt si fuder schalken
zu der eulen hinten zu,
und an si schreien hu hu hu,
an die selben neuleich edel.
als man auch list an ainer zedel,
6740 als das manigem ist bechant,
das an dem osterleichen ampt
zu der weich wirt getragen
der pock, das lamp, hör ich sagen;
und ob das lamp unten leit,
6745 so wirt im doch sein weich enzeit,
und dem pock oben nicht.
geleich als hat der adel pflicht.
der selb wirt niemant geben,
nur der züchtikleich chan leben.
6750 man vindfc vil manigen pösen man,
der nicht wil sein ain villan,
und ob er dann trait ain vechen rock,
so stinket er doch nur als ain pock.
wann Unart choppet in sein art,
6755 als Salomon wol beweiset wart
mit ainer katzen, die da was.
die selb chunt von gewonhait das :
so man saz ob dem tisch,
man äss wildprät oder visch,
6760 ain cherzen si doch alweg hielt
mit iren füessen, der si wielt,
unz das das essen ward getan.
so lies man si dann fuder gan.
nu west ain weiser wol die chunst.
6734 zu den e.GD. 6735 solt fuder sy all seh. G. furderD. 6736 kuolen
S. eulen her h. W. 6737 sei F. 6739 einem GD. 6743 lamp fehlt GD.
hör ich sagen] zu den selben tagen WGS. 6745 wichy zeit GD. entzeitFS.
6746 obnan GD. 6747 alsoFGD. 6750 pös WS. pisman GD. 6752 und
fehlt FGD. denn WGD. 6753 nur fehlt GD. 6755 bewisen G. wart]
hat F. 6757 selb die k. D. 6758 ob] an S. tische F. 6759 wilprat F.
wilpret GD. vischeF. 6760 doch fehlt G. 6762 hintz GS. nur ein das
D. 6763 sei danne F. denn WGD. furder D.
229
6765 der vieng drei meuse mit verrinnst,
der lies er pald laufen aine
neben der chatzen paine,
doch si do die cherzen hielt,
das si si nicht von ir schielt,
6770 und graif auch nicht nach der maus.
do lies der weis ain andere heraus
laufen gar nahent pei ir,
die chatze winket mer denn zwier,
und wolt si han ersprungen.
6775 doch vorchte si ze stunden
alda des hohen chüniges wort,
das si die cherzen hielt fort.
darnach lies man die dritten maus
für die chatzen springen heraus,
6780 und do die maus ward springen,
do chunt sich die chatz nicht twingen.
si vieng die maus mit schallen
und liess die cherzen vallen.
also tuet nicht das edel pluet.
6785 ob im vercheret wirt der muet
zu lasterperleichen dingen,
das lat er sich nicht twingen,
als die katze tet hie vor.
wann adel fleucht der schänden spor,
6790 als ir oft habt gehört,
so tuet unart nach seiner art.
Augustinus der lerer gicht,
das der adel chome nicht
von vatter noch von enen.
6795 was bedarf ich mich darnach senen,
6765 Vernunft WGD. vernuft S. 6766 der] da G. do SD. er fehlt F.
ainenG. 6767painenG. 6768 da si da F. die fehlt S. cherzen] katze D.
hielte F. 6769 si es WF. sis S. schielte F. 6772 nahent] neben S. 6773
chatz die w. W. 6777 fort] hart F. so fort GD. 6778 man] er D. dritte
GD. 6779 springen fehlt F. 6981 nit zwingen GD. 6782 schalle G.
6785 der] sein F. 6786 lasterpären GD. 6787 das] so F. zwingen FGD.
6792 spricht F. 6793 kumeG. 6794 noch] und auch G. aennen G. ennen
D. 6795 darff D.
230
das mein vatter ist gesunt,
und das ich war siech alle stunt.
wann rechter adel ist so mugent,
das er nuer chumpt von aigner tugent.
6800 wann man vindt vil manigen wüetreich,
die do sein an guet reich,
' und doch nit haben adeleichen muet.
die selben velschen das edel pluet.
wann etleich leut die sind so her,
6805 das si mainen all ir er,
die si haben in diser weit,
die haben si von irem gelt
. und von irem grossen schätz
und auch von irem aufsatz,
6810 den si treiben hie auf erd.
sei dunkt halt got darzu unwert.
das si im geben nur die er,
wann si mainen, si haben mer
ir guet von in selber hie.
6815 ir sein auch vil, wann man die
straffet umb ir missetat,
so fluechen si für sich an der stat
got und der vil rainen mait.
das sol nun sein ain manhait.
6820 welcher allerpest fluechen chan,
den sol man haben für ainen man
und für ainen gueten gesellen,
aber welcher sich chan stellen
tugentleich nach gotes gepot,
6825 der selb ist ietz der leute spot,
aber welcher ietz in disen jaren
6797 siech war G. siech fehlt F. 6798 adel fehlt S. 6799 nuer] nu
W. nü S. 6800 vil fehlt GD. 6802 nit fehlt F. 6803 d. selben die D.
edel] adellichen G. 6804 die und so fehlen F. die fehlt D. 6807 die]
das WFS. 6809 aus s atz F. 6810 tribent auf diser e. GD. sew hie treiben
auf erd F. 6811 si WGD. 6812 geben fehlt F. im nur gabent die G.
im nun gebent d. D. 6813 wan si haben mer W. 6815 vil fehlt W.
man fehlt S. 6817 für sich fehlt D. 6818 vil fehlt F. rayne D.
6820 und w. ietz GD. pastGD. 6824 und nach g. GD. 6825 ietzundFD.
leute] weite F. 6826 ietzund F.
231
nuer üppicleichen chan geparen
und neu poshait treiben,
den selben sol man schreiben
6830 ietzund in der fürsten rat
und sol in eren an aller stat
als ainen wirdigen man.
nun secht nur, was der teufel chan,
das er manigen chan also leren,
6835 das er mues ainen pösen eren
noch mer, wann den lieben got,
als man wol sieht sunder spot
an dem heiligen sacrament,
das uns doch allen chummer went.
6840 wann man das celebriert,
so sich ich manigen als unpoliert,
das er sich ungeren cheret dar,
das er des hailands näme war,
oder das er seinen huet
6845 abzüg gen dem heiligen pluet,
oder das er seine pain
ungeren nur pug ain ciain
gen der höchsten heilichait.
wann doch Paulus also sait:
6850 „alle himlische, irdische und hellische chnie
müessen dem gottes namen ie
naigen, als das pilleich ist
nur wenn si hören nennen Christ."
da mag man merken wol dapei,
6855 das der mensch pöser sei,
wann der teufel mit seinem triegen;
wann der teufel tuet sich piegen
6827 nun D. üppicleich FGSD. paureri G, paren D. 6828 neu] nwr G.
nun D. p. kan tr. GD. 6830 der] diser GD. 6833 nur] an GD. wesz D.
6834 lernen F. 6836 wann] deun GD. 6837 wol fehlt F. 6839 uns]
und S. doch fehlt GD. 6840 wenn GD. celebrett G. eleviert D. 6841
sieht man W. verpuliert GD. 6845 dem seligen [selbigen D.] und h. GD.
6847 ain ciain] allain S. 6849 wenn G. 6850 himellische W. und fehlt
S. 6851 dem fehlt F. 6853 nun D. nemen Jhesum Ch.G. 6854 da] dz. D.
man wol m. d. S. wol iederman m. pei G.
gen dem heiligen gotleichen namen.
o mensch, des darft du dich wol schämen,
6860 das der teufel got naigt, als man spricht,
und du wilt got naigen nicht,
der dir hat geben leib und leben.
ei lieber mensch, bedenk dich eben,
das du so gar nichtz nicht pist.
6865 du wärst noch snöder dann ain mist,
ob du gottes soltest enperen.
ich waiss wol, das du ainem herren
naigen muest oft und vil,
der dich nicht als lieb haben wil,
6870 als dich got hat sicherleich.
er ist als wol, als du ertreich.
dem muest du naigen auf paide chnie,
und du wilt dich riit naigen hie
gen dem, der für dich nackent und plos
6875 hieng und lait vil marter gros.
es war zwar wol, das got der herr
die selben straffet, die im sein er
wellen also nemen hie,
das den ir unsälige chnie
6880 derstarten als dem helfant,
das an in wurde bechant,
das si got versmächet hetten,
und das in für ir haub ze stetten
wuechs aus dem haupt ain pockshoren,
6885 darumb das si den hochgeporen
nicht eren wellen mit ainem clainen guet,
das st nur abtäten den huet
6858 göttlichen GD. 6859 der bedarf B. soltu d. GD. wol] nicht W. 6861
wil F. 6862 gab GD. leib] lieb S. 6863 ei] sich D. gedenk GD. 6864
nicht fehlt GD. nit W. 6865 ain] der GD. 6867 du fehlt S. 6869
als fehlt GD. 6870 all W. hat] war und GD. 6871 wol fehlt S. 6872
dem du m. F. paidew G. 6873 nit fehlt S. 6874 nakchant B. nakat S.
und fehlt WS. 6876 wol zwar F. zwar fehl fcS. 6877 die im sein er] serB.
V. 6878 — 6911 fehlen B. 6878 wellent GD. also wollenS. 6879 denn
irew unsalligew G. ireD. 6880 erstartenD. 6881imWSF. erchant SGD.
6882 versmachtF. 6883 und] auch GD. für haub WS. haupt GD. hauben
wuchs ze F. 6884 wuchs fehlt F. auf W. poxhorn D. 6887 nun D.
233
gen der allerhöchsten sälichait,
da aller unser trost an leit,
6890 das si den nicht eren wellen.
ich han gehört von meinem gesellen,
das Albertus Mangnus,
der do was ain nigromaticus
und was darinne gar behend,
6895 ains tags sach er das sacrament
tragen ainem siechen man
und sach den teufel auch dort stan.
der zuckt sein chappen für sich hie
und viel nider auf die chnie
6900 gen dem starchen Altissimus.
do sprach zu im Albertus :
„sag an, warumb chniestu nider?"
do sprach der teufel zu im hin wider:
„siehst du nicht den heiligen leichnam,
6905 den got von Maria8 an sich nam,
und darzue neun legion der engel,
die alle do sein mitgengel
der gotleichen glenz.
den selben peut ich reverenz
6910 hie, als das pilleich ist,
wann es ist der wäre Christ."
noch waiss ich ainen tadel gross,
der tuet der sele mangen stoss,
das maniger petet mit dem munt,
6915 das doch dem herzen ist unchunt.
die selben betrachten nicht
mit wem si reden, als Jeremias spricht :
„ditz volk petet mich an mit grosser gir
und ist doch ir herz verre von mir."
6890 sew F. 6891 mein S. meinen GD. 6892 magnus GD. 6893 ain
Nigromanticus D. was nigramaticus W. ain gramaticus FSG. 6895 tags
fehlt S. 6896 zuo ainem GD. V. 6898 — 6931 fehlen W. 6899 die]
paideF. seineD. 6900 d. heiligen undGD. 6904 nit GD. 6905 MariamS.
6906 und fehlt F. der] mit F. der fehlt S. 6911 er S. der war hailig
GD. Jhesus Ch. G. 6915 das] und GD. nit ist chund BD. nit ist unchund
S. 6917 gicht B. 6918 das FS. pitt G.
234
6920 wie möcht got die geweren !
si tuend geleich, als der mit ainem lierren
redt und cheret im den rucken dar.
sol des der herre nemen war,
das man so spottleich redt mit im
6925 geleich als der do redt aus ainem sin:
„pa pa pa herre got!"
das ist nicht anders, wann ain spot.
der mund ist hie, daz herz ist dort.
das sein als unnütze wort,
6930 des werden si auch gewert also,
als der esel in dem stro.
Von der mässichait man also list,
als in der wibel geschriben ist,
das an dem anefank beschuef got der reich
6935 den himel und das ertreich.
aber die erde was üppig und läre,
und die vinsternuss was swäre,
und der gaist gottes was
über die wasser an underlas.
6940 und got der sprach: „ain liecht das werde."
das beschach also nach seiner gerde.
darnach schied der starch Altissimus
das liecht von der vinsternuss
und nant das liecht des tages glinster
6945 und die nacht nant er die vinster.
do sprach got: „ain vestung werde
6920 gewerren F. 6921 tuen F. geleich fehlt GD. 6922 ruggen G.
6923 des] es BGD. 6925 do fehlt GD. unsin WSGD. 6926 pappa h.
G. pa pa pa fehlt D. 6927 nit dann ainG. dz. ist dann nit on spotD. 6928.
6929 das herz ist ferr, der mund git unnutze wort also G. D. stimmt mit
G. nur also fehlt 6929 alles B. 30. 31 fehlen D. 6930 das G. sewF.
sey G. auch und also fehlen G. V. 6932 — 7027 fehlen B. 6932 m.
list man gewis W. 6934 anfang G. schuff GSD. 6935 und auch d. GD.
6936 üppig] eitel D. 6937 was vast sw. GD. 693 8 gottes der w. G.
V. 6940. 6941 fehlen D. 6940 ain liecht das werde fehlt G. 6941
das beschach fehlt G. geschach F. als S. also fehlt F. gere F. girde G.
6942 schait S. und got sprach der Altissimus D. 6943 und schied das
liecht v. d. D. 6944. 6945 nampt G. 6946 festnung .G.
235
zwischen der wasser und der erde."
darnach machte got behende
das wasser under das firmamente.
6950 darnach sprach Marien chint
„samnen sich wasser, die nnderm sint himel
alle sampt an ain stat!"
das geschach also nach gottes rat.
do nant got die erde dürr und her,
6955 und die samnung der wasser nant er mer,
und got sach, das es was guet.
do sprach also der hochgemuet:
„es sol grüenen die erde,
und holz und kraut das werde
6960 und die paum sullen tragen frucht
iegleicher nach seiner genucht."
das geschach alles sampt pei namen
und iegleich chraut macht seinen samen,
und es was guet, als got jach.
6965 darnach der liebe got sprach:
„werden die Hecht im firmament,
die da stätz umbe gent
und da erleuchten das ertreich."
darnach macht got zwai Hecht reich
6970 und das meror Hecht het genad,
das es vor war dem tag,
und das minner war gemacht,
das es vor war der nacht.
darnach macht er die sterne clar
6975 und satzt die in das firmament gar,
und got sach, das es guet was.
do macht er aber fürpas
6949 under] wider F. und das f.D. der firmente S. 6950MareinS. 6951
samen WFS. under den himeln W. 69 52 allew samet G. alle sament D.
6953 also nach] alles F. 6954 nampt G. hert G. 6955 nani[)t er das m."
G. 6956 und fehlt G. 6959 das fehlt G. 6960 fruchte F. 6961 ied-
licher G. genuchte F. 6962 sampt fehlt G. 6963 und] wann F. 6964
guet fehlt F. sprach F. 6965 fehlt F. 6966 werdent G. in dem WGS.
6967 da fehlt F. stätz] alle stett G. 6968 u. die da G. erleuchtend GS.
6970 merer WGS. 6971 es fehlt F. 6972 u. daz das GD. 6975
die] si GD.
236
visch, vogel, chriechende tier
und was da seien hat, das wart do schier
6980 iegleichs geordent an sein stat,
als das wolt der gotleich rat,
das die tier auf ertreich sullen leben,
und das die visch im wage sullen sweben.
und do got sach ditz und das,
6985 das sein geschepft guet was,
do gab er in seinen segen her
und sprach: „nu wachset immer mer
und manigvaltigt ewern samen
und erfüllt des wassers stramen,
6990 und die vogel sullen werden
gemanigvaltigt über die erden."
und got macht die stolzen tier gemait
iegleiches nach seiner sunderleichait
und iegleiches nach seinem gesiecht.
6995 und do got sach, das es was recht,
do sprach der starch Altissimus:
„mach wir den menschen nach unser geleichnuss
und das dem selben sei undertan
alle geschepft, die ich gemachet han,
7000 es sei in wasser, in feur, in luft
oder was sich slinget durch die gruft."
darnach schuef got Adames leib,
und auch Eva sein weib,
die macht er aus der rippe sein
7005 und sprach: „se hin das weip dein!"
darnach gab er in den segen
und sprach: „wachset und manigvaltigt euch eben
und erfüllt die erden mit eurem samen
6978 vogel und auch G. kriechunde S. 6979 das] daG. 6980 das] denn
da GD. daS. 6982 das fehltS. d. die sullen aufe. D. 6983 visch sullent
im G. wasser S. 6985 geschaftF. geschöpft GD. gescheph S. 6987 wach-
sent fürpass i. GD. 6988 und sprach manigfeltigt F. manigvaltigent G.
6993 sunderhait GD. 6995 ward S. 699 7 ain mensch G. 6998 selben
menschen s. F. 6999 geschaft F. geschöpft GD. gescheft S. 7001 sich]
sy S. gufft D. 7002 beschuf W 7004 rippen GD. 7005 hy G. wibe G.
weibe S. 7007 und sprach fehlt G. und fehlt WS. 7008 erde G.
237
und herschet über alles, das da namen
7010 hat, es sein visch, vogel oder tier."
darnach sprach got gar schier:
„ich han euch allen gewalt geben
über alles, das auf erd mag leben,
und über alles, das do pringet frucht,
7015 das ir von dem nemet genucht
und das si sein ewer speis."
darnach sach got der weis,
das sein werch guet was,
wann er macht es alles mit mas.
7020 also macht got nach seiner gird
himel und erd und alle gezierd,
und got erfüllet an dem sibenteu tag
seines werches, des er pflag.
darnach ruewet er ze stet
7025 von allen seinen werchen, die er gemachet het.
also het die obrist gothait
alle ding gemacht mit mässichait
Und wildu haben ain guet leben
in diser weit schon und eben,
7030 so muest du am ersten schaiden dich
von betrüebten gedenken sicherlich,
Und leb mit ainem fröleichen antlutz*
wann des menschen wesen war nicht nutz^
das man in ainem gueten wesen wär>
7035 und das das gemüet war dannoch swän
davon so sprach her Seneca:
„treib von dir traurige melancolia
und auch alle swär gedank,
wann si machen das leben chrank,
7009 da hat n. D. 7010 hat fehlt WGSD. sei FGD. vogel, fisch o. F.
fisch fehl t W. 7013 erden F. 7015 genug S. 7016 sewF. sein fehlt F.
das das euch sei sp. G. 7019 er hett es alles gemacht m. GD. 7020 nach]
mit G. gir F. 7021 erden F. all S. zierd SG. 7024 ruet W. ruebt F. rurt
S. zu S. 7026 obrost G. 7027 allew G. 7031 von dem | denken F. 7032
leben S. 7033 wesen] leben FS. nichts SD. V. 7036 — 7049 fehlen B.
7036 so fehlt GD. her fehlt G. der F. spricht SD. 7037 trurigen G.
melancolica WG. 7038 auch fehlt WGS. schwäre G.
238
7040 und tröste dich in widerwärtikait."
Ptolomeus hat auch gesait :
„es zimpt sich nicht," als er saget,
„das sich ain weiser ze vast claget,
wann ain weiser sol vest sein, als ain man,
7045 und sol sich nicht leicht vercheren lan.
auch ob du haimleichen smerzen habest,
so sich, das du es nieinant sagest,
wann es ist ainem lieb, dem andern lait.
also ist der weite gewonhait."
7050 Seneca der lerer spricht:
„der weis man betrüebt sich nicht
von dem tod seiner freunt noch chint,
wann er wais wol, was schaden davon chümpt."
es spricht der weis man: „in widerwärtikait
7055 soltu dich trösten pald und gerait;
auch soltu dich nimmer mer
überchomen lassen dein gedenk ze ser,
ist das du enpfindest an dir,
das du si nicht macht vertreiben schier,
7060 Wann snöde gedenk die geben
sicherleich ain snödes leben.
wann der mensch hat geleich snödichait als vil
in im, als er ir gedenken wil."
Wem widerwärtichait anleit,
7065 und die bedenkt zu aller zeit*
der hat wol ain hertes leben,
wann die weit chan nicht anders geben >
wann ain snöde snödichait.
es hat got dem menschen selb gesait^
7042 er] manG. 7044 soltWS. 7045 soltS. vercheren] überkomen WGD.
uberkomen verlorn 1. S. 7046 haimleich F. tragest G. 7047 lemant WS.
7049 ist ietz G. 7050 S. spricht der lerer es istG. 7051 das der F. man
der b. BGSD. 7052 freunt noch fehlt GD. 7053 waist G. was] das G.
7054 in der w. G. 7055 und fehlt F. gemaitGD. 7056 mer fehlt FS.
7057 lassen fehlt BGS. sein W. gedank F. 7059 magst S. nicht ver-
triben macht seh. G. n. vertreiben magst seh. D. 7060 gedank WF. 7061
sicherleichen WB. 7062 wann fehlt GD. 7063 gedenk die machent poses
lustes vil B 7064 dem G. 7065 gedank F. bedenk S. 7067 anders nicht
F. 7069 selb fehlt F.
239
7070 das er sol haben betrüebnuss
und leiden vil not und beswärnuss
und sol tragen sein aigen sund,
die in da peinigen alle stund,
wann die weit haisst überal
7075 das jämerleich vinster tal.
warumb es aber den namen hat?
darumb das es stat an ainer frömden stat;
wann die weit ist ob den leuten
und unten, als ich euch chan bedeuten,
7080 so hat die weit nicht anders ein
wann angst, trüebsal und pein.
so sten wir auch allezeit
in chot, in wainen an widerstreit.
der weise man, der lert und sait:
7085 „ste fest in freud und in lait."
„betrüeb dich nicht," spricht Galienus,
„wenn du nicht enpfindest die beswärnus,
und suech nicht alle freud alhie.
gedenk an die jamerchait, das die
7090 in diser weit alzeit ist."
wann die weit ist, als ain mist^
als auch in der wibel stet,
do got mit dem menscheu ret:
„der asch der ist in aschen chümen,"
7095 ach was piächt das grossen ft-umen*
das der mensch das recht betrachte
aus was materje er ist gemacht !
so war wol pilleich und recht,
das er sich diemüetigt als ain aigen chnecht;
7100 wann got der macht den menschen behend
aus dem ertreich, das da ist das grobist element
7071 fehlt B. vil not und fehlt WßSGD. beswernuss GD. 7075
vinstertalBG. V. 7076 — 7122 fehlenB. 7076 darumb G. 707 9 unten],
unda G. euch] auch W. fehlt F. 7081 und auch GD. 7082 st. auch w.
F. 7083 zu chot S. in nott GD. ann alle w. G. 7084 man lert G. 7085
und spricht: stee WSGD. freuden S frid D. und fehlt WFS. 7088 s.
auch nit a. D. 7090 in] zu S. 7091 also S. 7094 asch ist GS. 7097 ist]
syG. 7099 aigen fehlt W. aigner D. 7100 wann fehltGD. der fehlt
FSGD. 7101 gröbest GD.
240
und das do auch das verrist ist
von dem himel, als man list.
wann alle andre ding sein gemacht
7105 aus dementen, die da sein edler geslacht,
als die stern und die planeten geheur,
die sein gemacht aus rainem feur.
so sint gemacht die süessen wint
von der luft, als man geschriben vindt.
7110 so sint die vogel und die visch
gemacht aus rainem wasscr frisch,
aber mensch und tier geleich
die sein gemacht aus ertreich.
darumb sprach her Salomon:
7115 „leut und tier sein ainer condicion,"
und als der weise prophet sprach :
„es ist auf erde so vil ungemach,
das chain enpfintleich natur
nicht mag ruewen nur ain ur,
7120 oder es enpfind etwas wetag,
als man das wol sehen mag."
Des lesten presten, des man enpfint,
das ist das alter, als ich han besint;
wann alter pringet grossen smerz.
7125 es wüest den gaist und das herz,
das alter machet zittern das haubt
und ain gerumphen haut, das gelaubt.
das alter feulet frische zende,
das alter machet niemant behende.
7102 do fehlt G. verrest WG. 7104 allew andrew G. 7105 aus dem
edlosten [edlestenD.] element geschlacht GD. edel geschlecht S. 7106 als
der stern G. sternen S. und pl. F. 7107 gemacht sind a. G. die sein ge-
macht die süssen wint S. 7108 fehlt S. 7109 dem GD. den S. 7110 send
vogel und auch die G. und v. F. 7111 aus dem r. F. 7112 menschen GD.
7114 spricht SD. 7116 und auch als G. 7117 erde fehlt S. ertreich D.
7119 ruchen S. ain halbe ur F. 7121 das man G. 7122 geprestens daz G,
7123 befintD. besindtFG. ich befindt S. 7124 wann fehlt GD. smerzeu
FSGD. 7 125 und auch d. GD. geist des herzen F. V. 7126 — 71 71 fehle n
B. 7126 das fehlt G. Zuren GD. 7127 und auch a. G. gerumpfne F.
7128 das fehlt W. hend und z. F. 7129 das fehlt FSGD.
241
7130 das alter peugt die starken rucken,
das mau muess gen auf den chrucken.
alter wüest das clar gesicht
und das gehör, als man gicht.
das alter wüestet chosten und smecken,
7135 chain alte sucht lat sich nicht decken.
das alter ist ain soleich present,
das es verchert die regiment
aller menschleichen natur,
alter ist des todes cofertur,
7140 alter das machet scheuzleich,
das alter das ist gämeleich.
alter macht des chindes gank,
das alter macht die sinne chrank,
das alter lobt nuer alte geschieht,
7145 chain newes ding gevelt im nicht.
darumb sprach der weise man :
„er was auch junk sam ich getan,
und ich wird noch, als er."
aber so spricht der weise mer :
7150 „wildu vil wissen, so wiss das,
das du nicht macht chomen fürpass,
wann dir got gunnen wil;
wann wer vil waiss, der zweivelt vil,
und wer do wänt, das er vil wiss,
7155 der selb der waiss nichtes nicht.
wir wissen wol, was got nicht ist,
aber was got ist, das wiss wir nicht;
und ob halt das mügleich war,
das du erchantest nach deiner ger
7160 die hiinel all und den Zentrum
7130 peugt starke F. 7131 den fehlt S. 7133 gehord W. 7134 das
fehlt G. w. daz eh. GD. 7135 altew GS. sucht] fud S. nicht fehlt GD.
bedeken S. 7138 menschen WF. 7139 kauffe tewr G. kauffe tür D-
V. 7141 fehlt G. alter ist W. a. ist auch g. D. 7142 alter das m. S.
des fehlt S. 7144 nu altes G. 7149 weis man m. G. 7151 magst SD.
7152 dir] der S. 7154 do fehlt F. wais FS. 7155 der fehlt F. nichtes
nicht] nicht niz W. nichtz niss SD. nicht niss G. nichts das ist gewiss F.
7156 was] dazG. 7157 des waiss nicht nicht S. 7158 das halt S. 7160
himl und all den z. S.
Zingerle, Vintler. \Q
242
und wie umblaufet man und sunn,
und westest darzu des meres grünt,
das dir das war alles chunt
was auf ertreich Wunders ist,
7165 und chundest halt darzu noch mer list,
so wais ich nicht, was es dir frumpt,
wann das dir arbait davon chumpt
und grosser smerz an underwint;
wann scharfe sinn ie also sint,
7170 das si zerrütten occiput,
cerebrum und sinciput.
davon spricht der weise man :
„man sol mas in sinnen han.
wann wenn der pogen stat gespannen
7175 ze aller zeit, so wirt er lamen."
davon sol man trösten das herz
underweilen mit hübschem scherz.
das selb das erfreut den muet;
wann wenn der paum nimmer pluet,
7180 so pringt er auch chain frucht nicht.
Valerius der maister spricht,
das man von Socrates das sach,
dem doch chain weishait nicht geprach,
das sich der machet sere
7185 so müessig oft nach seiner lere,
das er nani ain ror gemait
zwischen die pain und rait
mit den chinden und spilt mit in
und legt die schäme alle hin,
7190 das sein vernunft wind creftig wider.
7161 und auch die s. G. und die s. D. 7162 westet W. 7163 dir das
alles w. G. 7164 w. wäre und ist G. 7165 darzu halt F. noch fehlt GS.
7166 er G. 7167 das] was G. 7170 sey errüttendG. errittendD. exciput
GD. 7171 celebrum und auch cinciput G. 7172 davon] also B. 7173 im
sinn G. in sinn D. sinne S. 7174 wenn fehlt WBSGD. pog GD. 7175
allen Zeiten WF. er fehlt G. 7176 so sol WB. 7177 fehlt B. 7178
selb erfrewetFGD. denn den GD. 71 79 wenn wenn B. wan wann S. wenn
fehlt B. immer W. V. 7181 —7285 fehlen B. 7182 man] er oft G.
Socr. sach GD. 7183 enprach GD. 7184 das] der F.
243
des selben lacht Alcibia sider
und spottet sein do an der stet,
das er so gar chindisch tet.
Seneca spricht der sinnereich :
7195 „die begirlichait ist ain prest greuleich.
wer do ze vast derhinder chumpt,
der ist arm ze aller stunt.
wann begir hat nindert end.
darumb haisst si ain ereschend."
7200 wann der weise man der sprach:
„der geitig tuet chain rechte sach,
nur aüain wann er stirbet,
wann er ist also getirmet,
das er lebt nur im allain;
7205 davon ist sein tod guet der gemain."
Augustinus spricht: „mich muess verdriessen,
das die geitigen den pfenning messen
und das si got nutzen wellen.
die selben teufelischen gesellen
7210 legent nicht den pfenning an
durch gotes willen, als ichs verstau,
aber si eren doch got
durch des pfennings willen, nu secht den spot,
was doch der pfenning Wunders tuet.
7215 mein her pfenning, ir seit ze fruet.
mir ist laid, das man ewer gert
so geiticleich; ir seit so wert,
das ir seit in hoher fürsten rat.
eu müessen die weisen geben stat,
7191 AltibiaWS, altiliaGD. alltybiaF. 7192 do fehlt F. 7193kintlich
GD. 7194 S. der sp. G. sinnen r. W. 7195 fehlt D. presten F. prech G.
7196 darh. G. 7 1 9 9 ain f e h 1 1 F. er sehend WFS. 7200 man sprach SGD.
7201 guettig G. rechte] ander GD. 7202 gestirbet GD. 7203 geturmet
G. 7204 im nur S. 7205 und davon FS. darumb GD. tod fehlt S. 7206
spricht fehlt D. muess] tuet nichtz so GD. 720 7 die pf. F. 7208 sewF.
nutzen] nchtzig G. si gut nicht tzyfc w. D. 7209 teuflichen G. 7211 ich
FGD. 7212 eren] wend GD. 7213 durchs pf. D. nu] nit nu G. nit D.
secht]hortS. 7214 was] das G. 7215 herr der d' pf. D. ze] zers S. 7216
begert GD. 7217 und so g. GD. ir fehlt GD. so] sein F.
16*
244
7220 ir chaüfet chirchen und kaplan,
ir habt maniger frawen laid getan
an ir ere, hör ich sagen.
ir machet manigen grossen zagen,
ir nempt den diep von galgen und von panne,
7225 und seit doch nicht als gross, als ain spanne.
wer stet und purg gewinnen wil,
der muess ie haben pfenning vil.
der pfenning machet valsches geticht,
der pfenning wendet gnet gericht,
7230 der pfenning chaufet allen rat,
er chaufet got, der uns all geschaffen hat.
nu merket alle, ob ir wellet,
was der pfenning wunders stellet,
das er den frumen oft scheuchet
7235 und hin ziie dem pösen fleuchet.
der nie gewan preis noch lob,
den selben setzet er nu ob
über iegleichen piderman.
ei zwar, das ist nicht wol getan,
7240 das so hoch ist dein ampt,
du wirst am lesten doch verprant.
ich sprich das wol, und ist auch war :
biet ainer alle weishait gar,
die David het und Salonion,
7245 und war als starch als Sampson,
alle sein chunst war enwicht,
und hiet er nu der pfenning nicht;
hat er aber gelt, so ist er lieb,
er sei rauber oder dieb.
7250 und wie lieb der pfenning immer ist,
so ist er doch nur ain mist.
7220 kauffentGD. 7221 habt auch G. 7222 irer SGD. 7224 von dem |
von demG. pawmen F. 7227 ie f'ehltGD. 7231 all fehlt F. beschaffen
WSD. 7232 merken allewG. 7233 erstellet!). 7234 er fehltG. schwechet
G. 7235 den WG. 7237 sitzt W 7238 iegleichen] manigen F. 7239 eya
G. das] esGD. nie G. 7241 wurstF. 7242 auch] dochF. 7244 und auch
G. 7246 wer im e. GD, 7247 nuerF. denD. 7248 h. aber er WS. goltW.
7250 doch immer F.
245
so wais ich wol das maniger ist,
und cliäme ietz der endechrist,
das er pfenning geben wolt,
7255 er fund ir vi] an seinem solt,
die im dienten frue und spat,
neur das si pfenning wurden sat.
ich glaub auch, hiet man so vil gelt,
das man erfüllen möcht die weit
7260 unz auf an polum articum
und under sich unz an den Zentrum,
dannoch fund man manigen man,
der sich nicht lies genüegen daran,
und wissen doch all fürwar,
7265 das wir nicht leben tausent jar,
und stellen doch darnach alle geleich,
als ob wir leben wellen ewicleich.
der pfenning ist also gestalt,
und war der winter noch als ehalt,
7270 so singt der pfaff an under wint,
die weil man im das opfer pringt.
Nu sag mir, warumb geschriben wart,
das der reich sol chomen hart
zu got in das himelreich.
7275 nu was doch Jacob und David reich
und sein doch pei got gar nach.
des antwurt Jesus Syrach:
„ist der reich pös spat und frue,
so spert man im den himel zue
7280 nicht von seines reichtums wegen,
das im der näm das ewige leben.
wann reichtumb ist nicht wider got,
wann man haltet gotz gepot;
aber der reichen poshait
7253 ietzund F. ente crist GS. entencr. D. anterc. F. 7256 und auch sp. G.
7260 hintzWS. pissGD. 7261 und auch G. piss GD. das D. 7263 nichtz
G. benuegen F. 7264 wissend doch wol a. G. doch all] all wol D. 7266
stellentG. 7267 wellen leben e. GD. 7269 also GD. 7270 suog S. 72 73
solt GD. 7275 David und Jacob F. 7276 iedoch F. paid pi G. nachentF*
7278 pös fehlt F. 7281 im das nim D.
246
7285 verdampt die reichen, als man sait.
wann chain reichtumb ist sicher guet,
da man got sein lob nicht von tuet."
als auch der weise man das gicht,
das der reichtumb sei anders nicht,
7290 wann ain regierung der leut.
wann maniger maister das bedeut,
das der leib mag nimmer nicht
an die sele leben, als man gicht.
geleich also ane gelt, spricht man,
7295 mug die sei nicht leben mit dem leichnam
besunderleich ain lange frist,
aber die tugent die ist,
alzeit an ir selber rain.
als man das sieht von dem wein,
7300 das er ist nutz und guet,
und das er doch so vil übel tuet
an den leuten sunderleich,
die in do trinken überflüssicleich.
wann doch in Salomon geschriben stat:
7305 „alles das der mensch hat
über das, das er sol haben,
der selb der muess sein aigne purde tragen."
Boetius der maister redt:
„wer do nach der natur lebt,
7310 der mag nimmer arm gesein;
wann die natur die ist so vein,
das si sich leicht genüegen lat."
in dem decret geschriben stat:
„wer do lebt nach dem willen,
7315 den selben chan man hart erfüllen,
7286 wann fehlt B. 7287 da] wann BS. wenn GD. wann da F. nicht
davon tuet BSD. lob darvon nit t. G. V. 7288 — 7302 fehlen B. 7289
anders sei n. G. 7291 wenn maister Plato G. w. Plato der maister das
WS. wann Plato uns das b. D. uns das G. 7293 sei mag leben nicht G.
gicht] sieht S. 7294 alsS. anefehltF. 7295 mug leben nicht der leichnam
G. geleben F. an den 1. S. mug nit leben der reich man D. 7296 sunderleich
F. besonder D. 7297 tugent ist F. 7298 in GD. 7299 das fehlt F. 7306.
süll W. 7307 selb mus F. purden B. purdy G. burdinD. 7310 sein FGD
7311 natur ist FSGD. 7312 benugen F. 7313 als in- G.
247
das er immer werde reich,
und hiet er alles guet auf ertreich."
ain weiser man also gicht :
„es sol cliain man nimmer nicht
7320 sein guet meren mit usuram,
wann wuecher pringet schad und schäm."
Ecclesiastes tuet uns chunt:
„welcher mensch ist ane freunt,
der ist geleich mit der helle
7325 als ain leichnam an ain sele."
aber auch das geschriben stat :
„welcher mensch nicht freunte hat,
der selb hat chainer freuden nicht,
noch guet leben," als mau spricht.
7330 davon sol uns ander leute leben
alle zeit ain maistrung geben.
wann in der weishait geschriben stet:
„alle wort, die man redt,
da soll man sich wol bedenken inne,
7335 wann wort die haben gar vil sinne."
davon sol man die zunge
alzeit haben in warnunge,
das si nicht rede aus der mas.
wann man auch sprichet das :
7340 „wer do grossen gewalt hat,
der sol nimmer sein so drat,
das er iemant missevall;
wann missevall ist ain gall,
die do ist den leuten grob."
7345 davon so tue, das man dich lob.
wann unrecht tuen als hart an chumpt,
als recht tuen ze aller stunt.
wann von natur ist unser ampt,
7316 nimmer FS. 7319 chain weiser m. F. 7321 schäm] schand GD.
V. 7322 — 7325 fehlen B. 7323 früd G. frewd ze aller stund D. 7325
an ain] aune G. on die D. 7328 s. der hat G hat auch k. D. kain freud
WBSGD. 7329 gicht W. 7330 sullen F. 7331 alzeit uns a. BFGS. 7333
geredt hat D. 7334 gedenken S. 7335 gar fehlt S. 7337 warunge F.
7343 missevallen I). 7345 fehlt F. 7346 an] aim F.
248
das wir fliehen sullen schaut,
7350 und alzeit fürchten den tot,
und noch mer den lieben got.
wann her Salomon das sprach :
„wo du gest, so volgt dir nach
allezeit der pitter tot."
7355 der liebe got uns auch gepot:
„vergib iederman pald und schier,
so wil ich auch vergeben dir,
und was du guetz hast in dem muet,
das tue pald, so ist es guet."
7360 man sol auch nicht sein ze gach,
wann die gäch wüestet gar vil sach,
und freu dich nicht ander leut laid,
wann das male ist so prait,
das es überflüssicleichen chumpt.
7365 wann chain male doch niemant frumpt,
wann alle übel die selben seint,
das si geleich treffent freunt und veint.
chain ding auch niemant verpieten sol,
das man nicht mag gelassen wol.
7370 du solt auch an niemant begeren,
was du selber tätest ungeren,
und wenn du dienst spat oder frue,
so pis albeg frölich darzue.
es zimpt sich nicht in diser weit,
7375 das man iemant lob noch schelt
in seiner gegenwürtichait zehant.
auch freu dich nicht ains andern schaut,
noch darzue ander leüte tot.
warumb? es stet auch hin ze got,
7351 und mer furchten d. G. mer fürchten d. D. 7353 gaust da v. G. 7355
die lieb got S. die lieb in gots und auch F. die liebi gotz G. pot G. 7357
ich] got G. w. auch gotD. auch fehlt BFS. 7358 deinem GD. 7361 gar]
auch GD. 7363 male] übel D. 7364 uberflus siel eich F. 7365 wann doch
kain G. male] übel D. 7366 selben fehlt F. selbe GD. 7367 si] die F.
7371 selbs G. tust B. 7372 wem WGD. wann F. oder] und FGD. 7374
nit G. 7375 niemant F. noch] oder BGD. 7376 gagenw. GS. 7377 ains
fehlt W. nit andrew G. nit andrer S. 7378 ander] an der F. andern S.
7379 w. wann e. F. stat BG. hin ze] hintz WBS. untzt F. datz G.
249
7380 ob du pald von hinnen solt varen.
du macht wol hie dein guet sparen,
aber den zoren spart man hart.
darumb sprach sand Pernhart:
„wenn der zorn ain ende hat,
7385 so hebt sich für sich an der stat,
ain anfachung der pein.
es mag chain wille nimmer sein,
er minner sich in die lenge,
und das gelück verwandelt sein genge,
7390 das es oft wirt en wicht,
aber ain guet hofFnung verwandelt sich nicht."
es zimpt sich wol, hau ich vernomen,
wenn die freunt oft zu ainander chomen.
laicher die tuend anders nicht,
7395 wann das si plasen, als man gicht,
alzeit nur in den staub.
das chumpt in auch selber in das aug.
aber man vindet gemainicleich,
das ir selten chainer wird reich,
7400 der also mit poshait umbe gat.
wann also geschriben stat:
„wer do hofft in got,
der hat chain forcht noch not."
es ist pesser, das man den ait
7405 prech, wann das man die poshait
tat für sich behend,
wann pöse werch machen pöses end.
das verdampt den menschen nicht,
ob er ainen pösen ait pricht,
7410 aber wer die sund tuet snelle,
der selb verdampt leib und sele.
7381 g. hie sp. F. 7382 aber zu den F. zoren den sp. WB. V. 7383 —
7402 fehlen B. 7384 wenne W. enden F. 7385 sich fehlt G. 7386
anfang GD. 7387 gesein G. 7388 minder GS. mindert D. lengen WS.
7389 gengen W. 7391 guet fehlt F. 7392 han fehlt F. ich fehlt S.
7394 die fehlt G. tuen FS. 7395 si fehlt D. 7396 dem W. die G.
7397 auch fehlt GD. 7401 wann auch a. GD. 7403 noch kain n. G.
7404 pesser fehlt B. 7406 tut B. 7411 der] das F. das si verd. D.
250
der weise man lert seinen sun;
„du solt pös gedank fuder tuen,
wann pöser gedank pringt vil flust,
7415 wann er machet pösen lust,
und pöser lust macht pösen willen.
der selb ist hart ze stillen,
und pöser will macht pöse werch,
und pöse werch die sein so verch,
7420 das seu pringen ain pös gewon
und pös gewonhait geit pösen Ion.
wann seu pringen pös notturftichait
und pöse notdurft macht vil lait,
wann si pringt verzweifelung.
7425 und die Verzweiflung pringt den sun,
der do haist der ewig tot."
das uns davor behüete got!
der dich beschaffen hat an dich und mich,
der selb macht dich nicht sälig an dich.
7430 es ist ain torhait ungenäm
und aller, weishait widerzäm,
und auch den glauben vaste chrenkt,
das ainer gelaubt und gedenkt,
das das fluechen nutze sei und guet,
7435 das der pöse mensch hie tuet,
und haben es für ain grosses lob.
es ist auch chain mensch so grob,
oder es gewinne alweg geren.
Salomon spricht: „ich wil dich leren:
7440 lueg, wem du trauest und in wen,
wann das getrawen laicht etwen
mag und freunt nachent geporn.
7412 chert F. 7413 gedenk BGS. sunder W. von dir D. 7414 pos B.
pösseG. gedenk BG. 7415 wenn sey machent G. gelustF. 7416gelustF.
7417 s. der i. B. denn h. GD. 7418 und] wann F. 7419 und fehlt
WBSGD. die fehlt F. reich S. zwerckD. 7421 geit ein p.D. 7423 macht
auch vil GD. 7425 sun] sin WS. suen F. V. 7430—8508 fehlt B. 7430
ain fehlt S. 7433 oft gel. F. 7434 fluechen s. G. nutz FGD. 7436 haben t
G. 7438 gwunn G. 7440 getraust F. 7441 getrewen laichot oft G.
etschwenWD. 7442 fieunt u. mag F. nachWBS. frund und nauchpuren G.
mag frund und nachpuren D.
251
auch ob du die porten sperrest voren
vor deinen veinten, so lueg auch vast,
7445 das du das hinder tor nicht offen last."
auch so spricht der gross philosophus :
„die gerech tikait die ist alsus,
das si vertreibt weder morder noch dieb
von ainander, wann si haben lieb
7450 alzeit ainander, das ist wol schein,
das in ir poshait mues ie gerecht ikait sein.
wann wenn si nicht getrewe wären
ainander, so wurd es sich dären
zwischen ir paider geselleschaft,
7455 wann die war fürpas an alle chraft."
auch wer sich geren zue dem fewer menget,
der selb wirt geren besenget,
und wer sich geren mischet under die cleien,
den essent die säu mit dem preien.
7460 es sein zwaierlai dienst in meinem muet.
ainer ist mit dem willen, der ander mit dem guet;
aber der mit dem guet der ist
leichter ze tuen, als man list,
besunderleichen ainem reichen man;
7465 aber der mit dem willen ane wan
der gevelt vil pas der verstandenhait.
der ain dienst chumpt, als man sait,
von dem peutel, der ander von dem herzen,
und wendent doch paide grossen smerzen.
7570 aber der von dem peutel mag välen wol,
wann er ist ünderweilen poshait vol;
aber der von dem herzen der välet nicht;
aber ie mer er dient, als man gicht,
7443 spartest G. 7444 auch fehlt GD. 7447 der g. GD. das zweite
die fehlt GD. 7450 an einander F. 7451 p. ie kain posshait sy GD.
p. ie g. mues sein F. 7452 nicht fehlt GD. 7453 an ainander F. wurd
fehlt G. dären] daren F. toren S. taren G. 7455 wären an F. 7457 selb
fehlt G. 7458 wer fehlt GD. geren] auch F. kleiben FS. 7459 fressen
GD. schweinF. 7460 ist F. 7461 ist fehltD. 7462 g. ist GSD. 7464 be-
sunderlich G. 7466 verstendigkaitGD. 7470 vallenFS. mag välen] feilet
G. gefellet D. 7472 aber von G. aber dem v. d. h. S. 7473 aber] sunder
GD. er] man F.
252
ie mer in ze dienen lust,
7475 wann er acht nicht gewin noch verlust;
wol ist der peutel ainer solchen heut,
das er williger macht die leut.
Der maister von sentenciis
spricht: „wildu sein gar gewis
7480 sele und leib sicherlich,
so soltu gesellen dich
zu der edlen senftmüetikait."
wann doch die warhait selber sait:
„die senftmüetigen sein so reich,
7485 das si besitzen himel und ertreich,"
und David der sagt es auch eben.
auch list man in der altväter leben,
das der apt Macharius was
so gar güetig an underlas;
7490 wann do er aines tages gieng
für sein zelle und enpfieng
ain naturleich chüelung,
und do er eham herwiderumb,
do vand er ainen diep in seinem haus.
7495 der trueg seinen plunder allen aus.
do was Macharius so güetig, hör ich sagen,
das er. im half aufladen
und half im gedulticleichen
von dannen tragen gar güetleichen,
7500 und sprach: „got gab, got nam;
müess immer gelobt sein sein nam."
Pomegius der abt spricht:
„chain übel überwint das ander nicht.
darumb so tue dem wol,
7505 der dir übel tuet, wann man sol
7476 haut F. 7478 sentencis WG. sentenis F. sentenais S. 7480 Hb gar
s. G. 7483 selb G. 7485 himel und ertreich] das himelreich G. 7486 D.
s. G. auch fehlt W. 7487 alten v. S. 7490 er] der SG. 7495 sein D.
alle G. 7497 auff h. 1. F. 7498 gedultikleich D. 7499 güttikleich F.
guettiklichen GD. 7501 gelobt rauosz'sein immer sein nam D. 7502
Pomeigius FS. Pompegius D. der abt] ain maister GD. 7503 das ander
übel n. FD.
253
nicht übel mit übel gelten ;
aber das tuet man ietz gar selten,
und darumb die obrist tugend ist mässichait
und die man halt für ain volchomenhait
7510 verre für alle ander tugent.
wanu die mässichait ist so mugent,
wanne man sei redleich halt
nach den sitten und nach der gestalt
und auch in allen andern Sachen,
7515 das der mensch anhebt ze machen,
so ist doch die obrist mainung,
das man zwingen sol die zung,
als auch Katho lert gar eben,
iedoch so wil ich auch anheben
7520 und sagen etwas davon,
das peste, das ich da chan,
sunderleich auf die sitt der red,
wann man die nem und geb.
darnach so wil ich sagen,
7525 wie man die Ordnung sol haben
mit der red wa und wenn
und mit wem, das man das bechenn
und von weil und zu welcher zeit,
wann der slüssel der weishait leit
7530 allersampt in dem mund,
als uns allen wol ist chund.
Jeronimus sagt in seiner omelei,
das under zwaien sachen das pezzer sei
das sweigen, wenn man nicht reden chan,
7535 wann das man reden sol mit schäm.
Man list von ainem abt also,
7507 ietzundF. 7508 und fehlfcD. obrostD. obrestG. senftmütikaitGD.
7509 volkumeiihait G. 7510 haut [hatD.] ferre für ander Gl) ander alle
F. 7511 senftmütikaitGD. 7514 dem s. GD. 7514 auch] naüch G. 7515
und dasG. und wz. D. 7516 obrestG. obrostD. 7519 so fehlt G. 7 521
p. das das ich SG. daj denn GD. 7522 besunder G. besonder I). besun-
derleich S. auf sitten GD. 7523 wann] wie F. die G. 7524 so fehl t G.
7525 ornung W. ordnnngGS. 7527 wem man F. 7528 zu] von F. 7533
dasdasWFGD. 7535 man fehlt F. reden sol] red GD. V 7536—7547
fehlen F.
254
der selb der hies Agatho,
der zwang sein red also rain,
das er dreu jar ainen stain
7540 alzeit trueg in dem mund,
darumb das er sweigen chund.
Jeronimus spricht auch das:
„der gaistliche mensch rainiget pas
die verfluechten zungen mit dem sweigen,
7545 wann das er sei wolt vertreiben.
wann ane sweigen ist ain gaistlich man
als ain weingart ane zäun."
Man list von ainem ritter das,
der bedacht, was nutz an sweigen was,
7550 do tet im got die tugent chunt,
wann er fuer in ain closter ze stunt,
und nam sich an ainer grossen swär,
geleich als er ain stumme war.
das weret etleich zeit also.
7555 nu geschach das aines tages do,
das er mit seinem abt ain tag
gieng zu ainem siechen, der da lag
an dem tod und starb auch snel.
do sach er, das die teufel die sei
7560 hin fuerten mit grosser ger.
do waint der ritter gar ser,
und do si von dem toten man
also giengen, do becham
in ain ander ritter wolgeporen,
7565 der wolt auch in das closter varen,
und als pald er das versprach,
do giengen si alle darnach
7538 der selb zw. D. 7539 jar trueg* a. GD. 7540 allzeit in seinem m.
GD. 7541 darumb fehlt G. 7543 dem g. S. den gaistlichen menschen
r. W. das die gaistlichen menschen rainigent G. 7544 die] der GD. dem
fehlt GD 7545 sy WD. übertreiben G. 7546 gaistlicher G. 7547 aun
ain z. G. an ainen z. D. 7549 gedacht F. 7550 fehlt GD. Nach 7551
steht: und beschloss seinen mund D. 7553 gleichsam GD. als] als ob
G. ob D. 7555 das] es S. 7560 gir G. 7564 ander fehlt D.
255
über ain prucken, hör ich sagen.
do viel der ritter ab den chragen,
7570 der sich in das closter wolt haben ergeben.
das ersach der ander ritter eben,
der do ain stummer solte sein,
das die engel chamen mit vil jerarchein
und fuerten sein sei mit gewalt
7575 hin in aines münches gestalt.
des wart der stumme ritter fro.
do sprach der abt zu im also:
„ich gepeut dir pei der gehorsam,
das du mir sagest an alle schäm
7580 ob du reden chunnest oder nit?
und sag mir auch, des ich dich pitt.
warumb warntest du dort so harb,
do der sieche mensch starb?
und hie lachest u an underlas.
7585 sag an, was mainet das?"
do sprach der ritter mit betrüebtem herzen:
„o vatter, was machestu mir smerzen!"
und viel im ze lüessen, als man sagt,
und saget do seinem abt
7590 alles, das er gesehen het,
und hies sich do versperren an der stet
in ain sunderleiches gadem,
darumb das er sein sweigen möcht haben.
Got vatter allergüetigister,
7595 Jhesu Christe allersüessister,
o hailiger gaist voller milt,
wann chainer gab dich nie bevilt
gen den, die dich anruefent sint,
hilf mir, das ich zesamen pint
7568 prugge G. prugk D. 7572 stum GS. 7573 ierachy G. 7575 mun ich*
S. 7 577 spr. zu im der a. D. 7 578 peutGD. 7580 kindestD 75 81 wes
GD. 7582 wainest SG. 7585 wie mainestu das F. 7587 wes machstu G.
7589 do] das WFSGD. 7591 sich fehlt G. sich da] dich doch S. 759Ü
er möcht sein sw. h. G. macht F. 7594 göttigoster G. gütigoster D. 7595
Crist F. Crist du G. a. süssigoster G. a. süssoster D. 7597 geviltF. 7599
mir fehlt D.
256
7600 ditz ciain werch nach meiner ger;
wann du doch zwar pist der,
von dem Johannes redt oft und vi],
das du gaistest, wa du wil.
so pistu auch, als man sait,
7605 ain ewige rue in arbait
und ain trost in dem wainen.
ach und möcht ich dich verainen
zue mir in das herze mein,
das du da selber soltest sein
7610 ain regierer meiner sinne!
doch wais ich wol, du wärest drinne
alzeit in meines herzen claus,
ob ich dich nicht selber daraus
verjagt mit meinem sinne.
7615 du pist die ewig minne
und ain gaistleiche salbe,
die uns in diser albe
salbt mit gaistlicher suesse.
Paraclitus ich ruefe
7620 dich an als das dritte A.
ich maiii dich, hailiger Ruha.
hilf mir meine zungen laiten,
das ich mich müg arbaiten
durch dich, spiritus sauctus.
7625 ei süesser clementissimus
du gib auch weishait meiner zung,
wann du pist doch der lebentig prunn,
da alle weishait fleusset aus.
chum her in meines herzen claus
7630 und pis selber wirt darinne!
zünd an, ziind an mit deiner minne,
so wirt mein Vernunft behende.
dein chunst, dein rat mir sende
7600 das G. 7604 pist auch du G. m. uns sait F. 7606 in dem arbait
und w F. 7609 da fehlt G. V. 7612 — 7615 fehlen S. 7613herauss
GD. 7614 derjag G. verjag D. 7616 und auch G. 7622 zung FS. 7625
ei] ain F. 7626 zungen G. 762 7 lembtig S. prunue G. 7628 allew G.
7629 chom herr F. 7630 selbert G. 7632 vernuft FS. 7633 deinen r. S.
257
und deinen fürstleichen gaist,
7635 wann du doch pist der naichst
pei got dem vatter und dem sun.
du pist ain ewig nie und suen
und ain feur gotleicher lieb,
du pist ain rechte hinschieb
7640 aller traurichait hie und dort.
du pist das starke ewig wort,
das got sant von himel nider.
dein gab die hilft uns alleu wider,
das wir beleiben gottes chint.
7645 du geest auf den vedern der wint
und überwäest alles ertreich.
ich pitt dich heut andächtikleich,
das du mir sendest den wind her
deins hailigen gaistes, das mich der
7650 enzünd mit gotleicher tugent.
du pist die lieb in gotleicher mugent
und in der hitz ain erchüelung.
du chamest her in ainer zung,
das du die unweisen woltest leren.
7655 man chan, noch mag dein nicht enperen.
du chamst in feuer, als du soltest,
das du die ehalten erwermen woltest.
du chamst auch her in ainer stimme,
das- du woltest schrecken, die do grimme
7660 seind aim christenleichen glauben.
o höchste clueghait himlischer taugen
mach uns geleich mit der minne
den lieben engein Seraphinne,
und den Cherubin mach uns sus
7635 nachenist F. maist GS. nähist W. 7636 und sun GD. 7637 fehlt
S. ain] die GD. und ain s. G. und] on D. 7643 uns fehlt G. 7645 geist
WSGD. verdernF. 7646 uberwachestF. 7647 heut fehlt S. 7648 sendest
herr von dem w. h. F. 7649 fehlt F. 7650 entzünd F. 7652 erchullung
F. 7653 chomest WFS. ainer] feur G. l'euriner D. 7654 wellest D. 7656
chömd W. kämd G. kämbd S. 7657 die fehlt S. 7658 chömd W. kämd
G. kämbdt D. kumbd S. 7659 do fehlt G. 7660 aim] an WS. am D.
7661 höchstu G.
Zingerle, Vintler. |7
258
7665 geleich an der bechantnus,
und den engein Troni gemait
mach uns geleich mit gerechtikait,
und das wir geleich werden
den Herschern auf diser erden.
7670 die selben haben alzeit streit
wider das fleisch ze aller zeit,
und das wir geleich werden bechant
den Principatus, der selben ampt
ist, das si leren wirdichait
7675 erpieten den obrem, als man sait,
und das wir geleich seien
den gewaltigen Jerarcheien.
die selben chunnen widerstan
der teufel bechorung, als ich han
7680 vernomen in den sinnen mein,
und das wir geleich mochten sein
den Virtutes mit der gedult.
die selben sein an alle schult.
mach uns lieb mit den mengein
7685 den lieben zarten erzengeln.
die selben dienen got dem herren,
das si die leut alzeit leren
christenleichen gelauben hie.
so sein die lieben engel die,
7690 die da leren gerechticleich
leben hie auf erden arm und reich,
und das man allain got sol eren,
wann er ist chünig, chaiser ob allen herren.
Aber das velscht man ietz gar ser,
7695 wann des ungelauben ist mer,
7665 in F. 7666 genant F. 7669 herscherren F. herschengeln G. her-
schenden engein D. 7670 alzeit fehlt D. 7672 wir auch glich G. das
auch wir g. D. 7673 dem WGS. dem s. GD. 7674 lernen F. 7675 obern
FS. obren G. erberen D. 7678 chunden W. kundent G. kindent D. 7681
das fehlt G. machten F. 7683 alle fehl t F. 7684 der FS. der menglen
G. der mengen D. 7691 liebe GD. lieben S. erd arme W. 7692 sol eren]
ere GD. 7693 wann] wer S. eh. und eh. G. 7 694 ietzund F. 7695 ist
ietz m. GD.
259
wann sein iemant chan gesagen.
ich wais ir vil, die da haben
ganzen gelauben an Zauberei,
und wissent doch wol da pei,
7700 das Zauberei got ist unwert.
auch sprechent si: „mich hatz gelert
ain pfaff, wie möcht es pös gesein?"
das sprich ich pei den trewen mein,
das man pilleich ainen solchen pfaffen
7705 darumb solt hertikleichen straffen,
das sich zehen stiessen daran,
wann si sein alsampt im pan,
die den gelauben also chrenken.
wa wellent si nu hin gedenken,
7710 oder wissent si nicht, was got sprach,
do er zu Moyses jach:
„sich eben zue Moyses,
das du das volk underweisest des,
das es nicht frömde götter mach
7715 weder aus stainen noch ander sach,
und sullen nicht anpeten
weder sunnen noch planeten
oben in des luftes reich,
noch chain ding auf ertreich,
7720 wann ich pins der ainige got,
der do haisset Sabaoth."
ach süesser milter Jesu Crist,
seit du die ewig warhait pist,
so hastu pilleich verpoten
7725 das opfer den valschen gotten,
wann es ist wider dich, du höchstes guet,
alles, das man mit Zauberei tuet.
7696 sein] sy GD. niemant F. 7700 dasj die G. z. die ist g. G. ist gar
u. F. ist vast'u. GD. 7701 hat F. 7702 münch G. pös fehlt S. 7703
do sprach ich D. den fehlt F. 7704 pilleich fehlt GD. pilleichen WS.
s. raunch oder pf. G. 7705 also solte straffen SGD. 7708 also fast
G. 7710 was] wie W. 7711 zu] gen GD. mit S. 7712 fehlt F. 7715
noch mit a. F. noch aus a. GD. 7718 obnan G. obnen D. 7720 aigen S.
7725 der FGD.
17*
260
und wie vast es wider dich ist,
dannoch vindet man ze diser vrist
7730 die Zauberei dannoch phlegen.
etleich die wellen pheil aussegen,
so wellen dise den teufel pannen,
das si in pringen guet zesamen.
so wellen etleich warsagen
7735 und wellen vil den teufel fragen,
wa lige golt und edel gestain.
so haben etleich gemain
mit der pösen Erodiana.
so glauben vil an Diana,
7740 die do ain valsche gottin ist,
und etleich mainen haben den list,
das si die leut chunnen schiessen
durch alles gemäur, und etleich giessen
wachseine pild manigerlai.
7745 so wissen dise das vogelgeschrai
und darzue die träum auslegen.
etleich chunnen den swertsegen,
das si nicht auf diser erden
von chainem dorf erstochen werden.
7750 etleich chunnen an feur erchennen,
wie sich ain sache hie ' sol enden.
so chunnen etleich in der hant
sehen eitel laster und schant.
vil alte weib chunnen den handel,
7755 das si chunnen die herz verwandeln
zu lieb oder zu veintschaft.
etleich geben lospüechern chraft
7729 d. so v. W. 7731 die fehlt G. aussegnen G. 7736 wa guefc lig
GD. edel fehlt S. 7737 habent denn e. GD. 7738 Herodiana F. 7739
do wellent gelauben G. vil] etlich GD. an die Diadema GD. 7741 u. auch
e. G. mainent si haben D. mainen] man F. 7743 und durch G. und fehlt
WSD. und etleich fehlt G. 7744 wechssinew G. wechsyne D. 7746 und
auch d. auch d. G. und darzuo auch D. trem GD. 7747 e die ch W. den]
die GF. 7748. 7749 fehlen D. 7749 werden erstochen G. 7751 ain]
die SGD. 7753 und auch seh. D. 7754 w. die ch. W. handeln S. 7755
fehlt GD. 7756 das zweite zu fehlt GD. 775.7 losspuecher G.
261
und etleich chunnen patoniken graben,
und vil die wellen den eisvogel haben.
7760 so nutzen etleich den alraun,
und etleich gelauben an die fraun,
die do haisset Percht mit der eisnen nas.
so seind ir vil, die jehen, das
die hantgift sei also getan,
7765 das si sei von ainem man
pesser danne von dem andern,
und vil die wellent nicht wandern
an den verworfnen tagen.
so sein dann vil, die hie haben
7770 gelauben, es pring grossen frum,
ob in des morgens ain wolf chum,
und ain has pring ungelücke,
und etleich leut die haben tücke,
das si den teufel peten an,
7775 sterne, sunnen und den man.
vil die wellen auf oblat schreiben
und das fieber damit vertreiben,
und etleich segnent den zandwe.
so haben andre den vierkle,
7780 das si davon gaugkeln sehen.
ir ist auch vil, die do jehen,
si chunnen ungewitter machen.
und etleich zauberinn die wachen
dem steren Venus umb die minne.
7785 etleich dienen der hinderpredigerinne,
das si des nachtes nicht erplinden.
so sein etleich, die do slinden
drei palmen an dem palmtag,
7758 die p. F. platoniken W. 7759 die fehlt FGD. 7762 do fehlt G
haissent F. Precht FG. eisen W. eisnen] langen GD. 7764 hantgib F. als
wol g. GD. 7865 sey fehlt S. 7769 hie fehlt W. 7772 has fehlt F.
7773 h. die t. GD. 7775 und auch d. GD. den fehlt WS. 7776 die
fehlt G. 7778 und fehlt G. den] für daz GD. zene we G. 7779 h. die
andern F. andre] ene S. jene D. ettlich G. den vierplättigen F. vierden GD.
7780 gaugekln F. gauglen G. 7781 es seind auch vil D. 7783 Zauberei
F. Zauberer GD. zaubrerin S. 7786 enpfinden G. 7787 send auch e. G.
do f e h 1 1 FSG.
262
und etleich segent den slag
7790 mit ainer hacken auf den drischübel,
und etleich stelen aus dem chübel
das smalz, die weil mans rüeret.
etleicher die leut auch füeret,
das si sein invisibilis,
7795 und etleich haben den beibis.
so spricht maniger tummer leib,
die trutte sei ain altes weib
und chumme die leute saugen.
und etleich die gelauben,
7800 der alpe minne die leute.
so sagt auch maniger ze teute,
er hab den orken und elben gesehen.
und etleich die jenen,
das schrattel sei ain claines chint,
7805 und sei als ring als der wint,
und sei ain verzweivelter gaist.
so gelauben etleich allermaist,
das der sigstain hab die chraft,
das er mache sigehaft,
7810 und vil wissen der erchennen sitt.
so nutzen etleich den ertschnitt
zu manigerlai Zauberei,
und etleich schreiben auf plei
under der cristmess für den wurm.
7815 so nemen etleich für den stürm
den elsenpaum, hör ich sagen,
und etleich wellen cholen graben,
wann si die ersten swalben sehen,
und vil chunnen in aingewaid spehen,
V. 7790 — 7844 fehlen W. 7790 den] ainem G. ainen S. 7791 stellen
FSG. den kübeln GD. 7795 e. die h. F. piffys G. pippfis D. 7796 menger
G. 7797 drutte die s. S. sei gewesen a. D. 7798 kunne GS. kinde D.
7799 etleich lütt d. G. e. leut d. D. 7801 ze] die GD. trewte S. 7802
esS. und elben] gar eben G. 7804 schrättlin das s. G. schrätel S. schrätzlin
D. 7 6 06 sei fehlt F. verzweiffloterGD. 7808 sigerstain S. sigelstain GD.
7811 nutzend auch vil die erd Schmitt G. die D. 7812 zaubereie F. 7813
auf das p. GD. pleie F. 7815 nennen F. 7817 chol FGD. 7818 den GD.
schwalm G. 7819 und fehlt GS. künden G. in ir gwänd GD. ingewautS.
263
7820 ob es gelückleich sull ergan.
so haben etleich leut den wan,
das verbena das chraut
mach die leut ainander traut,
wenn man sei grabt ze sunnewent.
7825 und vil leut die gent
des nachtes durch verslossen tür.
und etleich leut die tragen her für
silber und golt, hör ich jehen,
wenne si newen man sehen.
7830 so tragen etleich leute aus
das wasser alles aus dem haus,
wenn man ainen toten trait
für das haus, als man sait.
so sein etleich als unbesint,
7835 wenn man in frömde hüener pringt,
so sprechen si: „peleib hie haim,
als die tut pei meinem pain."
und vil die jehent, die wegwart
sei gewesen ain frawe zart
7840 und wart irs puelen noch mit smerzen.
etleich die legent des withopfen herzen
des nachtes auf die slafenden leut,
das es in haimleich ding bedeut.
und vil zauberin unrain,
7845 die sehen an dem schulterpain,
was dem menschen sol geschehen.
und etleich die jehen,
es sei nicht guet, das man
den tenken schuech lege an
7850 vor dem gerechten des morgens frue.
und vil die jehen, man stel der chue
7820 es in g. GD. gan GD. 7821 so] und F. etleich] vil G. 7822 das
selb eh. G. 7823 anainander F. 7824 wann si das grabent ze sibent D.
sunibent F. sunbenten S. 7825 u. auch vil pös 1. G. 7827 die fehlt GS.
7828 g. als ich h. GD. 7829 s. den neuen D. 7832 ainen fehlt GD.
7834 besint GD. 7835 frömde] junge GD. 7836 hie] her GD. hin S.
7841 die fehlt SGD. wildhopfenG. 7842 schlauffendeGD. 7844 Zauberei
F. zaubrei GD. 7846 dem fehlt G. 7849 linken D.
264
die milch aus der wammen.
so seind auch etleich ammen,
die selben nemen die jungen chint,
7855 so seu erst geboren sint
und stossens durch ain häle,
so ist dann nicht väle,
oder es werd ain horenplasel daraus.
auch treibt man mit der fledermaus
7860 manig teufelisch spil,
und ist des ungelauben so vil,
das ich es nicht gar gesagen chan.
so haben etleich leut den wan,
das si mainen unser leben,
7865 das uns das die gachschepfen geben,
und das si uns hie regieren.
auch sprechen etleich dieren,
si ertailen dem menschen hie auf erden,
und etleich die segent die pferde
7870 für ellenpug und renken,
und vil leut gedenken
und haben sein auch ganzen sinn,
si mugen nicht haben gewinn
des tages, unz si sehen
7875 ain pfäffin, als si jenen.
es spricht auch maniger : „ich pin gogel,
ich han gesehen sand Marteins vogel
heute an dem morgen frue;
mir stosset kain ungelück nicht zue."
7880 so wellen sumeleich dapei,
wann es ungewitter sei,
das sei alles von der münich wegen,
7851 die fehlt F. stel] stoss D. 7853 auch] doch S. auch f ehlt GD
ertlich der a. GD. 7854 selben die S. 7856 hole G. hole D. 7857 i. doch
dann S. nichtz GD. välle W. 7858 horenplesel W. 7860 teuschlich GD.
7861 ist fehlt D. 7862 gar fehlt F. sagen GD. 7864 sew F. 7865
gachschepfen fehlt GD. 7867 auch] so GD. diernen G. 7869 ettlich
sendent G. etlich segent D. 7870 und für r. F. und auch für GD. 7871
und auch vil GD. 7874 unz] und WFGSD. fechten GD. 7875 pfaffen F.
pfeifflmD. hören ein pfeifflin D. 7876 auch fehlt GD. 7879 nicht fehlt
WF. 7880 etleich WGSD. 7881 wenn G.
265
wann die gent under wegen.
und etleich mainen sicherlich,
7885 wann der rapp chopp, das main ain leich.
auch haben etleich ainen newen funt,
si behalten den pissen in dem munt,
wenninaii ave Maria laut.
so seind auch etleiche praüt,
7890 die legen ir hemde an irs mannes ort.
so chan maniger dreu wort,
das er nimmer teurer wirt.
so ist etleicher hirt,
der sein vich gesegen chan,
7895 das ims chain wolf trait da von.
und etleich nement ire chint,
wenn seu ain wenig chrank sint,
und legens auf ain drischübel.
vil chunnen salben den chübel,
7900 das si oben aus varen.
etleich spinnen am suntag garen
und machen daraus sand Jörgen hemde.
so sein etleich als behende,
das si varen hundert meil
7905 gar in ainer clainen weil.
sumleich die prechen den leuten ab
die pain, als ich gehört hab,
und legen darein porst und chol.
manigeu maint, si chunn auch wol
7910 regen hin und her wenden.
etleich diep die leut plenden
7883 wann fehlt GD. die da gand GD. under] after GSD. umb die F.
der wege D. 7884 und auchGD. 7885 gropp S. das] es F. main] bedeut
F. tüttG. teutD. 7886 auch fehlt GD. h. etlich habent denn GD. 7887
si] die F. piz WSG. 7889 auch] denn GD. fehlt FS. 7890 lengen F.
ort] stat F. 7891 eh. auch manger GD. 7892 tewr F. tewer S. 7894
segen WSD. segnen G. 7895 im GD. wolf] has WGD. hin dan W. 7896
etleich fehlt F. irew G. 7899 vil] und F. 7900 obnan G. obnen D. 7901
sampztag GD. 7903 so] und F. 7905 kurzen GD. 7906 sumleich] sun-
derleich F. ettlich GD. sämleich S. den fehlt F. 7908 legen fehlt F.
7909 chund WG. kind D. 7910 segen G. 7911 diep] die F. fehlt GD.
leut die diep pl. S.
266
mit ainer hant von dem galgen.
vil wellent den taig talgen
an der heiligen sampztagnacht.
7915 maniger auch characteres macht
auf pirmet virgineum.
etleich punctieren den lioium
in der chunst geometria.
so nimpt der der oberpra
7920 von dem gerechten äugen,
und das pluet von der tauben
und machet daraus Zauberei.
maniger nimpt ain jariges zwei
von ainem wilden haselpaum.
7925 so sein etleich fraun,
die arsling umb die chirchen gen
und haissen die totten aufsten,
und nemen den ring von der tür
in die hant und rueffent her für
7930 und sprechen : „ich rüer disen ring,
stet auf ir alten pärting!"
so sein etleich man,
die nemen von dem galgen ain span
und legen den ünder die chirchtür,
7935 so sol chain phäffin gen her für.
und etleich nutzen den strängen,
da ain diep ist an erhangen,
und an der rauchnacht wirfet man
die schuech, als ich gehört han,
7940 über das haupt arslingin,
und wa sich der spitz cheret hin,
da sol der mensch peleiben.
und vil leut die treiben
wunder mit dem huefnagel.
7916 auss GD. 7917 puctieren GS. limum W. 7918 ingramacia F. geo-
matica D. 7919 diser der F. denn der den obern D. der denn oberp. G.
7920 rechten F. 7921 krawen GD. 7922 machen WFS. 7924 ainem
fehlt D. hasselpaumen GD. 7925 seind denn e. GD. 7926 erschlingen
GD. 7928 d. kirchen t. GD. 7930 ich und diser D. 7931 partling F.
pärtling GD. 7932 seind auch GD. 7935 so] es D. pfennig G. hin f. GD.
7937 an isb e. GD. 7938 naucht G. 7940 erschlingen 'GD.
267
7945 und etleich die stechen nadel
den leuten in den magen,
und sumleich lant nicht jagen
die hund auf der rechten vart.
und etleich sein also gelart,
7950 das si nemen mit gewalt
an sich chatzengestalt.
so vindt man zaubrerin unrain,
die den leuten den wein
trinken aus den kellern verstollen.
7955 die selben haisset man unhollen.
so sein dann etleiche,
wann si sehen ain leiche,
so raunen si dem totten zue
und sprechen: „nu chum morgen frue
7960 und sag mir, wie es dir dort gee!"
so frieret maniger über see
die leut mit guetem winde,
und etleich nemen ir chinde,
wann es nicht geslaffen mag
7965 und traitz her für an haitern tag,
und legt für sich ain aichen prant
und nimpt ain scheit in die hant
und siecht den prant mer dann zwier;
so stet ain andreu dann pei ir
7970 und spricht zu ir: „was newest du?"
„do new ich hie nu
meins chindes masslaid und nachtgeschrai
und alle mainzungen entzwai."
so seind etleich also getan,
7945 etlich steckend G. nadeln S. 7946 die m. G. 7947 soraleich F. saem-
leich G. etlich D. nicht fehlt D. 7 949 und fehl t GD. seind so wol g.
GD. 7950 nemen] an sich G. sich D. 7951 an sich] nemen G. an nemen
D. ainer eh. GD. 7952 s. man denn z. GD. Zauberei F. 7954 verstolen
WSGD. 7955 unholen WS. unverholen GD. 7958 räumen WFS. rennen
D. 7959 nu fehlt SGD. 7960 sagt D. dir fehlt S. 7961 faret man ü.
GD. fuerent S. manig W. 7963 ire SGD. kind D. 7965 an die h. G. 7966
legtz G. aichein S. aichin GD. 7967 scheit] hacken F. die] sein G. 7970
zu ir fehlt WSGD. 7971 nae G. nu] new WFS 7972 deins D. 7973
mein zung F. mainzunge G. mainaid zungen D. 7974 seind denn e. GD.
268
7975 wenn si den orenwützel han,
so nemen si ain chus in die hant
und slahends an den slaff zehant
und spricht: „fleuch, fleuch orenwützel,
dich jaget ain chuszipfel."
7980 manig zaubrerin die sein,
die nement ain hacken und slahent wein
aus ainer dürren aichenseul,
und e deich machent mit dem cleul
vaden manigerlai trofferei.
7985 so nimpt maniger gerstprei
für den affel, hör ich sagen.
manigeu wil den dieb laben,
der an dem galgen erhangen ist.
auch haben vil leut den list,
7990 das si nutzen das totentuech,
und etleich stelen aus der pruech
dem man sein geschirre gar.
so varen etleich mit der var
auf kelbern und auf pöcken
7995 durch stain und durch stocken.
Von dem schreibt also Gregorius
in seinem puech dialogus,
das ain pischolf was,
der hiez Germanus, als ich las,
8000 und was gar ains heiligen leben.
nu ward dem selben pischolf geben
ain ander pistum ze Ravenn,
als man noch wechselt etwenn
umb die pistum ietzund.
8005 nu ward dem selben pabest chunt,
7975 sew F. ormutzel WSGD. orbutzel F. 7976 nement sew F. ktissy
G. 7977 slahens F. zuhant F. 7978 orenmützel SGL). 7979 kussiz G.
küssin z.D. 7982 aichen durrenF. 7983 knul G. chneulSD. 7984 vadem
W. traufferei G. truffrei S. 7985 gerstenpr. GD. 7986 nur dri affel G.
nassel D. 7987 manige F. 7991 stellen FS. 7994 chelber W. und auch
p. G. pokche W. pöcke S. beck D. 7995 und st. G. stocke WSG. steck D.
7996 dem] der zaubry G. also fehlt GD. 7997 dem F. 8001 pischolf
fehlt GD. gegeben F. 8004 umb] und G. - -
269
er solt den bischolf von Ravenn
schicken in die stat ze Senn,
da er vor pischolf was gewesen,
und das er da solte lesen
8010 christenleichen gelauben drat.
also füer er in die stat
zu ainem wirt, der was unfro
und sprach zue dem pischolf do:
„herre mein, ich wolt, das ir,
8015 heint die nacht nicht wärt pei mir!
wann wir haben heint ze schaffen,
darzue wir nicht bedürfen pfaffen.'4
do sprach der pischolf: „sag an,
was haben dir die pfaffen getan,
8020 das du si nicht leiden wil?44
„herr, do hab wir heint ain spil,
das wir schier alle sampt
varen mit der var zehant.'*4
do sprach der pischolf: „sag mir war,
8025 was ist das, das man die var
haisset hie, mein lieber freunt?"
„herr das tuen ich eu wol chunt:
anser sein hie in der stat
wol zwainzig,' die da in dem rat
8030 sein die pesten sicherlich.
herre, die varen all als ich."
„nu sag, mein freunt, wa vart es hin?
„herr, wir varen nach gewin;
wa uns nur der will hin get,
8035 da sei wir für sich an der stet."
8008 er fehlt S. was] wer S. 8009 er solt lesen cristen gelauben D.
8010 drat] und all Zauberei von in entschlachen D. und alle zaubri von
in entschlachen G. 8011 also] und GD. f. hin zue der selben st. G. als im
der babst enpotten hat GD. 8012 der was unfro fehlt GD. 8013 und]
der GD. 8014 wolt ich G. 8015 heinacht SGD. 8016 heutG. geschaffen
F. 8017 das wir darzu n. SGD. der pf. GD. 8020 si] sein F 8021 heut
Gr. 8022 schier] sicher S. alsampt F. 8028 diser GD. 8029 da fehlt S.
8031 herre und all fehlen D. 8032 mein] mir GD. es] ir WGD. 8134
uns nur der] unser GD. nur] nu W; will nu h. GD. 8035 an der] hin ze WS.
270
„vart es danne ainen steg?"
„nain, es vert iederman sein weg.44
„nu wann chumpt es her wider?"
„zu mitternacht lass wir uns nider
8040 wider in das selbe haus,'
da wir sein gevaren aus."
„und wie gesecht es auf der strass?"
„herre, wir gesehen pas,
dann ob wir fueren ze mitten tag."
8045 „nu sag an, freunt, wes ich dich frag:
esset ir under wegen icht?"
„herr, wir haben alle gericht,
der man sich nur erdenken chan.
wa wir wissen ainen reichen man,
8050 der do hat chost und wein,
da selbs da varn wir alle ein,
und essen, was wir bedürfen da."
„nu sag mir, lieber freunt, wa
weit es heint varen hin?"
8055 „ich sag euchs, herr, als ichs vernim,
wir wellen heint ainen verzeren,
des mag er sich nicht erweren,
des sei wir all worden in ain,
das er mues sterben an ain em pain."
8060 „nu underweise mich auch des,
was habet nur ze reiten es?"
„herr, wir haben ze reiten genneg,
iegleicher nach seinem fueg.
ainer reit ain kue, der ander ain hunt,
8065 der dritt ain chalb, dem vierden pald ain gais chumpt,
8036 ir GD. denn SGD. 8037 seinen SGD. 8038 es] ir GD. 8039 so
los wir F. 8040 selbe fehlt D. 8042 und] nun F. es] irD. 8044 mittag
D. 8046 nicht FGD. 8047 allew S. rieht D. 8048 sich] herfür F. nur]
nichtS. gedenkenFGS. 8049 wa] da G. 8050 do fehlt GSD. hat allweg
eh. D. 8051 selb faren G. alle] zue GD. 8053 wa] da G. 8054 wo!t S.
es] ir WGD. heutG. 8055 euch SGD. ichD. 8056 aim F ainGD. 8058
das F. wir worden all uberain F. 8059 in F. 8061 nü was S. habt ir nu
ze GD. 8063 iederman F. 8065 vierden wirt pald ain gais chunt WS.
pald fehlt D.
271
der fünft ain pock, der sechst ain sweiu,
der sibent ain stuel, der acht ain schrein."
„nu sag mir, zarter wirt mein,
möcht ich nicht ewer gevert sein,
8070 das ich auch chund sagen da von?"
der wirt der sprach : „ja traun !
ob ir sein euch hiet bedacht,
ir möcht halt varen heint nacht.
umb die zeit, als sich tag und nacht schait,
8075 und umb die ersten hanenchrait,
so solt ir chomen in mein chamer,
da vindt ir uns all pei ainander,
seit ir dann darzue gestelt,
das ir mit uns varen weit,
8080 so wil ich euch wol wissen lau,
auch solt ir des chain sorge han,
das eu ichtz Übels widervar : i
wann es chumpt maniger in die schar,
die ir alle wol bechennet,
8085 ob ich eu die vast nennet,
so wert irs mit den äugen sehen."
der heilig man begunde jehen :
„mein lieber wirt, ich han mich
des bedacht gar aigenlich,
8090 das ich wil varen hin nach.'4
damit gieng er in sein gemach
und chniet nider auf seine chnie
und sprach : „herre, ich pin hie
nach deinem willen, wie du wil.
8095 du siehst wol, das der teufel ze vil
hat über ditz volk gewalt.
8067 achtot G. 8068 lieber w. G. 8071 traun J trawen F. trewn S. ir
truon G. ir tron D. 8072 sein] sei G. ir euch des hetten D. hettend G.
het S. 8073 halt wol v. GD. heinacht W. hin nach SGD. 8074 sich
fehlt S. 8075 den GD. 8076 chumen F. 8077 all fehlt F. 8080 euch
wol fehlt G. wol] das D. wissen fehl t F. 8081 sült | daz G. 8082nichtz
FD. 8084 bekennen G. kennentD. 8085 die vast] siGD. nennen G. 8086
werden GD. 8087 begond S. 8090 hin auch F. 8091 seinen WF. 8093
herre fehlt G 8095 du] das G. das] wie S. 8096 das G.
272
ach minnicleicher got, du solt
den ungelauben stören,
das si nicht vertören
8100 dein volk, das du erarnet hast."
hiemit so rueft der wirt dem gast
und sprach: „herre, wellet ir
varen, so chumpt her zu mir,
wann man pait nur eur allain."
8105 damit stuend auf der cheusch und rain
und tet das heilig chreutz für sich
und sprach: „herr, behüete mich!"
damit gieng er zu der tür ein.
do wolten si auf gestanden sein
8110 und wolten im auch geben sein stat.
do sprach er: „ich gepeut euch drat
pei der heiligen drivaltikait,
das chainer var an mein gelait
von hinnen aus diser chamer."
8115 do sassens, als der si mit clamer
hiet gefestent auf die pank.
darnach cham ain soleich gestank
under das teufelisch gesiecht.
darnach schickt er des wirtes chnecht
8120 in die stat zu allen Strassen
nach den, die in der chamer sassen.
do gieng der chnecht, als man in pat,
zu den purgern in die stat
zu iegleichem besunder
8125 und sprach: „euch mag wol nemen wunder,
was ich so spat suech alsus.
mein herr der pischolf Germanus,
der ist hie und gert ewer ain weil,
8098 zerstören GD. 8101 damit F. so fehlt GD. 8103 her fehlt SG.
8104 ewer nuer F. ewer fehlt S. 8110 geben auch s. W. 8111 sprach
fehlt F. der bischoff sprach: ich peut euch GD. euch auch dr. F. 8114
hinnan G. 8115 chlampfer F. 8116 geheftet FGD. penk GD. 8117 dar-
nach so eh. S. stank F. gestenk GD. 8118 under] und G. von dem teuf-
flischen D. 8120 der G. 8122 do gieng der chn.J der chnecht gieng GD.
8124 idleichem F. 8125 wol fehlt G. 8128 begert GD.
273
das ir zu im chumpt mit eil;
8130 wann er bedarf ietzund ewer
und hat euch haissen manen tewer,
das ir im nicht verzeichet das;
wann er will euch sagen etwas."
also pat ers all mit nanien,
8135 das si also zu dem pischolf chamen.
der enpfieng si wirdicleich.
er sprach: „ir herren, nu merket mich.
mir seind etleich lauf vorhant,
die wil ich eu tuen bechant.
8140 nu paitet hinne ain claine weil,
ich chum herwider mit eil."
do gieng der pischolf zehant,
da er seinen wirt vant,
und jach: „mein freunt, nu gee mit mir,
8145 so wil ich wol zeigen dir,
ob jenes die rechten purger sein,
die dort sitzen in des teufeis schein."
darnach fuert er in gar drate
in ain sundere chemnate
8150 zu den purgern von der stat
und sprach: „mein freunt, sich, wie hat
der teufel dich betrogen so!"
der Wirt viel im ze füessen do
und sprach: „erparm dich über mich,
8155 ich han getan wider dich."
darnach do gieng Germanus,
da die teufel sassen sus.
do sprach der heilig gottes man:
„ich gepeut dir, pöser Sathan,
8160 das du pald von hinnen varest
und dich nicht lenger daran sparest."
8131 gemanet tewre G. 8132 im fehlt G. verziehet WGD. 8134 all]
also W. 8137 na fehlt FGD. 8140 hinne] hin G. hye D. 8141 kuni
pald h. GD. 8144 sprach WSGD. nu fehlt S. gangWSGD. 8146 genes
WF. 8147 in] an W. 8149 besunder G. besonder D. 8150 von] in F.
8154 herr erp. GD. 8156 do f eh It FGD. 8159 dir du p. FGD. 8160
hinnan G. 8161 lenger] mer WS. daran fehlt GD. '
Zingerle, Vintler. Jg
274
das geschach also nach seiner ger.
darnach nam er den wirt her
und sprach zu im: „mein freunt, nu sich,
8165 wie hast du gesellet dich
zu den teufein in der helle.
hüet dich fürbass, mein lieber geselle."
Sand Augustin auch also gicht:
„es vert chain mensch nicht
8170 und wänt doch maniger, das er var."
des mag man wol nemen war
an den pösen leuten unrain,
die varen und sein doch hie haim.
als man des guet beweisung hat,
8175 das der leib nicht chumpt von stat,
aber si werden verzucket im sinn,
das si wänen, si varen da hin,
und mit dem bestrickt sie Sathanas,
das si im gelauben dester pas.
8180 wann wer sich also dem teufel ergeit,
der wänt, er vare alle zeit.
wanne doch der teufel hat
nicht gewalt an chainer stat
hie über des menschen leben,
8185 im welle dann der mensch selben geben»
der teufel hilft zu pös und zu guet,
doch ist im laid der guet tuet,
wann er chan gar manigerlai.
etleich lert er nemen das ai,
8190 das an dem weihenpfinztag wirt.
etleich auch die fut beschirt
und lat darüber haben ain ampt.
das selb sol guet sein für den chramp.
8163 nam] sagt D. er] der bischoff G. 8164 zu im fehlt FGJD. 8166
dem teuffell G. indieGD. 8168 auch s. A. S. auchfehltW. alsofehltD.
8173 dahaim FGD. 8174 guet fehlt F. 8176 varn WS. enzucket G.
entzuket S. 8177 da fehlt WS. 8178 dem so stricket GD. 8180 dem
teufel also e. G. 8184 daz G. 8185 i. wellen denn die menschen WS.
denn sich die m. G. der mensch well sich denn selber g. D. 8186 pössem
GD. 8188 gar fehlt F. 8189 lernet F. 8191 schirt'S.
275
so sprechen etleich dieren :
8195 „phui, man hat mich heut beschrieren;
ain unraine mainzung,
das die selbe schier erchrum!"
und vil die sehen in dem spiegel
manigen wunderleichen triegel,
8200 da lange wäre von ze sagen.
manige zaubrerin lassen haben
dem teufel oft ain hohes ampt,
das er in helf ze laster und ze schant.
vil leut seind also gewissen,
8205 das si vasten mit drein pissen,
und etleieh unz si die steren sehen.
ir seind auch vil, die da jehen,
wer do vast den suntag,
das got dem selben nicht versag
8210 chainerlai ding, des er in pitt.
nu secht nur, wie der teufel mit
uns armen sundern umbe gat.
maniger nimpt den vischgrat,
der an der weihnachtnacht beliben ist.
8215 damit schreiben si ze diser frist
den leuten für das hauptschos.
und etleich nemen ain laupfrosch
und tuend den in ainen chrueg
und machen darein maniges lueg,
8220 und setzen in in ainen amaishaufen,
das die amaisen mugen laufen
aus und ain, gross und ciain.
so wirt aus dem frosch ain pain.
das selb ist guet für alles gelück.
8225 und maniger nimpt des prots ain stück,
8195 pfeu D. heut fehlt F. beschrien GD. 8196 manne zung G. main
fehlt D. 8197 schier] sicher S. 8198 dem] die F. 8203 und seh. G.
8204 1. die sein F. gewisen W. 8206 piss si GD. den G. 8207 auch
fehlt W. 8208 sunnetag G. 8209 nichtz GD. 8210 als ainerlai GD.
das SGD. er] man W. 8211 nur fehlt FSGD. 8214 an] im G. weihen-
nacht SGD. über pliben GD. 8215 damit so F. 8218 den] in D. 8219
loch G. löcher genuog D. 8222 u. auch cl. D. 8224 ist auch g. GD. alF.
18*
276
das an der weihnachtnacht peleibt.
etleicher der sneit
chreuzlein under dem passion.
etleich die sneiden ainen span
8230 aus unsers herreu rnarter.
ach lieber got vil zarter,
was man smachait dir enpeut!
so seind danne etleich leut,
die got gent ze laide
8235 des nachtes an ain wegschaide
und ruefen dem milleartifex,
der do ist der poshait rex,
als das von im gesprochen stat.
etleich nemen das chraut widertat.
8240 das selb sol sein für Zauberei.
so sein etleich da pei,
die der teufel so gar betwinget,
das er si am lesten pringet,
das si wänen sicherleich,
8245 si varn entzuckt ins himelreich.
Von der entzuckung list man also
von sand Thomas de Aquino.
der selbe was in ainer stat
lesmaister, als man noch hat
8250 gewonhait in der christenhait.
do cham ain purgerin gemait
und peicht sich vor dem heiligen man
und under ander sach do hueb si an
und sprach: „vil lieber vatter mein,
8255 mag es an euren hulden sein,
so wil ich eu sagen ain haimlichait :
8226 das] derD. weinacht nacht F. weichnacht nach b. W. weichennacht
p. GSD. 8228 krützlach G. kreutzlach D. dem hailigen p. GD. 8229 die
fehlt G. 8230 h. hailigen m. GD. 8231 1. herr got GD. und auch vilz.
G. got und vil z. FD. 8233 danne] auchG. fehlt WSD. 8236 denn dem
GD. 8237 do] denn GD. p. ain r. G. der posshait ist ein r. D. 8240 sein
guet f. F. 8245 waerenS. werden GD. 8246 so list FS. 8248 fehlt GD.
8249 man fehlt D. 8253 ündern sachen G. under den s. D. do fehlt
WSGD. 8254 lieber zarter v. GD.
277
ich var oft zue der mait,
die Jesum Cristura selb gepar."
sand Thomas sprach: „hastu war?"
8260 si sprach: „ja sicherlich!
ich chum gar oft ins himelreich,
und sich da freud und wunne mer,
wann auf ertreich nie chain herr.
auch sich ich Marien die mait.
8265 die selb trait an das schönist clait
und das allerschönist gewant,
das menschen äugen ie bechant."
„nu sag mir, mein liebes chint,
was tuen die, die dort sint?"
8270 „herr, si trinken und essen
und hübscher minn wirt nicht vergessen.
auch sieht man stechen und turnieren
und darzu manige hübsche dieren
an dem tanz her springen.
8275 von pfeifen und von singen
hört man da vil manigen schall,
so spilt man dort mit dem pall."
do das erhörte sand Thoraas,
das soleich churzweil dort was,
8280 do erchant er an der stet,
das es des teufeis gespenst tet.
do sprach er zu der frawen clar:
„mocht ich auch nicht chomen dar,
das ich auch säch Maria ?a
8285 si sprach: „lieber herre, ja!
ob eu ist ze varen ger,
so chum ich an dem pfinztag her
ze nacht, so solt ir warten mein,
so wil ich eur geferte sein."
8290 do sprach der liebe sand Thomas:
8258 selber SGD. 8263 ie F. 8264 Mariam F. Marie GD. 8265 die hat
an das D. 8267 fehlt F. nie GD. 8269 ein die fehlt G. 8274 dem
selben t. GD. umb herr s. F. 8276 vil da m. G. da fehlt F. 8279 dort]
da G. 8281 gespen F. 8283 auch fehlt S. varen F. 8284 auch fehlt
GD. 8285 lieber fehlt D. 8287 herr F.
278
„frau, ich chum an underlas."
die frau nam urlaub do behent.
sand Thomas gieng in sein convent
und peicht sich seiner sund ze stet,
8295 die er ie getan het.
darnach nam er das sacrament
in sein puesem ze ainer present,
das er wolte pringen da
seiner mueter Maria.
8300 darnach cham die frau zu im
und sprach: „herr, wolt ir hin
varen, so seit ietzund perait."
damit wurden si do paid
verzuckt, als ich gehöret han,
8305 auf ainen wunnicleichen plan,
da er sach wunderleiche ding.
er sach vil volk an ainem ring.
ainer ass, der ander trank,
der dritte sprang, der vierde sank
8310 weltleicher lieder vil.
so het der fünfte dort ain spil,
da vil von ze sagen war.
am lesten sach er dort her
gar ain minnicleiche mait,
8315 die trueg an so reicheu clait,
die niemant wol gesagen chan.
darnach satzt si auf ain chron
und saz auf ain gestuedel hoch.
iederman sein chappen zoch
8320 von dem haupt und chniet für sei.
nu stuend sand Thomas auch dapei
und sach das wunder alles an.
am lesten cham ain alter man,
8191 ich. fehlt S. chum anderlos F. eh. an aun u. G. 8292 nam fehlt S.
urlab F. 8294 sund behend und ze F. 8297 püchsen F. 8301 wellet F.
ir von h. GD. 8302 yetz S. 8303 hiemit SGD. do fehlt F. 8307 vil
volks D. an] in F. 8309 dritt der SGD. vierd der SGD. 8310 also vil F.
8311 hett denn d. GD. 8312 davon vil z. G. 8315 an fehlt F. 8318
gestul WS. stuel GD. 8323 kam auch a. GD.
279
der nam sand Thomas pei der hant
8325 und fuert in für den stuel zehant
und die frau gieng mit in
und chnieten für die chünigin.
do sprach die chünigin, die da sas :
„pistu es nicht der Thomas,
8330 der mich do lobt ze aller stunt?«
er sprach: „mein frau, mir ist nicht chunt,
wie dein nam gehaissen ist.
pistu die, die uns da Crist
gepar, den waren gottes sun?"
8335 die frau die sprach: „ja ich, treun."
sand Thomas der was do behent,
und zückt herfür das sacrament,
das er in dem puesem het,
und sprach zu ir: „nim hin ze stet
8340 deinen aingebornen sun,
den lieben Jesum Cristum."
alspald verswant die trugnuss gar.
des nam die frau eben war,
die do stuend neben sein.
8345 die sprach do: „lieber vatter mein,
nu sich ich wol, das mich hat
der teufel petrogen an diser stat
und das ich ser han missetan."
do sprach der liebe sand Thomas:
8350 „erchennest du das selb an dir,
so wil dir got vergeben schier."
si sprach: „ja, lieber vatter mein,
ich erchenn, das ich pin ain sunderin."
do sprach sand Thomas an der stund:
8355 „dir sei vergeben all dein sund!"
darumb so spricht der weise man:
8325 zu dem GD. 8326 im WSGD. 8327 kriegten GD. 8328 sas] was
GD. 8329 du nit G. der fehlt F. 8333 die da u. Jhesum C. G. 8335
jach F. ich] in D. truen G. 8336 der fehlt GD. 8339 ir fehlt F. 8340
sun der da ist D. 8341 Christ D. 8342 t. ganz und g. G. 8349 lieb herr
s. GD. 8350 du selber daz GD. selber F. 8355 seien GD. sein S. 8356
so fehlt F.
280
„du solt chain gemainschaft han
mit dem teufel, das rat ich dir,
wann all sein lust und begir
8360 ist nicht anders, wann das er
den menschen mug betriegen mer."
der teufel ist gar ain pöses chind.
er ratet oft ain guetes ding,
das ain pöses darnach cham,
8365 als wenn er ratet ainem man,
das er in ainen orden var,
darumb das er werde gar
abtrünnig in dem orden sein.
oft ratet er ain pös under ainem gueten schein,
8370 als wenn er ratet mainaid sweren,
das er aim andern mug bescheren
sein guet, das er hat.
zum dritten mal ist sein rat
etwas guetes, als ob es schedleich sei,
8375 als wenn er ainem rat hie pei,
das er nicht in ain closter var,
das er nicht werd abtrünnig gar,
oder das er nicht pet ze sere,
das er nicht vall in üppig ere.
8380 auch rat er oft darzue,
das man nicht pöses tue.
das tuet er alles, als man sait,
das er vall in grosse poshait,
als ob er ainem ratet das,
8385 das er sich chestige an underlas.
das tuet er darumb, das er in laite
in ain unmässig beschaidenhaite ;
wann ain iegleich unmässichait,
die ist got alweg lait.
8390 der teufel macht die seinen so frei,
8358 den teuflen G. den teuffein D. 8359 alle GD aller F. list S. 8369
ain g. W. 8370 mainen ait F. 8371 ain WDG. ainen S. 8372 er auch h.
GD. 8373 ist auch s. D. 8377 das er nicht] und G. a. werde g. GD.
8380 oft fehlt F. 8381 nichtz G. 8383 grosser S. 8386 im laide F.
8388 iedleich F. 8390 t. der m. G.
281
das si mainen, das chain sunde sei.
wann es spricht der hochfertig man:
„ich wil gewalt darurab han,
das ich mug helfen etwenne."
8395 so spricht der zornig denne:
„man sol vertragen niemant,
das die sund nicht nerae überhant."
so spricht der neidig: „ich begere
darumb ander leut guet und ere,
8400 das si sich nicht ze hoch erheben."
so spricht dann die trachait eben:
„darumb pin ich geinachsam auf erde,
das ich nicht gestraffet werde
umb unbeschaidne arbait."
8405 so spricht dann die geitichait:
„wir begern darumb guet alle,
das man nicht in gepresten valle,
als in deubhait und in rauben."
die frasshait gicht: „man sol gelauben,
8410 ich iss darumb die cappaunflug,
das ich got dester paz gedienen mug."
so spricht die uncheusch also :
„es ist aiu leben der jubilo,
der sein lust also chan laben,
8415 das er darnach reu sol haben."
also wellen si ins selb glosieren.
nu secht an, wie si sich mo vieren
und mainen ir poshait sei alle guet.
was ist denn pös in irem muet?
8420 seit si doch alle poshait han
und mainen, das sei wol getan,
so chan ich es anders merken nicht,
8397 nemen S. 8399 guet und er] guet mer W. 8400 sich
fehlt S. überheben F. 8401 danne traurichkait F. trakait WS. 8402
darumb pin ich] ich pin G. darumb so p. S. 8406 b. guet darumb a. G.
8407 in die WS gepreste G. 8408 und auch in D. 8409 spricht F.
8411 dester paz fehlt F. dest G. dienen G. 8412 der F. 8414 Wer G.
seinen 1. kan also S. 8416 wellens G. selbsGD. selben S. 8417 sich selb S.
8419 das G. pösen F. 8421 das] es G. 8422 es fehlt GD. merken]
schätzen F.
282
wann das si dunkt das guet ze nicht,
und poshait sull gen got uns zieren.
8425 nu secht an, wie gar rain partieren
chan der teufel seine rat.
er ratet oft ain erberchait,
das ain hochfart werd volpracht.
sein rat sein gar maniger slacht.
8430 er ratet oft beschaidne sach,
das der leib hab gemach.
oft ratet er rechtes gerichte,
darurab das man sich nicht verslichte
und das do geschech ain rachung.
8435 oft ratet er erparmung,
darumb das man nicht
volpring das rechte gericht.
oft ratet er ain miltichait,
das man volpring die frasshait
8440 und das man füll den snöden palk.
der teufel ist gar ain grosser schalk.
darumb sol man im getrawen nicht.
dannoch maniger zu mir spricht:
„es ist nicht pös, das ich da tue.
8445 es gen nuer guete wort darzue."
darumb sol man die gueten wort
nicht alzeit nutzen ze fort,
das man got damit nöten well,
das er den teufel aus der hell
8450 sull haissen chunftige ding sagen.
er war nicht für ainen got ze haben,
solt im gepieten ain altes weib,
der do verfluecht ist all ir leib.
nu waiss ich das maniger heiliger man
8455 hat grosse arbeit darumb muest han,
8423 ze nicht] vernicht G. für nicht D. 8424 sull uns g. G. 8426 der
pös t. GD. seine fehlt GD. rät WD. 8429 mangerlai G. manigerlai D.
8431 lieb FS. 8435 er fehlt F. er ain erp. GD. 8440 eden p. G. pösen D.
8441 grosser fehlt GD. 8442 sol fehlt D. getrewe D. 8443 zu mir
fehlt D. 8445 nuer] mir S. nu G. 8446 guotte GD. 8447 n. ze fast
und ze f. G. hört F. 8453 alle ir] der WS. ir poesser 1. GD. 8455 arbait]
ding W. muest han] müssen han GD. getan W.
283
das im got ain haimleicbait
hat geoffent aus seiner taugenhait,
und ob das also sein solt,
das ain altes weib got zwingen wolt,
8460 so war er chnecht und si war herr.
nain zwar, si sein der warhait verr,
die soleich ding also gelauben.
die selben versuechen got an laugen,
als uns das schreibt Isaias,
8465 das got sprach zu Achas:
„pit ain zaichen in der höhe oben
oder unden in der helle chloben."
do antwurt Achas für sich :
„ich versuech den herren nicht. a
8470 da pei mag man merken wol,
das got pilleich zürnen sol
an die, die in also versuechen.
ach, wie wirt si got verfluechen
an dem jungisten tag!
8475 ich wais auch wol, das ich hab
grosse strafiung von manigem man;
die mainen, es sei recht getan,
was man tuet mit Zauberei.
ist dem also, so sei,
8480 aber ich gelaub sein nicht.
wann doch die warhait selber spricht:
„es werden auf sten an manigen steten
valsche trugenhaft propheten,
die die leut verlaiten werden."
8485 das sein die selben, die do eren
den teufel und sein Zauberei.
so spricht maniger auch dapei,
ich hab ze vil für genomen
8456 hayleykait W. 8457 tugenhait F. tugenthait GD. 8459 ain pöss
altes G. 8462 solche D. 8463 got fehlt GD. 8464 das] da F. der G.
8466hochenG. 8469 den] meinen GD. 8472 ein die fehl tD. 8473 fehlt
GD. si got] er sew F. got sein S. 8478 thue WD. tew G. Zauberei listD.
V. 8479. 8480 fehlen D. 8480 sein] sy G. 8481 gichtF. 8484 die die]
die G. fast vil G. 8485 das selb sein die d. e. WSGD. 8486 und auch GD.
8488 für mich g. GD.
284
und müg sein nicht ze ende chomen.
8490 den selben antwurt ich an wan:
„wenn ich tuen, was ich chan,
so hau ich getan mir genueg."
doch so ist das puech so clueg,
das iegleicher da von nimpt
8495 als vil, als seiner chnnst gezimpt.
dem ochsen heu, dem esel distel,
dem ritter golt geit dise zistel.
Jedoch so tuet mir dicke zoren,
gib ich den gensen haberchoren,
8500 da müschen sich die valken zue.
das selbe machet mir unrue.
oder gib ich frisches as
den valken, so wellent die gense das.
zwar valken, fledermäus und fliegen
8505 seind ungeleich, man well dann triegen.
das selbe wüestet auch alle recht,
wenn der herr tuet als der chnecht,
und das der chnecht tuet als der herre.
das selbe machet allen werren.
8510 Aber wer do well volchomen sein
an der rede, der neme ein
ain guet lere von dem han.
wann er chrait, so chan
er sein flügel slahen dreistünd.
8515 also sol der mensch sein mund
alzeit haben in der huet
und bedenken, ob es sei guet.
darnach sol der mensch besehen
fünferlai ding in seinem jehen.
8489 magSGD. nicht] nimmer D. 8491 was] das S. 8492 han ich getan]
tuon GD. 8495 zimpt G. 8498 dicke fehlt F. 8499 haber oder eh. D.
8503 d. selben v. GD. 8 5 0 5 wel mich dan F. 8506 auch fehlt GD. 8508
u. der eh. GD. her G. herr FS. 8509 s. ist mir ain wer F. allen werren]
aliweg gwer G. alle wer D. 8513 wann so er D. krät FGD. 8514 er
fehlt G. schmaichenG. 8515 sol auch d. G. 8516 in alzeit G. der fehlt
FS. 8519 jehen] wesen F.
285
8520 ist er zornig, so sol er
sich nicht verreden ze ser.
wann der zorn das geraüete engt,
das man nicht die warhait erchent.
auch sol der mensch haben nicht
8525 ze grosse begir, als man gicht,
und in der red besunderleich.
Augustinus sagt auch: „geleich
als der wein macht trunken manigen gauch
also macht die überflüssig rede auch
8530 manigen, das er mues wenken."
auch sol der mensch wol bedenken,
was er red, das das guet sei!
Tulius spricht auch dapei :
„ee das du redest, so bedenke dich
8535 mer denn ainstund aigenlich.
und ob du dann ie reden wil,
so sich, das du nicht redest ze vil.
sich sol der mensch bedenken wol,
das er wiss, was er reden sol."
8540 Tolomeus spricht in seinem tractat:
„du solt nicht sein ze drat
ze reden mit nieman,
du erchennest dann gar wol den man
Und sein weise und sein gestalt,
8545 das du wissest, was du reden solt.Ä
darumb sol man mit grossen herren
reden mit sinn von grossen eren
und auch von hohen dingen
und von weistum und von sinnen,
8550 und von harnasch und von stechen,
8521 sich fehlt F. ze reden G. reden D. 8522 g. fast engt G. 8527
auch] ain BS. 8528 manigen fehlt B. den g. S. t. lut gach G. leutgauchD.
8531 a. sol das das mensch F. auch] sich D. 8533 gicht SGD. 8534 so
fehlt F. 8535 ainest WS. ainost GD. 8536 dann fehlt F. 8537 icht S.
8538 mensch fehltD. 8539 er] ich S. 8542 ieman G. 8544 das erste
und fehlt GD. und auch s. GD. und gestalt F. 8546 so sol WSGD. 8547
r. mit sinn fehlt WSGD. 8548 auch fehlt WSG. 8549 das erste
und fehlt F. Weisheit D. v. hofflichen sinnen GD. 8550 das erste und
fehlt GD.
286
und von schilt und sper zerprechen,
und von federspil ze machen,
und von andern lustleichen sachen.
und mit frawen rainnicleich
8555 sol man reden von claidern reich
und von pluemen vergissmeinnicht,
und von hübscher minne sitt,
und auch von hübscher masarei
und von waidenleicher chrei.
8560 und mit jankfrawen sol man reden
von hübscher liebe schon und eben
und von pfeifen und von tanzen,
von stechen und von swanzen.
und mit gaistleichen leuten sol man
8565 reden von erberchait und schäm
und von cheuschait und mässichait
und von weishait und heilichait.
und mit ainem hantwerkman
sol man reden von dem, und er chan.
8570 und mit pauern red man von säen
und von vich und von mäen,
und von pelzen und von reuten*
so sol man mit betrüebten leuten
reden von mässichait und von guet,
8&75 das selb das tröstet den muet.
so sol man mit narren eben
älzeit Von narren werch reden *
Wann chainem narren gevellet nicht,
wann man von weishait mit im spricht*
855 1 das erste und fehlt FG. und von sp. WFGD. 8553 lustigen D.
8554 mit] auch von G. von D. 8556 plüera W. plümlen G. plümlin D.
8557 u. auch v. G. 8558 auch fehlt G. materin G. masery D. 8559
waideleicher S. waidellicher G. 8562 u. auch v. t. G. 8563 und schwantzen
D. swanzen] guottan schantzen G. swanzen ist ausgeschnitten F.
8565 und von seh. G. 8566 das erste und fehlt F. und von m. FGD.
8567 das erste und fehlt F. und von h. FG. 8568 und] darnach GD.
8569 von] nach GD. dem und] dew WS. dem als er denn eh. GD. 8570
von fehlt BFS. säwen F. 8572 das erste und fehlt GD. pflenzen G.
pflantzen D. 8575 selb tr. FGD. das gemuet SGD. 8577 narrenwerichB.
8578 dhainem B.
287
8580 und also sol man reden ze aller frist
nach dem und dann der mensch ist,
damit das du im chumest ze gevallen.
man sol sich auch bedenken vor allen
andern sunderleichen dingen,
8585 ob man die red sull fürpringen
und ob man es sull sagen oder nit,
wann das war gar ain narren sitt,
das man wolt sagen, das nicht ze sagen war;
wann es prächte grosse swär.
8590 ist es dann ie ze sagen,
so sol man die rede nicht verhaben,
wann der mensch mues ie jehen,
aber doch sol er für besehen
sechserlai ordenunge :
8595 am ersten die überflüssichait der zunge,
als Salomon spricht an ainer stat :
„wer sein zung nicht in huet hat,
der selb der ist geleich getan
als ain ros an ainen zäum,
8600 und als ain haus an ain dach
und als ain scheff auf ainem pach*
das do ist an ainen scheffman."
auch: „alle sund und poshait gram4
die chumpt von der zungen her.
8605 so ist des narren herze mer
in der zunge, als man listj
aber des weisen zunge ist
alzeit in seines herzen sdhrein."
David gicht: „die chlaffer sein
8581 dann fehlt F. denn GD. 8582 chömestf. ie gevallen] ze Valien G.
kindest gefallen G. 8583 fehlt D. sich denken G. 8584 und vor all
andren s. G. 8585 sol BF. 8586 sagen süllG. sol BF. 8587 das] es BSD.
8588 solt GD. ze sagen fehlt F. 8589 es] das F. 8590 denn ze GD.
8592 fehlt GD. 8593 doch] soWBGD. 8594 will er der menschen nutz
verjehen D. 8595 das die F. die fehlt GD. zungen B 8597 fehlt F.
zungen in GD. 8598 selb ist FSGD. 8600 und haus G. 8601 auf ainem]
an ain SGD. 8602 das da ist] und auch GD. 8603 alle fehlt D. 8604
chumpt alle F. 8605 hertzen F. 8606 gicht WBGS. 8607 die ist FGD,
8609 spricht GD. die do B. c. die sein GD.
288
8610 also, das si auf diser erden
von chainem weisen gelobt werden."
Socrates der gicht auch vi:
„wer im selber nicht sweigen wil,
der mues andern leuten sweigen
8615 und wirt darzue zue den vaigen
gezalt von dem maister behend."
auch spricht er: „wer do sweigt, der chent
ander leut rede auf ain ort,
und der do redt, der chent sein wort
8620 an dem sweigen, das ener tuet."
massig sweigen das ist alweg guet,
als das Salomon auch sait:
„wa vil narren sint, da ist vil üppichait
und unnutze rede ane zal."
8625 es spricht der weise man: „man sol
wenig reden und doch mit mas,
und nicht gelauben alles das,
das du hörest reden umb und umb."
tue underweilen, als du seist ain stum.
8630 wann wer nicht wol sweigen chan,
der redt nimmer wol ane wan.
vil sünden mit rede, als man gicht,
aber mit sweigen sündet niemant nicht
Und pis gach in dem hören dein
8635 Und trag in der rede dein.
Catho spricht: „sweigen schat chainer stat*
aber vil reden das schat.
wildu sein züchtig an gevär,
so sich, das du nicht seist ain claffer;
8640 wann es verdreust die leut gar ser.
8612 fehlt GD. 8614 ander GS. 8615 u. darzu im gepotten die GD.
frygen G. veigen D. zue fehlt W. 8616 auch gezelet GD. gezetF. 8617
erchent F. 8619 der der da BSG. chent] schent D. 8620 ener] iener GD.
ainer F. 8621 gescheigen W. messiglich GD. mässikleichen S. das fehlt
BFGD. 8622 das] uns G. das fehlt D. auch] das GD. 8624 und auch
u. G. 8628 reden fehlt GD. 8629 als ob du D. 8632 reden GD. 8634
gächSD. 8635 auch zimpt trag i. d. r. ze seinW. 8636 reden seh. BSGD.
8637 r. daz gar ser seh. GD. 8638 a. alle g. GD. 8639 seist
fehlt F.
289
hastu Vernunft oder er,
so verantwurt nicht alle stund.
hab ee die hand für den mund,
ee das du redest ane not,
8745 so wirst du nimmer schamrot."
Gregorius der spricht das :
„es wonent vil wort an underlas
in der narren gemüete
und pringen doch chain plüete,
8650 aber wer do ist weise,
der selbe üebt sein wort gar leise. a
Plato der hat auch gesait:
„der weise ist, der redt von weishait,
und dienet iederman mit seiner rede,
8655 wann seine wort die sein so gäbe,
das si alzeit pringen frucht,
wann weishait lert uns alle zucht".
darumb sprach sand Jacob:
„es ist chain tier so grob,
8660 es sei vogel , wurm oder spin,
oder es überwind des menschen sin;
aber chain mensch mag nicht
sein zungen zwingen, als man gicht."
es spricht sand Gregorius das:
8665 „ainer iegl eichen creatur hat der mensch etwas.
er hat nach dem, als er mensch ist,
wesen mit den stainen, als man list,
und mit den päumen das leben
8641 oder] und F. 8642 n. ze aller st. D. 8643 dein G. 8646 der fehlt
B. 8647 wonet vil volk F. 8651 selb der BS. üebt] füert GD. 8652 der
fehlt S. 8653 ist fehlt GD. 8654 iedem man mit r. F. 8655 die fehlt
F. 8656. 8657 fehlen. D. 8657 lernet alle F. pringet allzitt z. G.
8658 spricht D. Nach V. 8659 folgt in B. am untern Rande:
Wer merket und kan sweigen,
den lassen alle reiten,
im solt der kaiser naigen.
man findt ir laider wenig in disen Zeiten.
8663 zung F. V. 8664 — 8675 fehlen D. 8665 das von yegli eher crea-
tur etwas B. 8666 als] und F. er] der G. 8667 fehlt G. 8668 und]
wessen G.
Zingerle, Vintler. 19
290
und enphintnus mit den tieren eben,
8670 und verstantnus mit dem engel,
noch hat der mensch so vil mengel
mit aller seiner natürlichen chraft.
dannoch hat er nicht so vil macht,
das er sein zungen gar müge zwingen
8675 alweg zue nützl eichen dingen.
Zu dem andern mal sol man sich
hüeten gar aigenlich
vor unnutzen reden,
als Salomon lert gar eben,
8680 was dich mit red nicht angee,
das selb berede nimmer me.
wann die rede ist vil leuten
geben, als Socrates chan bedeuten,
aber die weishait wirt geben
8685 wenig leuten in disem leben.
es ist pesser in meinem sinne,
das dich dein freunt gewinne
mit Worten, wann das du woltest,
das du in mit guet gewinnen soltest.
8690 auch wer do geren sait
seines freundes haimleichait,
der verleust die freuntschaft damit
und macht, das man im trawet nit.
Zu dem dritten mal sol man
8695 sich hüeten gar angel davon,
das man sag nimmer nicht
chain haimleichait, als Seneca gicht,
als du auch woltest in deiner gir,
das man nicht sagen solt von dir.
8700 wann du solt gedenken an underlas,
8669 tierlein F. 8670 den engein G. 9672 naturlicher WG. 8673 fehlt
G. 8674 zuug müg so vil zw F. 8679 als uns S. GD. redt F. 8681 be-
rede] wider red G. were D. 8686 ist auch p, F. ist vil p. G. 8689 guet]
Worten FSGD. 8691 feindes G. 8693 getrawet FGD. 9694 nam so sol
WS. 8695 angel] aigenlich GD. eben F. 8697 spricht S. 8698 begir
GD. 8699 sol F.
291
das du geren sehest das,
das man dein haimlichait nit offenet.
Tulius gicht an ainer stet:
„du solt versperren ze aller stunt
8705 dein gehaim in deines herzen grünt,
und nicht in aines andern herzen,
wann es pringet gar vil smerzen."
es gicht der weise man da pei:
„schau, ob der nicht ain tor sei,
8710 der sein aigen haimleichait
nicht verporgen selber trait,
und wils aim frömden menschen sagen,
der selb sol es verswigen haben
und er mags selber versweigen nit.
8715 das selb sein alles wankelsit."
Salomon spricht: „es steuret den adel,
der do versweigt ander leut tadel,
da maniger ist mit behaft,
und meret auch vil freuntschaft;
8720 aber wer die tadel geren sagt,
der wirt nicht für ainen freunt gehabt."
auch wer ander leute haimleichait
sagt, als Longinus sait,
darumb das er freuntschaft gewinn,
8725 der selb wirt sicher inn,
das im wirt trawen niemant mer.
Priscianus geit uns auch 1er
und spricht: „la dir begraben sein
alzeit in deines herzen schrein,
8730 was man dir haimleichait sagt;
wann es wirt gehabt
für die grösten poshait,
wer also sagt die haimleichait."
8702 nit fehlt B. offen F. offenbart GD. 8703 spricht FG. stat alle HS.
8707 fehlt G. 8710 werG. aignew G. aigne D. 8712 f menschen fehl t
G. man WßSD. 8713 tragen G. 8716 gichfc F. 8718 mit ist b. FGD.
8725 selb fehlt GD. 8726 trewen F. getrawenB. wirt trawen] trawet
fürbass D. fürpass trewet G. 8727 gicht GD. uns fehlt D. ain 1. F. a. die
1. GD. 8728 dir ie b. F. 8730 das dir h. wirt gesagt GD. 8732 grossew G.
19*
292
Der vierte tadel der ist,
8735 das man sich miete ze aller frist
vor pösen snöden Worten,
wann seu sein an allen orten
widerzäm mensehleichem gemüet.
Catho spricht: „widerste mit deiner güet
8740 den pösen Worten, wie du mügest,
und das du es alzeit also fliegest,
und das seu dir nicht machen pein
noch widerzäm im herzen dein."
Faro gicht: „ist, das ich
8745 pin alzeit selber wider mich,
so werden vil leute zwar
wider mich sein offenbar.
so darf ich es chlagen nieman,
wann ich han es selber getan."
8750 Plato der hat auch gesait:
„es ist aiu zaichen der narrhait,
der wider sich ist an manigen orten
mit seinen unnützen Worten."
sanctus Augustinus spricht:
8755 „wir sullen darumb predigen nicht
durch das, das wir essen,
sunder wir sullen es messen,
das wir essen nach dem tugen,
das wir dester pas predigen mugen."
8760 Zu dem fünften mal so ist mein 1er,
das man sich hüete vast und ser
vor üppiger rede, wa man chan,
wann die unnutzen red die han
die narren ze aller zeit.
8765 als uns Sixtus urchunt geit,
das die üppigen wort sein
8737 an fehlt W. 8739 deinem gemüt F. 8740 wa GD. 8742 und
fehlt G. 8744 spricht FG. 8745 selber fehlt WBSD. dich G. 8748
bedarf B. 8754 sand F. gicht BSGD. 8757 es] uns F. 8758 der GD. den
WBFS. tügen F. tugend GD. 8759 mugent D. 8760 so fehlt FGD.
8762 wa] wo WBS.
293
ain richter der üppigen gewissen dein.
Seneca spricht in seinem rat:
„sich, das deine wort frue und spat
8770 nicht unnutz sein an chainer stat,
das si sein alweg ze raten
oder ze maistern oder ze pitten
oder ze straffen die pösen sitten."
auch Salonion spricht in seinem rat:
8775 „wer sein lebsen in huet hat,
der ist der allerweisist man"
David sagt auch davon:
„herz, setz mir zu aller stund
ain rechte huet in meinem mund
8780 und naig dich von dem pösen muet
und tue das pest, das ist dir guet."
Seneca spricht: „du solt dich selber wissen
ze volherten in deiner gewissen
in allen deinen reden,
8785 ob du sei mugest geben,
oder ob man mag reden wol
oder ob man nicht reden sol.a
So sol man zu dem sechsten mal
sich hüeten angel und wol
8790 von ainer zwifachen znng,
wann si ist ain Ursprung
aller poshait, die da geschieht.
si redet under angesicht
ain guetz aus ainem valschen chragen,
8795 und doch ain pös hinnach chan sagen.
si tuet geleich als die chatz,
die voren leckt und hinden chratzt.
8767 üppigen fehlt S. sein F. 8769 dein S. 8770 sei S. an chainer
stat] allweg ze rat GD. 8771 fehlt GD. sew albeg sein F. 8774 auch -
spr. G. 8775 der F. seinen lobsen B. 8776 allerweist B. 8777 spricht
BGD. 8778 herz hie s. F. herr WBSGD. 878] pest] guet BGSD. dir
vast g. G. 8782 gicht B. weisen FG. 8786 ob feh lt G. mag fehlt F.
8788 So fehlt S. male W. 8789 angel] gar eben F. aigenlich G. wol]
walle W. 8792 beschicht GD. 8795 ain fehlt B. 8796 als tuet d. G.
8797 vornan G. hindan G.
294
Socrates der maister gicht :
„es ist auf erden chain tier nicht
8800 das da zwo zungen mug gehan,
wann das weib und der man."
ain zwifache zungen geleichet man
aim faulen stock, der prinnen chan
des nachtes pei der vinster,
8805 und der doch chain glinster
geit pei des Hechten tages schein.
Terencius spricht in seiner omelei :
„wer zwo zungen hat im mund,
das verpirgt sich nicht ain lange stund."
8810 es sprach Christus der rain
„eure wort die Süllen nicht sein
anders wann ja und nain
und sullen nicht haben ain ander main."
Aristotiles gicht, es war pesser,
8815 das ain mensch an ain zungen war,
als ain storch, als man tuet sagen,
wann das er zwo zungen solt haben,
oder het ain ochsen lange zung
und war doch underweilen ain stumm.
8820 I)er sibent tadel ist gar toret,
das man geren poshait höret,
als Jesus Syrach sprach hie voren:
„du solt versperren ee dein oren
mit den achseln , mügest du
8825 nicht anders haben darzu,
und hör nicht geren pöse mär,
wann si pringen grosse swär."
der weise gicht zu seinen chinden :
„die da die poshait vinden,
8800 da] es S. han WBSGD. 8802 fehlt B. 8803 der] das F. 8806
geit fehlt G. hat D. 8807 gicht B. spricht auch in D. 8809 der prucht
sy nit lang G. der bringt sich nit in ein 1. D. 8810 spricht GD. 881 1 die
fehlt GD. 8812 dann B. denn WSGD. 8815 ain fehl t GD. 8817 wann]
ee GD. 8818 oder er hietF. ain ochsenlange] ainer zwo lange GD. 8820
toracht B. torrötF. 8823 dein] die BFS. 8824 funsten GD. macht BG. ma-
gest S. 8 8 2 6 pössew G. 8 8 2 7 sew F. 8 8 2 9 die die da die b. WB. die dew da F.
295
8830 die werden mit der poshait
vertriben", als Salustius sait.
wann alle poshait chumpt von den
zuetragern und die sieh geben,
das si loben die poshait.
8835 wann sanctus Augustinus sait:
„die lober sind raitzer der sunt,
wann si von in dar chumpt;
wann alle poshait ist ir ampt
und werden doch damit ze schant."
8840 Der achte tadel ist got unwert,
wann man ane not swert,
Augustinus spricht: „mich betrüebet,
das man so vinstre wort üebet
und zweifelhaftige mit dem mund;
8845 wann uns doch allen wol ist chunt,
das wir unsern herren laichen
nicht mugen mit chainerlai smaichen.
wann er wais alle ding
wie si sein an irem urspring."
8850 Salomon der weise sprach:
„wer vil sweret ane sach,
das ist ain zaichen der toren,
und wirt im Ionen der zoren,
und alles übel das chumpt im
8855 in sein selbes hanpt, als ich vernim".
sand Thomas spricht: „du solt nicht sweren,
wann man versuechet got den herren,"
Dt*r neunte tadel ist nicht guet,
wer sein red mit droen tuet,
8860 als Faro gicht in seiner 1er:
8831 vertreiben FS. als uns GD. 8833 zu tragen F. gewen BSD. ge-
waen G. 8836 1. daz sind G. sunde WBS. sünde G. siinden D. 8837 in
das kinden GD. chumbfce W. 8840 achtet F. achtod G. g. vast u. G.
8843 vinstrew G. 8845 ist doch allen eh. W. 8849 sew F. 8852 ain
fehlt G. 8854 das fehlt SGD. 8855 seines s. G. 8856 man sol n. F.
8857 v. damit g. Gl). 8859 red nit mit trewen G. trawen D. toren W.
296
„wer do droet, der wirt mer
zu ainem rechten narren geschätzt,
wann er tuet nicht, wann das er trätzt."
Oracius der maister spricht:
8865 „es ist chain val scher ding nicht,
als das ainer ain ding erzaigt
in ainem schimpf und sich naigt
dannoch auf ain valschait,
die er die weil im herzen trait."
8870 die rechten übermüetigen toren
die wellen alweg erzaigen iren zoren.
Isopus spricht auch eben:
„alle die do vil reden,
die tuen vil nimmer, hör ich sagen,
8875 wann man soll er bejagen."
sanctus Paulus gicht:
„es zimpt dem gotes chnechfe nicht,
das er mit droworten umbegee,
wil er halten die götleichen ee."
8880 Den zehenten tadel lob ich selten
wenn sich die leut an ainander schelten,
als uns der weise man tuet chunt :
„ee das sich das feur enzunt,
so get der rauch vor auf.
8885 also ist der weite lauf,
und ee das sich vergeust das pluet,
so wirt betrüebt ir paider muet,
das si an ainander droen und schelten,
wann iegleicher wil dem andern gelten."
8890 sanctus Augustinus redt:
„der pöse spricht in seinem gepet:
8861 träwetG. 8862 rechten fehlt D. 8862 denn W. 8865 seiBGD. 8866
zaigt F. 8867 ain FSD. 8871 wend GD. alwegen WS. 8872 J. der sp.
F. 8873 rede geben W. 8874 minner S. minder GD. 8875 ere sol b. G.
8876 spricht F. 8877 den g. chnechten GD. 8878 untrewen w. F. trew
w. G. 8870 behalten F. götleiche F. 8880 tadel den lob WS. 8881 die
fehlt F. an ander G. 8882 man fehlt F. 8883 feure anz. G. 8885 ist
auch d. GD. 8888 an fehlt W. trewen G. droen und fehlt S. 8889
yedleicher F. 8891 pet S.
297
„herr, tot mein veint nach meiner ger."
dem selben antwurt unser herr:
„welchen sol ich töten under eu?
8895 ir seit paid pös, ich wais umb weu."
diser wil in ainer sache sein
clager und richter seiner pein.
er ist wol ain natürleicher tor,
der sein aigen swert lat vor
8900 gen durch sein aigen herz,
darumb das er pringe smerz
seinem veinde, den er hat,
und volget er meinem rat,
so solt er den zoren überwinden vor,
8905 so war er nicht gehaissen ain tor.
auch vindet man erznei genueg
für den zoren in manigem fueg,
am ersten die behaltunge
des sweigens mit dem munde,
8910 als Salomon sagt in seiner schrift:
„so dem feur des holzes geprist,
so erlischt es an der stet,
und auch als das fewer get,
wann man zwen hert staine vecht
8915 und die wider ainander siecht,
also chumpt an allen orten
der zorn von zwain pittern worten*
sand Perenhart der gicht:
„es mag chain mensch nicht
8920 andächtig sein in seinem gepet
in grossem geschäft, als geschriben stet,
und warhaft in vil reden.
auch mag des menschen leben
8892 meinen FS. 8894 eu] enkch S. 8895 paid] selber S. waiss nit u.
GD. 8896 diser] iglicher GD. in ainer] umb die F. meiner GD. 8897 mei-
ner B. 8899 swert] streit B. lät FS. let B. 8901er fehlt S. es G. 8906
auch wo vint F. 8908 behaltung FSGD. 8909 mund FGD. 8910 ge-
schrift FGD. 8911 das SG. holz WFS. enprist GD. 8912 der lischet B.
8913 als auch BF. 8914 veioht D. 8918 der fehlt BSGD. 8920 sein
fehlt D. 8921 als das g. I). als die geschrift sett G. 8923 daz G.
298
nicht clueg sein in übrigem essen und trinken,
8925 wann es macht das flaisch oft hinken."
Man list in der altväter tat,
das Macharius der abt hat
got gedient gar lange.
nu gewan er groz getwange,
8930 darumb das er nicht west,
was lones er verdient ze lest.
do wart im aines tags gesagt,
es wären zwai weib in ainer stat,
den selben war er vor got geleich.
8935 da loff er hin gar reschleich
und fragt si paide in der minn,
was lebens si hieten under in?
do sprachen si: „wir sein ain leib
und sein zwaier prüeder weib,
8940 und haben paide also zwar
gelebt mer danne dreissig jar,
das chaine die andere hat
betrüebt mit worten oder mit tat,
und haben uns das in unser gemüet
8945 gesetzet für mit warer güet,
das wir das wellen halten vest
unz an unsern tag ze lest,
das wir wellen chriegen nimmer nicht
umb chainerlai ding, was uns beschicht"
8950 damit zaigt got Machario,
wie wol im geviel do,
das man sich hüet vor fluechen und schelten.
so lobens auch die weisen selten.
man spricht: „zwo gellen
8924 in überessen SGD. 8925 oft fehlt B. 8926 alten v. FS. leben
und tat W. 9829 er fast gross zwange G. fast grossen zwang D. getrange
S. 8931 verdient het ze B. ze] ain G. 8932 do] dar F. tag F. 8933 wei-
ber S. 8935 lief W. penteklich G. behendiglich D. 8938 do fehlt F. si
spr. F. si fehlt BS. 8939 seiner F. 8942 der F. anderen FD. die] der
G. 8943 wort F. oder] noch F. 8945 vor W. mit] uns S. für mit] in GD.
894ß halten wellen WSD. 8947 huntz GS. unser GD. 8948 nimmer mer
G. nimmer me D. 8949 geschieht WSGD. 8950 erzaigt WSG. 8952 von
fl. und von seh. F. und vor seh. G.
299
8955 wurden oft guet gesellen,
aber zwaier prüeder weib
beleiben selten ane streit."
Zu dem aindliften mal sol man
sich hüeten gar wol da von
8960 von üppigen scharfen Worten,
wann si wüesten des himels porten.
das herz ains gueten menschen ist
als ain himel, als Jeremias list,
so ist des menschen mund geleich
8965 als ain porte am himelreich.
Jeronimus, der lerer fort,
spricht: „das ist ain müessiges wort,
da chaine notdurft nicht ist an
und da man got nicht lobet von."
8970 Salomon spricht: „die honigfladen
und die süessen wort die haben
an in ain geleiches ding,
wann si machen das gemüet ring,
und süesse antwurt pringt süesse wort
8975 und pricht den zorn an allem ort,
und scharfe wort tuen nur die toren,
da mit erkücken si den zoren."
Jesus Syrach tuet uns chunt:
„süesse wort machent freunt
8980 und stillent die grossen veint."
„die harpfen und psalterie seint
gar und gar süess mit irem don,
aber über alle süessichait ain chron
das ist ain süesse frumme zung,
8955 werden D. 8957 beliben FG. 8958 zu] an F. ainliften BS. ailf-
tem GD. 8960 vor GD. 8962 in aim F. 8963 gleich dem h. GD. Jero-
nimus BF. gicht GD. 8966 lerer] lert S. fort] forcht B. 8967 spricht
fehlt F. 8968 nicht fehlt S. n. ist nit an G. 8971. 72 und süssew worfc
habent an ain ding G. und süsse wort haben ein ding D. 8972 geleiches
fehlt WBS. soleiches F. 8973 wann] und G. das D. 8974 u. süsse wort
pringen süsse antwurt GD. 8976 und] aber G. 8981 herphe BGS.
8982 gar und fehlt D. getun G. £eton D. 8983 aber fehlt F. 8984 ist
fehlt G. fr. tilgen thafte z, G.
300
8985 die do ist an mailung."
Salomon der weise sait:
„antwnrt dem toren nach seiner torhait,
das er icht wän, er sei weis
und gib im nicht ze vil speis."
8990 Der zwelft tadel vast übel stet,
das man von andern leuten redt
übel, als her Salomon list:
„welcher mensch der ist,
der ander leut tadel offen wil,
8995 der wirt die sein auch hören vil,
ee das im lieb ist sicherlich."
Aristotiles der sinnereich
spricht: „wer do hat im äugen ain träumen,
der selb der wil aim andern räumen
9000 ainen halm aus dem gesicht,
und wil im selben räumen nicht."
sand Pernhart spricht: „nachreden
oder nachreden hören eben,
welches da under den paiden
9005 wirser sei, das chan ich nicht beschaiden.
den nachred er geleichet man
der pösen vippernater gram."
Gregorius spricht: „was tuen anders die,
die da nachreden hie,
9010 dann das si in selber in die äugen
den aschen plasen taugen."
der waise man also sait:
„es ist ain grosse tumbhait
der ander leut unchunst misset,
9015 und sein selbs unchunst vergisset."
8985 an alle m. GD. 8988 das erste er fehlt F. 8992 her] man von GD.
her fehlt F. 8994 offen W. öffnen D. 8995 der GD. seinen B. 8996 ee
das] so S. das fehlt WBGD. 8997 sinnenreich WBS. 899-8 spricht fehlt
D. träm W. träum FSD. 8999 selbig wil F. räum WSD. 9000 halben F.
halmen S. 9019 selb G. 9003 hören nauch reden G. 9004 da und under S.
9005 pösser GD. des FS. 9007 vipernatern BS. vippernatren G. pösen
fehlt D. 9014 unkumen G. unkomenheit D. 9015 sein fehlt S.
unkummen G. unkommen D.
301
es spricht Jeremias :
„ich send zu euch fürpass
die wirsisten natern in mundo
den nicht schat chain incantacio."
9020 da maint er die nachreder,
die do sein als die greber,
die offen stend mit stinkendem as,
als der psalmiste sprichet das:
„ir zung, ir hals der ist
9025 als ain offens grab mit stinkendem mist."
Der dreizehent tadel ist wider got,
wer ander leute macht ze spot.
Salomon spricht: „des spotter,
des spottet got immer mer,
9030 aber dem tugentreichen
geit got genad auf ertreichen,
und dem spotter , dem ist
der spot berait ze aller frist,
so ist dem narren ain scheit berait."
9035 Catho der hoch maister sait:
„du solt nicht spotten mit Worten,
noch mit werken an chainen orten."
Socrates spricht mer dann zwier:
„spot niemands, das rat ich dir,
9040 wann es ist ane tadel niemant."
Seneca tuet uns auch bechant:
„du solt deines freundes spotten nicht,
anders die freuntschaft wirt enwicht,
wann es müet in ee von dir,
9045 wann von ainem frömden, das gelaube mir."
Salustius: „die spotter sein geschaffen,
9018 wirsten B. veinstren D. finstren G. wirist S. mundo] irondo G.
irundo. D. 9019 chain fehlt FGD. 9022 stinkundem FS. 9023 psal-
mist FGD. 9024 der fehlt S. 9025 offne grueb F. stinkundem FS.
9027 wer] wenn G. 9029 mers GD. 9030 den BGSD. tugentlichen GD.
9031 ertreich WBS ederreichen F. 9032 u. auch. d. GD. 9035 hoch
fehlt GD. m. der s. G. 9037 in GD. 9039 niemant WBSD. 9043 war
F. 9044 ye G. 9045 des W. 9046 der G. sein also g. F.
302
das si geleich sein als die äffen.
die selben spotten iederman
und iederman spot ir auch an wan.
9050 und wer mit gespöt umbgat,
der wirt ze spot an aller stat."
maniger wil gespöt machen,
das sein die leut sullen lachen,
und macht sich selber ze ainem narren.
9055 ich wais ir vil in diser pfarren,
die sich also machen wellen
zu gespöt durch der gesellen
willen, das er in gevalle.
also wirt er gar mitalle
9060 zu ainem rechten wuffun.
das sol nu sein ain grosser ruem,
und welcher vil gesmätz chan machen,
als hül mit tiltaffen
und hury mi nisty mi fan
9065 und illi minef und tilmitan
und soleich narren wort unrain,
die selben sein ietzund gemain
under etleichen milchtutten,
und welcher sich chan zue sluppen
9070 mit üppiger, snöder ribaldrei,
der selb der trait der eren chrei,
ich main nur pei andern toren.
das selb sein esel mit churzen oren,
und mainen sich doch die weisisten sein,
9047 sein] tun B. 9051 ze spot] verspot G. gespött W. gespöt D. 9054
und] er F. 9059 al B. 9060 wüfün W. pufen F. puben B. riffiaun
G. riffion D. 9061 nu fehlt F. im GD. grosser] rechter GD. ruem]
ruffen F. 9063 hül mit tyl tafen B. mit altaffen F. tili taufen S. düll daff-
len G. hüllen und närrisch lachen D. V. 9064. 65 fehlen D. 9064
hurey S. hürü nimistus mein fan F. hury mit mist myfan G. 9065 und
illumtef und tüllmutan G. und tillumitan B. tillunitan S. u. allimitan F.
9066 soleichen F. narren werk D. 9067 ietz WS. ietzund fehlt GD.
9068 milchtutten W. milichrudeu F. miichtuken S. 9069 schuppen GD.
sluphen S. 9070 snöder] pö.ser D. 9071 chrei] drei D. 9072 main aber
nuer F. nur fehlt GD. 9073 selb fehlt F. seind esels oren GD. 9074
sich] sy G. sich fehlt D. weisosten GD.
303
9075 doch hangt in an dem munt der prein.
das merkt man wol an den sachen,
das si sich selber zu narren machen,
und soltz ain andern also treiben umb,
so hueb sich erst ain numerdum;
9080 aber das si sich selber treiben
zu narren und narren beleiben,
das selb sol ietzund nu hofleich sein,
und das si als die unsinnigen schrein.
so haben etleich chnaben funden
9085 ain newe sprach pei disen stunden,
und haist mans die rotwalsch.
da treibt man ietz mit manigen valsch,
der sich nicht wol verlunzen kan.
doch sieht man manigen an tolhart gan.
9090 so vaiet etleicher über die flech,
und ob der clainer recht zue säch,
so wurd im wol ain kiepeis.
nu secht nur, wie der teufel sein weis
treibt mit manigem öden hach.
9095 ach und säch ich sei im pach
dertrenken als die jungen hunt,
die soleioh snöde unfuer fcuent!
doch haben die alten war gesait:
„wenn der abt die würfel trait,
9100 so spilen die müiiich alle geren.^
also ist es hie pei den herren,
9075 pryG. Nach 9075 hat G. und si allweg als die unsinngen schri das
sol yetzund hofflich sein. Auch inD.folgen V. 9083 u.9082 hier. 9077
zu ainem n. F. V. 9078- -9081 fehlen B. 9078 ander SGD. 9079 umer-
dum S. so wolten si zürnen darurab D. 9082 nun ietzund F. ietz S. V.
82 u. 83 fehlen hier Gl). 9084 gefunden GD. 9086 man haist F.
roten w. F. rotwalsch WBGD. 9087 da] die D. damit man ietzund treibt
manigen valsch F. ietzund B. da] das W. manigem WD. valsch] Heiz S.
9088 sich] si WG1D. verwützen B. verläntzen F. verlützeu G. verbwutzen S.
9089 an tolhart) wie iborhait F. ain torhait GD. began D. 9090 faig-et F.
flecht S. 9091 der] er GD. chainer F. 9092 kleppeis F. klippeis G. klüp-
peis D. 9093 nur fehlt FGD. 9094 mangen öden sachen und hach G.
9095 und] ich F. 9090 ertrenken F. ertrinken GD. dertrinken S. 9097
ungefuer F. 9098 noch G.
304
wann si ain recht peispil trüegen,
so möcht sich das hart gefüegen,
man müest in recht tuen hinnach.
9105 aber wenn das haubt ist swach,
so sein die andern gelider gemain
nimmer mer wol in ain.
und was die grossen herren an
tragen, das ist recht getan,
9110 und trüeg er halt ain sauhaut,
so wolt mans tragen überlaut.
da von so sei wir geschaffen
als die jungen wilden äffen.
was die sehen tuen vor in,
9115 das selbe lassens nimmer hin,
oder si wellens tuen hinnach.
so ist manigem nach wunder gach
und vert darumb über mer,
und chäin der selbe zu mir her,
9120 ich wolt im zaigen wunder hie,
das er gesach so vil nie
an weiten ermein, zotten und läppen,
da si inne gen als die trappen.
Zu dem vierzehenden mal sol man sich
9125 hüeten gar und gar aigenlich,
das man nicht leichtleichen rede,
noch unsaubre wort niemant gebe,
als sand Paulus spricht da mit:
„unsaubre wort wüesten guete sit."
9130 Omerius der gicht das:
9102 wenn die BG. si] die D. die recht ain ebenpild tr. F. 9104 in
fehlt GD. 9105 wanne F. 9107 mer fehlt FGD. in] über F.
9108 herren tragent an GD. 9109 tragen fehlt GD. ist ietz alles r. GD.
9110 seuhut D. 9112 davon so] darumb GD. sein B. seien D. 9114 tuen
sehen WBS. 9116 oder waz si tun wellent alweg h. G. 9117 ist denn
m. GD. 9119 chum B. 9121 gesech B. nie] nie BG, 1922 kappen FGD.
9123 fehlt GD. da] das WBFS. sen F. V. 9124-9167 fehlen F.
9125 und gar fehlt D. 9126 lychtigklich G. leichtiglich D. 9130
Honorius D.-O. ain maister g. G.
305
„die zung erzaigt an underlas,
wie der mensch ist gestalt,
oder was er in seinem herzen halt."
Priscianus der maister list:
9135 „wa ain pöse zunge ist,
da ist auch geren der neit",
als der weise urchunt geit.
des neidigen munt ist plaich
und suchtig und au dem gemüet waich,
9140 wann er tar niemant nicht
tuen, als Oracius spricht,
wann das er sich freut ze aller zeit,
das sein nächster in ungelück leit.
der neidig hat gall in seinem herzen beslossen,
9145 und sein zung ist mit gift undergossen.
ich wolt, das neidig leut an allen stetten
äugen und oren hetten,
das sie horten und sähen,
das den leuten gelück wolt nähen.
9150 als oft wurden si von irem neit
gemartert und geprest zu aller zeit.
Seneca: „als vil freud die säligen haben,
als vil seuften, leiden, wainen und clagen
haben die neidigen leut zu aller stund."
9155 Jeronimus der tuet uns chunt,
das der neit martert seinen aigen herren,
als ain wurm, der do wächst in dem holzkeren
und der das holz hernach frisst
darin und er geporen ist.
9160 Oracius spricht der maister clueg:
„die neidigen sein ungelückhaftig genueg,
wann von ander leut gesund
werden si siech alle stund,
und von ander leute leben
9134 gicht W. 9135 wo] wann G. 9140 tor W. getar B. 9144 ain
gallen GD. im h. D. Verstössen GD. 9145 überg. GD. 9152 säligen leut
h. WGD. 9153 seunftzen G. seufzen D. 9156 neidig GD. 9157 dem
fehlt D. 9158 und fehlt GD. 9162 von der a. D. 9163 ze aller B.
zu aller D. siech alle stund] dem tod gegeben G. 9164 — 65 fehlen G.
Zingerle, Vintler. 20
306
9165 werden si dem tod gegeben.
der neidig mensch peisst und isst
sich selber zu aller frist"
In dem fünfzehenten capitel wil ich sagen
von den, die da vinstre rede haben,
9170 sam die, die da vil reden
und verporgne wort dannoch geben,
als die valschen zuetrager tuen,
und wellen in also machen ruem.
Isiderus spricht, es pring mer frum,
9175 das ainer ste als ain stum,
wann das er red, das man
nicht wol versten chan.
Syrach: „wer umb get mit vinstern Worten,
der selbig maint, an allen orten
9180 vil witziger ze sein,
wann er doch ist, das ist wol schein. a
darumb sol der mensch besehen,
was in anbring ze jehen,
und sech auch eben, was er tue,
9185 das er zeit und stat hab darzue.
Plato gicht: „was man redt an sach,
das giltet wenig und ist swach,
und der weise halt ez, als man sait,
für aine grosse torhait."
9190 Per secbzehent tadel und der lest
der ist wol ain grosser prest,
das ist, das man nicht ordenleichen
antwurten chan nach allem geleichen,
9167 selb G. 9168 funfzehendisten W. 9170 dew die F. 9171 und
unverporgne F. wort] red W. haben S. 9172 tuend F. 9173 und] die
F. also fehlt F. 9174 mer fehlt S. pringt GD. 9176 das er] der
man GD. er] man BS. 9178 Sydrach spricht G. 9179 selb GD. selb
der BS. 9180 ze fehlt G. 9181 doch fehlt GD. 9183 angehör
F. 9185 fehlt G. und auch st. D. 9186 spricht FGD. redt] sait F.
9188 halt ez] halten S. 9189 grosse fehlt G. torhait als man sait G.
9190funfzehentWBSG.undauchd.WBS. 9192 ordenleich F. 9193 allen
WBS. geleich F.
S07
und darumb sol iederman
9195 sein Ordnung machen schon,
und sol sich bedenken gar wol,
wie man sich hie halten sol.
wann des menschen regiment,
die gent aus dem visainent
9200 und besunderleich aus den äugen,
die offen sich gar taugen.
darumb so ist gar nutz,
das man hab ain fröleich antlutz,
und das die lebsen nicht ze ser
9205 sich rüeren hin und her.
auch sol man das gesicht
nicht stät halten in ainer pflicht,
wenn man mit ainem weisen redt,
wann er vervacht es an der stet.
9210 so sol man sich auch nicht
ze vaste naigen mit dem gesicht,
und hab alzeit ain hübsche mas
und ain guete mainung an unterlas.
und wann du redest nach gemainem sit,
9215 so rüer nicht das haupt damit,
noch fües noch hende,
noch die achseln an chainem ende,
und spürzel nicht ze vil aus,
wann es macht den leuten graus,
9220 und fürb auch nicht ze vil die nas,
als vil du macht und doch mit mass,
und hab alweg erberig sitt,
und prich nicht vil dein tritt.
9196 gedenken F. gar fehlt G. 9201 offent S. 9202 so fehlt GD.
nütze WBG. nutze S. 9203 hab fehlt G. antlütze WG. 9204 löffen G.
9207 stetz G. 9208 weisen man r. D. 9209 verfecht WBS. 9210 sich
fehlt F. 9211 vastew F. vest B. dem fehlt S. 9212 hab fehlt
D. 9214 gemain WS. 9215 haubt mit GD. 9216 noch die h. GD.
9217 dich auch nit fast hin und her wende GD. 9218 und spür-
zel nicht] noch die achslen GD. 9229 nasen F. 9221 magst WSD.
machst B. doch] auch G. 9222 erber BSGD. sitten GD. 9223 pricht
F. den S.
20*
308
auch streck den hals nicht ze hoch,
9225 und spring nicht umb als ain floch,
und ob du danne lachen wil,
so sich, das du nicht lachest ze vil,
und nicht mit ze heller stimm,
und slach ze nider nicht dein tinn.
9230 du solt dein achseln nicht strecken,
noch die zende lassen plecken,
und solt deine red gar eben
ordenleichen auslegen,
und trink auch nicht ze vast,
9235 das die zunge icht behaft,
und das der wein icht smecke
aus dem mund noch ecke,
und hab ain pause mitterleich,
nicht ze lang, noch ze sittleich,
9240 und red nicht ze trag, noch ze snell,
und nicht ze nider, noch ze hell.
und wenn du redest, so mach
deine rede nicht zwivach,
und leg dein wort redleichen für,
9245 und doch nicht mit ze heller chür.
und wann man redt von grossen sachen,
so sol man die red auch heller machen
und fürpringen mit weisem sinn,
und doch nicht mit ze heller stimm.
9250 aber wann man redt von clainen sachen,
so sol man die stimm auch clainer machen *
und wann du pittest dienst oder minn,
9224 auch] und GD. 9226 du fehlt S. 9228 nicht red mit GD.
halber D. 9229 slach] halt GD. die F. 9231 zän G. lan S. 9233
aus] für GD. 9235 d. dir dein z. G. zung dir n. D. nicht FS, 9236
das fehlt G. 9237 deinem G. 9238 natürleich W. mittellich D.
9239 noch] nicht G. sitteklich G. 9240 und fehlt GD. trag F.
9241 nider] leis D. 9242 wann F. 9244 deineW G. redleich FSD.
9245 mit fehlt F. mit der hellen eh. W. nit mit halber tür GD. V.
9247-9250 fehlen S. 9247 die red auch] reden GD. 9248 und
auch G. 9249 nit mit halber st. GD. 9252 wem WB. pietest WB.
bietes S.
309
das solt du vorsehen mit diemüetiger stimm;
aber die dienst, die man
9255 will haben von ainem undertan,
die sol man vorsehen ernstleich
und doch mit masse sittleich.
und wenn du redest von lustleicher chür,
das selb pring froleichen für,
9260 und das dein wort alweg haben in,
das seu beleiben pei dem sin,
und bedenk dich auch gar eben,
das du wissest, was du wild reden.
ist es dann also gewant,
9265 das du werdest in potschaft gesant,
so tail dein potsehaft in sechs partier,
und merk gar eben die divier:
am ersten sol tu grüessen den man,
dem du die potschaft hast getan.
9270 zum andern, das du im enpfelhest drat
den, der dich dar gesant hat,
und gib im dann prief oder gab,
und darnach dein potschaft sag,
und hab darinne chain erschreckung,
9275 und lueg nicht vaste umb dich umb.
darnach soltu herfür pringen
deine red mit weisen sinnen
mit ainer schönen mainüng,
und hab doch alzeit die zung
9280 in huet mit hübscher 1er,
also das du icht sagest mer,
wann man dir enpfolhen hat.
9253 das] die BS. das solt du v.] die forsch GD. 9257 sittigklich GD
9259 d. selb das lustleich herfür F. frölich D. 9260 das fehlt GD. al
wegen in S. 9261 dehn W. 9264 es ist S. 9265 wirst BGD. wurst S
9266 party G. 9267 merk eben dir diesfcir F. eben da die fier G. eben die
vier S. 9269 wirfc G. 9270 andern mal D. 9271 dar fehlt G. 9272
dann] dein W. den GD. 9273 p. denn sag GD. 9274 darinne] dann B.
9275 vaste fehlt F. 9276 d. so soltu WB. hinfur S. 9279 und doch
allzit halt inn die z. GD. 9280 in huet] alzeit F. huet alzeit WB, mit]
in B. 9281 du fehlt S. 9282 man dir] mir S.
330
Ain exemplum list man in der Romär tat,
das die edeln Romani
9285 ir poten santen gen Taren ti,
und hiessen sei da reden
mit gesatzten Worten eben,
und das si auch nicht anders sagten.
und do si in die stat trabten,
9290 do wurden die poten mit iren scharen
alle sampt begossen mit harem,
und wurden gehandelt gar smächleich.
do ritten die poten gar tugentleich
in ir herberg in der stat.
9295 darnach giengen si in den rat
und würben ir potschaft gar eben,
und hiessen in do ain antwurt geben,
und clagten auch nicht fürpas,
was in smachait widervaren was,
9300 wann in was pei irem leben
nicht mer enpfolhen ze reden.
und do si wider gen Rom chomen,
do sagten si, als si dort hetten vernomen,
und sagten darnach von dem harem,
9305 als in dort was widervaren.
do fragtens die Romär ze stetten,
ob si es dort geclaget hetten?
do sprachen die poten: „nain,
wann es was enpfolhen unser chaim,
9310 das wir solten reden mer."
und do die Romär die uner
sahen, die iren poten da was
widervaren auf der stras,
do fueren die Romär mit gemainem rat
9283 Ain fehlt WBSGD. ain ebenpild F. 9284 RomamaniF.Romayn S.
9285 ir fehlt S. potschaft GD. karenti WSG. 9286 sew reden F. si GD.
9287 gesetzten BS. gar eben G. 9288 das si fehlt GD. 9290 roten
S. 9291 härmen W. härm S. 9292 handelt S. 9293 gar fehlt W.
9294 in] zu S. irer B. an der stat S. 9297 liessen S. 9301 e. do ze
GD. 9302 gen] gan F. ze G. 9304 härm B. 9307 bechlagt F. hetten
geclagten G. 9309 dhain B. 9311 do fehlt G.
311
9315 für Tarentin und gewunnen die stat.
damit maint der maister her,
das niemant sol reden mer,
wann mit im sei geschaffen,
so darf in niemant darumb straffen.
9320 darumb sag nicht ze wenig noch ze vil.,
darnach sag ain hübsches peispil,
und sag dannoch da pei,
was mit dir geschaffen sei.
zue dem sechsten mal sol man,
9325 die red besliessen gar schon,
und solt es slechtleich auslegen,
und lass chain red underwegen.
auch soltu begeren,
das man wol müg geweren;
9330 wann chain pet doch nicht döcht
ze pitten, das man nicht getuen möcht,
oder das da ungerecht war,
wann das selb war mit gefär.
Sag auch chain en rat
9335 ungepeten an chainer stat,
und gee auch an chainen steten
in chainen rat ungepeten.
und wann du pist in dem rat
umb weu, das sei frue oder spat,
9340 so mach in deinem rat ain sum
und tail in in fünf partierung.
an dem ersten, das man
ain hübschen anfang hebe an.
das ander, das man bedenk gar wol,
9315 Carentum WS. Taratin F. 9316 herre F. 9317 mere F. 931.8
dann BSGD. 9319 fehlt F. bedarf B. 9321 fehlt B. 9325 gar fehlt
D. 9326 sl. aus und aus 1. WBS. slechtikleichen a. F. 9327 red] recht
SGD. 9329 weren BGS. 9330 pott G. gebet D. 9331 pietten G. bieten
S. des F. ra. doch nit F. tuen D. 9332 unrecht GD. 9333 selb das w. B.
9334 sag] gib F. 9336 gang GD. 9337 in] zu BSD. ze G. 9338 pitest
S. 9339 weu] wo S. was D. 9340 so] und F. mag W. 9342 partierum
D. 9343 ausgankch B. 9344 das man fehlt WBSGD. gedenk F.
312
9345 was man reden wil oder sol.
zue dem dritten mal sich an die stat,
ob du da solt geben rat,
oder ob ain ander man
den rat vor dein sol heben an.
9350 zum vierden mal mach ain geleichnuss
mit ainer hübschen bewärnuss,
so soltu zue dem fünften mal
dein red besliessen gar wol
und ain guet gedächtnuss haben,
9355 ob man den rat müest wider sagen,
das man es dann chund offen recht;
und sunst andreu märe siecht,
die man in schimpfe oft tuet reden,
den darf man chain solch Ordnung geben.
9360 aber doch sol maus besliessen
churzleich, so wirt es an verdriessen,
als Tulius der maister sprach:
„in wenig Worten begreift man vil sach,
und was churz ist und ordenleich,
9365 das ist schön und lobleich,
und was lang ist, das ist verdrossen.
so hat das churze vil beslossen."
So bedarf der mensch am lesten das,
das er in der red hab sit und mas,
9370 und beschaiden sei mit dem gesicht.
wann der philosophus der spricht,
das man an chainer visamei
den menschen als wol erchennent sei,
als man an den äugen tuet.
9375 dar Limb sol man sich in huet
alzeit haben mit dem gesicht.
auch sol der mensch nimmer nicht
9349 dein] im G. 9359 mag WBS. 9353 besliessen] weisleich F. 9354
bedachtnuss F. gedenknus S. 9355 müs F. 9356 m denn es G. chun
F. 9357 sust WS. andre WBS. 9359 tuet oft r. W. 9359 bedarf chain
F. 9360 d. so sol G. 9361 churtzl eichen S. 9365 schön] hüpsch GD.
9366 das ist] und W. 9368 darf W. 9371 das zweite der fehlt SGD.
9373 erkennet BS. erkennen GD. 9375 sich] sein WS. sei B.
313
seine äugen ze hoch aufheben
und nicht hin und her sehen.
9380 wann es spricht der weise man:
„man sol die leut nicht ze starr an
sehen, aber doch mit mas,
und rüer seu dannoch etwas,
doch nicht ze wenig noch ze ser,
9385 und plick nicht vast hin und her,
und hab auch mas in deinem gen,
und wann du für die leut wild sten,
so tritel nicht umb als ein huen,
wann das selb neur narren tuen."
9390 Salomon spricht: „pei fünf tadel
erchennet man des narren adel,
am ersten an seiner rede dank,
zum andern mal an seinem gank,
darnach an seinem lachen unnutz,
9395 zum vierden mal an seinem antlutz,
zum fünften mal an seinem gewant."
ich glaub, man vind auch narren im lant,
die da narrenplunder tragen.
manige wil ain rock haben,
9400 der ir gee zwo eilen nach,
als ainst an ainer frawen beschach.
die trueg gar ain langen rock an.
das selbe sach ain heiliger man,
das ir plunder was so reich.
9405 des lacht der teufel gar ernstleich.
do fragt in der heilig man :
„wes lachestu, du pöser Sathan ?a
9378 ze] so B. 9381 nit stätz an WB. leut stätz an GD. nicht stätz
han S. 9382 doch fehlt G. masse WBGS. 9383 rüeren GD. siWG. sei
BS. sich D. dannocht WG. etzwas W. 9384 nicht wenig WBFGS. noch]
nicht G. 9385 nicht plick F. plitz BG. 9386 auch fehlt GD. sten GD.
9387 gen D. 9388 han F. 9390 gicht BSD. bei der füss tadel D. 9391
der GD. 9392 zue dem e. mal G. zu dem D. krank G. — V. 92. 93 sind in
G. umgestellt. 9398 da fehlt D. 9399 maniger GS. 9400 im G. gang
GD. 9401 ainost G. ainst ainer an aime sach F. geschach B. 9402 die
selb die B. 9403 selb das BSGD. 9404 so fehlt WBSGD. 9405 das
GS. gar fehlt F. 9407 du feh 1 1 WBS.
314
do sprach der teufel: „ich mues dir jehen,
ich han dort meinen gesellen gesehen
9410 reiten auf ainer frawen geren.
nu wolt die frau den rock eren
und hueb den geren auf genot,
do viel mein gesell in das chot.
des selben muest ich also schallen,
9415 das mein gesell ins chot was gevallen."
Manige frau wil haben ain chappen,
die sechs eilen hab ze läppen,
so wil die dritt ir zotten formieren
mit vehem aus , das sol nu zieren,
9420 wenn si im chot vast sweben.
so wil die vierde niemant geben
enpfor als ciain als utnb ain har.
die selb die wil denn haben gar
ir zotten gar durchhawen.
9425 so chan die fünfte prawen
ain newen funt wunderleich.
das selb das ist ietz nu hofleich,
und welche die allergrößten läppen
in dem chot lat nachslappen,
9430 und die vil plunder verwüesten chan.
so sein dann etleich frawen man
worden ietz in churzen tagen,
wann was die man an tragen,
das wellen si alles tragen nach,
9435 und dannoch das selb wol zwivach.
wil der man ain chappen tragen,
so wil si ain zwier grössre haben,
oder wil der man tragen an
ain langen rock, so wil si han
9412 auf gar g. GD. 4913 fehlt G. 9414 lachen W. 9415 fehlt .S
g. aho in das F. ist BFG. 941 6 so will denn mange GD. 9419 Ausnan G.
aussen D. 9420 wenne sew vaste i. eh. sw. F. 9422 emphor B. chl. nur
als B. 9425 prunen G. 9427 selb ist FGD. nun ietzund h. F. das iezund
nu S. nu ietzG. 9428 grossistenF. 9430 plunders G. 9431 daun] doch
S. fr. selbs m. G. fr. selb m. D. 9432 ietz fehlt GD. ietzund FS. 9433
fehlt GD. 9435 zwiflach G. 9437 si zwir ain gr. WBSGD.
315
9440 ainen, der do sei vil lenger.
wil sich dann der man enger
ziehen in. sein underjop,
so wil si ie haben selb das lop,
das si wil die clainist sein.
9445 wil er sich danne ziehen ein
mit abgenäten preisen,
so lat si sich nicht weisen,
si well zwen preise also han,
die mit nesteln sein gechnüpfet an.
9450 wil dann der man tragen ain chranz,
so wil si haben ainen schober ganz
von pluemen und von grüenem gras.
wil er dann sagen etwas
abentewerlicher spil,
9455 so chan si sein zwier als vil.
wil dann der man über lant
varn, so wil das weib zehant
auch die frömden lant sehen.
wil er dann ain wort jenen,
9460 so wil si jenen dreu.
da von wais ich nicht, an weu
die man haben vortail,
wann das si haben ain ciain teil,
das wir pruech tragen an.
9465 doch vindt man manige also getan,
die do pruech und hosen trait,
und sol dannoch sein ain mait,
aber es ist unweipleich,
wann iederman sol mit sehn geleich
9440 da vil sei 1. B, do fehlt S 9442 seiner underjuppen G. underiope
W. underioppen FS. 9443 selb fehlt BFSG. den 1. W. lobe G. 9444
klainost G. 9445 denn WG. 9447 nit abweisen GD. 9448 wil S. 9449
seien GD. knepfet G. knöpfelt D. V. 52—55 fehlen D. 9452
grüenem fehlt BGS. andern W. 9454 spüle W. spile BS. 9455 vile S.
zwirot G. 9458 fremdeuG. leutF. 9460 dru wider denmanD. V. 61 — 64
fehlen D. 9461 ich fehlt F. nicht fehl t G. 9462 das daz die m. G.
9464 wir] si W. 9465 raanigen F. also] so wol GD. 9466 hoss G. an-
trait SG. 9468 unpüllich D. 9469 solt BG.
316
9470 tragen, als das im püret, an.
als das spricht der weise man :
„wenn der pischolf den topf treibt,
und wenn der ritter püecher schreibt,
und das der münich harnasch trait,
9475 und wenn ain hübsche stolze mait
ze rosse sol ain schütze sein,
und wenn die nunnen und die pagein
wellent zue den höfen varen,
und wenn der man sol spinnen garen,
9480 und wenn ain achtzigjärig man
sol gen schuel umb lernung gan,
und wenn ain chint mit ainem geren
sol stechen ainen alten peren :
das selb ist alles widerwärtig
9485 und wirt nimmer recht artig".
der weise man also sait,
das alle widerwärtichait
sei von frawen am ersten komen,
als ir selb wol habt vernomen,
9490 an Eva in dem paradeis,
da si prach der gehorsam reis.
sand Augustin der spricht da pei,
das nicht als widerwärtig sei,
als ain übel weib swach.
9495 die ist widerwärtig in aller sach.
doch main ich nicht die artigen,
ich main neur die widerwärtigen.
darumb so sol man
mir es nicht vervahen in gram,
9470 als in das BGS. in W. purt BS. gepürt F. 9471 das] da G. 9472
pischoff BGD. topfe D. topfen G. 9473 wanne F. 9475 banne F. 9477
wanne F. nunn WBSGD. und pegein GD, 9478 wellen WBS. 9479 wanne
F. 9480 u. 81 fehlen GD. 9480 wanne F. 9481 lerungF. 9482 wanne
F. wenn fehlt D. 9483 stechen] vachenW. alten fehlt GD. 8484 selb
das B. selbig F. 9488 chumen FGD. 9489 irs G. selbs F. 9491 da] das
GD. 9492 der fehlt GD. 9493 nichtz G. 9495 die da i. G. 9496 fehlt
S. ich main nicht GD. die recht ä. G, 9497 ich] doch S, 9499 es fehlt
F. mir es nit für übel han G. mir nicht für übel han D.
317
9500 das ich die frawen straffen well.
ich tuen recht als ain guet gesell,
dem laid ist, was frawen unert;
wann frumme frawen sein so wert,
das man sei pilleich warnen sol
9505 von dem, das in nicht chumpt wol.
doch vindt man manige also getan,
die sich nicht wil straffen lan.
ob man ir ratet nutz und er,
so spricht si für sich: „ich pin ser
9510 edel von meinem gesiechte,
wie chund ich oder möchte
ich das geben immer enpfor,
das ain soleich hudel vor
solte vor mein also gan?
9515 so han ich als ain edeln man,
als der ir nimmer wirt.
nu secht neur zue, wie rain uns schirt
die arme edel in disem lant.
so wil si haben ain gewant
9520 von perlein und von spangen,
darinn so wil si prangen
neben der hohen fürstin,
und hat die weil ir chuchen inn
nicht als vil, das man
9525 geziehen mücht davon ain han,
und wil dannoch als edel sein,
und mues doch oft wasser für wein
an irem tische trinken,
und manigen dürren schinken
9508 frömde fr. F. frawen die s. GD. 9504 sew F. sy WB. billeichen B.
9505 vor G. 9506 man fehlt S. 9507 n. straffen wil F. 9512 ich fehlt
G. immer geben FGD. empfore WBSG. 9513 solcher BS. sollicher G. hulde
B. vore WG. 9514 wolt vor mir G. sold also vor mein g. F. 9515 edel
FSGD. 9516 der ir] dir G. immer WBSGD. 9517 sirfc WBD. syrfc S.
neurj newerS. nu G. neur fehlt D. 9518 der arm GD. adel G. armen B.
seinen landen S. 9520 perlen D. 9521 so fehlt GD. si fehlt F. wil
fehlt W. 9522 höchsten GD. 9523 hat fehlt W. chöchin FG. hat doch
innir küchin D. inn fehlt GD. 9524 als das man GD. 9525 davon fehlt
GD. 9527 doch fehlt B. 9529 türen schenklen G.
318
9530 mues si essen von dem kastrauu.
das ist ir wildprät und kappaun.
aber wolten si volgen mir,
so wolt ich in raten schier,
das ir lob wurd weit erchant.
9535 wenn si antruegen gewant,
das da hiet mass und fueg,
si hieten dannoch adels genueg.
wann der plunder macht nieman
edel, als ich gehört han,
9540 aber die schöne zucht, die macht
adel, tugent maniger slacht.
davon sprich ich auf meinen ait,
das chain plunder pas chlaid,
als aine wäre diemuet.
9545 die selb ist edel und guet.
si gee hinden oder vor,
so hat si doch das enphor,
das man si bechennet wo),
da man leut prüefen sol;
9550 und ob sich aine zwinget
und sich herfür dringet,
die da her hinder pas gehört,
so ist doch das der weisen wort:
„die närrin die erchent sich nicht".
9555 nu hab si dank, die es Übersicht!
zwar si ist von rainer art,
aber ene mit irer hochfart,
die wirt zue gespöt damit.
so haben etleich ainen newen sit,
9530 gastraun F. castran GD. 9531 fehlt F. wilpret BGD. cappan GD.
9532 wolt F. 9533 ir F. 9535 wanne F. si nur an G. si nun an D. 9536
das da mas hietu.F. 9538 der fehlt B. plündert der F. 9540 Beide die
fehlen WBSGD. 9541 mangtrlaiGD. 9542 darumb GD. mein WSD. aide
GD. 9543 klaide G. 9544 als] das F. 9545 adel GS. 9546 gang GD.
hindan G. voren WBS. 9547 das fehlt WGD. enphore WBSGD. 9549
da] das WS. 9551 sich fehlt G. 9552 her] hin GD. 9553 doch fehlt
GD. 9554 narren B. narre D. derkent GS. 9555 die es] das sy F. es]
irs GD. 9557 ene] ainew G. eine D. ir GD. der F. 9558 ze spot FGD.
9559 ain W.
319
9560 ob sie halt aine lat vor gau,
so lat sis doch nicht oben stau
gen der tenken hant umb nichteu nicht,
wann si deucht sich sein enwicht.
das selb seind sinn mit langem har.
9565 so habent die alten gesaget war:
„wenn die muck wil legen ain ai,
als die henn, so pricht si entzwai".
der wreise man hat auch bechant:
„wenn die arm wil tragen gewant
9570 neben der reichen, das mag sich zwar
nicht vergen lange jar-\
Berenhardus der lerer sait:
„es ist ain pöse gewonhait,
wenn die hausdieren wil
9575 über die frawen herschen ze vil".
her Salomon hat auch gejehen:
„ich han die chnechte reiten sehen
auf schönen pfärten wol getan,
und muesten die fürsten ze füessen gan
9580 auf dem ertreich als die chnecht.
das selb ist alles unrecht".
Plato der weise man spricht:
„es ist chain snöder hochfart nicht,
als die mit armuet ist umfangen.
9585 die selb die wil mit nichteu prangen,
und wil doch wider iederman
sein mit irem hohen nam,
und haben dabei nicht im pluet".
sei dunkt halt niemant darzue guet,
9560 aine fehlt S. 8561 sis] si sei B. si sie G. sichs F. ob ir st. G. ob
stan WBS. 9562 linken D. nichteWBG. 9563 daucht FG. 9567enpricht
GS. zepricht B. enzwai WG. V. 9568—9781 fehlen B. 9569 arme G.
armen SD. wellen S. wellent GD. 9570 den SG. sich] si F. 9574 wanne
F. 9575 hausfrawen F. 9576 euch G. ielien W. 9577 fehlt F. den den
knecht G. 9579 ze fuess G. 9581 selbig F. selb das W. 9582 man fehlt
F. 9585 selb die] selbe FS. wilj sol S. nichte WGD. nichten S. 9586
wider] mit S. ieden m. FS. 9588 dapei] da weil WS. 9689 sew F.
320
9590 der si mit eren dutzen müg.
ich wän auch nicht, das er sich püg
gen die fürsten mit chainem recht.
als gar edel ist sein gesiecht,
und selb unadeleichen tuet.
9595 er wänt, er well sich machen guet,
wann er von seinem vater sagt.
es war vil pesser verdagt.
wann es ist sein schände mer,
wann es im sei ain er.
9600 wann es sprichet iederman:
„pfui hin, pfui hin, du pöser sam,
wo pistu geraten hin?
du hast nindert deines vaters sin",
und hieten si indert ain edel chrei,
9605 si achten nicht der püeberei,
wann es ain püeberei neur ist.
als Socrates der weise man list,
das nimmer chain pöser sam
mug gepringen ain gueten stam,
9610 aber ain iegleich edel frucht
die pringt alzeit schöne zucht.
wann rechter adel ist so güetig,
das er sich alzeit diemüetigt
und füert alweg ain erleich leben.
9615 darumb ist der adel geben
den züchtigen und den frummen,
und nicht den toren und den tummen,
die da mainen, das ir edel
sei von hoher chünige sedel.
9590 der] das F. sew FS. dautzen W. tuitzenF. mugen G. muge S. 9691
auch] halt F. puge GS. 9592 dem G. dhainem G. 9593 gar] gross D.
9694 unadleich F. unadellich G. 9602 wa WG. 9603 das du F. hast
fehlt F. 9604 si nindert kains adel pry G. eins adels krei D. 9605 sew
achtetent F. bobry G. bibrei D. 9606 es als nwr bobry G. es als nun ein
bibery ist D. 9607 man fehlt F. 9609 pringen G. 9610 edel fehlt
WF. zucht W. 9611 f e h 1 1 S. zucht] frucht W. gnucht GD. 9 6 1 2 so f e h 1 1
GD. 9613 alweg WSGD. 9615 gegeben D. 9616 und auch d. G. 9618
adel FGD. 6519 hohen GD. chungen G. künigen D. sadel G.
321
9620 und si wellen doch da pei
treiben alle ribaldrei,
aber si wellen merken nicht,
was der weise man spricht,
das man geren halt den man
9625 nach dem und er sich halten chan.
halt er sich als ain wuffun,
so halt man in als ain zuccun.
wann rechter adel ist also gestalt,
das man in darnach halt,
9630 als er sich selb halten tuet,
nicht das man ansech sein pluet,
das da sol als edel sein.
Andronicus spricht in seiner omelein:
„es ist chain underschaide nicht
9635 zwischen dem pluet, als man wol sieht
an den leuten, den man lasset,
und do man paide pluet vasset.
so chan man zwar erchennen nicht
das edel pluet an dem gesicht,
9640 aber an den werken wol".
Socrates spricht, man sol
niemant haissen ain edelman,
er hab dann forcht, zucht und schäm.
so sein etleich also gestalt,
9645 die selben wellen mit gewalt
die leut nöten darzu,
das man in nicht spreche „du",
und wissen doch wol all geleich,
das si auch sein ertreich,
9620 si fehlt SGD. 9621 allew ribaldei S. reb.aldeiD. 9622 aber wer
sy well S. 9624 geren fehlt F. 9626 wüffin W. wüffin S. wulfin G. .
wülffin D. puben F. 9627 iüttim W. ziitun F. sutfcin S. futtin G. füttin D.
9628 als W. 9630 selbs GD. V. 9632—9637 fehlen D. 9632 als
fehlt F. 9633 der gicht S. gicht G. omely G. 9634 underschait F. unter-
schaiden S. 9636 1. die man G. 9338 wann man kan e. D. 9639 adellich
GD. 9643 dann] denn W. auch G. V. 9644— 9649 fehlen D. 8647 nit
zue spruch tue G. 9649 si] wir F. sein fehlt F. 9650 und fehlt S. und
das] wann D.
Zingerle, Vintler. 21
322
9650 und das aller adel am ersten cham
von Eva und von Adam,
da wil sich niemant an cheren.
so haben ietzund etleich herren
die allersnödisten hochfart,
9655 als si ie bechennet wart,
als umb die schilt und panier
und ander wunderleich groyr,
die da in der chirchen stecket,
und mit dem selben so wecket
9660 man neur die abgötterei
und vergisst man got da pei.
wann es sieht maniger man
die wappen also mit vleis an,
das er vergisst der heilichait da,
9665 als da gicht Jeremia:
„das volk hat vergessen mein
und hat mir gechert den rucken sein",
so schreibt uns da von alsus
der vierde pabst Gregorius
9670 in dem concilio Lugdonensi.
so list man es auch da pei
in dem capitel und in der summ,
das do sagt von der chirchen freiung:
„deinem haus zimpt die heilichait".
9675 in dem capitel besleusset er und sait,
das alle vechtleiche ding,
die do sint der sunden urspring,
9653 ietz D. 9654 a. snodist F. a. schnödestu G. schnödiste D. 9655 ie
fehlt F. 9656 die fehlt G. als mit schulten D. paner G. 9657 wunder-
lichew groyer G. gewyer F. wunderliche zier D. 9658 den GD. steckent
WSGD. V. 9659 — 9661 fehlen D. 9659 den G. weckentWSG. 9660
man fehlt G. 8661 u. man v. F. 9663 als S. 9664 der h vergisst
da F. haimlichait W. 9665 gicht] staut in G. stat in D. 9666 volk daz
h. GD. 8667 kert GD. rukch F. 9668 da von schreibt uns alsus D. so]
da G. davon] von G. 9670 Lugdonensis D. 9671 so] und F. es sei auch
d. F. da man auch da lizt G. do mans auch da list D. dapei fehlt GD. 9673
freyumD. 9675 besleusset fehlt F. er fehlt W. 9676 besleusset er das
F. weltliche W. rechtleiche S. 9677 sund Ursprung F.
323
die sullen alle sein hie vor
und nicht bechummern den gotleichen chor.
9680 wann an der stat sol man
ain vergebnus der sunde han,
und nicht raitzen da die sund,
Wilhelmus tuet uns auch chunt
in seinem puech Racional,
9685 das etleich edling sein so chal,
die sich lassen genüegen nicht
an den schönen panier Hecht,
die da in der chirchen hangen,
es müessen auch ir wappen prangen
9690 auf den kaseln und umeral,
da man got inne wandeln sol;
so sein die kelch mit wappen geziert,
da man got inne celebriert.
das verhengen die pfaffen als gerait
9695 umb aine pöse geitichait,
als das auch geschriben stat
in dem capitel und in dem rat,
das do sagt von der begrebnus
und das sich anhebt alsus:
9700 „der selbe schad et cetera".
ach wie ain pöse avaricia
ist ain soleich symonei!
sullen nu pfaffen ain soleich chrei
tragen mit den spilleuten,
9705 die da pfeifen sullen den preuten,
und sullen wappen als herolt tragen!
9678 sullen sein a. W. allen G. hie] hin W. 9679 nichtz GD. 9681 Ver-
gebung D. sunden S. 9682 da die] die da FGD. send G. sind D. 9683
bekant G. Wilh. uns auch verkindt D. 9684 buchdemR. D. 9685 edling]
edelleut F. entlich D. 9687 panern GD. 9690 gaselnF. kasulen GD. gasel
S. humeral GD. 9692 send auch d. G. 9694 als gerait] prait G. also
prait D. 9697 und raut G. 9698 das do] do daz GD. 969 9 das fehlt
GD. sich] siW. 9700 et] und S. 9701 ach] auch D. 9702 fehlt GD.
9703 nu] in G. sullen nu] sey in D. Zwischen 3 und 4 haben GD.
Und treibent also die Symony. 9704 da mit GD. 9705 da tribent und
pfiffent G. da f e h 1 1 S. sullen f e h 1 1 D. 9 7 0 6 sullen] soleich F. ain herolt GD.
21*
324
sullen si des ain ere haben,
das si haben der pfeifer ampt?
pfui hin, pfui hin der grossen schant!
9710 wissen si nicht, das das Racional
hat geordent, kasel und umeral,
das iegleichs sol haben ain chreutz,
das da sei für alle scheutz?
es möcht sich leicht also füegen,
9715 das etleich den teufel trüegen,
ob er in wurd auf genat
für ain wappen. also stat
sein si an dem lieben got,
also machen si in ze spot.
9720 So sein etleich in disen tagen,
die ir begrebnus pei den altern haben,
und haben doch gelebt in uncheusch .
und in wunderleichem geteusch.
warleich so war pesser das,
9725 das das selbe unrain as
lag pei gemainen leuten,
als Augustinus chan bedeuten.
alle, die mit grossen sunden sein
umbvangen und lassent sich dannoch ein
9730 in die chirchen also begraben,
und so vil turstichait an in haben,
darumb so vertailt si das gericht,
wann chain heilig stat löst si nicht,
sunder ir frävel bechlagt sei
9735 vor got und seiner jerarchei,
9707 ain grosse er. GD. 9709 pfiff pfiff G. 9710 si fehlt F. 9711
geornet WS. gasel S. kasul SD. und fehlt S. humeral G. 9712 das] und
S. yedleichs F. 9718 lebendigen g. GD. 9'719sy in machen ain söllichen
spott G. si machen in ein sollichen sp. D. 9720 s. sein auch etleich F.
9721 grebnus vor dem altar wend h. GD. 9722 chäuschF. 9723 wunder-
lich S. 9724 werleich WSD. 9727 a, sant Augustin GD chan fehlt G.
9728 a, die do mit D. 9731 und fehlt F. durstichait FS. durstigkait S.
9732 so fehlt F. 9733 löst] lat F. erlöset GD. 9734 sein F. 9735 und]
in SGD.
325
als man des ain urchunt hat
in Ysaie, als geschriben stat
von dem probst Sobna.
der lies im ain grab machen da
9740 in dem tempel, der da was.
do sprach zue im Ysaias :
„got der wirt dich austragen
lassen gar in churzen tagen
in Babilon als ain han gerait,
9745 den man mit paiden füessen trait."
„nu merket", spricht der maister da,
„seit das der obrist probst Sobna
sich aus dem tempel muest heben
neur von seiner hochfart wegen,
9750 und was doch in dem tempel nicht
anders, als die schrift gicht,
wann Moyses arche und sein pot
und ain wenig himelprot,
das doch neur ain figur was
9755 des leichnams Christi, michel pas
wirt got die ausjagen,
die sich also lassen begraben
pei dem altar, da man
den waren leichnam wandeln chan.
9760 sanctus Augustinus sait:
„alle zier und schönhait,
die man mit den toten tuet,
das ist der sele lutzel guet,
und ist mer der lebendigen lust da pei,
9765 wann es der toten hilfe sei".
als man das list von Lazarus,
der des guetes armer was alsus
9737 als da GD. 9738 baubst G. 9742 aus] auch F. 9743 fehlt G.
9744 berait GD. 9745 mit] bei D. austraitFS. 9747 obrist fehlt GSD.
baubst G. 9751 änderst F. als] auch G. geschrift SGD. 9752 auch] doch
S. gepot GD. 9755 fronlichnams Christi GD. 9757 vergraben GD. 9758
alter WS. 9760 saud FGD. Augustin GD. uns s. F. 9762 den fehlt F.
9764 i. auch m. G. lembtigen S. 9765 wenn daz es GD. 9767 das der
was arm alsus GD. arm S. alsus fehlt WFS.
326
und starb also in armuet.
do wolt im niemant tuen chain guet
9770 an seiner bevilde chlain noch gross.
do hueb in got in Abrahams schoss.
aber der reich het sich besacht,
wann er het ain grab gemacht
hoch auf gen der sunn,
9775 und het sein epitafium
gemacht aus veinem golde,
noch, do er starb, als got wolde,
do fuer er in der helle grünt,
und darumb ist uns allen chunt,
9780 das toteu hochfart ist ain spot,
wann si ist alzeit wider got.
Seit dann die hochfart also ist
wider den güetigen Jesu Christ,
und auch also geschriben stat,
9785 das got chain guettat
lat ungelonet nicht,
so lat sein gotleich gericht
chain poshait ungepeinet,
als das selb wol scheinet
9790 an der gruntlosen helle prait,
die da sein gerechtichait
hat gemacht den sundigen seien,
darinne sei die teufel quelen
ze aller zeit an underlas,
9795 als da gicht Ysaias :
„die hochfertigen werdent geladet
9768 arm' mutW. 9770 bevild weder gross noch klain GD. noch] und F.
9771 In Abrahams schoss er da erschain GD. 9772 der reich] da G. erD.
9774 hoch] noch G. sunnen W. 9 775 epifracum GD. 9776 seinem SD.
9777 er] der F. 9778 hellen W. 9780 tote WS. totten G. 9781 sy
alzeit istG. 9784 also fehlt G. 9786 1ausset G. lasset D. 9787 1. auch
s. GD. 9788 ungepeiniget nicht F. ungepeinigt SGD. 9789 schein istS.
9790 in G. 9791 die] wie G. 9792sellenW. gesellen GD. 9793 quellen
WBG. 9794 zeit und auch on u. GD. 9795 das WS. spricht F. 9796
hoffartigen die WS. geladen GD. geladent S.
327
■
in ain päd und werdent gepadet
in der gruntlosen helle,
wann si sein ain grünt und stelle,
9800 der stinkenden helle grünt".
Jeremias tuet uns chunt
und spricht: „es chumet noch der tag,
das der sunder wol sprechen mag :
„verfluecht sei die zeit hie voren,
9805 darinn ich ie wart geporen".
Chrisostomus der lerer gicht:
„da hilft den reichen der reichtum nicht,
noch die wolgefreunten ir freunt,
wann si sein in der peunt
9810 gevangen, da engel noch hailigen nicht
turren pitten das gotleich gericht.
wann got hat selb also gejehen,
das chain parmung sol da geschehen*.
Gregorius spricht: „nu merk eben,
9815 der tot der lebt da alwegen,
und das ist der ander tot,
als auch spricht der zwelfpot".
so spricht Jeremias das:
„die verdampten dienen an underlas
9820 mit dem zins der pein,
und mugen doch nicht vergeltent sein."
da ist die hitz an ende
und ain griesgram der zende,
und vinsternus und rauch,
9825 und jämerikleich zäher auch,
und angesicht der teuflischen gestalt,
9797padet F. paden GD. gepadent S. 9799 und ain st. G. 9800 stin-
kende G. 9801 I. der t. G. uns auch eh. F. 9802 komet WS. 9803 sun
F. 9805 ie fehlt F. 9807 der] sein D. 9808 die] derB. den GD. noch
die freuntschaft irer freunt W. 9810 geswigen do heiligen noch engel S.
9811 gepitten F. 9812 selb fehlt S. got selb h. G. also fehlt FGD.
iehen S. 9813 da sol g. G. da fehlt S. 9814 merkt S. 9815 da fehlt
WGSD. 9816 fehlt B. 9817 auch] da GD. 9819 verdienen G. 9821
mugent BG. vergeltund F. vergolten GD. 9822 das ist F. die] ain S. 9823
u. auch a. G. grisgramen FGD. 9824 und] aun G. onD. 9825 iämerlich
G. 9826 der fehlt D. stalt F.
328
geschrai, hass, schelten manigvalt,
durst und hellischer gestank,
und ain churze weil tausent jar lank.
9830 da peist der wurm der conscienzen
da ist we summer, . herbst, winder und lenzen,
da ist schäm, smerz und drowung
und ain mangel der gotleichen beschowung,
und ain hinnemen aller zueversicht,
9835 nimmer mer ze sehen das gotleich Hecht.
und was all creatur begerent sein,
das ist in alles sampt ain pein
und ain vil grosse not,
wann si suechen alzeit den tot,
9840 und mugen sein doch vinden nicht.
sanctus Dyonisius spricht:
„da ist ain veintleich fantasung
und ain unfinnige begirung
und ain tobleiche zorenhait."
9845 Isaias der prophet sait:
„des sunders antlutz wirt also gestalt,
das die sele geren wolt,
das er ain soleichen leichnam solt haben,
als do in die würmer hetten durchnagen."
9850 da fluecht der vater dem chint
und die mueter der tochter an underwint.
so fluecht der man seinem weib gram,
und das weib fluecht dem man,
so seu also grosse not haben.
9855 und als der leib hie wirt begraben
9827 hassen F. weschrai hass und nid und seh. G. 9829 churtzweil FGD.
9830 das concientz G. conscientem W. conciencien B. concienten S. 9831
da] das F. we] weder FS. winder fehlt G. und] noch F. glentz D. 9832
dröwung B. droung FS. traeung GD. 9833 m. göttlicher GD. schauung G.
9835 nimmer gesehen F. ze fehlt GD. 9836 aller F. begerund F. 9837
in fehlt GD. allen F. 9841 sand F. D. der spr.'F. 9842 da] das FGD.
fantasmung GD. 9843 unfindigung B. unfindige WS. unsinnige F. vindige
D. sundigew G. 9844 und todleiche F. 9846 der sunder F. antlutz fehlt
D. so WB. 9847 sele] selbe B. selben G. — der selbe D. 9848 er] der
G. 9849 umbnagen S. 9851 und fehlt WSGD. 9855 als] das S. wirt
hie W.
329
in die erde, man und weib,
also wirt dort sei und leib
begraben in der helle grünt,
da selb man nimmer dannen chumpt.
9860 Christus, der sich durch unser- not
gab in den pittern tot,
der lacht der verdampten chint,
als man das geschriben vindt
in her Salomons proverbio.
9865 da selben spricht er also:
„in euren verloren sachen
wird ich eur spotten und lachen".
es spricht sanctus Gregorius
von dem hellischen feur alsus:
9870 „es prennet neur und leuchtet nicht",
es sei dann, als Augustinus spricht,
das si davon werden gepeint,
als wann in in der vinster scheint,
das si da sehen ain betrüebung,
9875 nicht, das es in leucht darumb,
das si davon erfrewet werden.
wann si sehen oft in grossen eren
die lieben heiligen in dem thron,
und haben doch nicht wan pein davon.
9880 das selb ist von des neides wegen.
Gregorius spricht: „nu merk gar eben,
die verdampten haben die ewig not,
wann si haben den tot an tot
und haben nindert zuelent,
9885 ir tag gewinnen nimmer end,
die sie in der helle sein müssen,
und das si als vil zäher güssen,
9857 und auch G. 9859 selben WBSGD. 9864 Salomonis F. 9865 da-
selbs BGD. sprach also G. 9866 ewern G. 9867 ewer BG. 9870 prinnet GD.
neur fehlt WBGS. lichtet G. 9871 gicht F. 9872 sew werdent davon F.
gepeiniget GD. 9873 erscheint B. 9874 das] da BGSD. betaubung GD.
9876 erfreut sullen WBSG. 9881 nu merk fehlt F. gar fehlt B. 9883
an not S. 9884 zu lende F. 9885 fehlt G. ende F. 9887 fehlt S. si
fehlt G. Vergüssen GD.
330
als wassers ist in meres grünt,
es hulf sei nicht um die chlainste sund,
9890 das si davon würden erlost;
also gar sein si verost.
aber wann der mensch weinet hie
umb sein sund und chlaget die,
das hat vor got mer chraft,
9895 wann alles wainen teufelischer gesellschaft".
ei, werder mensch, nu volge mir,
und betracht gar eben in deiner gir,
das du muest leben ewikleich
ze helle oder ze himmelreich,
9900 und betracht auch ze aller frist
die pein, die da ze helle ist,
und nim das eben in deinen muet.
darnach betracht, wie gar guet
ist die gotleich contemplierung
9905 und die lobleiche zierung.
also betracht himmel und helle
und nim die wal, was dir gevelle.
Augustinus lert uns eben:
„o snödes mensch, nach dem leben
9910 soltu alzeit werben,
da leben ist ane sterben,
und da jugent ane alter ist,
und da des Hechtes nimmer geprist,
und da freude ist ane traurichait,
9915 und fride ist ane misshellichait,
und da reichtumb ist ane Wandlung".
sand Bernhart gicht in seiner summ:
9888 wasser WB. im G. 9889 hilff sew F. chlainisten F. ain klaine stund
GD. 9890 erlöst F. 9891 als F. si] ir G. yerröst F. 9893 chlagtgot hie
die F. 9895 teuflicher W. 9896 eya lieber m. rolg G. 9897 begir F.
9898 müssest F. 9999 oder in dem G. 9900 aller stund und fr. G. 9904
götleiche B. complexierung D. 9905 loblich WG. zirrung W. 9906 und
also S. 9907 nim dir die F. was] die GD. 9908 A. der 1. F. uns auch e.
GD. V. 9909. 9910 fehlen GD. 9910 Ja solt a. W. 9913 da fehlt
GD. enprist G. emprist D. 9914 da die fr. GD. 9915 fehlt S. unde F.
fride] frewd G. froed D. misshellung G. ist fehlt BGD. 9916 da fehlt
S. reichtung W. 9917 sieht G. spricht F.
331
„der Ion der heiligen ist als gross,
das man in nicht mag messen ploss.
9920 so ist er auch als manigvalt,
das er nicht mag werden gezalt."
sand Augustin gicht also,
das das got gelobt wirt do,
das selb das mag auf diser erden
9925 mit chainem gelauben begriffen werden,
und mit chainer zueversicht
gerüeret werden, als er gicht,
und auch mit chainer minne
umbvangen werden noch mit sinne,
9930 wann es Übertrift alle begirde
und alle andacht und zirde,
und wirt doch wol gewunnen,
und doch nicht betracht ze chainen stunden.
sanctus Augustinus gicht:
9935 „da gepristet chaines guetes nicht,
und da nimpt chain Ion nicht abe,
und da gepristet chainer gäbe,
noch chaines dinges, das man minnet,
und da selben hin da pringet
9940 man chain ding, das da nicht sei".
Augustinus gicht da pei:
„es ist so vil freude da,
das alle arismetrica
sei nicht erzellen chunde,
9945 noch alle geometria funde,
die mugen sei gemessen nicht".
Augustinus aber gicht:
„gramatica und loyca
9918 als] also F. so GD. 9920 als] so GD. 9921 gezalt] ze alt GD. 9923
wirt gelobt WG. 9924 selb mag FSGD. m. auch a. S. 9925 chlainem F.
9930 aller F. begir F. 9931 ziere F. gezirde D. 9933 nicht fehlt S.
ze] mit S. kainer stunde G. 9934 sant S. 9935 chain S. guetes] getichtes
F. 9936 nicht fehlt GD. ab B. 9937 da feh 1 1 G. 9939 und] wann G.
dasselben hin dan p. S, 9941 g. auch d. GD. 9944 entzelen F. künden
G. kinden D. 9945 geometrica F. finden GD. 9946 sei] sein FG. gewissen
F. 9947 aber] auch raer G. aber mer D.
332
und alle die rhetorica,
9950 die mochten nicht das minnist sagen,
was freuden die lieben heiligen haben a.
Es stet geschoben von dem prehen:
„es mag chain äuge nicht gesehen,
noch chain or nicht gehören,
9955 was got in seinen chören
hat den perait, die in da minnent.
die heiligen frewent sich und prinnent
von dem gotleichen angesicht,
daramb so sein si stätz mit pflicht.
9960 auch frewen si sich an underwint
von den dingen, die under in sint.
das selb ist von der schönhait
des himels und ander chlarhait.
auch frewen sich die himelischen degen
9965 und von der glorificierung wegen,
die si nach dem leib und sele haben a.
Berenhardus spricht: „ich wil dir sagen,
got der ist da ain Spiegel
des gesichtes an allen triegel,
9970 und ist ain härpfe der gehörung
und ain hönig der versuechung,
und ist ain baisam der smeckung,
und ain pluem der berüerung.
da wirt got gesehen ein
9975 als ain sumerleicher schein,
und als des lenzes lustichait
und als ain herbstleiche fruchtpärchait
und als ain winterleiche ruea.
9949 die fehlt GD. 9950 möchten BG. machten F. niinest W. minst G.
9951 was] ie G. freud GS. die die G. V. 9952 — 9966 fehlen S. 9952
prechen FGD. 9953 nit sechen G. 9954 ore B. hören D. 9955 das G.
9956 den fehlt F. 9957 heiligen fehlt F.frawen W. 9959 darinn send
D. 9965 und fehlt G. 9966 si] sich W. und nach der s. GD. 9969
allem F. alles D. 9970 herphe BS. hörung GD. 9971 honigBS. hinickG.
9973 werwrung BS. eckung GD. 9975 sunnenliechter W. 9976glenzes
GD. 9977heribstleicheF. fruchtpärichait BFS. 9978 als f e h 1 1 F. winter-
licher sehne GD.
333
sand Augustin spricht: „schau zue,
9980 es scheint da ain soleich liecht,
das chain stat begreifet nicht,
und da dönet nacht und tag,
das die zeit nicht begreifen mag.
da smeckt das süesse sengen,
9985 das der wint nicht mag zersprengen,
da smeckt der smac geheuer,
den nicht verzeren mag das feuer."
es spricht der meister behende:
„da wirt got gesehen an ende
9990 und wirt an urdrutz geminnet,
und ir gemüet das prinnet
in got und got mit in.
da ist schöne, sterke unde sinn,
da wirt der gotleich nam
9995 gelobt an alle genuegsam,
da wirt gesehen die weishait
Salomonis für ain torhait,
und da wirt die snellichait
Azahels gesehen für ain traghait,
10,000 und da war her Sampson
geschätzt ain kranker man,
und da war Matusalems leben
ain behender tot gegeben,
und da war das grosse guet
10,005 des chaisers Augusti ain armuet.a
Augustinus gichi: „da ist ain sit,
9979 sand fehlt SGD. Augustinus GD. sagt D. gicht S. schau zue] du solt
zue schaweGD. 9980 seh. allweg daGD. soleich fehltD. 9981 stat] ge-
stalt GD. 9982 dönet] donet BS. dannocht F. dienet GD. 9983 die] chain
S. 9984 da] das F. seigen G. der süsse segen D. 9985 kau G. versprengen
GD. mug ze spr. B. 9986 gar geheuer S. gar hewr GD. 9987 verzern
nicht m. S. 9990 verdries B. 9992 mit] in W. 9993 da] das WFG.
9995 mit aller F. 9998. 9999 fehlen F. snellhait BS. 9999 Azahel
WBS. Asahel G. trauckait G. 10,000 wirt GD. 10,001 g. für ein
chranken SGD. 10,002 Matusales G. Matusahelis F. 10,003 lebendiger
t. GD. gewesen F. 10,005 chaiser Wß. ein grosse a. D. 10,006 spricht
FGD.
334
da schadet noch gepristet nit,
und darzue fleusset nit,
und da von fleusset alle zeit,
10,010 und da ist nicht auswende,
des man beger an chainem ende,
und da ist inwendig verslossen,
des man nicht mag werden verdrossen a.
Augustinus: „bedenk die glorie ze aller zeit,
10,015 da die obrist sicherhait an leit,
und die sicherist ruewichait,
und die geruewtiste lustichait,
und die lustleichiste sälichait,
die ewig ist an alles lait,
10,020 und ain sälige angesicht an wende.
da fleusset zue aller reichtumb an ende".
Gregorius spricht von der wunn:
„da ist ain infliessung
alles wollustes umb und umb,
10,025 und zuefliessung alles guetes".
dannoch sein ir vil des muetes,
die da nicht wellent betrachten
die obristen sälichait noch achten,
und betrachten auch nicht die pein,
10,030 als das an etleichen wol ist schein,
die sich nicht daran wellen cheren
an das guet verhaissen des herren,
noch an sein droen, das er tuet.
sicher die selben sehen noch pös und guet
10,007 noch] nicht da BS. nicht und F. nicht da G. da nit F. gepricht
WGD. 10,008 fehlt G darzue] do D. 10,009 und fehlt F. da fehlt
G. Nach9 hatG. Müssigkait aun peitt. 10,010 ausbende F. 10,011 das
D. an allen e. G. 10,013 das SG. 10,014 A. spricht G. der gl. G. glorieren
F. 10,016 fehlt G. burchait S. sichrist rue bechant B. 10,017 gerubtiste
WBSD.geruobtesteG.grössistF. 10,018 lustleiche S. lustige G. lustiste D.
10,019 und die GD. lait] ende WBS an ende GD. 10,021 an ende fehlt
WBGSD. an ende] ande F. 10,022 wurde F. sp. auchv.D. 10,023 flies-
sung GD. 10,024 urabendumb G. u. umbe F. 1 0.026 fehl t S. 10,027
wellen WBS. 10,028 obroster G. 10,029 der G. 10,030 das] daG. ert-
lichen ist wol W. 10,033 trewen S. trawen G. 10,034 noch] weder GD.
und] noch GD.
335
10,035 an dem jungstleichen gericht.
als sand Augustinus spricht:
„das jungst gericht wirt also swer
den sundem, oben ist ain strenger richter,
und unden ain offne helle,
10,040 da hörent si ain teüfelisch gepeile,
und inwendig ain peissende consciencie
und ain zitterung aller dencie,
und auswendig das prinnent lant,
und danne zue der rechten hant,
10,045 da rüget aigne sunde,
und zue der tenken die teufellischen hunde,
die da sein ain erschreckung
den sundern. so treiben dann umb und umb
die gueten engel die verdampten chint
10,050 in die helle an underwint".
Jeronimus der lerer spricht:
„o mensch bedenk das jungst gericht,
so magst du hart sunde tuen,
wann du fürchtest alzeit Jhesum".
10,055 ich mag es nicht halbs gesagen,
was pein die sunder haben,
oder was freude ze hirael ist.
wann es mag menschen list
nimmer mer begreifen.
10,060 da von lass ich es sleifen
auch aus meiner sinne röre,
wann es ist pesser, das ich höre,
10,035 iungsten GD. 10,036 Augustin BG. 10,037 iungist F. 10,038
ob in GD. 10,039 unden ain] under in GD. offnew G. 10,040 höret
BFGSD. si fehlt BS. er F. man GD. geschelle W. 10,04; ain fehlt GD.
pfeiffende W. conciencia B. gewissene D. 10,042 zittrungW. zittirungF.
aller] der GD. zene D. 19,043 fehlt F. 10,044 und darzü die S. ge-
rechten GD. 10,045 rügenet aignew G. 10,046 tengen hand die G. lincken
hand die D. 10,047 derschreckung BS. 10,048 sunden D. 10,052 ge-
denk GD. jungist FS. 10,053 machstu FG. sunden FGS. getunF. 10,054
w. du alzeit förchtest J. F. wann die die frucht aller zeit Jhesum G. und
gedenk allzeit an die frucht Jhesum D. 10,059 mer fehlt S. 10,060 d.
so 1. SD. 10,061 sinnen WBD. ror W.
336
wann das ich sagen solt ze vil,
wann ze vil wüestet alle spil.
10,065 Ach starker got, Marien chint,
du sihest wol, das ich laider plint
pin in meines getichtes chür,
iedoch so prächt ich geren für
deine wunder manigvalt.
10,070 so pin ich laider also gestalt,
das ich nicht waiss end noch drum,
doch waiss ich, das ich Jhesum,
den süessen namen, anruefen sol.
der selbe chan helfen wol
10,075 zu allen gueten dingen,
wann ich möchtz nicht volpringen,
war der selbe Christus nicht.
wann er hilfet, als er spricht
durch Johannem den ewangelisten :
10,080 „ich wil euch alzeit leren und fristen
und wil eu geben sterk und sinn".
des chüm, lieber Jhesus, chüm
und geus in mich dein weishait,
da mit das puechlein werd berait,
10,085 und das man sich pesser da von,
und das ich auch verdien den Ion,
da chain freud nicht ende hat,
und da dein hohe trinitat
erfreut die heiligen und engel chlar
10,090 mit wunnikleicher freude gar.
ei, mein lieber Hans Vintlär,
10,063 solt sagen BF. V. 10,065 bis zum Ende fehlen B. 10,065
Mareien F. Marie GD. 10,071 waz e. Gr. wais was e. S. 10,072 ich wol
dz D. das fehlt G. 10,075 selb der k. WGD. kan iederman h. GD.
10,076 mocht S. 10,077 selbe fehlt F. selb Jhesus C. D. lieb Jhesus
C. G. 10,079 den fehlt GD. 10,080 ew WSG. 10,081 euch FGD.
sterke geben u. F. 10,082 Jesus in F. 10,084 d. m. daz das puech GD.
10,085 besreG. pessere D. 10,086 verdien auch F. verdienen d. G. 10,087
da chain] den die G. nicht] kain GD. do die D. 10,089 und die e. GD.
10,090 fraude chlarhait g F. 10,091 Eya G. sy S. mein fehlt D. Hans]
Chunrat F. Vinclär W. Vindler GD.
337
du wilt ze lange machen das mär,
du solt es enden mit chluegen sinnen,
wann mass füegt zu allen dingen.
10,095 das tat ich geren sicherleich,
ob ich war so sinnereich,
das ich chunt in allen sachen
ain hübsches raines ende machen.
wann alle ding die sein unfruet,
10,100 wenn das ende nicht ist guet,
doch wil ich tuen das beste und ich chan;
aber ich han ain soleichen nam,
das man mich haisset den Vintlär,
des pin ich hübscher fünde lär,
10,105 das ich nicht wol vinden chan
hübsche fünde, mit den man
die weile müg vertreiben.
ich mues es lan peleiben
von des schuld, das ich pin lär
10,110 der hübschen fünde, die mir ze swär
sein ze tichten und aus ze legen.
hie mit wil ich dem püechlein geben
ain hübsches raines ende.
herre got, nu wende
10,115 den alles laid, die es da lesen,
und das si chomen zu deiner zesen
an dem jungstleichen tag,
dem da niemant entrinnen mag.
ei, werde diet, ob ich nu han
10,120 dem püechlein nicht sein recht getan,
das ist des schuld, das mein mund
10,092 das] die GD. 10,094 mausz D. m. die f. G. 10,096 ob] wann
F. sinnente'reich W. 10,099 die fehlt FGD. 10,100 wann SD. ist nicht
F. 10,101 doch] dannocht D. und fehlt WFS. 10,102 solchen S. sollich
G. 10,103 den fehlt F. Vinclär W. Vindler GD. 10,104 fünde] freude
W. 10,105 nicht fehlt GD. 10,106 dem FSG. der W 10,108 es fehlt
F. lassen D. 10.109 von] und F. schuld] willen GD. 10,111 seind F. aus
legen F. 1 0,1 1 5 da fehlt F. 10,1 1 7 jungistleichem F. jungisten S. jüng-
sten GD. 10,119 eya G. werder dyt S. 10,120 sein] so GD. 10,121
des fehlt F.
Zingerle, Vintler. %2
338
nicht pessers chunt ze diser stund.
da von so wil ich pitten eu,
das ir es pessert an alle deu,
10,125 das ir wänet, das guet sei,
wann mir ist die chunst nicht pei,
die man haisset gramatica.
so chan ich nicht rethorica,
die hübsche rede pricht enzwai,
10,130 wann ich pin ain eitel lai,
der teutsch ain chlain lesen chan.
danimb sol manz für guet han,
wann ich hau es getan in guet,
Und das es pringe hohen muet,
10,135 und das vermiten werde
die mueter auf der erde,
die man do haisst verdrossenhait,
wann das püechlein das sait
gar churzleichen guete lere.
10,140 Ei, starker got und herre,
ob ich icht hab gesait
wider deine hohe hailichait,
so zaig dein alte diemuet
und nim es auch von mir für guet,
10,145 wann ich pin laider nicht ain man,
der dich nach wirde loben chan.
wann vor dir mein getichte
ist als der fledermaus gesichte
10,122 pesserWS. chan F. 10,123 euch G. ich euch pitten D. 10,124
dz ir dz pesseren an allem dem D. allem G. alleu S. 10,128 han F. auch
nit G. 10,129 red die p. e. F. enpricht S. 10,132 verguefc FS. 10,134
pringtS. 10,135 und 10,136 umges teilt G. D. liest: 10,135. 10,136.
10,137-
und demuot auff der erde
und das vermitten werde
das man heysset die yerdrossenheyt.
10,137 die] das G. do fehlt F. h. die v. FG. 10,138 puchel F. 10,139
churzleich FD. gar g. G. vil gueter 1er D. 10,140 Eya G. her' D 10,143
alte] heilige F, 10.144 verguet FS. 10,146 nach feilt G. dich wirdig
1. D. wirden F. 10,147 geticht F. 10,148 gesicht F.
339
gen der Hechten sunnen dar.
10,150 hiet ich halt weishait als der ar,
der auf deiner pruste slief,
dann och war es mir ze tief
gen deiner hohen wirdichait.
ei, Maria, mueter, raine mait,
10.155 hilf mir gen deinem lieben sun,
ob ich icht gesuechet ruem
hab in disem getichte,
das er mir das verslichte
mit seiner parmherzichait
10,160 gen seiner hohen gerechtichait.
des hilf mir, herre Jhesu Crist!
hie mit das puech gemachet ist
in dem namen der heiligen drivalt.
do man tausent jar zalt
10,165 von gotes gepurde sicher zwar
und vierhundert und aindlif jar,
zehen tag in dem Junius,
quarta die Idus,
in dem zaichen Aquario,
10,170 do ward das puech volpracht also.
des lob wir got und seinen namen
und sprechen alle amen.
10,149 dir liechte G. sunn F. 10,150 adler G. adlar D. 10,151 pruste
W. deinen pristen D. 10,153 hocher G. 10,154 Eya GD. rainew G.
10.156 sueche G. 10,157 disem] deinem G. 10,158 mir] nim F. mir v.
GD. 10,159 s. hailiger p. G. s. heyligen p. D. 10,160 fehlt S. hohen
fehlt F. 10,161 das F. herrWSG. her'D. 10,164 do] das G. 10,165
gepurt D. 10,166 das erste und fehlt F. ailfften G. und im ailften
j.D. 10,168 quarto D. 10,170 püchlin GD. volpracht] getichtetW. voll-
endet GD. aldo FS. do GD. 10,171 loben FGD. 10,172 und] nun F. spre-
chend G. sprechent D. sp. wir allen F. amen amen amen S.
22*
Anmerkungen.
1 — 8.* Ho fatto come colui, ch' e in uno grandissimo prato
di fiori, che elegge e coglie tutta la cima de' fiori per fare una
bella ghirlanda; pero voglio che questo mio piccolo lavoretto abbia
nome Fiore di virtudi e di costumi.
9—186 fehlen im ital. Werke.
19. Proverbia 8, iL
60. Jeremias 1, 6
69. Exodus 4, 10.
84. Vergl. 9079. Wolkenstein LXX, 2, 11: sich numerdum
und numine. Mhd. Wß. II, 423 ». Lexer II, 119.
113. vor mein 119. 9514. vor sein 813. 2918.4462.4658.
4996. 5561. vor dein 9349.
171. in Valerio Maximum. Vintler erlaubt sich eine Menge
solcher Verstösse: die philosophus 149. Armoniam 906. 910. 912.
915. 920. ain weip Scipio Africanus 942. in dem puech Machabeo
1689. chaiser Anastasia 4035, in dem lant Ceciliam 6057 u. m. S.
Beiträge zur altern tirol. Literatur II, 21. Haupt's Zeitschrift
IX, 116.
187. e se alcuno difetto ci fosse, che sono certo che egli ne
ha, la discrezione di coloro che leggeranno si l'emendi; che infino
a ora io mi tengo alla loro correzione, e lasso lo mio fallo.
195—209. fehlen im ital. Werke.
209. Vergl. zwar alle ding verkert sich knaus. Wolkenstein
VI, 145.
215. lo primo movimento di ciascuno amore.
235. e questa conoscenza si e il primiero assalto d'amore, e
la maggior parte discende dagli occhi, secondo lo Filosofo, che im-
primamente la volonta delle persone si muove per questa conos-
cenza; poi si muta nella memoria e converte se in piacere e im-
magimento.
* Anm Ich citire das Original nach Gelli*s Ausgabe. Florenz 1855.
341
251. E'l detto frate Tommaso prova, che nessuna virtü d'amore
puote essere senza amore, e tutte si form an o ed hanno comin-
ciamento per lei.
262. Calandra 0. In deutschen Quellen wird dies vom Vogel
Karadrius, Kaladrius (WB. I, 788. Lexer I, 1516) erzählt. Ka-
rajan. Sprachdenkmale 104,8. Fundgruben I, 36. Massmann,
deutsche Gedichte des 12. Jahrh. I, 324. Haupt's Zeitschrift VII,
147. Freidank 143,7 ff. u. Einleitung LXXXVI. MSH. II, 378.
Renner 19,521. Megenberg 173, 23. Wolfs Zeitschrift I, 319.
323. E di queste due virtü si crea nello animo una dispo-
sizione, per la quäle si dee entrare nello amore d' Iddio per la
virtü dello spirito santo.
336. Ecclesiastes 2, 4 ff.
363. Santo Paolo dice: Lo senno di questo mondo si e mat-
tezza appresso d' Iddio: sieche chi piü sa, men sa. I. Cor. 3, 19.
408. Sirach 40, 11.
433. Lo terzo amore, il quäle si dice amistade, ovvero com-
pagnia, si e di volere ogni cosa lecita e onesta insieme, e fondasi
e fermasi in su uno congiungimento di vita, che diletta alle persone
di volere stare insieme.
464. che gli amici si s' acquistano e mantengonsi per tre cose,
onorandogli in pre senza, laudandogli in assenzia, e serven-
dogli a' bisogni.
471. AI fedele amico nessuna cosa si puo apparecchiare.
478. Quanto 1' albero e maggiore, cotanto gli fa mestiero di
maggiore sostentamento
528. La dilettazione di questo amore si e tutta nel corpo-
rate diletto.
540. La corporale discende e viene per cinque principali
sensi del corpo.
544. La intellettuale viene da immaginare dello intelletto.
566. Vergl. 7639.
582 e di questo cotale amore di coneupiscenza si pu6 dire
che tratte la regola dell' amore, la quäle dice, che 1' amore niente
si puote negare alla mente, e degli diletti della mente non si puote
saziare e sempre e timoroso in palese.
600. Socrate dice: nessuna servitü e maggiore ch' essere
suggetto e servo d' amore.
640. 642. Vergl.
also das gleich sein gleichen
im auserwelt mit liebem gunst.
Wolkenstein XX, 3, 4.
651 ff. E di questo si puo fare pruova per gli uccelli e per
le bestie, e per tutti gli altri animali che non hanno alcuno intel-
342
letto, che tutti s' accompagnano e dilletano di stare con lo suo
simile senza alcuno carnale diletto. Vergl.
Ir vogelein
und andre tier, baide wilde und die zamen,
ir traget rechte liebe gar,
geleich kiest sein geleichen,
gemahel sein gemahelein,
in nöten si bei ainander stan.
Wolkenstein CXVIII, 4, 4.
707. Perche dalle donne discende lo fermamento d' amore,
sono fermo d' essere loro difenditore a ciascuno, che dice di loro,
per ordine.
719. e alla fine concorderö queste autoritadi insieme e darö
verace soluzione, volendo tagliare le lingue a' malvagi dicitori.
727. Proverbia 18, 22.
731. Proverbia 12, 4.
733. Proverbia 14, 1.
738. Vergl. 5037. WB. III, 89. Lexer I, 1876.
739. Proverbia 14, 1.
749. per quinto elemento. Vergl. des kluegen. elemente Wolken-
stein XXVIII, 2, 12, der edel dement XXIX, 1, 10.
754. Sirach 25, 33.
757. Ecclesiastes 7, 29.
762. Sirach 42, 13. Vergl. 1001.
765. Sirach 25, 30.
767. Proverbia 19, 13. 27, 15. Martina 131, 93.
781. Salustio dice d' una, che imprendea a leggere: La ov'
e lo veleno del serpente, s' aggiugne lo veleno dello scarpione.
816. perche eil' e cosa palese.
823. Liber regum 3, 11, 1.
849 ff. Im ital. Werke heissen die Personen Pitia und
Damone. Der Erzählung liegt die bekannte Sage von Dämon und
Phintias zu Grunde. Valerius Maximus IV, c. 7, ext § 1. Gesta
Romanorum ed. Keller S. 164. Grässe, das älteste Märchenbuch
des Mittelalters S. 212.
899. Dies Beispiel fehlt im ital. Werke. H. v. Mügeln Bl. 42 b.
941. Auch diese Erzählung fehlt im Original. Vintler hat
dieselbe Valerius Maximus VI, c. 7, § 1, H. v. Mügeln Bl. 48 b, entlehnt.
959—971* Invidia, ch' e vizio contrario all' amore, si e di
due maniere: 1' una e addolorarsi del bene altrui, 1* altra ralle-
grarsi del male; ma ciascuna puo essere, perche egli e bene a
rallegrarsi del male altrui, acciocche si gastighi, e a dolersi de' suoi
beni, acciocche non s' insuperbisca.
981. e amore d' Iddio.
984. Vintler setzt hier ar für nibbio, Weihe, Hühnergeier.
343
990. Seneca dice : la invidia trae del male bene , e de
bene male.
1001. Vergl. 762 u. Anm.
1002. Proverbia 24, 17.
1007. Ancora: ein si rallegra de' mali altrui, non rimarra im-
punito. Proverbia 17, 5.
1015. La maggiore Vendetta, che si posse fare, si e a
fare bene.
1023. Ovidio dice: ia invidia fa sempre parere alle persone
maggiore biada negli altrui campi che ne' suoi. Ovidius, ars am.
1,349. Vergl:
Frömder acker stuont ie baz
dan eigen sät, daz machet haz.
Freidank 113, 4.
den nider dunket vremdiu sät
vil schoener, denn di er selber hat.
Renner 14342.
1042. Genesis 4, 3—8.
1055-1068. fehlen im ital. Werke.
1074. ff, La vita dell' uomo si e allegrezza di cuore. (Sirach
30, 23). Chi ha allegrezza soperchia nelle cose che non si dee,
gia non e virtü, ma vizio.
Nach V. 1082 hat unsere Ueberlieferung eine Lücke. Im
ital. Werke folgt: E puossi appropriare Fallegrezza al gallo. II
gallo s' allegra e canta secondo il corso deir ore del di e della
notte, disponendo la sua allegrezza per forma di ragione. Salo-
mone dice: Non e allegrezza ne ricchezza sopra la sanita del
corpo, e non e dilettazione sopra 1' allegrezza del cuore. Ancora:
1* allegro cuore fa fiorire la vita delT uomo, e lo spirito tristo
dissecca Tossa. Non ti allegrare del male altrui, perche tu non
puoi sapere come vadano gli tempi contro a te. Seneca dice:
non ti allegrare troppo per le cose prospere, ne le contrarie non ti
contnrbino. Hier folgt dann erst die Erzählung vom heiligen Macharius.
1124. La seconda si e, quando l'uomo non sa, ne dice, ne
pensa fermamente niente, ma sta comeozioso, e come uno corpo morto;
e questo si e molto grave vizio.
1134. e questa si e malinconia, che ne e di molte ragioni.
1143. Vergl. Megenberg 176, 27 ff. Lonicerus Kräuter-
buch 672.
1163. Sirach 30, 22. 24.
1186. Bernardo dice: prima mi dea Iddio la morte, che io
mi lasci vincere alla malinconia.
1199. La legge dice: nessuna cosa e piü certa che la morte,
e piü incerta deir ora della morte.
1235. Quirico disse: questi e quegli, che signoreggiava il
344
mondo dal Levante al Ponente, e ora si contiene in due passi
di terra.
1249. e egli non e possuto durare contro alla morte.
1254. Oh morte scura e dolorosa ! oh morte spietata !
1258 ff. Oh senno scurato! oh giustizia abbassata! oh lealta
perduta! oh cortesia discacciata! oh larghezza disparita! oh pro-
dezza infangata! oh gentilezza distrutta! che fara. la provincia da
che e morto lo re Alessandro? Dunque chi non piange, ora de'
piangere; e allora cominciö tutta la gente a piangere, e fece il
maggior corrotto che mai fosse udito.
1274. Pace, secondo Santo Bernardo, si e purita di mente,
semplicita di cuore, riposamento d'animo, ]egame d'amore e com-
pagnia di carita.
1280. Plinius, nat. hist. 8, 47. 32, 13. Isidor 12, 2. Phy-
siologie (Fundgruben 31. Massmann Gedichte d. XII. Jh. 319.)
Megenberg 127, 18. Renner 19,385 ff. MSH. 2, 335. Freidank
139,5 u. Einleitung LXXXVI.
1292 ff. Isaia profeta dice : le malvage persone non potreb-
bono mai avere pace.
1300 ff. Barbarico dice: la pace e sopra tutte le ricchezze
e grandezze del mondo.
1316. Vergl. Gesta Romanorum c, 39.
1364 — 1385. Ira, secondo Aristotile, si e turbamento di animo
per discorso di sangue, che trae al cuore per volonta di fare Ven-
detta: e deir ira nasce indegnazione; che quando il sangue ha tur-
bato il cuore, egli rimane indegnato, e poi si convertisce in odio.
Se la indegnazione dura nel cuore, ella acquista tre vizj, come ira,
indegnazione e odio. Della ira invecchiata discende discordia e rissa
e guerra, che son contrarj vizj della virtü di pace; e si e differenza
tra discordia e guerra e rissa, siccome prova Frate Tommaso;
che discordia e nel cuore di quelli, che hanno qualche volere 1' uno
contra Paltro.
1386. Vergl.
des beren zorniger muot
im selben dicke schaden tuot.
Freidank 139, 9.
hie vähet man den bern mite,
der richet einzele schaden,
unz er mit schaden wirt beladen.
Tristan 9, 4.
1409. Sirach 30, 26.
1418. e quel, che si fa per alcuno turbamento d' animo, non
puo mai esser giusto, ne onesto.
1432. perche eil' e piü pericolosa.
1434. 11 maggiore nimico, che 1' uomo possa avere, si e la sua ira.
345
1438. Socrate dice: l'ira vede l'irato, ma Tirato non vede l'ira.
1444. Umana cosa e adirarsi, ma cosa diabolica a perseverare
nell' ira.
1449. Chi e vinto dall ira, si e vinto da tutti gli altri vizj.
1474. Vuo' tu ben fare la tua Vendetta, lasciala a Dio.
1476. Socrate dice : non ti lasciare vincere all' ira, ma fa che
la mansuetudine vinca 1' ira.
1483. Salomone dice : di due cose s' attrista lo mio cuore, e la
terza m'arreca grande ira: l'uomo, che studia di far guerra per
poverta, e Fuomo savio dispregiato, o chi si parte dal bene per
far male. — Sirach 26, 25.
1507, Tullio dice: il mele si toglie per sua dolcezza, e '1
ferro non si lima se non col ferro.
1510—1519. fehlen im ital. Werke.
1520. Liber regum II, c. 11.
1551. Valerius Max. IX c. 3. ext. §4. H. v. Mügeln Bl. 128a.
Im ital. Werke fehlt dies Beispiel.
1570. Valerius Max. IX. c. 3. ext. § 3. H. v. Mügeln Bl. 128» .
Diese Erzählung fehlt im ital. Werke.
1620. E puossi appropriare la virtü della misericordia alli
figliuoli d' uno uccello, c' ha nome Ipega. Es ist der Wiedehopf
gemeint, von dem es im Physiologus ed. Massmann S. 324 heisst:
„Physiologus zellit von der witehophun. So siu alt wirdit, so vir-
gent ir diu ougen, daz si gesehen nimach. So ir jungen des ge-
ware werdent, daz ir muoter gesehen nimach, so salbent si ir diu
ougen und bruotent sia, unze si gesehent wirdit". Megenberg
schreibt: „die gar alten widhopfen setzent sich in der jungen ge-
viderten nest und mauzent sich und so speisent si die jungen, unz
si wider koment ze kreften. ez sprechent auch die maister, daz
die jungen widhopfen ain ander tugent habent gegen den alten, wan
so die alten vor alter niht mer gesehen mügent, so pringent die
jungen ain kraut, daz ist von nätür in bekant, und salbent der
alten äugen da mit, so werdent si wider gesehent 228, 13 ff. Vergl.
auch Lonicerus Kräuterbuch S. 680.
1644. Chi avera misericordia d'altrui, altrui l'avera di lui.
1655. Proverbia 28, 27.
1661. Non essere avaro in misericordia, se tu la volli tro-
vare in te.
1663. Giovenale dice.
1667. Se la mano offende l'occhio, e '1 dente offende la lingua,
non cade Vendetta, perche chi la fa, se stesso offende,
1692. Cicero de republica ed. May. 1822 p. 238 Augustinus
de civitate dei 4,4. Gcsta Romanorum ed. Keller c. 146. Grässe
II, 10. Pauli, Schimpf und Ernst No. 351, dessen neuester Heraus-
geber, Oesterley, die reiche Literatur dieser Erzählung S. 512 ver-
346
zeichnet. Sentlinger erzählt diese Geschichte in seiner Reimchronik
Bl. 194a und beruft sich auf Valerius Max.
1730. Dies Exempel fehlt im ital. Werke. Vergl. Valerius
Max. I, c. 8, ext. § 7. Nepotiani epitoma IX, 20. H. v. Mügeln
Bl. 21 a.
1755. La prima si e non avere mai alcuna compassione
d' altrui.
1760. La terza si e non perdonare ad altrui l'offese; la quarta
si e volere punire altrui d' alcuna cosa piü, che si convenga.
1768. Vergl. Plinius hist. nat. VIII, 33. Renner 14,315.
Megenberg 152, 20. 192, 32. Lonicerus Kräuterbuch 629.
1782. Sirach 4, 35.
1788. Piu vil cosa non e nel mondo d'una vile persona mon-
tando in istato.
1800. Diese Erzählung f e h 1 1 im ital. Werke. Vergl. Valerius
Max. IX, c. 2. § 1. H. v. Mügeln Bl. 124 a.
1808. Quatuor legiones contrariae partis. Val. Max.
1822. Dies Beispiel fehlt im ital. Werke. Vergl. Valerius
Max. IX, cap. 2. ext. § 2. H. v. Mügeln Bl. 125 a.
1842. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Vergl. Valerius
Max. IX. cap. 2. ext. § 10. H. v. Mügeln Bl. 126 b.
1852. Ovidii metamorph. VII, 1 ff.
1888. e dare a' non bisognosi e come spargere acqua in mare.
1889. Vergl
Der treit das wasser in den Ryn.
Murner, Schelmenzunft d 6. Mhd. Sprichwörter 164. Germania
VII, 191. Simrock, Sprichwörter No. 11,240.
1900. Ma pure e maggiore vizio 1' avarizia che la prodigalitä,
perciocche piü s' accosta alla virtü del mezzo, cioe alla libertä,
ch' e propriamente in dare, che non fa 1' avarizia, ch' e pure in
tenere.
1916. Vergl. Nu ist unser herre zuo dem ersten male dem
adelar gelich umbe die heilige gemeinsame, also wie? dö lesen wir
also von dem adelar, daz er also erbaere ist und also milte, daz
er sine spise lät gemeine andern vögeln und den wol gan, daz siu
mit ime ezzent. Haupt's Zeitschrift 3, 7. Der adlar tailt andern
vögeln seinen raup mit, aber die gest schüllent sich hüeten vor
dem wirt, wan hat er niht genuog, so daz ezzen verzert ist, so
greift er die gest an und frizt si. Megenberg 167, 5. Auch bei
Dichtern gilt der Adler als Sinnbild der Milde, s. Walther L. 12, 24.
Reinmar v. Zweter MSH. II. 195a. I. Titurel 1861, 1. 1954, 1.
Rother 4984. Wartburgkrieg ed. Simrock 3, 7. In einem Müglin
zugeschriebenen Gedichte heisst es :
„der edel wirt sin nar lieplichen teilen als der ar den gesten".
Wiltener HS. bl. 46. Germania 5, 99.
347
1927 — 1933. Salomone dice: Se tu fai bene, sappi a chi tu
lo fai; e ne' tuoi beni saranno molte grazie. Ancora: Sara ia limo-
sina nel seno del povero, e liberatti d'ogni male. Ancora: II fuo-
co arde, e l'acqua ammorza; cosi la limosina ammorza lo peccato.
Ancora: Non dire allo amico tuo: „Va e torna", se tu lo puoi
servire. Ancora: Parti i danari per lo fratello e per lo amico,
quando bisogna, e non li nascondere sotterra.
1930. Sirach 3, 33. Vergl. Freidank 39, 6. Guter Ger-
sart 152.
1938. Faceto dice: Spendi largamente, quando si dee, senza
alcuno m ormora m e n t o.
1940. Vergl. Sirach 18, 15. 16.
1955 — 1960. Seneca dice: Piu e da guardare il viso di colui,
che dona, che il dono. Ancora dice: Nessuna cosa costa piü cara
che quella, che si compra per prego.
1992. 0 morte, come tu se'dolce cosa al povero!
1993 — 2001. Cato dice: Ama si altrui che tu sii caro amico
a te stesso, e sii buono altrui, che mai danno non ti seguisca.
Usa delle cose a chi tu dei temperatamente; che quando abbandono
le spese, consumano in brieve tempo; e brigato acquistare, sappialo
compartire temperatamente.
2015. Sirach 18, 25.
2022 — 2027. In quanta miseria e pena ista il povero ! che se
domanda, di vergogna si confonde; e se non domanda, da povertä
si consuma.
2036. Meglio e nella sua morte lasciare le ricchezze agli
amici, che nella sua vita per povertä dimandare servigio agli amici.
2042. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. S. Valerius
Max. IV. c. 8. § 5. H. v. Mügeln Bl. 64 b.
2070. Alexanders Milde war im Mittelalter sprichwörtlich.
Vrgl. Walther 17. 9. Erec. 2820. Wälscher Gast 3767. MSH.
IL 362b.
2090—2119 fehlen im ital. Werke.
2120 ff. Avaricia e contraria della libertä, secondo che dice
Tulio, che la soperchia cupidigia d' avere si e in acquistare in-
giustamente, e in tenere quello, ch' e da vendere, e in lassare
guastare le cose, che egli ha, innanzi che volerne dare ad altrui.
2136. Vergl.:
Diu krote getar der erden niht
sat werden, wann si sich versiht,
daz ir der zerinne.
also Stent des gitigen sinne:
er getar des selben, daz er hat,
selten immer werden sat.
Renner 4861.
348
Die krot hat die art, daz si fürht, ir zerinn der erden. Da pei
verste wir die geitigen. Megenberg 296, 7. In Tirol ist das Sprich-
wort: „Geitig wie eine krot" sehr gebräuchlich. Zeitschrift für
deutsche Myth. I, 7.
2146 ff. Vergl.:
alle sünde werden t alt,
gitekeit junget manigvalt;
so der gitig minr des weges hat,
so er me guotes üf sich lat.
Boner 89, 47.
Vergl. Berthold I, 417, 5. 486, 19. Martina 125, 35.
die geitekait nit bodems hat,
si lat es hart bis an den tot.
Wolkenstein XXII, 3, 17.
2150. I. Tim. 6, 10. Freidank 91, 2. Renner 7325.
Diu leidic giticheit
aller schänden ein wurzel breit.
Sentlinger 195*».
2154 e chi amera le ricchezze, mai non avra frutto di quelle.
2176. Dies Exempel fehlt im ital. Werke. — Valerius Max.
IX, cap. 4, § 2. H. v. Mügeln Bl. 128 1>.
2198. Vergl. Der seien troist No. 100. Frommann's Zeitschrift
II, 302. Dieselbe Geschichte wird vom hl. Antonius von Padua
erzählt. Vita e miracoli di santo Antonio da Padova, descritti dal
Helia da Cortona. Padova 1647 S. 73. Sie soll sich 1228 zu
Florenz zugetragen haben. Bildliche Darstellungen im Franziskaner-
kloster in Kaltem und in der Antoniuskapelle im Kapuzinergarten
in Meran. Diese Erzählung dient zur Veranschaulichung des Spruches :
Ubi enim est thesaurus tuus, ibi est cor tuum. Math. 6, 21.
Lucas 12, 34.
des menschen herz ist alle zit,
swä sin schätz verborgen lit.
Freidank 147, 11.
Vergl. 56, 7. — Swä din hört ist, da sint dine sinne MSH.
II, 277*.
swä des menschen schätz lit,
da ist daz herze alle zit.
Martina 129, 73.
2221 in uno scrigno.
2232. si parte dalla virtü della correzione e cade nel vizio
della crudelta.
2235. Proverb. 13, 23. Vergl. Sirach 30, 1. Mittelhoch-
deutsche Sprichwörter S. 81. Deutsches Kinderspiel im MA. S. 53.
Rochholz, allemannisch.es Kinderspiel S. 513.
2244. Wenne der wolf über ainen zäun get oder da pei und
349
er den schäfen hain deich lag setzt, ist dann, daz im ain fuoz
rauscht oder kraspelt an dem zäun, so peizt er sich selber in den
fuoz, sam ob der fuoz dar an schuldig sei. Megenberg 148, 10.
2270. Chi vuole essere amato dallo amico suo, riprendolo
occultamente.
2298. Exodus 7, 1 ff.
2385—2415 fehlen im ital. Werke.
2416 ff. Vergl. Müllenhofs Denkmäler S. 205. Massmann,
Gedichte des XII. Jahrh. S. 315. Megenberg 240, 6. Mhd. WB.
II2, 319.
2450. Seneca dice : piü e da temere le lusinghe, che le minacce.
2459. e nienalo per mala via.
2464. üeber Tarant (Scorpion) vergl. Megenberg 283, 21 ff.
Schon im Reinardus 2, 597 heisst es: Scorpio blanditur vultu,
pars postera pungit, und Boner sagt von den Zweizünglern :
si tuont also der scorpio:
der lecket vor, und ist ouch vrö,
so er sich balde richet,
und mit dem sweife suchet. 91, 67.
Vergl. Grimm I. Ausgabe des Freidank. Anm. S. 391. Auf
den Scorpion spielt auch Wolkenstein CX, 3, 16 an.
2478. Babrius I, 13. Reinhart 217—290 MSH. II, 398.
Renner 2456. Boner No. 18.
2521 ff. E queste tre virtü si formano per due altri modi,
cioe consiglio e sollecitudine circa le quistioni, che procedono d'una
parte e d' un' altra. Consiglio si e esser sollecito di quello, che
l'uomo ha a fare.
2530. Vergl. Proverbia 6, 6. Physiologus. Massmann, deutsche
Gedichte des 12. Jahrh. S. 320. Renner 5619. 19,905. Megen-
berg 302. Boner No. 42. Walther 13, 26. Berthold I, 561, 21.
2538. Vergl. 5260. 61.
2546. Proverbia 8, 11.
2548. Sirach 40, 20.
2557. Sirach 1,1.
2560. Psalmen 110, 10. Vergl. Proverbia 1, 7. 9, 17.
Sirach 1, 16.
2587. Braschio dice : la chiave della certezza si e il pensiero,
e impero il breve pensamento fa molti errare.
2596. Seneca dice: piü leggiera cosa e a contrastare al co-
minciamento che alla fine.
2600. U decreto dice : chi ha malo corainciamento non puö
mai avere buon finc.
2608. Salomone dice: farai tutte le cose con consiglio, e non
ti pentirai mai. Vergl. Sirach 32, 24.
350
2629. Proverbia 1, 7.
2838. Proverbia 1, 25.
2644:. Nelle cose consigliate 1' uomo dee essere sollecito, e nel
consiglio tardo.
2650—2654. fehlen im ital. Werke.
2650. Vergl.:
wo der schalk ze rate gät,
des fürsten hof vil übel stät.
Germ. 18, 226.
2662. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Valerius Max.
VII, c. 2, ext. § 1. H. v. Mngeln Bl. 95 a.
2886. Gesta Remanorum ed. Keller c. 103. Grässe S. 200.
Boner No. 100.
2762. Plato dice, che n'e di molte maniere.
2767. Vergl. Sirach 27, 12.
2769. E si e pazzia di maninconia, come quelli a cui manca
la mente, e quelli sono di mille modi.
2816. Proverbia 18, 2.
2826. Ecclesiastes 10, 3.
2829. Sirach 21, 23.
2832. Proverbia 17, 12.
2843—2913. fehlen im ital. Werke.
2918. i fanti, che andavano a piedi. Vergl. 2924.
2932. Giusticia, secondo Andronico, si e disporre egualmente
la sua ragione a ciascuno.
2946. Vergl.
Einen vürsten hänt die bien,
swar der vert, si volgent nach.
MSH. I, 202 a und Megenberg 287, 26 ff.
2980. Sirach 75 6.
2986. Ermes dice: non punire altrui, se tu non dai termine
alla sua difesa; ne non tardare troppo, acciocche cagione non venisse
che la giustizia perisse.
3002- Cinque cose corrompono la giusticia: amore, odio, prego,
timore e prezzo.
3012. La giustizia perisce ne' tiranni e regna ne' re per cinque
ragioni.
3016. perche gli tiranni amano il loro proprio bene.
3040. Cato dice : non dare consiglio a uomo, ch' abbia podesta
sopra te; che se addiviene che gliene venga male, lo fara tornare
sopra il tuo capo.
3052. Tolomeo dice: lo savio signore riprendilo, quando egli
falla, se tu vuoi avere grazia appresso di lui.
3057. piü perde il suo amore
3058. Vintler weicht bei dieser Legende theilweise vom ital.
351
Werke ab. Vergl. Vitae patrum 5, 93. Zingerle, Findlinge 2,
118. Gesta Romanorum c. 80. Pauli, Schimpf und Ernst No.
682. Oesterley gibt die Literatur dieser weitverbreiteten Erzählung
S. 550.
3168. Dies Exeinpel fehlt im ital. Werke. — Valerius
Maximus Vi, c. 5, § 1. H. v. Mügeln Bl. 85 b.
3247. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Vergl. Pauli's
Schimpf und Ernst No. 95 und Oesterley's Anmerkungen S. 483.
Sehr verbreitet ist das Sprichwort: „Man muss dem Teufel ein
Licht anzünden". Simrock 10,137. 10,13^. Körte 7392.
Eine ähnliche Erzählung lebt hier im Volksmunde: Ein armer
Handwerker, der keinen Kreuzer mehr im Sacke hatte, kam in
einem Walde zu einem „Marterl", das einem dort verunglückten
Bösewichte gesetzt worden. Der Arme glaubte, es sei das Bild-
stöcklein einem Heiligen geweiht, kniete nieder und flehte inbrünstig
um Geld. In der folgenden Nacht träumte ihm, es erscheine ihm
der vermeinte Heilige, führe ihn in den Wald und zeige ihm die
Stelle, wo ein Schatz liege. Der Arme bezeichnete den Platz, um
ihn sicher zu finden, auf die von Vintler mitgetheilte Weise.
3346. Proverbia 30, 21.
3356. e quaudo lo fante signoreggia la donna.
3374-3400. fehlen im ital. Werke.
3395. Vergl.:
der hat die fünf gezierde schier
verlorn, swenne in üf hebent vier
unt tragent in enbor.
Renner 1005.
So es die vier
hie sprechen tuen; „heb auf, trag hin, lass gelden
sein schuld, grab in und deck in zue",
erst wirt sein nam erkennet,
er ist gewesen diser und der,
was er der falsch, in vacht der helle latz.
Wolkenstein XX, 2, 6 ff.
3402. an sache] contro a ragione.
3412. Proverbia 26, 27.
3420. Quello che si da per volonta e dono; e quello che si
toglie contro all altrui volere e violenza.
3432—3441. fehlen im Original. Vergl. Proverbia 2, 13 ff.
3436. Proverbia 2, 21.
3460. Vergl. 3790 ff.
3165-3189. fehlen im ital. Werke.
3473. Vergl.
ob dinem houpte üf einem zwi
saz ein rabe, ein krä da bi:
352
din här was dir bestroubet,
dö straelte dir daz houbet
zeswenhalp der rabe da;
winsterhalp schiet dirz diu krä.
Helmbrecht 623.
3510 ff. Lealta, secondo Terencio, si e pura e perfetta fede
in non mostrare una cosa per un'altra.
3520. Vergl. Plinius, hist. natur. 10, 30. Megenberg 190, 31.
3548. Proverbia 20, 6.
3552. Aristotile dice : non rompere la fede a niuno ; che non
si conviene se non a meretrici o a fanciulli.
3570. Valerius Max. I, c. 5, § 14. H. v. Mügeln Bl. 5*>.
3613. e valorosi combattitori di guerra.
3630. per animo d' ingannare altrui di alcuna cosa.
3636. Malizia si e a pensare maliziosi pensieri nelF animo
suo, e dalla malizia nasce sospezione.
3646 ff. La seconda si e, perche colui di cui l'uomo ha sö-
spetto, e nso di fare male; la terza si e, perche l'uomo voglia male
ad altrui, e perö crede leggermente male di lui ; la quarta si e per
avere provato molte cose.
3662—3675, fehlen im ital. Werke.
3676—3693. Gelosia e a temere che la persona, che 1* uorao
ama, non faccia cosa che potesse tornare danno o vergogna a lui
o a se; e discende da virtü d'amore, che nessuno non puo essere
geloso se non per due cose: la prima per paura, che l'uomo ha
della persona, che non faccia cosa che non sia da fare : la seconda,
che F uomo non possa nuocere al suo bene e amore, e perö la ge-
losia e effetto d'amore, siccome prova Fra Tommaso.
3694 ff. Vergl. Physiologus ed. Massmann S. 319. Megenberg
163, 32.
3717. Iddio distrugga la falsitä e le male lingue.
3720. II falso s'infigne di non conoscere le offese per potersi
meglio vendicare.
3724. Quelli che e pieno d'inganno, non puo lasciare le sue
ingiurie; e chi imprende d' ingannare disidera di fare sempre ciö.
3748. 49. fehlen im ital. Werke.
3751. Liber sapientiae 1, 3.
3753—3755. fehlen im ital. Werke.
3756. II primo movimento del pensiero non e nella podesta
d' altrui, ma la perseveranza; la quäle molto si conviene contrastare,
se '1 pensiero non e buono.
3766. Proverbia 23, 6.
3774. che la sospezione da cagione di far male.
3781. Chi perfettamente ama, sempre ista in paura della cosa,
ch' egli ama.
353
3784—3799 fehlen im ital. Werke.
3790. Vergl. 3463 ff. und Berthold 151, 14 ff.
3800. Genesis 19,12 — 38. Im ital. Originale ist dies Exempel
viel kürzer gefasst.
3857. Vergl. Physiologus. Massmann 323. Fundgruben 1, 35.
Karajan, Sprachdenkmale 102. Megenberg 215, 11. Freidank
144, 11. Geiler von Kaisersberg, Brosämlein Bl. 55a. Schon Je-
remias sagt 17, 11: Perdix fovit, quae non peperit.
3866. Sirach 4, 30.
3872. e chi vuole colorare la bugia si ha grande fatica.
3876. Quello che t' e promesso non lo promettere per certo ad
altrui.
3884. 85. fehlt im ital. Werke. Proverbia 3, 3.
3886. Vergl. Boner No. 85. Pauli, Schimpf und Ernst No.
111 und Oesterley's Nachweise S. 485.
3973. si e a celare la verita con alcuno colore di parole,
per animo d'ingannare altrui per alcun modo.
3976—3980 fehlen im ital. Werke.
3982. Le bugie che si dicono per diletto, siccome le favole e
le novelle.
3993. ma pure egli e male a dirle a chi le puö schifare.
4017. In simile modo fa la bugia, la quäle si conviene coprire
di qualche colore di parole; e quando il lume della verita la vede,
incontanente muore come fa la talpa.
4027. Sirach 20, 27.
4032. Im ital. Werke heisst die Kaisertochter Lemma und
der Geliebte Amantino.
4106. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Valerius Ma-
ximus IX, c. 15, § 2. H. v. Mügeln Bl. 139 a.
4138. La seconda si e prodezza, ch' e una sicurta d' animo
in non temere gravi cose.
4146. Vergl. Proverbia 30, 30. Physiologus, Müllenhof's
Denkmäler S. 204. Massmann 310. Megenberg 143, 21. Ueber
Löwe als Sinnbild der Kraft und des Muthes vergl. Walther
12, 24. MSH. II, 195^. J. Titurel 1021, 4. — 1776, 2.
1862, 1. Wartburgkrieg ed. Simrock, S. 7. 43. 121. Wälscher
Gast 10495.
4183. e questa prodezza si e forzata.
4184. la seconda si e d' essere pro' per usanza, perch' egli
abbia usato in guerra.
4186. la quarta si e d' essere pro', quando egli trova
piü vile.
4192. e queste cinque prodezze non sono perfette.
4194 ff. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke.
Zinserle, Vintler. 23
354
4256 ff. Aehnliche Gedanken begegnen uns öfters z. B. :
Die nü ze vollen boese sint,
gewinnent die noch boeser kint,
ja herre got, wem sol ich diu geliehen?
Walther 23, 14.
Wir suln den argen iemer clagen, der uns hie lät sin erger
kint. MSH. 2, 230^.
Als ist ez umb den diep gewan,
der einig grözen schaden tuot.
gewint er kint, daz ist nicht guot.
man sieht dicke, daz diu kint
vil boeser denn der vatter sint.
Boner No. 10, 28.
und vergl. Helmbrecht 1926 ff.
4262. la sesta si e perfetta, quando la persona vuole
essere pro' per non ricevere disonore nella persona o nelle sue
cose, ovvero per la sua patria.
4272. La pazienza e parte della misericordia.
4276. La sapienza delle persone si conosce alla pazienza.
Vergl. Proverbia 19, 11.
4284. Vergl. Judices XVI, 4—31.
4330. Dies Exempel fehlt im ital. Werke. Livius Ilf, 10.
Valerius Max. III, c. 2, § 1. H. v. Mügeln Valerius Max. Bl. 39 a.
4370. si e di tre maniere.
4380—4385. La terza si e a non potere sostenere per fie-
volezza d' animo aleuna avversitade, e questa si e chiamata
fievolezza.
4386. Megenberg sagt vom Hasen; „daz ist gar ain vorchtig
tier*. 149, 12, Oft wird der Hase als Bild der Furcht und
Feigheit gebraucht, z. B. : ir sint eines hasen genöz. Arm. Heinr.
1123. gar ein hase des muotes. Jüngling 244. verzagter denn
ein has. Altswert 161, 15. rehter vräzmunt, ein hase. Helbling
2, 515.
4400. Vergl. Liber sapientiae 17, 10.
4416. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Val. Max.
IX, c. 13, ext. § 4. H. v. Mügeln, Val. Max. Bl. 137».
4440. Cicero, tusc. quaest. 5, 21.
4484. Magnanimita, secondo che Tullio dice, e a intendere in
alte e nobili cose e di grande valore.
4488. Vergl. Megenberg 85, 25 sf.
4506. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Val. Max.
IV, c. 1, ext. § 2. H. v. Mügeln, Valerius Max. Bl. 53 b.
4530. Das ital. Werk nennt Storie di Roma als Quelle. —
S. Valerius Max. VI, c. 5, § 1. H. v. Mügeln, Valerius Max.
355
Bl. 86 a, Vergl. Pauli, Schimpf und Ernst No. 660 und Oester-
ley's Nachweise S. 548.
4560 ff. quando la persona vuole mostrare tutte le grandezze
sue per volersi far lodare piü che non si conviene; che il con-
venevole non e vizio, siccome pruova Fra Tommaso.
4568. Proverbia 22, 1.
4578. Vergl. Megenberg 213, 8.
4594 ff. Chi ama la vanagloria e servo de' giullari.
4600 Proverbia 27, 2. Vergl: Guter Gerhart 37. Freidank
60, 23. Krone 9855 u. a. Mittelhochdeutsche Sprichwörter 93. 94^
4662. Dies Exempel fehlt im ital. Werke. H. v. Mügeln,
Val. Max. Bl. 119b. Val. Max. VIII, c. 14, ext. § 4.
4696. Vergl. Herodot II, 73. Piinius, hist. nat. 10, 2. Phy-
siologus, Massmann 324. Megenberg 186, 23. In mhd. Gedichten
wird dieser Wundervogel oft erwähnt : Alexanderlied 4993 ff. Par-
zival 469, 8. C. v. Würzburg, Trojanerkrieg 32 ff. Goldene
Schmiede 365. - MSH. I, 336a. II, 340*>. J. Titurel 6172.
Martina S. 218. Altswert S. 136, 6.
4730. Sii costante come richieggiono le cose.
4739. Mille persone corrono al palio; ma la perseveranza
vince.
4742. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Valerius Max.
III, c. 2, ext. § 1. H. v. Mügeln, Val. Max. Bl. 43*. Gesta
Romanoram ed. Graesse II, 196.
4772. Plutarch., Lyc. c. 29. Aelian, var. hist. 13, 23.
4818. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Val. Max.
III, c. 8, § 8. H. v. Mügeln, Val. Max. Bl. 50 a.
4850. Vergl. Megenberg 200, 12.
4934. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Vergl. eine
ähnliche in Pauli's Schimpf und Ernst No. 398 und Nachweise
S. 518.
5034. Vergl.: manec wip ist unstaete. Freidank 103, 21.
Unstaet ist ouch der vrouwen muot,
des sint ir wort nicht wol behuot.
waz einiu weiz, wie schade daz si,
daz wizzent zwo schier od?r dri.
wä von dir mag besehenen leit,
daz lä den vrouwen ungeseit.
Boner No. 97, 91. und Hartmann's Gregor 1255 ff.
5037. Vergl. 738.
5045. La prima e a contrastare alla cupiditade, che viene
dall' animo, e questa e propriamente temperanza.
5051. che per natural movimento si muove a ciö.
5055. e questa si chiama sofferenza; ch' e troppo maggiore
virtü che non e temperanza.
23*
356
5068. E puossi assimigliare la virtü della temperanza a una
bestia, che si chiama cammello, che naturalmente si e il piü lus-
surioso animale, che sia al mondo; ch' egli anderebbe dieci
miglia dietro a una cammella solo per vederla, e poi si ha tanta
temperanza e sofferenza in se, ch' essendo egli colla madre, ovvero
colla sorella, non la toccherebbe mai. Vergl. Megenberg 124,
28 ff.
5083. Vergl.:
Swer im einem an gesit,
der hat verendet allen strit.
Wälscher Gast 7751, und Freidank 113, 16.
5087. Vergl.:
Wie sol der straffen weib und man,
der sich selbs nicht straffen kan?
Wolkenstein XXVI, 288.
5097. e sofferente nelle avversita.
5099. Vergl.:
mäz ist ein meisterin aller werk.
Buch der Väter 306 und mittelhochd. Sprichwörter 99.
5102. Dies Exempel fehlt im ital. Werke. Valerius Max.
IV, c. 1, § 4. H. v. Mügeln, Val. Max. Bl. 51K Es wird dies
von L. Quintius Cincinnatus erzählt.
5120. Auch diese Erzählung fehlt im ital. Werke. H. v.
Mügeln, Valerius Max. Bl. 58 a.
5142. Nelle storie di Roma si legge della temperanza,
che il re Priamo.
5156. e poi mando per tutti coloro che aveano peggiore lingua
in dir male, e ordinö che ciascuno gli dicesse il peggio che sapesse.
5163. La mia schiatta comincia in me, e la tua finisce in
te; sieche la mia nobilta val piü per me, e la tua val meno
per te.
5170. Ed egli rispose: le persone non si cognoscono per le
vestimenta, ma per l'opere.
5179. Messer lo Re. guardati di Coarda, ch' egli si e ispia,
ch' io lo vidi anco nell' oste de' Greci.
5194. Disse l'altro: oli, com' egli favella questo traditore!
Ed egli rispose: io diro oggimai a cui dira che tu non hai lingua,
ch' egli s'inganna.
5256. Vintler weicht hier von der ital. Vorlage ab. E puossi
assimigliare la intemperanza al liocorno, ch' e una bestia, che ha
tanta dilettazione di stare con aleuna donzella vergine, che, com'
egli ne vede aleuna, incontanente va da lei, e addormentasi nelle
sue braccia; poi vengono gli cacciatori, e si lo prendono; che altri-
menti non lo potrebbono pigliare, se non per la sua intemperanza.
Ueber Otter vergl. Megenberg: daz tier ist so girig auf ezzen, daz
357
ez der visch so vil samnet in sein hol und in sein wonung, daz
si so ser faulent, daz niht allein daz hol stinket, ez stinkt auch
aller luft umb und umb da von. 150, 6 ff.
5260. 61. Vergl. 2538. 39.
5279. Varro dice: chi e volonteroso non puö essere senza
molti vizj.
5284—5289. fehlen im ital. Werke.
5291. Dies Exempel fehlt in Gelli's Ausgabe, steht aber in
anderen, wo die Jungfrau Jaccina heisst.
5307 ff. E avendo fatto ciö piu volte, un di ella s' immaginö
il vitupero della lussuria, e della virginita, ch' ella non poteva
ricoverare.
5314-5381 fehlen im ital. Werke.
5364. Vergl. 7621.
5394. Vergl.:
behalt ir neur den orden saelig,
der eu von im ist ausserwelt.
Wolkenstein XXI, 1, 4.
5398 — 5413. La prima si e a mostrarsi sempre minore degli
altri; la seconda si e a sottomettersi a ciascuno con umiltä, come
si dee; la terza a credere, di non potere essere sufficiente a tutte
le cose; la quinta a temere quello, che si dee.
5418. La seconda si e a fare riverenza a maggiori di se.
5434—5461 fehlen im ital. Werke.
5435. Vergl. Freidank 50, 22. Krone 20253. Berthold
334, 3.
5462. Sirach 3, 22.
5466. Sirach 3, 20.
5471. Mathäus 23, 12.
5476. San Piero dice: Dio contrastare agli superbi; e a chi
e umile, dare grazie. Petri ep. I, 5, 5.
5484 — 5489 fehler, in vorliegenden ital. Texten.
5496. Longino dice: siccome gli uccelli stringono bene l'alia,
quando vogliono volare in alto, cosi si conviene aumiliare chi vuole
venire in grande stato.
5504. S en e c a dice : non lodare altrui in sua presenza*
e non lo biasimare in sua assenza.
5516. Cato dice: fa luogo al tuo maggiore.
5521. Sirach 32, 14.
5538. Della virtü della gratificazione dice Cato: quando alcuno
tuo povero amico ti da alcun d o n o , to' lo piacevolmente, e ricör-
dati di lodarlo pienamente.
5548. H. v. Mügeln, Val. Max. Bl. 35 ». Vergl. Gesta Ro-
manorum c. 30. Renner 22600.
Nach 5625 folgt im ital. Werke: E puossi assimigliare il
358
vizio della superbia al falcone, che vuole sempre mostrare di signo-
reggiare gli uccegli; es' e gia trovato degli falconi che hanno avuto
ardire di volere uccidere l'aquila, ch' e donna e reina di tutti gli
uccelli; e la dove il falcone fa nido, batte tutta la riviera d'attorno,
e mai non lascia usare ivi alcuno uccello, che viva di rapina, per
volere essere signore della riviera. Salomone dice: tre generazioni
di gente sono che non s'amano: il povero superbo, il ricco bugiardo,
e il vecchio lussurioso. Anche dice: e sempre quistione fra gli su-
perbi. Santo Bernardo dice: egli e gran maraviglia de' superbi,
che non possono abitare in terra colle persone, ne possono volare
in cielo; dunque rimangono alla fiamma del fuoco che durera. Plato
dice: superbia si e vizio che corrompe le persone; e chi va piü
innanzi, meno lo conosce, Jesus Sirac dice : la superbia e comin-
ciamento di tutti i mali. Ancora dice : gli piati e le guerre meno-
mano l'avere, e la superbia si disfa le case ricchissime. E di cio
sono tre ragioni: la prima, perche fu lo primo peccato; la seconda,
perche non e cosa al mondo, che sia in dispiacere a Dio, che la
superbia non la cresca; la terza, che da lei nascono tutti gli altri
peccati. — Da Vintler am wenigsten das Exempel vom Falken
übergangen hätte, ist anzunehmen, dass in dem ihm vorliegenden
ital. Codex das bezügliche Blatt fehlte.
5626—5637 fehlen im ital. Werke.
5638. E da superbia a vanagloria si e grande diffe-
renza.
5648. Superbia si e dentro, vanagloria si e fuori.
5650 — 5667. Hier weicht Vintler von den mir vorliegenden
ital. Ausgaben ab.
5668—5676. Santo Agostino dice: piü e da temere la inub-
bidienza che la morte. Salomone dice: chi non ubbidisce il padre
e la madre sara sventurato. Santo Agostino dice: di tutte le
criature del mondo non sono altro che tre disubbidienti a Dio, cioe
Tuomo e la femmina e'l diavolo.
5692—5763 fehlen im ital. Werke.
5725. Apocal. 8, 13.
5785. Vergl. 6441. 6522. 10064.
5786. Vergl. Megenberg 120, 26.
5804. Salomone dice: chi e astinente, si gli cresce vita.
Sirach 37, 14.
5850. Vergl.:
Die gire fliegent dar,
da si des äses werdent gewar.
Freidank 142, 19.
Vergl. Ruodlieb 7, 21. Megenberg 230, 14.
5934. Vergl. Parzival 57, 10 ff. Flore 1475 ff. Mähre von
der Minne 248 ff. J. Titurel 5109. Megenberg 225, 19 ff.
359
5974. Vergl.: Stat macht diebe, daz ist war. Boner 96, 1.
State leret diebe stein. Eraclius 2444. Die stat lert den diep
stein. Heidin 115,
6004. Vergl. Pauli, Schimpf und Ernst No. 1 1 und Oesterley's
Nachweise S. 474.
6054. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. Vergl. H. v.
Mügeln, Val. Max. Bl. 66 a.
6074. Auch dies Exempel fehlt im ital. Werke. Vergl.: Der
seien troist No. 71. Renner 15654.
6149. siccome si legge nella Somma de' vizj.
6150-6191. Die entsprechende Stelle fehlt in G-elli's Aus-
gabe, findet sich aber in anderen Texten. Die Trientner Ausgabe
(1853) bietet: Lussuria, ch' e contrario vizio della castita, siccome
si legge nella somma de' vizj, si e di quattro cose, cioe in vesti-
menta, in unzioni, in bagnarsi, e in toccarsi. Ancora quattro
sono le maniere di questo peccato. La prima e detta fornicazione,
e questo e usando senza matrimonio, e la seconda e detta incesto,
e questo e usando con propria parente. La terza si e adulterio,
quando l'uomo, ovvero amendue sono maritati. Lo quarto peccato
si e, quando si fa contra natura, il quäle non e da nominare per
sua cecita.
6164. Vergl. Sirach 12, 3 und:
Nam tangendo picem vix expurgaris ad unguem.
Ruodlieb 457,
Swer heizez bech rüeret,
meil er dannen fiieret. Freidank 118, 5.
Swer an daz pech ruoret, der wirt dervon gemeiligt.
Leys. Pred. 2, 34.
6202 — 6209 weicht vom ital. Werke ganz ab.
6230. nel quäle peccato poche persone sono che in alcuno
modo non pecchino.
6232—6236 fehlen im ital. Werke.
6232. Vergl. Oseas 4, 11. Sirach 19, 2.
Wein, zoren, spil und schöne weib,
die vier betören mangen man.
Wolkenstein XXII, 3, 1.
6246—6248 fehlen im ital. Werke.
6254. ammaestrando gli suoi occhi a piangere.
6256. Seneca dice: se tu pensassi il fine della lussuria,
e lo cominciamento di essa, ti dispiacerebbe.
6259. Sirach 26, 12.
6264. Proverbia 30, 16. Vergl. Freidank 69, 5. Narren-
schiff 64, 63.
6275. Proverbia 30, 18. Vergl. Mone's Anzeiger VII, 507.
360
Freidank 128, 6. Barlaam 213, 8. Tochter Syon (Diütisca 3, 7).
MSH. H, 230. Martina 74, 50. Narrenschiff 64, 69.
6287. San Paolo dice: tutti gli delitti del mondo mise
Iddio nella lussuria.
6294—6305 fehlen im ital. Werke.
6296. et inveni amariorem morte mulierem. Ecclesiastes 7, 27.
6311—6329 fehlen im ital. Werke.
6315. üeber Tyrus s. Megenberg 284, 7 ff.
6338. imperocche egli e meglio, che altri venga alla tue
merce, che tu vada all' altrui.
6350. Vergl. Boner 59, 79.
6358. Diese Erzählung fehlt im ital. Werke. S. Valerius
Max. IX, c. 1, § 9. H. v. Mügeln Bl. 122*.
6378. Vergl. Barlaam 292, 3 ff.
6438. si e ad avere modo in tutte le cose, ischifando il
soperchio e il poco.
6441. Vergl. 5785 und Anm.
6462. Onesta si e a simiglianza de' remi della nave, che
conducono la nave per buona e diritta via.
6469. La cortesia e solamente in tre cose: la prima si e a
essere libero della persona ; la seconda si e ad avere be' costumi ;
la terza in onorevole parlare.
6473. Della cortesiaebbe incominciamentolagentilezza, e, secondo
che dice Allessandro, la gentilezza si e belli costumi e virtuosi con antica
ricchezza, cioe costumi di laudabili virtudi, e ricchezza bene acquistata.
6505. Vergl. Mhd. Sprichwörter S. 99. 156.
6509. Seneca dice: chi troppo corre, ispesso scappuccia.
6512. Socrate dice : siccome il cavallo si rifrena per lo freno,
cosi si rifrenano tutti i vizj per la moderanza.
6515. Der mittelmäze pflägen ie die wisen. MSH. II, 194 *>.
6520. Per lo soperchio e per lo poco, si corrompono tutti
l'arti e tutte le virtü.
6524. Poco fiele fa amaro assai mele, e un piccolo vizio guasta
molte virtudi.
6529. ma antico peccato fa nuova vergogna. Vergl.:
alte sund pringt newe schäm,
hör ich die weisen sagen.
Wolkenstein XVIII, 2, 2. Körte, Sprichwörter 7261. Sim-
rock 10029.
6530—6541 fehlen im ital. Werke.
6542- Avicenna dice: chi vuole che tutte le cose gli pajano
buone e dolci, usile rade volte.
6551. Cassiodoro dice: chi non teme vergogna, sarä sep-
pellito vivo.
6560—6575 fehlen im ital. Werke.
361
6578. chi non ha in se onesta, d'alcuna altra virtü non si
dee ioframettere.
6587, Omero dice: chi vuol scampare de' pericoli del mondo,
accompagnisi con la cortesia.
6602. Socrate dice: [la nobilta delle persone si e solamente
nel valoroso animo. Ancora : ]a gentilezza ch' e prestata, e siccome
lo specchio, che mostra di fuori quelle-, che non e dentro.
6625—6931 fehlen im ital. Werke.
6629. Vergl. 6639.
6633 ff. Die folgenden nichtigen Gründe erinnern an Helm-
brecht 1129—1171.
6645. Vergl. gein ritterlicher hende biüt ich min hant sunder
eren graete. I. Titurel 2981, 2. so taet ich laster mere, daz
selbe heizen fürsten ere graete. J. Titurel 2983, 2.
6648. Vergl.:
wie berichtet der ein andern man,
der sich berichten nicht enkan?
Boner 98, 53.
6660 ff. Vergl.:
Ez sprach der reine Senecä:
die werlt mit vride immer möhte sin,
denn zwei Wörter min und din,
die machent angst und not
und mangen unmaezlichen tot.
Renner 13941.
zwei kleiniu wort „min unde din"
begunden sere werren
bedenthalp die herren. Wilh. Orl. 269.
Vergl. Freidank 31, 7. und W. Grimms Anm. zu Freidank
S. 333. Narrenschiff 83, 42 und Zarncke's Anm. S. 428. Boner
34, 11. 14. — 95, 1.
6680 ff. Vergl.:
man hiez iueh in dem ritter segen
zühte und ere staete phlegen,
witewen, weisen alle zit
schermen in dem lande wit,
da von ir schermaere
heizet, ob ez waere,
guoter liute durch got.
ir habt ez aber vür spot:
swer iueh schermaere hat genant,
der hat iueh leider niht erkant,
ir hiezet s eher a ere vil baz ff.
Buch der Rügen 1127. ff.
6698. Vergl. 6704. 6733.
362
Zarncke (Haupt's Zeitschrift 9, 88) bemerkt über diesen Aus-
druck: „Gervinus, Gesch. d. poet. N. L. 2. Bd. S. 382 nennt
ihn ein arges Schimpfwort, bringt ihn also mit mingere zusammen.
Allerdings kommt bereits in Lexicis des 15. Jahrh. vor Pysse od'
saiche od' pruntzwasser, urina minctura, und das Wort erscheint
in unserem Gedichte in verdächtiger Nähe von Mist und Dünger ;
dennoch scheint mir diese Deutung des Ausdruckes so ohne alle
Analogie dazustehen, dass ich mich bei derselben nicht beruhigen
möchte. Tobler im appenzeller Sprachsch S. 54 führt an Bisz =
die Krätze; Schmidt im schwäb. Wörterbuch S. 70 eingebissen =
stolz, einbildisch. Sollte das Wort mit einem dieser zusammen-
hängen? oder sollte man etwa gar, wenn man den regen Verkehr
des südlichen Deutschlands mit Oberitalien bedenkt, es in Ver-
bindung bringen können mit dem alten Ausdruck, der namentlich
in Oberitalien zu Hause war, bezzo = Geld, der auch sprich-
wörtlich mehrfach in derselben Weise vorkommt, wie unser deutsches
Pfennig, und sollte vielleicht auch das von Schmeller 1, 298 an-
geführte, das Piessel = 6 Kreuzer oder 5 Schilling, quinarius,
sich richtiger zu diesem bezzo gesellen, als zu dem französischen
piece? Zu betrachten ist jedenfalls, dass das Gedicht hauptsäch-
lich gerade die Habsucht des Adels, theilweise auch den Geldadel
im Auge hat44.
6725. Vergl. 8875.
6748. Vergl.:
niemen ist edel niwan der man,
der sin herze und sin gemüete
hat gekert an rehte güete.
Wälscher Gast 3861.
hie bi möht ir merken wol,
daz niemen edel heizen sol
niwan der, der rehte tuot. Wälscher Gast 3901.
Vergl. mittelhochdeutsche Sprichwörter 9.
6753. Vergl. : und stinkent sam die bocke. I. Titurel 236, 4.
wanne er schmeckt als ain alter bock. Keller altdeutsche Erzählungen.
180, 17.
6754. Vergl. 6791. Narrenschiff 5, 20 und Zarncke's Anm.
S. 310. Grimm, Wörterbuch 5, 1790, 3.
6755. Diese Erzählung wird von Morolf berichtet. Morolf ed.
H. v. Hagen S. 55 a. Simrock's Dichtungen S. 152.
6791. Vergl. 6754.
6793. Vergl. mittelhochdeutsche Sprichwörter 9. 10.
6826 ff. Vergl. Wolkenstein XX, 1, 8 ff.
6840. Vergl. : Nu stet etelicher als im ein spiz in dem rücke
stecke, unde kumt im daz keppelin oder der huot- niemer von dem
houbte. Pfi, gebürenherze, ungewizzener lip ! Du mäht gein im
363
also da gebären, daz du niemer mer saelic wirdest. Berthold
457, 16 ff.
6849 ff. Ep. ad. Philippenses II, 9, 10.
6871. Vergl. Berthold 348, 9 ff.
6917. Jesaias 29, 13.
61)32. Genesis 1, 1 ff.
7028. Se tu vuoi avere buona vita in questo mondo, e' con-
vienti partire da' dolorosi pensieri, e stare coli' animo allegro;
perche lo stato dell uomo secondo 1' animo si e giudicato.
7064 — 7083. Chi sopra tutte le avversita che gli incontrano
vorra sempre pensare, non sentira mai che bene si sia, perche
questo mondo non e altro che miserie; e da Dio fu dato all' uomo,
perch' egli dovesse tribolare e tormentare e portare pena de' suoi
peccati; e imperö questo mondo e chiamato valle tenebrosa, perch'
eil' e come la valle in luogo sottano, alla quäle discorrono tutte
le sozzure del mondo; cosi e il mondo in luogo sottano, che sopra
alla gente, ch' e al mondo, discorrono tutte le tribulazioni, angosce,
pene ; e stiamo sempre in lutto e pianto,
7091. Vergl. : wan uns ist über den fülen mist der pfeller
hie gespreitet. Arm. Heinrich 730.
7114. E imperö dice Salomone, che gli uomini e le bestie
sono d'una condicione e fine.
7122 — 7145. E 1' ultimo dolore, che l'uomo sente, si e la
vecchiezza, ch' e sopra tutti gli mali; perch' ella infiebolisce il
cuore, e fa languire lo spirito, e fa crollare la testa, e la faccia
crespa, e gli denti marci, e '1 dosso inchinato, e menoma lo vedere,
e '1 udire e 1' odorare, e '1 saporare e '1 toccare, e mutare lo
'ntendimento. L'uomo vecchio tosto crede e tardi discrede; volon-
toso e a favellare e tardo a udire, ed e cupido e lamentoso; e
sempre loda le cose antiche, e le nuove dispregia. Vergl. Martina
124, 67 ff.
7144. Vergl.:
Altiu dinc er gerne lobet,
diu er den niuwen alles obet,
der niuwen ahtet er niht,
diu dunkent in ein wiht. Martina 125, 57 ff.
7169—7193 fehlen im ital. Werke.
7181. Valerius Max. VIII, c. 8, ext. § 1. H. v. Mügeln
Bl. 193 b.
7206—7271 fehlen im ital. Werke.
7213 ff. Aehnliche Stellen über die Macht des Pfennigs
(Geldes) s. Haupt's Zeitschrift VI, 303. MSH. II, 188 *. III, 166*.
Freidank 147, 17. Renner 685. 18847. Berthold 365, 7. Teichner
44. 148. 228. 291. Keller, alte gute Schwanke S. 71. Keller,
Fastnachtspiele III, 1183. 1437. Narrenschiff 17, 9. Mittel-
364
hochdeutsche Sprichwörter 112 ff. In unverkennbarem Zusammen-
hange mit unserer Stelle steht ein Spruch in der Kolmarer und
Wiltener Meistersängerhandschrift (s. meinen Bericht über letztere,
Sitzungsberichte der k. Wiener Akademie XXXVII, 378), der
manchmal wörtlich stimmt.
7253. Schon Freidank sagt:
. bringet der Endekrist uns schätz,
er gewinnet kleinen widersatz.
dem glouben maneger widerseit
durch des Schatzes gitekeit. 172, 14 ff.
und : den fürsten git er alse vil,
daz si geloubent swaz er wil. 173, 4.
Reinmar v. Zweter:
Wes sümestü dich, Endekrist,
daz du niht kumst, si al diu werlt so gar schazgitig ist?
nü hast du doch ze gebene, des si da gert ; gist ir, si git sich dir ff.
MSH. II, 201 b. Vergl. Renner 8753 ff. und Eezzenbergers
Freidank S. 462 ff.
7269. Der pfaff der gluot niht begert
al die wil daz opfer wert.
Diutisea 1, 324.
Quamvis algescit et prebyter ipse senescit, Frigora non curat,
donec oblatio durat. Br. Seidelius, loci communes proverbiales
(1572] 121. Wander, Sprichwörterlex. 3, 1230.
„Die phaffen die sint gitic" sagt H. v. Melk, Erinnerung 423
und im Gedichte „Von dem gemeinen Leben44 heisst es:
swer in ze gebene hat,
der mac tuon swaz er wil,
daz er dehaeine weis so vil,
mac getuon böser dinge,
ez buozen die phenninge.
Wackernagel, altdeutsches Lesebuch (1847) 221, 6.
Ueber den Geiz der Priester vergl. Wartburgkrieg (Simrock)
S. 147. 159. 233. Berthold von Regensburg S. 304.
7282. Sirach 13, 30.
7286. Vergl.:
daz guot mac wol heizen guot,
da man mite rehte tüot.
Freidank 56, 13.
7288 — 7303. E perö dicono i Savi, ch' eile non sono ree,
reggendo la vita degli uomini; siccome il corpo non puö vivere
senza 1'anima, cosi senza le pecunie l'anima col corpo lungamente
non puö durare; ma interviene di loro, siccome si dice del vino,
il quäle, avvegnache sia buono e utile, ma egli fa molto male nella
persona di colui che ne bee troppo.
365
7327 ff. che senza amici l'uomo non puö avere allegrezza,
ne buona vita: e imperö l'altrui vita dee essere a noi
maestra.
7360. Vergl.: Unrehtiu gaehe schaden tuot. Freidank 116,
21 und mhd, Sprichwörter 76.
7362. Del male d'altrui non ti allegrare, perche il male non
viene senza grande abbondanza di male, e avviene a chi non ne
crede avere.
7389 — 7393. La Ventura abbandona spesse volte, ma la buona
speranza non ti abbandona mai, ma datti buon conforto infra gli
amici.
74:12—7429 fehlen im ital. Werke.
7430 — 7438. Nessuna cosa e si matta come la mattezza del
villano, il quäle pensa, che lo gridare gli sia utile. II biasimo de'
rei uomini togli per uno grande lodo. E' non e alcuno si mal-
vagio uomo, che non volesse avere di dritto guadagno cio ch' egli
ha di rio.
7446 — 7455. Dice uno Savio della virtü della dirittura, che
gli traditori, scherani e ladri non possono durare insieme senza
alcuna drittura; e quando alcuno di questi ingannasse l'altro, si
converrebbe partire la compagnia.
7456—7459 fehlen im ital. Werke.
7456. Vergl.:
Swer zem vi wer näht ze hart,
der besengt dick sinen bart.
Wälscher Gast 1199.
7458. Vergl. : Wer sich under die kligen mischet, den ezzent
diu swin. Diutisca I, 325.
Swer sich menget under die klien,
den ezzent die swin under dem brien.
Morolf II, 307.
Mischt du dich in kleien, dich fressen die seu. Fastnacht-
spiele 527, 6.
7470 — 7477. ma quello della borsa puo ben fallire, tanto
se ne puo trarre; ma quello del cuore, quanto piü ne trai, piü ne
truovi. Vero e che quello della borsa fa l'uomo piü presto e piü
apparecchiato e piü allegro.
7478—7508 fehlen im ital. Werke.
7487 ff. Vita patrum III, § 552. VII, 3, 1.
7536—8510 fehlen im ital. Werke.
7536 ff. Vita patrum V, 4, 7.
7603. Ev. Johannes 3, 8. Deutsche Mystiker II, 28, 11.
7662—7693. Ueber die neun Chöre der Engel vergl. Dionysius
Areopagita, de coelesti hierarchia c. 6 — 10. Passional H. S. 339,
366
55 ff. Deutsche Mystiker I, 209, 13. Berthold von Regensburg
nennt zehen Chöre 141, 6 ff.
7694. In ähnlicher Weise eifern Berthold von Regensburg
264 ff. 530 ff. und Geiler von Kaisersberg in seiner Emeis gegen
den Aberglauben. Vergl.: Zur Geschichte des Volksaberglaubens
im Anfange des XVI. Jahrhunderts. Aus Dr. Joh. Geilers von
Kaisersberg Emeis. Herausgegeben von Aug. Stöber, Basel 1855.
7731. Ueber Pfeilsegen, s. Anzeiger für Kunde deutscher
Vorzeit 1, 166. Haupt's Zeitschrift 11, 35. Panzer 2, 277.
7732. Vergl. Wuttke, Volksaberglaube § 186. 207. Panzer
2, 271. Alpenburg, Mythen S. 253. Schönwert, Aus der Ober-
pfalz 3, 47.
7738. Ueber Erodiana vergl. Grimm's Mythol. 260. 599. 885.
1011 und I. Aufl. XXXIV. Simrock's Myth. 193. 195. 199.
352. 454. Wolfs Beiträge zur deutschen Myth. I, 8. 86. 89.
142. 198. Wolfs Zeitschrift I, 102. 319.
7739. Grimm's Myth. 260 ff. 885. 902. 1008. 1114 und
I. Aufl. XXXIV. Simrock's Myth. 193. 353. Wolfs Beiträge 1, 186,
7741. Vergl. Wuttke § 714. Quitzmann, die heidnische Re-
ligion der Baiwaren 29. Alpenburg, Mythen 357.
7743. Vergl. Grimm's Myth. 1045. Panzer 2, 272. Emeis
(Stöber) 39. Soldan, Geschiente der Hexenprozesse 95.
7745. Vergl. Keller's Fastnachtspiele 1372. Simrock's Myth.
420. Panzer 2, 257. 262. Zingerle, Sagen 468. Quitzmann 285.
7746. Vergl. Grimm's Myth. 1098. Simrock's Myth. 510.
Zingerle, Sagen 468. Quitzmann 286.
7747. Vergl. Keller's Fastnachtspiele 1372. Quitzmann 74.
Haupt's Zeitschrift 17, 430
7750. Vergl. Panzer 2, 257. Quitzmann 270. Grohmann 42.
Wuttke § 325.
7752. Wuttke § 309. Quitzmann 28Q. Curtze, Volksüber-
lieferungen 418.
7754. Vergl. Wuttke § 547 ff. Alpenburg, Mythen 265.
Schönwert 1, 125.
7757. Panzer 2, 262. Quitzmann 284.
7758. Vergl. : So gent eteliche mit boesen batönjen umbe unde
mit boesem zouberlehe umbe, daz si waenent eines gebüren sun
oder einen kneht bezoubern. Berthold 264, 28. Du solt niht
geloben an die bataenien. Wackernagel, altdeutsche Predigten 42, 7.
Daz kraut suochent die zaubraer gar vil und sprechent, daz ez ain
kraft hab zuo wärsagen, wenn man ez beswer, als man schol. und
zwar, ich waiz ain mairinn, diu vil mit dem kraut würkt und gar
wunderleicheu dinch. Megenberg 386, 29. batonje so ist ez genant
und grabent altiu wip. Neidhart 187, 4. Grimm's Myth. 1159.
I. Aufl. XLI. Wolf, Beiträge 1, 249.
367
7759. Ein Eisvogel (Alcedo hispida) im Käfig gehalten, ist
ein Glücksgeist für das Haus. Wuttke § 164. Grohmann, Aber-
glauben S. 64. Vergl. auch Wolf, Beiträge 1, 249. Lonicerus,
Kräuterbuch 684. Panzer 2, 261.
7760. Vergl. Grimm's Myth. 376 ff. Simrock's Myth. 441.
Wuttke § 131. Panzer 2, 260. 272. Wolf, Beiträge I, 233. 235.
Grohmann, Aberglauben S. 88. Quitzraann 27.
7761. S. Grimm's Myth 250 ff. Simrock's Myth. 368.
Wuttke § 23. 24. Quitzmann 111 ff. Zingerle, Sitten S. 127.
128. 186. Zingerle, Sagen S. 16—19. 409. 465. Alpenburg,
Mythen 46 ff. Landsteiner, Reste des Heidenthums 34 ff. W.
Menzel, deutsche Dichtung I, 133. 145.
7764. So geloubent eteJiche an boese hantgift. Berthold 264,
28. Der gloubet an handgift. Berthold 530, 6.
7767. Keller's Fastnachtspiele 1372. Wuttke § 66 ff. Quitz-
mann 289. Zingerle, Sitten S. 200. 285. Zingerle, Sagen 468.
Leoprechting, aus dem Lechrain 212. Wolfs Zeitschrift 2, 357.
Panzer 2, 262. 263. 284.
7770. So geloubent eteliche an boesen aneganc: daz ein wolf
guoten aneganc habe, der aller der werlte schaden tuot. Berthold
264, 21. Grimm's Myth. 1079. IOöO. Simrock's Myth. 510.
Wuttke § 271. Quitzmann 287. Panzer 2, 259.
7772. Schon Berthold predigt: so ist dem der hase übern
wec geloufen 265, 4. Vergl. Grimm's Myth. 1079. 1080. Sim-
rock's Myth. 510. Wuttke § 270. Wolfs Beiträge 1, 231. Quitz-
mann 287. Panzer 2, 295. Emeis (Stöber) 49.
7773. Panzer 2, 257. Grimm's Myth. I. Aufl. XXX. XLIV.
Rochholz, Naturmythen 232.
7776. Schon Berthold eifert öfters gegen Zauber mit heiligen
Hostien 206, 21. 355, 22. 547, 16. Vergl. Wuttke § 193.
Grohmann 149.
7778. Panzer 2, 258. Kuhn, westfälische Sagen 2, 205.
Wolf, Beiträge 1, 255. Meier, Sagen 519. 523. Temme, Sagen
von Pommern 343. Zingerle, Sagen 468. Grohmann S. 168.
7779. Wuttke § 130. Quitzmann 247. Panzer 2, 283. 304.
Zingerle, Sitten 107 ff. Wolf, Beiträge 1, 235. Meier, Sagen
251. Panzer 2, 283. Kuhn, nordd. Sagen 458.
7781. Vergl. Schönwert 2, 126. 3, 183. Vonbun, Beiträge
93. Grimm's Myth. 1026- Wuttke § 216.
7783. Schönwert 1, 133. 2, 80.
7787. Zingerle, Sitten 147. Vernaleken, Mythen 313. 315.
Wuttke § 196. Reinsberg, das festliche Jahr 98.
7789. Vergl. Wuttke § 107, § 444. Grimm's Myth. 1118.
Temme, Volkssagen Ostpreussens 284. Rochholz, deutscher Glaube
II, 165 ff.
368
7791. Wuttke § 217. Zingerle, Sitten 64. Müllenhof, Sagen
224. Lütolf, Sagen 225. Grimm's Myth. 1025.
7793. Vergl. Schönwert 3, 208. Wuttke § 184.
7795. Beibis ist pipöz, bibes, Artemisia vulgaris. Vergl.
Grimm's Myth. 1161. Wuttke § 137. Grimm's Wörterbuch 1,
1370. Lonicerus, Kräuterbuch 343. Wolfs Zeitschrift 2, 172.
Schiller's Kräuterbuch 1, 15.
7797. Ueber Trute vergl. Simrock's Myth. 459. Leoprech-
ting 9. Zingerle, Sitten 69. Wuttke § 402. Meier's Sagen 173.
Vernaleken, Sagen 395. Schönwert 1, 208. 211. Landsteiner,
Reste des Heidenthums 60 ff.
7800. Ueber Alp vergl. Simrock's Myth. 420. Wuttke
§ 402. Eibofolke 2, 255. Kuhn, westf. Sagen 2, 18.
7802. Ueber Orke vergl. Simrock's Myth. 398. Alpenburg,
Mythen 88. Staffler's Tirol 2, 295. Weber's Passeier 252.
Grimm's Myth. 1. Aufl. XXX. Rochholz, Naturmythen 96.
7804. Grimm's Myth. 447 ff. Simrock's Myth. 422. Wuttke
§ 45. 47. 402. Vonbun, Beiträge 39. Quitzmann 172. Schön-
wert 2, 291. Birlinger, Volkstümliches 1, 302 ff. 480 ff. Meier's
Sagen 171. Eibofolke 2, 241. Alpenburg, Mythen 269. Roch-
holz, Naturmythen 108. W. Menzel, deutsche Dichtung I, 118.
7807. Vergl. Stricker's kleinere Gedichte ed. Hahn 11, 121.
Helbling 4, 125. Grimm's Myth. 1170. Simrock's Myth. 516.
Mhd. Wb. 22, 616.
7810. Vergl. Wuttke § 468.
7811. Vergl. Grimm's Mythologie I. Aufl. XXX. XXXIX.
LXXXVIII.
7815. Vergl. Wuttke § 145. Alpenburg, Mythen 261. 391.
Schönwert 1, 335.
7817. Wuttke § 159. 529. Grimm's Myth. 1085. 1. Aufl.
LXXVI. Zingerle, Sagen 470.
7819. Wuttke § 272.
7821. Verbena officinalis, Eisenkraut. Megenberg S. 424, 9
schreibt: daz kraut ist an kraft haiz und trucken und ist den
zaubraeren gar nütz, daz wizzent die wol, die in den netzen sint
gewesen, aber die haimleichait und ander schol diser gazzenspringer
niht wizzen etc. Geiler: Eysenkraut (Verbena), das muosz man
graben an dem morgen vor der sonnen aufgang mit gold. Emeis
S. 50. Mehrere Aberglauben, die am Kraute haften, s. Wolfs
Zeitschrift 2, 171. Alpenburg, Mythen 397.
7825. Vergl. Wuttke § 125.
7827. Vergl. Grimm's Myth. I. Aufl. LXXVI, 223.
7830. Vergl. Vernaleken, Sagen 400. Panzer 1, 257. Kuhn,
westf. Sagen 2, 49. Märkische Sagen 368. Curtze, Volksüber-
369
lieferungen 384. Grimm's Myth. I. Aufl. XXXVH. Rochholz,
deutscher Glaube I, 176. Flügel, Volksmedizin 80.
7838. Panzer, Beiträge 2, 204. Grimm's Myth. 1165. Sim-
rock's Myth. 475. Grohmann S. 100. W. Menzel, Unsterblich-
keitslehre 2, 272. W. Menzel, deutsche Dichtung 1, 216.
7841. Des widhopfen herz ist den zaubraern gar nütz und
den haimleichen übeltaetigern, aber daz schüll wir niht auzlegen,
Megenberg 228, 24. Vergl. Kuhn, nordd. Sagen 461. Alpen-
burg, Mythen 386.
7845. Vergl. Simrock's Myth. 509. Grimm's Myth. 1067.
I. Aufl. LXVI.
7847. Zingerle, Sitten S. 33. Panzer 2, 260.
7851. Grimm's Myth. 1025. Zingerle, Sitten S. 64. Leo-
prechting 14. Rochholz, Sagen 2, 167. 17'?. Kuhn, norddeutsche
Sagen No. 31. Müllenhof, Sagen S. 298. Wolf, niederländische
Sagen S. 370. Eibofolke 2, 208. 218. Schönwert 3, 172. Wuttke
§ 216. Landsteiner, Reste des Heidenthums 59.
7856. Ueber an die Häle geknüpfte Aberglauben vergl. Wolfs
Zeitschrift 3, 312. Zingerle, Sagen 471. — Vergl. auch Grimm's
Myth. 1118.
7859. Vergl. Vonbun's Sagen S. 63. Wolf, Beiträge 1,231.
238. Zingerle, Sitten 73. 91. Grohmann 58. Wuttke § 166.
Kuhn, nordd. Sagen 460.
7865. Vergl. Grimm's Myth. 385. MSR 2, 248. Simrock's
Myth. 332. Quitzmann 154.
7869. Vergl. Grimm's Myth. 1181. Grohmann 128. 129.
Lütolf, Sagen 544. Birlinger 1, 207. Kuhn's Zeitschrift 13, 58 ff.
Kuhn, nordd. Sagen 451.
7871. Grimm's Myth. 1074. 1077. Schönwert 3, 274.
Russwurm, Eibofolke 2, 232.
7876. Vergl. Simrock's Myth. 511. Grimm's Myth. 1083 ff.
1233. Wolf, Beiträge 1, 52.
7881. Vergl. Kuhn, nordd. Sagen, Aberglauben 415 und An-
merkung hiezu S. 524. Wolf, Beiträge 1, 82. Strakerjan. Sagen
aus Oldenburg II, 5. Rochholz, Argovia (1863) S. 63.
7885. Kuhn, uordd. Sagen 452. Zingerle, Sitten 86. Bir-
linger 1, 123. Russwurm, Eibofolke 2, 197. Wuttke § 274.
Grimm's Myth. 1087. 1099.
7887. Vergl. Grimm's Myth. I. Aufl. LXIX. Chemnitzer
Rockenphilosophie 3, 53.
7889. Vergl. Meier, schwäb. Sagen S. 484. No. 270. Wuttke
§ 560. Zingerle, Sitten No. 137.
7891. Vergl. Grimm's Myth., I. Aufl. CXLVI. Wuttke
§ 549.
7893. Grimm's Myth., I. Aufl. CXXXVII. Wolf, Beiträge 1, 243.
Zingerle, Vintler. 24
370
7896. Wuttke § 542.
7899. Grimm's Myth. 1023. Sehönwert 1, 368. Zingerle,
Hexenprozesse 7. 18. 40.
7901. Grimm's Myth. 1053. Wolf, Beiträge 1, 15. Panzer,
Beiträge 2, 295. Rochholz, deutscher Glaube 2, 13.
7903. Grohmann S. 201.
7908. Vergl. Grimm's Myth. 10341, I. Aufl. XXXIX.
7909. Grimm's Myth. 1040. Panzer 2, 272. Vernaleken,
Alpensagen No. 105. Alpenburg, Mythen S. 257. Zingerle, Sitten
S. 60.
7911. Vergl. Wuttke § 188. 189. Kuhn, nordd. Sagen 460. Ver-
naleken, Sagen 419. Grohmann S. 224. Chemnitzer Rocken-
philosophie 3, 14.
7915. Panzer 2, 257. 262. 263. 277. Grimm's Mythologie
I. Aufl. XXXVI.
7916. Emeis 49 a. ed Stöber 50. Zingerle, Sagen 469. Dies
Pergament, so genannt, weil es aus der Haut eines neugebornen,
vor der Taufe gestorbenen Kindes mit sonderbaren Zeremonien zu-
bereitet , und mit gewissen Zeichen , Worten und Namen über-
schrieben wurde, war sehr gebraucht, um die Liebe fremder Per-
sonen gegen sich zu erwecken. Philo, Magiol. 952.
7919. Vergl. Wuttke § 157. 512.
7923. Grimm's Myth. 996. Panzer 2, 296. Leoprechting
98. Vernaleken, Sagen 415. Schönwert 3, 216.
7925. üeber's „Arslinggehen" vergl. Grimm's Myth. 1023.
Zingerle, Sitten 66. Alpenburg, Mythen 261. 265. üeber Todte-
beschwören vergl. Schön wert 3, 200. Wuttke § 773.
7936. Vergl. Panzer 2, 279. Wuttke § 189. Grohmann
39. 224.
7938. Grimm's Myth. 1072. Eibofolke 2, 101. Panzer
1, 266. 2, 257. Vernaleken, Mythen 349. Kehrein, Sagen 2,
258. Zingerle, Sitten 184. Schönwert 1, 141. Temme, Sagen
von Pommern 349. Ueber Rauchnächte vergl. Innsbrucker
Phönix 3, 335. 349. Weim. Jahrb. 2, 140. Vernaleken, Mythen
344. Schönwert 1, 312. Landsteiner, Reste des Heidenthums 36.
7943. Vergl. Wuttke § 389. Panzer 1, 262.
7945. Vergl. Wuttke § 417. Strackerjan, Sagen aus Olden-
burg 1, 361.
7949. Grimm's Myth. 282. 1051. Simrock's Myth. 458.
Wuttke § 150. Zingerle, Sitten S. 65. Birlinger, Volkstüm-
liches 1, 325. Leoprechting 89. Schneller, Sagen 244. Lütolf
213. 215. 225. Müllenhof 227 ff. Müllers nieders. Sagen 179.
7952. Zingerle, Sagen S. 337.
7961. Vergl. Wuttke § 443. Temme, Sagen von Pommern
348. 349.
371
7979. Vergl. Alpenburg, Mythen 371.
7983. Emeis Bl. 47 b. Stöber 47.
7989. Vergl. Wuttke § 719. 732. 740.
7991. Vergl. Zingerle, Hexenprozesse 44. Kuhn, westfäl.
Sagen 2, 191. Wolf, Beiträge 1, 257. Emeis BL 54b. Stöber 64.
7993. Grimm's Myth. 1024. Vonbun, Beiträge 91.
7996. Diese Legende wird öfters erzählt. Emeis 37 a. Stöber
19. Selentroist No. 3. Frommann's Zeitschrift 1, 183. Grimm,
Myth. 1011.
8189. Vernaleken, Sagen 369. Leoprechting 171. Wuttke
§ 85. 373. 448. Kuhn, westf. Sagen 2, 133. Wolf, Zeitschrift
3, 51. Schönwert 1, 311. 348. Zingerle, Hexenprozesse 26.
Rochholz, deutscher Glaube II, 49. Landsteiner, Reste des Heiden-
glaubens 44.
8196. Wuttke § 224. Flügel, Volksmedizin im Frankenwalde
24. Eibofolke 2, 216.
8198. Panzer 2, 257. 263. 270.
8217. Panzer 2, 307. Zingerle, Hexenprozese 29. Groh-
mann 82. 210.
8225. Gemeint ist hier wohl der Weihnachtzelten. Vergl.
darüber Amthor's Alpenfreund II, 314 ff.
8229. Zingerle, Sagen 474. Grohmann S. 49.
8233. Vergl. Panzer 2, 272. 305. Lütolf, Sagen 558. Emeis
(Stöber) S. 50. Grimm, Myth. 1069. Flügel, Volksmedizin 29.
8239. Vergl. Grimm's Myth. 1164. Alpenburg, Mythen 408.
8246-8355. Vergl. Schönwert 1, 389.
8464 fi. Isaias 7, 10.
8510. Onde ciascuno, che vuole perfettamente favellare, se-
condo che dice Albertano, conviene si pigli esempio dal gallo, il
quäle innanzi ch' ei canti, batte l'alia tre volte.
8515—8526. Ancora si dee guardare nelle sue parole in due
principali cose: La prima, s' egli e irato, non dee favellare; onde
Cato dice: l'ira intriga l'animo, e non lascia conoscere il vero.
Ancora si dee pensare l'uomo se troppa volonta lo muove a
favellare.
8546 ff. Imperocche con baroni e cavalieri si dee parlare cose
altissime, di signorie, di battaglie, di cortesie, di prodezze, d'arme,
di cavalli, di seile, di cani e d'ogni altra gioja e diletto.
8554 ff. Con donne si dee contare di cose di cortesia e di
allegrezza e d'amore, e di belle gioje e di vestimenta, e di cose
e di masserizie.
8556. Ueber Vergissmeinnicht s. altdeutsche Wälder 1, 151.
Wackernagel's kleine Schriften 1, 224. Die angehängte Wurzel
dieser Pflanze soll die Buhler holdselig und wert machen. Loni-
cerus, Kräuterbuch 504.
24*
372
8560. Con douzello si dee ragionare cose d'amore, di cortesia,
d' allegrezza, di belle cacce, di bagordare, d' armeggiare.
8564. Con religiosi e con persone vecchie si dee dire d'one-
stade e di castitä, di temperanza, di scienza, di santita; con per-
sone di popolo. si dee ragionare di cose, ch' appartengono al suo
mestiero.
8570. Co' villani si dee dire cose d' arare e di seminare e di
fare fossati, di tagliare boschi, di vigne e di bestiame.
8574. Con matti si dee dire cose di pazzia, imperocche a lui
non piace mai se non cosa che si affa alla sua pazzia, e con per-
sone tribolate si dee dire di pacienza e di temperanza e di misericordia.
8597. Vergl. Sirach 21, 19.
8600. Vergl. Sirach 21, 21.
8ö05. Vergl. Sirach 21, 29.
8612. Socrate dice: chi per se non tace, sara fatto tacere
per altiüi, e sara meno apprezzato.
8636. Vergl.: Nam nulli tacuisce nocet, nocet esse loquutum.
Cato, ed. Zarncke 175, 24.
Swigen schadet keinen tac,
klaffen wol geschaden mac.
Deutscher Cato 133.
8658. Santo Jacopo dice: la natura degli uccelli e delle bestie
e de' serpenti, e di tutti gli altri animali, l'uomo li doma tutti, e
la sua lingua non puote domare.
8665. Vergl. Grimm's Myth. 531 ff.
8676 — 8693. II secondo vizio si e a non guardarsi di con-
tendere con altrui. Cato dice: con quello, che non ti molesta, non
contendere. La parola e data a molti, e la sapienza a pochi.
Ancora: Lasciati vincere di parole al tuo amico, avvegnache tu
possa vincere lui.
8716. Proverbia 17, 9.
87-14:— 874:9. Varo disse: chi a se medesirao contraria, molti
troverä contrariatori.
8754:— 8759 fehlen in den mir vorliegenden Ausgaben des
ital. Werkes.
8774—8787 fehlen ebendort.
8775. Proverbia 10, 19.
8778. Psalmen 140, 3. 4.
8793. Vergl. Boner 91, 50 ff.
8796. 97 fehlt im ital. Werke. Vergl. Boner 91, 63 ff.
und über dies Sprichwort Zarnckes Anmerkungen zu Brant's Narren-
schiff S. 235 a.
8802—8806 fehlen im ital. Werke. Das faule Holz, das
in der Finsterniss leuchtet, braucht auch Berthold als Bild 52, 25.
250, 23.
373
8816. Im Traugemundsliede wird auf die Frage: „waz vögele
ist äne zungen?" geantwortet: „der storc ist an e zun gen." Müllen-
hoff und Scherer, Denkmäler XL VIII, 3, 5. 4, 4 und Anmerkung
S. 487. — Unlands Volkslieder I, 3, 4. Wackernagel, altd. Lese-
buch 833. Vergl. Simrock, das deutsche Kinderbuch (1857) S. 295.
In „Caii Plinii S. etc. Bücher und Schriften" (Frankfurt a. M.
1584) heisst es S. 346: „Es wellen etliche sagen, der storck sol
gar keine zungen haben".
8822. Sirach 28, 28.
8829. Proverbia 14, 32.
8850. Sirach 23, 12. 13
8875. Vergl. 6725.
8883. Sirach 22, 30.
8890-8957 fehlen im ital. Werke.
8911. Proverbia 26, 20.
8926 ff. Vitae patrum Rosweidi III, 97, p. 515. VI, 3, 17,
p. 687. Simrock, der gute Gerhard und die dankbaren Todten 24.
Wa aber zweier brüder weiber bei einander sein, da ist nimer frid.
Pauli, Schimpf und Ernst c. 133.
8970. Proverbia 16, 24.
8979. Sirach 6, 5.
8981. Sirach 40, 21.
8987. Proverbia 26, 5.
9002—9026 fehlen im ital. Werke.
9017. Quia ecce ego mittam vobis serpentes regulos, quibus
non est incantatio. Jeremias 8, 17.
9024. Psalmen 5, 11.
9028. Proverbia 3, 34.
9032. Proverbia 19, 20.
9047. Vergl.:
Swer al die Hute äffen wil,
der wirt vil lihte der äffen spil.
Freidank 83, 5.
wer alle menschen effen wil,
der wirt vil licht der äffen spil.
Boner No. 36, 41.
9050-9123 fehlen im ital. Werke.
9050. Vergl.:
Ez was ein Sprichwort manigen tac:
swer gespotes gerne pflac,
daz der ze gespote dihet. Teichner 31.
Ze spotte wirt vil gern der man,
der alzit nicht wan spotten kan.
Boner No. 36, 39.
374
9075. Vergl. Grimm, Wörterbuch II, 354.
9085. Vergl. Wackernagel, kleinere Schriften 1, 175. Mhd.
WB. 3, 468. Lexer 2, 510.
9099. Vergl.:
als wenn der apt die Würfel tragt,
die brüeder spilen all hin nach
zu lieb dem herren wüester sach.
Wolkenstein XXVI, 32.
Ludendum licite talos abbate ferente. Wander, Sprichwörter-
lexikon 1, 17.
Tessero tune licite decios abbate ferente. Neander ed. Laten-
dorf p. 53.
9101. Vergl.:
weiz got, der herren ist ze vil,
vür war ich ez iu sagen wil,
die uns machent untugenthaft
mit ir untugende kraft.
Wä von mac man niht vinden hiute
also tugenthafte Hute,
also man hie bevor vant?
daz mag ich iu sagen zehant:
die herren wären tugenthaft,
so liebte den andern ir tugende kraft,
daz si vüeren nach der tugent
beidiu an alter und an jugent.
nu habent si verkert ir site,
ää müeze wir ouch varen mite.
Wälscher Gast 6277 ff.
9105. Vergl.: Wenne so daz houbet siechet, so ist al dem
libe we. MSH. 3, 5*>.
Wan siecht des houpt durch blöden wank,
die glider werden alle krank.
Wolkenstein XXVI, 209.
9112. Vergl. 9044 ff. und
Swaz man dem äffen vor tuet,
daz tuot er nach und dunkt im guot.
Helbling 1, 453.
9129. I. Cor. 15, 33.
9130. Omero dice: la lingua dimostra quel ch' e ascoso
nel cuore.
9184— 9167 fehlt in den mir vorliegenden Ausgaben des
ital. Werkes.
9138. Vergl. Freidank 60, 5. Renner 13970. MSH. 2, 240b.
9168 ff. In quintecimo vizio si e a favellare troppo scuro,
come fanno gli motteggiatori.
375
9207 — 9209. II guardo degli occhi ncm teDga sempre fermo
contro a quegli con chi egli favella.
9214 — 9237. Non muova testa, ne spalle, ne mani, ne piedi,
ne alcuna altra parte della persona, e guardi da sputare o forbirsi
il naso quando favella.
9242. e non radoppiare le parole favellando.
9244—9251. Poi de l'uomo bene disporre la sua voce, im-
perocche le cose di grande affare altamente si denno proferire e
non troppo gl idare ; e le picciole cose con piü bassa voce si
deono dire.
9252. II servigio e la misericordia con piena umilta e umile
voce si dee dimandare.
9258—9263. Le novelle e le cose di diletto con piena voce
e allegro volto si deono dire e contare; e sempre secondo la qualita
delle parole si dee accordare la voce. E poi, alla fine, de l'uomo
ben disponere quello che e' vuole dire.
9265 — 9267. E l'ambasciate s'appartiene partire in sei
p a r t i.
9283—9320 fehlen im ital. Werke.
9283. Valerius Maximus H, c. 2, § 5. H. v. Mügeln Bl. 26 ».
9357. Le novelle, che si contano per lo sollazzo, non si puö
se non per certo ordine; ma 'n brieve si dee dire, perche tutte
le cose, che sono brievemente dette, si piacciono.
9380 — 9389. Ancora ti guarda da teuere lo guardo troppo
fermo addosso altrui, ma con alcuno moderamento muovi gli tuoi
occhi, sieche non gli muovi troppo tosto ; e non debbi badare troppo
intorno. E poi de l'uomo avere modo nello andare.
9394. Sirach 21, 23.
9397. Alles folgende fehlt im ital. Werke.
9416. In ähnlicher Weise geissein schon Heinrich von Melk
(Erinnerung 319 ff.) und Berthold 54. 115. 118. 253 und besonders
396 ff. 414 ff. die Hochfahrt und Kleidersucht der Frauen.
9428. Vergl.:
Wir sehen ce gazzen unt ze chirchen
umbe die armen tagewurchen
diu nicht mer erwerben mac,
si gelebt ir nimmer guoten tac,
si enmache ir gewant also lanc,
daz der gevalden nächswanc
den stoub erweche da, si hin ge,
sam daz riche al deste baz ste.
H. v. Melk, Erinnerung 319 ff.
Nach Osw. v, Wolkenstein VI, 49 trug man die längsten
Schleppen in Spanien:
m
376
*
Zwar lenger schwänz kund ich nie schowen
an leonen noch an phaben,
wann in dem selben lant die frowen
hinden an den rocken haben.
Ueber den Unfug langer Schleppen s. Weinhold, die deutschen
Frauen in dem Mittelalter 441.
9554. Vergl.:
doch erkennet der töre niht
sich selbe, swie dicke er siht
in daz betrogen spiegelin.
Martina 247, 43.
9564. Vergl. Mittelhochdeutsche Sprichwörter S. 35.
9565. Vergl. Wander, Sprichwörterlexikon 3, 742.
9577. Ecclesiastes 10, 7.
9624. Vergl. Freidank 108, 27.
9669. Richtiger Pabst Gregorius X.
9670. Das Concil vom 7. Mai bis 17. Juli 1274 ist hier
gemeint.
9672. Conc. Lugd. cap. XXV. De immunitate ecclesiarum.
Decet domuni Domini sanctitudo, decet, ut cujus in pace factus est
locus ejus, sit cultus cum debita veneratione pacificus. Mansi, sacr.
conciliorum nova collectio XXIV, p. 98.
9675. Sint postremo quaecumque alia divinum turbare possunt
officium, aut oculos divinae majestatis offendere, ab ipsis prorsus
extranea, ne, ubi peccatorum est venia postulanda, ibi peccandi
detur occasio, aut deprehendantur peccata committi. Mansi 1. c.
9737. Isaias 22, 15 ff.
9780. Vergl.
armiu höchvart ist ein spot,
riche demuot minnet got.
Freidank 29, 6, und Boner No. 39, 45.
9795. Vergl. Isaias 14, 11. 15.
9866. Vergl. Proverbia 1, 26.
9996. Vergl. Herbort v. Fritzlar, Lied von Troja 11225.
Erec 2815. Lichtenstein 610, 19. MSH. II, 382. Colmarer
Meisterlieder S. 288. 396.
10094 Vergl. : Mäze ist ze allen dingen guot. Renner 4793,
5511. Diu mäze ist ze allen dingen guot. Colmarer Handschrift
111, 1 und mittelhochdeutsche Sprichwörter 99.
'*%
Namen -Verzeichniss.
A.
Abraham 9771.
Abrecke 6363.
Achas 8465, 8468.
Adam 795, 5341, 5880, 5905,
7002, 9561.
Agatho 7537.
Alcibia 7190.
Albertus magnus 6892, 6901.
Alexander 136, 1227, 1238,
1243, 1247,
1725,
2077,
2915,
1719,
2072,
2638,
4743, 4757,
5816, 5827,
1266,
1934,
2084,
3772,
4766,
5828,
1693,
2071,
2592,
4504,
5544,
5840,
6474.
Alexandria 4825.
Alicus 2156.
Ambrosius 163, 6297.
Amene 4039.
Ameno 5301.
Amore 868, 871, 875, 885, 898.
Amulcar 1573, 1580.
Anastasia 4035.
Andronico 158, 2933, 5391.
6437, Andronicus 1753, 4690,
9633.
Anthonius 4819, 4824, 4826.
4840.
Aristotiles 150, 367, 377, 567,
1210, 1250, 1365, 1883,
2002, 2290, 2523, 2574,
2581, 2640, 2917, 2927,
2993, 3046, 3400, 3552,
3869, 3972, 5490, 5502,
5598, 6306, 6608, 6615,
8814, 8997.
Armoniam 906, 910, 912, 915,
920.
Assiria 1554.
Augustin 217, 305, 371, 797,
1029, 1079, 1136, 1181,
1474, 1499, 1510, 1603,
4494, 4614, 5284. 5668,
5717, 6202, 9492, 9922,
9979.
Augustinus 164, 3420, 3573,
3664, 3852, 3880, 6324,
6792, 7206, 8168, 8527,
8754, 8835, 8842, 8890,
9727, 9760, 9871, 9908,
9934, 9941, 9947, 10,006,
10,014, 10,036.
Augustus 4819, 4822, 10,004.
Avicenna 6542.
Azahel 9999.
B.
Babilon 1559, 1567, 9744.
Babilonia 6298.
Barbonicus 1300.
Basilico 157.
Beda 166, 1428, 3768.
Berenhart 176, 630, 6156, 6224,
7383, 8918, 9002, 9572,
9917, 9967.
378
Bersabe 1523, 1531.
Boecius 178, 7308.
Braschus 2648.
a s, k,
33.
Damascenus 3780, 5252.
Daniel 6301.
Darius 4743, 4763.
David 141, 1312, 1521, 1525,
1526, 1529, 2560, 5488,
7244, 7275, 7486, 8609,
8777.
Diana 7739.
Dionisius 851, 4442, 9841.
E.
Egipto 6075.
Elicon 2905.
Eligisto 1321, 1340, 1346, 1354.
Ermes 156, 600, 1791, 2986.
Ermocles 4666.
Ermogenes 155.
Erodiana 7738.
Esau 5287.
Eva 795, 5880, 5895, 5896,
5907, 5916, 7003, 9490,
9651.
F. s. V.
Gk
Galienus 152, 4362, 5542, 6522,
7086.
Geminus 2199.
Germanus 7999, 8127, 8156,
Gilio 3010, 4176.
Gregorius 164, 1010, 1479,
2132, 4738, 5480, 5626,
5650, 5978. 6192, 7996,
8646, 8664, 9008, 9669,
9814, 9868, 9881, 10,022.
H.
Haimo 6188.
Hanibal 1572, 1582, 1589, 1822.
Hans Vintler 122, 5370, 5761,
10,091.
Hispanien 2178.
Homerio 6587. Omerius 9130.
Jason 1854, 1865, 1868, 1873,
1878.
Innocencius 5695, 5705.
Ipocras 153, 772.
Ipolito 1319, 1322, 1324, 1336,
1349, 1358.
Isaias 1314, 8464, 9737, 9741,
9595 9845.
Isiderus'l78, 1296, 2654,3762,
4604, 4683, 4732, 5522,
5530, 5862, 5870, 6237,
6650, 9174.
Isopus 2468, 2478,3340,3695,
3724, 6344, 8872.
Ispanien 1581.
J.
Jacob 1466, 7275, 8658.
Jeremias 61, 142, 6917, 8963,
9016, 9665, 9801, 9818.
Jeronimus 164, 5948, 6302,
6354, 7532, 7542, 8964,
9155, 10,051.
Jesus 5368.
Jesus Syrach 142.
Johannes 5373, 5725, 5731,
5751, 5752, 5754, 5756,
5757, 7602, 10,079.
Josue 142.
Judas 5314.
Jurina 4034.
Juvenalis 2160, 2616, 3560,
3776, 6514.
Juvenale 159.
O. .K
Calphurnus 2181.
Camillus 3170, 3194.
Cassiderus 157, 1221, 1415,
379
1660, 2022, 2277, 3738,
6552.
Cassiodrus 1794.
Cateline 6360, 6366.
Catho 151, 1946, 1993, 2452,
3876, 4597, 4730, 5516,
.*538, 7518, 8636, 8739,
9035.
Cecilia 6057.
Chartago 1571, 1595, 1600,
1822, 3574, 3576, 3581,
3582, 3596, 3606, 3610,
3619.
Chriecher 2044, 4773.
Chrisostomus 166, 9806.
Christus 1672, 3334, 5471,
7595, 7722, 8810.
Coardus 5146, 5182, 5210.
L.
Latine 5293.
Lazarns 4166, 9766.
Livius 4339.
Longinus 158, 1647,3428,3564,
3742, 3770, 5496, 8723.
Lot 3807, 3815, 3822, 3825,
3829.
Lucifer 3271, 3281, 5765.
Lucius Emptinatus 5106.
Lucius Syla 1802.
M.
Macarius 1085, 7488, 7496,
8927, 8950.
Macedonia 2916, 4747, 4769.
Machabeo 5815.
Macrobius 155, 1117, 3211,
4133, 6447.
Marcus Cassius 2177, 2183,
2191.
Marcus Regulus 3570, 3578,
3584, 3589, 3592, 3602,
3617, 3618. 6055, 6061,
6071.
Maria 28, 796, 5356, 6905,
10,154.
Marsianus 1787, 2604.
Matusalem 10,002.
Medea, 1853, 1869.
Menius 4823, 4827.
Michel 5316, 5773. 5919.
Modena 3247.
Moyses 69, 2357, 2334, 2342,
7711, 7712, 9752.
ist.
Nabuchodonosor 6298.
O.
Octaviane 4114, 4122.
Octavianus 4107.
Ofidius 151, 470, 1191, 1026,
1034, 1238, 1451, 1615,
1679, 1853, 1936, 2440,
5075, 5086, 5967, 6249,
6290, 6330.
Omerius 9130.
Oracius 4332. 4338, 4362,
4366, 6241. 8864, 9141,
9160.
Orienem 166.
Origenes 2270, 4282, 5383.
Osue 6232.
Otoria 1843.
Palastin 3174.
Paulus 175, 363. 1195, 1215,
2150, 5484, 6287, 6303,
6849, 8876, 9128.
Pausanias 4664, 4674, 4679.
Percht. 7762.
Peter 1976, 5476.
Pefrus Damascenus 5252.
Pharao 146, 2301, 2305, 2333,
2340, 2345.
Philippus 2044, 2056, 4676.
Physoia 853, 867, 876, 880.
884, 890, 898.
Pirrus 4534.
Pitagoras 152, 1666, 2610, 5998.
380
Plato 150, 501, 604, 702, 789,
1303, 1310, 1634, 1675,
2008, 2019, 2036, 2285,
2460, 2656. 2762, 3040,
3730, 3756, 4507, 4512,
4513, 4520, 4526, 4857,
5089, 5276, 5680, 6526,
6554, 6571. 6598, 8652,
8750, 9186, 9582.
Pomegius 7502.
Priamus 5145, 5211.
Priscianus 1070, 1433, 4557,
4847, 8727, 9134.
Ravenn 8002; 8006.
Rein 1889.
Rom 1317, 1595, 1801, 2687,
2710, 3169, 3580, 3583,
3589, 3592, 3605, 3611,
4033, 4331, 4334, 4535,
4935, 5121, 5549, 6359,
9302.
Roma 6379.
S.
Salomon 18, 141, 197, 331,
408, 470, 726, 730, 753,
756, 767, 776, 785, 806,
824, 973, 1002, 1174, 1235,
1483, 1654, 1686, 1927,
2035, 2152, 2234, 2254,
2544, 2608, 2629, 2816,
2832, 2980, 3343, 3346,
3411, 3710, 3750, 3766,
4024, 4276, 4399, 4568,
4594, 4600, 4860, 5375,
5430, 5455, 5510, 5527,
5653, 5795, 6259, 6546,
6311, 6350, 6755, 7114,
7244, 7304, 7352, 7439,
8596, 8622, 8679, 8716,
8774, 8850, 8910, 8970,
8986, 8992, 9028, 9390,
9576, 9864, 9987.
Salustius 154, 781,2508,4855:
6594, 8831, 9046.
Samson 4286, 4299, 4315, 4323,
4324, 4327, 7245, 10,000.
Scipio 942, 1823.
Scopia 1735.
Semiramus 1553.
Seneca 990, 1018i 1258, 1425,
1458, 1464, 1955, 1961,
2004, 2168, 2259, 2450,
2457, 2630, 2563, 2596,
2996, 3357, 3418, 3548,
3668, 3720, 3764, 4164,
4608, 5072, 5098, 5281,
5504, 6256, 6538, 6660,
7036, 7050, 7194, 8697,
8768, 8782, 9041, 9152.
Senn 8007.
Sicilien 4441.
Sims 2182.
Simonides 1731, 1734, 1739,
1742, 1749.
Sixtus 8765.
Sobna 9738, 9747.
Soerates 151, 1438, 1476, 1968,
1983, 2012, 2470, 2577,
2614, 2663, 2668, 2684,
3006, 3558, 4030, 4172,
4510, 4519, 4522, 5082,
5506, 5534, 5676, 6512,
6516, 6580, 6591, 6602,
7182, 8612, 8683, 8798,
9038, 9607, 9641.
Sodoma 3803.
Sodomiten 6186.
Syon 5374.
Syrach 142, 1073, 1164, 1408,
1782, 1940, 2015, 2548,
3867, 5462, 5466, 5518,
7277. 8822, 8978, 9178.
Syracusa 900, 4417, 6056.
T.
Tarenti 9285.
Tarentum 9315.
381
Teifer 1814, 4337, 4357.
Teopastrus 4501.
Terencius 159, 1972, 4414,
8807.
Tessalia 1737.
Theodosras 6380, 6531.
Thomas 210, 251, 283, 456,
530, 549, 617, 1039, 1186,
1203, 1382, 1607, 1901,
2937, 3639, 3693, 4567,
8349, 8856.
Thomas de Aquino 160, 8247,
8259, 8278, 8290, 8293,
8321, 8324, 8329, 8336,
8354.
Titus Quintus 2043, 2054,
Tolomeus 153, 2568, 3052,
4280, 5078, 7041, 8540.
Tramonia 1736.
Troja 1852, 5142.
Tulius 150, 489, 692. 1179,
1243, 1456, 1460, 1507,
1952, 2028, 2122, 2435,
2507, 2998, 4160, 4272,
4412, 4485, 4498, 4611,
4724, 5041, 5070, 5846,
5929, 6200, 8533, 8703.
9362.
Tuscan 4334.
TT.
Urias 1524, 1526, 1533, 1543,
1547, 1550.
F. und V.
Faceto 152. Facetus 1938.
Valerius Maximus 171, 941,
1552, 1570, 1750, 1815,
2042, 3171, 4439, 4506,
4531, 4742, 4766, 6054,
6070, 7181.
Faro 151, 1440, 1497, 2466,
3728. 4621, 5279, 6502,
8744, 8860.
Vintler 122, 5370, 10,091,
10,103.
Virgilius 2447.
W.
Wilhelmus 9683.
Zipern 4533, 5123.
Wörterbuch.
abtrünnig adj. abtrünnig 8368.
8377.
achtet num. ord. der achte 2321,
adelar swm. Adler 4497.
alefanz stm. Schalkheit, Betrug.
0634.6646. Schmeller Fr. 1,5 5.
Mhd. Wb. I, 21. III, 236. Lexer
1,36.
alpeswm. Alp, gespentisches Wesen
7800. Mhd. Wb. I, '24. Lexer
1,41.
alters ain adj. ganz allein 4344.
Mhd. Wb. I, 420. Lexer I, 44.
altissimus Prädikat Gottes 6900.
6942. 6996. Mhd. Wb. I, 27.
Lexer I, 45.
altfränkisch adj. altfränkisch 3392.
Grimm Wb. I, 2 7 1 . Mhd, Wb. III,
395.
amacht stf. Ohnmacht 1095. Mhd.
Wb. II, 9.
anbringen stv. muovere, bewegen
9183.
anegeng stn. Anfang. 5742. Mhd.
Wb. I, 477. Lexer I, 66.
angel adv. genau, scharf 8695.
8789. Schmeller Fr. 1, 105. Mhd.
Wb. I, 42.
anfachung stf. Anfang, comincia-
mento 7386.
anweiser stm. combattitöre, Streiter,
Kämpfer 3613.
ar swm. l.Adler5726. 5728. 2. sinn-
bildlich für Johannes Eyangelista
10150. 3. Weihe, nibbio 984.
arkwanen swv. argwähnen 3769.
arsling ady. rückwärts , verkehrt,
7926.arslingin 7940. Schöpf 19.
Schmeller Fr. I, 148.
artig adj. artig, entsprechend, gut
9485. 9496. Mhd. Wb. I, 51.
Lexer I, 682.
asch swm. Asche 7094.
ast stm. Laster, yizio (!) 1136.
1138.
aufenthaltung stf. a. gehaben, so-
stenere, ertragen, aushalten4383.
aufsatz stm. Aufgeld, Aufschlag,
Zins 6809. Grimm Wb. 1, 718.
Schmeller Fr. IT, 342.
aufstroben swv. aufsträuben, em-
porstehen 4582. Grimm Wb. I,
754. Mhd. Wb. II2, 702.
auswende adv. auswendig, aussen
10010.
affel stm. die eiternde Materie in
Geschwüren 7986. Schöpf 5.
Schmeller Fr. 1,40. Hintner, Bei-
träge zur tir. Dialektforsch-
ung 7.
B. P.
paidesam adv. utramque 3847.
pagein swf. Begine, Laienschwester
9477. Lexer I, 145. Schmeller
Fr. I, 215.
383
palas stm. für tempio gebraucht
4315. 4323. 4325.
palm swf. Blüthenkätzchen der am
Palmsonntage geweihten Wei-
denzweige 7788. Schöpf 485.
S, Anmerkung zu V. 7788.
palmtag stm. Palmsonntag 7788.
pankart stm. Bastard 4243. Lexer
I, 120. Schöpf 29.
pargamast stm. Dolch aus Bergamo,
BergamaskerKlinge42 16.4218.
4238.
pärmecleichadv. Erbarmen erregend
3409. Mhd. Wb. I, 59,
partier stf. Theil, in sechs p„ in sei
parti 9266.
partierung stf. Theil, in fünf par-
tierung, in cinque parti 9341.
pärting stm. barbatus 793 1 . Schmel-
ler Fr. I, 283. Mhd. Wb. I, 90.
Lexer I, 197.
patonike swf. Schlüsselblume, pri-
mula 7758. Mhd. Wb I, 93.
Lexer I, 35. S. Anm.
pause swf. Pause, Rast 9238.
bech s. bek.
becken swy. stechen, picken 6317.
Mhd. Wb. I, 115. Lexer I, 265.
bedenknus stf. memoria, Gedächt-
niss 2509.
begarbe adv. ganz und gar, völlig
2977. Mhd. Wb. I, 480. Lexer
I, 144.
begegen swv. begegnen 2832.
beger stf. Verlangen 3041.
begirung stf. Begehren, Verlangen,
concupiscenza 399. 522. 551.
582, cupidigia 2123.
behaltunge stf. Erhaltung, Bewah-
rung 8908.
behangen stv. hangen bleiben 4925.
Mhd. Wb. I, 609. Lexer I, 150.
bejagen swv. erjagen, gewinnen
6725. 8875.
beibis stm. vermuthlich Beifuss, ar-
temisia vulgaris 7795. S. An-
merkung.
peichten swv. sich p. beichten, con-
fessarsi 8252. 8294.
pein stf. Biene 2466.2948.2952.
2961. 2965. 2967. 2970.
pein stf. Busse, penitenza 7386.
peinen swv. peinigen, quälen 9872.
peinung stf. Betrübniss, afflizione
355.
peinvass stn. Bienenfass, Bienen-
korb 2959.
peitig adj. zaudernd, zögernd 4674.
bechorung stf. Versuchung 7679.
Mhd. Wb. I, 830. Lexer I, 168.
bechrenken swv. kränken, betrüben
3569.
pelzen swv. propfen 8572. Mhd.
Wb. I, 103. Lexer I, 176.
benotung stf. Zwang, forza 1484.
1506
beredung sf. Verteidigung, difesa
2988.
pern stv. refl. zum Vorschein kom-
men, wachsen 762. 763. 2142.
3642. 3646. Mhd. Wb. I, 137.
Lexer I, 195.
besacben swv. besorgen, vorsehen
9772. Mhd.Wb. III, 282. Lexer
I, 200.
beschaffen stv. erschaffen 6934.
beschaiden adj. vorsichtig, provve-
duto 1463.
beschönen swv. beschönigen, colo-
rare 3874.
beschönung stf. Beschönigung, co-
lore 3974- 4019.
pesser adj. grösser, maggiore 4172.
pessern swv. strafen, punire 1681.
2986. 3821. Mhd. Wb. I, 95.
Lexer 1,261.
pessrung stf. Strafe 1763.
bestäten swv. befestigen , bekräf-
tigen 437. Mhd. Wb. IL2, 610.
Lexer I, 225.
384
pet stn. Bitte 9330.
betrüebnus stf. Störung, turbamento
1370.
betumbelt adj. betäubt, attonitus
2064. Mhd. Wb. III, 1030.
Lexer 1,245.
betungen swv. düngen 6720.
peunt stf. Gehege, Pferch 9809.
Mhd. Wb. I, 180. Lexer I, 289.
Schöpf 493.
bevesten swv. befestigen, raffermare
2639.
bevilde stf. Begräbniss 9770.
beviln, bevillen swv. impers. mich
beviltein dinc, mir wird dessen
zu viel, es verdriesst mich. 331.
2875. 2877. 7579. Mhd. Wb.
III, 314. Lexer I, 249.
beforschen swv. erkundigen, diman-
dare 1947.
bewär stf. Beweis, Entscheidung
5636.
bewären swv. bewähren, als wahr
aussagen 5808.
bewärnuss stf. Beweis 9351.
bezigen part. beschuldigt, bezichtigt
6061.
pirin stf. Bärin 2833. Mhd. Wb.
I, 104. Lexer I, 281.
pirmet stn. Pergament 7915. S.
Anmerkung,
pisedelman stm. 6733. pisedelleut
6698. 6704. S. Anm.
pitten stv. begehren, suchen, diman-
dare 9252.
pläen swv. blähen, auftreiben 6219.
plödichait stf. Schwäche, fievolezza
4385.
pluetvergiez stn. Blutvergiessen
1053.
plunder stm. Geräthe, Kleider 5171.
7495. 9430. 9538. 9543.
port stm. Theil, parte 4272.
pot stn. Gebot, Befehl 5902. 5917.
9752.
povel stm. Volk, pöpolo 901. 2301.
3881. 4776. 4783. 5562.
prasem stm. 1 . Gaumen : da gustare,
che e nella bocca, und als das
chosten mit dem prasem 224. 2.
Gestank 4631.
prawen stv. machen, bereiten 524,
9425. Mhd. Wb. I, 260. Lexer
I, 357.
prehen stn. Glanz, Schimmer 9952.
Mhd. Wb. I, 235. Lexer I, 346.
prein stm. Brei, Mus 9075.
preise stf. Einfassung von Kleidungs-
stücken 9446. 9448. Mhd.Wb.
I, 255. Lexer I, 354. Schöpf
516.
prest stm. 1. Seuche, pistolenza
2329. 7195. 2. Fehler, vizio
9191. widerwärtiger prest, con-
trario vizio 3971. 4845.
pruechstf. kurze Hose 7991. 9464.
9466. Mhd. Wb. I, 270. Lexer
I, 368.
psalterie stf. ein besaitetes Ton-
werkzeug 8 9 8 1 . Mhd. Wb. II. 5 4 1 ,
Lexer II, 304.
pfäffin stf. Concubine, Hexe 7875.
7935. Mhd.Wb. II, 474, Lexer
II, 234.
pflicht stf. in seiner pflicht, in
se 4849. in ainer pflicht, in
einer Richtung 9207.
C. s. K.
r>.
danknemichait stf. Beschenkung,
gratificazione 5538.
dären swv. verletzen, schaden : s o
wurde er sich dären zwi-
schenir paidergesellschaft,
si converrebbe partire la compa-
gnia 7453. Mhd Wb. III, 14.
degen stm. Held 5830. 9964.
degenchint stn. Knabe 3848.
deihen, teihen stv. langsam gehen,
385
schleichen 6715. Mhd. Wb. III,
34. Schmeller Fr. 1,482. Grimm
Wb. II, 906.
dencie gen. pl. dentium 10042.
deubhait stf. Diebstahl, Stehlen
8408.
diech stn. Oberschenkel, costa987.
Mhd. Wb3 I, 324. Lexerl, 423.
Schöpf 81.
diet stf. Volk 341. 10119. Mhd.
Wb. I, 325. Lexerl, 430.
divier (?), Abtheilung 6267.
drangen swy. drängen 5713. Mhd.
Wb. I, 396. Lexer I, 459.
drat adv. eilig, schnell 2800. 2818.
3841. 4075. 4472. 4782 u. ö.
drischübel stm. Thürschwelle 7790.
7898. Mhd. Wb. I, 396. Lexer
I, 465. Schmeller Fr. I, 5 70.
Schöpf 9 1 . Vergl Rochholz, deut-
scher Glaubeil, 158 — 166.
drivalt stf. Dreieinigkeit 10163.
drowung stf. Drohung 9832.
drum stn. Ende, Anfang 10071.
Mhd. Wb. I, 391. Lexerl, 471.
durch präp. mit Gen. wegen, ver-
möge 451. 510. 2916. 4166.
4318. Grimm Wb. II. 1571.
durchfrässig adj. gefrässig 5259.
durftstf.Bedürfniss, Not. 81 5. 1895.
E.
ecken swv. riechen 9237. Schmeller
Fr. I, 33.
edel stf. edle Abstammung, edles
Benehmen, gentilezza 6604.
6612. 9518.
edelchait stf. 1. Adel, nobilta 6602.
6614. 2. edles Benehmen, Höf-
lichkeit, gentilezza 6473. 6501 .
6598.
ediing stm. Sohn eines Edelmannes
9685.
eilung stf. Eile, Hast 2784.
eisen adj. schrecklich, furchtbar
Zingerle, Vintler.
7762. Vergl. Grimm Mythologie
255.
eisleich adv. schrecklich, abscheu-
lich 3272. Mhd. Wb. I, 411.
Lexer I, 512.
eisvogel stm. alcedo hispida 7759.
S. Anm.
eiteler stf. Ruhmsucht, Eitelkeit,
vanagloria 4578. 4590. 4624.
4653.
eitelerig adj. prahlerisch, eitel, va=
naglorioso 4598.
eifernstn. Eifersucht, gelosia3658.
eifrer stm. Eifersüchtiger , geloso
3684.
eifrung stf. Eifersucht, gelosia 1409.
3676. 3777.
elbe swm. Elbe, Elfe 7802.
demente swm. Element 749.
ellenpng stm. Ellenbogenleist, eine
Pferdekrankheit 7870.
ellent adj. fremd, pellegrino 1642.
elsenpaumstm. prunuspadus 7816.
S. Anm.
einzig adj. emsig, betriebsam, solle-
cito 2528. 2532.
emzikait stf. Emsigkeit, Sorgfalt,
sollecitüdine 2649. 2656.
endleichait stf. Tapferkeit, prodezza
4138. Lexerl, 551.
ene swm. Grossvater 6794. Mhd.
Wb. I, 37. Lexer I, 65. Schöpf
465.
ener, ene pron. jeuer, jene 3109»
6794. 8620. 9557. Vgl. Wein-
hold, baier. Grammatik § 253.
engagen adv. entgegen, zugegen.
wenn ander leut sind engagen, in
altrui presenza 2288.
enplanden stv.refl. überdrüssig wer-
den, satt bekommen 4482. Mhd.
Wb.I, 197. Lexer I, 545.
enpfor adv. im voraus, zuvor 9422.
9512. 9547. Mhd. Wb. III, 447.
Lexer I, 565.
25
886
entpintung stf. Lösung, Erklärung
792.
enwicht stn. Nichts, es ist en-
wicht ist Nichts, taugt nicht
2902.3300.3670.3762.4141.
4871. u. ö. Mhd. Wb. 111,651.
Lexer II, 97.
erarnen swv. einärnten, erwerben,
erlösen 2848. 8100. Mhd. Wb,
I, 61. Lexer I, 606.
erbärekleich ady. anständig, ehrbar
6448.
erberig adj. ehrbar, ehrenhaft 9222.
erberchait stf. Ehrbarkeit, onesta
6443. 6462. 6466.
erge stf. Bosheit 4515.
ergeben stv. begeben 4102. — adj.
der sich in den Orden begeben
hat, conversus 3947.
erhellen swv. ertönen 3750.
erchomen swv. erschrecken, in
Furcht kommen 3063. Mhd. Wb.
I, 905. Lexer I, 644.
erkücken swv. neu beleben, an-
fachen 8977. Mhd. Wb. I, 893.
Lexer I, 662
erleucht adj. erlaucht, illustris 4671.
erlösung stf. Erklärung 721.
erschellen swv. erschallen 5751.
ereschend stf. Schändung der Ehre
7199.
ersamkait stf Ehrbarkeit, Sittsam-
keit, onesta 6576. 6614.
ertreiche swh. Erde 2137.
ertsnitstm. Erdschnitt, ausgeschnit-
tene Erde zu zauberischen Ge-
bräuchen 7811.
erfolgen swv. refl. erfolgen, sich be-
geben, zutragen 1598.
erwegeu swv. bewegen, erregen,
muovere243. 1486. 1517.1540.
1721. 1725. Mhd.Wb.IH,643.
Lexer I, 697.
erwirdichait stf. Ehrfurcht, riverenza
5519.
erzünden swv. anzünden, in Brand
stecken 1519. 7650.
espron.Ihr, vos 8032. 8036, 8038.
8042. 8054. 8061. Weinhold,
baier. Gramm. §358. Schmeller,
Mundarten 186. 189. Schmeller
Fr. I, 159. 182. Schöpf 109.
F. s. V.
Gh
gäbe adj. angenehm, lieb 8655. Mhd.
Wb. I, 509. Lexer I, 721.
gach adj. schnell, voreilig, ungestüm
7360. mir ist gach. ich habe Eile
3085.5841.5852.5908.6047.
9117. Mhd. Wb. I, 453. Lexer
I, 722.
gäch stf. Eile, fretta 2660. 7361.
gachschepfe swf. Norne, Schick-
salsgöttin. Vergl. Grimm's Myth.
379. 385. Pf. Germania 1,238.
gadem stn. einstöckiges Haus, Ge-
mach 7592. Mhd. Wb. I, 455.
Lexer I, 723. Schöpf 166.
gagenhait stf. Gegenwart 2452.
gähes adv. schnell, plötzlich 1100.
gaisten swv. geistig wirken 7603.
Mhd.Wb. I, 497. Lexer I, 799.
gam s. gaum.
gamalia stf. weibl. Kameel, cam-
mella 5063.
gämleich adj. spasshaft, thöricht
7141. Mhd. Wb. I, 461. Lexer
r, 844.
gauch stm. Thor 7528.
gaugkeln swv. Zauberei, Gaukel-
possen treiben 7780. Mhd. Wb.
I, 540. Lexer I. 1060.
gaum stf. Aufmerken ; gaum nemen
eines dinges, Acht darauf haben,
wahrnehmen 2807. 3297.5342.
5702. gam n. 6457. Mhd. Wb.
I, 559. Lexer I, 1061.
gepreste swm. Fehler. Mangel 187.
gedeuten swv. erklären, sagen 1816.
387
geding swm. stn. Gedanke, Zuver-
sicht 4899. 5485. Mhd. Wb. I,
339. Lexer I, 772.
gedon stn. Mühe, Qual 1390. Mhd.
I, 380. Lexer I, 773.
gedon stn. Gesang, Getöne 5337.
gegeben stv. geben 863. 1532.
gcgenwürtichait stf. Gegenwart
7376.
gehaimer stm. Vertrauter 4040.
4066.
gehörd stn. das Hören, udire 222.
gehören swv. hören 9954.
gehorsam stf. Gehorsam, ubbidienza
3913. 5413. 7578. 9491.
gehörung stf. Gehör, Hören 9970.
gehürne stn. Gehörne, Geweihe,
teufe 1 ich s gehürne, cosa
diabolica. Vielleicht statt gehürme
stn. impugnatio, vexatio. Lexer
I, 795.
gelaich stn. Betrug, inganno
3724.
gelaichen swv. betrügen, ingannare
2484. 3998. 6253. Mhd.Wb.I,
960. Lexer I, 808.
geleben swv. leben 742.
geleich adj. ähnlich, gleich; substan-
tivisch, das Gleiche, Aehnliche,
Seinesgleichen 4109. 5400.
5604. 9469. Mhd. Wb. I, 972.
Lexer I, 813.
geleichsenhait stf. Heuchelei, ipo-
crisia 4577. 4608. 4618.
gelimpfen stn. Nachsicht, Milderung
1959. Mhd. Wb. I, 999. Lexer
1, 8 1 8 .Wolkenstein LXXII, 1,18.
gelle swf. Nebenbuhlerin, Kebsweib
8954. Mhd. Wb. I, 428. Lexer
I, 821.
gelogen swv. läugnen, negare 584.
Mhd. Wb. 1, 1027. Lexer I, 824.
gelt stm. Einkommen, Rente 2544.
gelübniss stf. Versprechen, Gelübde
4215.
gemächelein stn. dem. Gemahl 5938.
Wolken stein CXVIII, 4, 5.
gemachsam adj. bequem, gemäch-
lich 8402.
gemait adj. froh, vergnügt, keck
966. 973. 1867. 4725. 6992.
7186. 7666.
gemueten swv. begehren, wünschen
3051.
gen am adj. wert, lieb 6534.
genennen swv. nennen 181.
genot adv. eifrig, eilig 9412. Mhd.
Wb. II, 414. Lexer I, 860.
Schöpf 473.
genucht stf. Genüge, Fülle 6961.
7015. Mhd.Wb.II, 354. Lexer
I, 865.
genuegsam stf. Genügsamkeit9995.
Mhd.Wb.II, 359. Lexer I, 866.
ger stf. Begierde, Wunsch 7560.
7600. 8162. 8286.
ger swm. Wurfspiess, Speer 9482.
Saum des Kleides, Schleppe 9410.
9412.
gerait adj. gänguud gäbe, verbrei-
tet 4002. 5614. bereit, fertig
9744.
gerait adv. alsbald, schnell 4455.
4714. 4797.7055. 9694. Mhd.
Wb. II, 672. Lexer I, 877.
gerat adj. behende, rasch, tüchtig
4971. Mhd.Wb. II, 558. Lexer
I, 871.
gerechen swv- spvechen, favellare
1239. Mhd. Wb. II, 590. 592.
Lexer I, 873.
gerde stf. Verlangen, Wille 6941.
gerecht adj. recht, dexter 7850.
7920.
gerechtikait stf. Redlichkeit, dirit-
türa 7447. 7451.
gereden swv. reden, sprechen 72. -
gerich stn. Rache, Strafe 2889.
3824. 3831.
gerich adj. rauh (?) 3312. Vergl.
388
Schmeller Fr. raeh II, 80. rieh,
riech II, 85.
gericht stf. gerade Richtung', gera-
der Weg 4633.
gericht adj. gerichtet 4585. 5185.
gericht stn. Richte, Speise 8047.
gerstenprei stm. Gerstenbrei 7985.
geschepft stn. Schöpfung 6985.
geschieht stf. 1) Art, Weise, modo,
maniera 11 15.41 32.2)Gegen-
stand, Sache, waffen geschieht,
Waffenzeug 4437. in der ge-
schieht, in Folge der Umstände,
zufällig 2676.
geschirre stn. Gemächt 7992.
geschrift stf. Schrift, die heilige
Schrift 1144. 2709. 3059. u. ö.
gesinden swy. refl. sich gesellen
2885.
geslacht adj. beschaffen, geartet
7105.
gesmätz stn. Geschwätz 9062.
gestan stv. stehen 79.
gesten swv. refl. entfremden 1031.
gestuedel stn. Gestelle, Gerüste,
Stuhl 9318. Schöpf 724.
geteuseh stn. Täuschung, Betrüge-
rei , Blendwerk , lockende, täu-
schendeRede 3503. 3834.5296.
5986. 6100. 6372. 9723.
getirmet adj. betäubt, verblendet
7203. Mhd.Wb. III, 151. Schöpf
777.
getön an. v. thun 5168.
geturren an. v. wagen, getrauen,
sich unterstehen 5234. Mhd.Wb.
III, 15. Lexer I, 951.
getwang stn. Zwang, Bedrängniss
1631. 4237. 8929.
geuden swv. sich freuen, frohlocken
727. Mhd. Wb. I, 538. Lexer
I, 1025.
geudichait stf. Eitelkeit, Ruhmsucht,
ranagloria 4600. Lexer 1,1025.
geudig adj. verschwenderisch, pro-
digo 1908. 1912. Mhd. Wb. I,
539. Lexer I, 1025.
geudung stf. 1) Verschwendung,
prodigalita 1892. 1897. 1903.
2) Prahlerei, vantagiöne 4570.
gevellen swv. gefallen 9907.
ge viert adj. geeignet, passend 3901.
Mhd. Wb. III, 308.
gefügel stn. Geflügel, Vögel 2487.
3701. 4493.
gewerren stv. hindern, schaden 17.
Mhd. Wb. III, 745. Lexer I,
988.
gewissen stf. Gewissen 6547. 8204.
8767.
gewon stf. Gewohnheit 5080.
gewonhait stf. Sanftmuth, mansue-
tüdine 1478.
geziltadj. geschaffen, geartet 3560.
gift stf. Gift, veleno 784. 1228.
glenz stf. Glanz, Herrlichkeit 6908.
Lexer I, 1032.
glinster stm. Glanz 280. 5323.
6944. 8805.
glos stf. Auslegung, Ausrede 2093.
glosieren swv. erklären, ausreden
8416.
gogel adj. lustig 7876. Mhd. Wb.
1,540. Lexer 1, 1 043. Schöpf 1 99.
gram adj . erzürnt, böse 9007.9852.
grat stm. Gräte, Spitze, die sein
eren grät, die sind der Ehren
Nachtheil, Schande. 6645. Mhd.
Wb. I, 566. Lexer I, 1073.
griesgram stm. Zähneknirschen
9823. Mhd. Wb. I, 575. Lexer
I, 1088.
grome swf? Hode, granelli 1284.
1290.
groyr stn. Wappen, Schilderei (?)
9657. Lexer I, 1745.
guet stn. Gutes, in guet, in guter
Absicht 81. 10133.
güetigen swv. gut machen, gut er-
weisen 5469.
389
guettat stf. Gutes, Wohlthat
839.
H.
haben swv. halten 6689.
sich haben, sich halten, stehen
1245.
auf haben, empor halten, levare
3534.
haberchorn stn. Haberkorn 8499.
hach swm. Kerl, Bursche 9094.
Lexer I, 1137. Schmeller Fr. I,
1041.
hag stm. Wald, Hain 3253.
haimlichait stf. Heimlichkeit, Ge-
heimniss, credenza 8697. 8700.
8722. 8730. 8733.
häle stf. mhd. hähel, Kette und
Hacken, woran der Kessel über
dem Feuer hängt 7856. Mhd.
Wb. I, 610. Lexer I, 1144.
Schöpf 237. Rochholz, deutscher
Glaube II, 113.
halt adv. freilich, ja, nun denn
5746. 7158. 7165. Mhd. Wb.
I, 618. Lexer I, 1159. Schöpf
238.
handelstm. Handlung, Kunst 7754.
hanenchrait stf. das Krähen des
Hahns 7085.
hantgift stf. das Geben der Hand,
Gabe 7764. Mhd. Wb. I, 510.
Lexer I, 1174.
hantig adj. bitter, scharf 6296.
Mhd. Wb.I,627. Lexer I, 1165.
Schöpf 243.
hantwerch stn. Handwerk, arte
2007,
harb adv. herbe, bitter 7582. Mhd.
Wb. I, 635. Lexer I, 1183.
Schöpf 245.
harem stm. Harn 9291. 9304.
härmelein stn. Hermelin, Wiesel,
ermellino 6479. 6493.
härphe swf. Harfe 5336. 9970.
haselpaum stm. Haselnussstrauch
7924.
hässichait stf. Hass 609.
hauptschos stn. Nach Lexer (1, 353)
Kopfsteuer; ich vermuthe eine
Krankheit darunter, Kopfweh.
Vergl. die volksthümlichen Aus-
drücke: Hexenschuss,Hitzschuss,
Milzschuss. Schöpf 653.
heinacht adv. heute nachts, diese
Nacht 3291. Mhd. Wb. 11,300.
Lexer I. 1292.
heint adv. abends, diese Nacht80 15
8016.8021.8054.8056.8073
Schöpf 254. Mhd. Wb. II, 301.
helfig adj. helfend, hilfreich 3279.
henken swv. hängen 3125.
herschaften swv. regieren, beherr-
schen, signoreggiare 1236.
hertichait stf. Härte, durezza4689.
4691.
herzen welich adj. traurig, tiefbe-
betrübt 929.
heuschreck swm. Heuschrecke2 315.
himelkor stm. Himmel 1158.
hinder präp. m. gen. hinter, hinter
sein 1747. 4342. 4353. Mhd.
Wb. I, 690. Lexer I, 1293.
Schöpf 266.
hinderpredigerinne stf. ein mythi-
sches Wesen 7785.
hinleger stm. Vernichter, Zerstörer
2294.
hinn adv. hier innen 4053. Mhd.
Wb.I, 689.750. Lexer I, 1299.
hinschieb stf. Entfernen 566. 7639.
hinz adv. bis 383. Mhd. Wb. I,
689. III, 852.
hochmüetig adj. überflüssig, soper-
chio 2123.
hol stn. Höhle, Loch 2538. 3830.
holdenung stf. Band, Verbindung,
legame 1278.
holzkern stm. das Innerste des Bau-
mes, Holzmark 9157.
390
hÖnig stn. Honig 9971.
horenblasel stn. Hornbläserin, Hexe?
Vergl. Mhd. Wb. I, 201. Lexer
I, 1341.
hört stm. Schatz 3300. 4978, 6034.
hofleichait stf. Gefälligkeit, !piace-
volezza 2471.
hübschait stf. Höflichkeit, Gefällig-
keit 2473. 2476. Mhd. Wb. I,
701. Lexer I, 1367.
hudel f. schlechte Person, Hure
9513. Lexer I, 1374. Schmeller
Fr I, 1055.
huefnagel stm. Hufnagel 7944.
I.
icht sfcn. 1) irgend ein Ding, etwas
3925. 5069. 6648. 8046.
10141.
2) in untergeordneten Sätzen
nach das für nicht 85. 3328.
4491. 5389. 9235. 9236.
inmuetichait stf. Melancholie,
Schwermuth, maninconia 2769.
intrachtung stf. Einbildung, im-
maginare 545. immagina-
zionell31.
infliessung stf. Einfliessung 10024.
J.
jamerchait stf. Elend, Not 7089.
jerarchai swf. Jerarchia 7573.
7677.
jungest adj. zuletzt 2564.
jungestlich adj. jüngster, letzter
10035. 10117.
Jörgen hemde, Zauberhemd, St.
Georgen Hemd 7902. S. Anm.
K. C.
chainadj.Zahlpron. 1) irgendeiner,
alcuno 1419. 2895.3042. 5069.
6063 u. ö. 2) keiner nessüno,
nullo.
chal adj. kahl, gemein, schlecht 9 685.
Grimm, Wb. 5, 29.
calander stm. die Haubenlerche, ca-
landra 262. S. Anm.
chämlein stn. Kameel, cammello
5059.
kappaun stm. Kappaun 9531. cap-
p a u n f 1 u g stf. Kappaunflügel
8410.
charren stm. Wagen, carro 5559.
5563. 5576.
kasel stf. Messgewand, casula 9690.
9711. Lexer I, 1526.
kastraun stm. Hammel, Schöps
9530. Lexer I, 1529. Schöpf
306.
chemnate stf. Kammer, Gemach
8149.
chempfe swm. Vertheidiger, difendi-
tore 710. Mhd. Wb. I, 785.
Lexer I, 1546.
eher stm. Richtung, Wendung, eher
tuen, sich abwenden 119.
chestigen swv. kasteien, quälen,
züchtigen 8385. Mhd. Wb. I,
802. Lexer I, 1561.
chirchgang stm. Gang, Weg in die
Kirche 4873.
claftig adj. geschwätzig 2672.
claffer stm. Schwätzer, cianciatore
8639.
chlam stf. tiefe, enge Bergschiucht
3451. Schmeller Fr. I, 1329.
Schöpf 319.
clamer stf. Klammer, tenaculum
8115. Mhd. Wb. I, 842. Lexer
I, 1604. Schöpf 320.
clauben swv. pflücken, auflesen,
sammeln 123. 2534. 2583.
durchclauben, durchsuchen 1 83.
Mhd. Wb. I, 845. Lexer I,
1634. Schöpf 321.
claus stf. 1) Klause, Wohnung, in
meines herzen claus 7612. 7629.
2) Oeffnung, Spalte, der äugen
klaus 1629.
kiepeis stn. Klebeis (?) 9092.
391
cleul stm. Knäuel 7982. Grimm,
Wb. V, 1030.
chlobe swm. Spalte 8467. Lexer
I, 1628. Schöpf 324.
close swf. Klause, Einsiedelei 4920.
6083.
chnaus adj. keck, vermessen 3929.
6722. Mhd. Wb. I, 855. Lexer
I, 1657.
conscienz, consciencie swf.Gewissen,
conscientia 9830. 10041. Mhd.
Wb. I, 859. Lexer I, 1647.
contemplierung sfcf. Betrachtung,
Beschauung 9904.
choppen swv. fallen, verfallen, zu-
rückfallen 6754. 7885. Mhd.
Wb. I, 861. Lexer I, 1677.
Grimm, Wb. V, 1790.
chot stn. Koth 9413. 9415.
cofertur stf. Schabracke, schöne
Decke, Verhüllung 7139. Mhd.
Wb. I, 869. Lexer I, 1698.
kralen, krelen swv. kratzen, kämmen
1556. Schöpf 338. Lexer I,
1752.
chramp stm. Krampf 8193.
chraien swv. krähen 8513.
chrauf stm. der erhobene Fuss, pie
levato 3535. Vergl. kraupen
spreizen. SchmellerFr.il, 1377.
Grimm Wb. V. 2088.
chrei stf. Schlachtruf, Parole, Ab-
zeichen, Schrei, Ruf 192. 3487.
8559. 9071. 9604. 9703. 2)
Reihe, Kranz 493. 3529. narren-
chrei 632. Mhd. Wb. J, 879.
Lexer I, 1725. Schöpf 343.
chriegenswv. streiten, zanken8948.
Christan, Christus 5458. Verniuth-
lich ist zu lesen: so chumptdann
Christ an in dem anger.
chübel stm. Kübel 7791. 7899.
kuchenstf. Küche 9523.
kunterfait stn. Falschheit, Bosheit,
falsita 206. 445. 2411. 3855.
weg der kunterfait, mala via
2459. Mhd. Wb. I, 914. Lexer
I, 1783.
chür stf. Prüfung, Wahl, Stimme,
Sache 9245. 9258. 10067,
chus stn. Kopfküssen 7975. chus-
ziphel Spitze, Ecke des Küs-
sens 7979.
L.
lab stf. Labung, Speise 1156.
laben swv. gemessen 1921.8413.
Mhd. Wb. I, 938. Lexer 1, 1806.
lag stf. Hinterhalt, Nachstellung
2997.
laichen swv. betrügen, ingannare
2387.3630.3667.3726.3736.
3924 u. ö. Mhd. Wb. I, 958.
Lexer I, 1863.
laicher stm. Betrüger, ingannatore
7394.
laidichait stf. Geduld , sofferenza
5056. 5057.
laidung stf. Beleidigung, offesa
1609. 1762.
laidvertreib stm. Vertreibung des
Leides 738. 5037.
laim stm. Lehm 5341.
lamen swv. erschlaffen 7175.
lantherreswm. barone 1229.2715.
läppe swm. Lappen 9417. 9428.
lasshait stf. Nachlässigkeit, negli-
genza 2788,
lassen stv. zur Ader lassen 9636.
last stm. umschreibend 1441.2879.
lauf stm. Vorgang, Begebenheit
8138. Vergl. Wolken stein XVIII,
1, 6. XXXI, 1, 32. Schöpf358.
laugen swv. läugnen 589. Mhd,
Wb. I, 1027. Lexer I, 1969,
laupfrosch stm. Laubfrosch 8127.
S. Anm.
laussen swv. verborgen liegen, lau-
ern 5648. Mhd. Wb. I, 1061.
Lexer I, 2000.
392
laz adj. mit gen. frei von, ledig 5199.
Jebse swf. Lippe 8775. 9204.
ledigen swv. frei machen, lindern
5378. Mhd. Wb. I, 958. Lexer
I, 1853.
lenze swm. Lenz, Frühling 9831,
9976.
leon swm. Löwe 4147.
lernung stf. Lernen 9481.
lesmaister stm. Lehrer der Theolo-
gie undPhilosophie,Lector8249.
leumunt stm. Leumund, Gerücht,
nominanza 303. 513. 4612.
4568.
liebe stf. Geduld, pazienza 4277.
liebhaberin stf. amatrix 6130.
liebhabung stf. das Liebhaben 670.
liebung stf. Liebe, amore 1279.
list stm. Weisheit, Klugheit 2473.
3305.
lomen swv. erschlaffen, ermatten
2038. S. lüemen bei Lexer I,
1977. Wackernagel, Wb. 186.
lospuech stm. Loosbuch 7757.
lotter stm. Taugenichts, Schelm
5256.
lüeg stn. Höhle, Loch 5266. 8219.
Mhd. Wb. I, 1052. Lexer I,
1985.
lüSt stm. Vergnügen, dilettazione
550. 4580.
lützellutzel adj\ wenig 5 7 Ö 2 . 9 7 6 3 .
Mhd. Wb. I, 1060. Lexer I,
1999.
M.
mag stm. Blutsverwandter 4448.
6177. 7442. Mhd. Wb. II, 11.
Lexer I, 2001.
magenschaft stf. Verwandtschaft,
parentädo 397.
magt stf. Jungfrau 28. 6170 u. ö.
magtum stm. Jungfräulichkeit,
Jungfrauschaft 5310. 6326.
6328.
mailung stf. Fehler, macula 8985.
main stf. Meinung, Absicht 8813.
Mhd. Wb.n, 110. Lexer 1,2079.
mainung stf. Art, Weise, maniera
4370. 5044.
mainzunge swf. böse Zunge, Zauber-
zunge 7973. 8196.
maistern swv. belehren, unterrichten,
maesträre 6453.
man swm. Mond 2768. 7161.
raanierstf. Ding, Sache, cosa6l50.
manhait stf. Tapferkeit, prodezza
4169.
tnanigvaltigen swv. vermehren,
moltiplicare 6988. 6991. 7007.
mar adj. zart, tenero 2604. Mhd.
Wb. II, 63. Lexer I, 2041.
Schöpf 422.
märe stn. Kunde, Nachricht, Er-
zählung 95. 8827.9357. 10091.
marner stm. Seemann 2427. Mhd.
Wb. II, 82. Lexer I, 2051.
Marteins vogel, falco cyaneus, oder
wahrsheinlicher der Specht 7877.
Vergl. GrimmMyth. 1083. 1084.
1233 u. Anm.
massen swv. massigen, beschränken
3724. Mhd.Wb. II, 210. Lexer
I, 2066.
masarei stf. masserizie, Hausgeräth
8558.
masslaid stn. Widerwille gegen
Speise 7972. Lexer I, 2067.
Schmeller Fr. 1,1 662. Schöpf 426.
mässleich adv. mit Mass, massig
1997. 2001.
maus stf. Maussern, Federwechsel
der Vögel 4718. Mhd.Wb. II,
281. Lexer I, 226 J.
mausen swv. schleichen 2248. Mhd.
Wb. II, 278. Lexer I, 2258.
Schöpf 430,
menen swv. das Zugvieh treiben u.
führen 6713. Mhd.Wb.II, 135.
Lexer I, 2099. Schöpf 432.
393
michel adv. viel 9755. Mhd. Wb. II,
165. Lexer I, 2132.
milchtutte swm. Schelte: junger
Laflfe 9068.
minn stf. Barmherzigkeit, Erbar-
men, misericordia 9252.
misseliellung stf. Misshelligkeit
5662.
missevall stm. Missfallen 7343.
mitalle adv. sehr, assai 6525.
mitgengel stm. Mitgänger, Beglei-
ter 6907.
mitter adj. in der Mitte befindlich,
ll mezzo 6515.
niitterleicll adj. mittelmässig, nicht
allzu gross 9238. Schöpf 440.
mitterung stf. Mass, modo 6438.
model stm. Form, Vorbild 6 10. Mhd.
Wb. II, 216. Lexer I, 2193.
Schöpf 441.
mordiscll adj. mörderisch 1844.
mordisckait stf. Grausamkeit, mör-
derisches Wesen 1816.
mort stn. Missethat 6632.
mortprant stm. Brandstiftung mit
räuberischem Angriffe, peccato
dello incehdio 3370.
mugent adj. vermögend, kräftig 246.
1880. 1905. 54i4.6798. 7511.
Mhd. Wb. II, 10. Lexer I,
2219.
mugent stf. Vermögen, Macht 1456.
7651. Mhd. Wb. II, 10. Lexer
I, 2220.
murmeln stn. Gemurmel, niormo-
ramento 1934.
müschen swv. mischen 8500.
IST.
nachten adv. gestern abend 3322.
6125. Mhd. Wb.II, 300. Lexer
II, 48. Schöpf 456.
nachreden sw. verleumden 9002.
9003. 9009.
nachreder stm. Verleumder 9006.
nachtgeschrai stn. Weinen in der
Nacht 7972.
nähen swv. nahen, nähern 9149.
naichst adj. superl. nächst 7635.
Vergl. Weinhold, bair. Gram. § 66.
nar stf. Nahrung, Unterhalt 6390.
Mhd. Wb. II, 385. Lexer II, 34.
narrenplunder stm. Narrenkleider
9398.
neidikleichen adv. stark, forte 2809.
Neithart stm. geiziger, neidischer
Mensch, Neid, Hass. Lexer II,
87. Schöpf 464.
nestel stf. Bandschleife, Riemen
9449. Mhd.Wb. II, 330. Lexer
II, 59. Schöpf 466.
newen swv. zerstossen, zerstampfen
7970. 7971. Mhd.Wb. II, 418.
Lexer II, 95. Schöpf 476.
noch adv. dennoch, gleichwol 9777.
nöten swv. nöthigen, anstrengen
3721.
notung stf. Nöthigung, Notwendig-
keit, von notung, quando bisogna
4174.
numerdum, Entstellung aus lat. in
nomine domini 84. 9079. Mhd.
Wb. II, 423. Lexer II, 119.
nutz adj. nützlich 7434.
nutzperkait stf. Nutzen, Gedeihen
205. Lexer II, 123.
nutzperleich adj. nützlich, beherzt,
muthig, valoroso 6603.
O.
obedach stn. Höhle, Lager, tana
6486.
oberpra stf. Oberbraue, obere Wim-
per 7919.
oblat stf. Oblate, Hostie 7776. S.
Anm.
obrer swm. der Vornehmere, Mäch-
tigere, Vorgesetzte , maggiore
5419. 5621.
ochsenlang adj. ochsenlange zung,
25*
394
eine so lange Zunge, wie sie ein
Ochse hat 5818.
orenwützel stm. Ohrwurm, vermis
auricularius 7975.7978. Schöpf
822.
Orke swm. Org, elbisches Wesen
7802. Schmeller Fr. I, 142.
Schöpf 482. S. Anm.
ort stm. j. Ort, Stelle 387. 7890.
2. das Ende, Aeusserte, Höchste
5209. 8618.
Otter stm. otter, Fischotter 5257.
5268. 5270. 5274.
offen swv. öffnen, zeigen 1 405.2743.
.8703.8994.9201. Mhd.Wb.ü,
432. Lexer II, 145.
Q.
quater stn. vier Augen im Würfel-
spiel, quadrio, bildlich für Maria,
die in der Dreifaltigkeit das
Quater ist 5362. Vergl. Lexer
II, 316. San Marte, Parcival-
studien 3, 196. 198 ff.
quit adj. los, frei 208. Mhd. Wb. I,
898. Lexerll, 327. Schöpf 523,
R
racllung stf. Rache, Vendetta 1669.
8434. Mhd.Wb. II. 685. Lexer
II, 332.
faid adj. gedreht, gekräuselt, wie
hol ist im gemacht sein
raides harl Chi ti ritondo i
capegli? 5174. Mhd. Wb. II,
697. Lexer II, 5 97.
raissung stf. Anreizung, Drohung,
le minacce 2451 .
raubung stf. Rauben, Raub 1709.
1710
rauchnacht stf. die Weihnachts-,
Silvester- oder Dreikönigsnacht,
hier vermutlich die letzte 7938.
Lexer II, 514. Schmeller Fr. II,
14. Schöpf 524.
rawen stv. reuen 6035. Vergl Wein-
hold, bair. Gram. § 39. Schmeller
die Mundarten Baierns § 246.
rechen stv. rächen, strafen 5745.
recht stn. Zorn, ira 1438. 1439.
redehaft adj. redend, beredt 74
Mhd. Wb. II, 597. Lexerll, 366.
regierer stm. Herr, Lenker 7610.
reichen swv. reich werden 2546.
Mhd.Wb. II, 694. Lexer II, 4 19.
reiden swv. wenden, drehen 3994.
Wolkenstein XXVIII, 3, 17.
LXXII, 2,11. Mhd.Wb. II, 696.
Lexer II, 422. Schöpf 545.
reschleich adv. rasch, eilig 8935.
Mhd Wb. II, 556. Lexer 11,409.
Schöpf 550.
rest stf. Rast, Ruhe 709, 4844.
Mhd.Wb. 11,556. Lexerll, 410.
ribaldein stm. Schurke, ribaldöne
2130.
ribaldrei stf. Büberei, ribalderia
6621. 9070. 9621. Vergl. Lexer
II, 414.
rieht stf. angerichtete Speise, Sache
5382. Lexer II, 433. Schöpf
552.
riemeswm. Ruder, remo 6463. Mhd.
Wb. II, 699. Lexer II, 424.
röre swf. Rohr, Röhre 10061.
rotwalsch stf. das Rotwälsch, Gau-
nersprache 9086. Vergl. Anm.
rufFian stm. Lotterbube, Knppler,
hier fanciullo 3556.
Iluha. Ruha-gaist, 5364. hailiger
Ruha 7621, heiliger Geist.
S.
sache stf. Sache, Ursache, Art 3344.
an sache, controaragione3402.
senza cagione 9186. manigerlai
sach, di molte ragioni 3981. in
dreierlai sach, di tre modi 4558.
Sager stm. Redner, Erzähler 4518.
saichen swv. harnen 6629. 6639.
395
sälde swf. Glück, Heil 5004. 5009.
Mhd. Wb. K2, 35. Lexer II,
579. Grimm Myth. 822.
sam ady. u. conj. ebenso, so, als ob
5485. 5589. 6214. 6585 u. ö.
Mhd. Wb. II2, 44. Lexer II, 591.
samnung stf. Sammlung 6955.
säten swv, satt machen, sättigen
562. Mhd. Wb. II2, 58. Lexer II,
615.
schabe swf. Schabe, tinea, tarma
762. 1001.
schämen swv. zeigen, offenbar ma-
chen 1268.
Schalken swv. zum Knechte machen,
erniedrigen 6735. Mhd. Wb.
II2, 78.
schallen swv. laut lachen 9414.
Mhd. Wb. II2, 126.
schalten stv. fort stossen, wegwerfen
6769.
Scham stf. Scham, Schamhaftigkeit,
vergogna 6443. 6444. 6461.
6551. 6560 u. ö.
schämig adj. schamhaft, bescheiden,
vergognoso 6559.
scharf adj. mit gen. scharf an, mäch-
tig an 483. Vergl. Wolkenstein:
ain doctor aller weishait scharf
XX, 1, 3.
schein adj. strahlend, hell, schein
tuen, zeigen, offenbaren 2220.
scheutz stm. Abscheu, Furcht,
Schrecken 9713. Mhd. Wb. II2,
109. Schmeller Fr. II, 389.
scheuzleich adj. abscheulich hässlich
7140. Mhd. Wb. II2, 109.
schober stm. Schober, Haufen 9792.
Mhd. Wb. II2, 169. Schöpf 642.
schon adv. schön 103.731. 49 12.U.Ö.
schrattel stn. Schrätl, elbisches We-
sen, Zwerg 7804. Mhd.Wb.II2,
205. S. Anm.
schüten swv. schütteln 4325. Mhd.
Wb. II2, 229.
se interj, da nimm, nimm hin 7005.
Mhd. Wb. II2, 275. Schöpf663.
Schmeller Fr. II, 201.
sedel stm. Sitz, Thron 9619. Mhd.
Wb, II2, 234.
sei pron. sie, accus, sing. 255.
2021.3000.5388. 6094. accus.
pl. 2013. 6430. 9734. 9793.
seigerät stn. letzter Wille, Testa-
ment 4211. Mhd.Wb.II, 574.
Schmeller Fr. II, 165. Schöpf
668.
sengen stn. Brennen, Brand, Feuer
9984.
ser stf. Leid, Betrübniss 4803. stn.
Schmerz, Leid 4895.
setzen swv. schätzen, halten 4755.
seul stswf. Säule, Pfeiler 249.4313.
4316. 4326. aichenseul 7982.
sigehaft adj. siegreich 5 551. 7809.
Mhd. Wb. II2, 265.
sigstain stm. Sieg verleihender Stein
7808. Mhd.Wb.II2, 6 16. Grimm
Myth. 1170. Vergl. Anm.
sit stm. Sitte, Gewohnheit, Brauch
4130. 4607. 9214. 9559 u. ö.
Mhd. Wb. II2, 322.
slacht stf. Gattung, Art 8529.
9541 u. ö.
slappen swv, ziehen, schleppen
9429. Schöpf 617. Fromann's
Zeitschrift VI, 133.
siecht adj. gerade, schlicht 1978.
6465.
sleifen stv. gleiten, fallen 10060.
Mhd. Wb. II2, 399.
sltippen swv. schleichen 9069. Vil-
mar, Idiotikon 358.
smaichen swv. mit accus, schmei-
cheln, lusingare 2458.
smaichenred stf. Schmeichelei, lü-
singa 2396. 3382. smaichungred
2416.
smalz stn. Butter 7792.
snöd adj. 1. schlecht, gemein, vile
396
4443. 4544. 2. elend, raisero
7060. 7061.
snödichait stf. 1 . Schlechtigkeit, Ge-
meinheit, vita 4380. 2. Elend,
miseria 7062. 7068.
sorgsam adj. gefährlich, gefahrvoll,
pericoloso 1432. 6589.
sorgsamleicll adj. gefährlich, peri-
coloso 6460.
SOten swv. verwesen, in Fäulniss
übergehen 1851.
specher stra. Späher, ispia 5179.
spehender adj. grausam, spietato
1254.
spilleutstm.pl. Possenreiser, Gauk-
ler, giullari 9704.
sporstn.Spur,Fussspur 6789. Mhd.
Wb.IT2,516. Schmellerlll, 575.
Sprung stm. Ursprung 521. Mhd.
Wb. I2, 547.
spürzeln swy. spucken, speien, spu-
tare 9218. Mhd. Wb. II2, 514.
Schmeller III, 577. Schöpf 695.
stahelzain stm. Stäbchen aus Stahl
1509. Mhd. Wb. III. 868.
stainen swy. steinigen 6238. Mhd.
Wb. II2, 618.
starkmüetichait stf. 1. Starkmuth,
Grossmuth, magnanimita 4484.
4488.4506. 2. Grösse, Erhaben-
heit, grandezza 4561.
Stat stf. Gelegenheit 9185. Mhd.
Wb.II2, 604.
stätichait stf. Standhaftigkeit, Be-
ständigkeit, costanza4 682.4696.
4724.
stechen stn. Ritterpiel, Buhurdieren,
bagordare 8563.
sterben swv. tödfcen 6376. Mhd.
Wb. H2, 644.
Steur stf. Hilfe, Abhilfe, Unterstütz-
ung, Beistand 134. 1930. Mhd.
Wb. H2, 650.
steur en swv. unterstützen, fördern
8176. Mhd. Wb. H2, 652.
stören, stören swv. zerstören, ver-
derben 5748. 8098.
störer stm. Zerstörer, Verderber
2294.
strälen swv. kämmen 1557. 1568.
3474. Mhd. Wb. II2, 672.
stram swm. Strom, Fluss 6989.
Mhd. Wb. II2, 673.
Strange swf. Strang, Strick 1693.
5569.7936. Mhd. Wb. II2, 674.
straffung stf. Zurechtweisung,Tadel,
correziöne 195. 200. 201. 203.
2224.2244. Mhd. Wb. II2 671.
straus stm. Handel, Sache 3943.
streit stm. Rache, Vendetta 1676.
1683.
strengichleich adv. strenge, gewal-
tig 5738.
stuet stf. Heerde von Zuchtpferden,
Gestüte 2603. Mhd. Wb. H2,
715.
stumb adj. besiegt, überwunden,
vinto 1449. 1450.
stumme swm. Stummer, Sprachloser
7553.
SUen stf. Gericht, Urtheil, giudizio
1475. Versöhnung, Friede 4945
u. ö. Mhd. Wb. II2, 749.
sumeleicli pron. mancher, nonnullus
7880.7947. Mhd.Wb.n2,276.
Schmeller Fr. H, 281.
sunnewent stf. Sonnenwende, Som-
mersolstitium 7824. Mhd. Wb.
ni, 688. Schöpf 730.
surthart stm. Hurer, Luderkerl.
Vergl. sirte mhd. Wb. II2, 320.
Schmeller Fr. II, 327.
swanzen stn. zierliches Bewegen,
hier Turnieren , armeggiare
8563. Mhd. Wb. II2, 762.
Schöpf 658.
swern stv. schmerzen, weh thun,
abswernin Folge des Geschwü-
res abfallen. Mhd. Wb. II2, 808.
Schöpf 661. Schmeller HI, 546.
397
T.
tadel stra. Laster, vizio ; wider-
wärtiger tadel, contrario
vizio 4555. allen seinen ta-
del, tutti ivizj 4589.
tag, verworfene, Unglückstage 7 768.
Vergl. Anm.
tagwaid stf. Tagereise 5817. Mhd.
Wb. III, 553.
taheswf. Dohle 1621. 1626.1630.
Mhd. Wb. III, 1 1 . Schmeller Fr.
I, 994. Schöpf 73. Vintler über-
setzt damit irrig Ipega. Vergl.
Anm.
talgenswv. kneten 7913. Schmeller
Fr. I, 505. Schöpf 74.
tar s. turren.
tarantstm. Scorpion, scarpiöne 784.
2664. 5983. Mhd. Wb. III, 16.
Schöpf 737.
tatelpaum stm. Dattelbaum 5444.
tatler stm. Dattelbaum 5441.
taugen adv. verborgen, heimlich
4024. 9011. 9201. Mhd. Wb.
in, 59.
taugen stn. Geheimniss 7661.
taugenhait stf. Heimlichkeit, Ge-
heimniss 8457. Mlid. Wb. III, 60.
taugenleich adv. heimlich 2432.
Mhd. Wb. III, 60.
tenk adj. link 7849. 9562. 10046.
Mhd. Wb. in, 29. Schöpf 79.
Schmeller Fr. I, 524.
test stm. zusammengedrücktes Zeug,
verflochtene, zusammenklebende
Haare u. Aehnl. 1626. 4704.
Schmeller Fr. I, 550. Schöpf 81.
teur stf. Theuerung, Not, carestia
2003.
teut stn. Auslegung, Frklärung ; z e
teute, deutlich, klar 7 8 01. Mhd.
Wb. I, 327. Schmeller Fr. I,
551.
tierel stn. kleines Thier, Thierchen
5424.
tinnestf. Stirne, Schläfe 9229. Mhd.
Wb. in, 38. Schöpf 744.
tolhart stm. toller Mensch, Tollheit
(?). Ueber Appellativa mit der
Endsilbe hart gebildet s. Schmel-
ler Fr. I, 1167.
topf stm. Kreisel 9472. Mhd. Wb.
in, 48. Vergl, deutsches Kinder-
spiel im Mittelalter 27. 28
toret adj. thöricht 8821. Schöpf
747.
torocht adj. thöricht, dumm 740.
2767. Mhd. Wb. III, 51. Wol-
kenstein XVII, 5, 12.
totentuech stn. Leichentuch 7990.
totleichkait stf. Tod, morte 1201.
trachtein stm. Herr, Gott 3141.
Mhd. Wb. III, 122.
trappe swm. Trappe, tarda 9123.
Mhd.Wb. III, 84.
trätzen swv. necken, reitzen8863.
Schmeller Fr. 1,681. Schöpf752.
träum swm. Balke 8998. Mhd.Wb.
I, 391. Schmeller Fr. I, 662.
Schöpf 750.
treiben stv. treiben, wider treiben,
vorwerfen, vorhalten, rimprove-
rare 1973. 1974.
triegel stm. Betrug, Trugbild 5338.
6604. 8199. 9969. Mhd. Wb.
IU, 105.
trinken stn. das Trinken, der Trank
3839. Mhd. Wb. III, 92.
triteln swv. kleine Tritte machen,
trippeln 9388. Schmeller Fr. I,
680. Schöpf 755.
trofferei stf. dummes Zeug, Zauberei
7984. Vergl. das Scheltwort
Tropf. Schmeller Fr. I, 673.
Schöpf 759.
tror stn. Tropfen, Feuchtigkeit
1157. Mhd.Wb. IU, 1 1 4. Schmelr
ler Fr. I, 674.
tr u genhaft adj. betrügerisch, falsch
8483. Mhd.Wb. III, 105.
398
trutte stf. Trude, Nachtmahr 7 7 9 7 .
Mhd. Wb. HI, 124. Schmeller
Fr. I, 648 Schöpf 760. Vergl
Anm.
tugen v. anom. pr. tochte, conj.töchte,
tochte, angemessen sein, taugen,
passen, nützen2089.3448.36 15.
5150. 9331. Mhd. Wb. III, 54.
tugen stn. Taugen, Ziemen 8758.
tugenthait stf. Tugend, virtü 2232.
tugentleich adj. tugendhaft 97.
3088. Mhd. Wb. III, 56.
turren v. anom. wagen, sich erküh-
nen, präs. ind. 1. und 3. pers.
tar. plur. turren. prät. ind. torste
1256. 5087.9811.9140. Mhd.
Wb. III, 14.
turstichait stf. Kühnheit, Verwegen-
heit 9731. Mhd. Wb. III. 16.
twangen stn. Zwang, Selbstüber-
windung 4760.
twingen stv. zwingen, beherrschen
6781.
tyrus, eine Schlange 6315. Vergl.
Megenberg 284, 6 ff.
u.
überchommen stv. überkommen,
überwinden 7057. Mhd. Wb I,
905.
Überlaut adv. sichtlich, öffentlich
9111.
übervil adj. übermässig viel, soper-
chio 6520.
übrig adj. übermässig, überflüssig
8924.
umeral stn. Humeral, Schultertuch
bei der Messkleidung 9690.
9711.
unainung stf. Zwietracht, Zorn, dis-
cordia 1380. ira 1485.
unbesint adj. unverständig, thö-
richt 7834.
und relativ 8569. 9159. 9625
10101.
undanknäm stf. Undankbarkeit, in-
gratitüdine 5624.
underjop stf. Unterjacke 94 42.
Mhd. Wb. I, 774. Schöpf 294.
Linderweilen adv. zuweilen, manch-
mal 7177. Mhd. Wb. III, 607.
Underwint stm Verzug, Zögern
2764.4810.5345.5726,6596.
7168. 7269 u. ö, Mhd.Wb.HI,
682.
ungerechtikait stf. 1. Ungerechtig-
keit, ingiustizia 3210. 3335 u.ö.
2. Beschimpfung, Beleidigung,
ingiiirie 3725.
uneren swv. verunehren, beleidigen
9502.
Ungepeinet adj. ungepeinigt, unge-
quält 9788.
ungepessert adj. ungestraft, impu-
nito 1009.
ungeschicht stf. Missgeschick, Un-
fall 3543. Mhd. Wb. II2, 117.
ungewarleich adj. unsicher, gefähr -
lich2030.Mhd.Wb 111,505.522.
Schmeller IV, 124. Schöpf 801.
unholle swf. Unholdin, Hexe 7955.
Mhd. Wb. I, 704. Grimm, Myth.
942. Schöpf 272.
uncheuschenswv. coire6217 Mhd.
Wb. I, 823. Megenberg 748.
unchunst stm. Mangel an Kunst,
Ungeschicklichkeit 1 2. Mhd. Wb.
I, 816.
Unmäradj. gleichgiltig, wertlos, un-
wichtig 3025. Mhd,Wb. II, 69.
unpoliert adj. ungeschliffen, roh
6841.
unsaubern swv. verunreinigen, be-
flecken, macchiare 6195. Mhd.
Wb. II2, 719.
unfinnig adj. sehr unlauter, sehr
un keusch 9843. Vergl. Schöpf
137. un ist hier verstärkend,
Vergl. Lexer, kärntisches Wörter-
buch 247. Schöpf 782.
399
Ullfruet adj. unklug, thörichfc, schäd-
lich 535. 1328. 10099. Schöpf
157. Lexer, kämt. Wb 103.
unfuer stf. ausgelassenes Betragen,
Unfug, Lärm 9097. Mhd. Wb.
III, 263. Schmeller Fr. I, 748.
Schöpf 159.
unwillig adj. veraltet, invecchiato
1379.
unwirdichaitstf. Wegwerfung, Ver-
geben derWürde, dejezione 5390.
Unz präpos. u. conj. bis, so lange
bis 1152. 1594. 1841. 4761.
5564. 6118 u. ö. Mhd.Wb III.
190. Schöpf 783. Schmeller Fr.
I, 118.
Üppig adj. leer, unbewohnt 6936.
Mhd. Wb. III, 193.
ur stf. Stunde, hora 4482. 7119.
Schöpf 784.
urdrutz stm. Ueberdruss, Unlust
6540. 9990. Mhd.Wb. I, 398.
Üren stf ein Maass für Wein 4225.
Schmeller Fr, I, 147. Mhd.Wb. III,
195. Schöpf 785.
urspring stn. Ding, Sache, cosa
2040.
F. u. V.
vaien swv. sieben, cribrare? 9090.
Vergl. Schmeller Fr. I, 683. Ver-
muthlich ist faiget (F) zu lesen:
faigen, faicken swv. scher-
zen, schäckern, scherzend zerren.
Schmeller Fr. I, 689. Schöpf
114.
vaigadj. feige, schlecht; und wirt
darzue zue den vaigenge-
z a 1 1 , e sara meno apprezzato
8615.
fäilung stf. Irrthum, Lüge, ob er
ain failung zue dirspricht,
quando egli falla 3053.
vaiz adj. feist, fett 986. Mhd. Wb.
III, 292.
väle stf. das Fehlen,Fehl 7857. Mhd.
Wb. III, 215.
välen swv. fehlen, betrügen, faliire
7470.7472. Mhd.Wb.III, 214.
valke swm, Geierfalke, girfalco
4489.
valsch stm. Unredlichkeit, Falsch-
heit, Betrug 9087. Mhd. Wb.
III, 228.
vanknusstf. Gefangenschaft 2302.
Mhd. Wb. III, 211.
fantasung stf. Einbildung 9842.
var stf. Fahrt, wilde Fahrt, wildes
Heer 7992. 8023. 8025. Mhd.
Wb. III, 250.
vart stf. an diser vart, dies-
mal, sogleich 4094. auf der
vart, bei dieser Gelegenheit, da
776. an der vart sogleich
4242. Mhd.Wb.III, 252. Schmel-
ler Fr. I, 759.
Vasnacht stf. Fasnacht, Fasching
6636. Mhd.Wb. II, 302. Schmel-
ler Fr. I, 763. Schöpf 122.
vaste adv. fest, sehr 5000. Mhd.
Wb. in, 274. Schöpf 123.
vech adj. bunt, mit Pelzwerk ver-
brämt 6752. Mhd.Wb. III, 285.
Schöpf 126. Schmeller Fr. 1,700.
vech stn. Pelzwerk 9419. Mhd.
Wb. III, 285. Schöpf 126.
vechten stn. Fechten, Schlacht, bat-
taglia 4161.
vechtleich adj. anfechtend, anreit*
zend 9676.
verbena, Eisenkraut 7822. S. Anm.
verpelt adj. geschwollen, unempfind-
lich 4252. Mhd. Wb. I, 118.
Schmeller Fr. I, 227. Schöpf 35.
verpern stv. beiseitelassen, unter-
lassen, das war vil pesser
verporen, dies bliebe viel besser
unterlassen 1 08. Mhd,Wb. 1,158.
verch adj. tödtlich, schädlich 7419,
Mhd. Wb. III, 302.
400
verdagenswv. verschweigen 9597.
Mhd. Wb. I, 297.
vergeben stv. mit dat. vergiften
4541. Mhd. Wb. I, 505.
vergen v. an. red. vorübergehen,
fortgehen 9571. Mhd. Wb. I.
473.
verhaben swv. verhalten, zuhalten
4642. 4646.4649,8591. Mhd.
Wb. I, 601.
verhalten stv. zurückhalten, tenere
2125. 2130. Mhd.Wb. I, 622.
verchoren adj. aufgegeben , ver-
gessen, discacciata 1261. Mhd.
Wb. I, 827.
Verlunzen swv. refl. sich ruhig ver-
halten, stille bleiben 9088
Schmeller Fr. I, 1495. Vilmar,
kurhess. Idiotikon 255.
vermären swv. verrathen 4539.
Mhd. Wb. II, 71. Schöpf 421.
vermessen adj. entschlossen, tnuthig
5956. Mhd. Wb. II, 215.
Vernewen swv. erneuen, rinnovare
4714. Mhd. Wb. II, 389.
vernunst stf. Vernunft, Klugheit
6765. Mhd.Wb. 11,376.
VerÖsen swv. verderben, vernichten
302. 9891. Mhd. Wb. II, 447.
Schmeller Fr. I, 164.
Verratenschaft stf. Verrätherei, tra-
dimento 3632. 3741. 4549.
Falschheit, falsita 4623.
Verräter stm. Wahrsager, indovina-
tore 3767.
verreren swv. verrinnen, verderben
2679. Vergl. Mhd. Wb. 11,677.
Verrichten swv. refl. sichentschlies-
sen, sich bewegen 86. Mhd.Wb.
II, 651. Schöpf 552.
Verschroten swv. verhauen, wie
habt ir euch so gar ver-
schrotet, wie habt ihr euch
verhauen, im Hauen geirrt 932.
Mhd.Wb. II2, 220. Schöpf 649.
Versionen stv. merken, beachten
290. Mhd. Wb. II2, 310.
versuchten swv. ausgleichen, ver-
zeihen 10158.
verstanstv. stille stehen, versäumen
884. Mhd.Wb. II2, 586.
verstandenhait stf. Verständigkeit
7466. Mhd. Wb. II2, 589.
vertören swv. vollends bethören
8099. Mhd. Wb. III, 51.
vertragen stv. sich gefallen lassen
5772. Mhd.Wb. III, 74.
vervachen, vervahen stv. 1. ver-
nehmen, wahrnehmen 1242.
9209. 2. tadeln, riprendere 3052.
3. refl. sich unterfangen, begin-
nen 5607. Mhd. Wb. III, 208.
verwarken v. anom. wirke, schaffe
in etwas hinein 5330. Vergl.
verwürke Mhd. Wb. Iil, 593.
verzaghait stf. Verzweiflung, dis-
peraziöne 1138. 3129.
verzeichen stv. versagen, verwei-
gern 8132. Mhd. Wb. III, 878.
vestichait stf. Beständigkeit, Be-
harrlichkeit, stabilita 4682.
feurein adj. feurig 3273. 5919.
Mhd. Wb. III, 333.
vierkle stm. vierblätteriger Klee
7779. S. Änm.
viezstm. Held 4287. Mhd.Wb. Iil,
308.
villan stm. Dörfer, Bauer 4197.
6716. 6751. Mhd. Wb. III,
314.
vinster adj. entgegengesetzt, feind-
lich 1808.
vippernater stf. Vipper 9007.
firmnus stf. Firmung, confirinatio
6173.
visamei stf. Phisiognomie 9372.
visament stm. Gesicht 9199. Vergl.
Mhd. Wb. III, 330. Schmeller
Fr. I, 849.
visieren sw. modelliren, darstellen,
401
schildern 5372. Mhd. Wb. III,
330, Schmeller Fr. I, 849.
vischgrat stm. Fischgrat 8213.
flech stf. Fläche, Platz (?) 9090.
Mhd. Wb„ ffl, 334.
flaudern swy. flattern 4704. Mhd.
Wb. III, 353. Schmeller Fr.1, 788.
fledermaus stf. Fledermaus 6723.
7859. 10148.
flust stf. Verlust, Schaden 7414.
Mhd. Wb. I, 1033.
volherten swv. fest bestimmen, ent-
schliessen8783. Vergl. Mhd.Wb.
I, 639.
vollaist stf. Vervollständigung, Hilfe
33. Mhd.Wb. I, 962.
vor präp. m. genit. yor 113. 119.
813. 2918. 4462.4658.4996.
5561. 9349. 9514.
vorchtig adj. furchtsam, pauröso
4372. 4401. 4418. Mhd. Wb.
III, 385.
vorchtichleichen adv. furchtsam, ti-
morosamente 3765. Mhd. Wb.
III, 385.
forchtsamadj. gefährlich, pericoloso
2425. Mhd. Wb. III. 385.
Schmeller Fr. I, 753.
vordem swy. bitten, begehren, do-
mandare 2026. 2300.
Vorhaut ady. vorhanden 8138.
Schmeller Fr. I, 1121.
formieren swv. gestalten, formare
9418. Mhd. Wb. III, 388.
formung stm. Befestigung, ferma-
mento 708.
vorsehen swv. bitten, begehren, do-
mandare, dimandare 1950. 2006.
2024. 2072. 9253. 9256,
fort adv. stark, sehr, forte 8447.
8966.
fraidig adj. übermüthig, ausgelassen,
prahlerisch 4l80. 4184. 4264.
Mhd. Wb. m, 397. Schmeller
Fr. I, 806. Schöpf 149.
Zingerle, Vintler.
fraidichait stf. Muth, Kühnheit, pro-
dezza 1263.4172.4177.4181.
4183 ff. Mhd. Wb. III, 397.
Schmeller Fr. I, 80 7.
fraislich adv. schrecklich, gefähr-
lich 5195. Mhd. Wb. III, 399.
frasshait stf. Gefrässigkeit, gola
5844.5860.5878.5921.5922.
Mhd. Wb. I, 762.
frat adj. abgerieben, verschlagen
6626. Schmeller Fr. 1,829. Mhd.
Wb. III, 395.
freilich adv. frei, liberamente 2553.
Mhd. Wb. III, 403.
freiung stf. Befreiung, Emunität
9673.
fruet adj. gesund, munter, klug
5092. 7215. Mhd.Wb.III, 389.
Schmeller Fr I, 831,
fr um stm. Vortheil, Gewinn 4788.
7770. Mhd.Wb. III, 429.
frumchait stf. Bravheit, Trefflich-
keit 1265. Mhd. Wb. III, 431.
frummenswv. bereiten 3100. Mhd.
Wb.III, 432.
fuder adv. weiter vorwärts, fürder,
weg 1482. 6695. 6735. 6763.
7413. 7763. Mhd. Wb.III, 382.
Schöpf 158.
füeren swy. führen, füeren das
recht, fare gius tizia 2939.
fundament stn. Grund, Grundlage,
fundamento 3788. 4261. 5860.
fürben swv. reinigen, putzen, schneu-
zen, forbirsi 9220. Mhd. Wb.
III, 446, Schöpf 162. Schmeller
I, 751.
fürbesehenhait stf. Vorsicht, pro-
videnza 25 19.
fürbesichtichaitstf. Klugheit, Weis-
heit, prüde nza 2530.
fürsatz stm. Vorsatz, proponi-
mento 4685. 4^87. 4691.
fut stf. eunnus , vulva. 7837.
8191.
26
402
Mhd. Wb. in, 448. Schmeller
Fr. I, 693. Schöpf 158.
W.
wacker adj. munter, wacker 5324.
Mhd. Wb. III. 452.
wag stm. Wasser, Flut 6983. Mhd.
Wb. in, 645. Schöpf 794.
wagenungstf. Zank, Gebalge, rissa
1381.
waidenleich adj. jagdgemäss, frisch
8559. Mhd. Wb. III, 554.
wal stn. Walstatt 3235. Mhd. Wb.
III, 466.
Walch stm. der Wälsche 3748.
Mhd. Wb. III, 467.
wankelsit stm. Unbeständigkeit
8715.
Warnung stf. Hut, Acht 7338. Mhd.
Wb. III, 526.
wart stn. Wort 1116.2121. Vergl.
Weinhold, bair. Gram. § 6.
wegschaide stf.Wegescheide, Kreuz-
weg 8235. S. Anm.
wegwart stf. Wegwarte, Cichorium
7838. S. Anm.
weih n ach tn acht stf. Christnacht
8214. 8226.
weislos ady. ohne Führer, ohne Lei-
tung 1877.
weif stm. das Junge, der junge Löwe
2834. Mhd. Wb.III, 563. Schmel-
ler IV, 66.
wende stf. Umkehr, Aenderung des
Schiksals 10021. Mhd. Wb. III,
687.
wendig adj. rückgängig 4411. Mhd.
Wb. HI, 694.
wenken swv. wanken, straucheln
8530. Mhd. Wb. III, 707.
werre swm. Verwirrung, Aufruhr,
Streit, guerra2749. 3057. 3350.
5875. 8509. Mhd. Wb. III,
746.
werren stm. Streit, guerra 4936.
Wesen stn. Gewohnheit, Betragen,
usanza 4184.
wetag swm. Schmerz, Weh, Krank-
heit 3145. 3146. Schmeller IV,
2. Schöpf 805.
weu instrum Ton w a s 4292.8895.
9339. 9461.
widerpart stm. stf. Gegentheil, con-
trario vizio 1115. 2083. 2120.
5396. Mhd. Wb. II, 467.
widerdriez stm. Verdruss 4038.
Mhd. Wb. I, 39 7.
Widerreden swv. widersprechen, con-
tradire 3866.
widertat,wolWiderthon,Frauenhaar,
capillus Veneris 8239. Vergl.
Lonicerus, Kräuterbuch 459.
widerwärtichait stf. 1. das Gegen-
theil, contrario 2760. 3625.
4368. 2. Widerwärtikeit, Un-
glück, aversita 4 162. 4384. Mhd.
Wb. III, 601.
widerzäm, widerzam adj wider wär-
tig, missfällig 5689. 619.9. 6258.
7431. Mhd. Wb. III, 891.
widerzäm stf. Missfallen, Verdruss
8743.
wirs adj. böse, schlimm 90 18. adv.
3659. Mhd. Wb.III, 747, Schöpf
818. Schmeller IV, 149.
wit stf. Wiede, gedrehtes Zweig,
ritorta 4923. Mhd. Wb.III, 618.
Schmeller IV, 31. Schöpf 814.
withoph swm. Widehopf 7841. Mhd.
Wb. I, 710.
wolgevallenchait stf. Gefälligkeit,
Freundlichkeit, Anmuth, piaceyo-
lezza 211. 242. 2385. 3423.
wollust stf. Vergnügen , diletto
3020.
wolmugentadj. stark, munter, atante
4136.
WÜetreich stm. Tirann, tiranno3 019.
3027. 3378.
WÜlscherr stm. Maulwurf, talpa
403
4011. 4023. Schmeller IV, 60.
Schöpf 821.
wuffun m. Possenreisser, Schalks-
narr, bufföne 9626. 9060.
Z.
zäch adj. zähe, fermo 2606. Mhd.
Wb. Iir, 840. Schöpf 823.
zagel stm. Schwanz 2467. 4554.
Mhd.Wb. in, 839. Schöpf 824.
zan stm. Zahn, plur. zende 2117.
2250. 7128.
zandwe stm. Zahnweh 7778.
zart adj. lieb, geliebt 2881. Mhd.
Wb. III, 850.
zart stm. Liebling, Geliebte 4966.
Mhd. Wb. III, 850.
zedel stf. Zettel, Blatt 6668. 6739.
Mhd. Wb. III, 860.
Zentrum stm. das Centrum, Mittel-
punkt 7160.
zerütten swv. verderben, corrompere
3760.
zese swf. die rechte Hand, Rechte
10116. Mhd. Wb. m, 872.
zestrewen swv. zerstreuen, zerstö-
ren 1579. Mhd. Wb. II2, 701.
zicken swv. leise berühren, necken,
quälen 2603. Mhd. Wb. III, 873.
Lexer, kämt. Wb. 265. 61. —
Schmeller IV, 265.
zun swv. bestimmen 1917. 2707.
2984 3560. Mhd. Wb. III, 884.
zisma stn. Schisma,Zwietracht4 958.
zistel stn. Tragkorb, flacher Korb
8497. Mhd. Wb. III, 910.
Schmeller IV, 290. Schöpf 829.
zogen swv. ziehen, gehen 3185.
Mhd. Wb. in, 935.
zorenhait stf. Zorn, ira 1460.
zornichait stf. Zorn, ira 1472. 1512.
zotte stf. Zotte, Haare 9122. 9418.
9424.Mhd.Wb.ni, 947. Schmel-
ler IV, 29 6.
zuccun stm. Grosser Kürbis, als
Schelte, zuccone 9627, oder ist
zuttun, suttun zu lesen? Sieh
zote. Tropf, Pinsel. Diez. rom.
Wörterbuch II. Aufl. I, 448.
Zucht stf. Ding, cosa 6469.
zuelent stf. Landung, Landungsplatz
9884. Mhd.Wb. I, 938. Schöpf
386.
zuetrager stm. 1. Hinterbringer,
Ohrenbläser, rapportatöre 8833.
2. Spötter, motteggiatöre 9172.
zwehel swf. Tischtuch, tovaglia 385.
Mhd. Wb. iU, 157. Schmeller IV,
303. Schöpf 833.
zwei stn. Zweig, Ast 5947. 7923.
Mhd.Wb. III, 656. Schöpf 834.
zweu, ze weu, wozu 923 s. weu.
zwinken swv. blinzeln 6261. Mhd.
Wb. 111,959. Schmeller IV, 307.
zwischen präpos. mit genit. 1592.
6947. Mhd. Wb. III, 955.
zwivach adj. zwiefach, doppelsinnig
9243.
Berichtigungen.
28 Mareie. — 708 1. in st. iu. — 803 1. den st. der. — 807 funden.
1376 und. — 1479 der wolbesint. — 1711 worden. — 2066 lüfte. — 2095 1.
sie st. sich. — 2918 yil. — 3329 purger. — 3477 iederman. — 37261. unterm
Text wil st. wie. — 3729 1. unterm Text verpringt st. verspringt. — 3733
wenn. — 4277 an. — 5420 wirstu. — 6437 Andronico. — 6715 teihen. —
6827 neur. — 7889 präut. — 8748 herr. — 8829 1. unterm Text poshait
stiften und finden GD. — 8840 1. unterm Text: fast unmer D< — 8997 ant-
wurt. — 9012 weise. — 9028 1. unterm Text: spotters WBSGD. — 9330 töcht.
— 9419 vechem. — 9463 tail. — 9517 sirt.
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